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Was man bei der Ausbildung zum Tee-Sommelier lernen kann Teil V

Der letzte Teil der Ausbildung zum Tee-Sommelier ist nun zu Ende. Es war mit Abstand der anspruchsvollste Block, der vom 11.6. bis 14.6. stattfand und zwei Prüfungen umfasste. Da die Erinnerungen noch frisch sind, nutze ich diese Gelegenheit, um die Kernpunkte zusammenzufassen. Das Grundlagenwissen wurde in drei Blöcken vermittelt, nun kam der schwierigste Teil.

Lernerfolgskontrolle Block III
Wie immer starteten wir mit einem Test, der sich auf die Inhalte des letzten Blocks konzentrierte. Einige empfanden diesen Test als schwieriger, mir lag der Test ganz gut, was aber sicherlich auch daran lag, dass ich beruflich bedingt einen Vorteil habe.

Albert Gschwendners Vermächtnis
Immer wieder wurde sie kurz angedeutet, jetzt stand sie sogar im Mittelpunkt. Die Rede ist von Albert Gschwendners Vision. Denn die Idee hinter dem Tee-Sommelier ist die Befähigung zur Weitergabe der eigenen Leidenschaft, die man für Tee empfindet. Um es nochmal deutlich zu sagen, es geht um Leidenschaft, nicht um elitäres Expertenwissen. Letzteres eignet sich gut dazu, um sich selbst vor anderen zu profilieren, aber nicht dazu, jemandem, der nichts mit Tee zu tun hat, Lust auf Tee zu machen. Aus diesem Grund bekam Frau Florl den Auftrag von Albert Gschwendner, jeden Teilnehmer dazu zu befähigen, die in ihm wohnende Leidenschaft weiterzugeben, damit andere sich anstecken lassen und anfangen, sich für dieses schöne Produkt zu interessieren. Immer wieder haben verschiedene Personen unabhängig voneinander sichtbar gerührt von Albert Gschwendner gesprochen. Er muss ein besonderer Mensch gewesen sein, wenn selbst der Prüfer der IHK 5 Jahre nach dessen Tod noch von ihm spricht.

Der Tee-Sommelier als Seminarleiter
Wie man ein Seminar souverän gestaltet, haben wohl die wenigsten von uns gelernt. Jeder hat in der Schule oder in der Universität mal ein Referat vor bekannten Gesichtern halten müssen. Ein Seminar vor Menschen zu halten, die man nicht kennt, die dafür bezahlen und eine Erwartungshaltung haben – das ist etwas völlig Anderes.

Einen souveränen Vortrag zu halten, scheint auf den ersten Blick ganz leicht. Man muss nur natürlich, authentisch und kompetent sein oder zumindest so wirken. Der Rest kommt von ganz allein, möge man denken. Doch wenn man erst in die Situation gekommen ist, vor einem Publikum frei sprechen zu müssen, merkt der ein oder andere dann doch, dass die Worte, die man sich zurechtgelegt hat, nicht so flüssig aus einem heraussprudeln, wie man sich das vorgestellt hat.

Im Seminar wurde der Vergleich zum Spielen eines Instruments gezogen. Man lernt ein Instrument nicht, indem man ein Buch darüber liest, sondern indem man spielt. Also fingen wir an zu spielen.

Das Grundgerüst eines souveränen Vortrags
Ein bisschen Theorie erleichtert jedoch die Praxis, indem es ein strukturelles Gerüst bildet. Ein Vortrag besteht grundsätzlich aus einer Einleitung, dem eigentlichen Inhalt und dem Schlussteil. Jeder Teil lässt sich gliedern, die Struktur ist eine Art roter Faden, an dem man sich durch die Präsentation entlanghangelt und sie lässt sich üben.

Besonders schön war, dass wir uns diese Struktur unter Anleitung selbst erarbeitet haben. Es macht einen spürbaren Unterschied, ob man sie selbst bestimmt oder ob man sie einfach vorgesetzt bekommt. Ich konnte mich dadurch mit ihr gut identifizieren.

Videobeweis
Ich weiß nicht, woran es liegt, viele Menschen haben ein viel zu kritisches Bild von sich selbst. Dies führt leider dazu, dass Versagensängste unser Potenzial blockieren. Wir denken, dass die Welt implodiert, wir zumindest aber schandvoll sterben, wenn wir ins Stocken geraten oder den Faden verlieren. Alles ist nur halb so schlimm, viel wichtiger ist der Umgang mit den eigenen Fehlern. Niemand ist perfekt, Stockfehler, das Ringen nach Worten – all das passiert uns allen doch jeden Tag, ohne ein Drama daraus zu machen. Im täglichen Leben machen wir einfach weiter und es fällt niemandem auf. Nur bei einem Vortrag denken wir, wir würden für jeden Fehler gesteinigt. Dabei ist das Gegenteil der Fall. Wir dürfen Fehler machen, das macht uns menschlich und authentisch.

