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Vom Kaffee zum Tee, welche Sorten kommen für Kaffeetrinker infrage?

Edit vom 08.03.2015: Dieser Beitrag wurde durch wertvolle Anregungen aus Facebook-, Blog- und Teetalk-Kommentaren um weitere Teesorten ergänzt.

Obwohl ich fast ausschließlich Tee trinke, begehe ich zuweilen einen Seitensprung und trinke Kaffee. Treue bin ich meiner Frau verpflichtet, bei Tee sehe ich es nicht ganz so eng. Und ich kann euch Kaffeetrinker durchaus verstehen, was ihr an diesem Gebräu findet.

Wie wird Kaffee getrunken?
Kaffee ist sehr aromatisch, würzig und hat einen dominanten Geschmack. Aber nicht alle Kaffeetrinker mögen dies. In meinem Bekanntenkreis trinken nur Wenige Kaffee ohne alles. Auch Espresso scheint nicht viele Freunde zu haben. Es ist daher naheliegend, dass der Kaffee-Geschmack durch Zutaten genießbarer gemacht wird. Einen Espresso ohne Zucker kann und will ich mir nicht vorstellen. Und wenn wir auf die Nachbartische eines gemütlichen Cafés schielen, entdecken wir wohl eher Kreationen aus Kaffee, Milch, Sahne und Zucker.

 

Das geht auch mit Tee

Kaffee und Tee unterscheiden sich von der Trinkweise gar nicht so sehr, wie es den Anschein hat. Abgesehen von speziellen Tee-Zeremonien gibt es erstaunlich viele Parallelen. Denn auch Tee kann man mit Sahne, Milch und Zucker hervorragend kombinieren. Für die Ostfriesen ist es sogar ein Muss.

Tee ist im Vergleich leichter, vor allen, wenn man sich an die gängigen Zubereitungsmethoden hält. Doch auch hier gibt es Sorten, die für (ehemalige) Kaffeetrinker von Interesse sein könnten.

Schauen wir uns doch einmal an, welche Tees für Kaffeetrinker interessant sein könnten. Auf jeden Fall sollte es sich um richtigen Blatt-Tee handeln, in Teebeuteln sind selten gute Qualitäten zu finden und die Reaktion mit dem Wasser ist wegen des Platzmangels erschwert.

1. Ostfriesenmischung

Eine Ostfriesenmischung besteht hauptsächlich aus Assam-Tee, der wiederum bekannt ist für seinen kräftigen Geschmack und seine Malzaromen. Obwohl schon pur ein Genuss und zumindest für mich einer meiner Frühstücksfavoriten, wird in Ostfriesland auch gerne etwas Sahne hinzu gegeben. Daher ist auch der Einsatz von Milch denkbar.  Und wenn dir der Ostfriesentee schmeckt, dann kommt theoretisch auch jeder Assam infrage. In der Nähe eines Ostfriesen solltest du unbedingt noch einen Kluntje in die Tasse geben. Doch unter uns gesprochen, finde ich Rohrohrzucker ebenfalls sehr passend! Da ich kräftige Schwarztees zum Frühstück sehr gerne trinke, wird dich vielleicht dieser Artikel interessieren. Ebenfalls interessant könnten die English & Irish Breakfast-Tees, die ähnlich kräftig sind wie eine Ostfriesenmischung.

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2. Hôjicha (Houjicha)

In Japan ein beliebter Alltagstee oder ein guter Begleiter für das Abendessen, in Europa eher eine Rarität und nicht jeder Händler hat ihn. Häufig handelt es sich um einen einfachen Grüntee wie Bancha, der stark geröstet wird und dadurch sein typisches Aroma erhält. Als Wachmacher ist Hôjicha allerdings weniger geeignet, denn er gilt als koffeinarm. Neugierig darauf, wie ein Hôjicha schmeckt? Hier habe ich einen verkostet!

