Archiv der Kategorie: Teekeramik

So reinigst du deine Teekeramik richtig

Wer sich japanische Teekeramik zulegt, wird sich früher oder später mit der Frage konfrontiert sehen, wie man diese richtig reinigt. Anders als Gebrauchsgeschirr und Porzellan, die man ruhigen Gewissens in den Geschirrspüler stellen kann, muss man mit Keramik, vor allem wenn diese nur teilweise glasiert ist, sehr vorsichtig umgehen.

Traditionelles Teegeschirr aus Asien, besonders aus Japan und China, ist häufig aus unglasierter Keramik. Die Sorten entsprechen unseren Keramikgattungen Steingut und Steinzeug. Aus China kommen die populären Yixing-Kännchen, aus Japan kennt man beispielsweise die rustikalen und überwiegend unglasierten Töpferwaren der Sechs Alten Öfen Bizen, Tamba, Echizen, Tokoname, Shigaraki und Seto.

Shigaraki-Chawan

Bei unglasierten Keramiken kommt der Tee in direkten Kontakt mit dem offenen Scherben.  Die Oberfläche des Scherbens ist porenartig, darin können sich leicht Ablagerungen wie etwa Patina bilden. Bei Kannen und Tassen wird diese Patina in der Regel nicht entfernt.

Reinigungsmittel sind tabu

Aus diesem Grund reicht es aus, wenn man die Utensilien nach Gebrauch unter warmem Wasser ausspült, eventuelle Teeränder mit einem weichen Schwamm entfernt und danach abtrocknet, da sich bei hartem Wasser sonst Kalkflecken bilden können (wie bei Gläsern auch). Auf keinen Fall sollten Utensilien in die Spülmaschine getan oder mit Spülmittel behandelt werden. Die Reinigungsmittel können sich im Scherben zeitweise festsetzen und den Geschmack des Tees negativ beeinflussen.

Vorsicht bei Matchaschalen!

Auch bei Matchaschalen, egal ob glasiert oder unglasiert, solltest du auf Spülmittel verzichten. Denn auch glasierte Matchaschalen können je nach Gattung unerwünschte Reinigungsmittel aufnehmen, wenn sie nicht wasserdicht sind. Dies betrifft vor allem Raku– und Hagi-Keramik, die entweder kurz oder nur bei niedrigen Temperaturen gebrannt werden, wodurch der Scherben nicht vollständig versintern kann. Das bedeutet, dass der Scherben immer ein bisschen Wasser aufnimmt, aber in der Regel nicht tropft. Daher sollte man wie bei normaler Teekeramik auch die Chawan nach Gebrauch einfach unter warmem Wasser spülen und trocknen.

Raku-Chawan

Diese Sorten solltest du einige Tage trocknen lassen

Bei Hagi- und Raku-Keramik ist es außerdem wichtig, dass die Utensilien nach dem Abtrocknen nicht zurück in die Holzschachtel getan werden. Da noch Feuchtigkeit im Scherben steckt, würde sich ein muffiger Geruch bilden. Daher solltest du zwei bis drei Tage Zeit verstreichen lassen, bevor du dein Utensil wieder in einer Schachtel verstaust.

Hagi-Chawan

Keramik aus Europa

Heutzutage gibt es viele Keramiker in Amerika und Europa, die Teekeramik im asiatischen Stil herstellen. Da diese Keramiken nach den gleichen Prinzipien gefertigt werden, solltest du bei deren Pflege auch genauso verfahren. Ich wünsche dir, dass du mit diesen Tipps noch lange Freude an deinen Utensilien haben wirst!

Warum ich nur noch kleine Kannen benutze

Kleine Kannen wirken auf uns häufig befremdlich und unnütz. Man kann damit nur wenige Schlücke Tee zubereiten, viel Aufwand und wenig Ertrag, könnte man meinen. Tatsächlich habe ich früher auch so gedacht. Das lag daran, dass meine Trinkgewohnheit eine andere war. Ich bereitete mir immer 400 ml direkt in einem großen Becher zu, den ich dann vor mich hin trank, während ich mich wieder anderen Dingen widmete.

Wozu also diese kleinen Kannen?

Kleine Kannen sind der Ausdruck einer komplett anderen Herangehensweise an Tee. Wer kleine Kannen (oder vergleichbare Utensilien mit ähnlichem Volumen) benutzt, der kann nur eine kleine Menge Tee zubereiten, dafür aber in mehreren Aufgüssen. Ja, das hört sich nicht nur nach Mehraufwand an, es ist auch mehr Aufwand und das ist auch gut so.

Denn es gibt zahlreiche Teesorten, die wir mit der Mehrfachaufgussmethode brühen können. Dabei geht es nicht mehr darum, den Tee nebenbei wie beispielsweise eine Apfelschorle zu trinken. Tee ist dann ein Genussmittel wie ein hochwertiger Cognac oder Whisky, dem man dann seine volle Aufmerksamkeit schenkt.

Welche Vorteile bringt mir die Mehrfachaufgussmethode?

Wenn ich mit einer kleinen Kanne Tee zubereite, dann versuche ich die Vielseitigkeit der ausgewählten Sorte zu ergründen. Jeder Aufguss schmeckt ein bisschen anders und das mach den Tee viel interessanter. Ich kann dabei den Geschmack meinen Vorlieben anpassen, in dem ich den Tee entsprechend dosiere und die Ziehzeit anpasse. Auch die Wassertemperatur hat einen Einfluss, den ich geltend machen kann. Es geht mir also um Genuss.

