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Jun Chiyabari hand-rolled Himalayan Tips Tasting Notes

Der Garten Jun Chiyabari ist vielleicht der experimentierfreudigste unter den Gärten Nepals. Neben den Klassikern First und Second Flush scheuen die Brüder keine Mühe und experimentieren mit vielen Kultivaren und Macharten. In der Vergangenheit habe ich bereits über den Imperial Black und den Teegarten geschrieben.

Als ich das letzte Mal mit nepalesischen Teebauern gesprochen habe, vernahm ich ebenfalls die Bestrebung, einen Tee für Nepal zu finden, der in der Teewelt ein Alleinstellungsmerkmal hat. Ich halte das für schwierig, denn es gibt in Nepal mehrere Teeproduzenten, die vielleicht unterschiedliche Vorstellungen darüber haben, wie dieser Tee aussehen soll. Dabei kann Nepal zur Zeit eines sehr gut: Tee im Stile Darjeelings zu machen, ohne dabei absurde Preise zu verlangen. In diesem Zusammenhang, habe ich bereits die Frage aufgeworfen, ob Nepaltee nicht der bessere „Darjeeling“ sei.

Der Garten Jun Chiyabari (Photo credit: Jun Chiyabari Tea Garden)

Der Teemarkt gibt auf diese Frage bereits Antworten, Nepal ist dabei, über den Status als Alternative zu Darjeeling hinauszuwachsen. Dazu trägt sicherlich bei, dass Darjeelings Pflanzenmaterial so alt geworden ist, dass es immer schwieriger wird, daraus guten Tee zu machen. Nepal hingegen hat viel jüngere Pflanzen und damit theoretisch sogar die besseren Voraussetzungen.

Genug zum Hintergrund, widmen wir uns nun endlich dem Tee. Als ich das Ankunftsmuster des Tees zum ersten mal probierte, war ich überwältigt von der Intensität des Bouquets. Mein Interesse war geweckt, deswegen kontaktierte ich Bachan Gyawali, einen der beiden Jun Chiyabari Brüder, und fragte nach weiteren Informationen.

Bei diesem Tee wurden tatsächlich alle möglichen Schritte per Hand ausgeführt. Vier Mal im Jahr stellt Jun Chiyabari einen handgerollten Tee her, in jeder Jahreszeit einen. Die Unterschiede sind entsprechend groß, der vorliegende Tee ist aus der Sommerernte.

Das Blatt

Das Blatt enthält viele Blattspitzen, die sich farblich abheben. Auffällig ist die intakte und voluminöse Blattstruktur. Der Tee ist eine Augenweide, Blattbruch sucht man vergebens.

Das Aroma

Der Duft der trockenen Blätter ist betörend. So intensiv süß und fruchtig ist das Aroma selten bei einem Second Flush. Ich rieche Akazienhonig, Fliederbeere und ein bisschen Kuchenkruste.

In der vorgewärmten Kyûsu ist die Honigsüße so dominant, dass ich daneben kaum noch etwas rieche. Ich muss an Oolong wie Oriental Beauty denken. Es findet sich aber auch die Nussigkeit eines typischen Second Flushs in Form von Hasel- und Erdnüssen.

Der Geschmack

Zubereitet wird der Schwarztee wie immer nach der Methode für gehobene Schwarztees. Was mich an diesem Tee von Anfang an fasziniert, sind die Süße und Blumigkeit, die mich wieder an Akazienhonig erinnern. Er ist hocharomatisch, im Abgang kommt die bereits in der Nase festgestellte Haselnuss. Es zeigen sich auch Anklänge von Kakao und Milchschokolade. Der Geschmack hallt ungewöhnlich lange nach, so dass ich mir mit dem zweiten Aufguss etwas Zeit lasse.

 

Der zweite Aufguss hat jetzt mehr Körper, ist würziger und kräftiger. Der Akazienhonig verwandelt sich daher in würzigen Waldhonig. Der Abgang wird trockener, ist aber noch immer sehr aromatisch. Es ist auch eine Holz-Nuance zu spüren, die in Richtung Eiche tendiert.

Beim dritten Aufguss wird dieser Jun Chiyabari nun süffig. Die Süße lässt jetzt deutlich nach, er ist aber immer noch sehr gefällig. Im Geschmack zeigen sich nun Traubenkernöl und Anklänge von Weintrauben. Die Parallelen zu Nepal- sowie Darjeeling-Oolong und Oriental Beauty werden jetzt deutlicher. In einer Blindverkostung würde er mit Sicherheit für Überraschungen sorgen.

Obwohl ich einen vierten Aufguss bei Schwarztees eigentlich nicht mache, entschließe ich mich nun doch dazu. Ich werde nicht enttäuscht. Er bleibt bis zum letzten Schluck sehr aromatisch. Der Geschmack geht zwar ein bisschen zurück, dafür zeigen sich in der Nase Noten von Blüten und Herbstlaub sowie Karamellgebäck.

Fazit

Wie du sicherlich bemerkt hast, bin ich von dem Tee sehr begeistert. Daher habe ich ihn bereits in der 56. Ausgabe der Teecetera empfohlen. Wer indische oder nepalesische Second Flushs und Oolong mag, dem kann ich diese Spezialität nur ans Herz legen. Zu finden ist der Tee im Edmon’s Sortiment von TeeGschwendner und ist daher nur so lange erhältlich, wie der Vorrat reicht. Wenn du dich für eine zweite Meinung interessierst, schau doch mal beim Tee-Tagebuch vorbei. Dort hat Stephan Kockmann diesen Tee ebenfalls verkostet und vorgestellt.

Wie Darjeeling vor 15 Jahren: Guranse First Flush

Auch heute geht es wieder um Nepal-Tee, nur einen Steinwurf entfernt von Jun Chiyabari, um den es im letzten Artikel ging, liegt nämlich Guranse. Auch dieser Garten, dessen höchster Punkt fast 2200 Meter über dem Meeresspiegel liegt, ist zu 100% Bio-zertifiziert. Das sind beste Voraussetzungen für hocharomatische Tees, die auch das begehrte Muskatel-Aroma hervorbringen.

Lage und Produktionsvolumen
Dieser Garten ist nach Angaben von Henning Schmidt fast doppelt so groß wie Jun Chiyabari und produziert ca. 50t Tee im Jahr. Es wird überwiegend mit Darjeeling-Clonals gearbeitet. Weißer und Grüner Tee wird zwar angebaut, jedoch ist Schwarztee eindeutig das Hauptzugpferd dieses Gartens.

Wie Darjeeling vor 15 Jahren
Der hauptverantwortliche Tea Maker Andrew, der zuvor im benachbarten Jun Chiyabari und auch in Darjeeling reichlich Erfahrungen sammeln durfte, konzentriert sich auf qualitativ hochwertige Tees, die Darjeeling aus den Augen verloren hat. Über den „Grünen Trend“, der First Flush Darjeeling immer grüner werden lässt, habe ich zuvor berichtet. Dieser Tee soll noch so wie Darjeeling vor 15 Jahren schmecken.

Soziale Verantwortung
Auf der eigenen Internetseite wirbt Guranse außerdem mit der Unterstützung der älteren Menschen, die sich nicht mehr selbst versorgen können. Man kann nur hoffen, dass sie diese Hilfe auch in diesen schweren Zeiten der Erdbebenkatastrophe aufrechterhalten können.

Nepal Guranse Excellent Tips G24 Bio (2014) – 17,90 EUR / 100g
Der vorliegende Tee ist ein First Flush mit der Invoice-Nummer 24 (24. Pflückdurchgang, mehr dazu bei Tee-Fokus), es ist daher ein recht junger Tee des letzten Jahres und eine sehr begrenzte Charge. Solche kleinen Chargen kann man auch mit Single Barrel Whisky vergleichen, die immer ein bisschen anders ausfallen. Manche müssen mit anderen „geblendet“ werden, weil sie für sich alleine zu wenig Tiefe haben, andere sind außergewöhnlich gut und können zu einem entsprechenden Preis auf den Markt gebracht werden, wie eben dieser Guranse.

Zubereitung
Zubereitet wird dieser Tee nach der Methode für hochwertige Schwarztees.

