Deutschlands erster Teegarten: Tschanara

Es ist schon erstaunlich, wo überall Camellia sinensis und die verschiedenen Varietäten, die sich daraus entwickelt haben, gedeihen können. Denn ursprünglich kommt die strauchartige Pflanze aus wärmeren Gefilden des Länderdreiecks Myanmar, Laos und Südchina (Yunnan). Von dort begann die Ausbreitung, begünstigt durch den Menschen.

Wo Tee überall wächst

Heutzutage wird Tee in über 60 Ländern angebaut, darunter sind neben bekannten Weltmarktgrößen wie China, Indien und Kenia auch Klassiker wie Japan vertreten. Doch wenn man sich die Liste, die von Tony Gebely in diesem Artikel zusammengefasst wurde, durchliest, dann findet man auch Exoten wie Zambia oder eben auch Deutschland.

Das Tor zum Garten

Deutschlands erster Teegarten Tschanara

Ja, richtig, auch in Deutschland wird Tee angebaut. Aber leider noch nicht in einem Stadium, der es den Betreibern erlaubt, relevante Mengen herzustellen. Es geht um den Garten Tschanara (koreanisch: Tee-Land), der von Wolfgang und Haeng ok aus Leidenschaft betrieben wird. Vor nicht allzu langer Zeit wurde ein Interview im Tee-Fokus veröffentlicht, den ich dir nicht vorenthalte möchte.

Viele verschiedene Cultivare, hier ein Vertreter aus Vietnam

Durch meinen Umzug ins Rheinland ist die Entfernung auf gerade mal eine Autostunde geschrumpft. Grund genug, den Garten mal zu besuchen. Zwei Arbeitskollegen, darunter auch Gero, haben mich im Juli begleitet und nun möchte ich dir einen kurzen Einblick in diesen Garten geben.

So unterschiedlich können die Blätter aussehen

Tschanara ist ein Garten, der aus einer Sammlung zahlreicher Cultivare besteht. Es würde zu lange dauern, alle zu benennen, aber wir bekamen Vertreter aus Laos, China, Japan, Korea, Türkei, Azoren, Indien und viele mehr zu Gesicht. Neben den beiden Klassikern Camellia sinensis und der var. assamica waren auch Cultivare dabei, die der Camellia taliensis zugeordnet werden können. Das ist deshalb interessant, weil diese Art nur in wilder Form größtenteils in Yunnan zu finden ist.

Und so groß können die Blätter einer „Assamica“ werden

Welche Teesorten werden hergestellt?

Seit einigen Jahren produzieren Wolfgang und Haeng ok Tee aus einigen ausgewählten Sträuchern bereits Tee. In erster Linie Grünen Tee, doch sie haben auch schon Erfahrung in der Herstellung von Schwarzem Tee und Oolong gesammelt.

 

Derzeit sind sie noch damit beschäftigt, Sträucher zu identifizieren, die sich gut für die Herstellung von Tee eignen. Dabei hat sich herausgestellt, dass Pflanzen vom selben Cultivar nicht zwangsläufig die gleichen Resultate hervorbringen. Das liegt daran, dass die meisten Pflanzen generativ vermehrt, also aus Samen gezogen werden. Genetisch sind die Pflanzen dann trotzdem unterschiedlich und können Unterschiede in Blattstruktur, Geschmack und Farbe aufweisen. Vermehrt man die Pflanzen hingegen vegetativ, d.h. mittels Stecklingen, haben alle Ableger die selben Eigenschaften, weil sie quasi „Klone“ der Mutterpflanze sind und einfach nur an einem anderen Ort weiterwachsen.

Mein eigener Tee

Wir hatten das Vergnügen unseren eigenen Tee machen zu dürfen. Dabei durfte jeder von uns selbst Tee pflücken. Ich wollte anfangs Tee von einer kurzen Reihe von Sträuchern pflücken, die einem holländischen Cultivar angehören. Konsequent hielt ich mich an zwei Blätter und eine Knospe – also two leaves and a bud. Dabei ist mir aufgefallen, wie langwierig allein das Pflücken der Blätter ist. Leider hatten die Sträucher, die ich mir ausgesucht hatte, nicht genug geeignete Blätter, daher bin ich dann dazu übergegangen, alle Blätter zu pflücken, die meinem Pflückstandard entsprachen. Am Ende hatte ich dann etwas über 80 g zusammengesammelt.

Fast eine Stunde habe ich für ca. 80 g frischen Tee gebraucht

Danach haben wir aus diesen Blättern den Tee unter der Anleitung von Haeng ok hergestellt. Zuerst mussten wir die Blätter in einem Wok anrösten, damit diese geschmeidiger für die weitere Verarbeitung wurden. Dabei mussten wir die Blätter sehr schnell wenden, damit sie nicht vom heißen Metall angesengt werden konnten. Das war für mich das Schwerste, denn auch mit Handschuhen, wurde es schnell sehr heiß an den Fingerkuppen. Ich konnte gar nicht so schnell agieren, wie es eigentlich erforderlich gewesen wäre.

Anschließend wurde der Tee dann geknetet und gerollt. Diese Phase ist wichtig, damit Zellsäfte nach außen treten. Dann kommen die Blätter zum Rösten und Trocknen immer mal wieder für kurze Zeit in den Wok. Dabei braucht es viel Erfahrung, um abschätzen zu können, wann man welchen Schritt tut.

Und so sah mein Tee dann nach der Verarbeitung aus

In der Zwischenzeit haben wir zwei Tastings gemacht. Dabei haben wir in der ersten Runde Grüntees probiert, die aus verschiedenen Cultivaren unter gleichen Bedingungen hergestellt wurden. In der zweiten Runde kamen dann Oolong und Schwarztees dazu.

Grüntee-Tasting

Tea grown in Europe Association

Noch gar nicht erwähnt habe ich die Ende 2016 gegründete „Tea grown in Europe Association“, deren Gründer, Herr und Frau Mazerolle, ebenfalls an diesem Tag zu Besuch kamen. Tschanara ist eines von vier Mitgliedern des Verbandes, der sich zum Ziel gesetzt hat, durch Zusammenarbeit und Austausch zwischen Anbauern, Tee in Europa anzubauen. So haben wir gelernt, dass es in Frankreich gleich drei Projekte gibt, die sich mit dem Teeanbau beschäftigen. Denis Mazerolle selbst engagiert sich mit seiner Frau in der Bretagne. Denis hat über den Besuch von Tschanara einen Newsletter geschrieben, den du hier einsehen kannst.

Das Ergebnis und der Austausch war für alle Beteiligten sehr lehrreich. Die „learnings“, die sich überhaupt an diesem Tag für uns ergaben, sind:

  • In Deutschland ist Teeanbau möglich
  • Es gibt große Unterschiede zwischen den Cultivaren, die sich auch auf den Geschmack auswirken
  • Cultivare, die aus Samen gezogen werden, schmecken unterschiedlich
  • Die Früchte des Teegartens Tschanara sind bereits jetzt vielversprechend

Nach dem Tasting haben wir unsere Tees final geröstet. Seitdem ist gut ein Monat vergangen und ich komme erst heute dazu, meinen Grüntee zu verkosten. Die Ergebnisse der Verkostung werde ich dir aber in einem anderen Artikel vorstellen, da dieser bereits lang genug geworden ist.

Ich möchte mich nochmals bei Haeng ok und Wolfgang für die zusammen verbrachte Zeit bedanken und freue mich schon auf den nächsten Besuch.

3 Gedanken zu „Deutschlands erster Teegarten: Tschanara

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