Das private Teeritual entspannt

Häufig nehme ich mir je nach Teesorte eine halbe bis eine Stunde Zeit. Während ich mich dem Tee hingebe, versuche ich, alles Andere auszublenden. Selbstverständlich läuft der Fernseher nicht im Hintergrund. Nicht einmal Musik höre ich nebenbei. Das lenkt nur ab von der Akustik des Kochens, des ganzheitlichen Erfahrens. Tee ist eine gute Achtsamkeitsübung und wenn man sich auf den Tee konzentriert, dann kehrt im Inneren Ruhe und Entspannung ein. Darüber habe ich hier bereits einen Artikel geschrieben.

Man spart auch Geld

Jedes anständige Teefachgeschäft hat im Sortiment einige besonders hochwertige Sorten. Diese kosten natürlich etwas mehr. Ich kaufe mir von den Tees, die mich interessieren, immer nur die kleinstmögliche Menge, das ist in der Regel 50 g. Je kleiner die Kanne, desto geringer ist mein Verbrauch. Da es beim Teegenuss ohnehin mehr auf die Geschmackserfahrung als auf die getrunkene Menge ankommt, spart man mit einem kleinen Utensil Geld. Und wenn man mehrere Aufgüsse macht, dann steigt die Trinkmenge ohnehin an.

Das Auge trinkt mit

Kleine Teekannen werden häufig von Keramikern noch handgemacht. Indem man sich eine hübsche Kanne für sich aussucht, kann man sich an dieser bei jeder Zubereitung erfreuen. Es steigert den Genussmoment, wenn man neben dem Tee auch die liebgewonnenen Utensilien während der kleinen Einkehr zum Tee auf sich wirken lässt. Dazu gehört neben dem Vorbereiten, dem Ausspülen auch die Handhabung. Dies ist auch der Grund, warum viele Teeliebhaber eine große Sammlung an Utensilien besitzen.

Mein Treffen mit Andrzej Bero

Andrzej Bero (geb. 1969) ist ein polnischer Keramikkünstler aus Warschau, der sich auf Teekeramik spezialisiert hat. Diese erfreut sich wachsender internationaler Beliebtheit und ich hatte das Vergnügen, Andrzej dieses Jahr endlich begegnen zu dürfen.

Ein Urlaub in Polen

Es fing damit an, dass unser Urlaub im August in Polen stattfinden sollte. Frau P. und ich waren mit dem japanischen Teil der Familie in den Masuren. Ein Ferienhaus direkt am See, so erholt man sich vom Großstadtleben. Die traditionelle polnische Küche ließ nostalgische Gefühle aufkommen, aber ich schweife ab.

Als ich mit der Urlaubsplanung begonnen habe, kam mir natürlich gleich in den Sinn, dass sich ein Abstecher nach Warschau, gerade mal 200km von meinem Urlaubsort entfernt, anbieten würde. Das ist ja nur ein Tagesausflug, dachte sich ein Pole, der in Deutschland aufgewachsen ist.

Polen ist infrastrukturell noch immer ein Entwicklungsland

Als ich jedoch am Tag davor die möglichen Routen im Navi sondierte, wusste ich, dass ich an diesem Tag mehr Zeit im Auto verbringen würde als mit Andrzej. In Polen sind zweispurige Landstraßen die Regel und Autobahnen die Ausnahme. Im Vergleich zu den restlichen EU-Ländern ist mein Herkunftsland in dieser Hinsicht noch immer ein Entwicklungsland. Für 200km brauchte ich satte vier Stunden. Wie gut wir es doch in Deutschland haben, dachte ich mir auf der Fahrt immer wieder.

Das Treffen mit Andrzej Bero

Andrzej Bero wohnt mit seiner Familie in einem Einfamilienhaus im Speckgürtel von Warschau. Er ist wie die meisten Polen ein Familienmensch.

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Bevor Andrzej seinen Weg zur Keramik fand, musste er einen Umweg gehen. Er fing zunächst an, Kulturwissenschaft zu studieren, bevor er merkte, dass die bloße Theorie ihn nicht erfüllte und er sich vom schaffenden Handwerk, dem Praktischen, viel mehr angezogen fühlte. Er ging dann in Radom in Ausbildung und lernte schon damals verschiedene Brenntechniken (z.B. Raku) kennen. Zur Ausbildung gehörte natürlich auch das Töpfern mit Töpferscheibe.

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Danach trat er der Künstlergruppe Keramos bei, in der er 10 Jahre aktiv gewesen ist. Diese Gruppe existiert noch heute und bietet jungen Künstlern eine erste Plattform.

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Wie Andrzej zur Teekeramik kam

Zwar gehört Teekeramik zum Repertoire vieler Keramiker in Europa, aber die meisten konzentrieren sich dabei natürlich auf die hier gebräuchlichen Formen. Dabei kommen große Kannen und Tassen mit Henkel heraus. Mit dieser Teekeramik hat daher auch Andrzej seine Erfahrungen gemacht, denn in den 1990er Jahren gab es noch keine gute Teeauswahl in Polen. Man trank damals noch häufig Schwarztee, wobei zuerst ein Konzentrat aufgebrüht und dieses bei Bedarf verdünnt wurde. Das Konzept kennt man auch vom Samowar.