 3. Ceylon & Darjeeling

Obwohl auf Sri Lanka überwiegend einfacher Tee produziert wird, gibt es einige sehr würzige und kräftige Exemplare. Auch aus diesem Grund findet er in typischen Frühstücksmischungen Verwendung wie z.B. dem English Breakfast. Auch dieser Tee kann mit Milch und Zucker getrunken werden. Erlesenere Sorten solltest du auch mal pur probieren, einfach um zu erfahren was sie auszeichnet. Doch Vorsicht! Es gibt auch sehr milde Ceylon-Sorten, die würden bei Milch und Zucker eher untergehen. Da es auch leichte und aromatische Kaffeesorten gibt, sind auch Darjeeling-Tees eine Option, die Anneke auf Facebook ins Spiel gebracht hat. Darjeeling-Tees können je nach Pflückperiode und Verarbeitung blumig-frisch bis nussig-würzig ausfallen. Und wem Darjeeling auf den ersten Blick zu teuer erscheint, kann auch auf einen Nepal-Tee zurückgreifen.

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Eine Schale mit leuchtend grünem Matcha

4. Matcha
Wer einen Espresso-Ersatz sucht, hat ihn in Matcha gefunden. Er macht wach, hat aber einen milderen Geschmack und wird ohne Zucker getrunken. Allerdings solltest du das tun, was dir gefällt. Ich erinnere mich zu gerne an eine junge japanische Aushilfe, die in ihren Matcha einen Würfel Zucker eingerührt hat. Wenn sie das darf, darfst du das auch ;). Auch kann man Matcha durch Milch in einen Matcha Latte verwandeln. Hier findest du weitere Informationen über die verschiedenen Matcha-Qualitäten und die richtige Zubereitung. Marieke W. konnte ihren Freund durch ein Benifuuki-Pulver überzeugen. Er trinkt zwar weiterhin Kaffee, die herbe Note des Benifuuki-Pulvers gefalle ihm als Kaffeetrinker gut. Benifuuki ist eigentlich eine japanische Grüntee-Sorte, der eine anti-allergene Wirkung nachgesagt wird. Sie ist etwas herber, hier habe ich mal einen Benifuuki-Blatt-Tee verkostet.

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Ein dunkler und fruchtiger Oolong: Dan Cong

 

5. Oolong
Oolong ist vielleicht der komplexeste Tee, den du finden wirst. Wegen der schwer zu greifenden Definition gibt es eine fast schon unüberschaubare Vielfalt von Sorten. Grüne Oolong-Sorten sind sehr blumig , dunkle Oolong sind eher würzig und fruchtig, erinnern optisch wegen der Dunkelheit der Blätter an Schwarztee. Einige Oolong werden zudem noch geröstet, aber nicht ganz so stark wie der Houjicha. In diesem Blog habe ich einen grünen Oolong, einen dunklen und einen gerösteten beschrieben. Steve hat im Teetalk-Forum die stärker oxidierten Wuyi Felsentees als weitere Option vorgeschlagen. Zu nennen wären beispielsweise ein Shui Jin Gui und Rou Gui.

 

6. Shu Pu Erh (Max Be & Florian H., Facebook)
Die Bandbreite an Pu Erh ist erschöpfend lang, vor allem wenn man die natürlich gealterten Sorten betrachtet, die man auch als Sheng bezeichnet. Man könnte sein ganzes Leben in die Erkundung dieser Tees investieren und es wäre kein vergeudetes Leben. Einheitlicher kommen Shu Pu Erh herüber. Sie ergeben einen dichten dunklen Aufguss, der auch optisch an Kaffee erinnert. Eine kräftige Dosierung kann helfen, das Ergebnis in Richtung Kaffee zu optimieren. Ob dieser Tee auch mit Milch und Zucker schmeckt, wage ich allerdings zu bezweifeln, es ist wohl eher eine Alternative für die „schwarzen“ Kaffeetrinker.

 

7. Dian Hong (Thomas Kasper, Facebook)
Dian Hong gehört zu meinen Favoriten unter den Schwarztees. Diese Tees erinnern mich an Assam, weil sie ebenfalls einen malzigen Charakter aufweisen. Dian Hong haben außerdem sehr schöne Honig-Aromen und können bei längeren Ziehzeiten einen feinen würzigen Geschmack entwickeln, der an Kaffee erinnern kann. Der Yunnan Golden Bud, den ich hier verkostet habe, geht ebenfalls in diese Richtung.