Unsere Übungen wurden auf Video festgehalten und es war so wichtig, zu sehen, dass die Welt eben nicht implodiert, wenn man ins Stocken gerät, dass es viele gute Ansätze gibt, auf denen jeder aufbauen kann. Nach und nach wird die Angst zurückgedrängt und muss der Realität weichen, die lautet, dass jeder ein guter Präsentator sein kann. So wie das Spielen eines Instruments durch Übung immer besser wird, so wurden auch die Vorträge mit jedem Tag flüssiger. Am Ende ist wirklich jeder zu seiner persönlichen Höchstleistung aufgelaufen und das ist nicht untertrieben!

Ein Tipp an die nächste Generation Tee-Sommeliers
Wenn du dieses Seminar besuchst, dann erlaube mir, dir einen Tipp für die Präsentation zu geben, die du übrigens zu zweit abhalten musst. Zwar darfst du dich ohnehin schon vor dem Beginn des letzten Blocks auf eines von drei Themen festlegen, noch besser wäre es aber, wenn du mit deiner Partnerin bzw. Partner das Szenario vorab mit Leben füllst. Die drei Tage sind sehr intensiv und es ist definitiv zu schaffen, ich empfand es aber als deutlichen Vorteil, dass ich mich mit meiner Partnerin schon vorher getroffen habe, um unsere Präsentation inhaltlich abzustimmen und durchzuspielen. Dafür reicht bereits ein Treffen (2-3 Stunden) aus. Natürlich hat nicht jeder diese Möglichkeit, da die meisten in verschiedenen Städten leben, dennoch möchte ich den gutgemeinten Rat weitergeben, da es mir sehr geholfen hat und warum solltest du dir nicht auch das Leben erleichtern?

Fazit
„Hat es sich gelohnt?“, werden die meisten jetzt fragen. Das kommt wohl ganz auf die Ausgangssituation an. Jemand, der sich über zahlreiche Bücher und jahrelange Erfahrung viel Wissen angeeignet hat, lernt natürlich weniger dazu als Einsteiger, welche ihr vorhandenes Wissen vertiefen möchten und nach einer beruflichen Verwirklichung suchen. Für letztere Zielgruppe ist der Lehrgang zum Tee-Sommelier sehr gut geeignet, da man einen guten Überblick über rechtliche Voraussetzungen erhält und auch die Qualitätskontrolle sowie Bio-Anforderungen besprochen werden. Wenn du davon träumst, einen Teeladen zu eröffnen oder als Tee-Sommelier Seminare halten möchtest, dann möchte ich dir ebenfalls diesen Kurs ans Herz legen. TeeGschwendner ist nicht ohne Grund Marktführer, du kannst während deiner Ausbildung zum Tee-Sommelier eine Menge lernen. Und vielleicht gefällt es dir so gut, dass du (so wie viele vor dir) deinen Traum im Franchisesystem verwirklichst.

Falls du mit diesem Beitrag eingestiegen bist und dich für die anderen Berichte zu diesem Thema interessierst, dann findest du diese hier:
Teil I
Teil II
Teil III
Teil IV

P.S.:

Matcha im japanischen Garten

Ausflug in den japanischen Garten
An einem der Tage nahm sich Gero noch Zeit, um mit mir bei bestem Wetter im japanischen Garten neben einer Schale Matcha auch ein bisschen Tee zur Entspannung zu trinken. Es war eine wundervolle Atmosphäre, ein kleines Stück Japan, abgeschieden von der Außenwelt. Kein Wunder, dass sich die Teemeister Hütten in Gärten bauten. In so einer Umgebung macht Tee noch viel mehr Spaß und wird zu einem richtigen Erlebnis. Danke!

Japanischer Garten Bonn

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Was man bei der Ausbildung zum Tee-Sommelier lernen kann Teil IV

Das letzte Seminar bzw. der dritte Block liegt jetzt schon ein paar Tage zurück und nun komme ich endlich dazu, diesen vorletzten Teil zusammenzufassen. Das Seminar begann zunächst mit der üblichen Lernerfolgskontrolle, die auch dieses Mal alle angehenden Tee-Sommeliers bestanden haben. Inhaltlich ging es dann mit einer Dozentin weiter, die früher selbst eine TG-Filiale leitete und zu dieser Zeit, aber auch im Anschluss, als Tee-Sommelier arbeitete und daher auch aus der Praxis zu berichten wusste.

