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Echizen-Keramik der Eheleute Kondô

Echizen-Keramik gehört zu den „Sechs Alten Öfen“ Japans. Das Zentrum liegt in der heutigen Präfektur Fukui, nördlich von Kyôto. Nachweislich wurde bereits ab dem 5. Jahrhundert Sueki-Keramik gebrannt. Ab dem 12. Jahrhunderts begann man mittels anagama hochgebranntes Steinzeug zu fertigen, das eine natürliche Ascheanflugglasur trug. Bis heute sind Holzbrandöfen für Echizen-yaki üblich, entsprechend natürlich fallen die Keramiken aus.

Traditionell wurden Töpfe und Fallen für Kraken hergestellt. Heute ist man dank der zahlreichen Betriebe viel breiter aufgestellt. Von einigen Keramikern werden auch Essgeschirr und Teeutensilien gefertigt. Zu diesen gehört das Ehepaar Kondô.

Ihr Weg zur Keramik

Nobuyasu Kondô  (46) fing bereits im Alter von 18 Jahren an, sich der japanischen Teekeramik zu widmen. Dies hat er seinem Freund und erstem Meister zu verdanken, der in Nagano Keramik nach dem Vorbild von Echizen-Keramik feuerte.

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Dies hat ihm dann so gut gefallen, dass er unter ihm lernte und sich eines Tages dazu entschloss, einen eigenen Ofen zu gründen. Um aber möglichst authentische Echizen-Keramik zu brennen, zog er zu diesem Zweck in die Präfektur Fukui, dem Herkunftsort, in dem seit dem 12. Jahrhundert ununterbrochen die Flammen der Echizen-Öfen lodern.

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Seine Frau Sanae Kondô geht diesen Weg entschlossen mit. Für beide war dies eine Art Neuanfang, diese Symbolik ist in der Bedeutung des Hôgetsu-Ofens (萌蘖窯) versteckt, denn das erste Schriftzeichen bedeutet „Knospe“, getsu beutet hingegen „junger Trieb“.

Der Ofen

Gebrannt wird in einem Holzbrandofen. Ein Brand dauert ganze 4 Tage und muss für einzelne Stücke wiederholt werden, wenn die Glasuren nicht wie gewollt ausfallen.

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Als Brennmaterial wird typischerweise Japanische Eiche und Kastanien-Eiche verwendet. Diese kommen häufig in der Region vor und verleihen Echizen-yaki die typische Ascheanflugglasur.

Die Produktpalette

Sanae Kondô stellt neben Vasen für Ikebana auch Teebecher her. Ihr Mann konzentriert sich auf Töpfe und filigrane Arbeiten wie beispielsweise Teekannen.

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Beide bilden die Objekte im Freihandaufbau. Das kostet Zeit, verleiht aber jedem Stück einen besonderen und rustikalen Charme.

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Die Glasur

Typisch für die Werke der Kondôs ist ein dunkler und rötlicher Scherben. Darauf legt sich eine helle Ascheschicht, die sich mit dem Tonkörper verbindet.

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Dabei entstehen auch fließende Übergänge, die eine individuelle Landschaft (keshiki) hinterlassen. Diesen ganz eigenen Glasureffekt nennen die Kondôs wegen der Ähnlichkeit auch Akebi (jap. für Fingerblättrige Akebie).

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Ihre Lebensweise

Die Kondôs sind sehr bescheidene Menschen, die zurückgezogen am Rande der Stadt Sabae leben. Dort am Fuße des Waldes haben sie ein altes Holzhaus bezogen, das zurück in die Meiji-Zeit reicht. Ein kleiner Bach läuft am Haus vorbei, in dem kleine Krebse leben.

Der tägliche Arbeitsplatz
Der tägliche Arbeitsplatz

Es ist eine einfache, aber glückliche Lebensweise. Es hat mich jedenfalls inspiriert, sie kennengelernt zu haben und ich freue mich schon auf den nächsten Besuch!

Sanae (rechts) & Nobuyasu (links) Kondô
Sanae & Nobuyasu Kondô

Wenn du dich für die Keramik der Kondôs interessierst, dann freue ich mich, wenn du dich im Shop danach umsiehst. Ich werde in den nächsten Tagen einige Utensilien online stellen.

