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Bizen-Keramik des Ofens Gorobê

Bizen-Keramik (Bizen-yaki) gehört zu den Alten Öfen Japans und zeichnet sich durch seine unglasierten Keramiken aus (yakishime). Die Tonkörper werden durch Feuer und Asche im Inneren des Holzbrandofens gestaltet. Über das traditionelle Bizen-yaki, welches seit dem 11. Jahrhundert gebrannt wird, habe ich hier einen Artikel verfasst. Nun geht es weiter mit dem Ofen Gorobê, der sich auf das traditionelle Bizen konzentriert.

Der Ofen Gorobê

Dieser Ofen ist ein vergleichsweise junger Ofen, der in dritter Generation von Buyô Tsutomu geführt wird und sechs Mitarbeiter beschäftigt. Das Familienunternehmen arbeitete zuvor ebenfalls unter dem Namen Gorobê und stellte in der Meiji-Zeit noch Reiswein her, bevor es sich der Keramikproduktion widmete. Sein Großvater gab die Philosophie vor, in dem er anordnete, dass die hergestellten Gebrauchsgegenstände durabel sein sollen.

Buyô Tsutomu wollte ursprünglich Zimmermann werden, weil er gerne mit seinen Händen arbeitet und Dinge herstellt. Was er am meisten an seiner Arbeit mag, ist der Tag, an dem der Brand vollendet ist und die Begutachtung beginnt.

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In Japan wird zwischen freien Künstlern und den offiziellen Ofenverbänden unterschieden. Der Ofen Gorobê gehört zu den offiziellen Verbänden und verschreibt sich der Tradition Bizens.

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Gefeuert wird in einem noborigama, der schon 230 Brände hinter sich hat. Pro Jahr wird drei bis vier mal gefeuert, von den Früchten müssen alle Beteiligten leben.

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Jeder Ofen hat seine spezielle Tonmischung, so auch dieser. Wie für Bizen üblich, werden regionale Tonsorten miteinander vermischt, um den eigenen Anforderungen zu genügen. Bei Gorobê enthält der Ton 3% Eisen, was sich auch positiv auf den Geschmack des Tees ausüben soll.

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Der Brand

Als Brennmaterial dient die Japanische Rotkiefer (akamatsu). Ihre Asche ist für die gelbliche Glasur verantwortlich, die sich als Ascheanflugglasur während des zweiundzwanzigtägigen Brandes auf einige Objekte legt. Durch die Luken kann die Temperatur im Inneren homogenisiert werden. Die Höchsttemperatur beträgt 1250°C.

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Die Gefäße schrumpfen während des Brennvorgangs um 18,5%, normalerweise üblich seien wohl 20%.  Der Ofen verfügt über vier Kammern, die Ascheanflugglasur kommt aber vor allem in der ersten Kammer vor.

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Über die seitlichen Luken wird während des Brandes Kohle in die Zwischenräume der Gefäße platziert. Dadurch entsteht das begehrte „sangiri„-Dekor.

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Die Utensilien

Die Bandbreite des Ofens ist sehr groß, denn Bizen-yaki fand seinen Weg in viele Haushalte Japans. Das liegt vor allem daran, dass in ärmeren Zeiten Bizen-Keramik für seine Beständigkeit bekannt war. Früher kaufte man Stücke, um sie noch der nächsten Generation zu vererben. So ist es auch zu erklären, dass neben vielen praktischen Geräten für den Haushalt und die Japanische Küche auch Teeutensilien gefertigt werden.

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Für Teekeramik.com konzentriere ich mich auf Gebrauchsutensilien wie kleine und große Teebecher (yunomi) mit sangiri-Dekor. Doch auch Teezubereitungsutensilien wie Kyûsu und Hôhin sind ab und an zu finden. Ein paar Beispiele folgen weiter unten.

