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Echizen-Keramik der Eheleute Kondô

Echizen-Keramik gehört zu den “Sechs Alten Öfen” Japans. Das Zentrum liegt in der heutigen Präfektur Fukui, nördlich von Kyôto. Nachweislich wurde bereits ab dem 5. Jahrhundert Sueki-Keramik gebrannt. Ab dem 12. Jahrhunderts begann man mittels anagama hochgebranntes Steinzeug zu fertigen, das eine natürliche Ascheanflugglasur trug. Bis heute sind Holzbrandöfen für Echizen-yaki üblich, entsprechend natürlich fallen die Keramiken aus.

Traditionell wurden Töpfe und Fallen für Kraken hergestellt. Heute ist man dank der zahlreichen Betriebe viel breiter aufgestellt. Von einigen Keramikern werden auch Essgeschirr und Teeutensilien gefertigt. Zu diesen gehört das Ehepaar Kondô.

Ihr Weg zur Keramik

Nobuyasu Kondô  (46) fing bereits im Alter von 18 Jahren an, sich der japanischen Teekeramik zu widmen. Dies hat er seinem Freund und erstem Meister zu verdanken, der in Nagano Keramik nach dem Vorbild von Echizen-Keramik feuerte.

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Dies hat ihm dann so gut gefallen, dass er unter ihm lernte und sich eines Tages dazu entschloss, einen eigenen Ofen zu gründen. Um aber möglichst authentische Echizen-Keramik zu brennen, zog er zu diesem Zweck in die Präfektur Fukui, dem Herkunftsort, in dem seit dem 12. Jahrhundert ununterbrochen die Flammen der Echizen-Öfen lodern.

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Seine Frau Sanae Kondô geht diesen Weg entschlossen mit. Für beide war dies eine Art Neuanfang, diese Symbolik ist in der Bedeutung des Hôgetsu-Ofens (萌蘖窯) versteckt, denn das erste Schriftzeichen bedeutet “Knospe”, getsu beutet hingegen “junger Trieb”.

Der Ofen

Gebrannt wird in einem Holzbrandofen. Ein Brand dauert ganze 4 Tage und muss für einzelne Stücke wiederholt werden, wenn die Glasuren nicht wie gewollt ausfallen.

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Als Brennmaterial wird typischerweise Japanische Eiche und Kastanien-Eiche verwendet. Diese kommen häufig in der Region vor und verleihen Echizen-yaki die typische Ascheanflugglasur.

Die Produktpalette

Sanae Kondô stellt neben Vasen für Ikebana auch Teebecher her. Ihr Mann konzentriert sich auf Töpfe und filigrane Arbeiten wie beispielsweise Teekannen.

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Beide bilden die Objekte im Freihandaufbau. Das kostet Zeit, verleiht aber jedem Stück einen besonderen und rustikalen Charme.

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Die Glasur

Typisch für die Werke der Kondôs ist ein dunkler und rötlicher Scherben. Darauf legt sich eine helle Ascheschicht, die sich mit dem Tonkörper verbindet.

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Dabei entstehen auch fließende Übergänge, die eine individuelle Landschaft (keshiki) hinterlassen. Diesen ganz eigenen Glasureffekt nennen die Kondôs wegen der Ähnlichkeit auch Akebi (jap. für Fingerblättrige Akebie).

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Ihre Lebensweise

Die Kondôs sind sehr bescheidene Menschen, die zurückgezogen am Rande der Stadt Sabae leben. Dort am Fuße des Waldes haben sie ein altes Holzhaus bezogen, das zurück in die Meiji-Zeit reicht. Ein kleiner Bach läuft am Haus vorbei, in dem kleine Krebse leben.

Der tägliche Arbeitsplatz
Der tägliche Arbeitsplatz

Es ist eine einfache, aber glückliche Lebensweise. Es hat mich jedenfalls inspiriert, sie kennengelernt zu haben und ich freue mich schon auf den nächsten Besuch!

Sanae (rechts) & Nobuyasu (links) Kondô
Sanae & Nobuyasu Kondô

Wenn du dich für die Keramik der Kondôs interessierst, dann freue ich mich, wenn du dich im Shop danach umsiehst. Ich werde in den nächsten Tagen einige Utensilien online stellen.

Neues aus Japan!

Am Mittwoch bin ich aus Japan zurückgekommen. Im Gepäck war auch ein bisschen Zubehör und zum Glück ist alles heil geblieben. Drei Wochen war ich vor Ort unterwegs, davon zwei beruflich in der Präfektur Aichi und Kagoshima und eine weitere privat für Teekeramik.com.

Zusammenfassung der ersten zwei Wochen

Einer der Hauptgründe meiner Geschäftsreise war die Betreuung von Kunden vor Ort. Der Matcha-Boom in Europa löst auch mehr Wissbegierde aus und viele Menschen möchten den Anbau und die Verarbeitung live vor Ort erleben. Ganz nebenbei ist Japan (meiner Meinung nach) auch aus touristischer Sicht eines der attraktivsten Länder dieser Erde. Und dieser Umstand mag ebenfalls dazu beigetragen haben, dass der Ansturm seitens der Kunden sehr hoch ausfiel. Für mich ist dies immer eine gute Gelegenheit, die eigene Japan-Leidenschaft weiterzugeben.

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In Japan war es bereits sehr warm, manchmal sogar ziemlich heiß. In Nishio, der Heimat von Aiya, kann man an so ziemlich jeder Ecke irgendetwas mit Matcha verkosten. Was mich aber am meisten überzeugt hat, war letztlich Matcha mit kaltem Wasser aufgeschlagen. Gerade wenn man wegen der Hitze keine Lust auf etwas Heißes hat, dann kommt einem ein kühler Matcha doch schon sehr entgegen.

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Ein weiteres Highlight war ein Eis, welches wir in der Aiya-Zentrale probieren durften. Dieses Eis wurde mit  s e h r   v i e l  Bio Matcha Ten hergestellt, das ist die höchste Qualität, die es bei “Aiya – THE TEA” zu kaufen gibt (sorry für die Schleichwerbung). Normalerweise empfehlen wir diese Qualität ja nur für den puren Genuss, aber ein Eis, das extrem hoch mit diesem Matcha versetzt ist, schmeckt einfach unglaublich gut. Ich bin kein Fan von Süßigkeiten, aber da dieses Eis nur eine dezente Süße hatte, war es (nicht nur) für mich einfach perfekt.

Ein weiteres Learning war, dass konventioneller Matcha dann doch anders schmeckt. Ich muss gestehen, dass mir dieser sogar lieber ist. Natürlich denke ich dabei auch ein bisschen an die Pestizide. Gegen dieses böse Kopfkino hilft es dann aber, wenn man sich bewusst macht, dass man Matcha generell in nur kleinen Mengen verzehrt. Dann kann man ja mal eine Ausnahme machen.

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In Kagoshima habe ich drei unserer Teebauern getroffen. Sehr nette und einfache Menschen, die viel Wert auf Familie legen. Mir als gebürtigem Polen ist das sehr sympathisch, denn ich sehe da viele Parallelen, die ich in der modernen Gesellschaft vermisse. An einem Abend war ich mit ihnen Karaoke singen und es war ein sehr langer und lustiger Abend. Am nächsten Morgen habe ich dann festgestellt, dass ich mir irgendwo in den Teefeldern Kagoshimas eine Zecke eingefangen habe. Ich war natürlich verunsichert, denn in Deutschland macht man ja immer so eine große Panik darum, dass sie auch schnell entfernt werden müssen – du kennst das ja. Mein Kollege war da tiefenentspannt. Seiner Meinung nach bringe es nichts zum Arzt zu gehen, die schickten einen damit wieder weg. Super, dachte ich mir. Letztlich habe ich die Zecke selbst entfernt (sie hatte sich noch nicht festgesaugt). In Japan scheinen Zecken nicht oder nur äußerst selten FSME und Borreliose zu übertragen.