Die vielen kleinen Dinge
Aus diesem Grund war es sehr nützlich, Informationen aus erster Hand zu erhalten. Dabei wurde zunächst auf die rechtliche Lage eingegangen, mit der du dich spätestens dann beschäftigen musst, wenn du kostenpflichtige Kurse zu diesem Thema anbieten möchtest. Natürlich konnte nicht auf jede besondere Lage der Teilnehmer eingegangen werden, dafür war der Hintergrund eines jeden viel zu unterschiedlich. Doch es wurde deutlich, auf was man alles aufpassen muss (z.B. Versicherungen), nach welchen Kriterien Räume ausgesucht werden sollten und wie nützlich es sein kann, mit Checklisten zu arbeiten (diese wurden gleich mitgeliefert).

Teekulturen dieser Welt
Im Anschluss daran hat uns Gero nochmals durch die internationalen Teekulturen geführt. Dazu gehörte natürlich auch die Teekultur Chinas, die in diesem Teil (zurecht!) am umfangreichsten behandelt wurde. Dabei nahm er all die Kleinigkeiten und Anekdoten mit, für die es im ersten Block keine Zeit gab. Mir hätte dieser Teil gar nicht lang genug sein können. Sehr interessant waren die Ausflüge zu weniger bekannten Teekulturen wie Korea und Tibet. Ich müsste lügen, wenn ich behauptete, nichts gelernt zu haben.

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Die prominentesten Zubereitungsweisen bekamen wir demonstriert bzw. durften uns auch selbst darin versuchen. Dazu gehörte das klassische Gong Fu Cha, welches wir mit zwei Oolong, einem Tie Guan Yin und einem Da Hong Pao zelebrierten. Dies taten wir sowohl mit Yixing-Kannen, zu denen es ebenfalls eine kurze Einführung gab, als auch mit Gaiwan (Deckeltassen). Es wurde hoch dosiert und jeder durfte die gar nicht so einfache Handhabung selbst versuchen. Der Vergleich eines blumigen und leichten Tie Guan Yin mit  einem dunklen gerösteten Da Hong Pao machte auch deutlich, welche beiden Enden im Spektrum des Oolong zu erwarten sind und wie sehr es sich lohnt, mit Zubereitungsmethoden zu experimentieren.

Ostfriesentee ist durchaus lecker
Ich trinke schon sehr sehr lange Schwarztee und konnte nur als Kind der Idee etwas abgewinnen, Milch in den Schwarztee zu tun. Als ich älter wurde, konnte ich trotz mehrfacher Versuche nicht mehr verstehen, was mir im Alter von 6 Jahren daran so geschmeckt hat. Viel zu aufdringlich ist die Milch, das finde ich noch immer. Entsprechend skeptisch war ich bei der Vorführung der ostfriesischen Teezeremonie, bei der ein kräftiger Tee auf Assam-Basis mit Sahne und Kluntje serviert wurde.

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Doch Vorurteile sind dazu da, sie abzubauen. Mir hat diese Variante überaus gut geschmeckt, obwohl mein Selbstversuch, den ich vor Jahren unternahm nicht so gelang, dass ich den Wunsch nach einer Wiederholung verspürte. Doch nach dieser Demonstration ist das anders. Vielleicht liegt es auch einfach an der verwendeten Sahne, die schön aromatisch war und gut mit dem kräftigen Assam-Tee harmonierte.

Schwerpunkt Japan
Gero ist ein echter Fachmann. Das liegt nicht zuletzt daran, dass er selbst einige Male in Japan war und dort Tee gelernt hat. Diese Expertise, vor allem aber die Begeisterung hat er sehr gut „an den Mann“ gebracht. Wir beschäftigten uns eingehender mit den Teesorten und der japanischen Teegeschichte. Nach der Theorie ging es wieder zur Praxis über. In Zweierteams haben wir je einen japanischen Klassiker zubereitet, der Gruppe vorgestellt und zusammen verkostet. Dazu gehörten Bancha, Kukicha, Sencha, Hôjicha, Genmaicha, Kabusecha und Gyokuro.

Hier blieb auch genug Raum für Abweichungen. Ich hatte das Vergnügen den Deep Steamed Sencha vorstellen zu dürfen. Bereits an den Blättern war zu erkennen, dass der Tee von hoher Qualität ist, daher haben wir statt der empfohlenen 12g gleich 18g auf 1l Wasser getan. Das Resultat war äußerst lecker – nur leider nicht für jeden. Diese Erkenntnis ist dennoch sehr interessant, denn sie verdeutlicht, wie unterschiedlich Geschmäcker und Vorlieben sind. Es bestärkt mich in der Vermutung, dass es kräftige und leichte Geschmackstypen gibt, die fast gegensätzliche Vorlieben haben. Der Tee schmeckte für mich voller, würziger und viel intensiver. Ich mag auch lieber Dunkelschokolade mit hohem Kakao-Anteil, kräftige Rotweine wie Shiraz und würzige Speisen.

