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Von der tenmoku-Teeschale zu neuen Formen und Glasuren

Dieser Blog baut auf zwei vorher veröffentlichten Beiträgen auf, der Einführung in die japanische Teegeschichte und einem Artikel zu tenmoku-Teeschalen. Außerdem empfehlenswert ist der Artikel über die Besonderheit japanischer Teekeramik. Ich habe geschrieben, dass die Teekultur vor allem in drei gesellschaftlichen Kreisen florierte, dem Kriegeradel, also den Samurai, dem Hofadel und dem Klerus, wozu neben den Zen-Buddhisten auch die Shintô-Priester gehörten. Vor allem letztere zeigten Interesse an den weltlichen Erscheinungsformen des Teegenusses wie z.B. den Tee-Wettbewerben. Diese wurden auch im Bürgertum von wohlhabenden Händlern nachgeahmt, so dass sich die Teekultur am Ende des 15. Jahrhunderts in allen vier Ständen ausbreiten konnte. Dabei ist es schwierig, von der einen Teekultur zu sprechen, weil es in Wirklichkeit viele verschiedene nebeneinander existierende Erscheinungsformen gab, die auf einen zwanglosen Tee-Konsum schließen lassen. So gab es z.B. Tee-Wettkämpfe (tôcha 闘茶), bei denen es darauf ankam, aus bis zu 100 Tassen Tee eine bestimmte Sorte herauszuschmecken. Die Aristokraten entwickelten den Tee im Studierzimmer (shoin no cha 書院の茶), bei denen sie ihre kostbaren, meist chinesischen, Utensilien präsentierten. Im Bürgertum genoss man Tee beim Baden, so ist aus Nara bekannt, dass man dort rinkan-cha (Schweißfließender Tee 淋汗茶) praktizierte, bei dem auch Speisen und Alkohol gereicht wurden.
Moderne Jian-Teeschale
Moderne Jian-Teeschale

Schließlich bediente man sich gegen Ende des 15. Jahrhunderts bereits existierender Kulturformen, indem man die Einsiedlerhütte von Dichtern übernahm, die sich in diesen trafen, um in die Atmosphäre der Einsiedler-Literatur zu tauchen. Daraus wurde der sôan no cha (草庵の茶), der Tee in der Einsiedlerhütte, quasi der direkte Gegenspieler zum Tee der Aristokraten, weil er viele der etablierten Regeln brach und neue Maßstäbe in der Ästhetik setzte.

Teeschale im Jian-Stil (Öltropfen-Dekor)
Teeschale im Jian-Stil (Öltropfen-Dekor)

Karge und kostengünstigere Objekte, die irgendwo „gefunden“ wurden, ersetzten die teuren nach und nach. Die Popularisierung des Tees führte daher dazu, dass andere gesellschaftliche Kreise anfingen, sich mit Tee zu beschäftigen. Und weil die Nachahmer nicht über die nötigen Ressourcen verfügten, um sich die exquisiten Utensilien des Adels kaufen zu können, konnten sie sich nur einheimische Derivate oder chinesische B-Ware leisten. Im 15. und 16. Jahrhundert kamen einige Händler zu großem Reichtum und erfuhren dadurch einen sozialen Aufstieg. Sie wurden mit der alternativen Teekultur groß, in der es erlaubt war, chinesische Utensilien mit japanischen Erzeugnissen zu mischen. In dieser Teekultur kristallisierten sich Führungspersonen heraus und es kursierten sogenannte Geheimschriften, in denen Regeln und ästhetische Richtlinien aufgestellt waren. Diese standen in Opposition zur aristokratischen Teekultur, die sich auf die feinsten chinesischen Utensilien konzentrierte. Die gesellschaftliche Gegenbewegung erschuf eine davon unabhängige Teekultur, die den Einsatz von alternativen Utensilien legitimierte.

Bizen-yaki Chawan
Bizen-yaki Chawan

Die Folge davon war, dass einheimische Produkte und die chinesische B-Ware ästhetisiert wurden. Dies lässt sich anhand von Tee-Protokollen des frühen 16. Jahrhunderts nachvollziehen: Als Teeschalen wurden in den folgenden Jahrzehnten immer mehr Seladon- und tenmoku-Teeschalen benutzt, von denen letztere im Gegensatz zu Jian-Teeschalen als B-Ware galten.

