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Zehn gute Gründe, weswegen Tee auch für dich ein lebensbereicherndesGetränk sein kann

Vielleicht stellst du dir die Frage, ob Tee ein Getränk für dich wäre. Möglicherweise hast du bereits erste Erfahrungen mit diesem Getränk gemacht, die dich nicht vom Hocker gehauen haben oder du verbindest mit Tee ein Getränk, welches man bei einer Erkältung trinkt. Als Genussmittel kam Tee noch nicht für dich infrage.

Eines muss ich vorweg schreiben, damit im weiteren Verlauf keine Missverständnisse entstehen. Wenn ich Tee sage, dann meine ich damit Blätter der Camellia Sinensis und nicht Früchte- oder Kräutertee. Einen guten Artikel über die Pflanze findest du beim Tee-Fokus. Als Einstieg kann ebenfalls der Wikipedia-Artikel empfohlen werden.

Nun aber zum Thema. Vielleicht hast du dir ja auch schon mal folgende Fragen gestellt: Warum sollte ich unbedingt Tee probieren und nicht bei Kaffee bleiben? Ist Tee nicht zu kompliziert und aufwendig? Lohnt sich die Auseinandersetzung mit diesem Thema wirklich und was habe ich davon?

 

Hier nun meine zehn Gründe, die ich für mich am überzeugendsten finde.

 

1. Geschmackliche Vielfalt
Vielleicht hast du es ja schon gehört, aber zur Sicherheit schreibe ich es nochmal, damit auch Neueinsteiger es wissen. Es gibt sechs Kategorien, die Tee nach Produktionsart unterscheiden. Hierzulande kennen wir vor allem den Schwarzen und Grünen Tee. Doch daneben gibt es außerdem noch Gelben, Blauen (auch: Oolong), Dunklen (Pu Erh) und Weißen Tee. Natürlich gibt es in jeder Kategorie diverse Sub-Kategorien. Ein Schwarzer Tee aus Indien schmeckt anders als einer aus China, Japan oder Kenia. Diese enorme Vielfalt mag auf den ersten Blick erschlagend wirken. Andererseits garantiert dir diese Vielfalt, dass es in diesem breiten Spektrum einen Tee gibt, der dir auf jeden Fall schmeckt. Und das Tolle an Tee ist, dass nicht nur absolute Profis die Geschmacksunterschiede schmecken. Sie sind so offensichtlich, dass wirklich jeder sie bemerken würde! Nicht umsonst ist Tee nach Wasser das meistgetrunkene Getränk der Welt (Quelle).
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Ein Gelber Tee, der schnell mit einem Schwarzen Tee verwechselt werden kann

2. Gesundheit
Keine Sorge, ich werde hier nicht behaupten, dass Tee Heilkräfte besitzt. Allerdings ist es interessant zu wissen, dass Tee zunächst als Heilpflanze entdeckt wurde. Vor allem den Catechinen sagen manche Wissenschaftler eine krebsvorbeugende Wirkung nach. Daraus darf man aber nicht den Umkehrschluss ziehen, dass Teetrinker keinen Krebs bekommen können.

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Junge Blätter eines Strauchs in Japan

Für mich ist ein anderer Aspekt entscheidender. Tee ist nicht gesundheitsschädlich und man kann davon auch nicht zu viel trinken, solange man die empfohlene Flüssigkeitsaufnahmemenge einhält. Es ist also ein Genussmittel, welches man nicht mit Vorsicht genießen muss. Das ist bei Kaffee und alkoholhaltigen Getränken anders. Wer allerdings auf Koffein empfindlich reagiert, sollte auch bei Tee gesunde Vorsicht walten lassen.

3. Belebende Wirkung
Camellia Sinensis ist die einzige Kamelie, die Koffein produziert. Das Koffein wird zusammen mit Gerbstoffen vom Körper aufgenommen. Die Gerbstoffe verhindern allerdings, dass man nach dem Koffein-Flash in ein tiefes Loch fällt. Von der anregenden Wirkung hat man also länger etwas.
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Das Blatt eines Darjeeling-Schwarztees

Noch effektiver ist es, wenn man den Tee „isst“, also das ganze Blatt zu sich nimmt. Im Matcha sind neben dem Koffein auch Aminosäuren wie das L-Theanin enthalten. Dies hat eine beruhigende und konzentrationsfördernde Wirkung. Daher eignet sich Tee auch wunderbar zur Erhaltung der geistigen Arbeitskraft.

4. Entschleunigung
Wir leben in einer Welt, in der uns Vieles nicht schnell genug gehen kann. Instant-Produkte, Automaten und Schnellrestaurants sind sichtbare Kennzeichen unserer schnelllebigen Gesellschaft.
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Junge Knospen eines Schwarzen Tees aus China

Manche Dinge brauchen einfach Zeit. Ein guter Wein muss sorgfältig hergestellt werden. Anschließend wird er noch in einem Eichenfass ausgebaut. Whisky benötigt ebenfalls viele Jahre im Eichenfass, damit ein rundes Geschmacksprofil entsteht.

Wer selbst kocht, wird vermutlich nur in Ausnahmefällen zu Instantprodukten greifen. Ein gutes Essen braucht ebenfalls seine Zeit bzw. gut Ding will Weile haben.
So ist es auch mit Tee. Das fängt schon mit der Produktion an, aber darum soll es heute nicht gehen. Aber du sollst wissen, dass sich auch beim Tee ein Mehraufwand vom Erzeuger in deiner Tasse widerspiegelt.
Doch das ist noch nicht das fertige Produkt!
Das fertige Getränk entsteht erst durch dich! Du wirst den Unterschied schnell merken, wenn du den Tee „irgendwie“ oder sorgfältig zubereitest. Keine Sorge, es ist keine Raketenwissenschaft. Die normale Zubereitung dauert nicht länger als fünf Minuten, schau mal oben in der Menuleiste meine Zubereitungsvorschläge an.
Betrachte die Zubereitung als eine Auszeit, die du dir gönnst. Schalte ab, vergiss den Stress und leere deinen Kopf. Es tut gut, sich nur auf den Genuss und die Zubereitung zu konzentrieren. Den Moment kannst du auskosten, wenn du dir die Blätter anschaust, den Geruch aufnimmst und deinen Lieblingsbecher oder -Kanne verwendest, zu dem es vielleicht eine persönliche Geschichte gibt, die du dir bewusst machen kannst.

