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Auf der Suche nach dem eigenen Nepal-Charakter: Jun Chiyabari

Nepal kann nicht nur gute Darjeeling-Alternativen produzieren (siehe letzter Blog), einige Produzenten wie der Garten Jun Chiyabari bringen so viel Leidenschaft und Experimentierfreudigkeit mit, dass sie Tees kreieren möchten, die sich nicht nur von Darjeeling unterscheiden, sondern einen eigenen Nepal-Charakter aufweisen.

Leider muss ich mich heute im Voraus für die schlechte Bildqualität entschuldigen. iPhoto hat es tatsächlich geschafft, beim Importieren alle heute gemachten Fotos zu löschen und sie nicht in die Datenbank zu speichern. Somit musste ich auf die Handy-Fotos zurückgreifen, die qualitativ deutlich abweichen.

Leidenschaft schlägt Tradition
Henning Schmidt vom Hamburger Teespeicher war zuletzt in Nepal und Darjeeling. Daher habe ich ihn am Freitag besucht, um ein bisschen über Nepal zu plaudern. Dabei kamen wir auf einen von Nepals Vorzeigegärten zu sprechen: Jun Chiyabari. Dieser recht junge Garten wurde von zwei Brüdern im Jahre 2001 gegründet und hat eine vergleichsweise kurze Geschichte. Die beiden Brüder Lochan und Bachan sind zwei Unternehmer, die in Darjeeling im Internat aufwuchsen und in so ziemlich allen Geschäftsfeldern aktiv waren – bis auf Tee. Im Jahre 2000 schwelgten sie in nostalgischen Erinnerungen (das Internat war umgeben von Teefeldern) und beschlossen, dem Teeanbau, den sie in Darjeeling ganz nebenbei als Tee-Enthusiasten kennengelernt haben, in Nepal eine Chance zu geben. Ganz schön mutig, so ganz ohne Erfahrung im Teeanbau.

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Lage und Größe
Der biozertifizierte Teegarten liegt 200km von Kathmandu entfernt im Dhankuta-Distrikt. Darjeeling ist mit 65km viel näher. Die Pflanzen werden in einer Höhe von 1600-2000m angebaut, es handelt sich also um einen richtigen Hochland-Tee. Die Jahresproduktion beträgt schätzungsweise 25t bei ca. 25-30ha, von den umliegenden Teebauern werden allerdings weitere Teeblätter nach eigenen Vorgaben hinzugekauft, der Anteil beträgt sogar 40%.

Der Weg ist das Ziel
Die beiden Brüder setzen auf erfahrene Tea-Maker, die zuvor jahrelang in Darjeelings Gärten Erfahrungen gesammelt haben und sich in Japan und Taiwan weiterbilden. Diese Vielfalt spiegelt sich auch in den verwendeten Cultivaren wider, man scheint in Zukunft auf sich voneinander stark unterscheidende Spitzentees setzen zu wollen, was ihnen schon jetzt gelingt. So werden beispielsweise neben japanischen Yabukita- und Zairai-Cultivaren auch taiwanesische (z.B. Si Ji Chun) und ältere nepalesische eingesetzt. Laut Henning Schmidt experimentiere man sogar mit Schattentees und möchte in Zukunft Matcha herstellen.

Die beiden Brüder sind mittlerweile 15 Jahre im Teegeschäft. In dieser kurzen Zeit haben sie gezeigt, was möglich ist, wenn man mit Ehrgeiz und Leidenschaft arbeitet. Ihre Tees sind überall zu finden, wo Qualität eine Rolle spielt und sie werden nicht müde, immer wieder Neues auszuprobieren. Dem Garten und seinen Mitarbeitern geht es übrigens den Umständen entsprechend gut.

Jun Chiyabari Imperial Black 19,95 EUR / 100g
Der Name leitet sich von einer etwas zweifelhaften Geschichte ab, wonach der chinesische Kaiser dem Königreich Nepal Teepflanzen nach einem verlorenen Krieg geschenkt habe. Von jenen Pflanzen soll dieser Tee stammen.

Zubereitung
Zubereitet wird dieser Tee nach der Methode für hochwertige Schwarztees.

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Blatt
Die Blätter sind sehr voluminös und tiefdunkel. Goldene Tips setzen einen schönen Akzentpunkt und sorgen für einen ansprechenden Kontrast. Natürlich muss man als Teetrinker gleich an Schwarztees aus Yunnan denken, die in zahlreichen Formen daherkommen. Die Macher haben bei dieser Kreation aber ausdrücklich nicht daran gedacht, einen Yunnan-Tee zu imitieren.

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Aroma
Die dunklen Blätter riechen im ersten Augenblick nach Waldmeister, ein Geruch, den ich aus meiner Kindheit kenne. Da gab es diesen einen Augenblick, als mein Onkel mich in eine polnische Eisdiele führte, in der noch das Eis frisch vor Ort zubereitet wurde. Nie wieder habe ich diesen intensiven Duft beim Betreten einer Eisdiele vernommen wie damals. Und immer wenn ich an Waldmeister-Eis rieche, überkommt mich diese Erinnerung.

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Was kommt da noch? Dunkle Brot- und Kuchenkruste, dazu ein leicht nussiger Duft und vielleicht auch ein bisschen Honig? Nach dem ersten Aufguss gewinnen Kakao und Fliederbeeren klar die Oberhand. Die Vorfreude nimmt zu.

Geschmack
Der erste Aufguss hat viele verschiedene Facetten zu bieten. Da wäre zunächst Kakao und Malz. Man könnte auch an Assam denken, aber es fehlt die Würze. Eine leichte Süße breitet sich im Mund aus und die Kuchenkruste macht sich bemerkbar.

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Beim zweiten Aufguss sind die Aromen etwas dezenter. Kakao ist jetzt nicht mehr so dominant, ich denke da eher an Kakaocreme, also eine abgeschwächte Form, die auch irgendwie zum Mundgefühl passt. Jetzt zeigt sich auch die Nussigkeit, ehe im Abgang der Imperial Black nochmals mit einer schönen Portion Feuchtigkeit erfrischt.

Einer geht noch. Der Schwarztee ist jetzt süffig, die Fliederbeeren sind jetzt das erste Mal richtig deutlich zu schmecken. Vielleicht wurden sie vorher auch nur von anderen Aromen überlagert? Der erfrischende Nachgeschmack erinnert mich wieder an Zitronentee – ein schöner Ausklang.