Moderne Tenmoku-Teeschale
Moderne Tenmoku-Teeschale

Auch wenn in der japanischen Tee-Geschichte der Eindruck einer linearen Entwicklung vermittelt wird, in der es führende Tee-Meister wie Shukô, Jôô und Rikyû gab, muss man sich die Teekultur dynamischer und interaktiver vorstellen. Tee bot ein gutes Feld, in dem sich jeder Akteur mittels seiner Kompetenz, seiner Kenntnisse und seiner Utensilien positionieren und artikulieren konnte. Ökonomische Überlegenheit wurde mittels kostbarer Utensilien demonstriert. Die Ablehnung solcher Luxusgüter und die Zuwendung zu alternativen oder gar unvollkommen wirkenden Utensilien, wobei diese Haltung nach Bourdieu oft aus wirtschaftlichen Zwängen eingenommen wird, führte unter Gleichgesinnten zur Nachahmung.

Shigaraki-yaki Chawan
Shigaraki-yaki Chawan

Legitimiert wurden diese Ansichten mit philosophischen Gedichten, später auch mit religiösen Aussagen. Da in jeder Gesellschaft nur ein jeweils kleiner Prozentsatz von Menschen zu so großem Wohlstand kommt, sich Luxus leisten zu können, ist es leicht zu verstehen, dass für die interessierte breite Masse nur die bezahlbare Variante der Teekultur infrage kam. Die Popularisierung der Teekultur trug dazu bei, dass der japanische Markt in Schwung kam. Es ist bekannt, dass z.B. rustikale Vasen aus einheimischen Öfen oder große Teebehälter als Erstes in den neuen Kanon integriert wurden und sozusagen als Türöffner für andere Utensilien fungierten. Die einheimischen Öfen wie Bizen und Shigaraki produzierten zunächst Einzelstücke auf konkrete Nachfrage. Da sie Akzeptanz fanden, wurde die Produktionsmenge gesteigert. Teeschalen wurden zwar noch immer nach chinesischem Vorbild gefertigt, aber auch hier begannen Töpfer Variationen einzubauen. Mal änderte sich die Form, mal die Glasurfarbe. Der Übergang in typisch japanische Teekeramik ist fließend. Teeliebhaber nutzten die neuen Utensilien, um ihren Geschmack auszudrücken. Dabei gab es immer welche, die der Mode folgten und welche, die sich von der Mode absetzten. Für die einheimischen Töpfer bedeutete dies, dass ihr kreatives Schaffen Akzeptanz finden konnte, es gab plötzlich einen Markt für individuelle Keramiken. So ist es zu erklären, dass neben den etablierten tenmoku-Teeschalen neue Varianten auftauchten, die gegen Ende des 16. Jahrhunderts die ersteren sogar an Beliebtheit übertrafen und vorübergehend verdrängten.

Die neuen einheimischen Teeschalen lassen sich in folgende Kategorien gliedern, die ich nur kurz anreiße, weil sie in späteren Beiträgen vorgestellt werden:

Imitate chinesischer Keramiken
Dazu gehören vor allem die Öfen aus Seto und Mino aus Zentral-Japan. Hier produzierte man schon seit dem 12. Jahrhundert tenmoku-Teeschalen nach dem Vorbild chinesischer Jian-Teeschalen. Doch auch im Süden des Landes wurden z.B. in Karatsu tenmoku-Teeschalen hergestellt. Die geläufigste Form, weil am einfachsten herzustellen, waren die dunkelbraun glasierten Schalen. Darüber habe ich schon in einem früheren Beitrag ausführlich geschrieben.

Darüber hinaus wurden auch Seladon-Teeschalen in Seto und Mino kopiert. Dies gelang aber eher schlecht als recht, man kam einfach nicht auf die richtige Rezeptur, um die grünblaue Glasur zu erzielen. Stattdessen erreichte man mit einer Ascheglasur blassere Farbtöne und schließlich einen gelben Überzug. Da chinesische Seladone nicht selten plastisch anspruchsvoller gestaltet waren, verwundert es nicht, dass auch die Seladon-Imitate in ihrer Gestaltung diesen nachzueifern versuchten.