Guranse First Flush 2014

Blatt
Die Blätter haben wirklich einen sehr hohen Tip-Anteil (junge Blattspitzen, die durch ihre Helligkeit und ihren Flaum auffallen). Das Blatt ist voluminös und nicht so dunkel wie ich es erwartet hätte. Verglichen mit einem richtigen Schwarztee ist der Guranse noch immer deutlich heller, auch wenn er nicht so hell ist wie ein First Flush aus Darjeeling oder Nepal.

Aroma
Dieser First Flush kommt sehr frisch daher, Spuren von Apfel drängen sich auf und werden begleitet von Brotkruste, Gewürzen und Süßholz. Die Brotkruste ist so süß, dass es auch Brioche sein könnte.

Guranse First Flush 2014
Guranse First Flush 2014

In der warmen kyûsu wandelt sich das Aroma. Es ist jetzt deutlich fruchtiger aber auch schwerer. Eine Mischung aus Orangen und Ingwer erfreut die Nase.

Guranse First Flush 2014

Geschmack
Den fortgeschrittenen Oxidationsgrad erkennt man nicht nur an der Farbe des Aufgusses, auch im Geschmack kommt er reifer und würziger als ein moderner First Flush daher. In der Nase hält sich die Brotkruste. Der Tee macht Spaß.

Guranse First Flush 2014

Der zweite Aufguss ist etwas leichter und frischer, die Aromen sind schwer zu entschlüsseln, am deutlichsten kommt Grüner Spargel durch. Die zweite Tasse ist immer noch sehr aromatisch voller ätherischer Öle.

Guranse First Flush 2014

Auch einen dritten Aufguss macht der Guranse mit und hat noch immer einen schönen Körper. Die pflanzliche Süße ist sehr deutlich. Ja, das könnte ebenfalls ein Darjeeling sein, keine Frage.

Guranse First Flush 2014

Oxidationsgrad
An den Blättern kann man die fortgeschrittene Oxidation deutlich erkennen. Nach meinem Verständnis wäre das noch immer ein Oolong, aber die Klassifizierung erfolgt wohl auch aus Traditionsgründen.

Fazit
Ich kann nicht beurteilen, wie Tee aus Darjeeling vor 15 Jahren ausgesehen hat, aber dieser ist deutlich dunkler als der heutige Trend, was mir wirklich gut gefällt. Obwohl ich auch einigen helleren Varianten etwas abgewinnen kann, freut es mich, dass es (wieder?) Alternativen dazu gibt, die schmecken. Wer sich für diesen Tee interessiert, findet ihn hier. Ich bedanke mich für die Bemusterung!

Der Shop zum Blog
Seit dem 23.05. ist der Shop zum Blog online. Du bist herzlich eingeladen, nach einem passenden Utensil für dich zu suchen. Und wenn du über Neuigkeiten informiert bleiben möchtest, dann trage dich doch in den Newsletter ein.
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Auf der Suche nach dem eigenen Nepal-Charakter: Jun Chiyabari

Nepal kann nicht nur gute Darjeeling-Alternativen produzieren (siehe letzter Blog), einige Produzenten wie der Garten Jun Chiyabari bringen so viel Leidenschaft und Experimentierfreudigkeit mit, dass sie Tees kreieren möchten, die sich nicht nur von Darjeeling unterscheiden, sondern einen eigenen Nepal-Charakter aufweisen.

Leider muss ich mich heute im Voraus für die schlechte Bildqualität entschuldigen. iPhoto hat es tatsächlich geschafft, beim Importieren alle heute gemachten Fotos zu löschen und sie nicht in die Datenbank zu speichern. Somit musste ich auf die Handy-Fotos zurückgreifen, die qualitativ deutlich abweichen.

Leidenschaft schlägt Tradition
Henning Schmidt vom Hamburger Teespeicher war zuletzt in Nepal und Darjeeling. Daher habe ich ihn am Freitag besucht, um ein bisschen über Nepal zu plaudern. Dabei kamen wir auf einen von Nepals Vorzeigegärten zu sprechen: Jun Chiyabari. Dieser recht junge Garten wurde von zwei Brüdern im Jahre 2001 gegründet und hat eine vergleichsweise kurze Geschichte. Die beiden Brüder Lochan und Bachan sind zwei Unternehmer, die in Darjeeling im Internat aufwuchsen und in so ziemlich allen Geschäftsfeldern aktiv waren – bis auf Tee. Im Jahre 2000 schwelgten sie in nostalgischen Erinnerungen (das Internat war umgeben von Teefeldern) und beschlossen, dem Teeanbau, den sie in Darjeeling ganz nebenbei als Tee-Enthusiasten kennengelernt haben, in Nepal eine Chance zu geben. Ganz schön mutig, so ganz ohne Erfahrung im Teeanbau.

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Lage und Größe
Der biozertifizierte Teegarten liegt 200km von Kathmandu entfernt im Dhankuta-Distrikt. Darjeeling ist mit 65km viel näher. Die Pflanzen werden in einer Höhe von 1600-2000m angebaut, es handelt sich also um einen richtigen Hochland-Tee. Die Jahresproduktion beträgt schätzungsweise 25t bei ca. 25-30ha, von den umliegenden Teebauern werden allerdings weitere Teeblätter nach eigenen Vorgaben hinzugekauft, der Anteil beträgt sogar 40%.

Der Weg ist das Ziel
Die beiden Brüder setzen auf erfahrene Tea-Maker, die zuvor jahrelang in Darjeelings Gärten Erfahrungen gesammelt haben und sich in Japan und Taiwan weiterbilden. Diese Vielfalt spiegelt sich auch in den verwendeten Cultivaren wider, man scheint in Zukunft auf sich voneinander stark unterscheidende Spitzentees setzen zu wollen, was ihnen schon jetzt gelingt. So werden beispielsweise neben japanischen Yabukita- und Zairai-Cultivaren auch taiwanesische (z.B. Si Ji Chun) und ältere nepalesische eingesetzt. Laut Henning Schmidt experimentiere man sogar mit Schattentees und möchte in Zukunft Matcha herstellen.

Die beiden Brüder sind mittlerweile 15 Jahre im Teegeschäft. In dieser kurzen Zeit haben sie gezeigt, was möglich ist, wenn man mit Ehrgeiz und Leidenschaft arbeitet. Ihre Tees sind überall zu finden, wo Qualität eine Rolle spielt und sie werden nicht müde, immer wieder Neues auszuprobieren. Dem Garten und seinen Mitarbeitern geht es übrigens den Umständen entsprechend gut.

Jun Chiyabari Imperial Black 19,95 EUR / 100g
Der Name leitet sich von einer etwas zweifelhaften Geschichte ab, wonach der chinesische Kaiser dem Königreich Nepal Teepflanzen nach einem verlorenen Krieg geschenkt habe. Von jenen Pflanzen soll dieser Tee stammen.

Zubereitung
Zubereitet wird dieser Tee nach der Methode für hochwertige Schwarztees.

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Blatt
Die Blätter sind sehr voluminös und tiefdunkel. Goldene Tips setzen einen schönen Akzentpunkt und sorgen für einen ansprechenden Kontrast. Natürlich muss man als Teetrinker gleich an Schwarztees aus Yunnan denken, die in zahlreichen Formen daherkommen. Die Macher haben bei dieser Kreation aber ausdrücklich nicht daran gedacht, einen Yunnan-Tee zu imitieren.

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Aroma
Die dunklen Blätter riechen im ersten Augenblick nach Waldmeister, ein Geruch, den ich aus meiner Kindheit kenne. Da gab es diesen einen Augenblick, als mein Onkel mich in eine polnische Eisdiele führte, in der noch das Eis frisch vor Ort zubereitet wurde. Nie wieder habe ich diesen intensiven Duft beim Betreten einer Eisdiele vernommen wie damals. Und immer wenn ich an Waldmeister-Eis rieche, überkommt mich diese Erinnerung.

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Was kommt da noch? Dunkle Brot- und Kuchenkruste, dazu ein leicht nussiger Duft und vielleicht auch ein bisschen Honig? Nach dem ersten Aufguss gewinnen Kakao und Fliederbeeren klar die Oberhand. Die Vorfreude nimmt zu.

Geschmack
Der erste Aufguss hat viele verschiedene Facetten zu bieten. Da wäre zunächst Kakao und Malz. Man könnte auch an Assam denken, aber es fehlt die Würze. Eine leichte Süße breitet sich im Mund aus und die Kuchenkruste macht sich bemerkbar.

