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Mein Treffen mit Andrzej Bero

Andrzej Bero (geb. 1969) ist ein polnischer Keramikkünstler aus Warschau, der sich auf Teekeramik spezialisiert hat. Diese erfreut sich wachsender internationaler Beliebtheit und ich hatte das Vergnügen, Andrzej dieses Jahr endlich begegnen zu dürfen.

Ein Urlaub in Polen

Es fing damit an, dass unser Urlaub im August in Polen stattfinden sollte. Frau P. und ich waren mit dem japanischen Teil der Familie in den Masuren. Ein Ferienhaus direkt am See, so erholt man sich vom Großstadtleben. Die traditionelle polnische Küche ließ nostalgische Gefühle aufkommen, aber ich schweife ab.

Als ich mit der Urlaubsplanung begonnen habe, kam mir natürlich gleich in den Sinn, dass sich ein Abstecher nach Warschau, gerade mal 200km von meinem Urlaubsort entfernt, anbieten würde. Das ist ja nur ein Tagesausflug, dachte sich ein Pole, der in Deutschland aufgewachsen ist.

Polen ist infrastrukturell noch immer ein Entwicklungsland

Als ich jedoch am Tag davor die möglichen Routen im Navi sondierte, wusste ich, dass ich an diesem Tag mehr Zeit im Auto verbringen würde als mit Andrzej. In Polen sind zweispurige Landstraßen die Regel und Autobahnen die Ausnahme. Im Vergleich zu den restlichen EU-Ländern ist mein Herkunftsland in dieser Hinsicht noch immer ein Entwicklungsland. Für 200km brauchte ich satte vier Stunden. Wie gut wir es doch in Deutschland haben, dachte ich mir auf der Fahrt immer wieder.

Das Treffen mit Andrzej Bero

Andrzej Bero wohnt mit seiner Familie in einem Einfamilienhaus im Speckgürtel von Warschau. Er ist wie die meisten Polen ein Familienmensch.

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Bevor Andrzej seinen Weg zur Keramik fand, musste er einen Umweg gehen. Er fing zunächst an, Kulturwissenschaft zu studieren, bevor er merkte, dass die bloße Theorie ihn nicht erfüllte und er sich vom schaffenden Handwerk, dem Praktischen, viel mehr angezogen fühlte. Er ging dann in Radom in Ausbildung und lernte schon damals verschiedene Brenntechniken (z.B. Raku) kennen. Zur Ausbildung gehörte natürlich auch das Töpfern mit Töpferscheibe.

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Danach trat er der Künstlergruppe Keramos bei, in der er 10 Jahre aktiv gewesen ist. Diese Gruppe existiert noch heute und bietet jungen Künstlern eine erste Plattform.

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Wie Andrzej zur Teekeramik kam

Zwar gehört Teekeramik zum Repertoire vieler Keramiker in Europa, aber die meisten konzentrieren sich dabei natürlich auf die hier gebräuchlichen Formen. Dabei kommen große Kannen und Tassen mit Henkel heraus. Mit dieser Teekeramik hat daher auch Andrzej seine Erfahrungen gemacht, denn in den 1990er Jahren gab es noch keine gute Teeauswahl in Polen. Man trank damals noch häufig Schwarztee, wobei zuerst ein Konzentrat aufgebrüht und dieses bei Bedarf verdünnt wurde. Das Konzept kennt man auch vom Samowar.

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Ôkakura Kakuzos Buch vom Tee

Ein Schlüsselerlebnis war „Das Buch vom Tee“ von Ôkakura Kakuzo, das zwar strittig ist, aber dennoch vielen Menschen in Europa eine Idee von der Japanischen Teekultur vermittelte und immer noch vermittelt. Für Andrzejs Ausrichtung war dieses Buch vor sieben Jahren entscheidend, denn heute kennt man ihn vor allem wegen seiner schönen, asiatisch geprägten Teekeramik.

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Aus der Perspektive eines europäischen Keramikers ist die asiatische Teekultur voll von Inspiration. Neue Techniken und Formen bieten so viele Möglichkeiten. Umso schöner ist es, zu sehen, dass seine Bemühungen auch vom „Fernen Osten“ honoriert werden. Zuletzt hat er bei einem taiwanesischen Ausstellungswettbewerb Gold mit einer seiner Kannen gewonnen.

Andrzej Beros Keramik

Andrzej brennt im Schnitt alle sechs Wochen in einem Elektroofen. Trotz einiger Überraschungsmomente macht es seine Keramiken für ihn einigermaßen vorhersehbar. Seiner Vorstellung von Teekeramik zufolge, sollen die Utensilien dem Tee nicht die Show stehlen. Daher sind seine Keramiken relativ schlicht. Ihm ist wichtig, dass sie funktional sind – damit ist gemeint, dass eine Kanne beispielsweise gut gießen soll. Die meisten seiner Keramiken sind innen glasiert, damit der Ton den Geschmack des Tees nicht verfälscht.

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Ich habe die Zeit bei ihm sehr genossen. Wir hatten leider nur ein paar Stunden Zeit, ehe ich wieder zurück in unseren Urlaubsort musste, aber es hat sich auf jeden Fall gelohnt. Ich hoffe, dass wir beim nächsten Mal etwas mehr Zeit haben, um Tee miteinander zu trinken. Sein 1970er Pu Er war jedenfalls ausgesprochen lecker. Das sage ich als Pu Er-Zweifler.

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Wenn du neugierig auf Andrzej Beros Keramiken geworden bist, freue ich mich, wenn du dich im Shop danach umsiehst.

Bizen-Keramik des Ofens Gorobê

Bizen-Keramik (Bizen-yaki) gehört zu den Alten Öfen Japans und zeichnet sich durch seine unglasierten Keramiken aus (yakishime). Die Tonkörper werden durch Feuer und Asche im Inneren des Holzbrandofens gestaltet. Über das traditionelle Bizen-yaki, welches seit dem 11. Jahrhundert gebrannt wird, habe ich hier einen Artikel verfasst. Nun geht es weiter mit dem Ofen Gorobê, der sich auf das traditionelle Bizen konzentriert.

Der Ofen Gorobê

Dieser Ofen ist ein vergleichsweise junger Ofen, der in dritter Generation von Buyô Tsutomu geführt wird und sechs Mitarbeiter beschäftigt. Das Familienunternehmen arbeitete zuvor ebenfalls unter dem Namen Gorobê und stellte in der Meiji-Zeit noch Reiswein her, bevor es sich der Keramikproduktion widmete. Sein Großvater gab die Philosophie vor, in dem er anordnete, dass die hergestellten Gebrauchsgegenstände durabel sein sollen.

Buyô Tsutomu wollte ursprünglich Zimmermann werden, weil er gerne mit seinen Händen arbeitet und Dinge herstellt. Was er am meisten an seiner Arbeit mag, ist der Tag, an dem der Brand vollendet ist und die Begutachtung beginnt.

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In Japan wird zwischen freien Künstlern und den offiziellen Ofenverbänden unterschieden. Der Ofen Gorobê gehört zu den offiziellen Verbänden und verschreibt sich der Tradition Bizens.

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Gefeuert wird in einem noborigama, der schon 230 Brände hinter sich hat. Pro Jahr wird drei bis vier mal gefeuert, von den Früchten müssen alle Beteiligten leben.

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Jeder Ofen hat seine spezielle Tonmischung, so auch dieser. Wie für Bizen üblich, werden regionale Tonsorten miteinander vermischt, um den eigenen Anforderungen zu genügen. Bei Gorobê enthält der Ton 3% Eisen, was sich auch positiv auf den Geschmack des Tees ausüben soll.

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Der Brand

Als Brennmaterial dient die Japanische Rotkiefer (akamatsu). Ihre Asche ist für die gelbliche Glasur verantwortlich, die sich als Ascheanflugglasur während des zweiundzwanzigtägigen Brandes auf einige Objekte legt. Durch die Luken kann die Temperatur im Inneren homogenisiert werden. Die Höchsttemperatur beträgt 1250°C.

