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Verkostung des Phoenix Dan Cong Premium

Der letzte Dan Cong war ein guter Einstieg ins Thema und nachdem ich mich ein bisschen für den Artikel eingelesen habe, stieg mein Interesse an diesem speziellen Oolong so sehr, dass ich es kaum abwarten konnte, die anderen beiden, die ich hier liegen habe, zu probieren.

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Heute geht es um den Premium Dan Cong, den ich im Blog davor erwähnt habe. Er ist jetzt zwar etwas älter, aber das tut ihm keinen Abbruch. Man kann davon ausgehen, dass er in der luftdichten Verpackung vor sich hinreifte. Es sollten bestimmt an die 2-3 Jahre sein, die er dazugewonnen hat, und diese Charge wird man wohl inzwischen nicht mehr kaufen können. Dafür kann man sich in Kwok Yings Sortiment sicher einen adäquaten Ersatz empfehlen lassen.

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Der Dan Cong Premium verfügt über lange filigrane Blätter mit dezenten Krümmungen


Blatt
Die Blätter scheinen etwas größer zu sein als beim vorherigen Dan Cong. Vor allem sind sie weniger verkrümmt und „nadeliger“, filigraner. Optisch kommt der „Premium-Charakter“ überzeugend rüber. Es kommt Vorfreude auf.

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Das Vorwärmen des Gaiwan

Geruch
Wieder bemerken wir die dunkle Brotkruste und dunkle Schokolade. Die Fruchtnoten sind deutlicher und vielfältiger: Mango, Maracuja, und Multivitaminsaft sind sogar ohne viel Fantasie zu erschnuppern. Im warmen Gaiwan kommen sie sogar noch intensiver zur Geltung, die anderen Aromen verlieren sich jedoch und kommen gegen diese geballte Frucht nicht mehr an.

Zubereitung
Wie zuvor gehe ich intuitiv vor: 5g, 100ml, 90-100°C, kurze Ziehzeiten immer länger werdend.

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Die Farbe des Dan Cong bewegt sich anfangs im Spektrum zwischen Gelb und Gold


Geschmack
Anfangs müssen wir beide feststellen, dass der Geschmack ein bisschen mit Pu Erh gemein hat. Oder ist das nur Einbildung? Was diesen Dan Cong von einem Pu Erh unterscheidet, ist die hervorstechende Süße, die fast schon an Likör erinnert. Auch jetzt kommt die Mango wieder durch. Ein Zitat von Frau P., welches ich Euch nicht vorenthalten möchte: „Irgendwie rieche ich gerade nur Wäsche“.

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Schon beim zweiten Aufguss wird der Premium Dan Cong mineralisch. Das sagt man ja den klassischen Yancha nach, die auf felsigen Böden wachsen. Ein Merkmal, welches auch auf diesen Dan Cong zutreffen könnte.

Die Süße nimmt immer mehr zu und die Frucht ist erstaunlich. So süffig, dass man ihn schon fast als Fruchtsaft verkaufen könnte!

Wir sind jetzt schon beim fünften Aufguss aufwärts und noch immer hat der Tee Ausdauer und Wandlungsfreude. Es zeigen sich die am Anfang wahrgenommenen Schokoladennoten. Ein schöner langer Nachgeschmack lädt zum Verweilen ein. Selbst beim Atmen ist er präsent. Nachher kommen noch Spuren von Passionsfrucht hinzu, was will ich mehr an einem grauen Sonntag?

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Später wandelt sich die Farbe des Dan Cong Premium in Richtung gelb-grün

Mit dem siebten Aufguss wird der Tee süffiger. Der Tee hat uns aufgewärmt, vergessen ist die Kälte des hereingebrochenen Herbstes. Es kommen uns sogar so verrückte Ideen, dass man den Premium Dan Cong auf Eis trinken könnte. Dabei war uns vor unserer kleinen Tee-Auszeit noch ziemlich kalt.

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Die Größe der Blätter wird auch in der Nachlese deutlich

Fazit
Den Zunamen Premium hat sich dieser Dan Cong redlich verdient. Es wurde deutlich, weswegen vor allem die Frucht und Süße ein wesentliches Merkmal dieser Sorte darstellen. Mit Bitterkeit habe ich überhaupt keine Probleme gehabt. Wahrscheinlich ist dies so ein Tee, der jedem schmeckt, es sei denn, der- oder diejenige hat eine Aversion gegen Fruchtnoten wie Mango und Maracuja.