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Einigen Teilnehmern schmeckte der Tee trotzdem nicht. Denn für sie war der Tee schon unangenehm herb. Diese Feststellung habe ich auch bei Freunden gemacht, denen ich Tee nach meiner Zubereitungsart servierte. Interessanterweise ist die Schwelle, ab wann Herbheit überhaupt wahrgenommen wird, so individuell, dass ich mich künftig nach der Empfindsamkeit des Gastes erkundigen werde, bevor ich ihm einen Tee serviere. Menschen, die sensibel auf Bitterkeit oder herbe Geschmäcker reagieren, sollten sich daher besser an die übliche Dosierungsempfehlung halten.

Japanische Tee-Zeremonie
Abschließend gab es eine echte (simplifizierte) japanische Tee-Zeremonie. Natürlich konnte nicht die gesamte Gruppe dabei bewirtet werden, aber zwei angehende Tee-Sommeliers haben sich getraut, in die Gastrolle zu schlüpfen. Gero hat sich für diese Gelegenheit richtig schick gemacht und einen japanischen Yukata angezogen. Alle Zubereitungsschritte wirkten ruhig und entspannend, so dass ich diese Demonstration auch als Zuschauer genießen konnte.

Auch die Seminarleitung will gelernt sein
Den Samstag haben wir mit Frau Florl verbracht. Sie hat jahrelange Erfahrung in der Wirtschaft gesammelt und arbeitet nun beratend als Coach für viele Unternehmen. Sie wird uns vor allem im nächsten Block sehr intensiv begleiten. Das Besondere daran ist, dass wir als Gruppe beim letzten Block getrennt werden. So wird die erste Hälfte den abschließenden Teil samt Prüfung bereits im Mai absolvieren. Meine Gruppe ist erst im Juni dran. Ziel ist es, jeden in die Lage zu versetzen, souverän und selbstsicher ein Seminar zu leiten und dies fängt schon bei der Ausstrahlung an. Als Vorbereitung auf den kommenden Block haben wir in kleinen Gruppen das Profil eines idealen Tee-Sommeliers erarbeitet. Also so, wie wir uns selbst am liebsten sehen. Und beim nächsten Block wird Frau Florl uns dabei helfen, diesem Ideal ein (hoffentlich großes) Stückchen näherzukommen. Ich werde berichten.

Hier geht es nochmals zu den Zusammenfassungen der anderen Seminare:
Block I
Block II

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Was man bei der Ausbildung zum Tee-Sommelier lernen kann Teil II

Heute möchte ich dir einen kurzen Überblick über die Inhalte des „Tee-Sommelier“-Kurses von TeeGschwendner geben. Wenn dies der erste Artikel ist, den du zu diesem Thema liest, interessiert dich vielleicht auch der vorangegangene, in dem ich den Sinn dieser Ausbildung diskutiere. Insgesamt gibt es vier Blöcke. Block I besteht aus drei Seminartagen, die jeweils durch eine Mittagspause geteilt werden, in der man bestens leiblich versorgt wird.

In Block I liegt der Fokus auf dem „echten“ Tee, der aus der Camellia Sinensis hergestellt wird.

Ein Blick in die Teegeschichte
Wie alt ist die Teekultur? Wo fing alles an? Wie kam der Tee nach Europa? Welche Sorten wurden zuerst gehandelt? Wer brachte den Teeanbau nach Indien und wo wird Tee angebaut? All das sind Fragen, auf die gleich am ersten Tag Antworten gegeben werden. Die historischen Anekdoten werden durch Zahlenmaterial ergänzt. So können wir angehenden „Tee-Sommeliers“ die Entwicklung des Handels und der steigenden Popularität sehr gut nachvollziehen. Es wird mehr erzählt als man sich merken kann. Gerade deswegen gibt es zu jedem Block eine Zusammenfassung, damit man sich alles nochmals in Ruhe durchlesen kann.

Zahlenspielereien: Produktions- und Verbrauchszahlen
Welches Land produziert den meisten Tee, wie viel verbraucht es, wie viel wird exportiert? Natürlich kann man sich denken, dass ein Land wie China oder Indien oben mitspielt, dennoch gibt es Überraschungen, gerade beim durchschnittlichen Pro-Kopf-Verbrauch.