 

8. Wirkungsweise des Koffeins

Viele Kaffeetrinker benötigen den Kaffee, um morgens überhaupt richtig wach zu werden. Ein weiterer Grund ist das uns allen bekannte Mittagstief, aus dem man auf der Arbeit herauskommen möchte. Das Koffein im Kaffee wird vom Körper in kurzer Zeit vollständig aufgenommen, die Wirkung fällt bei den meisten deutlich spürbar aus. Doch es gibt auch eine Kehrseite. Ebenso so schnell wie die Wirkung erfolgt auch der Abbau. Man fällt nach dem Abbau in ein plötzliches Loch. Der nächste Kaffee muss her.

Auch im Tee ist Koffein enthalten. Es kann nur nicht so schnell vom Körper aufgenommen, weil Tannine, die ebenfalls im Tee enthalten sind, das Koffein so lange an sich binden, bis sie während der Verdauung voneinander gelöst werden. Dies hat zwei Wirkungen zur Folge:

1. Die Wirkung des Koffeins setzt später ein

2. Wir nehmen das Koffein über längere Zeit auf

Für uns bedeutet es, dass wir keinen Koffein-Flash bekommen. Die Wirkung ist zwar milder, hält aber länger und ist verträglicher. Selbst wenn die Wirkung nachlässt, fallen wir nicht in ein Loch. Das L-Theanin, welches in hochwertigen Grünteesorten enthalten ist, steigert außerdem die Konzentrationsfähigkeit. Aus diesem Grund eignet sich gerade Matcha ideal als Wachmacher oder als Mittel gegen das Mittagstief.

Fazit
Wenn du von Kaffee auf Tee umsteigen oder auch einfach nur einen Seitensprung wagen möchtest, kannst du einen der oben genannten Tees als Einstieg probieren. Am besten du holst dir zunächst eine Probe und lässt dich anschließend beraten, welche Tees du als Nächstes probierst. Im Teefachgeschäft oder spezialisierten Online-Shop wird man dich sicher gerne beraten. Was? Du zweifelst noch immer, ob Tee etwas für dich ist? Hier sind zehn gute Gründe, weswegen Tee ein Getränk für dich sein kann.

Eine Bitte habe ich noch. Wenn du noch weitere Tees kennst, die für Kaffeetrinker interessant sein könnten, dann lass es mich doch wissen, indem du einen Kommentar hinterlässt oder mir eine kurze Mail schreibst.

P.S.: Wenn dir der Blog gefällt, dann trage dich doch in den Newsletter ein. Es sind spannende Neuerungen in Zukunft geplant und auf diese Weise kann ich dich am besten erreichen. Ich werde mich auch nicht häufiger als einmal die Woche melden. Versprochen!
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Whittard of Chelsea: Breakfast Earl Grey

Mit den letzten „Whittard of Chelsea“-Tees kam noch ein Päckchen Earl Grey, genauer: Breakfast Earl Grey. Als ich noch etwas jünger war, habe ich aufgrund der Ähnlichkeit der Wörter Earl und early gedacht, dass es einen Zusammenhang zwischen ihnen gäbe und sich dieser Tee besonders gut früh morgens zum Verzehr eignen würde. Bestärkt wurde diese Annahme durch den frischen Citrus-artigen Geschmack, der frisch und etwas belebend wirkte. So zumindest mein Eindruck. Mit der Zeit lernte ich natürlich, dass Earl ein britischer Adelstitel ist, aber bis zu dieser Zeit habe ich es mir längst zur Angewohnheit gemacht, Earl Grey mit Vorliebe morgens zu trinken. Und da der Mensch ein „Gewöhnungstier“ ist und mir der Tee besonders gut zum Frühstück schmeckt, habe ich mir diese Angewohnheit auch nie abgewöhnen wollen. Die kräftigere Basis dieser Komposition kommt mir dabei sehr gelegen. Ein Earl Grey darf auch etwas mehr nach Tee schmecken, kräftig und belebend sein.Über die Geschichte des Earl Grey werde ich mich an dieser Stelle nicht auslassen. Im Internet gibt es zig Quellen, die sich empfehlen lassen würden, aber eine Dokumentation hat mich besonders positiv überrascht: Das grüne Gold Kalabriens. Im TV auf dem Sender Phoenix wird sie in regelmäßigen Abständen ausgestrahlt, aber leider auch zu unpraktischen Uhrzeiten. Klickt einfach auf den Link, dann findet ihr eine kurze Beschreibung und die nächsten Sendetermine.Der vorliegende Tee schmeckt durchaus kräftig, nicht malzig, aber ähnlich wie der bereits beschriebene English Breakfast, weswegen ich vermute, dass eben dieser die Grundlage des Tees bildet. Aromatisiert wurde mit einem naturidendtischen Aroma mit einem Anteil von 2,5%. Ich gebe zu, dass ich mit naturidentischen Aromen auch schon negative Erfahrungen gemacht habe, umso erfreulicher, dass die Aromen so gut ausgewählt sind, dass das Bergamotte-Aroma sehr gut getroffen ist, aber etwas mehr in Richtung süßer Zitrone geht, wie man sie vom Zitronenkuchen kennt. Ein Teil dieses Aromas verbindet sich auch mit dem Geschmack und schmeckt so, als ob man einen Spritzer Zitrone untergemischt hätte. Sehr ansprechend!Bei einem Frühstückstee handelt es sich fast immer um einen „Broken“, weil das kochende Wasser mehr Angriffsfläche hat und der Aufguss dadurch stärker wird. Dementsprechend sieht das Blatt aus, wobei auffällt, dass keine Kügelchen aus CTC-Herstellung enthalten sind.