Imitate koreanischer Keramiken
Obwohl Einflüsse koreanischer Keramiken schon früh anhand japanischer Derivate ablesbar sind, wurden sie erst spät richtig kopiert. Genauer gesagt erfolgte das Herstellen durch verschleppte Töpfer aus Korea. 1592 unternahm Toyotomi Hideyoshi seine Korea-Invasion, am Ende sollte sogar ganz China erobert werden, so zumindest sein Plan. Mein Professor machte darüber immer eine scherzhafte Bemerkung, dass Hideyoshi wohl keine Karten lesen konnte. Damit spielte er auf die unfassbare Größe Chinas an, die solch ein Unterfangen ad absurdum führt. Für Korea reichte es allerdings tatsächlich und beim Rückzug wurden neben kostbaren Schätzen wie z.B. Keramiken auch Töpfer verschleppt, um sie in Japan die begehrten koreanischen Teeschalen herstellen zu lassen. Zu diesen Öfen gehören z.B. Karatsu und Hagi. Die häufigste Form ist die der einfachen Reisschale. In Korea wurden sie nämlich als solche benutzt und hergestellt, erst die japanischen Tee-Meister erhoben sie in den Rang einer Teeschale. Die Glasuren sind vielfältig, häufig weiß oder transparent, außerdem uneben aufgetragen, weil sich die Töpfer keine große Mühe bei der Gestaltung gaben. Durch die geografische Nähe zur koreanischen Halbinsel wurden allerdings schon vor der Korea-Invasion Töpferstile von Korea beeinflusst und es gibt viele Dekor- und Glasurtechniken, die bei Tee-Utensilien Verwendung fanden.

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Eine Teeschale aus Karatsu mit einer Engobeschicht aus weißem Ton
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Eine weiße Teeschale aus Karatsu, vermutlich mit Feldspat-Glasur

Derivate
Als Derivate bezeichne ich solche Keramiken, die Merkmale ausländischer und einheimischer Keramiken aufweisen. Wie schon erwähnt, ahmte man so gut es ging ausländische Teekeramik nach, doch nicht immer gelang es so gut, wie man wollte. Ein gutes Beispiel ist die Keramikgattung ki-Seto, also Gelbes Seto. Die Glasur entstand bei dem Versuch, Seladon-Glasuren zu imitieren. Der Unterschied blieb jedoch so gravierend, dass es natürlich nicht als Seladon Anerkennung fand.

Gelbes Seto
Gelbes Seto

Trotzdem wurden diese Stücke akzeptiert, vielleicht auch deswegen, weil sie schöne Verzierungen enthielten, die später mit grünen Glasurtupfern aus Kupfer hervorgehoben wurden. Man nutzte die entdeckte Glasur für andere Formen und löste sich somit von der bloßen Herstellung der Imitate. Das Gelbe Seto passte auch sehr gut zum Grün des schaumigen Matcha. So ist es teilweise zu erklären, dass Gelbes Seto in der Bevölkerung große Anerkennung fand. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Keramiken, die zwar zunächst in Anlehnung an ausländische Vorbilder produziert wurden, aber im Laufe der Zeit sich immer mehr von ihren Wurzeln entfernten.

Kuro Oribe-yaki Chawan
Kuro Oribe-yaki Chawan

Dafür sind die in Mino hergestellten Oribe-Teeschalen gute Beispiele. Und schließlich sollten Teeschalen aus den Bizen- und Shigaraki-Öfen erwähnt werden. Häufig findet man zylindrische Formen, wie sie etwa in China und Korea üblich waren, die Teeschalen aus Bizen und Shigaraki waren aber komplett unglasiert und wiesen somit die eigentümlichen Charakteristika auf, die diese Töpferwaren so auszeichnen und von anderen unterscheiden. Es gibt noch mehr Keramiken, die man hier anführen könnte, aber da der Blog eh schon lang genug geworden ist, werde ich die Keramikgattungen nach und nach in eigenen Beiträgen vorstellen.