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Echizen-Keramik der Eheleute Kondô

Echizen-Keramik gehört zu den „Sechs Alten Öfen“ Japans. Das Zentrum liegt in der heutigen Präfektur Fukui, nördlich von Kyôto. Nachweislich wurde bereits ab dem 5. Jahrhundert Sueki-Keramik gebrannt. Ab dem 12. Jahrhunderts begann man mittels anagama hochgebranntes Steinzeug zu fertigen, das eine natürliche Ascheanflugglasur trug. Bis heute sind Holzbrandöfen für Echizen-yaki üblich, entsprechend natürlich fallen die Keramiken aus.

Traditionell wurden Töpfe und Fallen für Kraken hergestellt. Heute ist man dank der zahlreichen Betriebe viel breiter aufgestellt. Von einigen Keramikern werden auch Essgeschirr und Teeutensilien gefertigt. Zu diesen gehört das Ehepaar Kondô.

Ihr Weg zur Keramik

Nobuyasu Kondô  (46) fing bereits im Alter von 18 Jahren an, sich der japanischen Teekeramik zu widmen. Dies hat er seinem Freund und erstem Meister zu verdanken, der in Nagano Keramik nach dem Vorbild von Echizen-Keramik feuerte.

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Dies hat ihm dann so gut gefallen, dass er unter ihm lernte und sich eines Tages dazu entschloss, einen eigenen Ofen zu gründen. Um aber möglichst authentische Echizen-Keramik zu brennen, zog er zu diesem Zweck in die Präfektur Fukui, dem Herkunftsort, in dem seit dem 12. Jahrhundert ununterbrochen die Flammen der Echizen-Öfen lodern.

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Seine Frau Sanae Kondô geht diesen Weg entschlossen mit. Für beide war dies eine Art Neuanfang, diese Symbolik ist in der Bedeutung des Hôgetsu-Ofens (萌蘖窯) versteckt, denn das erste Schriftzeichen bedeutet „Knospe“, getsu beutet hingegen „junger Trieb“.

Der Ofen

Gebrannt wird in einem Holzbrandofen. Ein Brand dauert ganze 4 Tage und muss für einzelne Stücke wiederholt werden, wenn die Glasuren nicht wie gewollt ausfallen.

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Als Brennmaterial wird typischerweise Japanische Eiche und Kastanien-Eiche verwendet. Diese kommen häufig in der Region vor und verleihen Echizen-yaki die typische Ascheanflugglasur.

Die Produktpalette

Sanae Kondô stellt neben Vasen für Ikebana auch Teebecher her. Ihr Mann konzentriert sich auf Töpfe und filigrane Arbeiten wie beispielsweise Teekannen.

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Beide bilden die Objekte im Freihandaufbau. Das kostet Zeit, verleiht aber jedem Stück einen besonderen und rustikalen Charme.

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Die Glasur

Typisch für die Werke der Kondôs ist ein dunkler und rötlicher Scherben. Darauf legt sich eine helle Ascheschicht, die sich mit dem Tonkörper verbindet.

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Dabei entstehen auch fließende Übergänge, die eine individuelle Landschaft (keshiki) hinterlassen. Diesen ganz eigenen Glasureffekt nennen die Kondôs wegen der Ähnlichkeit auch Akebi (jap. für Fingerblättrige Akebie).

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Ihre Lebensweise

Die Kondôs sind sehr bescheidene Menschen, die zurückgezogen am Rande der Stadt Sabae leben. Dort am Fuße des Waldes haben sie ein altes Holzhaus bezogen, das zurück in die Meiji-Zeit reicht. Ein kleiner Bach läuft am Haus vorbei, in dem kleine Krebse leben.

Der tägliche Arbeitsplatz
Der tägliche Arbeitsplatz

Es ist eine einfache, aber glückliche Lebensweise. Es hat mich jedenfalls inspiriert, sie kennengelernt zu haben und ich freue mich schon auf den nächsten Besuch!