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Die Gefäße schrumpfen während des Brennvorgangs um 18,5%, normalerweise üblich seien wohl 20%.  Der Ofen verfügt über vier Kammern, die Ascheanflugglasur kommt aber vor allem in der ersten Kammer vor.

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Über die seitlichen Luken wird während des Brandes Kohle in die Zwischenräume der Gefäße platziert. Dadurch entsteht das begehrte „sangiri„-Dekor.

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Die Utensilien

Die Bandbreite des Ofens ist sehr groß, denn Bizen-yaki fand seinen Weg in viele Haushalte Japans. Das liegt vor allem daran, dass in ärmeren Zeiten Bizen-Keramik für seine Beständigkeit bekannt war. Früher kaufte man Stücke, um sie noch der nächsten Generation zu vererben. So ist es auch zu erklären, dass neben vielen praktischen Geräten für den Haushalt und die Japanische Küche auch Teeutensilien gefertigt werden.

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Für Teekeramik.com konzentriere ich mich auf Gebrauchsutensilien wie kleine und große Teebecher (yunomi) mit sangiri-Dekor. Doch auch Teezubereitungsutensilien wie Kyûsu und Hôhin sind ab und an zu finden. Ein paar Beispiele folgen weiter unten.

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Echizen-Keramik der Eheleute Kondô

Echizen-Keramik gehört zu den „Sechs Alten Öfen“ Japans. Das Zentrum liegt in der heutigen Präfektur Fukui, nördlich von Kyôto. Nachweislich wurde bereits ab dem 5. Jahrhundert Sueki-Keramik gebrannt. Ab dem 12. Jahrhunderts begann man mittels anagama hochgebranntes Steinzeug zu fertigen, das eine natürliche Ascheanflugglasur trug. Bis heute sind Holzbrandöfen für Echizen-yaki üblich, entsprechend natürlich fallen die Keramiken aus.

Traditionell wurden Töpfe und Fallen für Kraken hergestellt. Heute ist man dank der zahlreichen Betriebe viel breiter aufgestellt. Von einigen Keramikern werden auch Essgeschirr und Teeutensilien gefertigt. Zu diesen gehört das Ehepaar Kondô.

Ihr Weg zur Keramik

Nobuyasu Kondô  (46) fing bereits im Alter von 18 Jahren an, sich der japanischen Teekeramik zu widmen. Dies hat er seinem Freund und erstem Meister zu verdanken, der in Nagano Keramik nach dem Vorbild von Echizen-Keramik feuerte.

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Dies hat ihm dann so gut gefallen, dass er unter ihm lernte und sich eines Tages dazu entschloss, einen eigenen Ofen zu gründen. Um aber möglichst authentische Echizen-Keramik zu brennen, zog er zu diesem Zweck in die Präfektur Fukui, dem Herkunftsort, in dem seit dem 12. Jahrhundert ununterbrochen die Flammen der Echizen-Öfen lodern.

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Seine Frau Sanae Kondô geht diesen Weg entschlossen mit. Für beide war dies eine Art Neuanfang, diese Symbolik ist in der Bedeutung des Hôgetsu-Ofens (萌蘖窯) versteckt, denn das erste Schriftzeichen bedeutet „Knospe“, getsu beutet hingegen „junger Trieb“.

Der Ofen

Gebrannt wird in einem Holzbrandofen. Ein Brand dauert ganze 4 Tage und muss für einzelne Stücke wiederholt werden, wenn die Glasuren nicht wie gewollt ausfallen.

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Als Brennmaterial wird typischerweise Japanische Eiche und Kastanien-Eiche verwendet. Diese kommen häufig in der Region vor und verleihen Echizen-yaki die typische Ascheanflugglasur.

Die Produktpalette

Sanae Kondô stellt neben Vasen für Ikebana auch Teebecher her. Ihr Mann konzentriert sich auf Töpfe und filigrane Arbeiten wie beispielsweise Teekannen.

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Beide bilden die Objekte im Freihandaufbau. Das kostet Zeit, verleiht aber jedem Stück einen besonderen und rustikalen Charme.

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Die Glasur

Typisch für die Werke der Kondôs ist ein dunkler und rötlicher Scherben. Darauf legt sich eine helle Ascheschicht, die sich mit dem Tonkörper verbindet.

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Dabei entstehen auch fließende Übergänge, die eine individuelle Landschaft (keshiki) hinterlassen. Diesen ganz eigenen Glasureffekt nennen die Kondôs wegen der Ähnlichkeit auch Akebi (jap. für Fingerblättrige Akebie).

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Ihre Lebensweise

Die Kondôs sind sehr bescheidene Menschen, die zurückgezogen am Rande der Stadt Sabae leben. Dort am Fuße des Waldes haben sie ein altes Holzhaus bezogen, das zurück in die Meiji-Zeit reicht. Ein kleiner Bach läuft am Haus vorbei, in dem kleine Krebse leben.

Der tägliche Arbeitsplatz
Der tägliche Arbeitsplatz

Es ist eine einfache, aber glückliche Lebensweise. Es hat mich jedenfalls inspiriert, sie kennengelernt zu haben und ich freue mich schon auf den nächsten Besuch!

Sanae (rechts) & Nobuyasu (links) Kondô
Sanae & Nobuyasu Kondô

Wenn du dich für die Keramik der Kondôs interessierst, dann freue ich mich, wenn du dich im Shop danach umsiehst. Ich werde in den nächsten Tagen einige Utensilien online stellen.

Neues aus Japan!

Am Mittwoch bin ich aus Japan zurückgekommen. Im Gepäck war auch ein bisschen Zubehör und zum Glück ist alles heil geblieben. Drei Wochen war ich vor Ort unterwegs, davon zwei beruflich in der Präfektur Aichi und Kagoshima und eine weitere privat für Teekeramik.com.

Zusammenfassung der ersten zwei Wochen

Einer der Hauptgründe meiner Geschäftsreise war die Betreuung von Kunden vor Ort. Der Matcha-Boom in Europa löst auch mehr Wissbegierde aus und viele Menschen möchten den Anbau und die Verarbeitung live vor Ort erleben. Ganz nebenbei ist Japan (meiner Meinung nach) auch aus touristischer Sicht eines der attraktivsten Länder dieser Erde. Und dieser Umstand mag ebenfalls dazu beigetragen haben, dass der Ansturm seitens der Kunden sehr hoch ausfiel. Für mich ist dies immer eine gute Gelegenheit, die eigene Japan-Leidenschaft weiterzugeben.

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In Japan war es bereits sehr warm, manchmal sogar ziemlich heiß. In Nishio, der Heimat von Aiya, kann man an so ziemlich jeder Ecke irgendetwas mit Matcha verkosten. Was mich aber am meisten überzeugt hat, war letztlich Matcha mit kaltem Wasser aufgeschlagen. Gerade wenn man wegen der Hitze keine Lust auf etwas Heißes hat, dann kommt einem ein kühler Matcha doch schon sehr entgegen.

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Ein weiteres Highlight war ein Eis, welches wir in der Aiya-Zentrale probieren durften. Dieses Eis wurde mit  s e h r   v i e l  Bio Matcha Ten hergestellt, das ist die höchste Qualität, die es bei „Aiya – THE TEA“ zu kaufen gibt (sorry für die Schleichwerbung). Normalerweise empfehlen wir diese Qualität ja nur für den puren Genuss, aber ein Eis, das extrem hoch mit diesem Matcha versetzt ist, schmeckt einfach unglaublich gut. Ich bin kein Fan von Süßigkeiten, aber da dieses Eis nur eine dezente Süße hatte, war es (nicht nur) für mich einfach perfekt.

Ein weiteres Learning war, dass konventioneller Matcha dann doch anders schmeckt. Ich muss gestehen, dass mir dieser sogar lieber ist. Natürlich denke ich dabei auch ein bisschen an die Pestizide. Gegen dieses böse Kopfkino hilft es dann aber, wenn man sich bewusst macht, dass man Matcha generell in nur kleinen Mengen verzehrt. Dann kann man ja mal eine Ausnahme machen.

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In Kagoshima habe ich drei unserer Teebauern getroffen. Sehr nette und einfache Menschen, die viel Wert auf Familie legen. Mir als gebürtigem Polen ist das sehr sympathisch, denn ich sehe da viele Parallelen, die ich in der modernen Gesellschaft vermisse. An einem Abend war ich mit ihnen Karaoke singen und es war ein sehr langer und lustiger Abend. Am nächsten Morgen habe ich dann festgestellt, dass ich mir irgendwo in den Teefeldern Kagoshimas eine Zecke eingefangen habe. Ich war natürlich verunsichert, denn in Deutschland macht man ja immer so eine große Panik darum, dass sie auch schnell entfernt werden müssen – du kennst das ja. Mein Kollege war da tiefenentspannt. Seiner Meinung nach bringe es nichts zum Arzt zu gehen, die schickten einen damit wieder weg. Super, dachte ich mir. Letztlich habe ich die Zecke selbst entfernt (sie hatte sich noch nicht festgesaugt). In Japan scheinen Zecken nicht oder nur äußerst selten FSME und Borreliose zu übertragen.

Eine Woche quer durchs Land

Von Kagoshima ging es über Kobe nach Fukui. Dort traf ich zunächst das Ehepaar Kondo, von denen ich künftig Teekeramik beziehen werde. Sie leben in einem bescheidenen aber alten Haus, welches bereits seit der Meiji-Zeit am Fuße eines Berges steht. Dort haben sie sich niedergelassen und brennen in einem selbst gebauten Ofen ihre überaus reizvolle Keramik, die eine natürliche Ascheglasur trägt. Wir unterhielten uns über fünf Stunden über Gott und die Welt, es folgt noch ein Blog über diese Begegnung, denn es würde an dieser Stelle den Rahmen sprengen.

Die Eheleute Kondo
Die Eheleute Kondo

In Tokyo traf ich den Keramiker Hodaka Ryûji, der die unverwechselbaren Oribe-Matchaschalen herstellt. Zunächst trafen wir uns im Oribe Café im Szeneviertel Shimo-Kitazawa, wo auch einige seiner Werke ausgestellt sind. Bei dieser Gelegenheit erwarb ich zwei seiner Matchaschalen, von denen eine im Shop landet (siehe Foto). Um mir einen besseren Überblick zu verschaffen, was er noch alles anbietet, sind wir noch in ein Kaufhaus in Shinjuku gegangen.

Oribe-yaki von Hodaka Ryûji
Oribe-yaki von Hodaka Ryûji

Dort angekommen sah ich mir bei dieser Gelegenheit auch Stücke anderer Künstler an. Dann wurde ich plötzlich von einer Dame auf Englisch angesprochen. Ich mag das eigentlich nicht, wenn man mich unaufgefordert anspricht und mir etwas zu den Stücken erzählt. Ich fühle mich dann immer einem gewissen Kaufdruck ausgesetzt, also blieb ich reserviert zurückhaltend. Ich erfuhr von der Dame, dass auch sie selbst etwas ausstelle, was ich mir im Anschluss dann auch ansah. Ihre Werke wirkten ein bisschen wie eine Mischung aus Oribe-yaki, Geschirr aus der Toskana und England.

Als Hodaka Ryûji sich zu mir gesellte, erzählte ich ihm von der englischen Dame. Sie bekam mit, dass wir uns auf Japanisch unterhielten und klinkte sich zu meiner großen Überraschung auf Japanisch ein. Doch das wurde noch übertroffen. Es stellte sich nämlich heraus, dass es sich bei dieser Person um Penny Simpson handelt, der Autorin des „Japanese Potter Handbook“, welches ich in der Uni gelesen habe. Wir unterhielten uns dann noch etwas weiter und machten sogar noch ein Foto zusammen.

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Hodaka Ryûji, Penny Simpson, Lukas Parobij

Die letzte Station war dann Bizen, genauer gesagt die Stadt Kagato. Dort traf ich Herrn Buyô, der einen noborigama mit vier Kammern führt. Der Ofen wurde am Montag gerade beladen, sie sind erst heute damit fertig geworden. Ich wählte dort zahlreiche schöne Stücke für den Shop aus, die brauchen aber noch ein bisschen, bis sie in Deutschland ankommen.

Das Beladen des noborigama
Das Beladen des noborigama

Einige Matchaschalen und Tassen sind bereits im Shop zu finden. Wenn du dich dafür interessierst, freue ich mich, wenn du dich im Shop umsiehst.

Die Zeit ging natürlich viel zu schnell vorbei, aber ich freue mich schon auf den nächsten Besuch und die vielen netten Menschen und Freunde.

Warum eigentlich Teekeramik?

Wenn ich mit Menschen aus meinem Umfeld über das spreche, was ich beruflich mache, dann werde ich nicht selten als Exot wahrgenommen. Japanischer Grüntee bzw. Matcha ist  und bleibt wohl bis auf Weiteres eine erklärungsbedürftige Randerscheinung, auch wenn die Zahl der Liebhaber zu steigen scheint. Dennoch ist Tee ein Produkt, mit dem jeder etwas anfangen kann, denn Anknüpfungspunkte gibt es für jeden Menschen. Daher bringt man mir ein gewisses Verständnis für meine Tätigkeit entgegen.

Wenn ich dann aber von meiner privaten Liebhaberei erzähle, dass ich Teekeramik sammle und verkaufe, dann muss ich sehr weit ausholen. Es scheint, in unserer Gesellschaft wenig Vergleichbares zu geben. Darüber hinaus fällt es vielen schwer, zu begreifen, wozu man diese Teekeramik überhaupt benötigt. Da ich immer wieder zu denselben Erklärungen greife, habe ich mich dazu entschlossen, diese hier mit dir zu teilen.

Sie sind von einem Menschen für uns gemacht

In der heutigen Zeit sind wir häufig umgeben von industrieller Massenware. Und das meine ich gar nicht so negativ, wie es klingen mag, denn die industrielle Herstellung hat nunmal den Vorteil, dass wir uns alle Dinge leisten können, die wir zum Leben benötigen. Gerade aus diesem Grund stechen die Dinge heraus, die noch von Menschen per Hand hergestellt werden. Sie sind keine „seelenlosen Objekte“, die man schon morgen bei Bedarf nachkaufen kann, wenn etwas zu Bruch geht. Jedes Stück wurde von den Händen eines Töpfers geformt, manchmal sogar sehr zeitaufwendig. Ich finde den Gedanken sehr schön, dass sich irgendwo irgendwann ein Mensch die Zeit genommen hat, für mich oder für dich ein Utensil herzustellen. Diese persönliche Bindung schätzt übrigens der Keramiker ebenso sehr wie wir. Ist es nicht schön, dass wir in dieser Zeit Menschen darin fördern können, sich einem Handwerk bzw. einer Handwerkskunst zu widmen?

Es sind Unikate

Der Ofenbrand mag unter sich ähnelnden Bedingungen durchgeführt werden, die Formen können auf den ersten Blick gleich aussehen und dennoch fällt jedes Objekt individuell aus. Einige bleiben während des Brandes sogar auf der Strecke und landen auf dem Keramikfriedhof des Töpfers. Was in unsere Hände fällt, hat die natürliche Auslese überstanden und ist einzigartig. Jedes Stück gibt es nur ein einziges Mal. Selbst wenn der Töpfer ein identisches schaffen wollte, es wird anders sein.

Teekeramik ist für den Gebrauch bestimmt

Obwohl einige Utensilien wie kleine Kunstwerke aussehen, sollten sie nicht wie solche in einer Glasvitrine versteckt werden. In Japan betont man, dass die Schönheit einer Teeschale erst durch ihren Gebrauch zum Vorschein kommt. So ist es auch zu erklären, dass einige Museen Japans an bestimmten Tagen Teezeremonien abhalten, bei denen historische Stücke zum Einsatz kommen. Jedes Stück verhält sich beim Gebrauch anders. Haptik, Trinkgefühl, Praktikabilität, Farbeffekte, die sich im Zusammenspiel mit dem Tee ergeben – alle diese Punkte kommen erst zur Geltung, wenn man ein Utensil auch wirklich benutzt.