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Ôkakura Kakuzos Buch vom Tee

Ein Schlüsselerlebnis war „Das Buch vom Tee“ von Ôkakura Kakuzo, das zwar strittig ist, aber dennoch vielen Menschen in Europa eine Idee von der Japanischen Teekultur vermittelte und immer noch vermittelt. Für Andrzejs Ausrichtung war dieses Buch vor sieben Jahren entscheidend, denn heute kennt man ihn vor allem wegen seiner schönen, asiatisch geprägten Teekeramik.

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Aus der Perspektive eines europäischen Keramikers ist die asiatische Teekultur voll von Inspiration. Neue Techniken und Formen bieten so viele Möglichkeiten. Umso schöner ist es, zu sehen, dass seine Bemühungen auch vom „Fernen Osten“ honoriert werden. Zuletzt hat er bei einem taiwanesischen Ausstellungswettbewerb Gold mit einer seiner Kannen gewonnen.

Andrzej Beros Keramik

Andrzej brennt im Schnitt alle sechs Wochen in einem Elektroofen. Trotz einiger Überraschungsmomente macht es seine Keramiken für ihn einigermaßen vorhersehbar. Seiner Vorstellung von Teekeramik zufolge, sollen die Utensilien dem Tee nicht die Show stehlen. Daher sind seine Keramiken relativ schlicht. Ihm ist wichtig, dass sie funktional sind – damit ist gemeint, dass eine Kanne beispielsweise gut gießen soll. Die meisten seiner Keramiken sind innen glasiert, damit der Ton den Geschmack des Tees nicht verfälscht.

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Ich habe die Zeit bei ihm sehr genossen. Wir hatten leider nur ein paar Stunden Zeit, ehe ich wieder zurück in unseren Urlaubsort musste, aber es hat sich auf jeden Fall gelohnt. Ich hoffe, dass wir beim nächsten Mal etwas mehr Zeit haben, um Tee miteinander zu trinken. Sein 1970er Pu Er war jedenfalls ausgesprochen lecker. Das sage ich als Pu Er-Zweifler.

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Wenn du neugierig auf Andrzej Beros Keramiken geworden bist, freue ich mich, wenn du dich im Shop danach umsiehst.

Bizen-Keramik des Ofens Gorobê

Bizen-Keramik (Bizen-yaki) gehört zu den Alten Öfen Japans und zeichnet sich durch seine unglasierten Keramiken aus (yakishime). Die Tonkörper werden durch Feuer und Asche im Inneren des Holzbrandofens gestaltet. Über das traditionelle Bizen-yaki, welches seit dem 11. Jahrhundert gebrannt wird, habe ich hier einen Artikel verfasst. Nun geht es weiter mit dem Ofen Gorobê, der sich auf das traditionelle Bizen konzentriert.

Der Ofen Gorobê

Dieser Ofen ist ein vergleichsweise junger Ofen, der in dritter Generation von Buyô Tsutomu geführt wird und sechs Mitarbeiter beschäftigt. Das Familienunternehmen arbeitete zuvor ebenfalls unter dem Namen Gorobê und stellte in der Meiji-Zeit noch Reiswein her, bevor es sich der Keramikproduktion widmete. Sein Großvater gab die Philosophie vor, in dem er anordnete, dass die hergestellten Gebrauchsgegenstände durabel sein sollen.

Buyô Tsutomu wollte ursprünglich Zimmermann werden, weil er gerne mit seinen Händen arbeitet und Dinge herstellt. Was er am meisten an seiner Arbeit mag, ist der Tag, an dem der Brand vollendet ist und die Begutachtung beginnt.

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In Japan wird zwischen freien Künstlern und den offiziellen Ofenverbänden unterschieden. Der Ofen Gorobê gehört zu den offiziellen Verbänden und verschreibt sich der Tradition Bizens.

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Gefeuert wird in einem noborigama, der schon 230 Brände hinter sich hat. Pro Jahr wird drei bis vier mal gefeuert, von den Früchten müssen alle Beteiligten leben.

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Jeder Ofen hat seine spezielle Tonmischung, so auch dieser. Wie für Bizen üblich, werden regionale Tonsorten miteinander vermischt, um den eigenen Anforderungen zu genügen. Bei Gorobê enthält der Ton 3% Eisen, was sich auch positiv auf den Geschmack des Tees ausüben soll.

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Der Brand

Als Brennmaterial dient die Japanische Rotkiefer (akamatsu). Ihre Asche ist für die gelbliche Glasur verantwortlich, die sich als Ascheanflugglasur während des zweiundzwanzigtägigen Brandes auf einige Objekte legt. Durch die Luken kann die Temperatur im Inneren homogenisiert werden. Die Höchsttemperatur beträgt 1250°C.

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Die Gefäße schrumpfen während des Brennvorgangs um 18,5%, normalerweise üblich seien wohl 20%.  Der Ofen verfügt über vier Kammern, die Ascheanflugglasur kommt aber vor allem in der ersten Kammer vor.

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Über die seitlichen Luken wird während des Brandes Kohle in die Zwischenräume der Gefäße platziert. Dadurch entsteht das begehrte „sangiri„-Dekor.

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Die Utensilien

Die Bandbreite des Ofens ist sehr groß, denn Bizen-yaki fand seinen Weg in viele Haushalte Japans. Das liegt vor allem daran, dass in ärmeren Zeiten Bizen-Keramik für seine Beständigkeit bekannt war. Früher kaufte man Stücke, um sie noch der nächsten Generation zu vererben. So ist es auch zu erklären, dass neben vielen praktischen Geräten für den Haushalt und die Japanische Küche auch Teeutensilien gefertigt werden.