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Eine kuro-Oribe Teeschale aus Mino

Literaturtipps:
Wer sich mehr für die japanische Teegeschichte interessiert und nicht davor zurückschreckt englische Fachartikel zu lesen, dem sei Morgan Pitelkas „Japanese Tea Culture“ ans Herz gelegt. Dort finden sich kritische Auseinandersetzungen mit Japans Tee-Kultur, die von der üblichen Darstellung der Sen-Schulen abweichen. Ganz besonders gefallen hat mir der Artikel von Dale Slusser, dem ich im Wesentlichen in der Darstellung der Entwicklung der Teekultur folge. Das Buch gibt es z.B. bei Amazon zu haben:

Japanese Tea Culture: Art, History and Practice

Über Jian- und tenmoku-Teeschalen

Die Jian-Teeschale ist der Urtyp der Matchaschale. Wie der Tee das erste Mal nach Japan kam, habe ich im ersten Teil bereits geschildert. Im zweiten Teil lege ich den Fokus auf die buddhistischen Mönche, von denen man annimmt, dass sie es waren, die den Tee nach Japan brachten und endgültig etablierten. Sie brachten die geschätzten Jian-Teeschalen aus China mit und wurden damit zu Trendsettern. Wie kam das?

 

Japanische Zen-Buddhisten studierten im Ausland
In China florierte eine neue Form des Buddhismus, der Chan-Buddhismus, welcher für den japanischen Zen-Buddhismus Vorbildcharakter hatte. In den Ordensregeln der Chan-Klöster gehörte der Tee-Konsum zu zahlreichen Gelegenheiten dazu. So wurden beispielsweise Gäste mit Tee bewirtet, besondere Anlässe mit Tee zelebriert und Meditationsübungen durch den Konsum des anregenden Getränks erleichtert. Tee wurde außerdem von den Klöstern zum Eigenbedarf angebaut. Als nun japanische Zen-Mönche zu Studienaufenthalten nach China reisten, lernten sie diese Form der Trinkkultur in den Chan-Klöstern kennen. Und weil diese Trinkkultur so fest in den Alltag integriert war und der Chan-Buddhismus wegen seiner vorbildlichen Funktion eine natürliche Autorität für die noch jungen Zen-Buddhisten hatte, wurde sie wie selbstverständlich als Sitte übernommen und nach Japan eingeführt.

 

Die Entwicklung in Japan 
In Japan gab es viele buddhistische Sekten, die miteinander konkurrierten. Die medizinischen Vorzüge des Tees kannte man sehr gut und es entstand die erste Teeschrift Japans, in denen der Tee als Wundermittel gegen so manchen Übel angepriesen wurde. Dieser Tee wurde schon bald in religiösen Ritualen karitativ an die Bevölkerung ausgeschenkt. Durch die Verzweigung des Kriegeradels mit buddhistischen Klöstern entdeckten auch sie den Tee für sich und eine eigenständige Tee-Kultur begann, in der man den Tee nach Anbauregion in sogenannten Tee-Wettkämpfen (tôcha 闘茶) zu unterscheiden versuchte.Wie wurde denn nun der Tee zubereitet und getrunken? Da der Tee aus China kam, wurden ganz natürlich chinesische Trinksitten übernommen. Das bezog sich nicht nur auf die Tee-Utensilien, sondern auch auf das Mobiliar und Kunstgegenstände, mittels derer die Räume dekoriert wurden. Die wohlhabenden Gastgeber ließen den Tee in der Regel von Bediensteten zubereiten, die mit einer Heißwasserkanne den Raum betraten. Die Gäste hoben ihre Schalen hoch, der Bedienstete goss heißes Wasser auf das Teepulver, welches vorher in die Schale gegeben wurde, und dann schlug der Bedienstete den Tee in der Schale auf, die der Gast noch immer in der Hand hielt. Dieselbe Prozedur wurde auch in Klöstern verwandt und im Kennin-ji wird sie bis heute tradiert.

 

Jian-Teeschalen als Teil der Trinkkultur
Zu einer Trinkkultur gehört nicht nur das Getränk, sondern auch die Utensilien für die Zubereitung. Wenn wir uns vorstellen mögen, eine original ostfrieische Tee-Zeremonie zu zelebrieren, dann ist es fast unnötig zu erwähnen, dass dazu ostfrieisches Tee-Zubehör wie Porzellan, Sahnelöffel usw. gehören, um als authentisch zu gelten. Schwarze bzw. dunkel glasierte Teeschalen gehörten lange Zeit zu den gefragtesten Schalen, weil der schaumig geschlagene Tee sehr hell war und einen guten Kontrast zu der dunklen Schale bildete.