Das Blatt einer Camellia Sinensis Assamica
Das Blatt einer Camellia Sinensis Assamica

Die Sortenkunde: welche Arten des Tees werden unterschieden?
Bei der Sortenkunde lernten wir neben den westlichen auch die in China üblichen Farb-Bezeichnungen. Hier werden auch die Herstellungsweise und die einzelnen Produktionsschritte erklärt. Da man von den Teilnehmern nicht erwarten kann, dass sie bereits einer Tee-Produktion beiwohnen konnten, ist es umso wertvoller, dass Erklärungen durch eigene Erfahrungen oder gar selbstgedrehtes Videomaterial ergänzt werden. An dieser Stelle merkt man, dass die Tea-Taster nicht nur Tees verkosten, sondern auch die Herstellung vor Ort studieren. Mich hat z.B. überrascht, dass ein Tea-Maker eine eigene „Handschrift“ hat, die sich herausschmecken lässt. Ausgewählte Vertreter werden verkostet, damit man einen ersten Überblick über die Bandbreite bekommt.

Schwerpunkt Grüner Tee
Schwerpunkt Grüner Tee

Blattgradierungen – die feinen Unterschiede
Selbstverständlich erwartet man von einem Tee-Sommelier, dass er bei Rückfragen Buchstabenfolgen wie „TGFOP“ aufschlüsseln kann. Daher werden die einzelnen Grade im Detail erklärt und Ihre Verwendung thematisiert. Natürlich gibt es auch einen praktischen Teil und man bekommt die Gradierungen anhand von repräsentativen Mustern gezeigt. Sehr aufschlussreich ist auch der Vergleich eines Blatt-Tees mit dem Inhalt eines Teebeutels.

Anbau und Kultivierung
In welchen Klimazonen und unter welchen Bedingungen kann eine Teepflanze wachsen? Welche Sorten gibt es, wie groß werden die Pflanzen und ihre Blätter? Die Antworten werden häufig mit stimmigen Allegorien verbunden, wie etwa der Weinherstellung. Man muss auch kein Weinexperte sein, um die Veranschaulichungen zu verstehen. Anschließend werden die Ernteperioden und Charakteristika ausgewählter Anbaugebiete vorgestellt. Spannend ist hier die Verkostung, weil es in die Tiefe geht. Es wird ein Querschnitt aus dem gesamten Sortiment vorgeführt, teilweise sogar durch Fremdmuster ergänzt.

Bio-Anbau vs. konventioneller Anbau
Konventioneller Tee dominiert nach wie vor den Weltmarkt, Bio-Tee nimmt aber stetig zu, ohne dabei qualitativ Einbußen hinnehmen zu müssen. Zwar sinkt die Qualität und Produktivität nach erfolgter Umstellung vorübergehend ab, aber die Teegärten beweisen, dass auch mit Bio-Anbau Spitzenqualitäten möglich sind. Dabei gibt es verschiedene Modelle, denn neben dem EU-Siegel, gibt es weitere Zertifizierer wie Demeter und Naturland. Außerdem wird in einigen Gärten auch der Biodynamische Anbau praktiziert, der einen ganzheitlichen Ansatz verfolgt. All das wurde auch noch praktisch anhand des Singampatti-Projekts erklärt.

Sensorik: Vorsicht vor dem Selbstbetrug!
Riechen und Schmecken kann ja eigentlich jeder. Man ist versucht, zu denken, dass es sich dabei um etwas so Alltägliches handelt, dass es kaum lohnt, darüber zu sprechen. Wenn man professionell verkostet, muss man allerdings auf einige Dinge achten, um das volle Geschmackspotenzial zu entfalten. Doch das ist noch nicht alles. Schwieriger ist es, mit der eigenen Psyche umzugehen. Dieser Teil hat mir besonders viel Spaß gemacht, weil er mich in dem bestätigte, was ich bereits ahnte. Wir alle sind geschmacklich sehr leicht manipulierbar. Unsere Erwartungshaltung, der Preis eines Produkts, unser Gemüt, Hunger und Durst – das alles sind Faktoren, die unsere Wertung beeinflussen. Es gibt sogar Studien wie diese und diese, die das belegen.

Wir entschieden uns für Schwarztee aus Darjeeling
Wir entschieden uns für Schwarztee aus Darjeeling

Verkosten wie ein echter Tea-Taster
Bis zu diesem Zeitpunkt haben wir die Tees in der leckeren Alltagsvariante probiert. Und ich muss ehrlich sagen, dass es mir teilweise sehr schwer fiel bei 20-30 Tees die Unterschiede überhaupt noch wahrzunehmen. Aus diesem Grund haben wir dann in 2er Gruppen fünf selbst ausgesuchte Tees wie echte Tea-Taster probiert. Das bedeutet, dass man die Tees höher dosiert, mit kochendem Wasser übergießt und dann fünf Minuten ziehen lässt. In meiner Gruppe haben wir uns auf Darjeeling konzentriert und die Ergebnisse waren durchaus spannend, vor allem aber weitaus griffiger als bei der Massenverkostung zuvor.

