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Auf der Suche nach dem eigenen Nepal-Charakter: Jun Chiyabari

Nepal kann nicht nur gute Darjeeling-Alternativen produzieren (siehe letzter Blog), einige Produzenten wie der Garten Jun Chiyabari bringen so viel Leidenschaft und Experimentierfreudigkeit mit, dass sie Tees kreieren möchten, die sich nicht nur von Darjeeling unterscheiden, sondern einen eigenen Nepal-Charakter aufweisen.

Leider muss ich mich heute im Voraus für die schlechte Bildqualität entschuldigen. iPhoto hat es tatsächlich geschafft, beim Importieren alle heute gemachten Fotos zu löschen und sie nicht in die Datenbank zu speichern. Somit musste ich auf die Handy-Fotos zurückgreifen, die qualitativ deutlich abweichen.

Leidenschaft schlägt Tradition
Henning Schmidt vom Hamburger Teespeicher war zuletzt in Nepal und Darjeeling. Daher habe ich ihn am Freitag besucht, um ein bisschen über Nepal zu plaudern. Dabei kamen wir auf einen von Nepals Vorzeigegärten zu sprechen: Jun Chiyabari. Dieser recht junge Garten wurde von zwei Brüdern im Jahre 2001 gegründet und hat eine vergleichsweise kurze Geschichte. Die beiden Brüder Lochan und Bachan sind zwei Unternehmer, die in Darjeeling im Internat aufwuchsen und in so ziemlich allen Geschäftsfeldern aktiv waren – bis auf Tee. Im Jahre 2000 schwelgten sie in nostalgischen Erinnerungen (das Internat war umgeben von Teefeldern) und beschlossen, dem Teeanbau, den sie in Darjeeling ganz nebenbei als Tee-Enthusiasten kennengelernt haben, in Nepal eine Chance zu geben. Ganz schön mutig, so ganz ohne Erfahrung im Teeanbau.

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Lage und Größe
Der biozertifizierte Teegarten liegt 200km von Kathmandu entfernt im Dhankuta-Distrikt. Darjeeling ist mit 65km viel näher. Die Pflanzen werden in einer Höhe von 1600-2000m angebaut, es handelt sich also um einen richtigen Hochland-Tee. Die Jahresproduktion beträgt schätzungsweise 25t bei ca. 25-30ha, von den umliegenden Teebauern werden allerdings weitere Teeblätter nach eigenen Vorgaben hinzugekauft, der Anteil beträgt sogar 40%.

Der Weg ist das Ziel
Die beiden Brüder setzen auf erfahrene Tea-Maker, die zuvor jahrelang in Darjeelings Gärten Erfahrungen gesammelt haben und sich in Japan und Taiwan weiterbilden. Diese Vielfalt spiegelt sich auch in den verwendeten Cultivaren wider, man scheint in Zukunft auf sich voneinander stark unterscheidende Spitzentees setzen zu wollen, was ihnen schon jetzt gelingt. So werden beispielsweise neben japanischen Yabukita- und Zairai-Cultivaren auch taiwanesische (z.B. Si Ji Chun) und ältere nepalesische eingesetzt. Laut Henning Schmidt experimentiere man sogar mit Schattentees und möchte in Zukunft Matcha herstellen.

Die beiden Brüder sind mittlerweile 15 Jahre im Teegeschäft. In dieser kurzen Zeit haben sie gezeigt, was möglich ist, wenn man mit Ehrgeiz und Leidenschaft arbeitet. Ihre Tees sind überall zu finden, wo Qualität eine Rolle spielt und sie werden nicht müde, immer wieder Neues auszuprobieren. Dem Garten und seinen Mitarbeitern geht es übrigens den Umständen entsprechend gut.

Jun Chiyabari Imperial Black 19,95 EUR / 100g
Der Name leitet sich von einer etwas zweifelhaften Geschichte ab, wonach der chinesische Kaiser dem Königreich Nepal Teepflanzen nach einem verlorenen Krieg geschenkt habe. Von jenen Pflanzen soll dieser Tee stammen.

Zubereitung
Zubereitet wird dieser Tee nach der Methode für hochwertige Schwarztees.

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Blatt
Die Blätter sind sehr voluminös und tiefdunkel. Goldene Tips setzen einen schönen Akzentpunkt und sorgen für einen ansprechenden Kontrast. Natürlich muss man als Teetrinker gleich an Schwarztees aus Yunnan denken, die in zahlreichen Formen daherkommen. Die Macher haben bei dieser Kreation aber ausdrücklich nicht daran gedacht, einen Yunnan-Tee zu imitieren.

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Aroma
Die dunklen Blätter riechen im ersten Augenblick nach Waldmeister, ein Geruch, den ich aus meiner Kindheit kenne. Da gab es diesen einen Augenblick, als mein Onkel mich in eine polnische Eisdiele führte, in der noch das Eis frisch vor Ort zubereitet wurde. Nie wieder habe ich diesen intensiven Duft beim Betreten einer Eisdiele vernommen wie damals. Und immer wenn ich an Waldmeister-Eis rieche, überkommt mich diese Erinnerung.