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Mein persönlicher Weihnachtstee: Lila Pu Erh (Mo Zhen)

Weihnachten ist für mich immer eine besondere Zeit. Ich weiß, dass viele Leute von Weihnachten und dem ganzen Kommerz drumherum schon lange genervt sind und bei den Weihnachtsliedern, die ständig im Radio laufen, die Augen rollen. Gut, der Kitsch wird häufig übertrieben und der eigentliche Sinn ist schon lange aus den Augen verloren. Daher ist meine Freude vielleicht etwas erklärungsbedürftig. Ich mag Weihnachten wegen der christlichen Botschaft, die sich im Wesentlichen auf Nächstenliebe konzentriert, also auf den Anderen und nicht auf einen selbst. Und die Nächstenliebe ist ja eine Eigenschaft, welche uns Christen auszeichnen sollte und woran ich mir gerne ein Beispiel zu dieser Zeit nehme, wenn ich meine Prioritäten, die ich mir so gesetzt habe, nochmal überdenke. Ich freue mich auf meine Familie und auf die Tradition den anderen etwas zu schenken. Schon früh habe ich gemerkt, dass es mir mehr Freude bereitet jemandem ein Geschenk zu schenken, über das er sich freut, als beschenkt zu werden.
Diese besondere Zeit nutze ich auch gerne für besondere Dinge, schließlich wird ja ein Geburtstag gefeiert. Da darf auch mal etwas Feines zubereitet werden. Dieses Jahr habe ich fast jeden Tag in der Bibliothek verbracht und hatte wenig Zeit meinen Hobbys nachzugehen, doch Samstag war endlich wieder so ein Tag. Weil Weihnachten zum Greifen nahe war, habe ich die Lust verspürt den Augenblick mit einem besonderen Tee zu feiern, den ich vor einigen Wochen von Frau Meyerhöfer-Wolf vom Teehaus Krefeld als Probe geschenkt bekommen habe.Der Tee ist deswegen etwas besonderes, weil er aus einer Variation der Teepflanze gewonnen wird, die sich in besonders heißen Sommern mit einem Stoff zu schützen weiß, der Anthozyan heißt und die Blätter färbt. Sie sind dann nicht mehr grün, sondern können lila, manchmal sogar rot werden. Für diese Färbung ist der Stoff Anthozyan verantwortlich, welches gleichzeitig zu den Phenolen gehört, die eine positive Wirkung auf die Gesundheit haben und wichtige Geschmackstoffe sein können. Kurze Nebenbemerkung: Diese Variation soll mittlerweile sogar in Kenya angebaut werden. Der Name des Tees lautet Mo Zhen und er soll von über 300 Jahre alten Bäumen stammen.

Der Tee besteht ausschließlich aus feinen nadeligen Spitzen wie man es sonst von der Silbernadel (Yin Zhen, ein weißer Tee) kennt. Auch der Mo Zhen hat diesen weißen Flaum an einigen Blättern, welche für einen silbrigen Schein sorgen. Schaut man sich die Blätter an, sieht man die lila Färbung kaum oder nur mit etwas Fantasie. Das Grün überwiegt eindeutig, was daran liegt, dass die frischen Blätter überwiegend grün sind und diese Färbung uneinheitlich auftritt. Aber selbst auf diesem Foto kann man einige Blätter sehen, die leicht in diese Richtung tendieren.
Der Duft überrascht. Ich bin kein Pu Erh-Experte und habe bisher vielleicht etwas über 20 Sorten probiert, aber dieser Tee ist anders und gibt ein feines Aroma ab, welches mich an Blüten und Pollen erinnert. Auch daher kommt gleich die Assoziation zu Honig auf. Pu Erh ging für mich sonst immer in eine rustikalere Richtung wie Rauch, Pilze, Walderde, Leder und Holz.
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3g Tee auf 60ml kochendes Wasser
Vor einiger Zeit habe ich bei Stéphane eine Gaiwan (chinesische Deckeltasse) gekauft, die eine feine Seladon-Glasur trägt und sich durch einen sehr dezenten Blaustich auszeichnet. Das besondere ist nicht die Glasur, sondern die Größe: Der Inhalt beträgt nur 60ml! Stéphane hat mir mit seinem Blog diese „Mini-Gaiwan“ schmackhaft gemacht, weil man durch die kleinere Größe weniger Tee verbraucht. Tee (und somit Geld) Sparen ist aber nicht der eigentliche Grund für den Kauf gewesen. Gerade bei Pu Erh und einigen Oolong-Sorten habe ich gemerkt, dass ein größeres Gefäß mit sagen wir 180ml (also das Dreifache) über die Aufgüsse so viel Tee ergibt, dass ich die Lust am Tee verliere, ehe der Tee ausgeschöpft ist. Mit dieser Gaiwan entgehe ich diesem Problem, weil ich nicht gezwungen werde, mehrere Liter in kurzer Zeit zu trinken.
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Im aufgewärmten Gaiwan werden die Aromen des Tees deutlicher. Neben dem Blüten- und Honigduft kommen leichte Röstnoten auf, die mich spontan an Long Jing erinnern. Eine interessante Mischung mit einer Würze wie bei Kemmsche-Keksen.
Nach einem kurzen Spülgang lasse ich die Blätter kurz ziehen und beobachte die Veränderung des Aromas. Die feinen Noten werden deftiger und krautiger. Bei Pu Erh kommt häufig Kampfer durch, bei diesem aber muss ich eine polnische Suppe denken, die aus Wiesen- und Sauerampfer hergestellt wird. Eine schöne Kindheitserinnerung. Der Honig gerät in den Hintergrund und besonders auffällig ist, dass keine Spuren von Rauch wahrnehmbar sind. Schön!