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Beim zweiten Aufguss sind die Aromen etwas dezenter. Kakao ist jetzt nicht mehr so dominant, ich denke da eher an Kakaocreme, also eine abgeschwächte Form, die auch irgendwie zum Mundgefühl passt. Jetzt zeigt sich auch die Nussigkeit, ehe im Abgang der Imperial Black nochmals mit einer schönen Portion Feuchtigkeit erfrischt.

Einer geht noch. Der Schwarztee ist jetzt süffig, die Fliederbeeren sind jetzt das erste Mal richtig deutlich zu schmecken. Vielleicht wurden sie vorher auch nur von anderen Aromen überlagert? Der erfrischende Nachgeschmack erinnert mich wieder an Zitronentee – ein schöner Ausklang.

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Fazit
Das Rad neu erfinden tut Jun Chiyabari mit Sicherheit nicht. Und dennoch ist es ein Tee, der für hochwertige Assam-Liebhaber und Yunnan-Trinker gleichermaßen interessant sein könnte. Und wem Assam-Tee sonst einfach zu stark ist, die feine malzige Note aber sehr zusagt, der kann sich ebenfalls an diesem Tee versuchen. Es ist schön zu sehen, dass es einen Ort in Nepal gibt, der abseits vom Mainstream neue Wege einschlägt. Daher werde ich Jun Chiyabari mit Sicherheit aufmerksamer verfolgen, sie haben übrigens auch einen Twitter und Facebook-Auftritt! Vielen Dank, lieber Henning für diese feine Probe. Wenn auch du dich für diesen Tee interessierst,  findest du ihn im Online-Shop vom Hamburger Teespeicher.

Auch nächste Woche geht es weiter mit einem Nepalesen, nur einen Steinwurf entfernt von Jun Chiyabari.

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Ist Nepal-Tee der bessere Darjeeling?

Wie bereits im letzten Blog angekündigt, werde ich mich in der kommenden Zeit verstärkt mit Nepal-Tees auseinandersetzen. Der Osten Nepals grenzt and Indien, genauer gesagt liegt Darjeeling nur einen Steinwurf von der nepalesischen Grenze entfernt. Und da Darjeeling das renommierteste Anbaugebiet Indiens ist, welches eine viel höhere Nachfrage hat als es überhaupt produzieren kann, werden gerne von den angrenzenden nepalesischen Bezirken Teeblätter nach Darjeeling geschmuggelt, um sie dort zu verarbeiten. Das ist nicht gut, denn auf der Reise leiden die Blätter und was dann als Darjeeling produziert wird, ist qualitativ nicht mehr das Gelbe vom Ei.

Nepal macht Darjeeling Konkurrenz
Besser und effizienter ist es, wenn der Tee direkt im Ursprung verarbeitet wird. Die Grenzgebiete auf nepalesischer Seite haben nahezu identische Anbaubedingungen wie Darjeeling und daher beste Voraussetzungen, guten Tee zu produzieren. Was sie auch machen. Nepal hat sich zu einer ernstzunehmenden Teenation gemausert, die es schafft, zu wirtschaftlich guten Preisen eine echte Alternative zu den Spitzentees aus dem Nachbarland anzubieten.

Ruht sich Darjeeling auf seinem guten Ruf aus?
Das ist deshalb so wünschenswert, weil Darjeeling qualitativ abbaut, die Preise für die wenigen verbliebenen Spitzenqualitäten hingegen weiter in die Höhe steigen. Teehändler haben es daher immer schwerer, gute Qualitäten zu vertretbaren Preisen einzukaufen, denn wir Konsumenten haben natürlich eine Schmerzgrenze und werden nicht jeden Preis für einen guten Tee bezahlen.

Zwei preiswerte Alternativen zu Darjeeling
Schauen wir uns daher zwei Nepal-Tees an, die eine sinnvolle Alternative zu Darjeeling-Tees sind. Bei meinem letzten Besuch beim Tee Kontor Kiel habe ich zwei Tees aus Nepal mitgenommen. Es handelt sich um einen First Flush Schwarztee und einen Oolong.

Wenn ein Schwarztee kein Schwarztee mehr ist
An dieser Stelle ist es sinnvoll auf die traditionelle Einordnung der indischen und nepalesischen Schwarztees einzugehen. Ein Schwarztee ist ein Schwarztee, wenn die Blätter voll fermentiert bzw. oxidiert sind. Wenn man sich nun einen First Flush aus Nepal oder Darjeeling anschaut, dann sieht man häufig, dass die Blätter überwiegend grün sind. Streng genommen handelt es sich daher auch beim First Flush um einen Oolong. Das schauen wir uns später beim direkten Vergleich der beiden Sorten noch genauer an.

Nepal Sandakphu First Flush Premium Tippy (SFTGFOP1) 11,90 EUR (100g)
Sandakphu liegt genau an der Grenze zu Indien und nur 2,5 Autostunden von Darjeeling entfernt. Der Tee eignet sich daher sehr gut für einen Vergleich. Gebrüht wird nach der Methode für Schwarztees gehobener Qualität.

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Blatt
Man hört ja immer wieder von dem „Verbrechen“, dass die Blätter von den Produzenten absichtlich zerkleinert werden, damit diese weniger Volumen für die Verladung einnehmen. Das ist bei diesen wunderschönen Blättern nicht der Fall gewesen. Die Blattstruktur ist überwiegend intakt und wirklich schön anzusehen. Die Blätter sind silbrig grün, wenn ich jetzt einen Grüntee mit diesen Fotos beschreiben würde, kämen dann wohl Einwände?

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Duft
Das trockene Blatt verströmt feine Röstaromen, die ich mit Kuchenkruste und heller Brotkruste verbinde. Dazu kommen florale Aromen, die man auch von Darjeeling-Tees kennt. Direkt nach dem ersten Aufguss denken wir an Pfirsich, Kräuterlimonade (Almdudler) und Heilpflanzenöl.

Geschmack
Gebrüht wurde nach der üblichen Zubereitungsmethode für Schwarztees. Mehr Blätter, dafür kürzere Ziehzeiten und mehrere Aufgüsse. Der erste Aufguss zeigt noch nicht das ganze Potenzial, er ist sehr mild, dabei leicht fruchtig und Frau P. verbindet diese Frucht mit der Passionsfrucht.

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Erst beim zweiten Aufguss kann ich ihr dabei zustimmen. Jetzt erkenne ich sie auch. Da ist aber noch viel mehr. Zunächst zeigt sich der typisch florale First Flush-Charakter, den man auch von Darjeeling kennt. Die Frucht ist vielschichtig, denn neben der Passionsfrucht finden wir Spuren von naturtrübem Apfelsaft aus Wildwuchs, aber etwas Apfelmus ist auch dabei. Insgesamt sehr aromatisch.

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Der dritte Aufguss bringt endlich die eingangs erschnupperte Kuchenkruste in die Tasse. Die Frucht wird frischer und erinnert deutlich an Zitrusfrüchte.

Nepal Oolong Pathivara
Dieser Tee kommt aus dem Panchthar-Distrikt Nepals, der zwar über 3 Autostunden von Darjeeling entfernt ist, was aber eher an der Straßenführung liegt, denn die Luftlinie beträgt maximal 100km.

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Blatt
Das Blatt des Pathivara Oolong ist nicht ganz so schön wie das des Vorgängers. Es ist mehr Blattbruch dabei, wobei das weniger als Kritik gemeint ist. Tees wie der Sandakphu sind einfach die Ausnahme. Es fällt auf, dass die Erscheinung viel dunkler ist, der Pathivara erinnert somit mehr an einen Schwarztee als der Sandakphu.

Duft
Der Duft des trockenen Blattes ist im ersten Moment vom First Flush kaum zu unterscheiden, aber er scheint im direkten Vergleich doch kräftiger, würziger und irgendwie schwerer zu sein. In der aufgewärmten Kanne kommen interessante Aromen zum Vorschein, der Duft von Pinienwäldern in einer kleinen Kanne.

Geschmack
Man sieht es schon an der Aufgussfarbe, im Mund folgt die Bestätigung. Dieser Tee ist würziger, vollmundiger und gehaltvoller. Ich gestehe ja, dass ich die oxidierteren Tees lieber mag. Es gibt eindeutige Parallelen zu Darjeeling Second Flush wie z.B. das oft angesprochene Muscatel-Aroma. Der erste Aufguss ist würzig und erfrischend im Abgang. Zuerst zeigt sich Haselnuss, doch im Nachklang erinnert der Tee vielmehr an Walnuss.