 

5. Sammelleidenschaft
Viele Teeliebhaber (und meine Ehefrau) werden mir zustimmen, wenn ich behaupte, dass man Tee sammeln kann. Dadurch, dass Tee so vielfältig ist, bietet es sich an, mehrere Sorten im Haus zu haben. So kannst du je nach Lust und Laune den perfekten Tee für deine Tagesform auswählen.
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Viele verschiedene Utensilien ergeben ein stimmungsvolles Bild

 

Es soll sogar Teefreunde geben, die Utensilien für die Zubereitung sammeln (mich eingeschlossen *hust*). Sie können dir für jede Kombination aus Tee, Jahreszeit, Sternkonstellation und dem Gemütszustand deiner Katze das perfekte Setup zusammenstellen. Ob du das auch möchtest, entscheidest du allein. Es ist vollkommen in Ordnung minimalistisch zu bleiben, es geht schließlich immer noch um ein Getränk.

 

6. Haltbarkeit
Wenn man Tee fachgerecht lagert (möglichst wenig Luftkontakt, trocken), dann kann man Tee fast unendlich lang lagern. Denn Tee verändert sich zwar, jedoch nicht immer negativ.
Tatsächlich gibt es nur wenige Teesorten, die man schnell bzw. innerhalb eines Jahres aufbrauchen sollte. Dazu gehört in erster Linie Matcha, da er durch die Vermahlung eine viel höhere Angriffsfläche für die Oxidation hat als herkömmlicher Tee. Auch japanische Shincha oder First Flushs aus Darjeeling verlieren ihre Frische nach und nach.
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Matcha-Qualitäten im Vergleich

Das bedeutet allerdings noch lange nicht, dass sie nach einem Jahr ungenießbar sind! Vielleicht schmecken sie dir dann ja sogar noch besser als vorher?

7. Bildung
Keine Sorge, du musst keine Teeschule besuchen, um Tee wertschätzen zu können. Interessanterweise wird Tee auf allen Kontinenten außer der Antarktis angebaut. Dadurch hast du die Möglichkeit viel über Land und Leute zu lernen. Es ist immer wieder spannend zu sehen, wie einfach und natürlich Volksstämme in China leben oder in welch traumhaften Umgebungen Plantagen existieren. Gerade durch das Internet sind Informationen nur noch einen Klick entfernt. Es liegt an dir, ob und wie viel du über Tee und andere Länder lernen möchtest. Vielleicht schaust du dir eines Tages sogar eine Plantage an?

 

8. Trinkkultur
Auch wenn Tee relativ einfach und schnell zubereitet werden kann, gibt es Zubereitungsmethoden, die es dir erlauben das Maximum aus den Blättern zu holen. Es ist sogar ohne Weiteres möglich, sich stundenlang mit einem einzigen Tee zu beschäftigen. Wenn du es magst, dich in Dinge zu vertiefen, dann wirst du erstaunt sein, was mit Tee möglich ist.
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Kleine japanische Einhandkanne mit ca. 150ml Fassungsvermögen

 

Und mit Matcha steht es dir offen, sogar Tee als Zutat zu verwenden. Sehr einfach ist es, beispielsweise leckere Kekse damit zu backen. Und deiner Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

 

9. Geringe Kosten
Du wirst erstaunt sein, was ein Liter Tee im Gegensatz zu einer Dose Cola kostet. Hier habe ich ausgerechnet, wie hoch die Kosten einer 100g Packung gemessen am Output tatsächlich sind.

 

10. Nachhaltigkeit
Jedes Agrarprodukt verschlingt während der Herstellung Energie und Wasser. Vielleicht wird es dich interessieren, dass bei einer Gegenüberstellung von Tee und Kaffee, der Anbau von Tee viel weniger (acht mal!) Wasser verbraucht. Auch sonst kommt Utopia zu dem Schluss:
Tee liegt daher eindeutig vorne, wenn es um Wassernutzung und Umweltverträglichkeit geht. Dadurch, dass Informationen zu Emissionen noch nicht sehr verbreitet sind, ist nur anzunehmen, dass Tee auch hier gewinnen wird.
(Quelle).
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Es ist Zeit, danke zu sagen: Tee aus Myanmar

Einen schönen dritten Advent! Heute geht es weiter mit dem zweiten Teil der Reihe „Es ist Zeit, danke zu sagen“. Wer sich den ersten Teil durchlesen möchte, klicke bitte hier. Dort geht es um einen Darjeeling Phuguri Golden Tips, der eine echte Rarität ist.

Erlaubt mir einen kurzen Rückblick, bevor ich direkt ins Thema einsteige. Als Student habe ich recht früh angefangen, in der Bibliothek (Teilbereich Japanologie) zu arbeiten. Später, als ich anfing meine Magisterarbeit zu schreiben, war ich regelmäßig sechs Tage die Woche dort. Irgendwann fühlte ich mich da fast mehr zuhause als in der eigenen Wohnung, in der es damals aufgrund der Nachbarn sehr unruhig war. Wenn man so häufig und lange in der Bibliothek ist, dann lernt man viele Leute kennen. Einer davon ist J.D., der Thaiistik studierte, um sich gleich danach an die Promotion zu wagen. Mit ihm habe ich viele fruchtbare Gespräche über meine Arbeit geführt, außerdem haben wir uns auch über Tee ausgetauscht.
Da J.D. zu Forschungszwecken häufiger nach Thailand flog, brachte er mir Tee von dort mit. Hier habe ich mal über einen Tee von ihm geschrieben. In der Zwischenzeit war er wieder unterwegs und es verschlug ihn nach Myanmar. Gleich mehrere Packungen hat er für mich erstanden, heute soll es um zwei Tees davon gehen.
Myanmar ist kein besonders prominentes Teeland. Trotzdem gibt es eine recht lange Teekultur, die einer Legende nach mindestens bis ins 12. Jahrhundert zurückgehen soll. Neben Grünem Tee wird vermehrt Schwarzer Tee angebaut. Francois-Xavier Delmas, der Gründer von Palais du Thés, ist ein Globetrotter, der gerne Anbaugebiete bereist. Er war auch schon in Myanmar, hat dort wohl aber noch nichts Interessantes gefunden. Er hat auch einen eigenen Blog, in dem er kurze Berichte schreibt. Demnach soll Namshan das Hauptanbaugebiet sein.
Auffällig ist die regionale Nähe zu Yunnan, „der Wiege des Tees“. Heute ist man sich einig, dass der Tee in China entdeckt wurde. Tatsächlich ist die Entdeckung der Teepflanze gut dokumentiert. Einträge, die zweifelsfrei belegen, dass wirklich Blätter von der Camellia Sinensis als Medizin verwendet wurden, stammen aus dem 4. Jahrhundert. Doch die Sträucher bzw. Bäume wachsen und wuchsen natürlich über die Grenzen Chinas hinaus. Auch in Assam und Myanmar gibt es bei ethnischen Gruppen eine Teekultur, die deutlich von der chinesischen abweicht. So werden frische Blätter bis heute nicht nur als Medizin, sondern auch als Lebensmittel, etwa als Zutat für Salate verwendet. Einige Ethnien tragen immer Samen mit sich, wenn sie in eine neue Gegend ziehen. Es ist gut möglich, dass diese undokumentierten Bräuche sogar älter sind als die chinesische Teekultur (mehr dazu gibt es bei Laura Kelley).Nara Green
Der Nara Green ist ein Grüner Tee aus dem Norden Myanmars, dem Kachin-Staat. Interessanterweise finden sich viele Informationen auf Englisch zu diesem Tee und dessen Anbaugebiet. Jährlich werden 10t in 1200m Höhe hergestellt und man verzichtet sogar auf Pestizide. Die Verarbeitungsmethode erinnert an japanische Sencha, er wird nämlich gedämpft und anschließend gerollt. Mit „health claims“ geht man in Myanmar offensichtlich entspannter um. So steht unter „healthy benefits“, dass der Tee unter anderem vor Krebs schütze.