Eine Woche quer durchs Land

Von Kagoshima ging es über Kobe nach Fukui. Dort traf ich zunächst das Ehepaar Kondo, von denen ich künftig Teekeramik beziehen werde. Sie leben in einem bescheidenen aber alten Haus, welches bereits seit der Meiji-Zeit am Fuße eines Berges steht. Dort haben sie sich niedergelassen und brennen in einem selbst gebauten Ofen ihre überaus reizvolle Keramik, die eine natürliche Ascheglasur trägt. Wir unterhielten uns über fünf Stunden über Gott und die Welt, es folgt noch ein Blog über diese Begegnung, denn es würde an dieser Stelle den Rahmen sprengen.

Die Eheleute Kondo
Die Eheleute Kondo

In Tokyo traf ich den Keramiker Hodaka Ryûji, der die unverwechselbaren Oribe-Matchaschalen herstellt. Zunächst trafen wir uns im Oribe Café im Szeneviertel Shimo-Kitazawa, wo auch einige seiner Werke ausgestellt sind. Bei dieser Gelegenheit erwarb ich zwei seiner Matchaschalen, von denen eine im Shop landet (siehe Foto). Um mir einen besseren Überblick zu verschaffen, was er noch alles anbietet, sind wir noch in ein Kaufhaus in Shinjuku gegangen.

Oribe-yaki von Hodaka Ryûji
Oribe-yaki von Hodaka Ryûji

Dort angekommen sah ich mir bei dieser Gelegenheit auch Stücke anderer Künstler an. Dann wurde ich plötzlich von einer Dame auf Englisch angesprochen. Ich mag das eigentlich nicht, wenn man mich unaufgefordert anspricht und mir etwas zu den Stücken erzählt. Ich fühle mich dann immer einem gewissen Kaufdruck ausgesetzt, also blieb ich reserviert zurückhaltend. Ich erfuhr von der Dame, dass auch sie selbst etwas ausstelle, was ich mir im Anschluss dann auch ansah. Ihre Werke wirkten ein bisschen wie eine Mischung aus Oribe-yaki, Geschirr aus der Toskana und England.

Als Hodaka Ryûji sich zu mir gesellte, erzählte ich ihm von der englischen Dame. Sie bekam mit, dass wir uns auf Japanisch unterhielten und klinkte sich zu meiner großen Überraschung auf Japanisch ein. Doch das wurde noch übertroffen. Es stellte sich nämlich heraus, dass es sich bei dieser Person um Penny Simpson handelt, der Autorin des “Japanese Potter Handbook”, welches ich in der Uni gelesen habe. Wir unterhielten uns dann noch etwas weiter und machten sogar noch ein Foto zusammen.

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Hodaka Ryûji, Penny Simpson, Lukas Parobij

Die letzte Station war dann Bizen, genauer gesagt die Stadt Kagato. Dort traf ich Herrn Buyô, der einen noborigama mit vier Kammern führt. Der Ofen wurde am Montag gerade beladen, sie sind erst heute damit fertig geworden. Ich wählte dort zahlreiche schöne Stücke für den Shop aus, die brauchen aber noch ein bisschen, bis sie in Deutschland ankommen.

Das Beladen des noborigama
Das Beladen des noborigama

Einige Matchaschalen und Tassen sind bereits im Shop zu finden. Wenn du dich dafür interessierst, freue ich mich, wenn du dich im Shop umsiehst.

Die Zeit ging natürlich viel zu schnell vorbei, aber ich freue mich schon auf den nächsten Besuch und die vielen netten Menschen und Freunde.

Uji-Sencha von Hôraidô

Die Vorfreude auf Japan ist so groß, dass ich an kaum etwas Anderes mehr denken kann. Noch sieben Tage, dann geht es auf nach Kyôto. Wir werden uns Tee- und Keramikläden ansehen, nach Uji fahren und dort natürlich Uji-Sencha trinken. Dann geht es außerdem nach Osaka, Tokyo, Kanazawa, Fukui und Takayama. Am Ende der dreiwöchigen Reise fahre ich noch zu meiner Mutterfirma, um vor Ort weitergebildet zu werden. Besser gehts nicht, oder?

Um die Vorfreude gebührend zu feiern, habe ich mir aus dem Eisfach einen Uji-Sencha geholt, den ich mir irgendwann mal in Kyôto gekauft haben muss. Es handelt sich dabei um ein sehr schönes traditionelles Geschäft, welches den Tee noch in Keramikkrüge füllt und erst in der Herbstzeit nach einer gewissen Reifezeit verkauft. Auf diese Weise bleibe noch ein bisschen Restsauerstoff zurück und der Tee verliere dadurch an Schärfe, während Körper und Umami erhalten blieben.

Eigenen Angaben zufolge besteht das Geschäft an derselben Stelle schon seit 1803. Die Betreiber konzentrieren sich seit der Gründung auf eigene Blends, die ihrer Meinung nach den Geschmack von Uji-Tee am besten zum Ausdruck bringen.

Hôraidô Uji-Sencha
Typisch japanisch – der Tee ist nochmals sorgfältig in ein hübsches Papier gewickelt
Hôraidô Uji-Sencha
Der Uji-Sencha von Hôraidô

Der vorliegende Grüntee ist ein Sencha gehobener Qualität, da er mit der Bezeichnung “Jô” klassifiziert wird. Ich habe ihn daher nach der entsprechenden Methode gebrüht.

Blatt

Die Blätter sind tiefgrün, allein an dieser Farbe merkt man sofort, dass es sich hierbei um erste Ernte handelt. Die Blattstruktur ist weitestgehend in Ordnung, es ist nur sehr wenig Blattbruch enthalten, weswegen ich auf eine kurze Bekämpfungszeit (asamushi) schließe.

Uji-Sencha Hôridô
Uji-Sencha Hôridô
Uji-Sencha Hôridô
Das Aufwärmen der Kanne

Duft

Gleich nach dem Öffnen der vakuumierten Tüte bin ich etwas irritiert, denn vom Tee ist kaum etwas wahrzunehmen. Vielmehr habe ich das Gefühl, dass nur der Kunststoff der Innenbeschichtung zu vernehmen ist. Auch meine Frau stimmt mir hier zu.

Riecht man an den Blättern selbst, ist mehr zu erahnen. Einen Vorgeschmack auf das, was kommt, bekommt aber erst, wenn man die Blätter in die vorgewärmte Kanne tut und dann daran schnuppert. Denn dann zeigt sich ein Duft, den ich zuletzt beim Yamato-cha vernommen habe: Alge, Seetang, Jod – ein schweres maritimes Aroma, welches ich bisher nicht  mit Uji-Tees in Verbindung brachte.

Geschmack

Der erste Aufguss ist sehr lecker! Typisch für kurz gedämpfte Tees ist, dass sie einen mit Geschmacksfülle nicht gleich erschlagen. Sanftes Umami und eine ansprechende Süße machen Lust auf einen zweiten Schluck. Der Abgang ist mittellang, im Mund hat der Aufguss eine ölige Textur (genau mein Fall). Die maritime Note ist nicht wiederzukennen, dafür kommt mir der Tee angenehm salzig vor.  Leichte Parallelen zum Yamato-cha sind daher durchaus zu erkennen.

Uji-Sencha Hôraidô
Zuerst abgekühltes Wasser in die Kyûsu füllen…
Uji-Sencha Hôraidô
…dann abgießen…
Uji-Sencha Hôraidô
…und genießen…

Der zweite Aufguss ist zwar nicht mehr so ölig, dafür ist er noch süßer und süffiger. Der Geschmack ist erstaunlich konstant. Selbst der dritte und vierte Aufguss liefern zwar keine neuen Erkenntnisse, bringen aber die maritime Note vom Anfang zurück ins Spiel und werden immer süffiger.