Sanae (rechts) & Nobuyasu (links) Kondô
Sanae & Nobuyasu Kondô

Wenn du dich für die Keramik der Kondôs interessierst, dann freue ich mich, wenn du dich im Shop danach umsiehst. Ich werde in den nächsten Tagen einige Utensilien online stellen.

Oribe-yaki von Ryûji Hodaka

Oribe-Keramik von Ryûji Hodaka

Ryûji Hodaka ist ein japanischer Keramiker, der sich auf Oribe-Keramik spezialisiert. Oribe-Keramik ist benannt nach dem Teemeister Furuta Oribe, der in der Momoyama-Zeit (1573-1615) aktiv und für seinen ausgefallenen Geschmack bekannt war. Mehr über Oribe-Keramik erfährst du hier.

Der Keramiker

Ryûji Hodaka kam als Kaiseki-Koch mit japanischer Keramik in Berührung. Kaiseki ist ursprünglich ein leichtes Gericht, welches seit dem 16. Jahrhundert während einer ausgiebigen Teezeremonie gereicht wird. Heutzutage versteht man darunter in erster Linie ein Menu aus vielen kleinen Speisen, die alle in mehreren Gängen in kleinen Schälchen oder Tellerchen aus Keramik oder Porzellan gereicht werden. In der Regel handelt es sich um saisonale Spezialitäten. Der Bezug zur Jahreszeit wird auch durch die Auswahl der Keramiken unterstrichen, daher gibt es eine große Artenvielfalt.

Ryûji Hodaka, Penny Simpson, Lukas Parobij
Ryûji Hodaka, Penny Simpson, Lukas Parobij

Ryûji Hodaka hat 16 Jahre als Kaiseki-Koch gearbeitet, entsprechend groß ist seine Kenntnis über japanische Keramik. Der Höhepunkt seiner Kochkarriere war seine zweijährige Arbeit im japanischen Konsulat in Spanien, wo er unter anderem für den spanischen Prinzen gekocht hat. Seiner neuen Leidenschaft widmet er sich seit fünf Jahren.

Wie Ryûji Hodaka zu Oribe-Keramik kam

Als Kaiseki-Koch muss man sich mit japanischer Keramik auskennen, um eventuelle Fragen der Kunden beantworten zu können. Dadurch hat er sich viel mit der Tradition und Geschichte auseinandergesetzt. Von allen Stilen gefiel ihm Oribe-Keramik am meisten, da sie am kreativsten und abwechslungsreichsten ausfällt. Dadurch genießt man als freier Künstler eine große Freiheit in der Gestaltung und muss sich nicht so eng an Traditionen klammern. Ryûjis individuelle Interpretation ist unverkennbar. Man erkennt zwar die Wurzeln und den Bezug zur Oribe-Keramik, dennoch überwiegt seine persönliche Handschrift.

Oribe-yaki von Hodaka Ryûji
Oribe-yaki von Hodaka Ryûji

Die Entstehung seiner Matchaschalen

Ryûji hat sich zum Ziel gemacht, jeden Tag eine Matchaschale zu fertigen. Dies geschieht so wie bei Raku per Freihandaufbau. Doch an einem Tag schafft er nur den Rohschliff, seine aufwendigen Chawan benötigen insgesamt vier Tage, bis sie gebrannt werden können. Dazu gehört das Aushobeln (innen) und Abschlagen (außen), wobei verschiedene Hilfsmittel zum Einsatz kommen. Dadurch bekommen seine Matchaschalen ihren kantigen und unverwechselbaren Charakter.

Modernes ao-Oribe von Ryuji Hodaka
Modernes ao-Oribe von Ryûji Hodaka

Der Brand

Der Rohbrand findet im selbstentwickelten Ofen bei 800°C statt. Erst nach dem Rohbrand wird die Glasur aufgetragen und bei 1250°C werden dann alle Keramiken 16 Stunden gebrannt. