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Was man bei der Ausbildung zum Tee-Sommelier lernen kann Teil IV

Das letzte Seminar bzw. der dritte Block liegt jetzt schon ein paar Tage zurück und nun komme ich endlich dazu, diesen vorletzten Teil zusammenzufassen. Das Seminar begann zunächst mit der üblichen Lernerfolgskontrolle, die auch dieses Mal alle angehenden Tee-Sommeliers bestanden haben. Inhaltlich ging es dann mit einer Dozentin weiter, die früher selbst eine TG-Filiale leitete und zu dieser Zeit, aber auch im Anschluss, als Tee-Sommelier arbeitete und daher auch aus der Praxis zu berichten wusste.

Die vielen kleinen Dinge
Aus diesem Grund war es sehr nützlich, Informationen aus erster Hand zu erhalten. Dabei wurde zunächst auf die rechtliche Lage eingegangen, mit der du dich spätestens dann beschäftigen musst, wenn du kostenpflichtige Kurse zu diesem Thema anbieten möchtest. Natürlich konnte nicht auf jede besondere Lage der Teilnehmer eingegangen werden, dafür war der Hintergrund eines jeden viel zu unterschiedlich. Doch es wurde deutlich, auf was man alles aufpassen muss (z.B. Versicherungen), nach welchen Kriterien Räume ausgesucht werden sollten und wie nützlich es sein kann, mit Checklisten zu arbeiten (diese wurden gleich mitgeliefert).

Teekulturen dieser Welt
Im Anschluss daran hat uns Gero nochmals durch die internationalen Teekulturen geführt. Dazu gehörte natürlich auch die Teekultur Chinas, die in diesem Teil (zurecht!) am umfangreichsten behandelt wurde. Dabei nahm er all die Kleinigkeiten und Anekdoten mit, für die es im ersten Block keine Zeit gab. Mir hätte dieser Teil gar nicht lang genug sein können. Sehr interessant waren die Ausflüge zu weniger bekannten Teekulturen wie Korea und Tibet. Ich müsste lügen, wenn ich behauptete, nichts gelernt zu haben.

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Die prominentesten Zubereitungsweisen bekamen wir demonstriert bzw. durften uns auch selbst darin versuchen. Dazu gehörte das klassische Gong Fu Cha, welches wir mit zwei Oolong, einem Tie Guan Yin und einem Da Hong Pao zelebrierten. Dies taten wir sowohl mit Yixing-Kannen, zu denen es ebenfalls eine kurze Einführung gab, als auch mit Gaiwan (Deckeltassen). Es wurde hoch dosiert und jeder durfte die gar nicht so einfache Handhabung selbst versuchen. Der Vergleich eines blumigen und leichten Tie Guan Yin mit  einem dunklen gerösteten Da Hong Pao machte auch deutlich, welche beiden Enden im Spektrum des Oolong zu erwarten sind und wie sehr es sich lohnt, mit Zubereitungsmethoden zu experimentieren.

Ostfriesentee ist durchaus lecker
Ich trinke schon sehr sehr lange Schwarztee und konnte nur als Kind der Idee etwas abgewinnen, Milch in den Schwarztee zu tun. Als ich älter wurde, konnte ich trotz mehrfacher Versuche nicht mehr verstehen, was mir im Alter von 6 Jahren daran so geschmeckt hat. Viel zu aufdringlich ist die Milch, das finde ich noch immer. Entsprechend skeptisch war ich bei der Vorführung der ostfriesischen Teezeremonie, bei der ein kräftiger Tee auf Assam-Basis mit Sahne und Kluntje serviert wurde.

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Doch Vorurteile sind dazu da, sie abzubauen. Mir hat diese Variante überaus gut geschmeckt, obwohl mein Selbstversuch, den ich vor Jahren unternahm nicht so gelang, dass ich den Wunsch nach einer Wiederholung verspürte. Doch nach dieser Demonstration ist das anders. Vielleicht liegt es auch einfach an der verwendeten Sahne, die schön aromatisch war und gut mit dem kräftigen Assam-Tee harmonierte.

Schwerpunkt Japan
Gero ist ein echter Fachmann. Das liegt nicht zuletzt daran, dass er selbst einige Male in Japan war und dort Tee gelernt hat. Diese Expertise, vor allem aber die Begeisterung hat er sehr gut „an den Mann“ gebracht. Wir beschäftigten uns eingehender mit den Teesorten und der japanischen Teegeschichte. Nach der Theorie ging es wieder zur Praxis über. In Zweierteams haben wir je einen japanischen Klassiker zubereitet, der Gruppe vorgestellt und zusammen verkostet. Dazu gehörten Bancha, Kukicha, Sencha, Hôjicha, Genmaicha, Kabusecha und Gyokuro.