Einführung in die Eigentümlichkeiten japanischer Keramik

Der Zugang zu japanischer Keramik gestaltet sich für das westliche Auge oft schwierig. Verglichen mit der im Westen dominierenden Ästhetik erscheint besonders traditionelle japanische Keramik auf den ersten Blick rückständig, mangelhaft und unvollkommen. Bezieht man mit ein, dass besonders deformierte Exemplare Höchstpreise von mehreren tausend Euro erzielen können, ist das Unverständnis manchen Betrachters umso größer.

In kurzen Abschnitten werde ich versuchen, die wesentlichen Merkmale dieser besonderen Ästhetik zu erklären.

Ursprung
Einen entscheidenden Einfluss auf die japanische Ästhetik hatte die japanische Teekultur. Wie ich bereits hier ausführlich erzählte, gab es im 16. Jahrhundert eine große Veränderung hinsichtlich der bevorzugten Utensilien in Tee-Zusammenkünften. Einfache bäuerliche Reisschalen aus Korea und sogenannte B-Waren aus China mit besonderen Charakteristika wurden zunächst als Ersatz oder Ergänzung für hochwertige Jian-Teeschalen gewählt. Sie dienten als Türöffner für eine neue und tiefsinnigere Haltung, in der Schlichtheit und Einfachheit gegenüber Perfektion und Eleganz bevorzugt wurden.

Karatsu-Keramik mit typischer weißer Glasur Unterglasur-DekorKaratsu-Keramik mit typischer weißer Glasur Unterglasur-Dekor

Selbst mangelhaft aufgetragene Glasuren, Schäden und asymmetrische Strukturen konnten einem Utensil einen individuellen Charakter verleihen, der von Teemeistern geschätzt wurde. Tee-Utensilien bekamen Namen verliehen, wurden in Tagebüchern festgehalten und skizziert, man erinnerte sich ihrer Einzigartigkeit. Für die Keramik-Hersteller waren diese Haltung und die aufkeimende Popularität der Teekultur der Beginn einer kreativen Auseinandersetzung und Vermarktung regionaler Traditionen.

Shino-Keramik mit zuckergußartiger GlasurShino-Keramik mit zuckergußartiger Glasur

Vielfach wurde versucht, diese Haltung spirituell und religiös zu begründen, in Wahrheit ist die Quellenlage für diese Behauptung sehr dürftig, so dass diese populären Erklärungsversuche konstruiert wirken und in der Wissenschaft entsprechend kritisch bewertet werden.

Ton
Japan ist reich an Tonvorkommen, von Hokkaidô bis Okinawa findet man über das ganze Land verteilt diverse Brennöfen, welche auf regionale Tonvorkommen zurückgreifen. Die Zusammensetzung der Tonsorten ist sehr unterschiedlich und ihre Eigenheiten werden nicht negiert. Ganz im Gegenteil werden gerade die markanten Eigenschaften hervorgehoben, so dass eine Abgrenzung zu anderen Regionen und Stilen leichtfällt. So entstehen viele verschiedene Keramikprofile von hell bis dunkel, von fein- bis grobkörnig. Es gibt eine Vielzahl von Abstufungen der Symmetriegrade, auch kantige Formen können vorkommen.

Auch aus diesem Grund werden in Japan die Keramikstile nach der Region benannt, in der sie gebrannt werden. Tokoname ist im Westen fast ein Synonym für Seitengriffkannen (kyûsu), in Japan ist Tokoname eine Jahrhunderte alte Töpferregion, die neben Alltagskeramiken auch Bonsai-Schalen herstellt. Alle dort gefertigten Keramiken werden ganz allgemein Tokoname-yaki genannt. Das Suffix yaki steht für „Gebranntes“, sinngemäß lautet die Übersetzung ganz einfach Tokoname-Keramik.

Karatsu-Keramik mit grobem Ton
Karatsu-Keramik mit grobem Ton

Trotz der Verbundenheit zur Region hat der japanische Töpfer durch die Auswahl und Zusammensetzung des Tons (z.B. sandig, grobkörnig oder feinkörnig) und die Art der Befeuerung viele Möglichkeiten, eine eigene „Handschrift“ zu entwickeln, die seine Werke von denen anderer Töpfer unterscheidet. Dazu verwenden die meisten Töpfer eine individuelle Signatur, die sie am Boden des Gefäßes in der Nähe des Fußrings hinterlassen.