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Der erste Aufguss ergibt ein kräftiges Gelb-Orange

Der erste Aufguss lässt mich zuerst an Grüntee denken. 15 Sekunden Ziehzeit ergaben einen nicht allzu starken Geschmack, der leicht süß und wie ein chinesischer Tianmu erschien. Der Duft des nassen Blattes wurde komplexer mit Spuren von Vanille (ich) und Schokolade (Frau S.).

Der zweite Aufguss wurde stärker und vollmundiger. Ein bisschen Kampfer kommt jetzt aber doch durch und beim dritten Aufguss wurde er auch im Geschmack krautiger.

Beim vierten Aufguss konnte ich auch im Geschmack die Parallele zur Ampfersuppe schmecken. In Japan gibt es für den Ausdruck nostalgischer Momente ein Adjektiv, welches mir im Deutschen fehlt: Natsukashii! Wie gerne würde ich wieder diese Suppe essen!

Im fünften Aufguss ist die Süße besonders herausragend, die sich bis in den nächsten Aufguss zieht. Im siebten und achten Aufguss wurde sie wieder durch krautige Aromen abgelöst, die mich an Grünkohl denken ließen. In der Nase aber waren es die Kemmsche-Kekse. Interessante Mischung.

Ab dem neunten Aufguss ließen die oben beschriebenen Aromen nach und der Tee entwickelte sich wieder in Richtung Grüntee mit einer fruchtigen und spritzigen Säure. Auch diese Aromen ließen mit den Aufgüssen nach, aber es konnten insgesamt 13 Aufgüsse (knapp 800ml Tee) zubereitet werden.

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Bei einigen Blättern kann man leichte Färbungen erkennen, die lila erscheinen.

Die Teeblätter bestehen ausschließlich aus jungen Teeblättern und Knospen, die häufig in der bekannten „two leaves and a bud“-Konstellation vorkommen. Sie sind in einem sehr guten Zustand und an einigen kann man Verfärbungen erkennen, die mich eigentlich an Oxidationsspuren erinnern würden. Aber vor dem Hintergrund, dass die Blätter diese Farbe von Natur aus haben sollen, ist die Färbung wohl eher auf das Anthozyan zurückzuführen.

Fazit: Der Mo Zhen ist (zumindest für mich) kein typischer Pu Erh und eine Empfehlung für all jene, die ein dominantes Tabak- und Rauch-Aroma nicht mögen oder Pu Erh bevorzugen, die geschmacklich in Richtung Grüntee tendieren. Auch Einsteigern, die schlechte Erfahrungen mit Pu Erh gemacht haben, sei dieser Tee ans Herz gelegt. Doch wie kommt das eigene Aroma zustande? Ist es deswegen, weil besonders junge Blätter benutzt werden? Und wie hoch ist der geschmackliche Anteil, der auf die Merkmale der Tee-Variation zurückgeht? Da ich keine Vergleichswerte habe, muss ich die Fragen aufschieben. Ich danke dem Teehaus Krefeld für diese interessante Erfahrung und wünsche allen Lesern ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest!