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Im zweiten Aufguss werden die nussigen Aromen noch viel deutlicher. Es gesellt sich eine dezente Süße dazu. Sehr lecker.

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Einen Aufguss machen wir noch und werden mit Anflügen von Orangenschalen verwöhnt. Im Gegensatz zum First Flush stellt sich ein vertrauter Schwarzteegeschmack ein. Gepaart mit den Zitrusnoten kommen Erinnerungen an Zitronentee auf. In Polen gibt man ja gerne eine Scheibe Zitrone in den Tee.

Vergleich vom Schwarztee (First Flush) und dem Oolong 9,90 EUR (100g)
Ein richtiger Schwarztee sollte eigentlich braune Blätter haben, ähnlich einem angebissenen Apfel, der einige Zeit an der Luft liegt und sich braun färbt. Links sehen wir den „Schwarztee“, der ein guter Repräsentant eines First Flush aus Darjeeling bzw. Nepal ist. Rechts sehen wir den Oolong, der deutlich dunkler ist.IMG_1759

Fazit
Ich behaupte, dass beide Tees in einer Blindverkostung von „echten“ Darjeeling nicht zu unterscheiden wären. Wenn überhaupt, dann ist es der Oolong, der im Vergleich zu einem volloxidierten Second Flush auffallen würde, weil die Oxidation nicht weit genug fortgeschritten ist. Trotzdem sind beide Tees hervorragende Exemplare dafür, was Nepal zu bieten hat. Und da Nepal noch immer mit den Folgen des Erdbebens zu kämpfen hat, erfreut es mich umso mehr, dass auch Tee Kontor Kiel eine Spendenaktion gestartet hat. 50% der WebShop-Umsätze, die durch Nepal-Tee zustandekommen, werden an ManMayaMed e.V. gespendet. Hier geht es zum First Flush und zum Oolong.

Ist Nepal-Tee nun der bessere Darjeeling? Das kommt ganz darauf an, worauf man den Schwerpunkt legt. Darjeeling ist immer noch in der Lage, Spitzenqualitäten zu produzieren, die Nepal zur Zeit noch ausstechen. Aber diese haben dann auch ihren Preis. Geht man nur nach dem Preis-Leistung-Verhältnis, dann hat Nepal die Nase vorn.

Nepal ist nicht nur gut darin, preisgünstige Darjeeling-Alternativen hervorzubringen. Es gibt Produzenten, die es schaffen, einen ganz eigenen „Nepal-Charakter“ zu kreieren. Um diese Tees wird es nächste Woche gehen. Wenn du den nächsten Beitrag nicht verpassen möchtest, dann trage dich in den Newsletter ein.
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P.S.: Kurz in eigener Sache. Ein kleiner Traum, an dem ich seit mehreren Monaten arbeite, wird sich bald erfüllen. Allein deswegen könnte sich eine Newsletter-Anmeldung lohnen 😉

Nepal Erdbeben: Wie Teefreunde helfen können

Als ich von dem Erdbeben in Nepal erfuhr, fühlte es sich zunächst so an wie damals 2011. Denn vor vier Jahren traf die Dreifachkatastrophe Japan, ein Land dem ich in vielerlei Hinsicht verbunden bin. Nun also Nepal. Ein Land, das anders als Japan zu den ärmsten Ländern der Welt gehört und kaum in der Lage ist, sich selbst zu helfen. Derzeit fehlt es an Allem: Decken, Zelten, Unterkünften und Nahrungsmitteln.

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Der Mount Everest (Foto von Pavel Novak)
Wie geht es Nepal wirtschaftlich?
Nepal, ein Land in dem 27,5 Mio Menschen leben, liegt so idyllisch wie kaum ein anderes am Fuße des Himalaya. Die Böden sind sehr fruchtbar und ca. 70% der Bevölkerung arbeitet in der Landwirtschaft, in der jedoch sehr wenig verdient wird. Eine weitere wichtige Stütze ist der Tourismus – jedes Jahr kommen 300.000 Menschen  ins Land und bringen somit wichtige Devisen ins Land. Einbrüche sind also zu erwarten. Die Lage ist auch deswegen so dramatisch, weil das Land mit Korruption zu kämpfen hat.

Welche Rolle spielt der Tee?
Nepal ist ein vergleichsweise kleines Teeland, welches allerdings beste Voraussetzungen für guten Tee hat. Jährlich werden 1500 Tonnen orthodox produziert, 96% davon werden exportiert. 2006 gab es 63 Tea Estates und 18750 Kleinbauern, die 68% des orthodoxen Tees produzieren. Dazu kommen noch Produzenten und Kleinbauern, die 13000 Tonnen CTC-Tee produzieren, also Schwarztee, der hauptsächlich in Teebeuteln landet. Der Trend setzt sich fort, denn die Produktionsmenge steigt jährlich an. Insgesamt leben zwischen 100.000 bis 400.000 Menschen direkt oder indirekt von der Tee-Wirtschaft.

Hilft Tee bei der Armutsbekämpfung?
Diese Frage kann man zum Glück mit „Ja“ beantworten. Denn viele Kleinbauern können vom Ertrag besser leben als vom Anbau traditioneller Rohstoffe. Zudem ist ein ähnlicher Effekt wie in Indien zu beobachten. Große und kleine Teeunternehmen leisten ihren Möglichkeiten entsprechend Aufbauhilfe und investieren. Dies geschieht nicht nur aus finanziellen Interessen, häufig sind aus Geschäftsbeziehungen Freundschaften entstanden. Und Freunden hilft man gerne.

Wie genau sieht das aus? Ich möchte dir zwei Beispiele geben. Das erste ist der Hamburger Teespeicher, welcher von den Schmidts geführt wird. Henning Schmidt unternimmt immer wieder Reisen in den Ursprung und war zuletzt wieder in Nepal. Natürlich bleibt niemandem verborgen, dass Nepal auf vielen Gebieten rückständig ist und Mittel an jeder Ecke fehlen. Daher hat sich Henning Schmidt im Stillen dazu entschlossen, eine Schule zu fördern. Das ist auch deshalb eine gute Idee, weil Bildung der Schlüssel für eine breitere Wohlstandsverteilung ist. Nepal hat nämlich das Potenzial dazu, hochqualitative Nischenprodukte zu produzieren. Das haben sie mit Tee und Kaffee bereits bewiesen.

Gorkha Tea Estate der Sunderpani-Initiative (Foto von Gero)

Ein etwas anderes Kaliber ist TeeGschwendner. Mit weit über 100 Filialen ist TeeGschwendner Marktführer auf dem Gebiet der Premiumtees. In Zusammenarbeit mit 200 Kleinbauernfamilien und weiteren Partnern hat man in Nepal ein Projekt verwirklicht, welches den Sunderpani-Tee hervorbrachte. Das Gorkha Tea Estate liegt übrigens genau in dem Gebiet, wo das Epizentrum des Bebens lag. Hoffentlich geht es allen gut.

Teil des Projekts war die Schulung und Förderung der Teebauern. Sie erhielten je eine Kuh und eine Biogas-Anlage, zudem wurde eine moderne Teefabrik errichtet, die in unmittelbarer Nähe der Bauern liegt. Das ist deswegen wichtig, weil kurze Wege ein Garant für unbeschädigte Blätter sind. Je länger die Transportzeit, desto höher die Gefahr, dass Blätter Schaden nehmen und unkontrolliert oxidieren. Ein weiterer wichtiger Pfeiler ist der kontrolliert biologische Anbau, seit 2011 werden die Spitzenqualitäten gemäß der Öko-Verordnung produziert.

Soziale Verantwortung ist kein Einzelfall
Diese Beispiele sind gewiss keine Einzelfälle. Es ist immer wieder schön zu sehen, dass Unternehmen gerne etwas dem Ursprung zurückgeben und sich auf vielfältige Weise engagieren. Sprich doch einfach mal deinen Händler des Vertrauens an, ich bin mir sicher, dass auch er ein Projekt unterstützt.