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Nara Green – Grüner Tee aus Myanmar

Zubereitung
2g auf 100ml, ca. 80°C, kurze Ziehzeiten: 60/10/30/40

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Blatt
Die Blätter sind etwas gekräuselt und erinnern optisch sehr an Tamaryokucha, der ja auch rund und nicht zu Nadeln gerollt wird. Das Grün wirkt stellenweise etwas blass. Positiv ist, dass die Blätter gut von Stängeln und Holz getrennt wurden.

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Nara Green sieht Tamaryokucha ähnlich


Aroma
Die trockenen Blätter riechen süßlich-würzig, deswegen kommt Frau P. zunächst auf Schokolade. Ich muss aber auch ein bisschen an polnische Gurkensuppe denken. Vielleicht wegen der Säure?
Warm riecht es verblüffenderweise etwas schwächer. Direkt nach dem ersten Aufguss kommen Kräuter (Thymian?) hervor.

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Geschmack
Der erste Aufguss erinnert mich an meine ersten Erfahrungen mit Grünem Tee. So schmeckt doch auch der Gunpowder. Er wirkt etwas trocken. Zusammen mit der Säure wirkt er ein bisschen wie ein trockener Weißwein.

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Jetzt dominieren wieder die Kräuter. Ein ungewohnter und doch vertrauter Geschmack. Vielleicht Spuren von Salbei. Später entwickeln sich Parallelen zu Tamaryokucha und Pu Erh. Im vierten Aufguss zeigt er sich fruchtiger und süßer, baut aber auch etwas ab.

Mother’s Love
Leider gibt es zum Mother’s Love keine weiteren Informationen. Zumindest nicht auf Englisch. Auf der Rückseite sind nur ein paar englische Sätze zur gesundheitlichen Wirkung gedruckt, die in die selbe Richtung gehen, wie beim zuvor genannten Nara Green (bei dem Namen muss ich immer an Soylent Green denken, hehe).

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Zubereitung
Zubereitet wird der Tee wie der Soylent ääh Nara Green.

Blatt
Dieser Tee wurde offenbar ganz anders verarbeitet. Wir sehen große lange, nadelige Blätter, gut intakt. Häufig wurden die Stiele dran gelassen, weswegen die Blätter noch länger wirken. Solche Verarbeitungsarten habe ich schon einige Male gesehen, ein wilder Tee, den ich mal von Markus bekommen habe, hat gewisse Ähnlichkeit, doch am meisten erinnert er an klassischen Maocha, den ich von Tea Urchin probieren durfte.

Aroma
Die Blätter reichen von süß und würzig. Beim Mother’s Love geht die Würze allerdings eher ins Krautige. Das mag ich bei Pu Erh i.d.R. nicht so gerne. Hier ist es aber so dezent, dass es harmoniert und nicht negativ auffällt.
In der warmen shiboridashi dann die Überraschung: es duftet nach getrockneten Aprikosen und süßem Pfeifentabak. Diese Beschreibung habe ich schon oft von anderen Teefreunden gelesen, wenn sie Pu Erh beschrieben haben. Dies habe ich selten nachempfinden können, zu häufig wurden diese Aromen von Rauch, Sauerampfer oder Tabak überdeckt. Hier ist das anders!

Geschmack
Der Tee ist unkompliziert, süffig und süß. Eine ganz leichte krautige Note ist dabei, aber in dieser Konzentration nicht unangenehm. Schon beim zweiten Aufguss kehrt die Aprikose zurück, hält sich aber im Hintergrund. Erinnerungen an Maocha und den wilden Tee von damals kommen auf.

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Danach wird der Mother’s Green würziger, ganz leichte Röstnoten kommen durch wie bei einem Huangshan Maofeng? Die Süße nimmt zu, er bleibt süffig, wir haben unseren Spaß.

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Im weiteren Verlauf ändert sich die Süße, sie ist erst im Nachhall zu schmecken, kommt erst, nachdem man den Tee schon geschluckt hat. Auch die Würze wird vielschichtiger und ich denke an Muskat.

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Fazit
Das sind zwei sehr interessante Tees aus Myanmar, von denen ich viel lernen konnte. Myanmar gehört zu den ärmeren Ländern des asiatischen Raumes und ich war ein bisschen skeptisch gegenüber diesen Tees. Sie gehören zwar nicht zu den besten Tees, die ich je getrunken habe, aber vor allem der Mother’s Love schmeckt viel besser als so mancher Pu Erh, den ich probiert habe. Vielen Dank J.D. für diese Tees und für die Gelegenheit etwas über Myanmar und seine ethnischen Gruppen zu lernen.

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Wieder ein Pu Erh: Menghai Dayi 7542 aus dem Jahr 2007

Auf meiner Pu Erh-Reise mache ich heute Halt bei einem Klassiker unter den Pu Erhs, einem Tee aus dem renommierten Hause Menghai Tea Factory 孟海茶厂. Wie der letzte stammt auch dieser Pu Erh von einer der zahlreichen Probenaktionen von Chenshi Chinatee, die ich jetzt nach und nach verkosten darf. Vor einiger Zeit wurden im Teetalk-Forum Anfängern wie mir zwei weitere Pu Erh aus diesem Hause nahegelegt, weil diese „einfach nur schmeckten“ und man nicht viel verkehrt machen könne. Auch dieser Pu Erh scheint in dieses Schema zu passen, denn Chris schreibt dazu:

Der Menghai Dayi 7542 ist ein Klassiker unter den Plantagen Pu-erh Tees. Blattgröße und Blattgrad sind eher mittelmäßig, hier und dort sind auch ein paar Spitzen dabei. Trotzdem betrachten nicht wenige Experten den Menghai Dayi 7542, egal welchen Jahrgangs, als Maßstab für guten sheng Pu-erh Tee mit dem sich erst einmal andere messen müssen. Im Aroma ist er knackig, süß, kräftig, langanhaltend und irgendwie vertraut (Quelle).