Uji-Sencha Hôraidô Uji-Sencha Hôraidô

Fazit

Hôraidô macht Lust auf mehr und wie es der Zufall so will, wird mein Hotel ganz in der Nähe des Ladengeschäfts liegen, daher werde ich sicherlich kurz vorbeischauen und eine weitere Spezialität des Hauses probieren. Wer zufällig in Kyôto ist und diesem Teefachgeschäft einen Besuch abstatten möchte, dem sei diese Internetseite empfohlen. Gemessen am heutigen Stand der Technik ist die Internetpräsenz aus einer prähistorischen Zeit, aber sie liefert alle nötigen Informationen, um den Laden zu finden.

In eigener Sache: Da ich für drei Wochen in Japan sein werde, wird der Shop in der Zwischenzeit leider schließen müssen. Dafür wird es nach meiner Rückkehr viele neue Utensilien geben, über die du informiert wirst, wenn du dich für den Shop-News-Newsletter anmeldest.

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Einführung in die Shigaraki-Keramik

Shigaraki-Keramik gehört für mich zu den faszinierendsten und gleichzeitig schlichtesten Keramikgattungen Japans. Besonders die warmen Farbtöne des rustikalen Tonkörpers strahlen eine Behaglichkeit und Urtümlichkeit aus, die mich in eine nostalgische Stimmung bringen.

Der Ort Shigaraki

Die Ortschaft Shigaraki liegt in der heutigen Präfektur Shiga. Seit dem 5. Jahrhundert wird in dieser Region Keramik gebrannt. In Shigaraki selbst reicht die Keramikherstellung bis in das 13. Jahrhundert zurück, damit ist der Ort der jüngste der “Sechs alten Öfen”. Da er in der Einflusssphäre Kyôtos liegt, richteten sich die ansässigen Töpfer schon früh nach dem Geschmack der damaligen Hauptstadt. Shigaraki entwickelte sich dadurch zu einem der bedeutendsten Zentren für Teekeramik. Wegen der üppigen Tonvorkommen wird der Ort auch heute noch als das Paradies für Keramiker bezeichnet.

Der charakteristische Ton

Der Ton ist in natürlichem Zustand weiß und arm an Eisen, feuert aber lachsfarben bis rotbraun. Ein charakteristisches Merkmal sind die Pegmatiteinschlüsse (Feldspat- und Quarzkörnchen), die nach dem Brand als weiße Sternchen aus dem Ton hervorstechen und auch als solche (hoshi) bezeichnet werden.

Shigaraki-yaki Teebecher
Shigaraki-yaki Teebecher

Typisch für Shigaraki ist der Ton namens kibushi-nendo aus Sedimentationsschichten des Biwasees, die dem Pilozän zugeordnet werden. Er ist plastisch und hitzebeständig, heute wird er in ganz Japan von Keramikern eingesetzt, welche die rustikalen Eigenschaften schätzen. Die Pegmatitkörnchen werden allerdings für die Formgebung entfernt und bei Bedarf wieder zugesetzt. Für das Drehen auf der Scheibe ist der Ton zu grob, weswegen die Objekte aus Tonrollen aufgebaut oder in Formen gepresst werden.

Moderne und traditionelle Brennverfahren

Modernes Shigaraki wird häufig in Gas- oder Elektroöfen bei ca. 1300° gebrannt. Dabei kann allerdings keine Aschenanflugglasur entstehen, daher müssen Glasuren vorher aufgetragen werden. Viele Keramiker schätzen den Charme alter Keramiken aus der Blütezeit der Shigaraki-Öfen und brennen daher ihre Waren wieder im anagama oder noborigama. Durch den bis zu einer Woche dauernden Holzbrand wird Asche aufgewirbelt, die sich auf den Objekten niederlässt und schmilzt. Dies ist die Aschenanflugglasur, die bei jedem Stück anders gelingt und es somit zum Unikat macht.

Die Brenneffekte

Um das charakteristische Erscheinungsbild der Shigaraki-Keramik zu beschreiben, entstanden mit der Zeit verschiedene Begriffe. Rötliche Färbungen am Tonkörper, nennt man Feuerfarben (hi-iro 火色). Der Effekt kann stark variieren, da er abhängig vom Ofen, der Platzierung im Ofen, der Brennweise und Temperatur ist.

Shigaraki-yaki Chawan
Shigaraki-yaki Chawan

Als koge (焦げ) bezeichnet man Brandspuren, die dunkel ausfallen und durch Asche verursacht werden. Die Asche kann neben hellen Glasureffekten auch verglasen. Diese blaugrüne Glasschmelze wird bîdoro genannt. Treten alle drei Merkmale zusammen auf, dann spricht man von den “drei Landschaften”, welche auf Japanisch mitsu no keshiki (三つの景色) genannt werden.

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Ein ebenfalls begehrter Effekt wird durch die Pegmatitkörnchen verursacht. Werden Temperaturen von über 1300°C erreicht, dann können diese aufquellen oder gar explodieren und verursachen dadurch Risse oder kleine Krater im Körper. Diesen Effekt nennt man daher ishi-haze (石爆ぜ) – Steinexplosion.

Überblick über die historische Entwicklung

In Shigaraki wurden zunächst Haushaltsgegenstände wie Töpfe, Krüge und Mörser gebrannt. Anfangs konzentrierte man sich auf unglasiertes Steinzeug im Stile der damaligen Tokoname-Keramik. Tokoname war bereits weiter entwickelt und dominierte daher den Keramikmarkt.

In der Muromachi-Zeit (1336–1573) haben Teemeister die rustikale Ästhetik entdeckt und schätzen gelernt. Daher haben Shigaraki-Keramiken eine lange Tradition. So haben schon die Teemeister Murata Jukô, Sen no Rikyû und später auch Kobori Enshû Keramiken aus Shigaraki in ihren Teezeremonien eingesetzt. Angeblich haben diese Teemeister Keramiken nach ihren Wünschen herstellen lassen. Die daraus resultierenden Stile sind daher nach ihnen benannt.

Den Höhepunkt erreichte Shigaraki-Keramik, als das Tokugawa-Shogunat im Jahre 1632 nur noch Teetöpfe aus Shigaraki für die Lagerung des Uji-Tees zuließ. Doch diese privilegierte Stellung hielt nicht ewig.

Mitte des 17. Jahrhunderts verloren Teekeramiken aus Shigaraki an Bedeutung. Keramik aus Iga und Bizen war nun gefragter und die Öfen reagierten mit der Umstellung auf glasierte Ware. Gleichzeitig wurde der Schwerpunkt wieder auf Haushaltswaren gelegt.

Modernes schwarzes Shigaraki
Modernes schwarzes Shigaraki

Heute sind neben Teekeramiken auch andere Utensilien wie beispielsweise Sake-Sets beliebt. Vor allem die Tanuki-Figuren sind populär und zum Markenzeichen geworden, weswegen sie auch gerne als Mitbringsel und Glücksbringer verschenkt werden.

Einführung in die Bizen-Keramik

Bizen-Keramik  gehört zu den Sechs Alten Öfen Japans.  Das Töpfergebiet liegt westlich von Kyôto in der Präfektur Okayama.  Bekannt ist Bizen-Keramik vor allem für unglasierte Waren mit rotbräunlichem Scherben und markanten Brenneffekten.

Migration in Richtung Westen

Alles fing damit an, dass Töpfer aus der Region des heutigen Ôsaka in Richtung Westen zogen und sich in der Gegend um Inbe niederließen. In diesem Gebiet wurde nachweislich ab dem elften Jahrhundert die Bizen-Keramik gebrannt. Aus diesem Grund kann man den Begriff Inbe auch als Synonym für Bizen gebrauchen.

Archaische Brennmethoden

Zunächst wurde grauschwarze Keramik gebrannt. Die Temperatur betrug 1200 °C bei reduzierter Atmosphäre. Erst mit dem anagama konnten höhere Temperaturen erreicht werden und die Brennatmosphäre änderte sich in Richtung Oxidationsbrand. Typisch für diesen Ofentyp sind natürlich glasierte Waren, die über eine Ascheanflugglasur verfügen.