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Fazit
Das Rad neu erfinden tut Jun Chiyabari mit Sicherheit nicht. Und dennoch ist es ein Tee, der für hochwertige Assam-Liebhaber und Yunnan-Trinker gleichermaßen interessant sein könnte. Und wem Assam-Tee sonst einfach zu stark ist, die feine malzige Note aber sehr zusagt, der kann sich ebenfalls an diesem Tee versuchen. Es ist schön zu sehen, dass es einen Ort in Nepal gibt, der abseits vom Mainstream neue Wege einschlägt. Daher werde ich Jun Chiyabari mit Sicherheit aufmerksamer verfolgen, sie haben übrigens auch einen Twitter und Facebook-Auftritt! Vielen Dank, lieber Henning für diese feine Probe. Wenn auch du dich für diesen Tee interessierst,  findest du ihn im Online-Shop vom Hamburger Teespeicher.

Auch nächste Woche geht es weiter mit einem Nepalesen, nur einen Steinwurf entfernt von Jun Chiyabari.

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Ist Nepal-Tee der bessere Darjeeling?

Wie bereits im letzten Blog angekündigt, werde ich mich in der kommenden Zeit verstärkt mit Nepal-Tees auseinandersetzen. Der Osten Nepals grenzt and Indien, genauer gesagt liegt Darjeeling nur einen Steinwurf von der nepalesischen Grenze entfernt. Und da Darjeeling das renommierteste Anbaugebiet Indiens ist, welches eine viel höhere Nachfrage hat als es überhaupt produzieren kann, werden gerne von den angrenzenden nepalesischen Bezirken Teeblätter nach Darjeeling geschmuggelt, um sie dort zu verarbeiten. Das ist nicht gut, denn auf der Reise leiden die Blätter und was dann als Darjeeling produziert wird, ist qualitativ nicht mehr das Gelbe vom Ei.

Nepal macht Darjeeling Konkurrenz
Besser und effizienter ist es, wenn der Tee direkt im Ursprung verarbeitet wird. Die Grenzgebiete auf nepalesischer Seite haben nahezu identische Anbaubedingungen wie Darjeeling und daher beste Voraussetzungen, guten Tee zu produzieren. Was sie auch machen. Nepal hat sich zu einer ernstzunehmenden Teenation gemausert, die es schafft, zu wirtschaftlich guten Preisen eine echte Alternative zu den Spitzentees aus dem Nachbarland anzubieten.

Ruht sich Darjeeling auf seinem guten Ruf aus?
Das ist deshalb so wünschenswert, weil Darjeeling qualitativ abbaut, die Preise für die wenigen verbliebenen Spitzenqualitäten hingegen weiter in die Höhe steigen. Teehändler haben es daher immer schwerer, gute Qualitäten zu vertretbaren Preisen einzukaufen, denn wir Konsumenten haben natürlich eine Schmerzgrenze und werden nicht jeden Preis für einen guten Tee bezahlen.

Zwei preiswerte Alternativen zu Darjeeling
Schauen wir uns daher zwei Nepal-Tees an, die eine sinnvolle Alternative zu Darjeeling-Tees sind. Bei meinem letzten Besuch beim Tee Kontor Kiel habe ich zwei Tees aus Nepal mitgenommen. Es handelt sich um einen First Flush Schwarztee und einen Oolong.

Wenn ein Schwarztee kein Schwarztee mehr ist
An dieser Stelle ist es sinnvoll auf die traditionelle Einordnung der indischen und nepalesischen Schwarztees einzugehen. Ein Schwarztee ist ein Schwarztee, wenn die Blätter voll fermentiert bzw. oxidiert sind. Wenn man sich nun einen First Flush aus Nepal oder Darjeeling anschaut, dann sieht man häufig, dass die Blätter überwiegend grün sind. Streng genommen handelt es sich daher auch beim First Flush um einen Oolong. Das schauen wir uns später beim direkten Vergleich der beiden Sorten noch genauer an.

Nepal Sandakphu First Flush Premium Tippy (SFTGFOP1) 11,90 EUR (100g)
Sandakphu liegt genau an der Grenze zu Indien und nur 2,5 Autostunden von Darjeeling entfernt. Der Tee eignet sich daher sehr gut für einen Vergleich. Gebrüht wird nach der Methode für Schwarztees gehobener Qualität.

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Blatt
Man hört ja immer wieder von dem „Verbrechen“, dass die Blätter von den Produzenten absichtlich zerkleinert werden, damit diese weniger Volumen für die Verladung einnehmen. Das ist bei diesen wunderschönen Blättern nicht der Fall gewesen. Die Blattstruktur ist überwiegend intakt und wirklich schön anzusehen. Die Blätter sind silbrig grün, wenn ich jetzt einen Grüntee mit diesen Fotos beschreiben würde, kämen dann wohl Einwände?

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Duft
Das trockene Blatt verströmt feine Röstaromen, die ich mit Kuchenkruste und heller Brotkruste verbinde. Dazu kommen florale Aromen, die man auch von Darjeeling-Tees kennt. Direkt nach dem ersten Aufguss denken wir an Pfirsich, Kräuterlimonade (Almdudler) und Heilpflanzenöl.

Geschmack
Gebrüht wurde nach der üblichen Zubereitungsmethode für Schwarztees. Mehr Blätter, dafür kürzere Ziehzeiten und mehrere Aufgüsse. Der erste Aufguss zeigt noch nicht das ganze Potenzial, er ist sehr mild, dabei leicht fruchtig und Frau P. verbindet diese Frucht mit der Passionsfrucht.

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Erst beim zweiten Aufguss kann ich ihr dabei zustimmen. Jetzt erkenne ich sie auch. Da ist aber noch viel mehr. Zunächst zeigt sich der typisch florale First Flush-Charakter, den man auch von Darjeeling kennt. Die Frucht ist vielschichtig, denn neben der Passionsfrucht finden wir Spuren von naturtrübem Apfelsaft aus Wildwuchs, aber etwas Apfelmus ist auch dabei. Insgesamt sehr aromatisch.

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Der dritte Aufguss bringt endlich die eingangs erschnupperte Kuchenkruste in die Tasse. Die Frucht wird frischer und erinnert deutlich an Zitrusfrüchte.

Nepal Oolong Pathivara
Dieser Tee kommt aus dem Panchthar-Distrikt Nepals, der zwar über 3 Autostunden von Darjeeling entfernt ist, was aber eher an der Straßenführung liegt, denn die Luftlinie beträgt maximal 100km.