Über Menghai Dayi gibt es bei Chris einiges Interessantes zu lesen und er erklärt auch, was es mit den verschiedenen Nummern der Pu Erh-Fladen auf sich hat. Daher begnüge ich mich an dieser Stelle damit, die gut auf den Punkt gebrachten Informationen interessierten Lesern zu empfehlen.
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Blatt
Aus dem Fladen lässt sich dieses Stück relativ einfach lösen. Die Blätter sind eher klein, hier und da blitzen einige helle Tips auf.
Geruch
Der Geruch ist unerwartet süß. So einen süßen Duft habe ich bei Pu Erh noch nie vernommen. Er liegt schwer in der Nase und lässt mich an Honig denken. Ist das wirklich Pu Erh? Bisher dachte ich immer, dass Pu Erh nach allem riecht, nur nicht nach genießbaren Lebensmitteln.
Im warmen Gaiwan wird die intensive Süße ergänzt durch einen mentholartigen Geruch, wie man ihn von Erkältungssalben kennt. Ein bisschen Kraut ist vielleicht auch dabei, aber eher dezent im Hintergrund.
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Geschmack
Der erste Aufguss ist noch sehr zahm, mittelsüß und der oben beschriebene Duft ist beim Trinken sehr präsent, erinnert zudem an ätherische Öle. Der nächste Gang ist schon fruchtiger und süßer, hat auch mehr Körper zu bieten. Gut so!
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Beim dritten Aufguss meine ich, eine frische und belebende Wirkung zu spüren. Vielleicht liegt es an der fruchtigen Säure? Danach lasse ich den 7542 ein bisschen zu lange ziehen, denn er wird herber, es zeigt sich eine hartnäckige Adstringenz, die einen interessanten Effekt im Rachen auslöst: Süße!
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Die Süße nimmt bei den folgenden Aufgüssen zu, sowohl im Rachen als auch im Mundraum. Danach (7.) entwickelt sich ein zedernartiges Aroma, auf der Zunge macht sich eine gewisse Kühle bemerkbar. Doch schon beim nächsten Aufguss ist diese wieder weg, es kribbelt am Gaumen und ich muss an Ingwer denken. Nein, das trifft es nicht ganz, es ist eher Ginger Ale, ja, genau!
Drei Aufgüsse mache ich noch, jeweils mit längeren Ziehzeiten. Ich zähle nicht mal mehr, gehe nur noch intuitiv vor. Wenn man an diesem Punkt angekommen ist, kann man bei so pflegeleichten Tees nichts mehr falsch machen (oder doch?). Geschmacklich hält sich die Assoziation zu Ginger Ale, Salatgurke verdrängt diesen Eindruck aber von Aufguss zu Aufguss, bis beim elften endgültig Schluss ist.
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Fazit
Ein wirklich guter Tee, der vom ersten Aufguss an schmeckt. Besonders finde ich an diesem Pu Erh, dass er weder Tabak noch Rauch aufweist. Ein großes Plus für mich! Andererseits verstehe ich auch, dass Pu Erhs aus diesem Hause unseren Hardcore-Freunden nicht abwechslungsreich genug sind. Ja, der Tee war einfach nur lecker, aber andererseits auch wenig herausfordernd bzw. nicht so viele Assoziationen weckend wie man es vielleicht von anderen Vertretern kennt. Wem es um puren Genuss geht und wer zunächst einen geschmacklichen Einstieg in die Pu Erh-Welt finden möchte, dem könnte vielleicht dieser Menghai Dayi 7542 eben jenen ermöglichen.

Longsheng Yiwu 2006

Der nächste Pu Erh auf meiner privaten Teereise ist einer aus dem Sortiment von Chenshi Chinatee. Chris ist der etwas andere Teehändler, der aufgrund seines Sinologie-Studiums und seiner chinesischen Frau gute Beziehungen zu Chinas Teewelt pflegt und immer wieder Schätze aus Fernost mitbringt. Auf Teetalk kennt man vor allem seine Sample-Aktionen, mit denen er die Mitglieder glücklich macht. Fünf waren es an der Zahl, ich habe jedes Mal mitgemacht, nur probiert habe ich die Pu Erhs selten, da mir die Zeit dazu fehlte.

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Meine neue Pu Erh-Tasse, die von der Größe perfekt zum Mini-Gaiwan passt
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Ich mag die raue und grobkörnige Oberfläche besonders gern

Heute schafft es aber der Longsheng aus Yiwu in die Tasse. Das Besondere an diesem Tee ist, dass er wunderschöne intakte Blätter hat und diese auch noch von ausgewachsenen Bäumen stammen sollen.

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Die Blätter lassen sich zum Glück leicht aus dem Bing lösen 
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Blatt
Man sieht viele schöne intakte Blätter und mag sie gar nicht voneinander trennen. Es sieht einfach zu schön aus, wie sie da ineinander verschlungen ein komplexes Ganzes ergeben. Dennoch muss ich da durch und schaffe es, einige Blätter ohne viel Bruch zu lösen.

Geruch
Der Longsheng hat einen sehr schweren und süßlichen Duft, der sich deutlich von den anderen zuvor verkosteten Pu Erh abhebt. Ist das darauf zurückzuführen, dass die Blätter von alten Bäumen sind? Liegt es an dem etwas höheren Alter? Oder doch die Lagerung? Zu viele Fragen und keine Antworten. Jedenfalls riechen sie auch etwas nach getrockneten Früchten (Pfirsich?) und etwas Leder. Im warmen Gaiwan nimmt der Pfirsich zu. Es ist auch etwas Tabak dabei, aber sehr dezent, was mir gefällt. Nach dem ersten Waschen riechen die Blätter etwas krautiger.

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Geschmack
Der erste Schluck beruhigt mich ungemein. Kein Tabak, kein Rauch, es kann also losgehen. Zum ersten Mal merke ich so etwas wie Menthol. Im Rachen bildet sich eine angenehme Kühle. Dazu ist der Aufguss leicht süß.

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Der zweite Aufguss hat mehr Körper und auch mehr Menthol. Danach wird es etwas krautiger mit Anklängen von Pfeffer. Das ist tatsächlich genießbar. Gefällt mir gut bis hier.

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Der kühlende Effekt im Rachen ist wirklich interessant. Fast spannender als der Tee, obwohl sich das jetzt etwas fies anhört. Auch beim fünften komme ich nicht aus dem Staunen heraus. Liegt das an den alten Bäumen, dass dieser Menthol-Effekt so stark ist?

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Der sechste Aufguss ist schön süß und hat wieder mehr Körper. Das kommt daher, dass ich ihn etwas länger ziehen lassen habe. Der Pfirsich kommt jetzt auch im Geschmack gut durch. Es geht weiter, der Longsheng ist dabei recht stabil im Geschmacksprofil. Einige Ausreißer gibt es aber doch. Beim zehnten notiere ich Stachelbeeren. Lecker! Danach wird es wieder krautiger (11.) und es kommt erstmals Sauerampfer mit etwas Leder (12.) durch. Danach ist aber Schluss.