Der Einfluss der Teekultur

Auch die Teemeister entdeckten Bizen-Keramik für ihre Zwecke. Als man anfing, japanische Keramiken in die Teezeremonie zu integrieren, griff man auf natürlich glasierte Keramiken wie Bizen und Shigaraki zurück. Allerdings waren dies zunächst Objekte wie Frischwassergefäße und Vasen. Dadurch wurden die Keramiken in Kennerkreisen populär.

Einflussreiche Mäzen unterstützten ausgewählte Familien

Später wurden die Töpfer von den politischen Eliten gefördert. Dadurch konnten sich die Töpfer voll auf ihre Arbeit konzentrieren, die Qualität stieg und es wurden verschiedene Alltagskeramiken über den Land- und Seeweg in ganz Japan vertrieben. Es entstanden neue Stile und verfeinerte Techniken, die noch immer auf ein rustikales Erscheinungsbild abzielten.

Japans Abkehr von der eigenen Tradition

In der Meiji-Zeit  (1868-1912) gerieten die Töpfer in eine schwere Krise. Die Nachfrage sank, weil industriell gefertigtes Porzellan zu viel günstigeren Preisen den Bedarf an Gebrauchskeramik sättigte. Viele Betriebe wurden stillgelegt. Rustikale Keramiken wurden weniger nachgefragt, weil westliche Werte den Geschmack jener Zeit bestimmten. Erst im 20. Jahrhundert wurde die Tradition wiederbelebt und alte Öfen wieder in Betrieb genommen oder neue gebaut. Die Rückbesinnung auf das “ursprüngliche Japanische” führte wieder zu einer steigenden Nachfrage. Heute werden neben Teekeramik Blumengefäße und Essgeschirr hergestellt.

Eisenhaltiger Ton muss es sein

Für das typische Erscheinungsbild ist ein eisenhaltiger Ton (Eisengehalt 3%) verantwortlich, den man in Japan tatsuchi nennt. Dieser wurde zunehmend ab dem Ende des 16. Jahrhunderts eingesetzt und ist für den rotbraunen Farbverlauf verantwortlich. Der Ton befindet sich unter Reisfeldern, er ist besonders plastisch, weil der Anteil organischer Bestandteile besonders hoch ist. Zwei weitere Tonarten werden heute eingesetzt. Der eine ist sandhaltig (yamatsuchi) und der andere noch plastischer (kurotsuchi). Die Töpfer mischen sich daraus ihren eigenen Ton entsprechend ihren Bedürfnissen und Erfordernissen.

Zufällige Brenneffekte

Im 16. Jahrhundert war Teekeramik besonders gefragt, weswegen in ganz Japan in verschiedensten Regionen Keramiken für die Teezeremonie gebrannt wurden. So ist es auch zu erklären, dass zu der Zeit der großen Nachfrage verschiedene Brenneffekte durch bloßes Experimentieren entdeckt wurden. Diese Effekte wurden und werden damals wie heute von Kennern geschätzt.

Gebrannt wird normalerweise in anagama oder noborigama. Der Zeitraum kann bis zu zwei Wochen betragen. Dabei werden Temperaturen von bis zu 1250 °C erreicht. Diese Temperatur ist zu niedrig, als dass die Aschepartikel vollständig schmelzen könnten. Die Partikel ergeben ein natürliches Dekor, welches vor allem optisch interessant ist. Weitere Brenneffekte ergeben sich durch die Position im Brennofen. Mit viel Erfahrung kann der Töpfer die Effekte vorausahnen. Ein Moment des Zufalls bleibt aber immer erhalten. Dadurch wird aus jedem Stück ein Unikat.

Bizen-Keramik Hôhin mit goma-Effekt
Bizen-Keramik Hôhin mit goma-Effekt

goma: Asche, die ab 1240°C schmilzt und eine gelbliche Glasur hinterlässt, die an Sesam erinnert.

Bizen Keramik Chawan mit sangiri-Effekt
Bizen-Keramik Chawan mit natürlichem sangiri-Effekt

sangiri: Metallisch graublaue Färbung, die zufällig durch Reduktion entsteht, wenn das Objekt beispielsweise mit Asche bedeckt ist. Es kann forciert werden, wenn Kohle während des Brandes in der Nähe der Utensilien platziert wird.

Bizen-Keramik Chawan mit botamochi-Effekt
Bizen-Keramik Chawan mit botamochi-Effekt

botamochi: Flecke ohne Aschenflug, die durch eine Abdeckeckungstechnik entstehen.

Bizen-Keramik mit hi-iro
Bizen-Keramik mit hi-iro

hi-iro: Glänzende rote Flächen, die an die Farbe von Glut erinnern, nennt man hi-iro (Feuerfarbe)

Einführung in die Hagi-Keramik (Hagi-yaki)

Hagi-Keramik bzw. Hagi-yaki (萩焼)gehört neben Raku- und Karatsu-yaki zu den drei populärsten Keramiken Japans. Der Ursprung von Hagi-Keramik liegt in koreanischen Reisschalen, die bereits im frühen 16. Jahrhundert von Teemeistern als Teeschalen (kôrai chawan 高麗茶碗) eingesetzt wurden. Durch die immer populärer gewordene Wabi-Ästhetik (Ästhetik des Schlichten und Unvollkommenen) stieg die Nachfrage rasant an.

Der Imjin-Krieg

Als Japan unter dem Regenten Toyotomi Hideyoshi im Jahre 1592 Korea angriff, wurde der Imjin-Krieg ausgelöst, der bis 1598 andauerte und zu den dunklen Kapiteln der japanischen Geschichte zählt. Als sich die japanischen Truppen zurückzogen, wurden Kunstschätze mitgenommen und Töpfer verschleppt, die für Ihre Arbeiten geschätzt wurden. Die koreanischen Töpfer, die in der Lage waren die kôrai chawan zu brennen, hatten Glück im Unglück.

Hagi-yaki Ido Chawan
Hagi-yaki Ido Chawan

In Korea galten die Reisschalen als einfaches Bauerngeschirr, entsprechend niedrig war ihr Status. In Japan genossen sie aufgrund der viel höheren Wertschätzung für dieses Geschirr einen guten Ruf und wurden von den daimyô selbst gefördert. Dies war die Geburtsstunde zahlreicher Keramikstile, zu denen auch Hagi-yaki gehört.

Hagiyaki chawan
Hagiyaki chawan
Wie alles begann

I Chak-kwang (李 勺光, jap. Lesung: Ri Shakkô) und I Kyung (李 敬, jap. Lesung: Ri Kei) sowie I Chak-kwangs Sohn Yamamura Shinbei Mitsumasa (山村 新兵衛 光正) gelten als die Begründer der Hagi-Keramik. Mit der Hilfe des Fürsten Môri Terumoto (毛利輝元) erbauten sie in der Nähe von Hagi den ersten Ofen, den Matsumoto-goyôgama. Môri Terumoto war selbst ein begeisterter Teepraktizierender, der unter Sen no Rikyû lernte und gute Verbindungen zu Furuta Oribe unterhielt. Er ließ die Brüder kôrai chawan herstellen, die als Ido, mishima, hakeme und kohiki klassifiziert werden.

Hakeme-Mishima-Chawan
Hakeme-Mishima-Chawan
Die Öfen in Hagi

Weitere Öfen wurden in der Nähe von Hagi erbaut. Im heutigen Nagato, westlich von Hagi, entstand der Fukagawa-goyôgama. In Hagi selbst wurde der Matsumoto-gama im Jahre 1666 erbaut. Gebrannt wurden ausschließlich Teekeramiken, die Stile änderten sich aber mit der Zeit, da der Einfluss der Oribe-Keramik aus Mino und Seto so groß wurde, dass man Dekore und Formen wie z.B. die kutsugata chawan (沓形茶碗)zeitweise in Hagi übernahm. Erst ab dem 18. Jahrhundert widmete man sich wieder den schlichten Stilen, für die heute Hagi-Keramik geschätzt wird.