Was kann ich tun?
Natürlich werden nicht alle Probleme dadurch gelöst, indem wir anfangen, mehr Nepal-Tee zu trinken. Andererseits ist das ein guter Zeitpunkt, sich mit diesem Tee zu beschäftigen, da Nepal eine Qualität erreicht hat, die oftmals Darjeeling in den Schatten stellt. Während die weltweit steigende Nachfrage zu Mondpreisen guter Darjeeling-Qualitäten führt, hat Nepal ein gesundes Preis-Leistungs-Verhältnis. Und letztlich hilft es dem Land auch, wenn mehr Tee getrunken wird. Es ist also gerade in dieser Zeit eine Win-Win-Situation.

TeeGschwendner spendet 20% der Erlöse
Eine feine Aktion von TeeGschwendner soll an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben. Denn von jedem verkauften Nepal-Tee werden derzeit 20% des Erlöses an ein Hilfsprojekt gespendet. Dies ist ein schöner Anreiz, Nepal eine Chance zu geben.

Spendenaktionen
Zum Schluss möchte ich noch auf einige Spendenmöglichkeiten zu sprechen kommen, denn dies ist sicherlich die Art von Hilfe, welche momentan am gefragtesten ist und die höchste Wirkung erzielt.

  • CNN hat einige Projekte vorgestellt, die sich auf Nahrungsmittel und medizinische Versorgung konzentrieren (Tipp von Paper & Tea)
  • Das Bündnis deutscher Hilfsorganisationen auch bekannt unter dem Namen „Aktion Deutschland Hilft“ verfolgt in Zusammenarbeit mit verschiedenen Partnern einen ganzheitlichen Ansatz, indem jeder Partner sich auf einen Aufgabenbereich konzentriert (Trinkwasseraufbereitung, Lieferung von Rohstoffen für den Wiederaufbau, medizinische Versorgung, etc.)
  • Habitat for Humanity ist zwar Mitglied im oben genannten Bündnis, aber man kann auch direkt spenden und dadurch den Wiederaufbau der zerstörten Häuser unterstützen (der Link führt zu einer Sammlung von Aktionen, die von TeeGschwendner initiiert wurde und hat ein Spendenziel von derzeit 20.000 EUR)
  • Das Deutsche Rote Kreuz ist ebenfalls in Nepal aktiv und leistet Soforthilfe (Decken, Zelte, Küchensets)

Dies ist nur eine Auswahl an Spendenaktionen, es gibt sicherlich noch viele mehr und falls auch du Nepal unterstützen möchtest, wird sich jede Organisation über eine Spende freuen.

Nepal Special Sunderpani

Fokus auf Nepal-Tee
In den nächsten Wochen werde ich einige Schwarztees und Gärten aus Nepal vorstellen. Nepal macht nämlich nicht nur hervorragende Darjeeling-Alternativen, sondern entwickelt einen ganz eigenen Charakter, über den es sich zu sprechen lohnt.

Zu guter Letzt: Gewinner des Yabukita-Oolong
Vielen Dank für eure rege Teilnahme am letzten Gewinnspiel. Die Gewinner stehen fest und wurden schriftlich benachrichtigt.

Wenn du den nächsten Beitrag oder das nächste Gewinnspiel nicht verpassen möchtest, dann freue ich mich, wenn du dich in den Newsletter-Verteiler einträgst.
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Zehn gute Gründe, weswegen Tee auch für dich ein lebensbereicherndesGetränk sein kann

Vielleicht stellst du dir die Frage, ob Tee ein Getränk für dich wäre. Möglicherweise hast du bereits erste Erfahrungen mit diesem Getränk gemacht, die dich nicht vom Hocker gehauen haben oder du verbindest mit Tee ein Getränk, welches man bei einer Erkältung trinkt. Als Genussmittel kam Tee noch nicht für dich infrage.

Eines muss ich vorweg schreiben, damit im weiteren Verlauf keine Missverständnisse entstehen. Wenn ich Tee sage, dann meine ich damit Blätter der Camellia Sinensis und nicht Früchte- oder Kräutertee. Einen guten Artikel über die Pflanze findest du beim Tee-Fokus. Als Einstieg kann ebenfalls der Wikipedia-Artikel empfohlen werden.

Nun aber zum Thema. Vielleicht hast du dir ja auch schon mal folgende Fragen gestellt: Warum sollte ich unbedingt Tee probieren und nicht bei Kaffee bleiben? Ist Tee nicht zu kompliziert und aufwendig? Lohnt sich die Auseinandersetzung mit diesem Thema wirklich und was habe ich davon?

 

Hier nun meine zehn Gründe, die ich für mich am überzeugendsten finde.

 

1. Geschmackliche Vielfalt
Vielleicht hast du es ja schon gehört, aber zur Sicherheit schreibe ich es nochmal, damit auch Neueinsteiger es wissen. Es gibt sechs Kategorien, die Tee nach Produktionsart unterscheiden. Hierzulande kennen wir vor allem den Schwarzen und Grünen Tee. Doch daneben gibt es außerdem noch Gelben, Blauen (auch: Oolong), Dunklen (Pu Erh) und Weißen Tee. Natürlich gibt es in jeder Kategorie diverse Sub-Kategorien. Ein Schwarzer Tee aus Indien schmeckt anders als einer aus China, Japan oder Kenia. Diese enorme Vielfalt mag auf den ersten Blick erschlagend wirken. Andererseits garantiert dir diese Vielfalt, dass es in diesem breiten Spektrum einen Tee gibt, der dir auf jeden Fall schmeckt. Und das Tolle an Tee ist, dass nicht nur absolute Profis die Geschmacksunterschiede schmecken. Sie sind so offensichtlich, dass wirklich jeder sie bemerken würde! Nicht umsonst ist Tee nach Wasser das meistgetrunkene Getränk der Welt (Quelle).
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Ein Gelber Tee, der schnell mit einem Schwarzen Tee verwechselt werden kann

2. Gesundheit
Keine Sorge, ich werde hier nicht behaupten, dass Tee Heilkräfte besitzt. Allerdings ist es interessant zu wissen, dass Tee zunächst als Heilpflanze entdeckt wurde. Vor allem den Catechinen sagen manche Wissenschaftler eine krebsvorbeugende Wirkung nach. Daraus darf man aber nicht den Umkehrschluss ziehen, dass Teetrinker keinen Krebs bekommen können.

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Junge Blätter eines Strauchs in Japan

Für mich ist ein anderer Aspekt entscheidender. Tee ist nicht gesundheitsschädlich und man kann davon auch nicht zu viel trinken, solange man die empfohlene Flüssigkeitsaufnahmemenge einhält. Es ist also ein Genussmittel, welches man nicht mit Vorsicht genießen muss. Das ist bei Kaffee und alkoholhaltigen Getränken anders. Wer allerdings auf Koffein empfindlich reagiert, sollte auch bei Tee gesunde Vorsicht walten lassen.

3. Belebende Wirkung
Camellia Sinensis ist die einzige Kamelie, die Koffein produziert. Das Koffein wird zusammen mit Gerbstoffen vom Körper aufgenommen. Die Gerbstoffe verhindern allerdings, dass man nach dem Koffein-Flash in ein tiefes Loch fällt. Von der anregenden Wirkung hat man also länger etwas.
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Das Blatt eines Darjeeling-Schwarztees

Noch effektiver ist es, wenn man den Tee „isst“, also das ganze Blatt zu sich nimmt. Im Matcha sind neben dem Koffein auch Aminosäuren wie das L-Theanin enthalten. Dies hat eine beruhigende und konzentrationsfördernde Wirkung. Daher eignet sich Tee auch wunderbar zur Erhaltung der geistigen Arbeitskraft.

4. Entschleunigung
Wir leben in einer Welt, in der uns Vieles nicht schnell genug gehen kann. Instant-Produkte, Automaten und Schnellrestaurants sind sichtbare Kennzeichen unserer schnelllebigen Gesellschaft.
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Junge Knospen eines Schwarzen Tees aus China

Manche Dinge brauchen einfach Zeit. Ein guter Wein muss sorgfältig hergestellt werden. Anschließend wird er noch in einem Eichenfass ausgebaut. Whisky benötigt ebenfalls viele Jahre im Eichenfass, damit ein rundes Geschmacksprofil entsteht.