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Blatt
Das Blatt des Pathivara Oolong ist nicht ganz so schön wie das des Vorgängers. Es ist mehr Blattbruch dabei, wobei das weniger als Kritik gemeint ist. Tees wie der Sandakphu sind einfach die Ausnahme. Es fällt auf, dass die Erscheinung viel dunkler ist, der Pathivara erinnert somit mehr an einen Schwarztee als der Sandakphu.

Duft
Der Duft des trockenen Blattes ist im ersten Moment vom First Flush kaum zu unterscheiden, aber er scheint im direkten Vergleich doch kräftiger, würziger und irgendwie schwerer zu sein. In der aufgewärmten Kanne kommen interessante Aromen zum Vorschein, der Duft von Pinienwäldern in einer kleinen Kanne.

Geschmack
Man sieht es schon an der Aufgussfarbe, im Mund folgt die Bestätigung. Dieser Tee ist würziger, vollmundiger und gehaltvoller. Ich gestehe ja, dass ich die oxidierteren Tees lieber mag. Es gibt eindeutige Parallelen zu Darjeeling Second Flush wie z.B. das oft angesprochene Muscatel-Aroma. Der erste Aufguss ist würzig und erfrischend im Abgang. Zuerst zeigt sich Haselnuss, doch im Nachklang erinnert der Tee vielmehr an Walnuss.

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Im zweiten Aufguss werden die nussigen Aromen noch viel deutlicher. Es gesellt sich eine dezente Süße dazu. Sehr lecker.

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Einen Aufguss machen wir noch und werden mit Anflügen von Orangenschalen verwöhnt. Im Gegensatz zum First Flush stellt sich ein vertrauter Schwarzteegeschmack ein. Gepaart mit den Zitrusnoten kommen Erinnerungen an Zitronentee auf. In Polen gibt man ja gerne eine Scheibe Zitrone in den Tee.

Vergleich vom Schwarztee (First Flush) und dem Oolong 9,90 EUR (100g)
Ein richtiger Schwarztee sollte eigentlich braune Blätter haben, ähnlich einem angebissenen Apfel, der einige Zeit an der Luft liegt und sich braun färbt. Links sehen wir den „Schwarztee“, der ein guter Repräsentant eines First Flush aus Darjeeling bzw. Nepal ist. Rechts sehen wir den Oolong, der deutlich dunkler ist.IMG_1759

Fazit
Ich behaupte, dass beide Tees in einer Blindverkostung von „echten“ Darjeeling nicht zu unterscheiden wären. Wenn überhaupt, dann ist es der Oolong, der im Vergleich zu einem volloxidierten Second Flush auffallen würde, weil die Oxidation nicht weit genug fortgeschritten ist. Trotzdem sind beide Tees hervorragende Exemplare dafür, was Nepal zu bieten hat. Und da Nepal noch immer mit den Folgen des Erdbebens zu kämpfen hat, erfreut es mich umso mehr, dass auch Tee Kontor Kiel eine Spendenaktion gestartet hat. 50% der WebShop-Umsätze, die durch Nepal-Tee zustandekommen, werden an ManMayaMed e.V. gespendet. Hier geht es zum First Flush und zum Oolong.

Ist Nepal-Tee nun der bessere Darjeeling? Das kommt ganz darauf an, worauf man den Schwerpunkt legt. Darjeeling ist immer noch in der Lage, Spitzenqualitäten zu produzieren, die Nepal zur Zeit noch ausstechen. Aber diese haben dann auch ihren Preis. Geht man nur nach dem Preis-Leistung-Verhältnis, dann hat Nepal die Nase vorn.

Nepal ist nicht nur gut darin, preisgünstige Darjeeling-Alternativen hervorzubringen. Es gibt Produzenten, die es schaffen, einen ganz eigenen „Nepal-Charakter“ zu kreieren. Um diese Tees wird es nächste Woche gehen. Wenn du den nächsten Beitrag nicht verpassen möchtest, dann trage dich in den Newsletter ein.
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P.S.: Kurz in eigener Sache. Ein kleiner Traum, an dem ich seit mehreren Monaten arbeite, wird sich bald erfüllen. Allein deswegen könnte sich eine Newsletter-Anmeldung lohnen 😉

Tasting Notes: Japanischer Yabukita Oolong

Heute geht es um einen Oolong, den ich von einer japanischen Bloggerin bekommen habe. Obwohl ich seit dem Ende der Neunziger im Internet „heimisch“ bin, überkommt mich doch immer wieder dieses eigenartige Gefühl der Verwunderung darüber, dass man sich heutzutage mit Menschen aus aller Welt vernetzen und austauschen kann. So ist es auch in diesem Fall geschehen, ich bekam von Suzuki-san einen Oolong von einem Teebauern aus Shizuoka. Im Gegenzug erhielt sie von mir einige ausgewählte Schwarztees. Das Interessante ist, dass Frau Suzuki eng mit Teebauern zusammenarbeitet und so in den Genuss zahlreicher Neuheiten kommt.

In Japan erfreuen sich Oolong schon seit langem großer Beliebtheit. Es gibt sie sogar in Pet-Flaschen an Getränkeautomaten, auch wenn diese in der Auswahl nicht so zahlreich sind wie Sencha. Außerdem nutzt man Oolong in Japan auch als Basis für Alkopops oder Longdrinks. So wird der Süßkartoffelschnaps Shôchû unter anderem mit Oolong vermischt. Trotz dieser Popularität ist die Herstellung in Japan noch immer eine Randerscheinung. Und obwohl ich denke, dass China und Taiwan den Japanern um Jahrzehnte voraus sind, finde ich es immer wieder spannend, einen Blick auf japanische Oolong zu werfen.

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Große lange Blätter
Der vorliegende Oolong kommt aus Shizuoka und wurde von einem Teebauern namens Shibamoto hergestellt. Die Blätter sind lang und grün, es ist also ein Tee, der deutlich von dem abweicht, was Japaner normalerweise als Oolong trinken, denn diese sind deutlich dunkler.

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Der Duft erinnert an Tie Guan Yin
Der Duft ist außergewöhnlich blumig. Das Blatt riecht nach blühenden Sträuchern und passt wunderbar in diese schöne Jahreszeit. Es finden sich leichte Röstnoten, die an den Duft frischer Kekse erinnern. Andererseits sind auch leichte Algen-Noten zu vernehmen.

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Geschmack
Der Oolong ist leicht zu genießen, der Japaner würde auch „nomi-yasui“ sagen. Wie bei Tie Guan Yin lässt sich auch bei diesem Yabukita-Oolong eine leichte Mandelnote feststellen. Die floralen Aromen steigen in die Nase, während sich im Mund frische Salatgurke und Wakame-Alge ausbreiten.