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Mecha 芽茶: Japanischer Blattknospentee

Was ist Mecha? In Japan versteht man darunter einen Tee, der aus Blattspitzen und/oder Knospenansätzen von Blättern, die auch für Sencha oder Gyokuro verwendet werden, hergestellt wird. Dabei handelt es sich, ähnlich wie bei Kukicha (Stängel) und Konacha (Bruch, Pulver), um ein Nebenprodukt, welches bei der Sencha- und Gyokuro-Herstellung anfällt. Trotz dieser „Zweitklassigkeit“, die sich auch im niedrigeren Preis widerspiegelt, steht der Tee zumindest theoretisch seinen Vorbildern in nichts nach, weil es sich bei dem Produkt ja immer noch um Blätter handelt. Ein charakteristisches Merkmal für Mecha sind rundliche Blätter, welche gleichzeitig ein Indikator für ein hochwertiges Produkt sind. Das liegt daran, dass die Blattspitzen und Knospen sehr saftig sind und einen hohen Wassergehalt aufweisen, weswegen sie sich später einrollen. Außerdem sollen gerade in diesen Blattteilen die typischen Inhaltsstoffe besonders gut verdichtet sein, weswegen alle Bestandteile wie Umami, Koffein aber auch Herbe nicht fehlen. Auf der anderen Seite ist dieser Blattgrad der Grund dafür, dass man die Blätter nicht zu heiß aufgießen darf, da sonst eine bittere Brühe daraus zu werden droht.Gekauft habe ich den Tee bei Chasen, ein auf Japan-Tee spezialisiertes Tee-Geschäft, welches vor allem dadurch auffällt, dass es auch weniger bekannte Produkte wie eben Mecha und sogar Aracha 荒茶 (unsortierter, „roher“ Tee) anbietet. Bei meinem Mecha handelt es sich um ein Produkt aus Uji, welches aus der Gyokuro-Produktion stammte.Die Zubereitungsempfehlung des Verkäufers lautet wie folgt: Man nehme 65°C heißes, bzw. warmes Wasser und pro 100ml 2g Tee. Die Dosierung ist nicht besonders stark: Japanische Quellen empfehlen für Mecha häufig mehr als das Doppelte (z.B. 5g auf 100ml). Dafür geht der Kunde mit dieser Dosierung wenig Risiko und der Aufguss ist garantiert genießbar. Dieser Tee sieht ein bisschen aus wie ein Broken-Tee, aber bei genauerem Hinsehen sieht man, dass die Kanten des trockenen Blattguts abgerundet sind. Also ist das Anforderungsprofil, welches oben beschrieben wurde, schon mal erfüllt. Die Ziehzeit beträgt für die einzelnen Aufgüsse in Sekunden: 60/20/80/120.

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Auf dem Foto schlecht zu erkennen: die runden und eingerollten Blätter

Das trockene Blatt riecht im vorgewärmten Gaiwan ähnlich wie ein Gyokuro nach getrockneten Algen, wie man sie gerne in Asien, speziell in Japan und Korea, isst.

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Der erste Aufguss ist ausgesprochen süß. Diese Süße ist nicht so gemüsig, wie ich sie von verschiedenen Sencha kenne, sondern einerseits markanter, andererseits sticht sie möglicherweise gerade deswegen hervor, weil der Aufguss keine besondere Tiefe erreicht. Vielleicht kommt das aber noch.

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1. Aufguss: noch sehr hell

Der zweite Aufguss ist tatsächlich körperreicher geworden und ergibt eine schöne Mischung aus Süße und Umami. Mein Favorit. So mag ich Umami gern, nicht zu aufdringlich und nicht so ölig, sondern tatsächlich und im wahrsten Sinne des Wortes Wohlgeschmack!

Der dritte Aufguss ist stärker. Dabei kommt die Herbe recht spät, sie hätte ich eigentlich früher erwartet. Umami und Süße sind weg, dafür muss ich mehr an Sencha denken – keine schlechte Assoziation!