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Für Teekeramik.com konzentriere ich mich auf Gebrauchsutensilien wie kleine und große Teebecher (yunomi) mit sangiri-Dekor. Doch auch Teezubereitungsutensilien wie Kyûsu und Hôhin sind ab und an zu finden. Ein paar Beispiele folgen weiter unten.

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Echizen-Keramik der Eheleute Kondô

Echizen-Keramik gehört zu den „Sechs Alten Öfen“ Japans. Das Zentrum liegt in der heutigen Präfektur Fukui, nördlich von Kyôto. Nachweislich wurde bereits ab dem 5. Jahrhundert Sueki-Keramik gebrannt. Ab dem 12. Jahrhunderts begann man mittels anagama hochgebranntes Steinzeug zu fertigen, das eine natürliche Ascheanflugglasur trug. Bis heute sind Holzbrandöfen für Echizen-yaki üblich, entsprechend natürlich fallen die Keramiken aus.

Traditionell wurden Töpfe und Fallen für Kraken hergestellt. Heute ist man dank der zahlreichen Betriebe viel breiter aufgestellt. Von einigen Keramikern werden auch Essgeschirr und Teeutensilien gefertigt. Zu diesen gehört das Ehepaar Kondô.

Ihr Weg zur Keramik

Nobuyasu Kondô  (46) fing bereits im Alter von 18 Jahren an, sich der japanischen Teekeramik zu widmen. Dies hat er seinem Freund und erstem Meister zu verdanken, der in Nagano Keramik nach dem Vorbild von Echizen-Keramik feuerte.

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Dies hat ihm dann so gut gefallen, dass er unter ihm lernte und sich eines Tages dazu entschloss, einen eigenen Ofen zu gründen. Um aber möglichst authentische Echizen-Keramik zu brennen, zog er zu diesem Zweck in die Präfektur Fukui, dem Herkunftsort, in dem seit dem 12. Jahrhundert ununterbrochen die Flammen der Echizen-Öfen lodern.

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Seine Frau Sanae Kondô geht diesen Weg entschlossen mit. Für beide war dies eine Art Neuanfang, diese Symbolik ist in der Bedeutung des Hôgetsu-Ofens (萌蘖窯) versteckt, denn das erste Schriftzeichen bedeutet „Knospe“, getsu beutet hingegen „junger Trieb“.

Der Ofen

Gebrannt wird in einem Holzbrandofen. Ein Brand dauert ganze 4 Tage und muss für einzelne Stücke wiederholt werden, wenn die Glasuren nicht wie gewollt ausfallen.

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Als Brennmaterial wird typischerweise Japanische Eiche und Kastanien-Eiche verwendet. Diese kommen häufig in der Region vor und verleihen Echizen-yaki die typische Ascheanflugglasur.

Die Produktpalette

Sanae Kondô stellt neben Vasen für Ikebana auch Teebecher her. Ihr Mann konzentriert sich auf Töpfe und filigrane Arbeiten wie beispielsweise Teekannen.

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Beide bilden die Objekte im Freihandaufbau. Das kostet Zeit, verleiht aber jedem Stück einen besonderen und rustikalen Charme.

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Die Glasur

Typisch für die Werke der Kondôs ist ein dunkler und rötlicher Scherben. Darauf legt sich eine helle Ascheschicht, die sich mit dem Tonkörper verbindet.

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Dabei entstehen auch fließende Übergänge, die eine individuelle Landschaft (keshiki) hinterlassen. Diesen ganz eigenen Glasureffekt nennen die Kondôs wegen der Ähnlichkeit auch Akebi (jap. für Fingerblättrige Akebie).

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Ihre Lebensweise

Die Kondôs sind sehr bescheidene Menschen, die zurückgezogen am Rande der Stadt Sabae leben. Dort am Fuße des Waldes haben sie ein altes Holzhaus bezogen, das zurück in die Meiji-Zeit reicht. Ein kleiner Bach läuft am Haus vorbei, in dem kleine Krebse leben.

Der tägliche Arbeitsplatz
Der tägliche Arbeitsplatz

Es ist eine einfache, aber glückliche Lebensweise. Es hat mich jedenfalls inspiriert, sie kennengelernt zu haben und ich freue mich schon auf den nächsten Besuch!

Sanae (rechts) & Nobuyasu (links) Kondô
Sanae & Nobuyasu Kondô

Wenn du dich für die Keramik der Kondôs interessierst, dann freue ich mich, wenn du dich im Shop danach umsiehst. Ich werde in den nächsten Tagen einige Utensilien online stellen.

Oribe-Keramik von Ryûji Hodaka

Ryûji Hodaka ist ein japanischer Keramiker, der sich auf Oribe-Keramik spezialisiert. Oribe-Keramik ist benannt nach dem Teemeister Furuta Oribe, der in der Momoyama-Zeit (1573-1615) aktiv und für seinen ausgefallenen Geschmack bekannt war. Mehr über Oribe-Keramik erfährst du hier.

Der Keramiker

Ryûji Hodaka kam als Kaiseki-Koch mit japanischer Keramik in Berührung. Kaiseki ist ursprünglich ein leichtes Gericht, welches seit dem 16. Jahrhundert während einer ausgiebigen Teezeremonie gereicht wird. Heutzutage versteht man darunter in erster Linie ein Menu aus vielen kleinen Speisen, die alle in mehreren Gängen in kleinen Schälchen oder Tellerchen aus Keramik oder Porzellan gereicht werden. In der Regel handelt es sich um saisonale Spezialitäten. Der Bezug zur Jahreszeit wird auch durch die Auswahl der Keramiken unterstrichen, daher gibt es eine große Artenvielfalt.