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Die Aufgussfarbe ergibt ein mitteldunkles Braun-Rot, nicht ganz so dunkel wie z.B. ein Ostfriesen-Broken. Die Farbe entspricht der von mir wahrgenommenen Stärke.

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Fazit: Als bekennender Frühstückstee-Trinker, der seinen Tee gerne kräftiger mag, kommt mir dieser Blend sehr entgegen und bereichert meine Frühstückskollektion. Auch im Vergleich mit einem natürlich aromatisierten Earl Grey, d.h. mit Bergamotte-Öl, schneidet dieser gut ab, ohne eine Wertung abgeben zu wollen. Ich habe (für mich) festgestellt, dass gerade bei Earl Grey nicht alles von der Art des Aromas abhängen muss und es scheint auch bei naturidentischen Aromen große Unterschiede bezüglich der Qualität zu geben. Für mich heißt das, dass ich auch in Zukunft solche Tees nicht ausschließen werde.

Whittard of Chelsea

Der letzte Eintrag ist schon etwas her, aber es gibt dafür auch gute Gründe. Erst am Donnerstag habe ich meine mündliche Prüfung bestanden. Wer jetzt denkt, dass ich hier jeden zweiten Tag einen Blog verfasse, den muss ich enttäuschen. Die nächsten Prüfungen stehen an. Die nächsten Wochen werden zwar etwas entspannter, aber gelernt werden muss trotzdem. Und ob ich abends noch ausreichend Energie für einen Blog haben werde, kann ich noch nicht mit Sicherheit sagen. Zumal ich mich ausgiebigen Tee-Zeremonien aus Zeitmangel nicht widmen kann. Aber für Frühstückstees habe ich immer Zeit, daher stelle ich zwei Schwarztees vor:Vor einiger Zeit habe ich die Möglichkeit bekommen, einige Tees aus dem Sortiment des englischen Traditionsunternehmens Whittard of Chelsea (anno 1886) zu probieren. Wer die europäische Geschichte im Blick hat, wird daraus schließen können, dass so ein Unternehmen auch schwierige Zeiten durchleben musste und schon einige Tiefen überwunden hat. Gegründet wurde es vom namensgebenden Sohn einer wohlhabenden Lederhändlerfamilie, der sich mit diesem Schritt von der Familientradition löste, um seiner eigenen Leidenschaft nachzugehen. In den folgenden Jahrzehnten schaffte er es, stets auf den Zeitgeist zu reagieren, und auch in wirtschaftsschwachen Zeiten erfolgreich Tee zu verkaufen.
Immer wieder bin ich fasziniert von englischen Mischungen oder auch „Blends“, die sogar in Form von Teebeuteln richtig gut schmecken können. Es ist eine Kunst für sich, Tees aus verschiedenen Regionen so zu kombinieren, dass sie am Ende ein harmonisches Gesamtbild ergeben und dieses Jahr zu Jahr aus sich verändernden Qualitäten neu zu komponieren. Besonders zum Frühstück weiß ich Blends besonders zu schätzen, da sie eine ausdrucksvolle Basis haben, die selbst bei Wurst und Käse präsent bleibt. Der „English Breakfast Tea“ ist vermutlich die Mutter aller Frühstückstees, die mit der Königin Victoria (1819–1901) ihren wohl prominentesten Befürworter hatte, obwohl es auch Gerüchte gibt, die besagen, dass ein englischer Teehändler diese Bezeichnung in Amerika für den Vertrieb verwandte.
Die Rezeptur des „English Breakfast Tea“ von Whittard of Chelsea wurde das letzte Mal vor 15 Jahren angepasst und besteht aus drei Komponenten: „Assam liefert die Stärke, Ceylon die Tiefe und Kenya die Farbe.“ Die wenigen englischen Frühstückstees, die ich getrunken habe, gehen in eine ähnliche Richtung. Sie sind zwar kräftig, aber nur punktuell, besonders am vorderen Teil der Zunge. Das ist auch bei diesem Aufguss der Fall, der im Vergleich zum „German Breakfast Tea“ – gemeint ist unsere Ostfriesenmischung – leichter und spritziger ausfällt. Eine Empfehlung an alle, denen Ostfriesenmischungen und „Irish Breakfast Teas“ zu kräftig sind.