Oribe-yaki kutsugata
Oribe-yaki kutsugata
Die Tonsorten

Für Hagi-Keramik wird heute je nach Bedarf eine Tonmischung angesetzt, die sich aus bis zu vier Bestandteilen zusammensetzen kann. Der 1717 entdeckte daidô-tsuchi ist hellgrau und bildet mengenmäßig den größten Anteil. Der gairome-nendô (蛙目粘土) enthält viele Quarzpartikel, deren Anteil durch Aufbereitung verringert werden kann. Weitere Nuancen können erzielt werden durch den gelblichen kaolinhaltigen mitake-Ton (金峯土)und den rötlich-braunen eisenhaltigen mishima-Ton(三島土). Häufig findet man sehr groben Ton bei Hagi-Teeschalen, dieser kommt durch den Einsatz eines feinen Sandes zustande.

Das ist kein Bug, das ist ein Feature

Eine Eigenart von Hagi-Keramik ist der grobe Ton, der wegen des Kaolins eine weiche und warme Haptik aufweist. Da er noch nicht voll verdichtet ist, gibt es viele Risse (kan’nyû 貫入) im Ton und in der Glasur. Dadurch kann Flüssigkeit in den Tonkörper gelangen und manchmal aus dem Teebecher oder der Chawan wieder austreten. Gelegentlich kann es sogar tropfen.

Dieser Zustand ist aber nicht von Dauer, denn mit jedem Tee, der aus einem Becher oder einer Chawan getrunken wird, setzen sich nach und nach Partikel des Tees in den Rissen ab, wodurch das Gefäß abgedichtet wird. Mit der Zeit verändert sich durch die Ablagerungen sogar das Erscheinungsbild des Gefäßes, welches sieben Stadien durchlaufen kann, in Japan nennt man diese “hagi no nanabake(萩の七化)” – “Die sieben Wandlungen der Hagi(-Keramik)”. Dabei können sich die Farben ändern und es entsteht ein zunehmendes Craquelé-Muster.

Der Fußring

Der Fußring bzw. kôdai (高台)ist deshalb so wichtig, weil er Aufschluss über den verwendeten Ton gibt. Der Ton ist eine Art Signatur, Kenner können in einigen Fällen bereits an der Beschaffenheit des Tons die Handschrift des Töpfers identifizieren. Die Gestaltung des kôdai ist keineswegs banal, oft lässt sich an seiner Gestaltung die Kunstfertigkeit des Keramikers erkennen.

In Hagi hat sich die Tradition eingeschlichen, den kôdai anzuschneiden. Der getrennte Fußring nennt sich wari-kôdai(割高台), Einkerbungen werden kiri-kôdai (切り高台)genannt.

Hagi-yaki kiri-kôdai
Hagi-yaki kiri-kôdai

Weshalb wurde der Fußring überhaupt geschlitzt? Auf diese Frage gibt es auch in japanischen Quellen keine eindeutige Antwort. Eine gängige Erklärung ist, dass Hagi-Keramik aus fürstlichem Ofen der einfachen Bevölkerung nicht zugänglich gewesen sei. In dem man sie “beschädigte” habe man der einfachen Bevölkerung erlaubt, die Ausschussware zu benutzen.

Auch wenn diese Erklärung einleuchtend klingt, es gibt Hinweise, die dieser weit verbreiteten Meinung widersprechen. Denn bereits vor Entstehung der Hagi-Keramik wurden die Fußringe geschlitzt. Und selbst die Auftragsarbeiten für Angehörige des Adels weisen dieses Merkmal auf und man kann nicht davon ausgehen, dass sie sich mit Ausschussware begnügten.

Hagi-yaki yunomi mishima-Ton
Hagi-yaki yunomi mishima-Ton

Die schlüssigste Erklärung ist eine ganz pragmatische. Dadurch, dass Hagi-yaki wasserdurchlässig ist, kann es passieren, dass der Becher oder die Chawan durch den Luftdruck festgesaugt wird. Ein geschlitzter Fußring wirkt dem entgegen.

Die Glasuren

Eigentlich gibt es nur zwei Glasurvarianten, die allerdings in Kombination mit dem Ton und der Brennatmosphäre verschieden ausfallen können. Die erste Glasur ist eine transparente Asche-Feldspat-Glasur (dobai-yû 土灰釉) mit einem variablen Holzascheanteil von 30-70%. In Verbindung mit einer Tonmischung aus daidô-tsuchi und mitake kann sich die Glasur in verschiedenen Nuancen von Gelb über Rosa, Orange bis Hellblau färben.

Hagi-yaki yunomi
Hagi-yaki yunomi

Diesen typischen Farbton (Gelb, Rosa, Orange) nennt man auch biwa-iro (Farbe der Japanischen Wollmispel). Wird der eisenhaltige mishima-Ton hinzugefügt, dann erzielt man Farben zwischen Grau und Rosa.

Hagi-yaki Chawan
Hagi-yaki Chawan

Die andere für Hagi typische Glasur entsteht, wenn zusätzlich Strohasche zu der oben genannten Glasur hinzugefügt wird. Dann entsteht eine weiße Glasur, die je nach Dicke wie Zuckerguss wirkt. Diese Glasur wird weiße Hagi-Glasur genannt (shiro hagi-gusuri 白萩薬).

Glasureffekte

Während des Brandes reagiert der Ton mit der aschehaltigen Feldspatglasur und kann ein natürliches Dekor auf der Innen- und Außenseite in Form von rosa Punkten erzeugen, die in Japan je nach Ausprägung auch als „Pflaumenblüten“ oder „Herbstlaub“ geschätzt werden.

Hagi-yaki Teebecher mit "Pflaumenblüten-Dekor"
Hagi-yaki Teebecher mit “Pflaumenblüten-Dekor”

Als kairagi (梅花皮)bezeichnet man einen Glasureffekt, der bei Ido-Chawan häufig vorkommt und an den Rücken einer in Asien vorkommenden Rochenart erinnert.

Der Brand

Wie Hagi-yaki gebrannt wird, lässt sich zwar nicht verallgemeinern, in der Literatur wird ein noborigama (aufsteigender Mehrkammerofen) genannt, in dem die Keramiken je nach Ofengröße 14-40 Stunden gebrannt werden. Dabei werden je nach Kammer Temperaturen zwischen 1180 bis 1340°C erreicht. Als Brennmaterial wird Holz verwendet.

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Jenseits der japanischen Prominenz: Yamato-cha

Die Anbauregion Yamato liegt in Zentraljapan in der Präfektur Nara und steht ein bisschen im Schatten der größeren Anbauregionen Japans wie Uji oder Shizuoka. Dabei hat Tee in Nara eine lange Geschichte vorzuweisen und gedeiht im kühlen Klima sehr gut, weswegen Nara an sechster Stelle der produktionsstärksten Präfekturen liegt.

Die Provinz Yamato

Vor langer langer Zeit (ca. 3. bis 8. Jahrhundert) wurde Japan von der Provinz Yamato regiert, in der die Herrscherfamilie lebte. Yamato heißt übersetzt “Großer Frieden”, es wird häufig als kulturelles Kernland bezeichnet, weil in dieser Region (Nara & Kyôto), viele alte Bauten und Tempelanlagen entstanden. Daher steht Yamato sinnbildlich für Japans Tradition, verkörpert die Idee eines ur-japanischen Reichs mit eigener Mentalität, die leider auch nationalistische Züge annehmen kann. Das bekannteste Beispiel dafür ist das Kriegsschiff Yamato, welches im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde.