Hier blieb auch genug Raum für Abweichungen. Ich hatte das Vergnügen den Deep Steamed Sencha vorstellen zu dürfen. Bereits an den Blättern war zu erkennen, dass der Tee von hoher Qualität ist, daher haben wir statt der empfohlenen 12g gleich 18g auf 1l Wasser getan. Das Resultat war äußerst lecker – nur leider nicht für jeden. Diese Erkenntnis ist dennoch sehr interessant, denn sie verdeutlicht, wie unterschiedlich Geschmäcker und Vorlieben sind. Es bestärkt mich in der Vermutung, dass es kräftige und leichte Geschmackstypen gibt, die fast gegensätzliche Vorlieben haben. Der Tee schmeckte für mich voller, würziger und viel intensiver. Ich mag auch lieber Dunkelschokolade mit hohem Kakao-Anteil, kräftige Rotweine wie Shiraz und würzige Speisen.

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Einigen Teilnehmern schmeckte der Tee trotzdem nicht. Denn für sie war der Tee schon unangenehm herb. Diese Feststellung habe ich auch bei Freunden gemacht, denen ich Tee nach meiner Zubereitungsart servierte. Interessanterweise ist die Schwelle, ab wann Herbheit überhaupt wahrgenommen wird, so individuell, dass ich mich künftig nach der Empfindsamkeit des Gastes erkundigen werde, bevor ich ihm einen Tee serviere. Menschen, die sensibel auf Bitterkeit oder herbe Geschmäcker reagieren, sollten sich daher besser an die übliche Dosierungsempfehlung halten.

Japanische Tee-Zeremonie
Abschließend gab es eine echte (simplifizierte) japanische Tee-Zeremonie. Natürlich konnte nicht die gesamte Gruppe dabei bewirtet werden, aber zwei angehende Tee-Sommeliers haben sich getraut, in die Gastrolle zu schlüpfen. Gero hat sich für diese Gelegenheit richtig schick gemacht und einen japanischen Yukata angezogen. Alle Zubereitungsschritte wirkten ruhig und entspannend, so dass ich diese Demonstration auch als Zuschauer genießen konnte.

Auch die Seminarleitung will gelernt sein
Den Samstag haben wir mit Frau Florl verbracht. Sie hat jahrelange Erfahrung in der Wirtschaft gesammelt und arbeitet nun beratend als Coach für viele Unternehmen. Sie wird uns vor allem im nächsten Block sehr intensiv begleiten. Das Besondere daran ist, dass wir als Gruppe beim letzten Block getrennt werden. So wird die erste Hälfte den abschließenden Teil samt Prüfung bereits im Mai absolvieren. Meine Gruppe ist erst im Juni dran. Ziel ist es, jeden in die Lage zu versetzen, souverän und selbstsicher ein Seminar zu leiten und dies fängt schon bei der Ausstrahlung an. Als Vorbereitung auf den kommenden Block haben wir in kleinen Gruppen das Profil eines idealen Tee-Sommeliers erarbeitet. Also so, wie wir uns selbst am liebsten sehen. Und beim nächsten Block wird Frau Florl uns dabei helfen, diesem Ideal ein (hoffentlich großes) Stückchen näherzukommen. Ich werde berichten.

Hier geht es nochmals zu den Zusammenfassungen der anderen Seminare:
Block I
Block II

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Java OPSS Taman Sari

Es wundert mich immer wieder, aus welchen Ecken der Welt Tees nach Deutschland kommen. Indonesien ist zwar bezüglich des Teeanbaus kein ungewöhnliches Land, kann aber meiner Meinung nach als ein kleiner Exot bezeichnet werden, weil es nur wenige Tees gehobener Qualität auf dem deutschen Markt gibt. In Indonesien wird durch den holländischen Einfluss seit 1684 Tee angebaut, auf Java erst seit ca. 100 Jahren.

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Java besteht aus mehreren zum Teil aktiven Vulkanen. Foto von UKPaolo

Dieser Schwarztee stammt von der Insel Java. Dort gibt es einen Ort namens Taman Sari, der für einen prächtigen Wasserpalast bekannt sein soll. Erbaut wurde der Palast 1757, ist aber inzwischen etwas heruntergekommen. Die Teegärten auf Java befinden sich größtenteils in höheren Lagen und verfügen über einen sehr nahrhaften Vulkanboden. Die guten Qualitäten sollen aus den Blättern der Assam-Hybride einen Geschmack herauskitzeln, der an Ceylon und chinesische Hong Cha erinnert. Meiner bescheidenen Meinung nach trifft das aber nicht auf den vorliegenden Tee zu, aber lest selbst.

OPSS steht für Orange Pekoe Special Superior

Der knappe Informationstext von TeeGschwendner verrät, dass die Produzenten sich an vergangene Spitzenproduktionen erinnerten und jetzt wieder Schwarztee herstellen, dessen Qualität sich von der gängigeren Massenproduktion abhebt. Das SS – steht für Special Superior – klingt jedenfalls sehr selbstbewusst und es verwundert nicht, dass der Tee in der limitierten Edmons-Kollektion angeboten wird.

Da der Tee einen hochwertigen Eindruck macht, entscheide ich mich für eine Zubereitungsweise, die eigentlich nur aromatische Sorten wie z.B. Darjeeling oder edle Hong Cha erhalten. Also pro 100ml 2g der trockenen Blätter bei einer Ziehzeit von 30 Sekunden.