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Fazit
Ich habe schon komplexere Pu Erh getrunken, aber noch keinen, der eine solche kühlende Wirkung im Mundraum hatte, Viel habe ich darüber gelesen, aber noch nie selbst erlebt! Auch im Geschmack habe ich nichts gefunden, was mich stört. Im Gegenteil, ich fand den Tee von Beginn an sehr angenehm. Etwas erstaunt bin ich von dem Preis, das hört sich nach einem sehr guten Preis-Leistungs-Verhältnis an. Wer sich für den Longsheng interessiert, findet ihn hier. Das ist also Pu Erh Nr. 3, der mir richtig gut gefällt. Mal sehen, was als Nächstes in die Tasse kommt.

Pu Erh: Mangfei 2008

Wie Ihr sicherlich schon mitbekommen habt, fällt es mir etwas schwer, mich mit Pu Erh anzufreunden. Letzte Woche war ich in Meckenheim bzw. Bonn und konnte die Gelegenheit nutzen, mich mit Gero zu treffen. Eine Verkettung ungünstiger Umstände führte dazu, dass wir weniger Zeit hatten als wir wollten, aber es reichte, um zwei Pu Erh zu trinken. Während der alte mir sehr gut schmeckte, hatte ich mit dem jungen Burschen vom letzten Jahr mal wieder so meine Schwierigkeiten. Ich habe daraus geschlussfolgert, dass es in der Pu Erh-Welt ganz einfach Tees gibt, die mir nicht gefallen. Es liegt jetzt an mir, systematisch vorzugehen und mehr über Pu Erh zu lernen, um dann eines Tages die Pu Erh zu finden, die ich wirklich trinken mag.

In den kommenden Wochen werde ich daher meine Pu Erh-Proben verkosten, die ich in den letzten zwei Jahren gesammelt habe. Heute beginne ich mit dem Mangfei 2008, es ist eine Probe von Bannacha. Von William hat mir ja bereits ein Jingmai sehr gut geschmeckt, vielleicht auch dieser hier, zumal er von William als guter Einstieg in die Pu Erh-Welt empfohlen wird. Wer an anderen Meinungen interessiert ist, findet bei Teetalk z.B. Geros Verkostungsbericht.
Die Blätter kommen aus dem Kreis Yongde vom Berg Mangfei. Verglichen mit dem Jingmai liegt dieser Ort also viel nördlicher. Ich denke aber nicht, dass ich anhand dieser Probe schon etwas über regionale Unterschiede sagen kann. Außerdem ist dieser Tee mit 5 Jahren auch nicht mehr der Jüngste und daher auch nicht direkt mit dem Jingmai von 2010 vergleichbar, den ich bereits verkostet habe.
Dosierung 
3g auf 60ml heißes Wasser, anfangs gieße ich den Tee sofort ab, später verlängere ich die Ziehzeiten intuitiv.
Blatt
Die trockenen Blätter haben eine dunkle Farbe angenommen. Hier und da leuchten goldene Tips auf. Da diese Probe überwiegend aus losen Blättern besteht, suche ich mir die gröbsten heraus, um Blattbruch zu vermeiden, die mir den Tee vielleicht verderben könnten.
Geruch
Trocken riechen die Blätter kaum. Ein bisschen Tabak, ein bisschen Fruchtsaft (aber welcher?). Im warmen Gaiwan wird es etwas deutlicher, es sind getrocknete oder geräucherte Tomaten. Es riecht auch etwas krautig und zum Glück nur wenig nach Rauch.
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Geschmack
Meine Skepsis wurde gleich mit dem ersten Schluck weggespült. Was ist das für eine krautige Süße? Für einen kurzen Moment meine ich noch Vanille zu schmecken, aber nicht das aufdringliche Vanillin. Diese Süße!
Der nächste Aufguss wird nun würziger und hat etwas mehr Säure, mir fallen aber keine Assoziationen ein.
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Beim Dritten kommt wieder die Süße hervor und ich finde Parallelen zum Honig. Nicht, dass er nach Honig schmeckt, aber es gibt da eine Gemeinsamkeit. Die Substanz erinnert an Likör, sie ist im ganzen Mund zu spüren.
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Danach wird er etwas spritziger, die Säure gleicht Sauerampfer, lässt mich danach an Sekt denken.
Selbst beim sechsten Aufguss ist die Süße noch da, sie wird vielleicht auch wegen der längeren Ziehzeiten etwas intensiver und bleibt im Mund lange erhalten.
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Nummer acht hat etwas von der Frische grüner Äpfel und wirkt leicht scharf (vielleicht Chilli?).
Der Neunte wird spannend. Er erinnert mich an einen ungewöhnlichen Longdrink, den ich vor Jahren getrunken habe. Der bestand hauptsächlich aus frischen Gurken und Ginger Ale.
Bis zum elften Aufguss dominiert Ginger Ale, ich meine sogar die würzige Schärfe des Ingwers zu spüren.
Es wird immer süßer und die Würze bzw. Fruchtigkeit des Ingwers begleiten mich bis zum 14. Aufguss. Ich könnte vielleicht noch weitermachen, wenn ich die Ziehzeiten auf über fünf Minuten erhöhe, aber ich kann nicht mehr. Zum Glück habe ich den Mini-Gaiwan von Stéphane, sonst hätte ich schon viel früher abbrechen müssen.
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Fazit
Fünf Jahre reichen nicht aus, um eine Spur Gemeinsamkeit mit einem 1990er Pu Erh aufzuweisen. Die Süße des Mangfei hat mir sehr gefallen. Er hätte zwar etwas komplexer sein können, vielleicht liegt das aber auch an mir, da ich sensorisch auf diesem Gebiet noch nicht besonders geschult bin. Es bleibt aber festzuhalten, dass mir dieser Tee wirklich geschmeckt hat, ich kann mir daher sehr gut vorstellen, weitere Vertreter dieser Region zu probieren. Von den jüngeren Pu Erh gefallen mir bisher also ein Jingmai und ein Mangfei.

