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Margaret’s Hope White Delight DJ250 Ernte 2013

Margaret’s Hope ist einer dieser Teeplantagen-Namen, die im Gedächtnis hängenbleiben. Und gleichzeitig schwingt im Namen eine Schwermütigkeit mit, denn zur Hoffnung gehört, dass das, was man sich erhofft, noch nicht eingetreten ist. Was ist also die Hoffnung Margarets? Viel wesentlicher ist die Frage, wer überhaupt Margaret ist. Ihr Vater, Mr. Cruikshank, hat 1870 das Tea Estate Chota Ringtong gegründet. Zu jener Zeit ein sicher nicht einfaches Unterfangen. Eingebettet in eine fast schon paradiesische Landschaft verfiel auch seine Familie der natürlichen Schönheit der Umgebung. Besonders seine Tochter Margaret verliebte sich geradezu in den Teegarten und so fiel ihr der Abschied besonders schwer, als sie mit ihrer Mutter wieder zurück nach England musste. Die Reise war damals beschwerlich und dauerte vier Monate, Margaret wurde krank und starb noch bevor sie England erreichte. Ihr Vater war untröstlich. Doch eines Tages glaubte er bei einem Spaziergang durch den Garten, seine Tochter zu sehen und schöpfte daraus neue Hoffnung. Er benannte sein Tea Estate um und führte es zu einem der bekanntesten Gärten Darjeelings.Der vorliegende Maragaret’s Hope ist ebenso besonders wie die eben erzählte Geschichte. Beim letzten Schnack im Hamburger Teespeicher erfuhr ich von diesem Tee, einer ganz besonderen Charge, die eigentlich für einen japanischen Abnehmer produziert wurde (spätestens seit Geros Bericht wissen wir ja, dass in Darjeeling der Nachfrage entsprechend produziert wird und aus diesem Grund der First Flush immer grüner ausfällt). Der Deal platzte aber aus unbekannten Gründen und Henning Schmidt griff sofort zu, als sich ihm die Gelegenheit bot.

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Zubereitungsweise
Ich bin ja ein Anhänger von Akira Hojos Empfehlung, einen Darjeeling anders als gewöhnlichen Schwarztee zuzubereiten. Leider musste ich feststellen, dass dieser Tee dafür überhaupt nicht geeignet zu sein scheint. Daher habe ich auf 100ml 2,5g Blätter genommen, was ziemlich hoch für Schwarztee ist. Der White Delight kann dies aber wirklich sehr gut ab.

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Blatt
Die großen Blätter sind äußerst gut erhalten. Noch nie habe ich einen Darjeeling gesehen, dessen Blätter so gut intakt waren wie diese. Das verleiht ihm ein wildes und urtümliches Aussehen, welches man auch von Maocha kennt. Danke liebe Produzenten, dass ihr mit diesem Tee so sorgfältig umgegangen seid. Es ist ein wahrer Genuss, sich die Blätter einzeln ansehen zu dürfen. Viele verschiedene Farben kann man sehen wie Grün, Silber, Schwarz, Braun und Gold, wobei alle Farben natürlich in verschiedenen Nuancen auftreten.

Duft
Der Duft der trockenen Blätter ist sehr zart und würzig, erinnert zuerst an dunkle Brotkruste. In der warmen Shiboridashi wird die Brotkruste noch kräftiger und deutlicher. Dazu gesellen sich getrocknete Pflaumen und etwas Akazienhonig.

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Geschmack
Die hohe Dosierung verleiht dem Tee viel Körper und Tiefe. Die Brotkruste findet sich auch im Geschmack wieder, vor allem Frau P. erinnert die Säure an Citrusfrüchte wie z.B. Limetten. Es bleibt ein langer Nachgeschmack im Mund mit Anklängen von Muskatell und Malz. Vor allem Letzteres ist ungewöhnlich, aber auch nicht so deutlich wie ich es von Assam kenne.

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Der zweite Aufguss ist noch fruchtiger. Ich erkenne jetzt auch die Citrusfrüchte. Sie sind natürlich nicht so offensichtlich wie beim Reinbeißen in eine Zitrone, eher so als hätte jemand einen Schuss Zitronensaft in den Schwarztee getan. Dadurch wirkt der Tee frisch und belebend. Das Mundgefühl ist ebenfalls interessant, der White Delight fühlt sich dickflüssiger an, ein bisschen wie geschmolzene Butter.
Nach sechs Minuten hat der Dritte noch immer einen vollen, spritzigen Geschmack. Neben der Brotkruste denke ich an Weintrauben.

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Nach 10 Minuten ist auch der vierte Aufguss noch immer ein wahrer Genuss. Er ist zwar etwas flacher als die vorherigen, hat aber genug Würze, vielleicht sogar etwas Torf?

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Fazit
Wessen Auge mittrinkt, der wird Spaß an diesem Tee haben. Ich würde aber jedem dazu raten, den Tee etwas länger ziehen zu lassen, da die vielen großen und intakten Blätter natürlich langsamer mit dem Wasser reagieren als gebrochene und kleine. Daher habe ich auch einige Anläufe benötigt, bis ich ein gutes Ergebnis mit dem White Delight erzielt habe. Dann wusste er aber geschmacklich sehr wohl zu überzeugen! Wer sich für diesen Tee interessiert, findet ihn hier.