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Purple Tea aus Kenia

Heute habe ich mir die Zeit für eine besondere Teesorte genommen. Wie der Titel es schon sagt, geht es heute um Purple Tea, was wortwörtlich zu verstehen ist. Vor langer Zeit habe ich bereits einen Purple Tea im Blog vorgestellt, jener kam aber aus China. Heute geht es um einen Purple Tea, der in Kenia hergestellt wird.

Was ist Purple Tea?

Purple Tea wird aus einer Strauchsorte hergestellt, die in den Blättern viel Anthocyane anreichert. Dieser Stoff sorgt für die ungewöhnliche Färbung und kommt beispielsweise auch in Blaubeeren und Brombeeren vor.

Welche Aufgabe hat der Farbstoff?

Der Farbstoff erfüllt mehrere Zwecke. Zum einen wandelt er die kurzwellige UV-Strahlung in Wärme um und schützt dadurch die Proteine und die DNA. Weiterhin werden Freie Radikale im Pflanzensaft gebunden und die Pflanze so vor oxidativem Stress geschützt. Daher verwundert es nicht, dass der Hersteller mit genau diesem Effekt seine Produkte bewirbt.

Woher kommt Purple Tea?

Sträucher, die Anthocyane bilden, kommen in China natürlich vor. In Kenia sind sie eine relativ junge Erscheinung und das Ergebnis einer fast 25jährigen Forschung. Der Hauptgrund für die Verbreitung des Purple Tea ist aber die abnehmende Nachfrage nach kenianischem Schwarztee, der die Teebauern dazu veranlasste, auf eine ganz eigene Teesorte zu setzen, die selbst in China eine Seltenheit ist.

Wir haben bei meinem Arbeitgeber drei Muster dieses Tees angeboten bekommen. Und einen davon möchte ich dir heute vorstellen.

Das Blatt

Der Purple Tea hat ein äußerst intaktes Blatt, das macht den Tee sehr voluminös. Die vielen langen, drahtigen Blätter sind ineinander verhakt und ich habe Mühe sie auseinander zu bekommen. Mir gefällt, was ich sehe. Ich mag es, wenn man beim Anblick eines Tees noch die Blätter erkennt. Was man aber auch sieht, ist, dass die Blätter teils ganz schön groß sind.

Der Duft

Auch wenn alle Sorten ihr jeweils eigenes Aromenprofil haben, haben sie eine Gemeinsamkeit, die schwer zu greifen ist. Der Duft des FOP (Flowery Orange Pekoe) ist etwas irritierend. Anfangs kann man zwar noch mit gutem Willen von Erdbeermarmelade sprechen, aber wenn man auf den Tee ausatmet, zeigen sich ganz andere und ungewohnte Aromen, die schwer einzuordnen sind. Und obwohl ich Andersartigem aufgeschlossen gegenüber stehe, wirkt dieser Duft eher abschreckend auf mich.

Nach dem ersten Aufguss zeigt sich eine leichte Blumigkeit. Und bereits jetzt erkennt man eine Parallele, die sich auch bei den folgenden Aufgüssen ziehen lässt. Der Tee hat Ähnlichkeit zu Maocha, dem Ausgangsmaterial von Pu Er.

Der Geschmack

Laut Herstellerangaben soll man den Tee 3-5 Minuten ziehen lassen und mit einem Schuss Zitrone verfeinern. Die Zugabe von Honig ist ebenfalls möglich. Daraus habe ich abgeleitet, dass man dem Tee grundsätzlich lange Ziehzeiten zutrauen kann. Falsch gedacht. Der Tee wurde ungenießbar. Ich brauchte einen zweiten Versuch mit kürzeren Ziehzeiten, den Tee sollte man eher wie einen Grüntee zubereiten.

Wie schmeckt er nun? Der erste Aufguss ist von der Farbe her schon fast spektakulär. So eine Farbe, die tatsächlich in Richtung Lila geht, habe ich bei einem Aufguss noch nicht gesehen. Doch leider ist das auch schon alles, was mich am ersten Aufguss begeistert.

Der Tee schmeckt komisch krautig, hat einen langen Nachgeschmack und erinnert Frau P. an Metall. Es gibt eine leichte Parallele zu Maocha, aber Maocha schmeckt mir in der Regel besser. Die weiteren Aufgüsse verlieren zwar die schöne Farbe, aber dafür schmecken sie milder und besser. Mit ein bisschen wohlwollender Fantasie erkennt man die Erdbeermarmelade vom Anfang, aber vielleicht ist da auch der Wunsch der Vater des Gedanken.