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Im zweiten Aufguss fällt zuerst die Süße auf. Jetzt kommen auch die Röstaromen in Form von Keksen zurück. Im Nachklang bleibt ein Film auf der Zunge zurück, der ein süßfruchtiges Mundgefühl zurücklässt. Es ist schwer zu beschreiben, aber bei Zahnpasta hat man eine ähnliche Wirkung, nur ist letztere viel stärker.

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Es gelingen noch zwei weitere Aufgüsse, die an Komplexität abnehmen, aber dennoch genießbar sind.

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Fazit
Der Tee ist mal wieder ein Paradebeispiel dafür, dass man nie auslernt. Ich hatte bisher immer angenommen, dass bei der Oolong-Herstellung das Cultivar viel wichtiger ist. Oder anders ausgedrückt hätte ich es nie für möglich gehalten, dass aus Yabukita-Pflanzen, die bekanntlich für japanische Sencha Verwendung finden, solche Aromen durch die Verarbeitung herausgekitzelt werden können. Ich bin daher Frau Suzuki und Herrn Shibamoto sehr dankbar, dass ich Gelegenheit hatte, diesen Tee zu probieren.

Gewinnspiel
Falls auch du Interesse an diesem Tee hast, kannst du mit ein bisschen Glück eine von drei Proben gewinnen. Abonniere einfach bis zum 1. Mai den Newsletter und du nimmst an der Verlosung teil. Bereits eingetragene Leser können teilnehmen, indem sie einen Kommentar hinterlassen oder eine E-Mail schreiben. Hier geht es zum Newsletter:
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Was diesen Wettkampftee so besonders macht: handgerollter Sencha!

Als ich vor einiger Zeit im Hamburger Teespeicher Henning Schmidt besuchte, ging es natürlich um japanischen Tee. Er hielt eine Überraschung bereit. Über irgendwelche Kanäle schaffte er es, Wettkampftees zu organisieren, die wir an diesem Tag verkosten sollten. Es handelte sich um einen Tamaryokucha (Platz 58), einen Gyokuro (Platz 54), einen Sencha aus Kirishima (Platz 3) und einen handgerollten (!) Sencha vom Strauch Yabukita (Platz 53).Diese Wettkampftees sind in mehrfacher Hinsicht etwas Besonderes. Sie werden nur in sehr geringer Menge produziert. Ein Teil geht natürlich an die Jury, was dann noch übrig bleibt, geht in den Verkauf und erzielt Höchstpreise.Man fragt besser nicht nach, wie diese Wettkampftees hergestellt wurden. Sie haben mit den Alltagsvarianten nur wenig gemein. Bestimmte Sträucher werden speziell gedüngt, um einen bestimmten Geschmack zu intensivieren. Der Teebauer gibt sich bei dieser kleinen Charge viel mehr Mühe, um diesen prestigeträchtigen Preis (Tennô-hai, 天皇杯) zu gewinnen.

Wir haben uns also diese vier Tees angeschaut. Es sind echte Liebhabertees, denn sie haben einen individuellen Charakter. Um dies zu verdeutlichen, stelle ich den handgerollten Sencha vor, den ich zuhause nochmal verkostet habe, da mir Henning Schmidt netterweise ein Sample mitgegeben hat.

Dieser Sencha belegte zwar „nur“ den 53. Platz, mir hat das Blatt aber so imponiert, dass ich diesen Tee unbedingt ein zweites Mal probieren wollte. Das hat sicherlich mit einem Trauma zu tun, welches Gero unwissentlich ausgelöst hat. Wir waren letztes Jahr in zwei verschiedenen Gruppen in Japan unterwegs. Meine Gruppe war zuerst in Kagoshima angelangt. Dort waren wir bei einem Teebauern, der den oben genannten Preis ebenfalls schon mehrere Male gewonnen hat. Entsprechend ehrfürchtig begegnete ich ihm und sog alles auf, was er erzählte. Die andere Gruppe, in der Gero war, besuchte ihn etwa eine Woche später. Sie kamen irgendwie auf das Thema „Handgerollter Tee“, er zeigte und schenkte ihnen den verbliebenen Rest. Es war natürlich so wenig, dass man diese Restmenge nicht noch weiter teilen konnte. Aber ich durfte mir diese langen Nadeln ansehen und musste meinen Neid unterdrücken. Zu gerne hätte ich ebenfalls etwas von diesem Tee verkostet. Geros Verkostungsbericht und seine Version der Geschichte kann ich sehr empfehlen.

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Handgerollter Sencha (temomi sencha)

Zubereitung
Henning und ich haben den Tee nicht ganz so stark dosiert. Es kamen sehr zarte Aromen hervor, wie z.B. Erdbeere und Weinbergpfirsiche. Ich habe genau 5g bekommen. Daher alles oder nichts. Dazu kommen ca. 130ml Wasser, ca. 70°C. Ich beginne mit einer Ziehzeit von 90 Sekunden. Die folgenden Aufgüsse betragen geschätzt: 10/30/30/40/80

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Die Blätter gehen bei maschineller Produktion häufig kaputt, hier das genaue Gegenteil

Blatt
Das obige Bild sagt mehr als tausend Worte.

Duft
Einzigartig. Ich habe Schwierigkeiten, den Duft einzuordnen. Meine Frau sagt Anis, dem kann ich zustimmen. Die Blätter riechen süß, frisch, leicht grasig (aber nur die frische Komponente davon). Nach einer Weile komme ich dann doch noch drauf, es ist Waldmeister.

In der warmen Kanne kommt ein vertrauter Geruch hervor. Natürlich sind die Aromen jetzt intensiver. Meine Frau wird jetzt ganz poetisch und spricht von einem japanischen Garten mit Moos nach einem warmen Regen. Ich bin zwar auch in Japan, aber beim oben genannten Teebauern. Nachdem die Blätter geerntet werden, kommen sie per Kühlcontainer in die Manufaktur. Sie werden dort weitergekühlt, bis sie verarbeitet werden. Und diese Blätter strömen einen sehr intensiven süßen Duft aus, der nur schwer zu beschreiben ist. Und genau so riecht dieser Sencha!