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Was kommt da noch? Dunkle Brot- und Kuchenkruste, dazu ein leicht nussiger Duft und vielleicht auch ein bisschen Honig? Nach dem ersten Aufguss gewinnen Kakao und Fliederbeeren klar die Oberhand. Die Vorfreude nimmt zu.

Geschmack
Der erste Aufguss hat viele verschiedene Facetten zu bieten. Da wäre zunächst Kakao und Malz. Man könnte auch an Assam denken, aber es fehlt die Würze. Eine leichte Süße breitet sich im Mund aus und die Kuchenkruste macht sich bemerkbar.

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Beim zweiten Aufguss sind die Aromen etwas dezenter. Kakao ist jetzt nicht mehr so dominant, ich denke da eher an Kakaocreme, also eine abgeschwächte Form, die auch irgendwie zum Mundgefühl passt. Jetzt zeigt sich auch die Nussigkeit, ehe im Abgang der Imperial Black nochmals mit einer schönen Portion Feuchtigkeit erfrischt.

Einer geht noch. Der Schwarztee ist jetzt süffig, die Fliederbeeren sind jetzt das erste Mal richtig deutlich zu schmecken. Vielleicht wurden sie vorher auch nur von anderen Aromen überlagert? Der erfrischende Nachgeschmack erinnert mich wieder an Zitronentee – ein schöner Ausklang.

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Fazit
Das Rad neu erfinden tut Jun Chiyabari mit Sicherheit nicht. Und dennoch ist es ein Tee, der für hochwertige Assam-Liebhaber und Yunnan-Trinker gleichermaßen interessant sein könnte. Und wem Assam-Tee sonst einfach zu stark ist, die feine malzige Note aber sehr zusagt, der kann sich ebenfalls an diesem Tee versuchen. Es ist schön zu sehen, dass es einen Ort in Nepal gibt, der abseits vom Mainstream neue Wege einschlägt. Daher werde ich Jun Chiyabari mit Sicherheit aufmerksamer verfolgen, sie haben übrigens auch einen Twitter und Facebook-Auftritt! Vielen Dank, lieber Henning für diese feine Probe. Wenn auch du dich für diesen Tee interessierst,  findest du ihn im Online-Shop vom Hamburger Teespeicher.

Auch nächste Woche geht es weiter mit einem Nepalesen, nur einen Steinwurf entfernt von Jun Chiyabari.

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Es ist Zeit, danke zu sagen: Aged High Mountain Oolong

Vor eineinhalb Jahren war ich zum ersten und bisher einzigen Mal im Berliner Teesalon und habe hier darüber berichtet. Von meinem langjährigen Freund Milosz habe ich zwei Tees spendiert bekommen, von denen ich einen vorstellen möchte.
Taiwan ist vor allem für seine Oolong-Spezialitäten bekannt. Der heutige ist ein Hochland-Oolong, der zehn Jahre gelagert und nachgeröstet wurde. Mehr Informationen gibt es nicht. Was mich an diesem Oolong so reizt, ist die überaus intensive Röstung, doch dazu gleich mehr.Obwohl Taiwan-Tee heute einen bedeutenden Platz in der Tee-Welt eingenommen hat, ist die Geschichte des Anbaus (nicht des Konsums!) überschaubar. Erst im späten 18. Jahrhundert wurde der erste Strauch in der Nähe der heutigen Hauptstadt Taipeh gepflanzt. Ausgerechnet ein Brite sollte ein Jahrhundert später das Potenzial taiwanesischer Oolong erkennen und begann, sie als „Formosa Oolong“ zu vermarkten. Da in Taiwan zu dieser Zeit fast ausschließlich Oolong hergestellt wurden, wurde der Begriff fast wie ein Synonym für taiwanesischen Tee benutzt. Schon damals gehörten Dong Ding, Paochung und High Mountain Oolong zu den gehandelten Tees. Als High Mountain werden Tees klassifiziert, die in über 1000m Höhe geerntet wurden.Zubereitung
Gong-Fu-Style, kurze Ziehzeiten, länger werdend, 90-100°C heißes Wasser.

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Aussehen
Die Blätter sind zu Kugeln gerollt und wirken wie schwarze Perlen. Diese Intensität ist erstaunlich. Ich habe zwar schon einige geröstete Oolong gesehen und probiert, dieser übertrifft die zuvor gesehenen an Röstungsgrad bei Weitem!

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Aroma
Bereits im trockenen Zustand verströmen die Blätter einen sehr starken gerösteten Duft. Da ist wieder der Duft von Sauna-Kabine, den ich von Shu-Pu Erh kenne. Parallelen zu Nori-Blättern lassen sich ebenfalls finden.
Im warmen Zustand kommen Erinnerungen an alte japanische Holztempel aus Zedernholz auf. Auch Räucherstäbchen passen dazu, aber eher dezente.

Geschmack
Der erste Schluck offenbart eine leichte Würze, vielleicht auch Zimt. Schon bald wird der Eindruck von Lakritz bzw. Süßholz verdrängt. Die Röstaromen erinnern Frau P. außerdem an einen Maronenstand.