 

Jian-Teeschalen waren am begehrtesten
Jian-Teeschalen waren besonders hoch angesehen, wurden von chinesischen Gelehrten empfohlen und sogar vom chinesischen Kaiser benutzt. Kein Wunder also, dass diese Tee-Schalen auch in Japan sehr gefragt waren. Man nannte sie kensan 建盞 weil das erste Zeichen für die Herkunft der Teeschale steht: Fujian bzw. Fukken 福建.
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Eine typische Jian-Teeschale mit Hasenfell-Dekor. Quelle: Edgar Durbin, Click

Die hier abgebildete Teeschale ist ein besonders gutes Beispiel für so eine Teeschale. Der hohe Eisengehalt lässt die dick aufgetragene Glasur fast schwarz erscheinen. Ein weiterer Belag, der auf den Rand gestrichen wurde, fließt während des Brennprozesses nach unten und hinterlässt Streifen, die ein bisschen an das Fell eines Hasen erinnern, weswegen dieser Glasurtyp auch so genannt wurde.

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Diese Teeschalen waren teuer und genau aus diesem Grund wurden sie in den heimischen Öfen kopiert. Diese Imitate kamen in der Regel nicht an die Qualität der Jian-Teeschalen heran. Auch in China wurden in anderen Teilen des Landes Teeschalen nach dem Vorbild der Jian-Teeschale gebrannt, doch im Laufe der Zeit entwickelten sich neue Formen und die Glasuren wurden komplexer. Und dann gab es schließlich noch Porzellan-ähnliche und Seladon-Teeschalen, die insgesamt etwas flacher und feiner gestaltet waren. Die bekannteste erhaltene Seladon-Teeschale ist vermutlich diese.

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Hier sieht man eine japanische tenmoku-Teeschale aus den Mino-Öfen. Der Unterschied zum Original ist sehr deutlich!

Variationen waren möglich
Von der Jian-Teeschale gibt es noch zwei weitere Glasurtypen. Die eine hat viele kleine Flecken, die etwas an Öl-Tropfen erinnern. Die andere ist extrem rar, weil sie nur durch ungewöhnliche und nicht reproduzierbare Brennzustände entstand. Davon sind nur vier Stück weltweit bekannt und alle befinden sich in Japan. Ein Foto davon findet ihr hier.

Optischer Effekt im Zusammenspiel mit Matcha
Der schaumig geschlagene Tee bildete einen hellgrünen Schaum, der optisch im Zusammenspiel mit der dunklen Teeschale besonders gut wirkte. Dieser farbliche Effekt wurde in China sehr geschätzt, weswegen diese Teeschalen allgemein als das beste Zubehör erachtet wurden. Die Beliebtheit lässt sich daran ablesen, dass sogar der chinesische Kaiser die Schalen anforderte und die Öfen Tribut leisten mussten.

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Hier wird der Farbeffekt in einer anderen dunklen Raku-Teeschale demonstriert

Japanische Derivate als günstige Alternativen
Im 16. Jahrhundert tauchten neue Interpretationen der Jian-Teeschale auf, die fortan mit dem Sammelbegriff tenmoku* bezeichnet wurden. Teeschalen dieser Kategorie haben als Gemeinsamkeit immer die distinktive Form, können aber verschiedene Glasuren tragen. Deswegen ist es eigentlich falsch, wenn man heutzutage von tenmoku-Glasuren spricht, weil es davon so viele verschiedene Typen gab. Genauso falsch ist, wenn dunkle zylindrische Teeschalen so genannt werden, die dieser Form überhaupt nicht entsprechen. Ein gutes und richtiges Beispiel für eine moderne Interpretation der tenmoku-Teeschale findet man z.B. hier. Wenn es so etwas wie eine klassische Teeschale gibt, dann entsprechen tenmoku dieser Vorstellung am ehesten.

*Unter tenmoku verstand man ursprünglich Teeschalen, die vom chinesischen Berg tianmu (天目山) stammten. Es wird allerdings davon ausgegangen, dass man schon früh mit diesem Begriff auch andere Teeschalen bezeichnete, die sich von der Jian-Teeschale unterschieden. Trotzdem hatten sowohl die Jian- als auch die tenmoku-Teeschale eine ähnliche Form. Der Unterschied bezog sich auf die Gestaltung des Fußrings, die Tonart und die Glasurbeschaffenheit.

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