Sie unterstreicht die Besonderheit eines Tees

Es liegt in der Natur der Sache, dass wir Menschen besondere Anlässe mit besonderen Gaben feiern. Sei es der Sekt zum Geburtstag, das Bier nach Feierabend oder die Gans zu Weihnachten – wir lieben es, Festlichkeiten angemessen zu würdigen. Dabei lassen wir es uns auch nicht nehmen, für das passende „Drumherum“ zu sorgen. Es dürfen dann auch das gute Geschirr oder die passenden Gläser sein, um die Besonderheit eines Moments zu unterstreichen. So ähnlich ist es doch auch mit Tee. Wenn ich mir einen guten Tee leiste, den ich mir für einen besonderen Moment oder eine Auszeit gönne, dann schaffe ich mir durch das passende „Drumherum“ das richtige Ambiente. Das mag Kerzenschein, schöne Musik, aber ebenso ein schönes Trinkgefäß oder eine Kanne sein. All diese Dinge helfen uns, uns auf einen Moment zu fokussieren und ihn in allen Facetten zu erleben (mehr dazu findest du hier).

Geschichte und Traditionen

Egal ob wir uns europäische oder ausländische Teekeramik angucken, fast alle heutigen Keramiken gehen auf bestimmte Stile zurück, die bereits Jahrhunderte alt sein können. Während einige Weiterentwicklungen sind und sozusagen als „entfernte Verwandte“ bezeichnet werden könnten, orientieren sich andere stärker an historischen Vorbildern. Dies macht Teekeramik zu einem breiten Feld, in dem man sich über fremde Kulturen und Bräuche weiterbilden kann. Dabei lässt sich nicht nur immer wieder Erstaunliches entdecken und lernen, man bekommt auch ein Gefühl dafür, dass sich schon Menschen vor hunderten von Jahren mit ähnlichen Dingen wie wir beschäftigt haben. Dadurch bekommen bestimmte Stile einen zeitlosen Charakter.

 

Einführung in die Shigaraki-Keramik

Shigaraki-Keramik gehört für mich zu den faszinierendsten und gleichzeitig schlichtesten Keramikgattungen Japans. Besonders die warmen Farbtöne des rustikalen Tonkörpers strahlen eine Behaglichkeit und Urtümlichkeit aus, die mich in eine nostalgische Stimmung bringen.

Der Ort Shigaraki

Die Ortschaft Shigaraki liegt in der heutigen Präfektur Shiga. Seit dem 5. Jahrhundert wird in dieser Region Keramik gebrannt. In Shigaraki selbst reicht die Keramikherstellung bis in das 13. Jahrhundert zurück, damit ist der Ort der jüngste der „Sechs alten Öfen“. Da er in der Einflusssphäre Kyôtos liegt, richteten sich die ansässigen Töpfer schon früh nach dem Geschmack der damaligen Hauptstadt. Shigaraki entwickelte sich dadurch zu einem der bedeutendsten Zentren für Teekeramik. Wegen der üppigen Tonvorkommen wird der Ort auch heute noch als das Paradies für Keramiker bezeichnet.

Der charakteristische Ton

Der Ton ist in natürlichem Zustand weiß und arm an Eisen, feuert aber lachsfarben bis rotbraun. Ein charakteristisches Merkmal sind die Pegmatiteinschlüsse (Feldspat- und Quarzkörnchen), die nach dem Brand als weiße Sternchen aus dem Ton hervorstechen und auch als solche (hoshi) bezeichnet werden.

Shigaraki-yaki Teebecher
Shigaraki-yaki Teebecher

Typisch für Shigaraki ist der Ton namens kibushi-nendo aus Sedimentationsschichten des Biwasees, die dem Pilozän zugeordnet werden. Er ist plastisch und hitzebeständig, heute wird er in ganz Japan von Keramikern eingesetzt, welche die rustikalen Eigenschaften schätzen. Die Pegmatitkörnchen werden allerdings für die Formgebung entfernt und bei Bedarf wieder zugesetzt. Für das Drehen auf der Scheibe ist der Ton zu grob, weswegen die Objekte aus Tonrollen aufgebaut oder in Formen gepresst werden.

Moderne und traditionelle Brennverfahren

Modernes Shigaraki wird häufig in Gas- oder Elektroöfen bei ca. 1300° gebrannt. Dabei kann allerdings keine Aschenanflugglasur entstehen, daher müssen Glasuren vorher aufgetragen werden. Viele Keramiker schätzen den Charme alter Keramiken aus der Blütezeit der Shigaraki-Öfen und brennen daher ihre Waren wieder im anagama oder noborigama. Durch den bis zu einer Woche dauernden Holzbrand wird Asche aufgewirbelt, die sich auf den Objekten niederlässt und schmilzt. Dies ist die Aschenanflugglasur, die bei jedem Stück anders gelingt und es somit zum Unikat macht.

Die Brenneffekte

Um das charakteristische Erscheinungsbild der Shigaraki-Keramik zu beschreiben, entstanden mit der Zeit verschiedene Begriffe. Rötliche Färbungen am Tonkörper, nennt man Feuerfarben (hi-iro 火色). Der Effekt kann stark variieren, da er abhängig vom Ofen, der Platzierung im Ofen, der Brennweise und Temperatur ist.

Shigaraki-yaki Chawan
Shigaraki-yaki Chawan

Als koge (焦げ) bezeichnet man Brandspuren, die dunkel ausfallen und durch Asche verursacht werden. Die Asche kann neben hellen Glasureffekten auch verglasen. Diese blaugrüne Glasschmelze wird bîdoro genannt. Treten alle drei Merkmale zusammen auf, dann spricht man von den „drei Landschaften“, welche auf Japanisch mitsu no keshiki (三つの景色) genannt werden.

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Ein ebenfalls begehrter Effekt wird durch die Pegmatitkörnchen verursacht. Werden Temperaturen von über 1300°C erreicht, dann können diese aufquellen oder gar explodieren und verursachen dadurch Risse oder kleine Krater im Körper. Diesen Effekt nennt man daher ishi-haze (石爆ぜ) – Steinexplosion.

Überblick über die historische Entwicklung

In Shigaraki wurden zunächst Haushaltsgegenstände wie Töpfe, Krüge und Mörser gebrannt. Anfangs konzentrierte man sich auf unglasiertes Steinzeug im Stile der damaligen Tokoname-Keramik. Tokoname war bereits weiter entwickelt und dominierte daher den Keramikmarkt.

In der Muromachi-Zeit (1336–1573) haben Teemeister die rustikale Ästhetik entdeckt und schätzen gelernt. Daher haben Shigaraki-Keramiken eine lange Tradition. So haben schon die Teemeister Murata Jukô, Sen no Rikyû und später auch Kobori Enshû Keramiken aus Shigaraki in ihren Teezeremonien eingesetzt. Angeblich haben diese Teemeister Keramiken nach ihren Wünschen herstellen lassen. Die daraus resultierenden Stile sind daher nach ihnen benannt.

Den Höhepunkt erreichte Shigaraki-Keramik, als das Tokugawa-Shogunat im Jahre 1632 nur noch Teetöpfe aus Shigaraki für die Lagerung des Uji-Tees zuließ. Doch diese privilegierte Stellung hielt nicht ewig.

Mitte des 17. Jahrhunderts verloren Teekeramiken aus Shigaraki an Bedeutung. Keramik aus Iga und Bizen war nun gefragter und die Öfen reagierten mit der Umstellung auf glasierte Ware. Gleichzeitig wurde der Schwerpunkt wieder auf Haushaltswaren gelegt.

Modernes schwarzes Shigaraki
Modernes schwarzes Shigaraki

Heute sind neben Teekeramiken auch andere Utensilien wie beispielsweise Sake-Sets beliebt. Vor allem die Tanuki-Figuren sind populär und zum Markenzeichen geworden, weswegen sie auch gerne als Mitbringsel und Glücksbringer verschenkt werden.