Ryûji Hodaka, Penny Simpson, Lukas Parobij
Ryûji Hodaka, Penny Simpson, Lukas Parobij

Ryûji Hodaka hat 16 Jahre als Kaiseki-Koch gearbeitet, entsprechend groß ist seine Kenntnis über japanische Keramik. Der Höhepunkt seiner Kochkarriere war seine zweijährige Arbeit im japanischen Konsulat in Spanien, wo er unter anderem für den spanischen Prinzen gekocht hat. Seiner neuen Leidenschaft widmet er sich seit fünf Jahren.

Wie Ryûji Hodaka zu Oribe-Keramik kam

Als Kaiseki-Koch muss man sich mit japanischer Keramik auskennen, um eventuelle Fragen der Kunden beantworten zu können. Dadurch hat er sich viel mit der Tradition und Geschichte auseinandergesetzt. Von allen Stilen gefiel ihm Oribe-Keramik am meisten, da sie am kreativsten und abwechslungsreichsten ausfällt. Dadurch genießt man als freier Künstler eine große Freiheit in der Gestaltung und muss sich nicht so eng an Traditionen klammern. Ryûjis individuelle Interpretation ist unverkennbar. Man erkennt zwar die Wurzeln und den Bezug zur Oribe-Keramik, dennoch überwiegt seine persönliche Handschrift.

Oribe-yaki von Hodaka Ryûji
Oribe-yaki von Hodaka Ryûji

Die Entstehung seiner Matchaschalen

Ryûji hat sich zum Ziel gemacht, jeden Tag eine Matchaschale zu fertigen. Dies geschieht so wie bei Raku per Freihandaufbau. Doch an einem Tag schafft er nur den Rohschliff, seine aufwendigen Chawan benötigen insgesamt vier Tage, bis sie gebrannt werden können. Dazu gehört das Aushobeln (innen) und Abschlagen (außen), wobei verschiedene Hilfsmittel zum Einsatz kommen. Dadurch bekommen seine Matchaschalen ihren kantigen und unverwechselbaren Charakter.

Modernes ao-Oribe von Ryuji Hodaka
Modernes ao-Oribe von Ryûji Hodaka

Der Brand

Der Rohbrand findet im selbstentwickelten Ofen bei 800°C statt. Erst nach dem Rohbrand wird die Glasur aufgetragen und bei 1250°C werden dann alle Keramiken 16 Stunden gebrannt. Der Ofen wird übrigens mit Lampenöl befeuert.

Oribe-yaki von Ryûji Hodaka
Oribe-yaki von Ryûji Hodaka

Künstlergruppe

Ryûji Hodaka engagiert sich in einer Künstlergruppe, die an dem Manga Hyôge Mono mitwirkt. Der Name geht auf einen Eintrag in einem Teeprotokoll zurück, in dem Furuta Oribe eine verkrümmte Teeschale als hyôge-mono (lustiges Ding) bezeichnete. Unter diesem Namen werden verschiedene Events abgehalten, bei denen auch Keramiken der Künstlergruppe ausgestellt werden.

Ryûji Hodaka
Ryûji Hodaka

Verfügbarkeit

Die Chawan von Ryûji Hodaka sind sehr kostbar und rar. Umso mehr freue ich mich, diese in begrenzten Stückzahlen im Shop anbieten zu können. Wenn du dich für die Chawan interessierst, freue ich mich auf deinen Besuch.

Ab nach Japan!

Mir rast die Zeit davon. In etwa einer Woche geht es wieder nach Japan und es gibt noch so viel zu tun. Aber das sind Luxusprobleme, denn ich empfinde es immer noch als großes Privileg meines Berufs, regelmäßig nach Japan fliegen zu können. Wobei sich das nicht nur auf meinen Hauptberuf bezieht, auch für Teekeramik.com werde ich quer durchs Land fahren, um neue Stücke zu finden. Doch das ist nicht alles.

Die Saat geht auf

Den Samen habe ich bereits letztes Jahr gepflanzt. Ich war im November 2015 viel unterwegs und habe Kontakte zu einigen Keramikern hergestellt. Diese werde ich dieses Jahr besuchen und mit Ihnen eine Zusammenarbeit aufbauen. Die Früchte dieser Bemühungen wirst du hoffentlich Mitte Juni im Shop finden.

Traditionelles Bizen-yaki

Was wird es also Neues geben? Zum einen habe ich einen talentierten Keramiker aus Bizen kennengelernt, der neben Bechern auch Teeschalen und Kannen herstellt. Ihm werde ich einen Besuch abstatten und sogleich ein paar hübsche Utensilien mitbringen.
Bizen-yaki
Bizen-yaki

Modernes Oribe-yaki

In Tokyo geht es moderner zu. Dort treffe ich Ryuji Hodaka, der wunderschöne und aufwendige Chawan im modernen Oribe-Stil kreiert. Pro Tag schafft er nur eine Teeschale, wenn man die aufwendige Gestaltung beachtet, weiß man auch warum.
Modernes ao-Oribe von Ryuji Hodaka
Modernes ao-Oribe von Ryuji Hodaka