Wer selbst kocht, wird vermutlich nur in Ausnahmefällen zu Instantprodukten greifen. Ein gutes Essen braucht ebenfalls seine Zeit bzw. gut Ding will Weile haben.
So ist es auch mit Tee. Das fängt schon mit der Produktion an, aber darum soll es heute nicht gehen. Aber du sollst wissen, dass sich auch beim Tee ein Mehraufwand vom Erzeuger in deiner Tasse widerspiegelt.
Doch das ist noch nicht das fertige Produkt!
Das fertige Getränk entsteht erst durch dich! Du wirst den Unterschied schnell merken, wenn du den Tee „irgendwie“ oder sorgfältig zubereitest. Keine Sorge, es ist keine Raketenwissenschaft. Die normale Zubereitung dauert nicht länger als fünf Minuten, schau mal oben in der Menuleiste meine Zubereitungsvorschläge an.
Betrachte die Zubereitung als eine Auszeit, die du dir gönnst. Schalte ab, vergiss den Stress und leere deinen Kopf. Es tut gut, sich nur auf den Genuss und die Zubereitung zu konzentrieren. Den Moment kannst du auskosten, wenn du dir die Blätter anschaust, den Geruch aufnimmst und deinen Lieblingsbecher oder -Kanne verwendest, zu dem es vielleicht eine persönliche Geschichte gibt, die du dir bewusst machen kannst.

 

5. Sammelleidenschaft
Viele Teeliebhaber (und meine Ehefrau) werden mir zustimmen, wenn ich behaupte, dass man Tee sammeln kann. Dadurch, dass Tee so vielfältig ist, bietet es sich an, mehrere Sorten im Haus zu haben. So kannst du je nach Lust und Laune den perfekten Tee für deine Tagesform auswählen.
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Viele verschiedene Utensilien ergeben ein stimmungsvolles Bild

 

Es soll sogar Teefreunde geben, die Utensilien für die Zubereitung sammeln (mich eingeschlossen *hust*). Sie können dir für jede Kombination aus Tee, Jahreszeit, Sternkonstellation und dem Gemütszustand deiner Katze das perfekte Setup zusammenstellen. Ob du das auch möchtest, entscheidest du allein. Es ist vollkommen in Ordnung minimalistisch zu bleiben, es geht schließlich immer noch um ein Getränk.

 

6. Haltbarkeit
Wenn man Tee fachgerecht lagert (möglichst wenig Luftkontakt, trocken), dann kann man Tee fast unendlich lang lagern. Denn Tee verändert sich zwar, jedoch nicht immer negativ.
Tatsächlich gibt es nur wenige Teesorten, die man schnell bzw. innerhalb eines Jahres aufbrauchen sollte. Dazu gehört in erster Linie Matcha, da er durch die Vermahlung eine viel höhere Angriffsfläche für die Oxidation hat als herkömmlicher Tee. Auch japanische Shincha oder First Flushs aus Darjeeling verlieren ihre Frische nach und nach.
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Matcha-Qualitäten im Vergleich

Das bedeutet allerdings noch lange nicht, dass sie nach einem Jahr ungenießbar sind! Vielleicht schmecken sie dir dann ja sogar noch besser als vorher?

7. Bildung
Keine Sorge, du musst keine Teeschule besuchen, um Tee wertschätzen zu können. Interessanterweise wird Tee auf allen Kontinenten außer der Antarktis angebaut. Dadurch hast du die Möglichkeit viel über Land und Leute zu lernen. Es ist immer wieder spannend zu sehen, wie einfach und natürlich Volksstämme in China leben oder in welch traumhaften Umgebungen Plantagen existieren. Gerade durch das Internet sind Informationen nur noch einen Klick entfernt. Es liegt an dir, ob und wie viel du über Tee und andere Länder lernen möchtest. Vielleicht schaust du dir eines Tages sogar eine Plantage an?

 

8. Trinkkultur
Auch wenn Tee relativ einfach und schnell zubereitet werden kann, gibt es Zubereitungsmethoden, die es dir erlauben das Maximum aus den Blättern zu holen. Es ist sogar ohne Weiteres möglich, sich stundenlang mit einem einzigen Tee zu beschäftigen. Wenn du es magst, dich in Dinge zu vertiefen, dann wirst du erstaunt sein, was mit Tee möglich ist.
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Kleine japanische Einhandkanne mit ca. 150ml Fassungsvermögen

 

Und mit Matcha steht es dir offen, sogar Tee als Zutat zu verwenden. Sehr einfach ist es, beispielsweise leckere Kekse damit zu backen. Und deiner Kreativität sind keine Grenzen gesetzt.

 

9. Geringe Kosten
Du wirst erstaunt sein, was ein Liter Tee im Gegensatz zu einer Dose Cola kostet. Hier habe ich ausgerechnet, wie hoch die Kosten einer 100g Packung gemessen am Output tatsächlich sind.

 

10. Nachhaltigkeit
Jedes Agrarprodukt verschlingt während der Herstellung Energie und Wasser. Vielleicht wird es dich interessieren, dass bei einer Gegenüberstellung von Tee und Kaffee, der Anbau von Tee viel weniger (acht mal!) Wasser verbraucht. Auch sonst kommt Utopia zu dem Schluss:
Tee liegt daher eindeutig vorne, wenn es um Wassernutzung und Umweltverträglichkeit geht. Dadurch, dass Informationen zu Emissionen noch nicht sehr verbreitet sind, ist nur anzunehmen, dass Tee auch hier gewinnen wird.
(Quelle).
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Es ist Zeit, danke zu sagen: Darjeeling Phuguri Golden Tips

Wenn man sich mit Teefreunden austauscht, bekommt man hier und da auch mal einen Tee geschenkt. Manchmal sind es Proben, nicht selten sogar ganze Packungen. Ich gehöre zu den Personen, die sich für besondere Tees einen besonderen Moment herbeisehnen, um diese Tees auch wirklich würdigen zu können. Und so bleiben sie Tage, Wochen, Monate, sogar Jahre in einer Teekiste liegen.