Einführung in die Bizen-Keramik

Bizen-Keramik  gehört zu den Sechs Alten Öfen Japans.  Das Töpfergebiet liegt westlich von Kyôto in der Präfektur Okayama.  Bekannt ist Bizen-Keramik vor allem für unglasierte Waren mit rotbräunlichem Scherben und markanten Brenneffekten.

Migration in Richtung Westen

Alles fing damit an, dass Töpfer aus der Region des heutigen Ôsaka in Richtung Westen zogen und sich in der Gegend um Inbe niederließen. In diesem Gebiet wurde nachweislich ab dem elften Jahrhundert die Bizen-Keramik gebrannt. Aus diesem Grund kann man den Begriff Inbe auch als Synonym für Bizen gebrauchen.

Archaische Brennmethoden

Zunächst wurde grauschwarze Keramik gebrannt. Die Temperatur betrug 1200 °C bei reduzierter Atmosphäre. Erst mit dem anagama konnten höhere Temperaturen erreicht werden und die Brennatmosphäre änderte sich in Richtung Oxidationsbrand. Typisch für diesen Ofentyp sind natürlich glasierte Waren, die über eine Ascheanflugglasur verfügen.

Der Einfluss der Teekultur

Auch die Teemeister entdeckten Bizen-Keramik für ihre Zwecke. Als man anfing, japanische Keramiken in die Teezeremonie zu integrieren, griff man auf natürlich glasierte Keramiken wie Bizen und Shigaraki zurück. Allerdings waren dies zunächst Objekte wie Frischwassergefäße und Vasen. Dadurch wurden die Keramiken in Kennerkreisen populär.

Einflussreiche Mäzen unterstützten ausgewählte Familien

Später wurden die Töpfer von den politischen Eliten gefördert. Dadurch konnten sich die Töpfer voll auf ihre Arbeit konzentrieren, die Qualität stieg und es wurden verschiedene Alltagskeramiken über den Land- und Seeweg in ganz Japan vertrieben. Es entstanden neue Stile und verfeinerte Techniken, die noch immer auf ein rustikales Erscheinungsbild abzielten.

Japans Abkehr von der eigenen Tradition

In der Meiji-Zeit  (1868-1912) gerieten die Töpfer in eine schwere Krise. Die Nachfrage sank, weil industriell gefertigtes Porzellan zu viel günstigeren Preisen den Bedarf an Gebrauchskeramik sättigte. Viele Betriebe wurden stillgelegt. Rustikale Keramiken wurden weniger nachgefragt, weil westliche Werte den Geschmack jener Zeit bestimmten. Erst im 20. Jahrhundert wurde die Tradition wiederbelebt und alte Öfen wieder in Betrieb genommen oder neue gebaut. Die Rückbesinnung auf das „ursprüngliche Japanische“ führte wieder zu einer steigenden Nachfrage. Heute werden neben Teekeramik Blumengefäße und Essgeschirr hergestellt.

Eisenhaltiger Ton muss es sein

Für das typische Erscheinungsbild ist ein eisenhaltiger Ton (Eisengehalt 3%) verantwortlich, den man in Japan tatsuchi nennt. Dieser wurde zunehmend ab dem Ende des 16. Jahrhunderts eingesetzt und ist für den rotbraunen Farbverlauf verantwortlich. Der Ton befindet sich unter Reisfeldern, er ist besonders plastisch, weil der Anteil organischer Bestandteile besonders hoch ist. Zwei weitere Tonarten werden heute eingesetzt. Der eine ist sandhaltig (yamatsuchi) und der andere noch plastischer (kurotsuchi). Die Töpfer mischen sich daraus ihren eigenen Ton entsprechend ihren Bedürfnissen und Erfordernissen.

Zufällige Brenneffekte

Im 16. Jahrhundert war Teekeramik besonders gefragt, weswegen in ganz Japan in verschiedensten Regionen Keramiken für die Teezeremonie gebrannt wurden. So ist es auch zu erklären, dass zu der Zeit der großen Nachfrage verschiedene Brenneffekte durch bloßes Experimentieren entdeckt wurden. Diese Effekte wurden und werden damals wie heute von Kennern geschätzt.

Gebrannt wird normalerweise in anagama oder noborigama. Der Zeitraum kann bis zu zwei Wochen betragen. Dabei werden Temperaturen von bis zu 1250 °C erreicht. Diese Temperatur ist zu niedrig, als dass die Aschepartikel vollständig schmelzen könnten. Die Partikel ergeben ein natürliches Dekor, welches vor allem optisch interessant ist. Weitere Brenneffekte ergeben sich durch die Position im Brennofen. Mit viel Erfahrung kann der Töpfer die Effekte vorausahnen. Ein Moment des Zufalls bleibt aber immer erhalten. Dadurch wird aus jedem Stück ein Unikat.

Bizen-Keramik Hôhin mit goma-Effekt
Bizen-Keramik Hôhin mit goma-Effekt

goma: Asche, die ab 1240°C schmilzt und eine gelbliche Glasur hinterlässt, die an Sesam erinnert.

Bizen Keramik Chawan mit sangiri-Effekt
Bizen-Keramik Chawan mit natürlichem sangiri-Effekt

sangiri: Metallisch graublaue Färbung, die zufällig durch Reduktion entsteht, wenn das Objekt beispielsweise mit Asche bedeckt ist. Es kann forciert werden, wenn Kohle während des Brandes in der Nähe der Utensilien platziert wird.

Bizen-Keramik Chawan mit botamochi-Effekt
Bizen-Keramik Chawan mit botamochi-Effekt

botamochi: Flecke ohne Aschenflug, die durch eine Abdeckeckungstechnik entstehen.

Bizen-Keramik mit hi-iro
Bizen-Keramik mit hi-iro

hi-iro: Glänzende rote Flächen, die an die Farbe von Glut erinnern, nennt man hi-iro (Feuerfarbe)

Einführung in die Hagi-Keramik (Hagi-yaki)

Hagi-Keramik bzw. Hagi-yaki (萩焼)gehört neben Raku- und Karatsu-yaki zu den drei populärsten Keramiken Japans. Der Ursprung von Hagi-Keramik liegt in koreanischen Reisschalen, die bereits im frühen 16. Jahrhundert von Teemeistern als Teeschalen (kôrai chawan 高麗茶碗) eingesetzt wurden. Durch die immer populärer gewordene Wabi-Ästhetik (Ästhetik des Schlichten und Unvollkommenen) stieg die Nachfrage rasant an.

Der Imjin-Krieg

Als Japan unter dem Regenten Toyotomi Hideyoshi im Jahre 1592 Korea angriff, wurde der Imjin-Krieg ausgelöst, der bis 1598 andauerte und zu den dunklen Kapiteln der japanischen Geschichte zählt. Als sich die japanischen Truppen zurückzogen, wurden Kunstschätze mitgenommen und Töpfer verschleppt, die für Ihre Arbeiten geschätzt wurden. Die koreanischen Töpfer, die in der Lage waren die kôrai chawan zu brennen, hatten Glück im Unglück.

Hagi-yaki Ido Chawan
Hagi-yaki Ido Chawan

In Korea galten die Reisschalen als einfaches Bauerngeschirr, entsprechend niedrig war ihr Status. In Japan genossen sie aufgrund der viel höheren Wertschätzung für dieses Geschirr einen guten Ruf und wurden von den daimyô selbst gefördert. Dies war die Geburtsstunde zahlreicher Keramikstile, zu denen auch Hagi-yaki gehört.

Hagiyaki chawan
Hagiyaki chawan
Wie alles begann

I Chak-kwang (李 勺光, jap. Lesung: Ri Shakkô) und I Kyung (李 敬, jap. Lesung: Ri Kei) sowie I Chak-kwangs Sohn Yamamura Shinbei Mitsumasa (山村 新兵衛 光正) gelten als die Begründer der Hagi-Keramik. Mit der Hilfe des Fürsten Môri Terumoto (毛利輝元) erbauten sie in der Nähe von Hagi den ersten Ofen, den Matsumoto-goyôgama. Môri Terumoto war selbst ein begeisterter Teepraktizierender, der unter Sen no Rikyû lernte und gute Verbindungen zu Furuta Oribe unterhielt. Er ließ die Brüder kôrai chawan herstellen, die als Ido, mishima, hakeme und kohiki klassifiziert werden.

