Die Lehren aus dem Assam-Entzug und ein Irish Breakfast Tea

Mitte Dezember habe ich wieder angefangen, Assam zu trinken, doch wegen Weihnachten und Neujahr komme ich erst jetzt dazu, darüber zu schreiben. Dieser Blog basiert auf einem früheren Eintrag, in dem ich beschrieben habe, wie ich mich wegen des täglichen Konsums an den Geschmack von Assamtees so weit gewöhnte, dass ich seine charakteristischen Geschmackseigenschaften eines Tages nicht mehr wahrnahm.
Für alle, die sich an den Geschmack eines Tees so gewöhnt haben wie ich, kann ich zumindest Entwarnung geben. Man kann nach mehrwöchiger (bei mir waren es 4-5 Wochen) Abstinenz seinen Lieblingstee wieder voll und ganz schmecken.
Trotzdem habe ich mir einige Gedanken zu diesem Thema gemacht und meine Auswahl an Frühstückstees hinterfragt. Vor dem Assam-Entzug habe ich fünf offene Tees gehabt, die einen deutlichen Assam-Anteil hatten. Selbst wenn man jeden Tag unterschiedliche Tees zum Frühstück trinkt (ich hatte dazu noch drei andere), ist die Wahrscheinlichkeit natürlich recht hoch, einen Tee zu trinken, der Assam enthält. Aus diesem Grund habe ich Tees gekauft, welche die Assam-Tees ersetzen sollen. Der erste Tee, der seinen Job wirklich gut am Morgen verrichtet, ist der Darjeeling SF Steinthal Broken Bio, der mich bei meinen Proben begeistern konnte. Ein weiterer vielversprechender Tee ist der Keemun Mao Feng Bio.
Um eine Gewöhnung zu vermeiden, gibt es eigentlich nur zwei Möglichkeiten. Entweder man trinkt seinen Lieblingstee nur eine kurze Zeit, verbraucht z.B. 100g in 4-5 Wochen und schwenkt dann auf einen anderen Tee um. Danach kann man unbesorgt wieder zu seinem Favoriten zurückkehren. Ich habe mich allerdings für die zweite Möglichkeit entschieden: Ich stelle eine Auswahl an 6 Tees zusammen, die ich gerne zum Frühstück abwechselnd trinke und kann meinen Favoriten mindestens einmal die Woche trinken, ohne Gefahr zu laufen, mich an den Tee zu gewöhnen. So weit die Theorie. Während Methode 1 erfolgreich geprobt wurde, muss sich Methode 2 noch bewähren.Ein Assam-haltiger Tee, den ich seit Japan sehr zu schätzen weiß, ist der Irish Breakfast Tea. Japan ist nicht gerade für seine tolle Schwarztee-Auswahl bekannt und als ich in einer kleinen Stadt namens Fukui studierte, gab es nur Lipton-Schwarztee im Supermarkt, den ich natürlich kaufte. Was blieb mir sonst übrig? Ich brauche nun mal meinen täglichen Schwarztee am Morgen. Ich muss wohl niemandem erklären, dass für einen passionierten Teetrinker Lipton-Tee allemal eine Notlösung darstellt. Zum Glück gibt es in japanischen Kaufhäusern eine Delikatessenabteilung, die sich meistens im Untergeschoss befindet und ausländische Artikel anbietet. Dort habe ich ab und zu einen English Breakfast Tea von Twinings gekauft, obwohl dieser über 10 Euro pro Packung gekostet hat. Kein gutes Preisleistungsverhältnis, aber was soll man machen? So habe ich das erste Mal die Firma Twinings kennengelernt, was wichtig für die Entdeckung des Irish Breakfast Teas war. Ausgerechnet in einem Kaffeeladen sollte ich beim Bezahlen auf diesen aufmerksam werden. Da ich immer gerne neue Sachen probiere, habe ich zugegriffen und wurde nicht enttäuscht. Dies war der mit Abstand beste Schwarztee, den ich in Japan getrunken habe. Als die Dose leer war, wollte ich Nachschub kaufen, doch diesen Tee gab es seitdem nicht mehr zu kaufen, selbst auf konkrete Nachfrage und die Bitte um Nachbestellung nicht. Als meine Schwester letztes Jahr nach Irland flog, fiel mir in letzter Minute ein, dass ich diesen Schwarztee doch so gerne mochte und bat sie, mir einen mitzubringen. Sie ist tatsächlich fündig geworden, allerdings hat sie einen Tee von einer anderen Firma gekauft, was aber nichts ausmacht, da der Tee sehr ähnlich schmeckt.
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Wie beschreibt man den Tee am einfachsten? Ich würde sagen, dass er sehr viel gemein mit unseren Ostfriesenmischungen hat, da er sehr kräftig, etwas malzig und aromatisch ausfällt. Besonders gefällt mir die anregende Adstringenz und Schwere, die in Verbindung mit etwas Zucker ein unheimlich leckeres Getränk zum Frühstück ergibt. Dadurch, dass der Tee so kräftig schmeckt, fühlt man sich schon während des Frühstücks angeregt.

Das Interessante an Irish Breakfast Teas ist, dass die Hauptbestandteile je nach Quelle variieren. Die einen schreiben Assam einen hohen Anteil zu, andere sprechen eher von Ceylon und/oder von afrikanischen Sorten. Da die Produzenten der Tees, die ich hier liegen habe, keine Angaben zu ihren Blends machen, kann ich zur Klärung dieser Frage nichts beisteuern.* Die Iren gelten ja heutzutage als starke Tee-Konsumenten, aber auch in Irland war der Tee – wie beim größeren Nachbarn England – einst (19. Jahrhundert) ein Getränk der Reichen und Privilegierten und das ärmere Bürgertum ahmte den Konsum in bescheidenerem Umfang und Qualität nach. Im 20. Jahrhundert war Tee bereits in der Bevölkerung etabliert, aber den Tee-Import wickelte man noch über England ab und richtete sich nach dem englischen Geschmack. Nach dem 2. Weltkrieg machte man sich unabhängig und wickelte den Tee nun selbständig ab. Das führte auch zu einem anderen Geschmacksprofil. Seit dieser Zeit änderten sich die Zusammensetzungen der Blends mit der Zeit, weil sie abhängig von den Importmöglichkeiten der Iren waren. Anfangs waren es hauptsächlich Assam-Mischungen, später kamen Ceylon und kenyanische Tees dazu. Divergieren deswegen die heutigen Angaben?
Wie auch immer, ein typisches Merkmal eines Irish Breakfast Teas ist seine Stärke. In Irland gibt es deswegen zwei Redewendungen, die dieses Merkmal humorvoll hervorheben:
1. Der Tee ist so stark, dass man einen Löffel aufrecht darin stehen lassen kann.
2. Der Tee soll so stark sein, dass eine Maus drüberlaufen kann.

Fazit: Für mich das perfekte Anforderungsprofil für einen Frühstückstee und eine würdige Bereicherung meiner Auswahl. Schade, dass dieser Tee in Deutschland so schwer zu besorgen ist, aber vielleicht ändert sich das ja noch.

*Twinings gibt eine Mischung aus Ceylon und afrikanischen Teesorten an.

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