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Schon der zweite Aufguss zeigt sich etwas rauchiger, aber sehr angenehm, wie ein gemütlicher Abend vor dem Kamin. Im weiteren Verlauf dominiert die ganze Zeit über das Süßholz. Durch diese dicke Wand dringt ab und zu Karamell, später Kakao oder auch Schokolade. Es ist aber schwer, noch etwas hinter dem lakritzigen Süßholz zu schmecken.

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Selbst nach über acht Aufgüssen noch schwarze Blätter!


Fazit
Ich mag Oolong sehr gerne und auch dieser hat mir gefallen. Der hohe Röstungsgrad hat die Vorfreude vielleicht etwas zu sehr beflügelt, denn der Tee war mir leider nicht abwechslungsreich genug, was vielleicht daran liegen mag, dass die Röstung die feinen Nuancen zu weit zurückgedrängt hat. Vielen Dank an Milosz für diesen Tee, der mich wieder um eine Erfahrung reicher gemacht hat.

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Formosa (Taiwan) Oolong Pinglin Paochung Ernte 1994

Wenn Tee zu einer Sammelleidenschaft ausartet, dann häuft man massenweise Tee-Samples an. Anfangs behält man noch den Überblick, bald darauf ist man sich bei dem ein oder anderen Tee nicht mehr sicher, woher man den eigentlich hat und nach ein paar Jahren weiß man bei einem beachtlichen Teil der Tees nicht mehr die Umstände des Erwerbs. So auch bei diesem hier.
Zum Glück ist das Sample beschriftet, somit weiß ich zumindest, dass ich es entweder selbst gekauft oder als Zugabe von Henning Schmidt bekommen habe. Meine Ehefrau kommt auch infrage, da sie mir mal ein Sample-Päckchen spendierte.
Wie auch immer, Oolong finde ich als Kategorie am spannendsten, weil es eine unüberschaubare Vielfalt an Herstellungsverfahren gibt. Sie führen dazu, dass Oolong entsprechend differenziert ausfallen und es speziell in dieser Kategorie sehr viel zu entdecken gibt. Hier haben wir es mit einem Paochung (auch Baozhong) aus Taiwan zu tun. Die meisten Oolong aus Taiwan haben ein gerolltes Blatt, der Paochung sieht im Vergleich dazu wilder aus. Mich spricht das an.
Ursprung
Ursprünglich wurde dieser Tee natürlich in China hergestellt, doch schon ab dem späten 19. Jahrhundert hat man auch in Taiwan damit begonnen, diesen Tee systematisch herzustellen. Damals wurde der Tee noch aromatisiert und ausgerechnet unter japanischer Besatzung (1895-1945) sind neue Verarbeitungsmethoden entstanden, die den Paochung so aromatisch machten, dass man fortan auf die Aromatisierung verzichtete. Da der Tee vor allem in Japan populär wurde, dehnte sich die Produktion von Nangang auf die Nachbarregion Wenshan aus. Ein Teil der Wenshan-Region war bis in die 1990er auch Pinglin. Da Pinglin nicht mehr zu Wenshan gehört, spricht man hauptsächlich von zwei Paochung-Anbauregionen: Wenshan und Pinglin.

Oxidationsgrad
Der Trend, immer grünere Oolong zu produzieren, hat längst den Paochung erfasst. Er gehört zu den Oolong mit dem geringsten Oxidationsgrad. Heutzutage ist es schwierig, überhaupt noch einen traditionellen Paochung zu finden, der stärker oxidiert und geröstet wurde. Angeblich diente der höhere Oxidationsgrad samt Röstung dazu, den Tee für lange Transportwege exportfähig zu machen. Der „grüne Trend“ ist daher auch als eine Reaktion auf die immer kürzeren Lieferzeiten zu sehen.Vintage Paochung
In Taiwan ist gereifter Paochung keine Seltenheit. Besonders die traditionellen Exemplare eignen sich gut zum Nachreifen, die modernen grünen Vertreter dafür umso weniger. Aufgrund des feuchteren Klimas wird in Taiwan der Oolong alle paar Jahre nachgeröstet, um die Feuchtigkeit unter Kontrolle zu halten. Dies kann aber dazu führen, dass die Röstnote überhand nimmt und der eigentliche Geschmack zu sehr in den Hintergrund gerät.

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Blatt
Die Blätter sind sehr dunkel und gekräuselt. Manche bilden Halbkreise oder sind gar ineinander verknotet. Das Blattgut ist mittelgroß und zum Glück ist wenig Bruch dabei.

Geruch
Trocken riecht der Paochung schwer nach Trockenfrüchten, vor allem nach getrockneten Pflaumen. Hinzu kommen Noten von antiken Büchern und altem Holz. Schöne Kombination. Im warmen Gaiwan wird der Duft noch schwerer und intensiver, die Holznoten wandeln sich in Richtung Süßholz bzw. Lakritz.

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Zubereitung
4g auf ca. 80ml 90-95°C heißes Wasser, anfangs kurze Ziehzeiten, immer länger werdend.