Hakeme-Mishima-Chawan
Hakeme-Mishima-Chawan
Die Öfen in Hagi

Weitere Öfen wurden in der Nähe von Hagi erbaut. Im heutigen Nagato, westlich von Hagi, entstand der Fukagawa-goyôgama. In Hagi selbst wurde der Matsumoto-gama im Jahre 1666 erbaut. Gebrannt wurden ausschließlich Teekeramiken, die Stile änderten sich aber mit der Zeit, da der Einfluss der Oribe-Keramik aus Mino und Seto so groß wurde, dass man Dekore und Formen wie z.B. die kutsugata chawan (沓形茶碗)zeitweise in Hagi übernahm. Erst ab dem 18. Jahrhundert widmete man sich wieder den schlichten Stilen, für die heute Hagi-Keramik geschätzt wird.

Oribe-yaki kutsugata
Oribe-yaki kutsugata
Die Tonsorten

Für Hagi-Keramik wird heute je nach Bedarf eine Tonmischung angesetzt, die sich aus bis zu vier Bestandteilen zusammensetzen kann. Der 1717 entdeckte daidô-tsuchi ist hellgrau und bildet mengenmäßig den größten Anteil. Der gairome-nendô (蛙目粘土) enthält viele Quarzpartikel, deren Anteil durch Aufbereitung verringert werden kann. Weitere Nuancen können erzielt werden durch den gelblichen kaolinhaltigen mitake-Ton (金峯土)und den rötlich-braunen eisenhaltigen mishima-Ton(三島土). Häufig findet man sehr groben Ton bei Hagi-Teeschalen, dieser kommt durch den Einsatz eines feinen Sandes zustande.

Das ist kein Bug, das ist ein Feature

Eine Eigenart von Hagi-Keramik ist der grobe Ton, der wegen des Kaolins eine weiche und warme Haptik aufweist. Da er noch nicht voll verdichtet ist, gibt es viele Risse (kan’nyû 貫入) im Ton und in der Glasur. Dadurch kann Flüssigkeit in den Tonkörper gelangen und manchmal aus dem Teebecher oder der Chawan wieder austreten. Gelegentlich kann es sogar tropfen.

Dieser Zustand ist aber nicht von Dauer, denn mit jedem Tee, der aus einem Becher oder einer Chawan getrunken wird, setzen sich nach und nach Partikel des Tees in den Rissen ab, wodurch das Gefäß abgedichtet wird. Mit der Zeit verändert sich durch die Ablagerungen sogar das Erscheinungsbild des Gefäßes, welches sieben Stadien durchlaufen kann, in Japan nennt man diese „hagi no nanabake(萩の七化)“ – „Die sieben Wandlungen der Hagi(-Keramik)“. Dabei können sich die Farben ändern und es entsteht ein zunehmendes Craquelé-Muster.

Der Fußring

Der Fußring bzw. kôdai (高台)ist deshalb so wichtig, weil er Aufschluss über den verwendeten Ton gibt. Der Ton ist eine Art Signatur, Kenner können in einigen Fällen bereits an der Beschaffenheit des Tons die Handschrift des Töpfers identifizieren. Die Gestaltung des kôdai ist keineswegs banal, oft lässt sich an seiner Gestaltung die Kunstfertigkeit des Keramikers erkennen.

In Hagi hat sich die Tradition eingeschlichen, den kôdai anzuschneiden. Der getrennte Fußring nennt sich wari-kôdai(割高台), Einkerbungen werden kiri-kôdai (切り高台)genannt.

Hagi-yaki kiri-kôdai
Hagi-yaki kiri-kôdai

Weshalb wurde der Fußring überhaupt geschlitzt? Auf diese Frage gibt es auch in japanischen Quellen keine eindeutige Antwort. Eine gängige Erklärung ist, dass Hagi-Keramik aus fürstlichem Ofen der einfachen Bevölkerung nicht zugänglich gewesen sei. In dem man sie „beschädigte“ habe man der einfachen Bevölkerung erlaubt, die Ausschussware zu benutzen.

Auch wenn diese Erklärung einleuchtend klingt, es gibt Hinweise, die dieser weit verbreiteten Meinung widersprechen. Denn bereits vor Entstehung der Hagi-Keramik wurden die Fußringe geschlitzt. Und selbst die Auftragsarbeiten für Angehörige des Adels weisen dieses Merkmal auf und man kann nicht davon ausgehen, dass sie sich mit Ausschussware begnügten.

Hagi-yaki yunomi mishima-Ton
Hagi-yaki yunomi mishima-Ton

Die schlüssigste Erklärung ist eine ganz pragmatische. Dadurch, dass Hagi-yaki wasserdurchlässig ist, kann es passieren, dass der Becher oder die Chawan durch den Luftdruck festgesaugt wird. Ein geschlitzter Fußring wirkt dem entgegen.

Die Glasuren

Eigentlich gibt es nur zwei Glasurvarianten, die allerdings in Kombination mit dem Ton und der Brennatmosphäre verschieden ausfallen können. Die erste Glasur ist eine transparente Asche-Feldspat-Glasur (dobai-yû 土灰釉) mit einem variablen Holzascheanteil von 30-70%. In Verbindung mit einer Tonmischung aus daidô-tsuchi und mitake kann sich die Glasur in verschiedenen Nuancen von Gelb über Rosa, Orange bis Hellblau färben.

Hagi-yaki yunomi
Hagi-yaki yunomi

Diesen typischen Farbton (Gelb, Rosa, Orange) nennt man auch biwa-iro (Farbe der Japanischen Wollmispel). Wird der eisenhaltige mishima-Ton hinzugefügt, dann erzielt man Farben zwischen Grau und Rosa.

Hagi-yaki Chawan
Hagi-yaki Chawan

Die andere für Hagi typische Glasur entsteht, wenn zusätzlich Strohasche zu der oben genannten Glasur hinzugefügt wird. Dann entsteht eine weiße Glasur, die je nach Dicke wie Zuckerguss wirkt. Diese Glasur wird weiße Hagi-Glasur genannt (shiro hagi-gusuri 白萩薬).

Glasureffekte

Während des Brandes reagiert der Ton mit der aschehaltigen Feldspatglasur und kann ein natürliches Dekor auf der Innen- und Außenseite in Form von rosa Punkten erzeugen, die in Japan je nach Ausprägung auch als „Pflaumenblüten“ oder „Herbstlaub“ geschätzt werden.

Hagi-yaki Teebecher mit "Pflaumenblüten-Dekor"
Hagi-yaki Teebecher mit „Pflaumenblüten-Dekor“

Als kairagi (梅花皮)bezeichnet man einen Glasureffekt, der bei Ido-Chawan häufig vorkommt und an den Rücken einer in Asien vorkommenden Rochenart erinnert.

Der Brand

Wie Hagi-yaki gebrannt wird, lässt sich zwar nicht verallgemeinern, in der Literatur wird ein noborigama (aufsteigender Mehrkammerofen) genannt, in dem die Keramiken je nach Ofengröße 14-40 Stunden gebrannt werden. Dabei werden je nach Kammer Temperaturen zwischen 1180 bis 1340°C erreicht. Als Brennmaterial wird Holz verwendet.

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Seto-, Oribe- und Mino-Keramik: eine Einführung

Wenn du anfängst dich mit japanischer Keramik auseinanderzusetzen, dann wird du eines Tages auf Mino- und Seto-Keramik (jap.: Mino-yaki 美濃焼, Seto-yaki 瀬戸焼) stoßen. Mino und Seto beschreiben keinen Stil, sondern eine ehemalige Provinz bzw. Region. In Japan ist es nämlich üblich, Keramiken nach ihrer regionalen Herkunft zu bezeichnen. Ziel dieses Artikels ist, dir einen Überblick über die Geschichte und Stile der Mino- und Seto-Keramiken zu geben. Um den Umfang des Artikels nicht zu strapazieren, wird an dieser Stelle Shino-Keramik als Teil von Mino bewusst ausgelassen, da Shino einen eigenen Beitrag verdient.