Fazit

Purple Tea finde ich noch immer sehr spannend, vor allem, weil er aus Marketing-Sicht großes Potenzial hat. Doch es wird seine Gründe haben, warum dieser Tee in Deutschland kaum verbreitet ist. In der Regel ist man im Teehandel dankbar für Sorten, die aus der Reihe fallen, doch hier muss geschmacklich noch nachgebessert werden, wenn der Tee nicht nur aus gesundheitlichen Gründen getrunken werden soll. Wer sich für den Tee interessiert, kann sich auf der Seite des Herstellers informieren und sich eventuell auch eine Packung kaufen.

Mein persönlicher Weihnachtstee: Lila Pu Erh (Mo Zhen)

Weihnachten ist für mich immer eine besondere Zeit. Ich weiß, dass viele Leute von Weihnachten und dem ganzen Kommerz drumherum schon lange genervt sind und bei den Weihnachtsliedern, die ständig im Radio laufen, die Augen rollen. Gut, der Kitsch wird häufig übertrieben und der eigentliche Sinn ist schon lange aus den Augen verloren. Daher ist meine Freude vielleicht etwas erklärungsbedürftig. Ich mag Weihnachten wegen der christlichen Botschaft, die sich im Wesentlichen auf Nächstenliebe konzentriert, also auf den Anderen und nicht auf einen selbst. Und die Nächstenliebe ist ja eine Eigenschaft, welche uns Christen auszeichnen sollte und woran ich mir gerne ein Beispiel zu dieser Zeit nehme, wenn ich meine Prioritäten, die ich mir so gesetzt habe, nochmal überdenke. Ich freue mich auf meine Familie und auf die Tradition den anderen etwas zu schenken. Schon früh habe ich gemerkt, dass es mir mehr Freude bereitet jemandem ein Geschenk zu schenken, über das er sich freut, als beschenkt zu werden.
Diese besondere Zeit nutze ich auch gerne für besondere Dinge, schließlich wird ja ein Geburtstag gefeiert. Da darf auch mal etwas Feines zubereitet werden. Dieses Jahr habe ich fast jeden Tag in der Bibliothek verbracht und hatte wenig Zeit meinen Hobbys nachzugehen, doch Samstag war endlich wieder so ein Tag. Weil Weihnachten zum Greifen nahe war, habe ich die Lust verspürt den Augenblick mit einem besonderen Tee zu feiern, den ich vor einigen Wochen von Frau Meyerhöfer-Wolf vom Teehaus Krefeld als Probe geschenkt bekommen habe.Der Tee ist deswegen etwas besonderes, weil er aus einer Variation der Teepflanze gewonnen wird, die sich in besonders heißen Sommern mit einem Stoff zu schützen weiß, der Anthozyan heißt und die Blätter färbt. Sie sind dann nicht mehr grün, sondern können lila, manchmal sogar rot werden. Für diese Färbung ist der Stoff Anthozyan verantwortlich, welches gleichzeitig zu den Phenolen gehört, die eine positive Wirkung auf die Gesundheit haben und wichtige Geschmackstoffe sein können. Kurze Nebenbemerkung: Diese Variation soll mittlerweile sogar in Kenya angebaut werden. Der Name des Tees lautet Mo Zhen und er soll von über 300 Jahre alten Bäumen stammen.