Back to the roots: Echizen-yaki

In Fukui, meiner studentischen Heimat hat meine Leidenschaft angefangen. Daher bin ich besonders froh ein Ehepaar zu treffen, von dem ich schon 2009 meine ersten Stücke überhaupt gekauft habe – damals noch in einem unabhängigen Keramikgeschäft. Zum Glück habe ich schon damals eine Karte zu den Stücken mitbekommen, so konnte ich letztes Jahr einen Kontakt herstellen. Dieses Jahr werde ich sie treffen und bei dieser Gelegenheit einen Töpfermarkt besuchen. Vielleicht ergeben sich noch weitere Kontakte und im Shop siehst du dann, was ich noch gefunden habe.
Echizen-yaki
Echizen-yaki
Meine liebe Frau wird sich übrigens um den Shop kümmern, während ich weg bin. Falls du also etwas bestellen möchtest, wirst du nicht darauf warten müssen, bis ich wieder zurück bin.
Wenn du nach einem bestimmten  Stück suchst und möchtest, dass ich mich in Japan danach umschaue, dann kannst du mich gerne kontaktieren. Die Kontaktdresse ist im Impressum.

Warum eigentlich Teekeramik?

Wenn ich mit Menschen aus meinem Umfeld über das spreche, was ich beruflich mache, dann werde ich nicht selten als Exot wahrgenommen. Japanischer Grüntee bzw. Matcha ist  und bleibt wohl bis auf Weiteres eine erklärungsbedürftige Randerscheinung, auch wenn die Zahl der Liebhaber zu steigen scheint. Dennoch ist Tee ein Produkt, mit dem jeder etwas anfangen kann, denn Anknüpfungspunkte gibt es für jeden Menschen. Daher bringt man mir ein gewisses Verständnis für meine Tätigkeit entgegen.

Wenn ich dann aber von meiner privaten Liebhaberei erzähle, dass ich Teekeramik sammle und verkaufe, dann muss ich sehr weit ausholen. Es scheint, in unserer Gesellschaft wenig Vergleichbares zu geben. Darüber hinaus fällt es vielen schwer, zu begreifen, wozu man diese Teekeramik überhaupt benötigt. Da ich immer wieder zu denselben Erklärungen greife, habe ich mich dazu entschlossen, diese hier mit dir zu teilen.

Sie sind von einem Menschen für uns gemacht

In der heutigen Zeit sind wir häufig umgeben von industrieller Massenware. Und das meine ich gar nicht so negativ, wie es klingen mag, denn die industrielle Herstellung hat nunmal den Vorteil, dass wir uns alle Dinge leisten können, die wir zum Leben benötigen. Gerade aus diesem Grund stechen die Dinge heraus, die noch von Menschen per Hand hergestellt werden. Sie sind keine „seelenlosen Objekte“, die man schon morgen bei Bedarf nachkaufen kann, wenn etwas zu Bruch geht. Jedes Stück wurde von den Händen eines Töpfers geformt, manchmal sogar sehr zeitaufwendig. Ich finde den Gedanken sehr schön, dass sich irgendwo irgendwann ein Mensch die Zeit genommen hat, für mich oder für dich ein Utensil herzustellen. Diese persönliche Bindung schätzt übrigens der Keramiker ebenso sehr wie wir. Ist es nicht schön, dass wir in dieser Zeit Menschen darin fördern können, sich einem Handwerk bzw. einer Handwerkskunst zu widmen?

Es sind Unikate

Der Ofenbrand mag unter sich ähnelnden Bedingungen durchgeführt werden, die Formen können auf den ersten Blick gleich aussehen und dennoch fällt jedes Objekt individuell aus. Einige bleiben während des Brandes sogar auf der Strecke und landen auf dem Keramikfriedhof des Töpfers. Was in unsere Hände fällt, hat die natürliche Auslese überstanden und ist einzigartig. Jedes Stück gibt es nur ein einziges Mal. Selbst wenn der Töpfer ein identisches schaffen wollte, es wird anders sein.

Teekeramik ist für den Gebrauch bestimmt

Obwohl einige Utensilien wie kleine Kunstwerke aussehen, sollten sie nicht wie solche in einer Glasvitrine versteckt werden. In Japan betont man, dass die Schönheit einer Teeschale erst durch ihren Gebrauch zum Vorschein kommt. So ist es auch zu erklären, dass einige Museen Japans an bestimmten Tagen Teezeremonien abhalten, bei denen historische Stücke zum Einsatz kommen. Jedes Stück verhält sich beim Gebrauch anders. Haptik, Trinkgefühl, Praktikabilität, Farbeffekte, die sich im Zusammenspiel mit dem Tee ergeben – alle diese Punkte kommen erst zur Geltung, wenn man ein Utensil auch wirklich benutzt.

Sie unterstreicht die Besonderheit eines Tees

Es liegt in der Natur der Sache, dass wir Menschen besondere Anlässe mit besonderen Gaben feiern. Sei es der Sekt zum Geburtstag, das Bier nach Feierabend oder die Gans zu Weihnachten – wir lieben es, Festlichkeiten angemessen zu würdigen. Dabei lassen wir es uns auch nicht nehmen, für das passende „Drumherum“ zu sorgen. Es dürfen dann auch das gute Geschirr oder die passenden Gläser sein, um die Besonderheit eines Moments zu unterstreichen. So ähnlich ist es doch auch mit Tee. Wenn ich mir einen guten Tee leiste, den ich mir für einen besonderen Moment oder eine Auszeit gönne, dann schaffe ich mir durch das passende „Drumherum“ das richtige Ambiente. Das mag Kerzenschein, schöne Musik, aber ebenso ein schönes Trinkgefäß oder eine Kanne sein. All diese Dinge helfen uns, uns auf einen Moment zu fokussieren und ihn in allen Facetten zu erleben (mehr dazu findest du hier).