Tempelbezirk in Nara
Tempelbezirk in Nara

Die Anbauregion

Yamato-Cha wird in einer Region angebaut, in der das Yamato-Plateau im Zentrum liegt. Es gibt jedoch auch andere Bezeichnungen, unter denen der Tee vertrieben wird. Dazu gehören Tsukigase-cha, Fukuzumi-cha, Yagyû-cha und Yamazoe-cha.

Als Cultivare finden neben Yabukita auch Meiryoku, Okumidori und die aus Samen gezogene Yamatomidori Verwendung. Aus diesem Grund gehört Yamatomidori zu den japanischen Zairai-Cultivaren.

Die Geschichte

Die Geschichte des Yamato-cha beginnt mit der Rückkehr japanischer Mönche, die im Jahre 806 aus China Samen mitbrachten. Im Butsuryû-ji soll sich sogar noch eine alte Handmühle aus dem China der Tang-Dynastie (618-907) befinden. Die mitgebrachten Samen wurden im Teegarten der Tempelanlage angepflanzt, die somit den Ursprung des Yamato-cha bilden.

Verkostung

Diesen Tee habe ich vor Jahren von einer guten Freundin aus Nara mitgebracht bekommen. Es handelt sich um eine Hausmischung eines ansässigen Teegeschäfts. Der Bezeichnung zufolge handelt es sich um einen Sencha gehobener Qualität (Jô).

Yamato-cha
Yamato-cha
Aussehen

Die Blätter sind dunkelgrün und stammen aus erster Ernte. Ich erkenne zwar viele Nadeln, es ist aber auch ein bisschen Blattbruch dabei. Ich tippe auf eine mittellange Bedämpfungszeit.

 

Aroma

Nach dem Öffnen der Tüte bin ich überrascht. Das ist ein ungewöhnlicher Duft. Zuerst denke ich an eine Fremdkontamination (Kunststoff?), merke aber dann, dass der Duft doch zum Blatt gehört, kann ihn aber nur schwer einordnen. Frau P. denkt an Zeltplane, ich finde, dass der Duft maritim ist. Nicht so algig wie die meisten anderen Sencha, es ist ein anderer Duft, der im erhitzten Zustand noch deutlicher wird.

An der Nordsee, wenn der Seetang von den Wellen an Land gespült wird, riecht es ähnlich. Es ist ein intensives Aroma, das nur unterschwellig an den Duft frischer Grünteeblätter erinnert. Dazu kommt ein Hauch von Jod.

Yamato-cha

Geschmack

Gebrüht wird nach der Methode für hochwertige Grüntees. Beim ersten Aufguss kommt eine deutliche Umami-Note zum Vorschein. Sie ist eng verwoben mit einer außergewöhnlichen Algigkeit. Häufig kommt im Sencha ein feiner Nori-Geschmack (geröstete Alge) vor. Hier ist das anders. Es ist viel maritimer. Die Viskosität ist ölig und der Saft hinterlässt einen feinen Film auf der Zunge, der nach kurzer Zeit eine frische Süße hervorbringt.

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Nach dem zweiten Abgießen ist der Geschmack deutlich einfacher. Umami ist deutlich reduziert und der Yamato-cha ist spritzig und feinherb, ein bisschen wie naturtrüber Apfelsaft vom Alten Land.

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Nun nimmt die Süße richtig Fahrt auf. Die Alge muss der Artischocke weichen. Zwei weitere Runden macht der Tee noch mit. Erfreulicherweise zeigt sich der von mir so begehrte fruchtige Teegeschmack, den ich bisher nur zwei Mal schmecken durfte, doch noch. Das ist ein toller und überraschender Ausklang.

Fazit

Dieser Yamato-cha war in vielfacher Hinsicht etwas Besonderes. Vor allem die Wandlungsfähigkeit und der maritime Charakter haben mich sehr überrascht. Es ist vermutlich ein Tee, der Einsteigern weniger schmecken wird, da er für den ungeübten Gaumen einen Tick zu ungewöhnlich ist. Japantee-Kennern möchte ich den Tee ans Herz legen, wenn sich eine Gelegenheit für sie ergibt. Vielen Dank, liebe Mito, dass du uns diesen Tee mitgebracht hast.

Übrigens: Wenn du demnächst etwas im Shop bestellst, bekommst du eine Probe dieses Tees gratis dazu. Natürlich nur solange der Vorrat reicht.

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Auf der Suche nach dem eigenen Nepal-Charakter: Jun Chiyabari

Nepal kann nicht nur gute Darjeeling-Alternativen produzieren (siehe letzter Blog), einige Produzenten wie der Garten Jun Chiyabari bringen so viel Leidenschaft und Experimentierfreudigkeit mit, dass sie Tees kreieren möchten, die sich nicht nur von Darjeeling unterscheiden, sondern einen eigenen Nepal-Charakter aufweisen.

Leider muss ich mich heute im Voraus für die schlechte Bildqualität entschuldigen. iPhoto hat es tatsächlich geschafft, beim Importieren alle heute gemachten Fotos zu löschen und sie nicht in die Datenbank zu speichern. Somit musste ich auf die Handy-Fotos zurückgreifen, die qualitativ deutlich abweichen.

Leidenschaft schlägt Tradition
Henning Schmidt vom Hamburger Teespeicher war zuletzt in Nepal und Darjeeling. Daher habe ich ihn am Freitag besucht, um ein bisschen über Nepal zu plaudern. Dabei kamen wir auf einen von Nepals Vorzeigegärten zu sprechen: Jun Chiyabari. Dieser recht junge Garten wurde von zwei Brüdern im Jahre 2001 gegründet und hat eine vergleichsweise kurze Geschichte. Die beiden Brüder Lochan und Bachan sind zwei Unternehmer, die in Darjeeling im Internat aufwuchsen und in so ziemlich allen Geschäftsfeldern aktiv waren – bis auf Tee. Im Jahre 2000 schwelgten sie in nostalgischen Erinnerungen (das Internat war umgeben von Teefeldern) und beschlossen, dem Teeanbau, den sie in Darjeeling ganz nebenbei als Tee-Enthusiasten kennengelernt haben, in Nepal eine Chance zu geben. Ganz schön mutig, so ganz ohne Erfahrung im Teeanbau.

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Lage und Größe
Der biozertifizierte Teegarten liegt 200km von Kathmandu entfernt im Dhankuta-Distrikt. Darjeeling ist mit 65km viel näher. Die Pflanzen werden in einer Höhe von 1600-2000m angebaut, es handelt sich also um einen richtigen Hochland-Tee. Die Jahresproduktion beträgt schätzungsweise 25t bei ca. 25-30ha, von den umliegenden Teebauern werden allerdings weitere Teeblätter nach eigenen Vorgaben hinzugekauft, der Anteil beträgt sogar 40%.

Der Weg ist das Ziel
Die beiden Brüder setzen auf erfahrene Tea-Maker, die zuvor jahrelang in Darjeelings Gärten Erfahrungen gesammelt haben und sich in Japan und Taiwan weiterbilden. Diese Vielfalt spiegelt sich auch in den verwendeten Cultivaren wider, man scheint in Zukunft auf sich voneinander stark unterscheidende Spitzentees setzen zu wollen, was ihnen schon jetzt gelingt. So werden beispielsweise neben japanischen Yabukita- und Zairai-Cultivaren auch taiwanesische (z.B. Si Ji Chun) und ältere nepalesische eingesetzt. Laut Henning Schmidt experimentiere man sogar mit Schattentees und möchte in Zukunft Matcha herstellen.

Die beiden Brüder sind mittlerweile 15 Jahre im Teegeschäft. In dieser kurzen Zeit haben sie gezeigt, was möglich ist, wenn man mit Ehrgeiz und Leidenschaft arbeitet. Ihre Tees sind überall zu finden, wo Qualität eine Rolle spielt und sie werden nicht müde, immer wieder Neues auszuprobieren. Dem Garten und seinen Mitarbeitern geht es übrigens den Umständen entsprechend gut.