Geschmack
Schmeckt erstaunlich nach typisch dunklem Oolong wie Dan Cong oder Da Hong Pao. Anfangs breitet sich ein kühlender Effekt (Minze?) auf der Zunge aus, den auch Frau P. bemerkt. Dunkle Schokolade ist dominant. Zusammen mit der Minze ergibt das fast schon „After Eight“. Der Tee ist erstaunlich komplex, denn neben einer Schärfe, die in Richtung Ingwer oder Pfeffer geht, erkenne ich noch eine Würze, die an Zimt erinnert. Und wir befinden uns wohlgemerkt beim ersten Aufguss.

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Danach geht es weiter. Der Paochung ist auf jeden Fall hart im Nehmen. Er ist keine Zicke, sondern ein gutmütiger alter Freund mit viel Nachsicht gegenüber der jüngeren Generation. Im Laufe der Zeit verändert sich der Geschmack nur wenig. Immer wieder denke ich an Pu Erh. Es ist nicht Tabak, ich würde es „reifen Geschmack“ nennen, der vor allem bei Pu Erh ab 10 Jahren Lagerzeit auftritt.

Fazit
Ich hatte eine schöne Zeit mit diesem Tee. Schade, dass die Probe nun alle ist, aber wie ich gerade gesehen habe, hat der Hamburger Teespeicher noch etwas auf Lager. Allen, die sich für diesen Tee entscheiden mögen, wünsche ich viel Vergnügen!

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Besuch des Berliner Teesalons

Letzte Woche bekam ich einen unerwarteten Anruf eines Freundes. Er wollte in Berlin ein Auto kaufen und brauchte einen Mitfahrer. Bereitwillig, jede Möglichkeit zu nutzen, um den Prüfungsvorbereitungen zu entgehen, ließ ich mich darauf ein. Einen Hintergedanken hatte ich aber dabei. War in Berlin nicht der romantische Teeladen mit Verkostungsangebot vor Ort, ausgestattet mit nostalgischen Möbeln und spezialisiert auf erlesene Teesorten? Darüber hat doch schon der Teefreund Krabbenhüter berichtet und konnte den Laden uneingeschränkt weiterempfehlen.
Meine Zustimmung erfolgte also unter der Bedingung, den Berliner Teesalon aufzusuchen und mir vor Ort einen kleinen Obolus aussuchen zu dürfen.
Wegen des Schneewetters waren die Bedingungen auf den Autobahnen suboptimal und wir sind erst eine halbe Stunde vor Schließung angekommen. Für einen gemütlichen Plausch unter Teefreunden blieb also wenig Zeit, nicht einmal Fotos habe ich gemacht – viel zu sehr waren wir damit beschäftigt, die Atmosphäre aufzusaugen, Teeutensilien zu bestaunen und schließlich auch Tee zu kaufen.
Man hatte durchweg das Gefühl, dass das Geschäft mit viel Liebe betrieben wird. Im Nachhinein ist mir aufgefallen, dass im Teesalon der typische Geruch fehlte, der durch das Angebot aromatisierter Tees entsteht. Oder habe ich das falsch in Erinnerung?
Der Laden geht in die Tiefe und es werden auch ausländische Tee-Raritäten angeboten, beispielsweise Tee aus Irland der Marke Barry’s. Überhaupt hatten wir den Eindruck, dass Teekultur groß geschrieben wird. Bunte Teedosen und Danoon-Becher waren rar, wenn überhaupt vorhanden. Hier und da standen Utensilien und Keramiken von mir teilweise bekannten Töpfern. Die Teewelt ist manchmal kleiner als man denkt. Auch aus Fernost standen so manche Schätze in den antiken Regalen. Wer auf der Suche nach kunstvoll verzierten Yixing-Kannen ist, der dürfte hier fündig werden.
Ich stellte uns anfangs vor, dass wir aus Hamburg extra nach Berlin gekommen seien, um den Teesalon zu besuchen. Das war natürlich leicht geflunkert. Mein Kumpel trinkt zwar Tee durch meinen Einfluss, ist aber weit entfernt davon ein „Nerd“ zu sein. Das merkte man an seiner Frage: „Habt ihr noch einen so richtig guten Tee? Vielleicht einen Earl Grey?“ Wir (die Verkäuferin und ich) mussten beide lachen – das war mir sympathisch. Nicht, weil ich Earl Grey für ein absolutes „no go“ halte, sondern weil selbst ein wirklich anständiger Earl Grey bleibt was er ist: Ein aromatisierter Tee, der durchaus lecker schmeckt und seine Fans hat (mich eingeschlossen), aber nicht in einer Reihe mit handwerklich hochwertig verarbeiteten Oolong stehen kann. Und so fiel die Wahl auf drei verschiedene Oolong aus Taiwan: Einen Hong Shui aus dem Frühling 2012, einen Dong Ding mit einem Oxidationsgrad von 30-40% und einen zehn Jahre gelagerten Hochland-Oolong, der wohl einige Male nachgeröstet wurde und mich vor allem beim Ausschank überzeugt hat. Verkostungsberichte folgen allerdings erst in Zukunft.
Dass wir noch die Gelegenheit bekamen, den Teesalon in seiner jetzigen Form zu besuchen, ist eine glückliche Fügung. Dieses Jahr soll wohl noch ein Umzug innerhalb Berlins folgen. Es ist also Eile geboten, wenn man den Salon erleben möchte.
Gekauft haben wir verschiedene kleine Kostbarkeiten. Sehr entgegen kam uns dabei, dass die nette Frau eine chinesische Deckeltasse (Gaiwan) dazu nutzte, um unsere Aufmerksamkeit auf ein paar besondere Oolong zu ziehen und uns von ihnen probieren ließ. Ein geschmacklicher Eindruck ist das überzeugendste Argument für einen Kauf und ein sehr kundenfreundliches Entgegenkommen. Wie ein Tee letztlich schmecken wird, kann man durch den Geruch alleine nur schwerlich erahnen, zumindest ich kann das nicht. Umso bedauerlicher ist es, wenn die Feststellung erst in den vier eigenen Wänden eintritt und der Tee einem geschmacklich nicht zusagt. Diese Art von Service habe ich sehr genossen und kann jedem Berliner bzw. Touristen einen Besuch empfehlen.