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3. Aufguss

Der vierte Aufguss ist wieder etwas milder. Die Süße kommt wieder, auch wenn sie nicht an den ersten Aufguss heran reicht. Mir erscheint er eher wie eine verwässerte Version des ersten, aber wir haben ja auch schon den vierten Aufguss erreicht. Sogar der fünfte ergab noch einen lohnenswerten Geschmack!

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4. Aufguss

Das nasse Blatt lässt mich eigentlich weniger an heile Blattknospen, wie man sie von jungen Tees kennt, denken. Eigentlich sieht es eher nach gebrochenen Blättern typischer Broken-Tees aus. Blattspitzen erkennt man viele, aber wie muss ich mir eine Battknospe vorstellen? Was ich unter Blattknospen verstehe, ist eigentlich ein Blatt welches im Begriff ist zu wachsen. Das müsste doch eigentlich zu erkennen sein, oder?

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Die Zubereitung in einem Gaiwan ist etwas umständlich, da man die vielen kleinen Blätter beim Ausgießen nicht aufhalten kann

Fazit: Hält man sich an die empfohlene Zubereitungsweise des Verkäufers, macht man definitiv nichts verkehrt. Da ich mich aber mittlerweile an eine sehr viel höhere Dosierung gewöhnt habe, erschienen die Aufgüsse etwas zu lasch, obwohl der zweite wirklich spitze war. Aus diesem Grund werde ich das nächste Mal die Dosierung von 2 auf 2,5g pro 100ml erhöhen und schauen, was der Tee dann hergibt.

Pu Erh (Jingmai Laoshu 2004) mit einer Prise Salz

Im letzten Blog habe ich geschrieben, dass man den Tee im China der Tang-Zeit (618-907) mit verschiedenen Zugaben kochte. Der Tee war ein zu Blöcken gepresster Tee, der vermutlich Ähnlichkeit mit Pu Erh hatte. Die Ähnlichkeit besteht darin, dass der Tee bei Lagerung nachfermentieren kann. Das gilt vor allem für die südlichen Regionen Chinas, die für ein sehr warmes aber feuchtes Klima bekannt sind und wo sich Pilze wohlfühlen. Allerdings ist nicht bekannt ob diese Nachfermentierung überhaupt willentlich praktiziert wurde. Vielmehr muss man davon ausgehen, dass Tee relativ frisch konsumiert wurde. Diesen Tee kann man heutzutage natürlich nicht mehr trinken, aber nehmen wir mal an, dass dieser Tee mit Pu Erh Ähnlichkeit hat und halten uns an Lu Yu, der seinem Tee noch Salz verabreichte. Die Vorstellung, Salz in Getränke zu schütten, ist auf den ersten Blick nicht besonders appetitlich. In einigen Kulturkreisen ist das aber gar nicht so unüblich. Unsere französischen Freunde mögen zum Beispiel gerne salziges Mineralwasser. Für mich war das Grund genug um ein kleines Experiment zu wagen.

Frau S. wollte sich an diesem Experiment beteiligen, also habe ich ihr zuliebe einen Pu Erh ausgewählt, der schon etwas älter ist: Jingmai Laoshu 2004. Diesen Tee haben wir uns mit ein paar Mitgliedern aus dem Forum (teetalk.de) bei chenshi-chinatee.de gekauft und geteilt. Hier gibt es auch die Erfahrungen der anderen zum Nachlesen.

 Das Blatt: 

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Die Blätter sind schon sehr dunkel und es gibt viele helle und teilweise goldene Tips

Dieses Stück war teilweise ziemlich hart und ich musste sehr vorsichtig sein um die Blätter mit möglichst wenig Bruch herauszulösen. Ca. 4,5g sahen dann so aus:

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Im vorgewärmten Gaiwan (eine chinesische Deckeltasse) steigen sehr harmonische Aromen auf, die an Tabak und Heu erinnern. Auch eine fruchtige Säure ist vernehmbar, die dem Tee eine leichte Frische verleiht. Nach dem ersten Waschen kommen andere Noten dazu: Es riecht etwas nach Medizin und Campher(?). Es riecht auch etwas nach Rauch und Honig, für Frau S. ist es vor allem der Rauch, den sie riecht und sie insgesamt an ihre Haare erinnert, die nach einem Abend mit rauchenden Freunden trotz Waschen ungefähr so riechen… Ok, ich sehe schon. Ihre Begeisterung hält sich in Grenzen.

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Eine Tasse für mich und eine für Frau S. Die rechte Tasse ist aus Seladon



Der erste Aufguss  ist recht mild, erfrischend und belebt sofort den Mund. Die rauchige Note erinnert mich an geräucherten Schinken. Frau S. ist wenig begeistert und denkt an ausgerauchte Pfeifenasche, sie lässt mich jetzt mit dem Tee allein…

Dafür kann ich jetzt einen Becher für einen normalen Aufguss und einen Becher für einen gesalzenen Aufguss verwenden. Die Menge des Salzes beträgt nicht viel, vielleicht 10-15 feine Salzkörner. Dieser Aufguss ist etwas stärker geworden und verursacht eine trockene Kehle. Da war ich wohl nicht vorsichtig genug mit der Ziehzeit. Er schmeckt etwas kräuterig, hat viel mehr Wucht und Spitzen im Geschmack. Der mit Salz schmeckt runder und weicher, nimmt dem Tee seine Adstringenz, aber drängt auch die kräuterige Note etwas zurück. Trotzdem ein interessanter Effekt, der den Tee nicht negativ verändert. Trotzdem ist dieser Aufguss insgesamt zu heftig geraten. Ab jetzt bin ich vorsichtiger und lasse den Tee nur noch um die 25 Sekunden ziehen.

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Tee-Utensilien bunt gemischt


Kommen wir zum dritten Aufguss: Die kürzere Ziehzeit hat gewirkt, zwar trinke ich den Tee jetzt alleine, aber so kann ich mehr vergleichen. Ohne Salz schmeckt der Tee jetzt mineralischer, der geräucherte Schinken ist zwar weg, aber dafür wird der Tee jetzt süßer. Daher drehe ich den Tee Frau S. nochmal an, die nur noch „verbranntes Holz“ schmeckt… Habe ich erwähnt, dass ich einen 180ml Gaiwan benutze? Wie soll ich denn jetzt den ganzen Tee alleine trinken? Gut, dass ich bei Stéphane einen Mini-Gaiwan mit 60ml bestellt habe. Zurück zum Geschmack: Dieser bleibt sehr lange im Mund erhalten und es fühlt sich ein bisschen so an, als hätte er sich in den Geschmacksknospen festgesetzt. Zum Neutralisieren erstmal einen Schluck Mineralwasser.


Nach dem vierten Aufguss habe ich mir die nassen Teeblätter vorgenommen. Die teilweise unterschiedliche Färbung erinnert mich an das jetzige Herbstlaub. Der Duft kommt einem Darjeeling Second Flush nahe. Dazu noch ein bisschen Bienenwachs?
Im Geschmack zeigt sich der Tee jetzt deutlich milder und süßer. Ein Effekt des Schluckes Wasser? Der Kräutergeschmack ist viel präsenter. Mit Salz wird der Geschmack wieder etwas runder und betont die mineralische Note. Dafür verschwinden die Kräuter wieder.

Ab dem fünften Aufguss wird der Tee süffiger. Die nur noch leichte Herbe und der Kräuter-Geschmack lassen mich an kühlen sanpin-cha サンピン茶 denken, den ich mal auf Okinawa getrunken habe (Grüntee mit Jasminblüten-Aroma).
Nach dem siebten Aufguss war für mich Schluss. Der Tee war zwar noch nicht am Ende, aber ich hatte kein heißes Wasser mehr und war eh mehr als „sitt“, weil ich die meiste Zeit für zwei trinken musste.


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Viele schöne Blätter, die unterschiedlich gefärbt sind

Die Blätter sind so unterschiedlich gefärbt und erinnern an Herbstlaub in all seiner Farbenpracht. Passend zur Jahreszeit!
Fazit: Eine Prise Salz kann einem Tee unangenehme Ecken und Kanten nehmen, aber leider auch wesentliche Nuancen ausblenden. Es ist ein interessanter Effekt, den ich ab jetzt häufiger testen werde. Der Tee war interessant und ich bin gespannt, ob er sich noch etwas entwickelt. Er erinnerte mich sehr an einen jungen Pu Erh von 2011, den wir von chenshi-chinatee.de als Gratisprobe erhalten haben, nur dass er viel lieblicher und runder ausfällt. Die unterschiedliche Wahrnehmung von mir und Frau S. spiegelt im Übrigen genau das wider, was Gero in seinem Blog beschreibt: Bei Tee gibt es keine Objektivität.