Jun Chiyabari Imperial Black 19,95 EUR / 100g
Der Name leitet sich von einer etwas zweifelhaften Geschichte ab, wonach der chinesische Kaiser dem Königreich Nepal Teepflanzen nach einem verlorenen Krieg geschenkt habe. Von jenen Pflanzen soll dieser Tee stammen.

Zubereitung
Zubereitet wird dieser Tee nach der Methode für hochwertige Schwarztees.

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Blatt
Die Blätter sind sehr voluminös und tiefdunkel. Goldene Tips setzen einen schönen Akzentpunkt und sorgen für einen ansprechenden Kontrast. Natürlich muss man als Teetrinker gleich an Schwarztees aus Yunnan denken, die in zahlreichen Formen daherkommen. Die Macher haben bei dieser Kreation aber ausdrücklich nicht daran gedacht, einen Yunnan-Tee zu imitieren.

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Aroma
Die dunklen Blätter riechen im ersten Augenblick nach Waldmeister, ein Geruch, den ich aus meiner Kindheit kenne. Da gab es diesen einen Augenblick, als mein Onkel mich in eine polnische Eisdiele führte, in der noch das Eis frisch vor Ort zubereitet wurde. Nie wieder habe ich diesen intensiven Duft beim Betreten einer Eisdiele vernommen wie damals. Und immer wenn ich an Waldmeister-Eis rieche, überkommt mich diese Erinnerung.

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Was kommt da noch? Dunkle Brot- und Kuchenkruste, dazu ein leicht nussiger Duft und vielleicht auch ein bisschen Honig? Nach dem ersten Aufguss gewinnen Kakao und Fliederbeeren klar die Oberhand. Die Vorfreude nimmt zu.

Geschmack
Der erste Aufguss hat viele verschiedene Facetten zu bieten. Da wäre zunächst Kakao und Malz. Man könnte auch an Assam denken, aber es fehlt die Würze. Eine leichte Süße breitet sich im Mund aus und die Kuchenkruste macht sich bemerkbar.

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Beim zweiten Aufguss sind die Aromen etwas dezenter. Kakao ist jetzt nicht mehr so dominant, ich denke da eher an Kakaocreme, also eine abgeschwächte Form, die auch irgendwie zum Mundgefühl passt. Jetzt zeigt sich auch die Nussigkeit, ehe im Abgang der Imperial Black nochmals mit einer schönen Portion Feuchtigkeit erfrischt.

Einer geht noch. Der Schwarztee ist jetzt süffig, die Fliederbeeren sind jetzt das erste Mal richtig deutlich zu schmecken. Vielleicht wurden sie vorher auch nur von anderen Aromen überlagert? Der erfrischende Nachgeschmack erinnert mich wieder an Zitronentee – ein schöner Ausklang.

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Fazit
Das Rad neu erfinden tut Jun Chiyabari mit Sicherheit nicht. Und dennoch ist es ein Tee, der für hochwertige Assam-Liebhaber und Yunnan-Trinker gleichermaßen interessant sein könnte. Und wem Assam-Tee sonst einfach zu stark ist, die feine malzige Note aber sehr zusagt, der kann sich ebenfalls an diesem Tee versuchen. Es ist schön zu sehen, dass es einen Ort in Nepal gibt, der abseits vom Mainstream neue Wege einschlägt. Daher werde ich Jun Chiyabari mit Sicherheit aufmerksamer verfolgen, sie haben übrigens auch einen Twitter und Facebook-Auftritt! Vielen Dank, lieber Henning für diese feine Probe. Wenn auch du dich für diesen Tee interessierst,  findest du ihn im Online-Shop vom Hamburger Teespeicher.

Auch nächste Woche geht es weiter mit einem Nepalesen, nur einen Steinwurf entfernt von Jun Chiyabari.

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Tasting Notes: Japanischer Yabukita Oolong

Heute geht es um einen Oolong, den ich von einer japanischen Bloggerin bekommen habe. Obwohl ich seit dem Ende der Neunziger im Internet “heimisch” bin, überkommt mich doch immer wieder dieses eigenartige Gefühl der Verwunderung darüber, dass man sich heutzutage mit Menschen aus aller Welt vernetzen und austauschen kann. So ist es auch in diesem Fall geschehen, ich bekam von Suzuki-san einen Oolong von einem Teebauern aus Shizuoka. Im Gegenzug erhielt sie von mir einige ausgewählte Schwarztees. Das Interessante ist, dass Frau Suzuki eng mit Teebauern zusammenarbeitet und so in den Genuss zahlreicher Neuheiten kommt.

In Japan erfreuen sich Oolong schon seit langem großer Beliebtheit. Es gibt sie sogar in Pet-Flaschen an Getränkeautomaten, auch wenn diese in der Auswahl nicht so zahlreich sind wie Sencha. Außerdem nutzt man Oolong in Japan auch als Basis für Alkopops oder Longdrinks. So wird der Süßkartoffelschnaps Shôchû unter anderem mit Oolong vermischt. Trotz dieser Popularität ist die Herstellung in Japan noch immer eine Randerscheinung. Und obwohl ich denke, dass China und Taiwan den Japanern um Jahrzehnte voraus sind, finde ich es immer wieder spannend, einen Blick auf japanische Oolong zu werfen.

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Große lange Blätter
Der vorliegende Oolong kommt aus Shizuoka und wurde von einem Teebauern namens Shibamoto hergestellt. Die Blätter sind lang und grün, es ist also ein Tee, der deutlich von dem abweicht, was Japaner normalerweise als Oolong trinken, denn diese sind deutlich dunkler.

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Der Duft erinnert an Tie Guan Yin
Der Duft ist außergewöhnlich blumig. Das Blatt riecht nach blühenden Sträuchern und passt wunderbar in diese schöne Jahreszeit. Es finden sich leichte Röstnoten, die an den Duft frischer Kekse erinnern. Andererseits sind auch leichte Algen-Noten zu vernehmen.

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Geschmack
Der Oolong ist leicht zu genießen, der Japaner würde auch “nomi-yasui” sagen. Wie bei Tie Guan Yin lässt sich auch bei diesem Yabukita-Oolong eine leichte Mandelnote feststellen. Die floralen Aromen steigen in die Nase, während sich im Mund frische Salatgurke und Wakame-Alge ausbreiten.

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Im zweiten Aufguss fällt zuerst die Süße auf. Jetzt kommen auch die Röstaromen in Form von Keksen zurück. Im Nachklang bleibt ein Film auf der Zunge zurück, der ein süßfruchtiges Mundgefühl zurücklässt. Es ist schwer zu beschreiben, aber bei Zahnpasta hat man eine ähnliche Wirkung, nur ist letztere viel stärker.

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Es gelingen noch zwei weitere Aufgüsse, die an Komplexität abnehmen, aber dennoch genießbar sind.

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Fazit
Der Tee ist mal wieder ein Paradebeispiel dafür, dass man nie auslernt. Ich hatte bisher immer angenommen, dass bei der Oolong-Herstellung das Cultivar viel wichtiger ist. Oder anders ausgedrückt hätte ich es nie für möglich gehalten, dass aus Yabukita-Pflanzen, die bekanntlich für japanische Sencha Verwendung finden, solche Aromen durch die Verarbeitung herausgekitzelt werden können. Ich bin daher Frau Suzuki und Herrn Shibamoto sehr dankbar, dass ich Gelegenheit hatte, diesen Tee zu probieren.