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Die Verpackung ist stilvoll designed und vermittelt einen hochwertigen Eindruck.
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Links der „English Breakfast Tea“ mit einem etwas gebrochenerem Blatt und rechts der Orange Pekoe mit etwas hellerem und größerem Blattgut.

Für eine kleine Überraschung sorgte der Orange Pekoe aus Sri Lanka, im Tee-Jargon auch Ceylon genannt. Bekannt soll der Tee wegen seines Citrusaromas sein und ich gebe zu, dass ich solche Ceylon sehr zu schätzen weiß. Leider sind diese Tees recht schwierig zu bekommen. Die Hoffnung war dementsprechend groß, dass dieser Tee das einhalten würde, was er verspricht, doch beim Öffnen der Packung stelle ich fest, dass der einzigartige Ceylon aus dem Hamburger Wasserschloss offenbar einen nahen Verwandten hat. Beim Duft bin ich mir mit Frau S. nicht ganz einig. Ich bin der Meinung, dass der Blaubeerduft, der mich an Blaubeer-Muffins aus dem Uni-Café erinnert, eindeutig überwiegt. Frau S. hingegen tendiert eher zur Citrusfrucht ohne dabei die Blaubeere zu negieren. Der Tee ist allerdings kräftiger als sein Gegenpart aus dem Wasserschloss, was mir sehr entgegenkommt – bin ich doch ein Liebhaber kräftiger Tees. Da befinde ich mich mit Georg Orwell in guter Gesellschaft, der nach einer Übersetzung der Bloggerin Teekanne folgendes befand: „Alle wahren Teeliebhaber mögen ihren Tee nicht nur stark, sie mögen ihn mit jedem Jahr etwas stärker (…).“
Aber zurück zum Citrusduft: Kann es sein, dass sich meine Wahrnehmung verändert hat und ich deswegen den Citrusduft nicht mehr wahrnehme? Dann wäre es auch kein Wunder, dass ich so große Schwierigkeiten habe, entsprechende Ceylons zu finden. Andererseits ist die Blaubeernote, die ich und vor allem Frau S. zu schätzen weiß, auch eine Eigenschaft, die meines Erachtens bei Ceylontees sehr selten ist. Umso schöner ist es daher festzustellen, dass unser Fund im Wasserschloss kein Einzelfall ist und solche Tees auch andernorts vertrieben werden.

Fazit: Über die Entdeckung des Orange Pekoe bin ich sehr glücklich, weil ich befürchtete, dass der Ceylontee aus dem Wasserschloss eine Ausnahme darstellt und die Quelle eines Tages versiegen könnte. Da uns der Tee sehr ans Herz gewachsen ist, ist es beruhigend zu wissen, dass wir eine weitere Option in der Hinterhand haben. Der „English Breakfast“ ist zwar auf seine Weise lecker, aber ich tendiere geschmacklich doch zu den „härteren“ Assam-haltigen Ostfriesenmischungen und Irish-Breakfast-Teas. Wer sich für Blends interessiert, sollte mal einen Blick bei Whittard of Chelsea riskieren, denn sie haben noch einige traditionelle Mischungen in Petto, die sehr vielversprechend klingen: Z.B. Royal Blend, 1886 Blend, Irish Breakfast und Whittard Original.