Hochland-Oolong aus Taiwan

„Worin liegt der Sinn von Verkostungsberichten?“, mag sich der ein oder andere fragen, wenn Blogger ihre subjektiven Eindrücke niederschreiben. Schließlich können sich Hobbytrinker nicht anmaßen, ein für alle gültiges Urteil über einen Tee zu fällen. Hinzu kommt noch, dass sich die sensorische Wahrnehmung von Mensch zu Mensch unterscheidet und somit nicht objektivierbar ist. Aus diesen Gründen habe ich das Bedürfnis mich kurz zu erklären.
Weder maße ich mir an, über die Güte eines Tees zu urteilen, noch möchte ich meine Erfahrungen als das Nonplusultra verkaufen. Verkostungsberichte sind für mich einerseits eine ganz pragmatische Lösung, um meine Erfahrungen festzuhalten und „Tee zu lernen“. Ich trinke zwar schon seit über 10 Jahren Tee, allerdings habe ich erst vor ca. 2 Jahren angefangen bewusst auf Unterschiede zu achten. Davor war Tee einfach Tee. Hier und da habe ich mal etwas Neues gekauft, mal hat es geschmeckt, mal nicht, mal habe ich mir den Namen und die Herkunft gemerkt, mal nicht, und auf diese Weise liegt der Erkenntnisgewinn natürlich bei nahezu Null. Ich möchte also zunächst meine Eindrücke sortieren und festhalten, denn meistens verinnerlicht man die Erfahrungen allein durch das Aufschreiben. Und dann kann es sein, dass es Menschen gibt, die gerne ihre Erfahrungen mit denen eines anderen abgleichen. Wenn man einen Menschen findet, der Tee ähnlich wahrnimmt wie man selbst, dann können seine Erfahrungen nützlich sein, wenn man auf der Suche nach neuen Teeerfahrungen ist. Ich lese zum Beispiel sehr gerne die Eindrücke von anderen und lasse mich von ihnen inspirieren.
Der Tee, um den es sich heute dreht, ist ein Oolong aus Taiwan, den mir eine Arbeitskollegin mitgebracht hat. Eines Tages erfuhr ich in einem Gespräch, dass ihr Freund und Lebensgefährte gerade in Taiwan war. Als er wiederkam, habe ich sie gefragt, wie es da so war, was er gemacht hat und ob er da auch Tee getrunken hat. Zum Tee meinte sie völlig entsetzt, dass er dort so viel eingekauft habe, dass sie nicht wisse, wann sie das je alles austrinken sollten. Aus diesem Grund hat sie mir eine Packung davon mitgebracht. Irgendwann danach war sie dann aber doch begeistert von dem Tee und schwärmte von den tollen Aromen und wie er ihr schmeckte. Ich habe ihr zwar angeboten, dass sie den Tee wiederhaben könne, aber sie lehnte ab.Ein kurzer Einschub, bevor es mit dem Tee weitergeht: Vor einiger Zeit ist ein Paket von Petr Novák angekommen und jetzt dürfen zwei kleine Becher aus dieser Bestellung ihr Debut feiern. Den Rest der Bestellung darf ich leider noch nicht aufmachen, da sie mein Geburtstagsgeschenk enthält. Frau S. ist da sehr streng, ich darf es erst nächste Woche auspacken.Der blaue Becher stammt aus einer Serie von mehreren Bechern, die Petr bei seinem letzten Brand hergestellt hat. Wie ich aus Gesprächen mit anderen Tee-Begeisterten entnehmen konnte, bin ich nicht der einzige, der von dieser blauen Glasur begeistert ist. Der Farbübergang der Glasur, der von oben nach unten immer heller wird, erinnert mich an die Strände Okinawas. Am Horizont ist das Wasser sehr dunkel, zur Mitte hin wird es sehr hell und mündet in ein fast türkises Blau. Der zweite Becher, aus einer anderen Serie, führt diese Metapher fort. Die leichte und hellblaue Glasur ist transparenter und lässt den sandigen, etwas rauen Tonkörper darunter gut erkennen und wirkt dadurch wie das Wasser am Strand in der Nähe des Betrachters. Der Nachteil farbiger, insbesondere dunkler Glasuren, ist, dass sie die Farbe des Tees verschleiern. Daher benutze ich solche Utensilien nur, wenn ich die Farbe des Tees schon kenne bzw. einschätzen kann. So wie dieses Mal.
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Das Blatt des Tees ist grün, vielleicht nicht so hell wie ein moderner Tie Guan Yin (TGY), andererseits wüsste ich auch nicht, ob ich den rein äußerlich auseinanderhalten könnte. Nur im Duft zeigt sich ein kleiner Unterschied. Der vorliegende Tee hat einen leichten Karamell- und Honig-Geruch, doch auch der Blüten-Duft ist vorhanden, der mich ein bisschen an Tie Guan Yin denken lässt.
Das änderte sich aber schlagartig. Im warmen Gaiwan gerät der Blüten-Duft schon in den Hintergrund und die karamellige Süße wurde dominanter. Doch nach dem ersten Spülgang habe ich nur noch eine Mischung aus Mandeln und Amaretto gerochen. Wow!