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Erste Kostprobe des grünen Likörs


Geschmack
Es ist unnötig zu erwähnen, dass dieser Wettkampftee aus der ersten Ernte stammt. Der erste Schluck ist wunderbar vollmundig mit viel Umami gepaart mit Bergpfirsichen und eingekochtem Gemüse. Noch ist er dezent-süß, im Mund fühlt er sich ölig an. Im Abgang hallt der Eindruck der frisch gepflückten Blätter nach…

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Die Tassenfarbe war zwischen Gelb und Grün 

Die folgenden Aufgüsse bleiben facettenreich. Schon der zweite Aufguss ist mineralisch mit einer leichten Sellerie-Note. Die Umami-Note nimmt etwas ab, dafür wird er süßer. Alle darauffolgenden Aufgüsse schmecken so lecker, wie die frischen Blätter riechen. Er wird süffiger. Es kommen Nuancen von unreifen Bananen und Erdbeeren hinzu. Doch am intensivsten bleiben eben die frischgepflückten Blätter.

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Hier sieht man die vielen intakten Blätter – für japanischen Tee eher unüblich

Fazit
Vielleicht habe ich einen neuen Lieblingstee gefunden. Dieser handgerollte Sencha ist überhaupt mit dem handgerollten Tee zu vergleichen, den ich in Uji gekauft habe. Wenn es einen Tee gibt, der den natürlichen Geruch bzw. Geschmack der frischen Blätter konserviert, dann ist es dieser hier. Und es stellen sich viele Fragen. Wieso geht dieses Aroma bei den anderen Tees verloren bzw. lässt sich nur noch erahnen? Kann man davon mehr bekommen? Wenn jemand weiß, was ich mit diesem Aroma meine und eine Bezugsquelle kennt, dann bitte ich um eine Nachricht. Dieser Tee macht zumindest für mich Zeitreisen möglich! Vielen Dank, lieber Henning, dass Du mir diese Erfahrung ermöglicht hast!

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Assam Harmutty von Teegasse

Als ich vor einigen Jahren anfing, mich intensiver mit Tee auseinanderzusetzen, habe ich ein Forum gefunden, in dem sich einige Gleichgesinnte versammelt haben. Ich denke gerne an die Anfangszeit zurück, als die Themen noch überschaubar waren und ich als Student noch die Zeit hatte, mich über Tee mit anderen auszutauschen.
Der Austausch war sehr fruchtbar und zumindest mich haben die Beiträge und Rezensionen anderer immer wieder zum Kauf von einigen Tees überzeugt. Schon bald entstanden erste Blogs aus dieser Community und es war Gero, der von uns als Erster den Schritt dazu wagte. Jeder Blog-Autor hat seinen eigenen Stil. Key hat mit dem Blog Tee-Fokus eine einzigartige Mischung aus Informationstexten, Gastbeiträgen und Rezensionen kreiert, daher war für Abwechslung immer gesorgt.
Die englische Tee-Blog-Szene ist der deutschen einige Jahre voraus. Dort konnte man schon früh beobachten, dass einige Blogger ihre Leidenschaft zum Beruf machten. Nun will ich nicht dem konventionellen Teehändler unterstellen, keine Leidenschaft für Tee zu haben. Doch des Bloggers Leidenschaft ist ja quasi im Internet öffentlich hinterlegt und jeder kann sich selbst ein Bild von seiner Kompetenz machen. Key hat dieses Jahr als erster deutscher (?) Blogger genau diesen Schritt gewagt und ich gratuliere ihm dazu. Viel Erfolg dabei!Da ich sehr gerne Schwarztees zum Frühstück trinke, habe ich mir die Zeit genommen, den Assam Harmutty zu probieren. Ich schätze an Assam-Tees ihren malzigen und kräftigen Charakter. Schon häufiger habe ich allerdings feststellen müssen, dass es auch unter Assam-Tees einige Vertreter gibt, die mir nicht kräftig bzw. ausdrucksstark genug waren. Für mich muss ein guter Assam gegen ein klassisches Frühstück ankommen können, da landet auch schon mal eine Scheibe kräftigen Tilsitters auf der Brötchenhälfte. Ich meine nicht den milden aus der Plastikpackung, sondern den von der Frischetheke, bei dem Frau P. ob des „Gestanks“ angewidert die Augen zusammenkneift.

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Der Harmutty hat einen malzigen Charakter und etwas, was ich mit einem ehrlichen Schwarztee-Geschmack bezeichnen würde. Dieser Geschmack findet sich nicht nur in Assam-Tees, sondern auch in einigen wenigen Ceylon und Darjeeling wieder. Ich denke dabei immer zurück an meine Kindheit, denn in Polen haben wir sehr viel Schwarztee getrunken und einige Mischungen schmecken mir noch heute sehr gut. Davon werde ich mir beim nächsten Kauf auf jeden Fall etwas sichern.

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In der Teegasse werden natürlich noch weitere Tees angeboten, der Fokus liegt derzeit auf orthodoxen Schwarztees, doch auch Exoten werden scheinbar nach und nach aufgenommen. Hier der Weg zur Teegasse.

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Chamraj Frost Tea

Ich liebe es, die kleinen Exoten dieser Welt ausfindig zu machen und probieren zu dürfen, daher bin ich immer wieder dankbar, wenn Teehändler mutig genug sind, einen „unkonventionellen“ Tee ins Sortiment zu nehmen. Sicherlich ist es noch immer nicht einfach, nur mit orthodoxen Tees seine Kunden zu begeistern. Anders ist es nicht zu erklären, dass kaum ein Teehändler ohne das breite Spektrum des Aroma-Sortiments auskommt.
Doch darum soll es ja nicht gehen, sondern um einen Tee, von dem man nur selten hört. Er kommt aus Indien und ähnelt auf den ersten Blick einem klassischen Darjeeling, ist aber etwas dunkler. Seine Besonderheit verdankt er den eiskalten Nächten in über 2000m Höhe. Die Blätter sollen einem moderaten Frost ausgesetzt sein, wodurch sich der Geschmack jener Blätter intensiviert. Es werden nur sehr geringe Mengen von diesem Tee hergestellt, so dass es dem Hamburger Teespeicher erst dieses Jahr gelungen ist, den Tee einzukaufen. Als ich davon hörte, habe ich mir gleich etwas zurücklegen lassen und kann Interessenten beruhigen, es scheint noch etwas da zu sein, fragt sich nur wie lange.

Blatt
Die Blätter sind dunkler als die eines normalen Darjeeling, dennoch sind hier und da ein paar grüne Blättchen ausfindig zu machen. Die Form der Blätter ist teilweise geschwungen und hübsch anzusehen. Nur wenige Stiele sind enthalten, das Blatt ist also gut sortiert.