Ich bedanke mich für die edle Spende!

Frühstückstees: Auf Assam-Entzug!

Vor einiger Zeit habe ich eine sehr interessante Beobachtung gemacht. Wenn man einen Tee täglich trinkt, dann kann es vorkommen, dass man sich so sehr an den Geschmack gewöhnt, dass man seinen charakteristischen Geschmack immer weniger wahrnimmt.
Das passierte mir vermutlich in Vergangenheit schon häufiger, aber ich muss mir dafür wohl immer andere Erklärungen zurechtgelegt haben. Seit ich bewusst Tee trinke, ist der Frühstückstee eine Art Konstante in meinem Leben. Einen trinke ich zum Frühstück, den zweiten meist danach. Beim letzteren bin ich flexibler, aber der erste sollte für mich folgende Eigenschaften erfüllen:

  1. Er muss kräftig im Geschmack sein und sich gegen ein deftiges Frühstück durchsetzen können.
  2. Im Optimalfall ist er schön malzig.
  3. Zucker zerstört den Geschmack nicht, sondern bereichert ihn.

Wer sich etwas mit Tee auskennt wird jetzt spätestens erkannt haben, dass Assam-Tees genau diese Eigenschaften erfüllen. Derzeit ist es so, dass ich fünf Tees auf meinem Regal stehen habe, die entweder reine Assam- oder Assam-haltige Tees sind. Zu den letzteren gehört z.B. der Hamburger Veermaster von TeeGschwendner, eine Ostfriesenmischung und noch ein Irish-Breakfast, den mir meine liebe Schwester aus Irland mitgebracht hat.
All diese Tees habe ich jetzt in die Abstellkammer verbannt. Der Grund dafür ist, dass ich vor allem den malzigen Geschmack nicht mehr wahrnehme. Nachdem ich mich mit Henning vom Hamburger Teespeicher ausgetauscht habe, hat sich mein Verdacht von oben bestätigt: Man kann sich tatsächlich  bei regelmäßigem Konsum von einer Sorte an den Geschmack so sehr gewöhnen, dass man den wesentlichen Geschmack immer weniger schmeckt.
Aus diesem Grund habe ich mich für 30 Tage auf Assam-Entzug gesetzt. Diese Zeit sollte eigentlich reichen um mich wieder so weit zu entwöhnen, dass ich nach dieser Zeit den Tee wieder richtig schmecken kann.
Aber was soll ich nun stattdessen trinken? Kaffee? Ja, ich weiß, schlechter Scherz. Ich habe hier noch einen chinesischen Yunnan, der auch dafür bekannt ist schön malzig zu sein. Dann habe ich noch einen Ceylon, der zwar schön spritzig und fruchtig, aber leider nicht stark genug ist. Und den Earl Grey zähle ich als Tee jetzt mal nicht dazu, obwohl der sich zum Frühstück gar nicht übel macht.
Aus diesem Grund habe ich mit Henning vom Teespeicher telefoniert und er hat für mich eine kleine Auswahl an „Ersatztees“ zusammengestellt, die zumindest die erste und dritte Anforderung erfüllen sollen. Dazu habe ich mich noch etwas umgesehen.

Tag 1: Der Yunnan Golden Downy Pekoe von TeeGschwendner ist nicht schlecht. Er hat genug Eigengeschmack, um auch während des Essens zu begeistern. Aber das malzige Aroma habe ich stärker in Erinnerung. Sollte ich den Tee vielleicht auch in die Vorratskammer sperren?

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Yunnan Golden Downy Pekoe: schöne gekräuselte Blätter!

Der zweite Tee war ein Darjeeling First Flush aus Soom. Den habe ich gar nicht erst versucht mit Zucker zu trinken und das sollte man auch nicht. Meine Skepsis hat sich aber leider bestätigt, der Tee ist kein guter Frühstückstee. Vielleicht ist es auch einfach meine Gewohnheit, dass ich solche feinen Tees einfach in ganz anderen Situationen trinke.