Wo alles begann

Man kann Mino-Keramik nicht völlig isoliert von Seto-Keramik betrachten. Denn die heutige Stadt Seto ist nur einen Steinwurf von der ehemaligen Provinz Mino entfernt. Streng genommen werden sie sogar nur durch einen Gebirgspass getrennt und haben sich im Laufe der Jahrhunderte stets gegenseitig beeinflusst. Beiden wird von Forschern wie Cort eine Schlüsselrolle in der japanischen Keramik-Entwicklung zugesprochen. Mino wurde zusammen mit der ehemaligen Provinz Hida im Jahre 1876 zur heutigen Präfektur Gifu vereint.

Von großer Bedeutung ist die zentrale Lage, die es den Öfen ermöglichte, die Nachfrage von Zentral-Japan und somit Ballungsgebiete und die kulturelle Hochburg Kyôto zu bedienen, was sich besonders in der Entwicklung von Tee-Keramiken widerspiegelt, die den ästhetischen Normen entsprechend hergestellt wurden.

Die vorteilhafte Lage

Südwestlich liegen die Städte Nara, Kyôto, Ôsaka und Sakai in einer Entfernung von ca. 130km Luftlinie. In unmittelbarer Nähe befindet sich die Stadt Nagoya. Die Seto- und Mino-Öfen waren aber nicht die einzigen in der Region. Der Ballungsraum von Kyôto bis Sakai lag in Nachbarschaft zu den Tanba- und Shigaraki-Öfen, etwas weiter im Westen lagen bereits die Öfen von Bizen. Südlich von Nagoya wurden in Tokoname ebenfalls Keramiken gebrannt. Allerdings wurde in keinem der vier Töpferzentren glasierte Keramik hergestellt. Diesem Umstand verdankten die Seto- und Mino-Öfen ihre exklusive Stellung in der Region.

Fokus auf den Zeitgeist

Außerdem verstanden es die Töpfer, auf Trends der Zeit zu reagieren, daher lassen sich Imitationen bzw. Variationen von anderen populären Keramiken wie Iga, Bizen und Karatsu finden, von denen letztere eine große Ähnlichkeit zu weißen Shino-Keramiken aufweisen.

Zusammenfassung der Entwicklungsgeschichte

Der technologische Ursprung beider Töpferzentren liegt in der Sue-Keramik begründet, die zwischen dem 4. und 5. Jahrhundert eingeführt wurde. Die Töpfer der Sanage-Öfen entdeckten Mitte des 8. Jahrhunderts die erste japanische Glasur. Dieses Alleinstellungsmerkmal hielt nicht lange, denn die Technik verbreitete sich im 9. Jahrhundert bis hin zur östlichen Mino-Provinz.

China-Importe machten den Töpfern das Leben schwer

Obwohl diese glasierten Keramiken zunächst an Popularität gewannen, nahm ihre Beliebtheit rasch wieder ab, da der Bedarf an Luxusartikeln durch China-Importe gedeckt wurde. Die Öfen reagierten infolgedessen mit der Massenproduktion von unglasiertem Alltagsgeschirr.

Konzentration auf China-Imitate

In Seto wurde eine neue Glasur entwickelt. Bis ins 15. Jahrhundert produzierte man ausschließlich in Seto glasierte Keramiken, häufig nach chinesischem Vorbild. Man versuchte grüne Seladone und Jian-Teeschalen zu imitieren, die Resultate wichen allerdings deutlich von ihren Vorbildern ab. Nichtsdestotrotz konnten sich nur die wohlhabenden Bürger Japans diese Imitate leisten – ein Zustand, der bis ins 16. Jahrhundert anhielt.

Teekultur brachte neue Keramiken hervor

Im 14. und 15. Jahrhundert nahm durch den Einfluss der Teekultur der Anteil von Teeutensilien zu, die besonders im Westen, in Kyôto, Nara, Hakata und Sakai vertrieben wurden.

Die Mino-Öfen erstreckten sich über ein Gebiet, das heute durch die Städte Tajimi, Toki und Mizunami abgedeckt wird. Die Öfen im östlichen Mino brannten bereits im frühen 15. Jahrhundert glasierte Keramiken im Seto-Stil. Am Ende des 15. Jahrhunderts wurden die Produktionsmenge und die Ofenzahl von Seto gar übertroffen.

Im 16. Jahrhundert war die Produktpalette aus Mino und Seto weitestgehend identisch. Erst im späten 16. Jahrhundert widmete man sich in Mino neuen Glasuren und Formen. Die Seto-Töpfer zogen wegen der größeren Aktivität und der sichereren geographischen Lage schließlich nach Mino.

Gattungsbezeichnungen

Der Begriff setomono (Seto-Waren) stammt vom Dorf Seto, welches den Mittelpunkt der Ofen-Gruppe bildete. Heute bezeichnet man die frühen glasierten Keramiken vom 12.–15. Jahrhundert, die einen starken chinesischen Einfluss aufweisen, als ko-Seto (altes Seto). Ein Grund für die Weiterverwendung des Gattungsbegriffs Seto im 16. und 17. Jahrhundert in Mino kann auch die bereits etablierte Reputation dieser Ware in den vergangenen Dekaden sein, die durch die Zugehörigkeit der Region zu Oda Nobunaga (1534–1582) verstärkt wurde.

Unter der Tokugawa-Herrschaft wurden die Mino-Öfen mit denen aus Seto fusioniert und unter dem bereits etablierten Namen weitergeführt. Erst im 20. Jahrhundert wurde diese Einteilung revidiert und den Innovationen, die aus den Mino-Öfen hervorgingen, Rechnung getragen. 1930 entdeckte Arakawa Toyozô (1894– 1985) eine weiße Shino-Teeschale in der ehemaligen Mino-Region. Anschließende Untersuchungen zeigten einen Zusammenhang zwischen Mino und den neuen Glasuren der Momoyama-Zeit, wie z.B. Shino, auf. Aber erst seit der späten Shôwa-Zeit (1926–1989) wird Mino-Keramik als eigenständige Gattung anerkannt.

Wie eigentlich alle in Mino produzierten Waren, nannte man auch Oribe-Keramik zum Zeitpunkt ihrer Entstehung Seto-Keramik. Takeuchi Jun’ichi macht die erste schriftliche Quelle, die Oribe als Namensgeber adaptiert, erst 55 Jahre nach Oribes Tod aus. Etabliert hat sich diese Bezeichnungsweise in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts.

Gelbes und Schwarzes Seto

Eine begriffliche Unterscheidung zwischen Mino und Seto fand bis in die jüngste Zeit nicht statt. Vielmehr machen die Begriffe Seto-guro (schwarzes Seto) und ki-Seto (gelbes Seto) deutlich, dass die Märkte Mino-Keramiken als einen Zweig der lange bekannten Seto-Öfen ansahen, obwohl diese nicht in den umliegenden Öfen der Stadt Seto produziert wurden.

Gelbes Seto entstand bei dem Versuch, grünes Seladon aus China zu imitieren. Die typisch grüne Farbe wollte nicht gelingen, stattdessen entstand eine gelbliche Glasur, die später mit grünen Tupfern dekoriert wurde. Es folgt ein Bild eines modernen ki-Seto Teebechers, hier findest du ein Foto eines historischen Originals.

ki-Seto Teebecher
Modernes Gelbes Seto (ki-Seto)

 

Mit Seto-guro ist ein Typ von schwarzen Teeschalen gemeint, die bereits in der frühen Phase der Momoyama-Zeit (1573–1615) hergestellt wurden. Auffällig ist, dass im Gegensatz zu ki-Seto ausschließlich Teeschalen in diesem Stil hergestellt wurden, jedoch keine Teller, Vasen oder Essgeschirr. Die schwarze Glasur wurde durch das Herausziehen der Teeschale während des Brandes erzielt, eine Technik, die ich bei Raku bereits vorgestellt habe.