Geschichte und Traditionen

Egal ob wir uns europäische oder ausländische Teekeramik angucken, fast alle heutigen Keramiken gehen auf bestimmte Stile zurück, die bereits Jahrhunderte alt sein können. Während einige Weiterentwicklungen sind und sozusagen als „entfernte Verwandte“ bezeichnet werden könnten, orientieren sich andere stärker an historischen Vorbildern. Dies macht Teekeramik zu einem breiten Feld, in dem man sich über fremde Kulturen und Bräuche weiterbilden kann. Dabei lässt sich nicht nur immer wieder Erstaunliches entdecken und lernen, man bekommt auch ein Gefühl dafür, dass sich schon Menschen vor hunderten von Jahren mit ähnlichen Dingen wie wir beschäftigt haben. Dadurch bekommen bestimmte Stile einen zeitlosen Charakter.

 

Ein Zweig der Raku-Keramik: Ôhi-yaki

Raku gehört neben Hagi und Karatsu zu den drei populärsten Keramiken in der japanischen Teezeremonie. Raku hat seinen Ursprung im Kyôto des 16. Jahrhunderts. Ein Jahrhundert später hatte sich ein Zweig der Raku-Keramik in der Nähe von Kanazawa gebildet. In der Ortschaft Ôhi, die heute in Kanazawa liegt, befinden sich die Tonvorkommen, die Ôhi-yaki den Namen verleihen.

Wie alles begann

Sen Sôshitsu IV. war ein direkter Nachfahre von Sen Rikyû (1522-1591), dem bekanntesten Teemeister Japans und versuchte die Lehren seines Ur-Großvaters zu bewahren. Sôshitsu diente dem Maeda-Clan viele Jahre als Teemeister und lebte daher lange Zeit in Kanazawa. Im Jahre 1666 lud der Daimyô Maeda Toshitsuna Sen Sôshitsu IV. (auch Sensô Sôshitsu, 1622-1697) nach Kanazawa ein, um einen eigenen Tee-Stil zu entwickeln. Bei dieser Gelegenheit brachte Sôshitsu IV. den Raku-Töpfer Chôzaemon Hodoan (1630-1712) mit, da dieser exklusiv für den Maeda-Clan Utensilien für die Teezeremonie herstellen sollte.

Der Name Ôhi

Hodoan suchte zunächst nach Tonvorkommen. Direkt vor Kanazawa in der Ortschaft Ôhi fand er geeignetes Tonmaterial. Fortan nannte er sich Ôhi Chôzaemon und die Keramik wurde schließlich Ôhi-yaki getauft.

Ôhi-yaki
Ôhi-yaki mit Bernsteinglasur
Ôhi-yaki
Ôhi-yaki Siegel

Das Markenzeichen

Es heißt, dass Hodoan von seinem Lehrmeister Ichinyû (Raku Kichizaemon IV.) die Rezeptur der transparenten Bernsteinglasur (ame-yû) gezeigt bekam, die er fortan exklusiv für Ôhi-yaki verwenden sollte. Obwohl weiße und schwarze Glasuren durch Ôhi Chôzaemon IV. (1758-1839) und Ôhi Chôzaemon V. (1799-1856) in die Palette aufgenommen wurden, bleibt die Bernsteinglasur bis heute repräsentativ für diese Keramikgattung.

Ôhi-yaki
Ôhi-yaki

Die Herstellung

Genau wie Raku wird auch Ôhi-Keramik nicht auf der Töpferscheibe gedreht. Die Chawan wird per Hand aufgebaut (siehe Raku-Herstellung). Die verschiedenen Glasuren haben hinsichtlich des Brandes unterschiedliche Anforderungen, daher kann die Temperatur zwischen 950 und 1200°C liegen. Auch diese Teeschalen werden glühend aus dem Ofen genommen, damit sie rasch abkühlen können.

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Raku im Ôhi-Stil

Ôhi-yaki heute

Die traditionelle Ôhi-Familie wird heute in der 10. Generation durch Ôhi Chôzaemon (geb. 1927) vertreten, der noch immer Teeschalen in den Farben Weiß, Schwarz und Bernstein herstellt. Im Laufe der Zeit wurden verschiedene Dekortechniken wie Aufglasurmalereien und Ritzdekore in das Spektrum eingeführt. Dementsprechend vielfältig kann Ôhi-yaki heutzutage aussehen. Eine Übersicht über die Repräsentanten der Ôhi-Familie findest du hier.

Neben der Ôhi-Familie gibt es noch drei weitere Öfen in Kanazawa, die Ôhi-Keramik herstellen. Die für Ôhi typische Bernsteinglasur wird mittlerweile auch von Raku-Keramikern in Kyôto verwendet.

Einführung in die Shigaraki-Keramik

Shigaraki-Keramik gehört für mich zu den faszinierendsten und gleichzeitig schlichtesten Keramikgattungen Japans. Besonders die warmen Farbtöne des rustikalen Tonkörpers strahlen eine Behaglichkeit und Urtümlichkeit aus, die mich in eine nostalgische Stimmung bringen.