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Da an diesem Tag nicht so viel Zeit ist, eine lange Tee-Session zu veranstalten, die über 10 Aufgüsse geht, versuche ich die Ziehzeiten etwas zu verlängern, damit die einzelnen Aufgüsse etwas konzentrierter ausfallen. Im ersten Aufguss findet sich der Geruch komischerweise nicht wieder. Im Geschmack notiere ich leichte Mandel, im Abgang die Blüte des TGY, etwas Süße und in der Nase Amaretto. Insgesamt ein lebhafter, frischer Tee. Bei einem weiteren Schnuppern an den nassen Blättern rieche ich Maiglöckchen. Frau S. riecht vor allem mein Aftershave… Wie lange das Zeug doch an den Händen bleibt und sich auf andere Dinge überträgt…

Im zweiten Aufguss bekommt der Tee mehr Körper, schmeckt würziger und vollmundiger. Die Mandel schmecke ich deutlicher und auch die Süße hat zugenommen. Der zuvor beschriebene Duft des Blatts findet sich nun auch in der Tasse wieder.

Im dritten Aufguss bricht der Tee etwas ein. Die Süße nimmt ab und er ist nicht mehr so lieblich. Dafür zeigt sich ein typischer Geschmack, den wohl alle grünen Oolong gemein haben.

Nun erwarte ich ja, dass der Tee ab dem vierten Aufguss immer weiter nachlässt, aber der fünfte wird richtig fruchtig und süß. Leider kratzt der Tee auch im Hals, was ich nicht zum ersten Mal bei einem Tee bemerke. Ich wüsste ja gerne, woran das liegt. Vielleicht weiß jemand von Euch mehr dazu?

Beim sechsten Aufguss hinterlässt der Tee ein cremiges Mundgefühl und schmeckt auch etwas milchiger. Leider müssen wir nach diesem Aufguss los, obwohl der Tee noch nicht am Ende ist. Aber da ich eine 150g-Packung bekommen habe, kann ich mit diesem Tee noch viel experimentieren

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Die Blätter sind in einem sehr guten Zustand und es bereitet mir Freude sie anzusehen. Kann man daraus ableiten, dass der Tee besonders sorgsam verarbeitet wurde? Ich habe jedenfalls schon TGY gesehen, die ein deutlich strapazierteres Blatt gehabt haben.

Zwischenfazit:
Dieser Tee vereint die Eigenschaften der duftigen blumigen Oolong, wie TGY und die der etwas gerösteten Sorten. Zumindest ist das mein Eindruck und ich frage mich, ob dieser Tee eine leichte Röstung verliehen bekam. Karamell und Amaretto kenne ich sonst nur von solchen Oolong.