Tag 2: Heute habe ich eine Packung PG Tips angebrochen, die ich mir mal gekauft habe, weil der Tee im teetalk-Forum von einem User so gelobt wurde. Fazit – ohne Details nennen zu können: Nicht kräftig genug, aber der milde Geschmack ist schön ausgewogen aromatisch und verteilt sich im ganzen Mund, so dass  man schon mitkriegt, dass man einen Tee trinkt.

Der Gewinner des Tages ist aber eine Empfehlung vom Teespeicher: Ein Second Flush Darjeeling Broken! Broken ist ja eher nicht so üblich und ich war zunächst skeptisch, als mir Henning davon erzählte. Aber ich muss ja zugeben, dass durch das gebrochene Blatt der Aufguss schön kräftig und würzig ist. Dazu gesellen sich die typischen Darjeeling SF Aromen, die eine gute dunkelrote Tasse ergeben und sich überraschenderweise mit Zucker vertragen. Während ich das schreibe, steigen die nussigen Darjeeling-Aromen in meine Nase. Das ist eine tolle Ergänzung zu meinen sonstigen Tees, daher kommt der auf meine Want-List.

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Darjeeling Secon Flush Broken

Tag 3: Zum Frühstück gab es den Azorentee in Orange Pekoe-Qualität. Dieser Tee ist einfach toll und eigentlich viel zu schade um ihn zum Frühstück zu trinken. Vor allem, weil ich davon nur so wenig habe. Der Tee schmeckt wie eine Mischung aus Ceylon (Würze), Assam/Yunnan (Süße im Duft) und diesem Sanxia Hongcha. Der hat nämlich einen ganz besonderen Duft, den ich leider nicht beschreiben kann, weil ich diesen Duft noch nie gerochen habe und in den ich mich sofort verliebt habe. Schön, dass es auch andere Tees wie diesen Azorentee gibt, die diesen Duft und dieses Aroma immerhin ansatzweise haben. Daher gilt mein Dank Jan, der mir diesen Tee selbstlos überlassen hat.

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Tee von den Azoren

Der zweite Tee ist ein vietnamesischer Brokentee Vietnam FBOP Lion Son Black Bio. Die Betreiber beschreiben den Tee als leicht und mild. So schmeckt er wahrscheinlich auch, wenn man sich an ihre Zubereitungsempfehlung hält. Ich tendiere ja gerade bei den Frühstückstees zu einer fast doppelt so hohen Dosierung. Ok, ich übertreibe etwas, aber wenn man den Tee höher dosiert, dann wird er schön schwer und würzig – eine ideale Voraussetzung um gegen Zucker anzukommen. Die Säure, die sich dabei entfaltet erinnert ein bisschen an Zitronen. Gar nicht schlecht!

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Vietnam Lion Son Black Bio: mit goldenen Tips!

Tag 4: Angefangen habe ich mit einem Ceylon Nuwara Eliya Mahagastotte. Dieser ergibt eine sehr helle Tasse und einen feinen, fruchtigen Geschmack. Die Beschreibung des Teespeichers kommt dem, was ich schmecke sehr nahe, aber leider können sich diese Aromen nicht gegen anständig geräucherte Wurst und würzigen Käse durchsetzen. Also eher ein Tee für die zweite Runde.

Der zweite Becher ist gefüllt mit einem Aufguss eines Darjeeling First Flush Broken, ebenfalls vom Teespeicher. Noch ungewöhnlicher als der Darjeeling SF Broken, den ich vorher beschrieben habe. Obwohl der Geschmack durch das gebrochene Blatt markant ist, werde ich mit dem Tee zum Frühstück nicht richtig warm. Vielleicht liegt es daran, dass ich mit solchen Darjeelings ganz andere Teezeiten verbinde. Ich würde auch nie einen Sencha oder Pu Erh zum Frühstück trinken. Wie befürchtet tat dem Tee der Zucker nicht gut. Schade, aber ein Versuch war es wert!

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Darjeeling First Flush Broken

Tag 5: Wie bei Tag 4, habe ich den Tag mit einem Ceylon, dieses Mal ein Uva BOP 1 Greenfield, begonnen. Er war schon kräftiger als der letzte, aber wahrscheinlich hätte ich ihn eher als zweiten Tee nach dem Frühstück trinken sollen. So war er leider auch nicht kräftig genug und während des Essens konnte ich mich nicht so gut auf die Nuancen konzentrieren.