Der Ort Shigaraki

Die Ortschaft Shigaraki liegt in der heutigen Präfektur Shiga. Seit dem 5. Jahrhundert wird in dieser Region Keramik gebrannt. In Shigaraki selbst reicht die Keramikherstellung bis in das 13. Jahrhundert zurück, damit ist der Ort der jüngste der „Sechs alten Öfen“. Da er in der Einflusssphäre Kyôtos liegt, richteten sich die ansässigen Töpfer schon früh nach dem Geschmack der damaligen Hauptstadt. Shigaraki entwickelte sich dadurch zu einem der bedeutendsten Zentren für Teekeramik. Wegen der üppigen Tonvorkommen wird der Ort auch heute noch als das Paradies für Keramiker bezeichnet.

Der charakteristische Ton

Der Ton ist in natürlichem Zustand weiß und arm an Eisen, feuert aber lachsfarben bis rotbraun. Ein charakteristisches Merkmal sind die Pegmatiteinschlüsse (Feldspat- und Quarzkörnchen), die nach dem Brand als weiße Sternchen aus dem Ton hervorstechen und auch als solche (hoshi) bezeichnet werden.

Shigaraki-yaki Teebecher
Shigaraki-yaki Teebecher

Typisch für Shigaraki ist der Ton namens kibushi-nendo aus Sedimentationsschichten des Biwasees, die dem Pilozän zugeordnet werden. Er ist plastisch und hitzebeständig, heute wird er in ganz Japan von Keramikern eingesetzt, welche die rustikalen Eigenschaften schätzen. Die Pegmatitkörnchen werden allerdings für die Formgebung entfernt und bei Bedarf wieder zugesetzt. Für das Drehen auf der Scheibe ist der Ton zu grob, weswegen die Objekte aus Tonrollen aufgebaut oder in Formen gepresst werden.

Moderne und traditionelle Brennverfahren

Modernes Shigaraki wird häufig in Gas- oder Elektroöfen bei ca. 1300° gebrannt. Dabei kann allerdings keine Aschenanflugglasur entstehen, daher müssen Glasuren vorher aufgetragen werden. Viele Keramiker schätzen den Charme alter Keramiken aus der Blütezeit der Shigaraki-Öfen und brennen daher ihre Waren wieder im anagama oder noborigama. Durch den bis zu einer Woche dauernden Holzbrand wird Asche aufgewirbelt, die sich auf den Objekten niederlässt und schmilzt. Dies ist die Aschenanflugglasur, die bei jedem Stück anders gelingt und es somit zum Unikat macht.

Die Brenneffekte

Um das charakteristische Erscheinungsbild der Shigaraki-Keramik zu beschreiben, entstanden mit der Zeit verschiedene Begriffe. Rötliche Färbungen am Tonkörper, nennt man Feuerfarben (hi-iro 火色). Der Effekt kann stark variieren, da er abhängig vom Ofen, der Platzierung im Ofen, der Brennweise und Temperatur ist.

Shigaraki-yaki Chawan
Shigaraki-yaki Chawan

Als koge (焦げ) bezeichnet man Brandspuren, die dunkel ausfallen und durch Asche verursacht werden. Die Asche kann neben hellen Glasureffekten auch verglasen. Diese blaugrüne Glasschmelze wird bîdoro genannt. Treten alle drei Merkmale zusammen auf, dann spricht man von den „drei Landschaften“, welche auf Japanisch mitsu no keshiki (三つの景色) genannt werden.

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Ein ebenfalls begehrter Effekt wird durch die Pegmatitkörnchen verursacht. Werden Temperaturen von über 1300°C erreicht, dann können diese aufquellen oder gar explodieren und verursachen dadurch Risse oder kleine Krater im Körper. Diesen Effekt nennt man daher ishi-haze (石爆ぜ) – Steinexplosion.

Überblick über die historische Entwicklung

In Shigaraki wurden zunächst Haushaltsgegenstände wie Töpfe, Krüge und Mörser gebrannt. Anfangs konzentrierte man sich auf unglasiertes Steinzeug im Stile der damaligen Tokoname-Keramik. Tokoname war bereits weiter entwickelt und dominierte daher den Keramikmarkt.

In der Muromachi-Zeit (1336–1573) haben Teemeister die rustikale Ästhetik entdeckt und schätzen gelernt. Daher haben Shigaraki-Keramiken eine lange Tradition. So haben schon die Teemeister Murata Jukô, Sen no Rikyû und später auch Kobori Enshû Keramiken aus Shigaraki in ihren Teezeremonien eingesetzt. Angeblich haben diese Teemeister Keramiken nach ihren Wünschen herstellen lassen. Die daraus resultierenden Stile sind daher nach ihnen benannt.

Den Höhepunkt erreichte Shigaraki-Keramik, als das Tokugawa-Shogunat im Jahre 1632 nur noch Teetöpfe aus Shigaraki für die Lagerung des Uji-Tees zuließ. Doch diese privilegierte Stellung hielt nicht ewig.

Mitte des 17. Jahrhunderts verloren Teekeramiken aus Shigaraki an Bedeutung. Keramik aus Iga und Bizen war nun gefragter und die Öfen reagierten mit der Umstellung auf glasierte Ware. Gleichzeitig wurde der Schwerpunkt wieder auf Haushaltswaren gelegt.

Modernes schwarzes Shigaraki
Modernes schwarzes Shigaraki

Heute sind neben Teekeramiken auch andere Utensilien wie beispielsweise Sake-Sets beliebt. Vor allem die Tanuki-Figuren sind populär und zum Markenzeichen geworden, weswegen sie auch gerne als Mitbringsel und Glücksbringer verschenkt werden.