Japanischer „Pu Erh“: Go-ishi-cha

DSC_0396Auf der Suche nach japanischen Tee-Raritäten stieß ich eines Tages auf einen außergewöhnlichen Tee, der auf den ersten Blick ein wenig an Pu Erh erinnert. Seit mindestens 400 Jahren wird er in der Präfektur Kôchi (高知県) auf der Insel Shikoku in einer Stadt namens Ôtoyo (大豊) hergestellt. Das Herstellungsverfahren ist sehr aufwendig und dauert insgesamt bis zu 60 Tage. Das erklärt den verhältnismäßig hohen Preis, denn für 50g dieses Tees muss man in Japan ca. 3000 Yen hinlegen, wofür man auch sehr anständige Gyokuro kaufen könnte. Trotzdem ist dieser Tee weitgehend unbekannt, taucht aber in einigen Aufzählungen japanischer Tee-Raritäten auf. Dank des Internets kann man den Tee immerhin online kaufen, das einzige Problem dabei ist, dass die wenigen Händler, die diesen Tee anbieten, meist kein Englisch sprechen und auch keinen Versand ins Ausland, geschweige denn eine Zahlungsmöglichkeit wie Paypal anbieten.
Auf den zweiten Blick ist dieser Tee dann doch etwas anders als Pu Erh. Das wird am Herstellungsverfahren schnell deutlich, denn für Pu Erh wird der Tee nach dem Pflücken in Pfannen erhitzt, damit die Blätter nicht oxidieren. Hier ist es anders, aber lest einfach weiter.
Kultureller Ursprung
Verfolgt man die Wurzeln dieser Herstellungsmethode zurück, gelangt man zu einer chinesischen ethnischen Minderheit aus Yunnan, den Bulang. Sie haben einen sauren Tee hergestellt, der zuerst durch Pilzkulturen fermentierte, und ihn dann in ein Bambusrohr gesteckt, um ihn unter der Erde zu lagern. Dadurch wurde die anaerobe Gärung in Gang gesetzt, in diesem Fall spricht man von Milchsäuregärung. Dieses Verfahren wird auch beim Go-ishi-cha angewendet, allerdings in abweichender Form.
Herstellung des Go-ishi-cha
Für diesen Tee werden zunächst im Juli die jungen Zweige mit den Blättern abgeschnitten und gesammelt. Es findet aber keine Selektion zwischen jungen und alten Blättern statt. In einem speziellen Kessel wird das Rohmaterial für 1 bis 2 Stunden mittels heißen Wassers bedämpft.
Die Äste und Stiele entfernt man später und legt die Blätter zunächst auf Strohmatten aus, welche mit selbigen bedeckt werden. In diesem Zustand verbleiben die Blätter 7-10 Tage. Da es in dieser Zeit in Japan sehr heiß und schwül ist, sind dies optimale Bedingungen für Pilze und Fermentation.
Der ausgetretene Saft, der vom Dämpfen übrig geblieben ist, wurde aufbewahrt, damit die Blätter nun mit diesem Saft zusammen in speziellen Fässern gelagert werden können. Mittels schwerer Steine wird von oben Druck ausgeübt, damit die Blätter zusammengepresst werden. 20 Tage Lagerung in diesem Zustand führt zur Milchsäuregärung.
Als nächstes schneidet man die Blätter, die jetzt fast eine feste Masse bilden, heraus. Dabei werden sie in die Form kleiner rechteckiger Klötze gebracht. Da diese Form an Go-Spielsteine erinnert, wird der Tee Go-Stein-Tee (Go-ishi-cha 碁石茶) genannt. Bei gutem Wetter werden sie in die Sonne zum Trocknen gelegt. Es dauert aber bis zu drei Tage, bis sie vollständig trocken sind und abgepackt werden können. Bilder zum Herstellungsprozess kann man auf dieser japanischen Seite sehen. 

Bergtee 山茶
Da der Tee in einer hohen Lage geerntet und produziert wird, spricht man auch vom Berg-Tee, der sich besonders gut für die Teeproduktion eignet. Dieser Tee wird in einer Höhe von 430 Metern über dem Meeresspiegel angebaut. Im Vergleich zu Indien, Ceylon, Taiwan und China mag das nicht viel sein, aber es ist genug, damit das Teefeld von Wolken bedeckt und die Länge des Tageslichts erhöht wird.

Zubereitungsweisen
Es gibt zwei Möglichkeiten, den Tee zu brühen. Die erste und einfachste ist, ein Rechteck in ein Kännchen von ca. 300-400ml zu geben, mit kochendem Wasser aufzugießen und 4-5 Minuten ziehen zu lassen. Diesen Vorgang kann man bis zu fünfmal wiederholen, ohne dass sich dabei der Geschmack wesentlich verändert.
Die zweite Methode habe ich noch nicht ausprobiert. Dafür nimmt man ein Rechteck und tut es in einen 1-2l großen Kessel. Dann füllt man Wasser hinein und erhitzt den Kessel bis er kocht. Sobald das Wasser kocht, lässt man den Tee ca. 10 Minuten bei mittlerer Hitze weiterköcheln und fertig ist der Tee. Dies lässt sich ein weiteres Mal wiederholen.

Für meinen ersten Versuch kommt nur meine Oribe-kyûsu infrage, da nur sie ein Volumen von über 300ml erreicht. Ich habe sie auf einem Keramikfestival in Tajimi erstehen können. Da sie innen glasiert ist, kann ich sie vielseitig einsetzen.

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Oribe-kyûsu und zwei Yunomi aus Karatsu und Kôbe

Duft
Die kleinen Rechtecke sollen zwischen 2-3g wiegen. Ich habe dieses kleine Stück nachgewogen und es entspricht tatsächlich dieser Angabe. Interessant finde ich, dass man die Blattstruktur der aufeinander liegenden Blätter sehr gut erkennen kann. Die Blätter sind sehr dunkel und ähneln dem Farbton eines gereiften Pu Erh. Der Duft ist sehr dominant, anfangs etwas säuerlich. Die Packung wurde ein paar Wochen lang nicht geöffnet, vielleicht haben sich die Aromen etwas angestaut.

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Go-ishi-cha

Die Aromen erinnern an getrocknete Früchte, vor allem aber an Pflaumen und Lakritz. Im Hintergrund ist eine starke Säure gepaart mit Bienenwachskerzen. Ich erinnere mich an Lakritzschnecken, die ich an einem heißen Sommertag aus der Tüte holte.

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Blatt
Beim Begutachten der Blätter fällt mir zuerst die gepresste Struktur der Blätter ins Auge. Man kann die einzelnen Lagen sehr gut erkennen. Fast jede Lage besteht aus zwei Blättern, die ungewöhnlich groß sind. So große Blätter haben nicht viele Tees, aber bei Oolong kann das schon mal vorkommen.

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Erster Aufguss in der Oribe-kyûsu

Aroma und Geschmack
Nach dem ersten Brühen ändert sich der Duft. Die Blätter sind jetzt heiß und duften mehr nach Zitrone, aber auch nach etwas, was Chlor (Zitat Frau P.: „Schwimmbad!“) am nächsten kommt. Nicht ganz so angenehm, aber man soll den Tee ja schließlich trinken, ne?