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Geruch
Das trockene Blatt riecht angenehm frisch, immer wieder muss ich an Zitrone denken. Dazu kommt eine nussige Note und man kann eindeutig Parallelen zu den bekanntesten indischen Vertretern aus Darjeeling finden. Im warmen Kännchen sind die Aromen Schwarztee-lastiger und schwer zu entschlüsseln. Vielleicht ein wenig geröstete Nüsse?

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Geschmack
Ich brühe den Tee wie folgt: 2g / 100ml kochendes Wasser, 3 Aufgüsse (in Sekunden: 30, 10, 60). Die Frische zeigt sich auch jetzt, wieder denke ich an Zitronen und ein bisschen Minze ist auch dabei. Der Körper ist Schwarztee pur, gepaart mit etwas dunkler Brotkruste.
Der zweite Aufguss wirkt erfrischend und ist etwas leichter. Es ist eine leichte Süße zu schmecken, die beim dritten Aufguss noch viel intensiver wird. Denn jetzt bleibt ein langer Nachgeschmack und der Tee wirkt fast wie ein Likör. Sehr lecker!

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Fazit
Der Tee hat uns sehr gefallen. Wer indische Schwarztees grundsätzlich mag, wird sich über eine weitere Variation sicher freuen. Es sind doch diese kleinen Besonderheiten, die uns unseren Teeweg versüßen. Den Chamraj Frost Tea findet man hier.

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Neue TeeGschwendner-Filiale in Hamburg-City

Die Spatzen pfiffen es eine Zeit lang von den Dächern und nun ist es also soweit, die neue TeeGschwendner-Filiale unweit der alten am Jungfernstieg hat seit dem ersten August ihre Pforten geöffnet. Dabei präsentiert sich TeeGschwendner im neuen Design, welches zumindest meine Wenigkeit sehr ansprechend findet. Es ist eine Mischung aus 20er-Jahre-Nostalgie-Tapeten, Caféhaus-Atmosphäre und moderner Tee-Lounge, was einem dort geboten wird. Lange habe ich darauf gewartet, dass ein Konzept wie dieses in die Tat umgesetzt wird. In meinen Träumen vom Teehändler-Dasein habe ich es genauso gemacht: Ein Teeladen mit der Möglichkeit, sich durch das Sortiment zu trinken und traditionelles Teegebäck in einer ruhigen Minute zu genießen. So hat man als Kunde den Vorteil, Premium-Tees fachgerecht zubereitet zu bekommen und zu testen, ehe man sich für einen Kauf entscheidet. Das ist sogar besser als eine Gratisverkostung, die einen dann doch hintenrum zum Kauf zwingt, oder?

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So habe ich gleich mal in der Mittagspause die Gelegenheit genutzt und die Tee-Lounge im ersten Stock besucht. Ich war dort alleine, es hat sich vermutlich noch nicht so weit herumgesprochen, dass man hier seinen Mittagstee trinken kann. Ich habe mir einen Meghalaya SFTGFOP (CL) LaKyrsiew SF bestellt, den man mir netterweise von unten geholt hat. Dazu gab es zwei Scones mit Butter und Konfitüre. Richtig leckere Erdbeer-Vanille-Konfitüre und Zitronengelee. Es waren meine ersten Scones und ich war begeistert. Ich bin kein Freund von extremer Süße, daher sind die dezent-süßen Scones genau richtig und wer es mag, kann sie ja noch mit den Zugaben veredeln. Die Scones kann man auch etwas herzhafter genießen, z.B. indem man sie mit einem selbstgemachten Matcha-Wasabi-Frischkäse bestellt. Dafür war es für mich zwar schon zu spät, aber ich durfte einen Löffel davon probieren. Nicht schlecht! Jetzt fehlt nur noch ein Matcha-Kuchen!
Auch der Tee wusste zu überzeugen. Der Neuankömmling ist aus Meghalaya, den ich ohne Hintergrundwissen auf Nepal tippen würde. Das Blatt hat schöne silberne Tips und duftet brotig, etwas nussig und vielleicht auch etwas nach Rosen. Im Aufguss ein typischer Second Flush und doch ganz anders als ich ihn erwarten würde. Der Geschmack ist süffig und aromatisch, vielleicht ein bisschen malzig und durchaus nussig. Gefällt mir gut!

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Die neue Filiale ist sehr zu empfehlen, vor allem denjenigen, die neugierig auf Tee sind und vor dem Kauf die ein oder andere Tasse „probetrinken“ möchten. Ach ja, Matcha gibt es natürlich auch! Es befinden sich schon ein paar Dosen direkt am Eingang, aber richtig Eindruck macht der kleine Kühlschrank inmitten des Edmons-Sortiments. Hut ab! Die neue Filiale ist in der Bergstraße, ganz in der Nähe der Europa Passage.

Update vom 10.10.2014
Heute wurde ich netterweise zur offiziellen Eröffnung eingeladen. Es kamen aus Meckenheim der Geschäftsführer Thomas Holz und der Tea-Taster Daniel Mack. Es gab eine kurze Ansprache von der Inhaberin Annette Kocourek, der man ansah, dass mit dieser Eröffnung ein Traum in Erfüllung gegangen ist. Es folgte ein Rückblick von Thomas Holz, der in der Teewelt eine feste Größe ist und der federführend an TeeGschwendners Nepal-Projekt mitwirkt.
Er zeigte uns ein Foto der ersten Filiale aus den 70ern, damals natürlich noch unter dem Namen „Der Teeladen“. Seitdem habe sich in der Teewelt viel verändert. In den 80ern habe man noch gekauft, was geschmeckt habe. Heute sehe das anders aus, die Leute verlangten nicht nur guten Tee, sondern Analysen und Zertifikate. Der Teehandel ist also deutlich komplexer geworden.

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Thomas Holz (Geschäftsführer TeeGschwendner) mit Annette Kocourek (Inhaberin der Filiale)

Daniel Mack führte uns ein kleines Tea-Tasting vor. Anhand ausgewählter Spezialitäten ist es ihm gelungen, die Vielfältigkeit des Tees zu demonstrieren. Aus den Blättern der Pflanze lassen sich so viele verschiedene Arten verarbeiten und von einigen Raritäten gibt es gerade mal 100-150kg pro Jahr. Der Vergleich zum Single Barrel Whisky fand ich sehr gelungen (Single Barrel Whisky ist eine Abfüllung aus einem einzigen Fass und die individuelle Reifung bringt einen einzigartigen Geschmack hervor, der sich nicht exakt reproduzieren lässt). Interessant fand ich Anekdoten aus dem Leben eines Tea-Tasters, in dem es darum geht, seinen Geschmack trotz der natürlichen Vorlieben zu schulen und zu objektivieren. Da dies nicht immer gelingen kann, hat TeeGschwendner ein Tea-Taster-Team, welches gemeinsam über Käufe entscheidet. Dies mindert das Risiko, einen Tee einzukaufen, der nur einem Bruchteil der Teefreunde schmeckt.