Derselbe Assam unterschiedlich zubereitet
Der gleiche Assam unterschiedlich zubereitet

Die richtige Zubereitung
Die Frage nach der richtigen Zubereitung wird vermutlich nie endgültig geklärt werden. Denn ich bin mir sicher, dass es für jeden eine optimale Zubereitung gibt. Bei einer kleinen privaten Verkostung mit Freunden habe ich festgestellt, dass die Geschmäcker bei der Frage nach der Intensität zum Teil sehr weit auseinander liegen. Im Seminar ging es weniger um die individuelle Zubereitung, sondern um sogenannte Eckpfeiler. Ich möchte das anhand eines Beispiels verdeutlichen. Wie wichtig gutes Wasser für den Teegenuss ist, hast du sicherlich schon des Öfteren gelesen. Richtig verstehen tut man es erst, wenn man es auch demonstriert bekommt. Manchmal kann Leitungswasser einen negativen Beigeschmack hervorrufen, ohne dass man weiß, dass es am Wasser liegt und nicht am Tee. Darüber hinaus haben wir wieder in verschiedenen Gruppen einen Tee auf verschiedene Arten zubereitet. Dabei kamen Papierfilter, Tee-Eier und sonstiges Gerät zum Einsatz. Auch hier ist die Erfahrung sehr wertvoll, dass man alle Ergebnisse miteinander vergleichen kann. Denn natürlich wissen die meisten Teetrinker schon vorher, dass ein Tee-Ei kein so gutes Mittel für die Tee-Zubereitung ist. Bei einem Direktvergleich sieht man schon anhand der Aufgussfarbe warum.

Fazit
Ohne jetzt überheblich klingen zu wollen, kann ich durchaus behaupten, mit relativ viel Vorerfahrungen in das Seminar gegangen zu sein. Stellenweise kamen mir natürlich Dinge bekannt vor, weil ich sie schon mal gelesen habe oder weil sie bereits auf der Arbeit thematisiert wurden. Und trotzdem ist der Nutzen des Seminars sehr groß, weil anhand praktischer Beispiele selbst bekanntes Wissen dermaßen ergänzt wird, dass man anschließend wirklich aus eigener Erfahrung sprechen kann. Und die eigene Erfahrung ist zumindest meiner bescheidenen Meinung nach immer der Theorie vorzuziehen, was die Tiefe der Erkenntnis betrifft.

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Was man bei der Ausbildung zum „Tee-Sommelier“ lernen kann Teil I

Mein Arbeitgeber legt Wert darauf, dass ich eine Ausbildung zum Tee-Sommelier absolviere und mehr über Tee lerne. Gestern bin ich vom ersten Teil meiner Fortbildung wiedergekommen. Über Tee lerne ich natürlich auch täglich am Arbeitsplatz, aber es tut immer gut, Tee aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Außerdem bin ich der Meinung, dass man nie auslernt und schätze jede Gelegenheit, die sich mir bietet, etwas dazuzulernen.

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Verschiedene Teesorten im Vergleich

Vielleicht spielst auch du mit dem Gedanken, ein Seminar zu besuchen oder Tee-Sommelier zu werden. Mit dieser Blog-Serie möchte ich dazu beitragen, dir bei dieser Entscheidung behilflich zu sein. Daher werde ich die Inhalte, die ich dort gelernt habe, ansprechen und kommentieren. Bevor ich jedoch damit loslege, werde ich mich einigen kritischen Aussagen zu diesem Thema widmen.

Heute möchte ich auf einen Diskurs im Teetalk-Forum eingehen, der dort im Juli 2013 begonnen hat. Verschiedene Personen äußerten sich über diese Ausbildung. Natürlich lasse ich jedem seine Meinung. Doch weil ich mir nach dem ersten Seminar einen ersten Eindruck verschaffen konnte, möchte ich gerne zu einigen ausgewählten Aussagen Stellung beziehen.

Kernaussage 1: „Aber für mich ist „Tee-Sommelier“ ein Jodeldiplom“
Das Wort ist ja aus der Weinbranche entlehnt, und wenn man das, was ein Wein-Sommelier macht, auf Tee überträgt, kommt man zu einer Tätigkeit, für die es keinen Bedarf gibt. Tee wird in Deutschland immernoch überwiegend zuhause zubereitet, und diejenigen, die tatsächlich ein Teehaus aufsuchen, erwarten da keinen speziellen Tee-Kellner, der ihnen etwas von Bouquet und Abgang erzählt und sie ein bißchen am Teesieb riechen läßt, und am Ende sind sie genauso schlau wie zuvor.

