Lagerversuch mit Da Hong Pao

In letzter Zeit komme ich kaum zum Tee-Trinken. Leider! Die Abschlussprüfungen zollen ihren Tribut. Wenn ich spät nach Hause komme, fehlt mir nicht nur die Zeit und die Lust eine umfangreiche Tee-Verkostung zu machen, es wäre sogar kontraproduktiv, da der Tee mich vermutlich noch schlechter schlafen lassen würde als ich es ohnehin schon tue. Daher beschäftige ich mich auf andere Weise mit Tee. Ich tue mich ja ohnehin schwer, mir Zeit für gute Tees zu nehmen. Einer dieser Tees ist ein Da Hong Pao, den mir ein Freund (Bernd) aus China mitgebracht hat. Davon habe ich ca. 50g. Ich habe hier so viele Teeproben, dass es nicht so schlimm ist, auf diesen Tee einen Zeit lang zu verzichten. Warum also nicht aus der Not eine Tugend machen? Es soll ja noch andere Tees als Pu Erh geben, die mit der Zeit reifen und sich geschmacklich entwickeln. Dazu gehören die dunklen „Steintees“. Ob dieser Tee tatsächlich aus Wuyi kommt und an felsigen Hängen gewachsen ist, kann ich nicht überprüfen. Der Geruch allein schmeichelt der Nase und wirkt vielversprechend. Frau S. denkt zwar an gerösteten japanischen Tee (hôjicha 焙じ茶) und ich muss ihr da auch teilweise zustimmen, doch sehr viel prägnanter finde ich dunkles Kakaopulver, frische Brotkruste und dunkle Herrenschokolade. Getrunken habe ich den Tee bisher nicht.
Den Plan, einen Tee reifen zu lassen, hatte ich schon letztes Jahr und habe mir zu Weihnachten eine Teedose gewünscht. Stéphane empfiehlt für die Lagerung solcher Tees ganz simple Blechdosen oder aber Dosen aus Porzellan. Ansonsten ist nicht viel zu beachten, denn Deutschland mit seinem milden und trockenen Klima soll sich sehr gut dazu eignen. Anders als Pu Erh mag dieser Tee keine besonders hohe Luftfeuchtigkeit und Wärme.

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Ich habe mich für eine innen glasierte Dose aus Steinzeug entschieden. Die Teedose ist von Petr Novák und sie hat es mir besonders angetan.

Sie hat eine so schöne Oberfläche mit leicht gelblichen Glasurflecken, die von einer Ascheglasur aus Heu stammen. Das erinnert mich an japanische Keramiken aus den alten Öfen, die dafür bekannt waren, dass sich während des Brennprozesses Asche auf den Keramiken absetzte und darauf schmolz. Solche Glasuren nennt man Ascheanflug-Glasuren – in Japan auch einfach „natürliche Glasuren“ (shizenyû 自然釉) genannt.

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Darin muss der Tee bestenfalls bis zum Deckelansatz gefüllt sein, damit so wenig Luft wie möglich in der Dose verbleibt. Mehr muss man nicht machen, den Rest erledigt die Zeit. Und nach fünf bis zehn Jahren findet sich vielleicht eine schöne Gelegenheit, einem Gast diesen Tee anzubieten.