Über Jian- und tenmoku-Teeschalen

Die Jian-Teeschale ist der Urtyp der Matchaschale. Wie der Tee das erste Mal nach Japan kam, habe ich im ersten Teil bereits geschildert. Im zweiten Teil lege ich den Fokus auf die buddhistischen Mönche, von denen man annimmt, dass sie es waren, die den Tee nach Japan brachten und endgültig etablierten. Sie brachten die geschätzten Jian-Teeschalen aus China mit und wurden damit zu Trendsettern. Wie kam das?

 

Japanische Zen-Buddhisten studierten im Ausland
In China florierte eine neue Form des Buddhismus, der Chan-Buddhismus, welcher für den japanischen Zen-Buddhismus Vorbildcharakter hatte. In den Ordensregeln der Chan-Klöster gehörte der Tee-Konsum zu zahlreichen Gelegenheiten dazu. So wurden beispielsweise Gäste mit Tee bewirtet, besondere Anlässe mit Tee zelebriert und Meditationsübungen durch den Konsum des anregenden Getränks erleichtert. Tee wurde außerdem von den Klöstern zum Eigenbedarf angebaut. Als nun japanische Zen-Mönche zu Studienaufenthalten nach China reisten, lernten sie diese Form der Trinkkultur in den Chan-Klöstern kennen. Und weil diese Trinkkultur so fest in den Alltag integriert war und der Chan-Buddhismus wegen seiner vorbildlichen Funktion eine natürliche Autorität für die noch jungen Zen-Buddhisten hatte, wurde sie wie selbstverständlich als Sitte übernommen und nach Japan eingeführt.

 

Die Entwicklung in Japan 
In Japan gab es viele buddhistische Sekten, die miteinander konkurrierten. Die medizinischen Vorzüge des Tees kannte man sehr gut und es entstand die erste Teeschrift Japans, in denen der Tee als Wundermittel gegen so manchen Übel angepriesen wurde. Dieser Tee wurde schon bald in religiösen Ritualen karitativ an die Bevölkerung ausgeschenkt. Durch die Verzweigung des Kriegeradels mit buddhistischen Klöstern entdeckten auch sie den Tee für sich und eine eigenständige Tee-Kultur begann, in der man den Tee nach Anbauregion in sogenannten Tee-Wettkämpfen (tôcha 闘茶) zu unterscheiden versuchte.Wie wurde denn nun der Tee zubereitet und getrunken? Da der Tee aus China kam, wurden ganz natürlich chinesische Trinksitten übernommen. Das bezog sich nicht nur auf die Tee-Utensilien, sondern auch auf das Mobiliar und Kunstgegenstände, mittels derer die Räume dekoriert wurden. Die wohlhabenden Gastgeber ließen den Tee in der Regel von Bediensteten zubereiten, die mit einer Heißwasserkanne den Raum betraten. Die Gäste hoben ihre Schalen hoch, der Bedienstete goss heißes Wasser auf das Teepulver, welches vorher in die Schale gegeben wurde, und dann schlug der Bedienstete den Tee in der Schale auf, die der Gast noch immer in der Hand hielt. Dieselbe Prozedur wurde auch in Klöstern verwandt und im Kennin-ji wird sie bis heute tradiert.

 

Jian-Teeschalen als Teil der Trinkkultur
Zu einer Trinkkultur gehört nicht nur das Getränk, sondern auch die Utensilien für die Zubereitung. Wenn wir uns vorstellen mögen, eine original ostfrieische Tee-Zeremonie zu zelebrieren, dann ist es fast unnötig zu erwähnen, dass dazu ostfrieisches Tee-Zubehör wie Porzellan, Sahnelöffel usw. gehören, um als authentisch zu gelten. Schwarze bzw. dunkel glasierte Teeschalen gehörten lange Zeit zu den gefragtesten Schalen, weil der schaumig geschlagene Tee sehr hell war und einen guten Kontrast zu der dunklen Schale bildete.