Quelle

 

Zufällig weiß ich, dass zumindest ein Restaurant in Hamburg einen Angestellten mit Zusatzausbildung „Tee-Sommelier“ beschäftigt. Und das finde ich auch sehr richtig. Denn wie wir Teetrinker vermutlich alle festgestellt haben, ist es „dort draußen“ sehr schwer, anständig zubereiteten Tee zu bekommen. Tee-Sommelier ist daher sicher kein eigenständiger Beruf, aber als Zusatzausbildung für gastronomisches Fachpersonal macht es meiner Meinung nach Sinn, weil es die Wahrscheinlichkeit erhöhen würde, anständig zubereiteten und ausgewählten Tee serviert zu bekommen. Daher ist es für mich kein Jodeldiplom, weil der praktische Nutzen auf der Hand liegt.

 

Der praktische Nutzen
Das zeigt auch die Motivation der anderen Teilnehmer (TN) des Seminars. Sie möchten etwas Praktisches mit dem Wissen machen. Eine TN möchte als Fachkraft in einem Teegeschäft arbeiten, eine andere möchte die Geschäftsführung unterstützen. Dann gibt es welche, die einfach nur mehr über Tee erfahren möchten und vielleicht mal ein Seminar an einer VHS anbieten werden, um anderen Menschen beizubringen, was es für Tee-Sorten gibt und wie man diese zubereitet.

 

Kernaussage 2: Tee-Sommeliers denken, dass sie einfach alles über Tee wissen
Teesommelier ist so eine Sache, ich hatte schon mit so einigen eine Debatte zum Thema Tee. Ich bin auch kein Meister, aber viele denken, wenn sie so eine Ausbildung haben, dass sie einfach alles über Tee wissen. Quelle

 

Der Anspruch der Ausbildung ist es, den TN in die Lage zu versetzen, Neulingen etwas über Tee erzählen zu können. Die Module sind so aufgebaut, dass man ein gutes Allgemeinwissen vermittelt bekommt, keine Expertenkenntnisse. Es reicht sicherlich nicht, um mit absoluten Tee-Freaks einer Nische zu fachsimpeln. Diese Tiefe kann man nur erreichen, wenn man nach dieser Ausbildung den eingeschlagenen Weg weiterverfolgt und sich weiterbildet. Es handelt sich also um eine strukturierte Grundausbildung und man wird durchaus darauf sensibilisiert, dass man mit dieser Ausbildung noch nicht am Ende ist. Wie auch? Selbst Thomas Holz, derzeit Geschäftsführer von TeeGschwendner, mit seiner jahrzehntelangen Erfahrung sagt, dass er jedes Jahr noch etwas dazulerne. An dieser demütigen und bescheidenen Haltung sollten wir uns alle ein Beispiel nehmen. Auch oder vor allem als Tee-Sommelier. Denn wir werden immer jemandem begegnen, der über ein bestimmtes Thema mehr weiß als wir. Diese Gelegenheit gilt es dann zu nutzen, um von dieser Person etwas zu lernen.

 

Man muss kein Experte sein, um anderen etwas beizubringen
Ich möchte das anhand eines Beispiels verdeutlichen. In meiner Jugend habe ich Gitarre gelernt. Wirklich gut war ich nicht, dafür habe ich zu spät angefangen und vielleicht fehlt mir auch das nötige Talent. Aber ich hatte Spaß daran und es reichte, um ein bisschen zu spielen, so dass man zusammen auf Ferienfreizeiten Lieder singen konnte. Ich bin nicht Steve Vai, Slash oder Eric Clapton (wäre ich aber früher gerne gewesen). Ich habe trotzdem interessierten Jugendlichen die Basics beibringen können und genau darum geht es auch beim Tee-Sommelier. Der ist für den Durchschnittsteetrinker da, der sich rudimentär mit Tee auskennt oder für Interessierte, die sich das erste Mal an Tee heranwagen und nicht für den Tee-Freak der die Zacken eines Teeblatts zählt und den Oxidationsgrad eines Blattes anhand der Oberflächenmessung der braunen Stellen zu ermitteln versucht. Meine Teeleidenschaft wurde damals von meiner Mitbewohnerin entfacht, die sich mit Tee im Detail auch nicht so gut auskannte.