Gewinnspiel
Falls auch du Interesse an diesem Tee hast, kannst du mit ein bisschen Glück eine von drei Proben gewinnen. Abonniere einfach bis zum 1. Mai den Newsletter und du nimmst an der Verlosung teil. Bereits eingetragene Leser können teilnehmen, indem sie einen Kommentar hinterlassen oder eine E-Mail schreiben. Hier geht es zum Newsletter:
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Was man bei der Ausbildung zum Tee-Sommelier lernen kann Teil IV

Das letzte Seminar bzw. der dritte Block liegt jetzt schon ein paar Tage zurück und nun komme ich endlich dazu, diesen vorletzten Teil zusammenzufassen. Das Seminar begann zunächst mit der üblichen Lernerfolgskontrolle, die auch dieses Mal alle angehenden Tee-Sommeliers bestanden haben. Inhaltlich ging es dann mit einer Dozentin weiter, die früher selbst eine TG-Filiale leitete und zu dieser Zeit, aber auch im Anschluss, als Tee-Sommelier arbeitete und daher auch aus der Praxis zu berichten wusste.

Die vielen kleinen Dinge
Aus diesem Grund war es sehr nützlich, Informationen aus erster Hand zu erhalten. Dabei wurde zunächst auf die rechtliche Lage eingegangen, mit der du dich spätestens dann beschäftigen musst, wenn du kostenpflichtige Kurse zu diesem Thema anbieten möchtest. Natürlich konnte nicht auf jede besondere Lage der Teilnehmer eingegangen werden, dafür war der Hintergrund eines jeden viel zu unterschiedlich. Doch es wurde deutlich, auf was man alles aufpassen muss (z.B. Versicherungen), nach welchen Kriterien Räume ausgesucht werden sollten und wie nützlich es sein kann, mit Checklisten zu arbeiten (diese wurden gleich mitgeliefert).

Teekulturen dieser Welt
Im Anschluss daran hat uns Gero nochmals durch die internationalen Teekulturen geführt. Dazu gehörte natürlich auch die Teekultur Chinas, die in diesem Teil (zurecht!) am umfangreichsten behandelt wurde. Dabei nahm er all die Kleinigkeiten und Anekdoten mit, für die es im ersten Block keine Zeit gab. Mir hätte dieser Teil gar nicht lang genug sein können. Sehr interessant waren die Ausflüge zu weniger bekannten Teekulturen wie Korea und Tibet. Ich müsste lügen, wenn ich behauptete, nichts gelernt zu haben.

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Die prominentesten Zubereitungsweisen bekamen wir demonstriert bzw. durften uns auch selbst darin versuchen. Dazu gehörte das klassische Gong Fu Cha, welches wir mit zwei Oolong, einem Tie Guan Yin und einem Da Hong Pao zelebrierten. Dies taten wir sowohl mit Yixing-Kannen, zu denen es ebenfalls eine kurze Einführung gab, als auch mit Gaiwan (Deckeltassen). Es wurde hoch dosiert und jeder durfte die gar nicht so einfache Handhabung selbst versuchen. Der Vergleich eines blumigen und leichten Tie Guan Yin mit  einem dunklen gerösteten Da Hong Pao machte auch deutlich, welche beiden Enden im Spektrum des Oolong zu erwarten sind und wie sehr es sich lohnt, mit Zubereitungsmethoden zu experimentieren.

Ostfriesentee ist durchaus lecker
Ich trinke schon sehr sehr lange Schwarztee und konnte nur als Kind der Idee etwas abgewinnen, Milch in den Schwarztee zu tun. Als ich älter wurde, konnte ich trotz mehrfacher Versuche nicht mehr verstehen, was mir im Alter von 6 Jahren daran so geschmeckt hat. Viel zu aufdringlich ist die Milch, das finde ich noch immer. Entsprechend skeptisch war ich bei der Vorführung der ostfriesischen Teezeremonie, bei der ein kräftiger Tee auf Assam-Basis mit Sahne und Kluntje serviert wurde.

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Doch Vorurteile sind dazu da, sie abzubauen. Mir hat diese Variante überaus gut geschmeckt, obwohl mein Selbstversuch, den ich vor Jahren unternahm nicht so gelang, dass ich den Wunsch nach einer Wiederholung verspürte. Doch nach dieser Demonstration ist das anders. Vielleicht liegt es auch einfach an der verwendeten Sahne, die schön aromatisch war und gut mit dem kräftigen Assam-Tee harmonierte.

Schwerpunkt Japan
Gero ist ein echter Fachmann. Das liegt nicht zuletzt daran, dass er selbst einige Male in Japan war und dort Tee gelernt hat. Diese Expertise, vor allem aber die Begeisterung hat er sehr gut “an den Mann” gebracht. Wir beschäftigten uns eingehender mit den Teesorten und der japanischen Teegeschichte. Nach der Theorie ging es wieder zur Praxis über. In Zweierteams haben wir je einen japanischen Klassiker zubereitet, der Gruppe vorgestellt und zusammen verkostet. Dazu gehörten Bancha, Kukicha, Sencha, Hôjicha, Genmaicha, Kabusecha und Gyokuro.

Hier blieb auch genug Raum für Abweichungen. Ich hatte das Vergnügen den Deep Steamed Sencha vorstellen zu dürfen. Bereits an den Blättern war zu erkennen, dass der Tee von hoher Qualität ist, daher haben wir statt der empfohlenen 12g gleich 18g auf 1l Wasser getan. Das Resultat war äußerst lecker – nur leider nicht für jeden. Diese Erkenntnis ist dennoch sehr interessant, denn sie verdeutlicht, wie unterschiedlich Geschmäcker und Vorlieben sind. Es bestärkt mich in der Vermutung, dass es kräftige und leichte Geschmackstypen gibt, die fast gegensätzliche Vorlieben haben. Der Tee schmeckte für mich voller, würziger und viel intensiver. Ich mag auch lieber Dunkelschokolade mit hohem Kakao-Anteil, kräftige Rotweine wie Shiraz und würzige Speisen.

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Einigen Teilnehmern schmeckte der Tee trotzdem nicht. Denn für sie war der Tee schon unangenehm herb. Diese Feststellung habe ich auch bei Freunden gemacht, denen ich Tee nach meiner Zubereitungsart servierte. Interessanterweise ist die Schwelle, ab wann Herbheit überhaupt wahrgenommen wird, so individuell, dass ich mich künftig nach der Empfindsamkeit des Gastes erkundigen werde, bevor ich ihm einen Tee serviere. Menschen, die sensibel auf Bitterkeit oder herbe Geschmäcker reagieren, sollten sich daher besser an die übliche Dosierungsempfehlung halten.

Japanische Tee-Zeremonie
Abschließend gab es eine echte (simplifizierte) japanische Tee-Zeremonie. Natürlich konnte nicht die gesamte Gruppe dabei bewirtet werden, aber zwei angehende Tee-Sommeliers haben sich getraut, in die Gastrolle zu schlüpfen. Gero hat sich für diese Gelegenheit richtig schick gemacht und einen japanischen Yukata angezogen. Alle Zubereitungsschritte wirkten ruhig und entspannend, so dass ich diese Demonstration auch als Zuschauer genießen konnte.

Auch die Seminarleitung will gelernt sein
Den Samstag haben wir mit Frau Florl verbracht. Sie hat jahrelange Erfahrung in der Wirtschaft gesammelt und arbeitet nun beratend als Coach für viele Unternehmen. Sie wird uns vor allem im nächsten Block sehr intensiv begleiten. Das Besondere daran ist, dass wir als Gruppe beim letzten Block getrennt werden. So wird die erste Hälfte den abschließenden Teil samt Prüfung bereits im Mai absolvieren. Meine Gruppe ist erst im Juni dran. Ziel ist es, jeden in die Lage zu versetzen, souverän und selbstsicher ein Seminar zu leiten und dies fängt schon bei der Ausstrahlung an. Als Vorbereitung auf den kommenden Block haben wir in kleinen Gruppen das Profil eines idealen Tee-Sommeliers erarbeitet. Also so, wie wir uns selbst am liebsten sehen. Und beim nächsten Block wird Frau Florl uns dabei helfen, diesem Ideal ein (hoffentlich großes) Stückchen näherzukommen. Ich werde berichten.

Hier geht es nochmals zu den Zusammenfassungen der anderen Seminare:
Block I
Block II

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