Ich habe mich entschlossen eine Tradition zu beginnen. Es passt zur Weihnachtszeit (ja, ich bin ein Weihnachtsfan), diese besonderen Adventstage mit ebenso besonderen Tees zu würdigen. Es ist eine gute Gelegenheit, den Menschen danke zu sagen.
Heute möchte ich mich bei meinem Teefreund Gero bedanken. Ich weiß nicht mehr genau, zu welcher Gelegenheit es war, aber es muss vor ca. einem Jahr gewesen sein, als ich in der TeeGschwendner-Zentrale war und er mich freundlicherweise empfing. Oder es war an meinem Geburtstag, an dem ich zufälligerweise wieder bei TeeGschwendner war und wir an diesem Tag zusammen ein paar Tässchen Tee bei ihm zuhause getrunken haben. Ich wollte ihn mit meinem Geburtstag nicht in Verlegenheit bringen und habe ihm nichts erzählt. Im Nachhinein hat er es natürlich trotzdem erfahren, weil er im Internet-Forum, in dem wir beide angemeldet sind, meinen Geburtstag gesehen hat. Dann wäre es ein unbewusstes Geburtstagsgeschenk gewesen.
Nun denn, dieser Tee ist in mehrfacher Hinsicht etwas ganz Besonderes. Es ist ein Schwarztee aus Darjeeling und das ist auch schon das einzige, was er mit Darjeeling gemeinsam hat. Der Darjeeling Phuguri Golden Tips passt in keine der typischen Darjeeling-Kategorien. Und das sieht, riecht und schmeckt man auch (dazu gleich mehr). Zudem war dieser Darjeeling niemals bei TeeGschwendner Deutschland im Verkauf. Die eingekaufte Menge reichte gerade mal dazu, die Mitarbeiter zu Weihnachten mit dieser Kostbarkeit zu beschenken. Gero schaffte es, „auf dem Schwarzmarkt“ zumindest eine weitere Tüte zu besorgen und die bekam dann ich.
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Darjeeling Phuguri Golden Tips
Aussehen
Von Darjeeling gibt es häufig eine sehr grün ausfallende Variante des First Flush und eine deutlich dunklere des Second Flush. Die Blattstruktur ist selten intakt und die Tips sind silbrig grün. Dieser Phuguri hat goldene Tips, dadurch ist er näher an einem Assam oder chinesischen Klassikern wie dem Golden Monkey. Gero hat noch einen guten anderen Vergleich gezogen, denn dieser Tee hat erstaunliche Ähnlichkeit zu einem Gelben Tee, den ich hier mal beschrieben habe und der erst seit kurzem zu haben ist. Die Blätter dieses Darjeeling sind erstaunlich filigran gerollt und leicht gebogen.
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Aufwärmen der Mumyoi-Kanne
Aroma
Beim Riechen der Blätter muss ich zunächst daran denken, wie witzig es wäre, Tea-Taster mit solchen Exoten in die Irre zu führen. Der Phuguri riecht nach allem, aber nicht nach Darjeeling. Ein bisschen Schokolade, grenzenlose Tiefe, dunkle Brotkruste und Malz. Das riecht vielversprechend.
Viel amüsanter ist der Duft in der aufgewärmten Kanne. Ich muss schmunzeln, denn ich weiß schon jetzt, dass ein J.D. aus H. zu den folgenden Zeilen eine Bemerkung machen wird. Frau P. denkt zunächst an Tabak, ich denke an Heu, dann an eine Scheune. Es kommen Erinnerungen an meine Kindheit hoch, Besuche bei meiner Familie auf dem Land, ich bin in einem Schweinestall und versuche, die süßen Nasen der Schweine zu berühren. Schweine sind einfach die tollsten Tiere der Welt!
*Räusper* zurück zum Thema. Der oben beschriebene Geruch verfliegt nach dem ersten Aufguss sofort. Der Duft erinnert jetzt an einen nebligen Herbsttag im Wald, es riecht sehr süß, sind das Bucheckern? Eine weitere Komponente fällt mir auf, die ich schon häufig gerochen und mit Waldhonig assoziiert habe. Gero hatte aber mal etwas von einem Rosenduft gesagt, den er auch bei diesem Tee festgestellt hat. Das könnte passen!
Zubereitung
Ich verwende wieder die Methode für hochwertigen Schwarztee. Auf ca. 150ml kochendes Wasser kommen 3g Teeblätter. Die Ziehzeiten betragen in Sekunden: 30/10/20/40
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Geschmack
Schon der erste Aufguss schmeckt sehr intensiv. Das ist Kakao, ohne Zweifel. Der Geschmack verteilt sich schon im Mund, eine Spur Malz und Brotkruste ist auch dabei. Viel präsenter ist jedoch angedunkelte Kuchenkruste. Sehr schmackhaft!
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Der erste Aufguss hat eine schöne bernsteinfarbene Tasse
Der darauffolgende Aufguss überrascht uns beide mit einer fast schon extremen Süße. Wozu einen Likör trinken, wenn es diesen Tee gibt? Ein bisschen Malz und Kakao schwingt noch mit, die Süße dominiert jedoch bei Weitem!
Nun geht die Süße zurück, der Phuguri ist jetzt süffiger, anstelle von Kakao tritt nun Karamell. Ich muss mich eben vergewissern, dass es auch wirklich der Darjeeling ist, den ich da gerade trinke.
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Die folgenden Tassen wurden immer heller
Einen Aufguss machen wir noch und sind froh, diesen nicht verpasst zu haben. So muss flüssiger Kuchen schmecken! Es erfüllt mich wirklich mit Dankbarkeit, so einen Tee probiert haben zu dürfen.
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An den nassen Blättern sieht man, dass überwiegend junge Knospen verwendet wurden
Fazit
Was soll ich noch dem bereits Geschriebenen hinzufügen? Kaufen kann man den Tee ja leider nicht. Vielen herzlichen Dank, lieber Gero, für diesen Tee. Vielleicht magst Du ein gutes Wort bei Deinen Kollegen für diesen Tee einlegen und sie überreden, neuen zu besorgen. Scheinbar gibt es jedoch Restmengen von diesem Tee bei der Wiener Außenstelle Schönbichler. Schöne Grüße an dieser Stelle!
Übrigens ist es nicht so, dass dieser Darjeeling die oben beschriebenen Eigenschaften für sich allein beansprucht. Dieser Gelbe Tee hat durchaus interessante Parallelen, aber auch der Yunnan Golden Buds geht in diese Richtung.
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Assam Harmutty von Teegasse

Als ich vor einigen Jahren anfing, mich intensiver mit Tee auseinanderzusetzen, habe ich ein Forum gefunden, in dem sich einige Gleichgesinnte versammelt haben. Ich denke gerne an die Anfangszeit zurück, als die Themen noch überschaubar waren und ich als Student noch die Zeit hatte, mich über Tee mit anderen auszutauschen.
Der Austausch war sehr fruchtbar und zumindest mich haben die Beiträge und Rezensionen anderer immer wieder zum Kauf von einigen Tees überzeugt. Schon bald entstanden erste Blogs aus dieser Community und es war Gero, der von uns als Erster den Schritt dazu wagte. Jeder Blog-Autor hat seinen eigenen Stil. Key hat mit dem Blog Tee-Fokus eine einzigartige Mischung aus Informationstexten, Gastbeiträgen und Rezensionen kreiert, daher war für Abwechslung immer gesorgt.
Die englische Tee-Blog-Szene ist der deutschen einige Jahre voraus. Dort konnte man schon früh beobachten, dass einige Blogger ihre Leidenschaft zum Beruf machten. Nun will ich nicht dem konventionellen Teehändler unterstellen, keine Leidenschaft für Tee zu haben. Doch des Bloggers Leidenschaft ist ja quasi im Internet öffentlich hinterlegt und jeder kann sich selbst ein Bild von seiner Kompetenz machen. Key hat dieses Jahr als erster deutscher (?) Blogger genau diesen Schritt gewagt und ich gratuliere ihm dazu. Viel Erfolg dabei!Da ich sehr gerne Schwarztees zum Frühstück trinke, habe ich mir die Zeit genommen, den Assam Harmutty zu probieren. Ich schätze an Assam-Tees ihren malzigen und kräftigen Charakter. Schon häufiger habe ich allerdings feststellen müssen, dass es auch unter Assam-Tees einige Vertreter gibt, die mir nicht kräftig bzw. ausdrucksstark genug waren. Für mich muss ein guter Assam gegen ein klassisches Frühstück ankommen können, da landet auch schon mal eine Scheibe kräftigen Tilsitters auf der Brötchenhälfte. Ich meine nicht den milden aus der Plastikpackung, sondern den von der Frischetheke, bei dem Frau P. ob des „Gestanks“ angewidert die Augen zusammenkneift.

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Der Harmutty hat einen malzigen Charakter und etwas, was ich mit einem ehrlichen Schwarztee-Geschmack bezeichnen würde. Dieser Geschmack findet sich nicht nur in Assam-Tees, sondern auch in einigen wenigen Ceylon und Darjeeling wieder. Ich denke dabei immer zurück an meine Kindheit, denn in Polen haben wir sehr viel Schwarztee getrunken und einige Mischungen schmecken mir noch heute sehr gut. Davon werde ich mir beim nächsten Kauf auf jeden Fall etwas sichern.

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In der Teegasse werden natürlich noch weitere Tees angeboten, der Fokus liegt derzeit auf orthodoxen Schwarztees, doch auch Exoten werden scheinbar nach und nach aufgenommen. Hier der Weg zur Teegasse.

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Chamraj Frost Tea

Ich liebe es, die kleinen Exoten dieser Welt ausfindig zu machen und probieren zu dürfen, daher bin ich immer wieder dankbar, wenn Teehändler mutig genug sind, einen „unkonventionellen“ Tee ins Sortiment zu nehmen. Sicherlich ist es noch immer nicht einfach, nur mit orthodoxen Tees seine Kunden zu begeistern. Anders ist es nicht zu erklären, dass kaum ein Teehändler ohne das breite Spektrum des Aroma-Sortiments auskommt.
Doch darum soll es ja nicht gehen, sondern um einen Tee, von dem man nur selten hört. Er kommt aus Indien und ähnelt auf den ersten Blick einem klassischen Darjeeling, ist aber etwas dunkler. Seine Besonderheit verdankt er den eiskalten Nächten in über 2000m Höhe. Die Blätter sollen einem moderaten Frost ausgesetzt sein, wodurch sich der Geschmack jener Blätter intensiviert. Es werden nur sehr geringe Mengen von diesem Tee hergestellt, so dass es dem Hamburger Teespeicher erst dieses Jahr gelungen ist, den Tee einzukaufen. Als ich davon hörte, habe ich mir gleich etwas zurücklegen lassen und kann Interessenten beruhigen, es scheint noch etwas da zu sein, fragt sich nur wie lange.