 

Kernaussage 3: Derjenige mit Zertifikat weiß besser Bescheid als der ohne
Da wir „Deutschen“ ja viel auf Zertifikate und Stempel und Beglaubigungen und und geben, kann es passieren, daß manch eine/r denkt, Der- oder Diejenige mit dieser Auszeichnung wüsste besser Bescheid als ein Anderer ohne. Was Unfug ist. Quelle

 

Diese Sorge scheint unterschwellig bei vielen Experten unter der Oberfläche zu brodeln. Dass jemand, der weniger Ahnung hat als sie selbst, mehr Anerkennung oder Vertrauen bekommt. Die TN selbst fühlen sich nach meinem Eindruck ebenfalls etwas unwohl, der großen Erwartungshaltung, die dieser Titel mit sich bringt, auch gerecht zu werden. Ich habe nicht den Eindruck, dass sie sich als große „Checker“ sehen möchten. Es geht schließlich um die Befähigung, eine Leidenschaft erfolgreich teilen zu können und jemanden mit seiner Begeisterung anstecken zu können, aber es geht nicht um die Befähigung, sein Ego durch Fachsimpeln aufzupolieren.

 

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Professionelles Tea-Tasting

 

Es geht auch ohne
Diese Sorge der „titellosen Experten“ kann ich aber trotzdem nachvollziehen, denn ich teile die Ansicht, dass man sich den Inhalt eines solchen Seminars (sofern ich das zu diesem Zeitpunkt beurteilen kann) zum großen Teil auch selbst erarbeiten kann. Es ist nur mühsamer und man hat nicht den Zugriff auf den Erfahrungsschatz der Tea-Taster. Schließlich kenne ich auch Menschen, die sich das Gitarre-Spielen oder eine Fremdsprache selbst angeeignet haben. Für die meisten allerdings, ist das Lernen unter Anleitung dennoch leichter.

 

Es wären diverse Bücher und Recherche nötig. Als selbstreflektierter und differenziert denkender Mensch, mit kritischem Verstand ist man durchaus in der Lage, widersprüchliche Quellen zu enttarnen, Gelehrtes zu hinterfragen und mit Neugier und Offenheit immer wieder Neues zu lernen. Das Tea-Tasting kann man üben, Präsentationstechniken durch „Trial and Error“ verfeinern, bis man seine Methode gefunden hat.

 

Lernkontrolle ist trotzdem wichtig
Trotzdem hat dieser Kurs einige Vorteile, die nicht zu verachten sind. Denn obwohl man sich Vieles selbst beibringen kann, bewahrt es einen nicht davor, auch Falsches zu lernen. Man hat als Selbstlerner leider keine Kontrolle, die einem bestätigt, ob das Gelernte wirklich richtig ist. Ein Buch kann man nicht fragen, wenn man eine Erklärung nicht verstanden hat oder einfach nur etwas genauer wissen möchte. Und seien wir doch mal ehrlich. Ein Buch gelesen zu haben, bedeutet noch lange nicht, den Inhalt gelernt zu haben. Manchmal brauchen wir eine Prüfung, die uns dazu zwingt, auch die für uns uninteressanten Themen zu lernen.

 

Aufgearbeitetes Wissen und externe Weiterbildungsmöglichkeiten sind hilfreich
Wenn man sich auf den Weg macht, dann fällt es einem schwer, den Anfang zu finden. Womit soll man sich zuerst beschäftigen, wie geht man am sinnvollsten und effektivsten vor? Diese Dinge werden einem durch den Kurs abgenommen und externe Weiterbildungsmöglichkeiten werden benannt. So kann im Anschluss jeder dort weitermachen, wo er sich am wohlsten fühlt.

 

Breites Informationsfeld und Expertenwissen aus erster Hand
Den ersten Teil des Seminars haben drei Dozenten geführt, alle drei sind Tea-Taster, die den Einkauf verantwortlich führen und regelmäßig Reisen in den Ursprung unternehmen. Es sind diese kleinen Geschichten aus dem Nähkästchen, die einerseits erheiternd sind und andererseits tiefe Einblicke in andere (Tee-)Kulturen gewähren.

 

Und dann gibt es noch die unliebsamen Themen, wie Pestizidbelastung, Health Claims, Bio-Siegel, Bio-Auflagen und Nachhaltigkeit, für die man sich als leidenschaftlicher Teetrinker nicht immer begeistert. Lernt man dieses dann trotzdem? Spätestens dann, wenn man die erste Rückfrage von seinen Kunden erhält, müsste man recherchieren. Deswegen finde ich es gut, dass diese Themen proaktiv angegangen werden.

 

Schlussbemerkung
Wie man unschwer erkennen kann, bin ich nicht gegen diese Ausbildung. Ich denke, dass sie den meisten TN einen Mehrwert bietet. Ob diese Ausbildung etwas für dich ist, hängt vielleicht auch davon ab, was für ein Lerntyp du bist und welches Ziel du hast. Diese Ausbildung deckt viele relevante Themen ab. Was der Inhalt des ersten Blocks war, werde ich im nächsten Teil vorstellen.

 

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