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Aussehen
Der vorliegende Schwarztee hat ein schönes dunkles Blattgut und auffällig viele Golden Tips, ein Zeichen für eine sorgfältige Pflückung, weil auch viele junge Blätter und Knospen verwendet wurden.

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Geruch
Im warmen Gaiwan steigt ein schwerer Duft auf. Das ist Malz gepaart mit dunklem Honig, aber auch etwas Frucht in Form von süßen Mangos. Die Vorfreude ist groß! Ob sich dieser Duft im Geschmack bestätigt?

Geschmack
Ich hebe also die Tasse zum Mund, benetze die Zunge mit dem dunklen Gebräu und bin überrascht. Der Tee schmeckt nichtssagend, kommt vielleicht gegen die großen Erwartungen nicht an, die aufgrund des Duftes zu hoch gewachsen sind. Ich bemerke zwar die Malzigkeit, aber sie ist mir zu dezent, wie bei einem zu schwach geratenen Assam. Das Mundgefühl ist etwas holzig. Beim zweiten Aufguss spüre ich ein bisschen Mango, aber auch nur ganz leicht. So leicht, dass ich mich wieder frage, ob dieser Eindruck doch nur Einbildung war. Beim dritten Mal werden die Blätter extra lange gebrüht, wodurch die Malzigkeit nochmal hervorkommt. Insgesamt aber enttäuschend.

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Zwischenfazit
Würde ich jetzt mein Fazit schreiben, hätte der Tee eine schlechte Bewertung erhalten. Wobei ich Bewertungen eh für wenig aussagekräftig halte. Und dafür gibt es verschiedene Gründe. Meine Bewertungen möchte ich als subjektiv verstanden wissen, ich maße mir nicht an, urteilen zu können, ob ein Tee wirklich gut oder schlecht ist. Ich kann nur sagen, ob und wie mir ein Tee geschmeckt hat. Wichtiger als die Güte des Tees ist derjenige, der den Tee zubereitet. Liegen seine Geschmackspräferenzen anders? Ich erinnere mich spontan an einen Besuch im Berliner Teesalon, über den ich bereits berichtete. Ich war dort mit einem Freund, der eigentlich Earl Grey und einige ausgewählte Grüntees trinkt. Wir bekamen netterweise eine Tasse eines gerösteten Oolong angeboten und unsere Eindrücke waren ganz unterschiedlich. Ich war begeistert, wollte sofort ein Päckchen davon kaufen, er hingegen wollte überhaupt nichts aus dieser Richtung – „was für ein Frevel“, dachte ich.
Ein weiterer Grund, weswegen ich mit Urteilen anderer vorsichtig bin, ist die Zubereitungsart. Ich vertrete die Meinung, dass jeder Mensch ein eigenes Geschmacksprofil hat, welches individuell ausfällt. Jeder hat also eine eigene Vorstellung von leckerem Tee und das schließt die Zubereitung mit ein. Es ist möglich, dass uns ein Tee partout nicht schmecken will, egal was wir mit ihm anstellen. Liegt das nun am Tee oder an uns? Es kann aber auch umgekehrt so sein, dass verschiedene Zubereitungsarten verschiedene Ergebnisse hervorbringen und wir von der einen ganz begeistert, von der anderen total enttäuscht sein können. Ein bisschen Experimentierfreude könnte sich lohnen.

Aus diesem Grund gebe ich dem Java OPSS eine zweite Chance. Da er mich etwas an Assam erinnert, bereite ich ihn wie einen zu, also 1,2g auf 100ml kochendes Wasser bei drei Minuten Ziehzeit.

Das Ergebnis ist jetzt viel besser! Der Geschmack ist dichter und der Tee hat mehr Körper. Die Säure ist gut ausbalanciert, erinnert zwar nicht direkt an Mangos, aber dafür etwas entfernt an Früchte. Die Malzigkeit kenne ich sonst nur von Assam-Tees, dazu gesellt sich das Aroma eines leichten Waldhonigs.

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Die nassen Blätter wirken röter als die gewöhnlicher Schwarztees

Fazit:
Nach einem Fehlversuch, hat der Tee mit der Standard-Methode doch noch geschmeckt. Dies ist mein zweiter Schwarztee aus Indonesien und es ist schön zu sehen, dass man sich wieder Mühe gibt, guten Tee herzustellen. Schaut man nach Sri Lanka oder Afrika, so muss man leider feststellen, dass gute Qualitäten den kostengünstigeren einfachen gewichen sind. Lässt sich der Trend wieder umkehren? Statt an Ceylon und China, erinnert mich dieser Tee viel mehr an Assam. Ist das eine Ausnahme oder schmecken andere Java-Tees ähnlich? Meinen ersten Java-Tee empfand ich nicht ganz so gut, weswegen ich auch nicht darüber berichtet habe. Wie auch immer, es ist spannend zu sehen, was Länder mit anderen geografischen Bedingungen imstande sind zu produzieren.