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Ceylon Uva BOP 1 Greenfield

Der zweite Tee ist ein Earl Grey. Dazu gibt es recht wenig zu sagen. Es ist einer dieser neueren Gattung mit Bergamotte-Stückchen darin und er schmeckt schön kräftig und passt sehr gut zum Frühstück. Das nächste Mal mache ich es also umgekehrt. Vielleicht bilde ich mir das nur ein, aber vielleicht machen die Stückchen den Tee ein bisschen „saurer“, also frischer und zitroniger.

Earl Grey
Earl Grey mit Bergamotte-Stückchen

Tag 6: Die Überraschung des Tages ist ein Tee aus China, den ich ebenfalls vom Hamburger Teespeicher habe. Es handelt sich um einen Keemun. Dieser Tee ist sehr aromatisch und blumig, auch ein bisschen wie der oben beschriebene Azorentee. Wobei mich der Duft auch etwas an Honig erinnert. Auch mit Zucker ein wahrer Genuss.

Der andere Tee hat etwas enttäuscht und ist untergegangen: Der neue Sunderpani von TG (die 200g Tüte) kam mir so zart vor, dass die Zugabe von Zucker ihn niedergestreckt haben muss. Dieser Versuch schlug fehl und wird zu einer anderen Tageszeit ohne Zucker wiederholt.

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Spirit of Sunderpani

Tag 7: Langsam gehen mir die Proben aus. Daher habe ich heute nur einen neuen Tee probiert: Nuwara Eliya Lovers Leap (Ceylon) vom Wasserschlösschen. Dieser Tee gehört zu meinen Favoriten unter den Ceylon-Tees. Keiner lässt mich so sehr an Blaubeeren denken und beschäftigt auch gleichzeitig den Mund mit seiner Würze. Toll!

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Ceylon Nuwara Eliya Lovers Leap

Tag 8: Heute war neben einem PG-Tip, der mir misslungen sein muss, weil er irgendwie sauer schmeckte, noch ein anderer Yunnan-Tee (Yunnan Golden Bio) von TG in der Tasse, der schön würzig, stark und etwas rauchig war.

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Yunnan Golden Bio

Tag 9: Kommen wir zum letzten Tee dieser Versuchsreihe. Es ist ein afrikanischer Schwarztee aus Kenya (Special Tinderet), der nach Auskunft von Henning Schmidt nicht mehr lange verfügbar sein wird, weil die Plantage dicht gemacht wurde. Sehr schade, weil ich diesen Tee, von dem ich mir noch etwas sichern konnte, sehr gerne mag. Dieser Tee hat auch eine Malznote, die sich aber anders als bei Assam entfaltet. Der Tee fällt jedoch viel milder aus, was dem Geschmack keinen Abbruch tut. Eigentlich eine Kategorie für sich.

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Kenya Special Tinderet: siehe das schöne, dünne und drahtige Blatt!

Zeit für ein Fazit:
Yunnan-Tees kommen vielleicht auch wegen ihrer geographischen Nähe einem Assam sehr nahe und eignen sich sehr gut als Ersatz, obwohl ich befürchte, dass die Malzigkeit wegen meiner Gewöhnung an Assam-Tees auf der Strecke bleibt.
Ebenfalls aus China und mehr als nur ein Ersatz: Der Keemun Mao Feng eignet sich für die besondere Tasse zum Frühstück. In die gleiche Kategorie, aber schwieriger zu beschaffen, fällt der Azorentee Orange Pekoe, der sogar dem Geschmack nahe kommt. In die nähere Auswahl kommt immerhin der Vietnam Lion Son Bio, der besser passt als so manche Ceylon.
Eine völlig neue Welt erschloss sich mir durch den Darjeeling Secon Flush Broken, der eine gute Ergänzung meiner jetzigen Sammlung darstellt und für die nötige Abwechslung sorgt.
Und den Ceylon Lovers Leap kann ich jedem Touristen ans Herz legen, der sich in die Speicherstadt verirrt. Dieser Tee bildet fast eine eigene Kategorie und ist für mich eine fast so große Ausnahme wie der Kenya Special Tinderet.

Und was gibts bei euch zum Frühstück?