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Pu Erh: Mangfei 2008

Pu Erh: Mangfei 2008

Wie Ihr sicherlich schon mitbekommen habt, fällt es mir etwas schwer, mich mit Pu Erh anzufreunden. Letzte Woche war ich in Meckenheim bzw. Bonn und konnte die Gelegenheit nutzen, mich mit Gero zu treffen. Eine Verkettung ungünstiger Umstände führte dazu, dass wir weniger Zeit hatten als wir wollten, aber es reichte, um zwei Pu Erh zu trinken. Während der alte mir sehr gut schmeckte, hatte ich mit dem jungen Burschen vom letzten Jahr mal wieder so meine Schwierigkeiten. Ich habe daraus geschlussfolgert, dass es in der Pu Erh-Welt ganz einfach Tees gibt, die mir nicht gefallen. Es liegt jetzt an mir, systematisch vorzugehen und mehr über Pu Erh zu lernen, um dann eines Tages die Pu Erh zu finden, die ich wirklich trinken mag.

In den kommenden Wochen werde ich daher meine Pu Erh-Proben verkosten, die ich in den letzten zwei Jahren gesammelt habe. Heute beginne ich mit dem Mangfei 2008, es ist eine Probe von Bannacha. Von William hat mir ja bereits ein Jingmai sehr gut geschmeckt, vielleicht auch dieser hier, zumal er von William als guter Einstieg in die Pu Erh-Welt empfohlen wird. Wer an anderen Meinungen interessiert ist, findet bei Teetalk z.B. Geros Verkostungsbericht.
Die Blätter kommen aus dem Kreis Yongde vom Berg Mangfei. Verglichen mit dem Jingmai liegt dieser Ort also viel nördlicher. Ich denke aber nicht, dass ich anhand dieser Probe schon etwas über regionale Unterschiede sagen kann. Außerdem ist dieser Tee mit 5 Jahren auch nicht mehr der Jüngste und daher auch nicht direkt mit dem Jingmai von 2010 vergleichbar, den ich bereits verkostet habe.
Dosierung 
3g auf 60ml heißes Wasser, anfangs gieße ich den Tee sofort ab, später verlängere ich die Ziehzeiten intuitiv.
Blatt
Die trockenen Blätter haben eine dunkle Farbe angenommen. Hier und da leuchten goldene Tips auf. Da diese Probe überwiegend aus losen Blättern besteht, suche ich mir die gröbsten heraus, um Blattbruch zu vermeiden, die mir den Tee vielleicht verderben könnten.
Geruch
Trocken riechen die Blätter kaum. Ein bisschen Tabak, ein bisschen Fruchtsaft (aber welcher?). Im warmen Gaiwan wird es etwas deutlicher, es sind getrocknete oder geräucherte Tomaten. Es riecht auch etwas krautig und zum Glück nur wenig nach Rauch.
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Geschmack
Meine Skepsis wurde gleich mit dem ersten Schluck weggespült. Was ist das für eine krautige Süße? Für einen kurzen Moment meine ich noch Vanille zu schmecken, aber nicht das aufdringliche Vanillin. Diese Süße!
Der nächste Aufguss wird nun würziger und hat etwas mehr Säure, mir fallen aber keine Assoziationen ein.
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Beim Dritten kommt wieder die Süße hervor und ich finde Parallelen zum Honig. Nicht, dass er nach Honig schmeckt, aber es gibt da eine Gemeinsamkeit. Die Substanz erinnert an Likör, sie ist im ganzen Mund zu spüren.
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Danach wird er etwas spritziger, die Säure gleicht Sauerampfer, lässt mich danach an Sekt denken.
Selbst beim sechsten Aufguss ist die Süße noch da, sie wird vielleicht auch wegen der längeren Ziehzeiten etwas intensiver und bleibt im Mund lange erhalten.
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Nummer acht hat etwas von der Frische grüner Äpfel und wirkt leicht scharf (vielleicht Chilli?).
Der Neunte wird spannend. Er erinnert mich an einen ungewöhnlichen Longdrink, den ich vor Jahren getrunken habe. Der bestand hauptsächlich aus frischen Gurken und Ginger Ale.
Bis zum elften Aufguss dominiert Ginger Ale, ich meine sogar die würzige Schärfe des Ingwers zu spüren.
Es wird immer süßer und die Würze bzw. Fruchtigkeit des Ingwers begleiten mich bis zum 14. Aufguss. Ich könnte vielleicht noch weitermachen, wenn ich die Ziehzeiten auf über fünf Minuten erhöhe, aber ich kann nicht mehr. Zum Glück habe ich den Mini-Gaiwan von Stéphane, sonst hätte ich schon viel früher abbrechen müssen.
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Fazit
Fünf Jahre reichen nicht aus, um eine Spur Gemeinsamkeit mit einem 1990er Pu Erh aufzuweisen. Die Süße des Mangfei hat mir sehr gefallen. Er hätte zwar etwas komplexer sein können, vielleicht liegt das aber auch an mir, da ich sensorisch auf diesem Gebiet noch nicht besonders geschult bin. Es bleibt aber festzuhalten, dass mir dieser Tee wirklich geschmeckt hat, ich kann mir daher sehr gut vorstellen, weitere Vertreter dieser Region zu probieren. Von den jüngeren Pu Erh gefallen mir bisher also ein Jingmai und ein Mangfei.