Blatt
Die Blätter sind dunkler als die eines normalen Darjeeling, dennoch sind hier und da ein paar grüne Blättchen ausfindig zu machen. Die Form der Blätter ist teilweise geschwungen und hübsch anzusehen. Nur wenige Stiele sind enthalten, das Blatt ist also gut sortiert.

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Geruch
Das trockene Blatt riecht angenehm frisch, immer wieder muss ich an Zitrone denken. Dazu kommt eine nussige Note und man kann eindeutig Parallelen zu den bekanntesten indischen Vertretern aus Darjeeling finden. Im warmen Kännchen sind die Aromen Schwarztee-lastiger und schwer zu entschlüsseln. Vielleicht ein wenig geröstete Nüsse?

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Geschmack
Ich brühe den Tee wie folgt: 2g / 100ml kochendes Wasser, 3 Aufgüsse (in Sekunden: 30, 10, 60). Die Frische zeigt sich auch jetzt, wieder denke ich an Zitronen und ein bisschen Minze ist auch dabei. Der Körper ist Schwarztee pur, gepaart mit etwas dunkler Brotkruste.
Der zweite Aufguss wirkt erfrischend und ist etwas leichter. Es ist eine leichte Süße zu schmecken, die beim dritten Aufguss noch viel intensiver wird. Denn jetzt bleibt ein langer Nachgeschmack und der Tee wirkt fast wie ein Likör. Sehr lecker!

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Fazit
Der Tee hat uns sehr gefallen. Wer indische Schwarztees grundsätzlich mag, wird sich über eine weitere Variation sicher freuen. Es sind doch diese kleinen Besonderheiten, die uns unseren Teeweg versüßen. Den Chamraj Frost Tea findet man hier.

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Neue TeeGschwendner-Filiale in Hamburg-City

Die Spatzen pfiffen es eine Zeit lang von den Dächern und nun ist es also soweit, die neue TeeGschwendner-Filiale unweit der alten am Jungfernstieg hat seit dem ersten August ihre Pforten geöffnet. Dabei präsentiert sich TeeGschwendner im neuen Design, welches zumindest meine Wenigkeit sehr ansprechend findet. Es ist eine Mischung aus 20er-Jahre-Nostalgie-Tapeten, Caféhaus-Atmosphäre und moderner Tee-Lounge, was einem dort geboten wird. Lange habe ich darauf gewartet, dass ein Konzept wie dieses in die Tat umgesetzt wird. In meinen Träumen vom Teehändler-Dasein habe ich es genauso gemacht: Ein Teeladen mit der Möglichkeit, sich durch das Sortiment zu trinken und traditionelles Teegebäck in einer ruhigen Minute zu genießen. So hat man als Kunde den Vorteil, Premium-Tees fachgerecht zubereitet zu bekommen und zu testen, ehe man sich für einen Kauf entscheidet. Das ist sogar besser als eine Gratisverkostung, die einen dann doch hintenrum zum Kauf zwingt, oder?

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So habe ich gleich mal in der Mittagspause die Gelegenheit genutzt und die Tee-Lounge im ersten Stock besucht. Ich war dort alleine, es hat sich vermutlich noch nicht so weit herumgesprochen, dass man hier seinen Mittagstee trinken kann. Ich habe mir einen Meghalaya SFTGFOP (CL) LaKyrsiew SF bestellt, den man mir netterweise von unten geholt hat. Dazu gab es zwei Scones mit Butter und Konfitüre. Richtig leckere Erdbeer-Vanille-Konfitüre und Zitronengelee. Es waren meine ersten Scones und ich war begeistert. Ich bin kein Freund von extremer Süße, daher sind die dezent-süßen Scones genau richtig und wer es mag, kann sie ja noch mit den Zugaben veredeln. Die Scones kann man auch etwas herzhafter genießen, z.B. indem man sie mit einem selbstgemachten Matcha-Wasabi-Frischkäse bestellt. Dafür war es für mich zwar schon zu spät, aber ich durfte einen Löffel davon probieren. Nicht schlecht! Jetzt fehlt nur noch ein Matcha-Kuchen!
Auch der Tee wusste zu überzeugen. Der Neuankömmling ist aus Meghalaya, den ich ohne Hintergrundwissen auf Nepal tippen würde. Das Blatt hat schöne silberne Tips und duftet brotig, etwas nussig und vielleicht auch etwas nach Rosen. Im Aufguss ein typischer Second Flush und doch ganz anders als ich ihn erwarten würde. Der Geschmack ist süffig und aromatisch, vielleicht ein bisschen malzig und durchaus nussig. Gefällt mir gut!

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Die neue Filiale ist sehr zu empfehlen, vor allem denjenigen, die neugierig auf Tee sind und vor dem Kauf die ein oder andere Tasse „probetrinken“ möchten. Ach ja, Matcha gibt es natürlich auch! Es befinden sich schon ein paar Dosen direkt am Eingang, aber richtig Eindruck macht der kleine Kühlschrank inmitten des Edmons-Sortiments. Hut ab! Die neue Filiale ist in der Bergstraße, ganz in der Nähe der Europa Passage.

Update vom 10.10.2014
Heute wurde ich netterweise zur offiziellen Eröffnung eingeladen. Es kamen aus Meckenheim der Geschäftsführer Thomas Holz und der Tea-Taster Daniel Mack. Es gab eine kurze Ansprache von der Inhaberin Annette Kocourek, der man ansah, dass mit dieser Eröffnung ein Traum in Erfüllung gegangen ist. Es folgte ein Rückblick von Thomas Holz, der in der Teewelt eine feste Größe ist und der federführend an TeeGschwendners Nepal-Projekt mitwirkt.
Er zeigte uns ein Foto der ersten Filiale aus den 70ern, damals natürlich noch unter dem Namen „Der Teeladen“. Seitdem habe sich in der Teewelt viel verändert. In den 80ern habe man noch gekauft, was geschmeckt habe. Heute sehe das anders aus, die Leute verlangten nicht nur guten Tee, sondern Analysen und Zertifikate. Der Teehandel ist also deutlich komplexer geworden.

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Thomas Holz (Geschäftsführer TeeGschwendner) mit Annette Kocourek (Inhaberin der Filiale)

Daniel Mack führte uns ein kleines Tea-Tasting vor. Anhand ausgewählter Spezialitäten ist es ihm gelungen, die Vielfältigkeit des Tees zu demonstrieren. Aus den Blättern der Pflanze lassen sich so viele verschiedene Arten verarbeiten und von einigen Raritäten gibt es gerade mal 100-150kg pro Jahr. Der Vergleich zum Single Barrel Whisky fand ich sehr gelungen (Single Barrel Whisky ist eine Abfüllung aus einem einzigen Fass und die individuelle Reifung bringt einen einzigartigen Geschmack hervor, der sich nicht exakt reproduzieren lässt). Interessant fand ich Anekdoten aus dem Leben eines Tea-Tasters, in dem es darum geht, seinen Geschmack trotz der natürlichen Vorlieben zu schulen und zu objektivieren. Da dies nicht immer gelingen kann, hat TeeGschwendner ein Tea-Taster-Team, welches gemeinsam über Käufe entscheidet. Dies mindert das Risiko, einen Tee einzukaufen, der nur einem Bruchteil der Teefreunde schmeckt.

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Tea-Taster Daniel Mack bei der Verkostung

Der neue Flagship-Store in Hamburg ist eines der wenigen Geschäfte mit angebundener Gastronomie. Besonders hervorheben möchte ich die klassischen Tee-Utensilien aus Fernost. Im Regal kann man Gusseisenkannen bestaunen, die sich wirklich sehen lassen können. Es ist sogar eine Kanne dabei, die innen nicht emailliert ist. Für Menschen wie mich, die gerne Gusseisenkannen zum Wasser Kochen verwenden, eine hoffentlich interessante Meldung. Auch die schönen Becher und Tassen setzen sich vom kitschig-asiatischen Stil ab, den man nur allzu häufig sieht. Und Gerüchten zufolge kommt da noch mehr, wir dürfen also weiterhin gespannt sein!

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Viele hübsche Utensilien und es ist nicht das einzige Regal!

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