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Die Brühe ist nach so viel Ziehzeit dunkelgelb, ich hätte einen dunkleren Farbton erwartet. Im Geschmack befürchte ich Schlimmes, nachdem ich von Gero gehört habe, dass der Tee unglaublich sauer schmeckt. Ich habe ihm zu Weihnachten eine kleine Probe davon gegeben, ohne selbst etwas von dem Tee probiert zu haben. Aber da Gero den Tee anscheinend wie einen Pu Erh zubereitet hat und ich mich an die Empfehlung des Herstellers halte, sind die Befürchtungen unbegründet. Um Gero zu überraschen, habe ich ihm nicht verraten, um welchen Tee es sich handelt.
Beim ersten Schluck denke ich zunächst an Zitronentee. Die Säure macht den eher leichten Tee sehr erfrischend. Bei genauerem „Hinschmecken“ zeigen sich noch Süßholz- bzw. Lakritzaromen. Doch da ist noch etwas, etwas, das typisch japanisch schmeckt. Es handelt sich um zwei Algenarten, die häufig verwendet werden: Konbu und Hijiki. Vielleicht ist das der Grund, weswegen man diesen Tee auch zum Kochen von Reissuppe verwendet.

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Zweiter Aufguss in der Karatsu-Tasse

Der zweite Aufguss ist etwas heller und schmeckt noch frischer, ist noch vollmundiger. Einfach lecker!

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Auch beim dritten Aufguss lässt der Tee kaum nach. Angeblich würde er sogar noch zwei weitere Runden durchhalten, aber wir sind uns einig, dass wir nach 600ml pro Nase erstmal genug haben und brechen an dieser Stelle lieber ab. Geschmeckt hat er uns aber, dieser ungewöhnliche Japaner.

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Schöne erhaltene Blätter

Fazit
Es ist immer wieder schön, wenn man in der Teewelt unbekannte Schätze entdeckt. Mich hat der Tee und sein eigentümlicher Hintergrund sehr begeistern können. Frau P. und ich sind uns einig, dass wir den Tee gerne ein weiteres Mal trinken werden. Mich würde noch interessieren, wie der Go-ishi-cha schmeckt, wenn man ihn wie einen Pu Erh zubereitet. Gero hat damit schon Erfahrungen gesammelt und wird mir daher den ein oder anderen Tipp geben können. Vielen Dank an Familie Hyoma für diese edle Spende!

Pu Erh: eine Frage der Genussfähigkeit?

Angeregt durch mein Ringen mit der Frage, ob ich Pu Erh überhaupt genieße oder mir den Genuss nur einbilde, stieß ich auf ein paar interessante theoretische Anätze über Genussfähigkeit von Lebensmitteln, die ich mit euch teilen möchte.

Was als Genuss gewertet wird, ist zunächst kulturell bzw. sozial bedingt. In Deutschland gilt Brot beispielsweise als äußerst genießbar, aber fragt mal Menschen aus Kulturen, in denen Brot höchstens als Toastbrot bekannt ist. Ich habe schon häufiger festgestellt, dass Freunde aus dem Ausland mit diversen Brotsorten zu kämpfen hatten, weil sie ihnen einfach nicht schmeckten.
Geschmack ist außerdem ein Merkmal gesellschaftlicher Differenzierungsprozesse. Soziale Milieus grenzen sich gegeneinander ab, wenn sie beispielsweise Kaviar als Schickimicki oder ein Bauernfrühstück als unkultiviert bezeichnen. Sag mir, was du isst und ich sag dir, woher du kommst, würde Bourdieu sagen. Dem armen Bauern schmeckt der Tee mit Zitrone ganz vorzüglich, dem Adeligen mundet nur die gehobene Qualität, heute wäre es der 50 Jahre alte Pu Erh, der so viel kostet wie ein Neuwagen oder die begehrteste Pflückung des  Long Jing, die einen höheren Grammpreis erzielt als Gold.

Was bedeutet das in Bezug auf Tee? Es bedeutet, dass es von unserer Herkunft abhängt, ob wir überhaupt einen Zugang zu Tee haben oder finden. Sie bestimmt auch, mit welchen Lebensmitteln wir aufwachsen, welche Essgewohnheiten wir entwickeln und was wir schließlich als lecker empfinden. Ferner bedeutet es auch, dass wir mittels unseren Essgewohnheiten unseren materiellen Wohlstand ausdrücken. Dies geschieht bewusst bzw. unbewusst und Tee kann dabei schnell zum „Prestigeschluck“ werden.

Interessant wird es, wenn man versucht seine natürlichen Geschmacksgrenzen zu durchbrechen. Viel hängt davon ab, mit welcher Einstellung man den Tee trinkt. Man benötigt eine gewisse geistige Offenheit für bestimmte Teesorten, weil der Geschmack ungewohnt sein kann. Was tut man, wenn man die Aromen zwar aus (auf den ersten Blick irritierenden) Kontexten kennt und plötzlich im Mund hat? Gras, Holz, Pilze, Waldboden, alte Bücher und Blumenerde sind nicht gerade Aromen mit denen man kulinarisch aufgewachsen ist. Der eine wird den grasigen Duft eines Sencha lieben, ein anderer hingegen ablehnen. Hier kann einem ein skeptischer Ansatz à la „was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht“ also durchaus im Wege stehen.

Genuss lässt sich nämlich auch erlernen. Ich erinnere mich sehr gut daran, dass ich viele Lebensmittel beim ersten Versuch abstoßend fand. Pilze, herbes Bier, Nattô und eingelegter Ingwer sind meine persönlichen Beispiele für Genussmittel, an die ich mich erst gewöhnen musste und jetzt sehr gerne mag. Erneutes Probieren hat dazu geführt, dass ich mich an den Geschmack gewöhnte und eines Tages als lecker empfand.

In der Soziologie und Erziehungswissenschaft wird Bildung neuerdings als ein möglicher Schlüssel für ein tieferes kulturelles Erlebnisvermögen angesehen. Wer sich kulturell bildet, ist eher in der Lage, klassische Musik und Kunst zu genießen. Die Genussfähigkeit ist also nicht endgültig determiniert, sondern negativ ausgedrückt manipulierbar. So lange am Ende ein echter „Lustgewinn“ (Freud lässt grüßen) entsteht, kann dies uns egal sein. Es würde sogar Sinn machen, diesen Umstand für uns zu nutzen und unsere Genussfähigkeit zu erweitern, indem wir unseren Horizont öffnen.