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Tea-Taster Daniel Mack bei der Verkostung

Der neue Flagship-Store in Hamburg ist eines der wenigen Geschäfte mit angebundener Gastronomie. Besonders hervorheben möchte ich die klassischen Tee-Utensilien aus Fernost. Im Regal kann man Gusseisenkannen bestaunen, die sich wirklich sehen lassen können. Es ist sogar eine Kanne dabei, die innen nicht emailliert ist. Für Menschen wie mich, die gerne Gusseisenkannen zum Wasser Kochen verwenden, eine hoffentlich interessante Meldung. Auch die schönen Becher und Tassen setzen sich vom kitschig-asiatischen Stil ab, den man nur allzu häufig sieht. Und Gerüchten zufolge kommt da noch mehr, wir dürfen also weiterhin gespannt sein!

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Viele hübsche Utensilien und es ist nicht das einzige Regal!

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Kumakiri Shincha aus Shizuoka

In Shizuoka war ich leider nicht, diesen Tee habe ich in einem Teefachgeschäft eines japanischen depachika gekauft. Das ist die Delikatessenabteilung, die sich im Untergeschoss eines Kaufhauses befindet und wo auf kleinen Verkaufsflächen diverse Spezialitäten angeboten werden. Neben Süß- und Backwaren gibt es natürlich auch Weinstände und kleine Teeläden.In Tokyo habe ich ein besonders feines Teefachgeschäft entdeckt. Dort wird Tee mit viel Liebe zum Detail verkauft und erklärt. Man kann sich ja heutzutage schon glücklich schätzen, wenn neben der Anbauregion auch die Dämpfintensität angegeben wird. Im Chanoha treibt man es auf die Spitze: Dämpfintensität, Teename, Geschmack, genaue (!) Herkunft, Kultivar, Erntezeit, Röstungsstufe und Features.

Weil ich auf der Reise schon eh zu viele Shinchas gekauft habe, zögerte ich zunächst. Letztlich erlag ich dann doch der Versuchung und kaufte zwei Tees, die interessant klangen und aus Regionen stammen, von denen ich noch keinen Tee gekauft habe, aus Shizuoka.

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Blatt
Der vorliegende Tee wird in der Nähe des Oberlaufes des Tenryû-Flusses angebaut und wurde Mitte Mai geerntet. Eine Besonderheit ist, dass der Kumakiri einen „Aracha Finish“ erhalten hat. Dieser Eindruck bestätigt sich auch in der Optik, denn der Tee sieht tatsächlich nicht gut sortiert aus: das Blatt wirkt wild und es sind viele kleine Stängel enthalten. Neben den Stielen sind hauptsächlich intakte Blätter vorhanden, die sorgfältig zu Nadeln zusammengerollt sind. Als Grund für „Aracha Finish“ wird ein harmonischeres Geschmacksprofil angegeben. Ich bin skeptisch, das hört sich doch ein bisschen zu sehr nach „Sales-Talk“ an. Dieser Tee wurde nur kurz gedämpft, was sich optisch bestätigen lässt.

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Duft
Der Duft des Blattes ist sehr intensiv und fruchtig. Ich muss zuerst an Maracuja denken, da ist eine schöne Tiefe und Süße. Ich meine auch etwas Schattenaroma zu riechen, bin mir aber nicht sicher. Diese Intensität kennt man von kurz gedämpften Tees eigentlich nicht. Vermutlich liegt es daran, dass der Tee nach dem Trocknen nochmals geröstet (火入れ hiire) wurde. Die Röstung wird als mittelstark angegeben und soll das Aroma intensivieren. In Japan sind stark geröstete Tees sehr beliebt und es gibt verschiedene Methoden wie Backen oder Heißluft. Nachteil ist, dass das Blatt ähnlich wie bei tiefgedämpften Tees darunter leidet und brüchiger wird.
In der warmen kyûsu wandeln sich die Aromen hin zu gerösteten Mandeln und Kastanien. Es steigen außerdem Nori-Blätter und Süßgebäck in die Nase.

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Geschmack
Der erste Aufguss ist nach einer Minute sehr fruchtig und erinnert mich an den Kasuga Zairai von Akira Hojo. Bei diesem Tee handelt es sich aber nicht um ein Zairai-Kultivar sondern um einen Yabukita. Den Duft der Maracuja nehme ich noch immer deutlich war. Der Kumakiri ist süß und süffig, Frau P. schmeckt auch etwas Artischocke. Auffällig ist, dass Umami höchstens zu erahnen ist, diese Blätter also nicht beschattet wurden.

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Beim zweiten Aufguss wirkt der Kumakiri vollmundiger. Die Tasse ist viel trüber als vorher, was typisch für den zweite Aufguss ist. Diese Vollmundigkeit steigert die Wahrnehmung des typischen Sencha-Geschmacks und ich muss an Matcha-Süßigkeiten denken. Im Vergleich zum ersten ist dieser intensiver, herber und frischer.

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Nach dem dritten Aufguss baut der Tee dann doch schon ab. Er ist noch süffig und kräftig, hat aber nicht mehr die Tiefe und Komplexität der ersten beiden Aufgüsse.

Fazit

Für mich ist dies ein etwas anderer Shincha, der durch seinen doch eher individuellen Geschmack auffällt. Er gehört jetzt zwar nicht zu meinen Favoriten, bietet einem aber Abwechslung, wenn man meint, dass japanische Sencha einander zu sehr ähneln. Sehr gut finde ich die zahlreichen Informationen, die man zu diesem Tee erhält. So wird ein noch bewussterer Genuss möglich. Frau P. weiß an ihm zu schätzen, dass er überhaupt kein Umami enthält.