 

Moderne Interpretation einer Seto-guro Chawan von Andrzej Bero
Moderne Interpretation einer Seto-guro Chawan von Andrzej Bero

 

 

Oribe-Keramik

Der Einfluss Furuta Oribes

Oribe-Keramik (Oribe-yaki) ist eine Edo-zeitliche (1615–1868) Bezeichnung für Teeschalen, von denen man dachte, dass sie Furuta Oribe (1544–1615) gefallen haben, weswegen ihm sogar von einigen Autoren ein direkter Einfluss auf die Entstehung dieser Keramikgattung nachgesagt wurde. Bereits 1976 räumte der Oribe-Experte Takeuchi Jun’ichi ein, dass das wahre Ausmaß dieses Einflusses unbekannt sei.

Furuta Oribe
Furuta Oribe

Furuta Oribe war Samurai, später daimyô und Teemeister und stammte gebürtig aus Mino. Er diente den drei militärischen Führern Oda Nobunaga (1534–1582), Toyotomi Hideyoshi (1536–1598) und Tokugawa Ieyasu (1543–1616) und beging im Jahre 1615, vermutlich wegen eines gescheiterten Komplotts gegen das Tokugawa-Regime, rituellen Selbstmord.

Es ist bekannt, dass Oribe eine Vorliebe für extrem asymmetrische Teeschalen hegte, die von manchen seiner Zeitgenossen als Fehlbrände klassifiziert wurden. Da an seinem Wohnort bei späteren Ausgrabungen unten erwähnte Keramiken gefunden wurden, ging man von einem Zusammenhang aus. Oribe war nach Rikyûs Tod der Teemeister von den Regenten Toyotomi Hideyoshi und Tokugawa Ieyasu und setzte sich für einen liberalen Teestil ein, in dem alles erlaubt sei.

Die Vielfalt der Oribe-Keramik

Oribe-Keramik ist sehr vielfältig und es gibt diverse Begriffe, um die Stile voneinander zu unterscheiden. Zu den markantesten Stilen gehört das grün glasierte ao-Oribe, welches kreative Dekore auf hellem Untergrund tragen kann. Die grünen Oribe-Variationen gingen in ihrer Entwicklung aus den oben erwähnten ki-Seto-Keramiken hervor.

ao-Oribe kyûsu
Modernes ao-Oribe in Form einer Kanne
Oribe-guro (einfaches schwarzes Oribe)

Oribe-guro sind stark deformierte und asymmetrische schwarze Teeschalen. Dieser Teeschalen-Typ hatte im oben erwähnten Seto-guro einen Vorläufer. Typisch für Oribe-guro sind die fast dreieckigen Formen, die im Japanischen als kutsugata (Schuhform) bezeichnet werden. Oribe-guro trägt immer eine schwarze Glasur ohne Dekore und steht damit in einer Reihe mit schwarzem Raku und Seto-guro.

Oribe-guro Chawan
Oribe-guro kutsu-Chawan
Kuro-Oribe (dekoriertes schwarzes Oribe)

Dies ist letztlich eine Variation von ao-Oribe, denn anstelle der grünen Glasur wird einfach nur eine schwarze Glasur verwendet. Die Dekore werden häufig auf hellem Untergrund aufgetragen, z.B. schwarzes Dekor auf weißem Untergrund. Es gibt jedoch auch Beispiele für Teeschalen, die ein weißes Dekor auf schwarzem Hintergrund tragen. Das Ausmaß der Asymmetrie fällt selten so stark aus wie bei den extremen Oribe-guro, was auch darin begründet liegt, dass es schwerer ist, auf stark verkrümmten Flächen ein Dekor zu zeichnen.

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-Oribe (grünes Oribe)

Grünes Oribe wurde im 16. und 17. Jahrhundert für viele Alltagsgegenstände verwendet. Dabei wird das komplette Gefäß in die grüne Kupfer-Glasur getaucht, bei Chawan kann der Fußring unglasiert bleiben. Da eine grüne Chawan in Verbindung mit Matcha nur wenig farblichen Kontrast bietet, verwundert es nicht, dass Reisschalen und andere kleine Behälter für japanische Beilagen populärer sind.

Narumi-Oribe (dekoriertes mehrfarbiges Oribe)

Bei Narumi-Oribe wird ein weiterer farblicher Effekt erzielt, indem neben weißem auch roter Ton verwendet wird. In Verbindung mit der grünen Glasur und einem passenden Dekor entstehen dadurch farblich kontrastreiche Keramiken, die häufig  für Beilagenschälchen verwendet wurden.

Modernes ao-Oribe von Ryuji Hodaka
Modernes Oribe von Ryuji Hodaka
Weitere Oribe-Arten

Neben diesen prominenten Vertretern gibt es noch welche, die heute weniger bekannt sind. Der Vollständigkeit wegen, werden sie kurz genannt. Aka-Oribe (rotes Oribe) besteht ähnlich wie narumi-Oribe hauptsächlich aus rotem Ton und trägt ebenfalls die bekannten Dekore.

Shino-Oribe (weißes Oribe) ähnelt sehr stark normaler Shino-Keramik, die Feldspat-Glasur ist weiß, glatter und filigraner als bei herkömmlichem Shino. Während es bei Shino begehrte rötliche Flammenspuren (hi-iro) gibt, bleiben diese bei Shino-Oribe aus. Wenn auf der Glasur noch ein Dekor aufgebracht wird, zählt man das Stück zu e-Oribe (dekoriertes weißes Oribe).

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Der TeeKeramik-Blog bekommt seinen eigenen Shop

Vielleicht hast du es schon durch die kleinen Andeutungen in diversen Kanälen mitbekommen: der TeeKeramik-Blog bekommt jetzt endlich einen eigenen Shop.

Ein Traum wird wahr
Erst sechs Jahre ist es her, als mich die Begeisterung für japanische Teekeramik gepackt hat. Und es ist schön, zu sehen, wohin mich diese Leidenschaft geführt hat. Und der Weg ist noch nicht zu Ende. Im TeeKeramik-Shop möchte ich meine Leidenschaft unmittelbar mit dir teilen.

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Die Auswahl
Es wird neben japanischen und chinesischen Teekeramiken auch europäische geben, wie etwa die von Andrzej Bero und Petr Novák, die sich von der japanischen Ästhetik inspirieren lassen. Mit der Zeit kommen sicher auch weitere Keramiker hinzu.

Jian-Teeschale chawan
Jian-Teeschale

Das Sortiment
Das Sortiment wird fast ausschließlich aus Einzelstücken bestehen. Das bedeutet, dass so gut wie jedes Stück ein Unikat ist. Ausnahmen sind Serienanfertigungen, bei denen sich die Stücke zwar ähneln, aber nie identisch sind.

Alle Keramiken werden vorher gründlich geprüft und vermessen. So wird vermieden, dass du ein fehlerhaftes oder defektes Stück erhältst. Solltest du doch Probleme haben, dann ist ein Umtausch natürlich möglich.

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Hagi-yaki Teebecher (yunomi)

Offizieller Start
Ab dem 23. Mai um 12 Uhr mittags wird der Shop offiziell eröffnet. Bis dahin liegt noch eine Menge Arbeit vor mir. Die Artikel müssen schließlich fotografiert, beschrieben, gemessen und angelegt werden. Nach und nach wird sich das zunächst überschaubare Sortiment füllen.

Den Teekeramik-Shop kannst du unter teekeramik.com erreichen. Die ersten Artikel sind sogar schon angelegt, bestellen kann man sie aber erst nach der offiziellen Eröffnung.

Limitiertes Sortiment
Wie bereits angekündigt, ist das Sortiment limitiert. Von den meisten Stücken habe ich jeweils nur ein Exemplar eingekauft. Nach und nach wird das Sortiment erweitert. Wenn du dich in den Newsletter einträgst, wirst du darüber als erster informiert, sobald ein Artikel wieder erhältlich ist oder ein neuer angelegt wurde. Keine Sorge, so eine Mitteilung bekommst du nur einmal die Woche.
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