Nostalgie-Tee: Mingjian Oolong

Häufig hört man von aus der Mode gekommenen Tees, die es nicht mehr oder nur noch schwer zu kaufen gibt, weil sie nur noch in kleinen Mengen produziert werden. Manchmal hört man auch von Tees, die es gar nicht mehr gibt (z.B. Grusinien) oder die im Begriff sind, zu verschwinden (z.B. eine Sorte aus Kenya). Menschen, denen diese Tees ans Herz gewachsen sind, ohne es zu merken, verbinden mit diesen Tees gewisse Momente ihres Lebens. Diese Erinnerungen können lieb und teuer sein.
Mehr noch als materielle Dinge können Gerüche und Geschmäcker besonders gut mit Erinnerungen verknüpft werden, die uns ein Leben lang erhalten bleiben. Ich denke, dass gerade eine Erinnerung, die mit einem Geruch oder Geschmack verknüpft ist, besonders intensiv im Gedächtnis bleibt. Und wenn man einen bestimmten Duft in die Nase kriegt, dann kann es sein, dass diese Erinnerung durch die Verknüpfung wie von selbst aktiviert wird.
Ein paar Beispiele: Im Winter gibt es einen typischen Duft, der mich immer ans Ski-Fahren erinnert, weil ich diesen Duft im Ski-Urlaub jeden Tag wahrgenommen habe. Es gibt Tage im Winter, an denen ich herausgehe, diesen Duft rieche und sofort an die Ski-Reise denken muss. Lebensmittel, die einem sehr schmeckten, scheinen darüber hinaus besonders gut in Erinnerung zu bleiben. Mein Vater schwärmt noch heute vom frisch gebackenen Brot aus dem Steinofen, welches er in Polen bei seinem Onkel im Dorf gegessen hat. Er erzählte mir auch von einem Oolong namens Madras, an dessen Duft er sich noch so gut erinnert, als wäre es gestern gewesen. Wenn man diesen Tee in der Küche zubereitete, dann duftete die ganze, zugegebenermaßen nicht all zu große, Wohnung danach. Diesen Oolong gab es nur eine Zeit lang zu kaufen. Wie wäre es wohl, wenn er diesen Tee heute noch einmal trinken könnte? Würde er sich für einen Augenblick in die Vergangenheit zurückversetzt fühlen?
Ich war am Mittwoch mit Frau S. in einem japanischen Lokal, welches eine Mischung aus einer Kneipe und einem Restaurant ist. Es ist typisch japanisch eingerichtet, das Personal besteht gänzlich aus Japanern und es gibt authentisches japanisches Essen, wie man es auch in Japan kriegt. Damit meine ich nicht Sushi, sondern z.B. Hähnchen-Spieße, Kürbiskroketten, mit Sesam gewürzte Hähnchenflügel und mit Salz bestreuten, gegrillten Fisch. Dazu gab es japanischen Reiswein und das Zusammenspiel aus Atmosphäre, Duft und Geschmack versetzte uns für zwei Stunden nach Japan. Sensorische Eigenschaften von Lebensmitteln können, so die These, Erinnerungen und Gefühle „triggern“.Diese nostalgische Stimmung bzw. Erinnerung hat sicher jeder schon mal erlebt. Dies ist der Hintergund für den Tee, den ich vorstellen möchte bzw. wie er bereits vom Hamburger Teespeicher wie folgt vorgestellt wurde:

Früher war zwar nicht alles besser, aber ohne technische Hilfsmittel hergestellte Tees schmecken doch anders als die modernen Gegenstücke, die unter genormten Bedingungen wachsen und bei denen man zur Not mit Klimaanlagen in den auch sonst technisch stark unterstützten Herstellungsprozess eingreifen kann. Im Grunde war früher mehr Sorgfalt und Aufwand nötig. Auf genau diese alte Weise wurde unser Nostalgie-Oolong angebaut und verarbeitet. Wir selbst haben zwar vor 100 Jahren noch keinen Tee getrunken, aber der Teebauer, der noch seines Vaters Tee kennt, meinte, dass er so wie früher schmecke (Quelle).

Wenn es um Tee geht, dann sind wir immer abhängig von der gegenwärtigen Produktion. Es kann uns also auch eines Tages passieren, dass wir einen lieb gewonnenen Tee nicht mehr kaufen können, weil der Trend in eine andere Richtung geht oder die Produktion aus wirtschaftlichen oder ökologischen Gründen eingestellt wird. Wer weiß schon, was das Trend-Getränk von morgen ist und wie lange wir den Tee von heute wie selbstverständlich genießen können?
Ich habe auch einen „Nostalgie-Tee“. Als ich in Japan war, habe ich einen Grüntee gekauft ohne dabei auf die Packung zu achten. Den Tee habe ich umgefüllt in eine Holzdose, die diesen starken Duft lange Zeit speichern konnte. Die Verpackung ging sofort in den Müll. Es muss einer aus der Shincha-Ernte gewesen sein, mit einem dunklen und nadeligen Blatt. Das besondere an ihm war der besagte Duft, der sich auch im Geschmack widerspiegelte. Ich habe keine Ahnung, wie der Tee hieß und aus welcher Region er kam, weil ich ihn in Fukui gekauft habe, wo kein hochwertiger Tee hergestellt wird. Damals habe ich auch überhaupt nicht auf die Sorte geachtet. Drei Jahre später habe ich verschiedenste japanische Grüntees getrunken, doch diesen einen Tee leider nicht wiederfinden können. Werde ich den Tee je wieder trinken können?
So ähnlich muss es wohl dem oben zitierten Teebauern gegangen sein. Er hat aber das Glück, den Tee, den er so sehr schätzt, selbst produzieren zu können. Welch ein Glück!
Da ich diesen Tee zum ersten Mal probiere, entscheide ich mich für die Mini-Gaiwan, die ich von Stéphane erworben habe. Da man nur 60ml Tee pro Aufguss zubereiten kann, braucht man nur wenige Blätter. Das hat den Vorteil, dass man etwas experimentieren kann, ohne dabei zu viele Blätter zu verschwenden. Nachdem man den Tee kennengelernt hat, kann man die Dosierung beim nächsten Versuch anpassen.