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Zurück aus Japan: Shincha aus Uji

Als Japanologe ist es immer wieder eine Freude in das Land zu reisen, mit dem man sich lange und intensiv auseinandergesetzt hat. Dieses Mal war die Reise nicht von privater Natur. Ich durfte eine Reisegruppe begleiten, mit der wir Japan unter dem Leitthema Tee bereist haben. Tee in Form von Grüntee bzw. Matcha ist in Japan omnipräsent. Wirklich überall und an jeder Ecke kann man Tee kaufen, Matcha-Süßigkeiten gibt es in allen Convenience Stores (jap.: konbini).Wir waren in drei Tee-Anbaugebieten: Kagoshima, Uji und Nishio. Jetzt einen kompletten Reisebericht online zu stellen, wäre etwas zu viel des Guten, aber zu gegebener Zeit werde ich sicherlich die ein oder andere Anekdote erzählen.

Was mich besonders beeindruckt hat, waren natürlich die Teefelder und zwei Tee-Manufakturen. Nicht nur, weil man ein technisches Verständnis vom Produktionsablauf bekommt, sondern weil man mit allen seinen Sinnen ein Gefühl dafür erhält, was Tee eigentlich ist. Der Duft eines Teefeldes kurz vor der Ernte z.B. ist ein solches Erlebnis. Dieser Duft wird in der Fabrik noch viel intensiver, denn da werden die Blätter abgeladen, ehe sie zügig verarbeitet werden. Und eben diesen Geruch findet man auch im Endprodukt wieder, was natürlich kaum überrascht. Nur, wenn man noch nie in einem Teefeld stand oder eine Manufaktur besichtigt hat, dann kann man dazu auch keinen Link herstellen.

Als wir in Uji waren, bin ich zusammen mit Gero in einen traditionellen japanischen Teeladen gegangen. Immer wieder findet man Teefachgeschäfte, die noch handgerollten Tee anbieten. Sogar von Unternehmen wie Fukujuen (福寿園), die eine beachtliche Größe erreicht haben und von denen man solch eine traditionelle Herstellung nicht vermuten würde.

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Teepflanze in Uji

Überhaupt spielt Uji für die Entwicklung der japanischen Teekultur eine zentrale Rolle. Tee wurde schon sehr früh, nämlich ab dem 12. Jahrhundert angebaut. Durch die Nähe zu Kyôto stand man im ständigen Austausch mit den Leitfiguren der Teekultur. Ebenfalls in Uji wurde in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, der Blütezeit des japanischen Tees, der Beschattungsanbau (ôishita saibai 被覆栽培, auch 覆い下栽培) erfunden. Diese Methode hat sich durchgesetzt, denn heute wird in Japan Matcha nur aus beschatteten Blättern hergestellt. Im 17. Jahrhundert folgte die Einführung der chinesischen Art der Grünteeherstellung. Mitte des 18. Jahrhunderts entwickelte Nagatani Sôen in Uji die heute für Japan typische Sencha-Herstellungsweise, die sich auf das ganze Land ausweitete. Interessanterweise kam man erst spät (1835) auf die Idee, beschattete Blätter zu anderen Teesorten zu verarbeiten.

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In Uji benutzt man Teepflanzen als dekorative Büsche an der Straße

Zurück zum Tee. Wir waren im traditionellen Teefachgeschäft Terashimaya (寺島屋), welches schon seit dem Jahr 1827 existiert. Man konzentriert sich auf eine klassische Auswahl der beliebtesten Sorten und bietet außerdem auch saisonale Spezialitäten wie Shincha an. Ich entschied mich für einen handgerollten Shincha aus dieser Ernte, den wir zuvor verkosten durften: Traditionelle erste Pflückung nach 88 Nächten (初摘み・八十八夜). Da der Geschmack überzeugend war, fiel die Kaufentscheidung schnell und einfach. Trotzdem stöberten wir noch etwas in den Regalen ehe wir wieder herausgingen. Die Geschichte und die traditionell anmutende Gestaltung des Fachgeschäfts erzeugte eine historisch lebendige Atmosphäre. Direkt am Eingang gibt es einen Tresen, an dem man sich die Spezialitäten probeweise aufgießen lassen kann.

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Historische Teekisten – so wurde früher Tee transportiert und gelagert
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Am Tresen kann man diverse Spezialitäten verkosten

Man empfahl uns, den Tee sehr zügig und innerhalb von zwei Wochen aufzubrauchen. Das wird schwierig… Einen Tag nach meiner Rückkehr entscheide ich mich nun aber doch dazu, diesen Tee zu brühen. Es ist der einzige handgerollte Tee, den ich habe, daher möchte ich gerade diesen so bald wie möglich genießen.

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Blatt
Nachdem ich schon einige Fotos von handgerollten Tees gesehen habe, bin ich etwas enttäuscht. Es sind zwar einige schöne lange Nadeln zu sehen, aber eine gute Manufaktur kriegt das maschinell hin.

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Duft
Der Duft verrät sogleich etwas über den Anbau, denn er hat diesen typischen Schattenduft (ôika 覆い香). Der süße Duft erinnert an frisch gepflückte Teeblätter. Im Hintergrund ist etwas Zitronenschale und ganz leicht Erdbeere. In der warmen Kanne denke ich an geröstete Nori-Blätter, Frau P. an gebrannte Mandeln.

Geschmack
Der erste Aufguss ist sehr aromatisch. Neben der Süße kommt eine leichte Umami-Note an den Seiten der Zunge zum Vorschein. Der erste Eindruck ist frisch, leicht gemüsig. Trotz der hohen Dosierung ist er kein bisschen bitter. Frau P. sieht das etwas anders, für Sie ist eine leichte Herbe (wie bei Weintraubenschalen) zu schmecken. Er wirkt noch sehr lange nach, der Umami-Geschmack, erinnert nun an den Nachgeschmack von Tomaten.

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Erster Aufguss

Der zweite Aufguss ist nun ausgewogen herb, insgesamt hat der Tee jetzt mehr Tiefe und Körper. Der Nachgeschmack des Umami hinterlässt ein Mundgefühl von Parmesan.

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Zweiter Aufguss

Aufguss Nummer Drei ist deutlich leichter und hat nun keinen Umami-Geschmack mehr. Er schmeckt frisch und erinnert mich an die klassischen Tees aus den japanischen Getränkeautomaten. Das meine ich nicht negativ, denn in Japan ist die Qualität der Tees sehr hoch.

Der letzte Aufguss ist noch etwas leichter und süffiger. Ein einfacher und unkomplizierter Genuss, der andeutet, dass aus den Blättern nicht mehr viel herauszuholen ist.

Fazit
Das war ein sehr schöner Grüntee, der auch extreme Dosierungen von 5g auf 100ml verträgt, ohne bitter zu werden. Diesen Laden werde ich mir für den nächsten Japan-Besuch auf jeden Fall merken.