 

Jian-Teeschalen waren am begehrtesten
Jian-Teeschalen waren besonders hoch angesehen, wurden von chinesischen Gelehrten empfohlen und sogar vom chinesischen Kaiser benutzt. Kein Wunder also, dass diese Tee-Schalen auch in Japan sehr gefragt waren. Man nannte sie kensan 建盞 weil das erste Zeichen für die Herkunft der Teeschale steht: Fujian bzw. Fukken 福建.
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Eine typische Jian-Teeschale mit Hasenfell-Dekor. Quelle: Edgar Durbin, Click

Die hier abgebildete Teeschale ist ein besonders gutes Beispiel für so eine Teeschale. Der hohe Eisengehalt lässt die dick aufgetragene Glasur fast schwarz erscheinen. Ein weiterer Belag, der auf den Rand gestrichen wurde, fließt während des Brennprozesses nach unten und hinterlässt Streifen, die ein bisschen an das Fell eines Hasen erinnern, weswegen dieser Glasurtyp auch so genannt wurde.

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Diese Teeschalen waren teuer und genau aus diesem Grund wurden sie in den heimischen Öfen kopiert. Diese Imitate kamen in der Regel nicht an die Qualität der Jian-Teeschalen heran. Auch in China wurden in anderen Teilen des Landes Teeschalen nach dem Vorbild der Jian-Teeschale gebrannt, doch im Laufe der Zeit entwickelten sich neue Formen und die Glasuren wurden komplexer. Und dann gab es schließlich noch Porzellan-ähnliche und Seladon-Teeschalen, die insgesamt etwas flacher und feiner gestaltet waren. Die bekannteste erhaltene Seladon-Teeschale ist vermutlich diese.

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Hier sieht man eine japanische tenmoku-Teeschale aus den Mino-Öfen. Der Unterschied zum Original ist sehr deutlich!

Variationen waren möglich
Von der Jian-Teeschale gibt es noch zwei weitere Glasurtypen. Die eine hat viele kleine Flecken, die etwas an Öl-Tropfen erinnern. Die andere ist extrem rar, weil sie nur durch ungewöhnliche und nicht reproduzierbare Brennzustände entstand. Davon sind nur vier Stück weltweit bekannt und alle befinden sich in Japan. Ein Foto davon findet ihr hier.

Optischer Effekt im Zusammenspiel mit Matcha
Der schaumig geschlagene Tee bildete einen hellgrünen Schaum, der optisch im Zusammenspiel mit der dunklen Teeschale besonders gut wirkte. Dieser farbliche Effekt wurde in China sehr geschätzt, weswegen diese Teeschalen allgemein als das beste Zubehör erachtet wurden. Die Beliebtheit lässt sich daran ablesen, dass sogar der chinesische Kaiser die Schalen anforderte und die Öfen Tribut leisten mussten.

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Hier wird der Farbeffekt in einer anderen dunklen Raku-Teeschale demonstriert

Japanische Derivate als günstige Alternativen
Im 16. Jahrhundert tauchten neue Interpretationen der Jian-Teeschale auf, die fortan mit dem Sammelbegriff tenmoku* bezeichnet wurden. Teeschalen dieser Kategorie haben als Gemeinsamkeit immer die distinktive Form, können aber verschiedene Glasuren tragen. Deswegen ist es eigentlich falsch, wenn man heutzutage von tenmoku-Glasuren spricht, weil es davon so viele verschiedene Typen gab. Genauso falsch ist, wenn dunkle zylindrische Teeschalen so genannt werden, die dieser Form überhaupt nicht entsprechen. Ein gutes und richtiges Beispiel für eine moderne Interpretation der tenmoku-Teeschale findet man z.B. hier. Wenn es so etwas wie eine klassische Teeschale gibt, dann entsprechen tenmoku dieser Vorstellung am ehesten.

*Unter tenmoku verstand man ursprünglich Teeschalen, die vom chinesischen Berg tianmu (天目山) stammten. Es wird allerdings davon ausgegangen, dass man schon früh mit diesem Begriff auch andere Teeschalen bezeichnete, die sich von der Jian-Teeschale unterschieden. Trotzdem hatten sowohl die Jian- als auch die tenmoku-Teeschale eine ähnliche Form. Der Unterschied bezog sich auf die Gestaltung des Fußrings, die Tonart und die Glasurbeschaffenheit.

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7 Gedanken zu „Über Jian- und tenmoku-Teeschalen

  1. schönes posting!

    yuuki-cha ist immer nen heisser tip. habs gerade mal umgerechnet, 28 dollar sind gut 21 euro. mit versand wird sie immer noch günstiger sein, als manches angebot in deutschland.

    hab ne banko kyusu von dort.

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