Karatsu-Keramik mit feinem Ton
Karatsu-Keramik mit feinem Ton
Raku-Keramik mit sehr feinem Ton
Raku-Keramik mit sehr feinem Ton
Glasur
Heutzutage ist die Rezeptur einer Glasur mithilfe der Wissenschaft leichter aufzuschlüsseln und die Vorgänge im Brennofen sind insgesamt nachvollziehbarer. Der Zugang zu Rohstoffen ist grenzenlos und dem experimentierfreudigen Töpfer sind keine Grenzen gesetzt.

 

Jian-Teeschale mit Glasurtropfen
Jian-Teeschale mit Glasurtropfen
Demgegenüber stehen die überdauerten Keramik-Schätze der vergangenen Jahrhunderte. Nicht wenige Keramiker haben feststellen müssen, wie schwierig es trotz moderner Hilfsmittel ist, Repliken herzustellen. Die Schönheit der einfachen Dinge enthält auch immer ein Moment des Zufalls, der sich nur schwer reproduzieren lässt.
Echizen-Keramik mit natürlicher Ascheanflug-GlasurEchizen-Keramik mit natürlicher Ascheanflug-Glasur
Dazu gehört, wie die Glasur zerläuft und Muster bildet. Beim Erstarren der Glasur können sich am unteren Rand Tropfen bilden, die sehr geschätzt werden. Eine besonders reizvolle Gattung ist die natürliche Ascheanflug-Glasur. Holzasche, die aus der Befeuerung entsteht und im Ofen umherwirbelt, setzt sich zufällig auf den Gefäßen ab, schmilzt und zerläuft. Viele dieser Prozesse sind nur schwer zu kalkulieren und nicht direkt steuerbar. Aus diesem Grund gibt es noch immer sehr wertvolle Unikate oder außergewöhnliche Stile, die nicht reproduziert werden konnten.
-Seto (Gelbes Seto) mit gelber Ascheglasur und grünem Dekor
Ki-Seto (Gelbes Seto) mit gelber Ascheglasur und grünem Dekor
Haptik
Wie schon beschrieben, wird dem Ton besondere Beachtung gewidmet. Individuelle Zusammensetzungen ergeben auch immer eine individuelle Haptik. Selbst glasierte Keramiken werden am Boden häufig unglasiert gelassen. Ursprünglich diente dieses Vorgehen dazu, zu verhindern, dass das Werk mit dem Boden verschmilzt. Heute bietet es dem Betrachter die Möglichkeit, hinter die (Glasur-)Fassade zu blicken und sich am Tonkörper zu erfreuen. Dieser kann fein, sandig, grob bis hin zu steinig ausfallen.
Bizen-yaki Chawan
Bizen-yaki Chawan
Form
Im Laufe der Jahrhunderte wurden viele verschiedene Formen kreiert, die in die Tee-Kultur Einzug gehalten haben. Töpfer haben die Wahl, sich Traditionen bzw. existenten Formen anzuschließen oder sie neu zu interpretieren. Ebenfalls ist es möglich, sich von ihnen zu distanzieren und durch eine Abkehr seinen eigenen Stil bzw. eine Botschaft auszudrücken.
Modernes ao-Oribe von Ryuji Hodaka
Modernes ao-Oribe von Ryuji Hodaka
Besonders auffällig und auf den ersten Blick sonderbar sind asymmetrische Strukturen, die ebenfalls haptisch erfahren werden. Ursprünglich wurden diese unbewusst herbeigeführt oder sind während des Brennvorgangs zufällig entstanden. Nicht immer sieht die Asymmetrie gut aus und häufig liegt es auch im Auge des Betrachters, ob er sie als ästhetisch schön empfindet. Die Akzeptanz unvollkommen wirkender Keramiken ist der eigentliche Beginn der tiefgründigen japanischen Ästhetik, die man heute als wabi-sabi (詫び寂び) bezeichnet.
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