Etwas, was nicht auf Anhieb schmeckt, kann im wahrsten Sinne des Wortes genießbar werden. Unsere geschmacklichen Präferenzen sind nicht angeboren, sondern gelernt. Holz-Aromen können für Wein- und Whisky-Liebhaber durchaus positive Charakteristika sein, wieso also nicht auch für Teetrinker? Wer neuen Tee probiert, sollte vielleicht versuchen, sich die geistige Offenheit eines Reisenden für die kulturellen Schätze dieser Erde zu bewahren. In jeder Kultur gibt es eine Vielfalt an kulinarischen Besonderheiten, die erst auf den zweiten oder dritten Biss (oder Schluck) zum Genuss werden. In Japan isst man z.B. Algen, Miso und Tofu – geschmacklich für viele Westler eine unbekannte und gewöhnungsbedürftige Welt. Es ist nicht zu spät, diesen Geschmack neu für sich zu entdecken und so ist es auch mit Tee. Schließlich sind erlesene Tee-Spezialitäten ausländische Erzeugnisse und es kann sich lohnen, sich auf sie einzulassen, selbst, wenn sie einem nicht sofort zusagen. Andererseits macht es auch wenig Sinn, sich zum Genuss zu zwingen, wenn der Würgreflex kommt.

Vor diesem Hintergrund ist Pu Erh vielleicht das Mittel der Wahl, um die eigenen natürlichen Grenzen der Genussfähigkeit zu durchbrechen. Wahrer Genuss stellte sich bei mir bisher nur selten. Diesbezüglich habe ich also noch viel Luft nach oben. Aber ich versuche es hartnäckig weiter.

Pu Erh: Mehr Fragen als Antworten

Ich bin grundsätzlich ein Mensch, der gerne Neues probiert. Vielleicht ist das sogar eine große Schwäche, weil ich mich nie mit einem Tee zufrieden gebe. Bei einem wohlschmeckenden Tee stehenzubleiben, ist nicht mein Ding, stattdessen bin ich der Überzeugung, dass es noch so viel Unentdecktes gibt, dass der Tee von heute vom Tee von morgen übertroffen werden kann. Zwar gibt es einige Teesorten, auf die ich mich festgelegt habe, aber das sind ausschließlich Schwarztees. Bei Pu Erh hingegen bin ich noch fast ein unbeschriebenes Blatt. Es gibt einige Pu Erh, die mir geschmeckt haben. Dazu gehört z.B. ein ganz gewöhnlicher Jingmai aus dem Jahr 2010. Neben diesem Tee gab es allerdings eine ganze Reihe Pu Erh, die mir gezeigt haben, was ich nicht mag.

Dazu gehört ein zu intensives Tabakaroma gepaart mit Rauch. Mir als ehemaligem Raucher kommen dabei bereits beim ersten Spülen des Tees negative Assoziationen, wie z.B. das Abwaschen des Aschenbechers unter fließendem Wasser. Zum Glück soll zumindest der Rauch über die Jahre schwächer werden, doch ob der Tee je den Zustand erreicht, in dem er mir schmeckt, kann nur die Zeit bzw. meine Geduld beantworten.

Der Geschmack eines Pu Erh unterscheidet sich meiner Meinung nach eh komplett von dem seiner Verwandten wie z.B. Grün- oder Schwarztee. Der Geschmack und Duft der letztgenannten Sorten erinnern häufig an Aromen aus der Welt des Kulinarischen. Sicherlich gibt es dabei Ausnahmen, aber für mich ist es die Regel. Bei Pu Erh hingegen ist es genau andersherum. Es sind häufiger Aromen aus der Umwelt und das ist irritierend. So ertappe ich mich häufig dabei, wie ich auf der Suche nach der passenden Assoziation wie in einem Nebelfeld umherirre. Die Aromen, die ich für mich identifiziere, hören sich für unkundige Leser vielleicht noch irritierender an. Wer möchte schon auf einem Stück Leder herumkauen oder flüssiges Holz im Mund spüren. Waldboden, Moos oder der Geruch von alten Büchern – das alles mag abenteuerlich und zuweilen nostalgisch klingen, aber sind diese Aromen genießenswert? Zumal man für diesen Geschmack immer tiefer in die Tasche greifen muss, da Pu Erh auf dem chinesischen Markt immer stärker nachgefragt wird. Was macht den Genuss von Aromen aus, die eigentlich ungenießbar sind? Genießen wir, weil wir es können, weil es vielleicht sonst keiner tut und wir deswegen denken, wir würden etwas Besonderes tun? Zu dieser Frage hat Jinx eine gute Antwort für sich gefunden, die Neugier auf den Geschmack. Das kann ich bejahen, aber diese Fragen stehen für mich immer im Zusammenhang mit der Einsicht, dass Schwarztees oder Oolong solch exquisite Aromen exotischer Früchte enthalten können, dass der Genuss jener zumindest „authentisch“ und für Außenstehende nachvollziehbar ist. Frau P. hat da ihre eigene Meinung. Wenn ich sie Pu Erh kosten lasse, dann sagt sie immer, dass es zwar nicht schlecht rieche bzw. schmecke, nur halt nicht nach etwas Ess- bzw. Trinkbarem, weswegen sie ihm nichts abgewinnen könne.

Meine vorläufigen Antworten klingen daher eher nach Ausreden. Und überhaupt bereiten mir Pu Erh ganz andere, viel existenziellere Sorgen wie die der richtigen Zubereitung. Denn manchmal schmeckt mir ein hochdosierter Pu Erh, den man über 20 mal aufgießen kann, gar nicht. Das ist mir letztens aufgefallen, als ich einen Dayi zubereitet habe. Das Seltsame daran ist, dass er mir vorher geschmeckt hat. Liegt es an meiner Tagesform oder habe ich falsch dosiert? Dann bin ich dazu übergegangen den Tee, wie einen Schwarztee zu brühen: ein paar Blätter in die Gaiwan, kochendes Wasser drüber und nach drei Minuten abgegossen. Das Ergebnis war verblüffend und kaum wiederzuerkennen, denn der Aufguss schmeckte richtig fruchtig, fast wie ein Grüntee. Sollte ich jetzt alle so zubereiten oder einfach noch mehr experimentieren? Auch ein Versuch mit einem Ming Feng von Bannacha bestätigt meine Präferenz dieser Zubereitungsmethode bei jungen Pu Erh. Ist es vielleicht deswegen, weil junge Pu Erh konventionellen Grüntees ähneln wie Marshaln in seinem Blog beschreibt?

Wie ihr seht, werte Leser, entpuppt sich Pu Erh als eine große Herausforderung an mich selbst, an meine Sinne, an meinen Verstand und an meine Urteilskraft. Die Beschäftigung damit ist andererseits sehr fruchtbar, denn sie regt zum Nachdenken an. Und schließlich scheint Pu Erh, wie kein anderer Tee die Kraft zu haben, jemanden in seine Kindheit zurückzuversetzen und ihn an längst vergessene Begebenheiten zu erinnern. Diese Eigenschaft hat Gero letztens sehr gut auf den Punkt gebracht.

So bleibt Pu Erh für mich ein spannendes und forderndes Thema. Gerade weil der Genuss nicht unmittelbar erfolgt, hat er das Potenzial, ein tiefgründigeres Erlebnis zu erzeugen. Oder ist das alles nur Einbildung?