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Bei dem Tee vom Hamburger Teespeicher handelt es sich um einen Oolong, der im Nachhinein geröstet wurde. Man sieht das an den dunklen zusammengerollten Blättern, aus denen leichte Röstnoten, wie man sie von Hôjicha kennt, strömen. Die kleinen Kügelchen sind tatsächlich sehr klein. Das wird im Vergleich zu einem Tie Guan Yin sehr deutlich. Eventuell ist der Tee auch stärker oxidiert, aber es ist schwierig das endgültig festzustellen.

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Bei den Kügelchen und dem süßen Duft muss ich spontan an Karamell denken
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Links der geröstete Oolong und rechts ein Tie Guan Yin

Das trockene Blatt riecht sehr süß und erinnert zunächst an Karamell mit leichten Noten von Zimt und getrockneten Pflaumen. Dieser Duft wird im vorgewärmten Gaiwan noch intensiver. Der erste Aufguss ist ja eigentlich ein Spülgang, aber ich bin dazu übergegangen diesen ersten Aufguss länger ziehen zu lassen und ihn zu trinken. Vor dem ersten Nippen rieche ich aber immer zuerst das nasse Blatt, weil der Duft dann besonders intensiv ist. Frau S. denkt sofort an antike Hölzer, ich bleibe bei meinem ersten Eindruck, nur sind die Aromen viel intensiver.

Der erste Aufguss ist leider sowohl in der Farbe als auch im Geschmack noch sehr blass. Der Tee schmeckt etwas süß und malzig, kann mich so noch nicht begeistern. Aber es ist ja auch der eigentliche „Spülgang“.

Der zweite Aufguss schmeckt dafür umso besser. Im Vergleich zu vorher eine wahre Geschmacksexplosion. Der Tee ist süß und er bleibt es auch bis zuletzt. Das hat mich am meisten überrascht, weil ich die Süße bei vielen Tees zwar zwischendurch immer wieder mal geschmeckt habe, aber nie vom ersten bis zum letzten Aufguss. Im Geschmack war es eine Mischung aus Cocktail-Kirsche und Amaretto. Sehr lecker! Der Geruch war noch komplexer: Notiert habe ich eine Mischung aus Cocktail-Kirsche, Mon Chéri, dunkler Schokolade, Lebkuchen und Zimt.

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Ab dem zweiten Aufguss bekam der Tee eine tolle orange Farbe

Beim dritten Aufguss kam etwas Vanille und Mandel hinzu. Der Tee wirkte insgesamt runder. Ab dem Vierten trat die Röst-Note mehr in den Vordergrund und es bildete sich ein süßer Film auf der Zunge. Das kannte ich bisher auch nicht bzw. habe es noch nie auf diese Weise wahrgenommen. Der Tee gewann an Körper und schmeckte wieder etwas malziger.

Danach wurde der Tee dominanter und etwas kräftiger. Ab dem sechsten Aufguss kamen Noten von unreifen Bananen hinzu. Frau S. vernahm besonders getrocknete Datteln. Ab dem siebten schmeckten wir sogar gebrannte Mandeln, gepaart mit einer Likör-ähnlichen Süße und Karamell. Bis zum 13. Aufguss wechselten sich die Aromen von Aufguss zu Aufguss mehr oder weniger ab. Ein sehr vielseitiger Tee, der sogar mehr Aufgüsse vertragen hätte, aber uns fehlte zum Schluss die Zeit, um die immer längeren Ziehzeiten einhalten zu können.

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Die Blätter sind sehr dunkel. Ich frage mich, ob das eher durch die Oxidation oder Röstung kommt
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Die Blätter sind sehr krumpelig und die Falten lassen sich nicht glätten. Kommt das vielleicht auch durch die Röstung?

Fazit:
Insgesamt verbrachten wir mit dem Tee 1,5 Stunden und waren sehr zufrieden. Da uns so ein Tee zum ersten Mal begegnete, löste der Duft und Geschmack keine nennenswerten Erinnerungen aus. Aber es ist ja auch der Nostalgie-Tee eines anderen. Für Tee-Liebhaber, die auf der Suche nach klassischen Oolong sind, ist dieser Tee sicher einen Versuch wert. Für mich war das ein sehr schöner Tee, der ein gutes Beispiel dafür ist, weswegen ich nach über einem Jahr zu den gerösteten Oolong tendiere. Sie sind im Vergleich zu den grünen Tie Guan Yin im Geschmack komplexer und abwechslungsreicher. Schade nur, dass sie in Deutschland so selten sind. Ich bedanke mich für die Probe und für diese Erfahrung, Herr & Frau Schmidt! Wer sich für diesen Tee interessiert, findet ihn hier. Das Foto beim Hamburger Teespeicher wird übrigens bald aktualisiert, falls sich jemand fragt, weswegen mein Foto des Tees und das im Shop so unterschiedlich aussehen.