Der Tee besteht ausschließlich aus feinen nadeligen Spitzen wie man es sonst von der Silbernadel (Yin Zhen, ein weißer Tee) kennt. Auch der Mo Zhen hat diesen weißen Flaum an einigen Blättern, welche für einen silbrigen Schein sorgen. Schaut man sich die Blätter an, sieht man die lila Färbung kaum oder nur mit etwas Fantasie. Das Grün überwiegt eindeutig, was daran liegt, dass die frischen Blätter überwiegend grün sind und diese Färbung uneinheitlich auftritt. Aber selbst auf diesem Foto kann man einige Blätter sehen, die leicht in diese Richtung tendieren.
Der Duft überrascht. Ich bin kein Pu Erh-Experte und habe bisher vielleicht etwas über 20 Sorten probiert, aber dieser Tee ist anders und gibt ein feines Aroma ab, welches mich an Blüten und Pollen erinnert. Auch daher kommt gleich die Assoziation zu Honig auf. Pu Erh ging für mich sonst immer in eine rustikalere Richtung wie Rauch, Pilze, Walderde, Leder und Holz.
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3g Tee auf 60ml kochendes Wasser
Vor einiger Zeit habe ich bei Stéphane eine Gaiwan (chinesische Deckeltasse) gekauft, die eine feine Seladon-Glasur trägt und sich durch einen sehr dezenten Blaustich auszeichnet. Das besondere ist nicht die Glasur, sondern die Größe: Der Inhalt beträgt nur 60ml! Stéphane hat mir mit seinem Blog diese „Mini-Gaiwan“ schmackhaft gemacht, weil man durch die kleinere Größe weniger Tee verbraucht. Tee (und somit Geld) Sparen ist aber nicht der eigentliche Grund für den Kauf gewesen. Gerade bei Pu Erh und einigen Oolong-Sorten habe ich gemerkt, dass ein größeres Gefäß mit sagen wir 180ml (also das Dreifache) über die Aufgüsse so viel Tee ergibt, dass ich die Lust am Tee verliere, ehe der Tee ausgeschöpft ist. Mit dieser Gaiwan entgehe ich diesem Problem, weil ich nicht gezwungen werde, mehrere Liter in kurzer Zeit zu trinken.
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Im aufgewärmten Gaiwan werden die Aromen des Tees deutlicher. Neben dem Blüten- und Honigduft kommen leichte Röstnoten auf, die mich spontan an Long Jing erinnern. Eine interessante Mischung mit einer Würze wie bei Kemmsche-Keksen.
Nach einem kurzen Spülgang lasse ich die Blätter kurz ziehen und beobachte die Veränderung des Aromas. Die feinen Noten werden deftiger und krautiger. Bei Pu Erh kommt häufig Kampfer durch, bei diesem aber muss ich eine polnische Suppe denken, die aus Wiesen- und Sauerampfer hergestellt wird. Eine schöne Kindheitserinnerung. Der Honig gerät in den Hintergrund und besonders auffällig ist, dass keine Spuren von Rauch wahrnehmbar sind. Schön!

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Der erste Aufguss ergibt ein kräftiges Gelb-Orange

Der erste Aufguss lässt mich zuerst an Grüntee denken. 15 Sekunden Ziehzeit ergaben einen nicht allzu starken Geschmack, der leicht süß und wie ein chinesischer Tianmu erschien. Der Duft des nassen Blattes wurde komplexer mit Spuren von Vanille (ich) und Schokolade (Frau S.).

Der zweite Aufguss wurde stärker und vollmundiger. Ein bisschen Kampfer kommt jetzt aber doch durch und beim dritten Aufguss wurde er auch im Geschmack krautiger.

Beim vierten Aufguss konnte ich auch im Geschmack die Parallele zur Ampfersuppe schmecken. In Japan gibt es für den Ausdruck nostalgischer Momente ein Adjektiv, welches mir im Deutschen fehlt: Natsukashii! Wie gerne würde ich wieder diese Suppe essen!

Im fünften Aufguss ist die Süße besonders herausragend, die sich bis in den nächsten Aufguss zieht. Im siebten und achten Aufguss wurde sie wieder durch krautige Aromen abgelöst, die mich an Grünkohl denken ließen. In der Nase aber waren es die Kemmsche-Kekse. Interessante Mischung.

Ab dem neunten Aufguss ließen die oben beschriebenen Aromen nach und der Tee entwickelte sich wieder in Richtung Grüntee mit einer fruchtigen und spritzigen Säure. Auch diese Aromen ließen mit den Aufgüssen nach, aber es konnten insgesamt 13 Aufgüsse (knapp 800ml Tee) zubereitet werden.

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Bei einigen Blättern kann man leichte Färbungen erkennen, die lila erscheinen.

Die Teeblätter bestehen ausschließlich aus jungen Teeblättern und Knospen, die häufig in der bekannten „two leaves and a bud“-Konstellation vorkommen. Sie sind in einem sehr guten Zustand und an einigen kann man Verfärbungen erkennen, die mich eigentlich an Oxidationsspuren erinnern würden. Aber vor dem Hintergrund, dass die Blätter diese Farbe von Natur aus haben sollen, ist die Färbung wohl eher auf das Anthozyan zurückzuführen.

Fazit: Der Mo Zhen ist (zumindest für mich) kein typischer Pu Erh und eine Empfehlung für all jene, die ein dominantes Tabak- und Rauch-Aroma nicht mögen oder Pu Erh bevorzugen, die geschmacklich in Richtung Grüntee tendieren. Auch Einsteigern, die schlechte Erfahrungen mit Pu Erh gemacht haben, sei dieser Tee ans Herz gelegt. Doch wie kommt das eigene Aroma zustande? Ist es deswegen, weil besonders junge Blätter benutzt werden? Und wie hoch ist der geschmackliche Anteil, der auf die Merkmale der Tee-Variation zurückgeht? Da ich keine Vergleichswerte habe, muss ich die Fragen aufschieben. Ich danke dem Teehaus Krefeld für diese interessante Erfahrung und wünsche allen Lesern ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest!

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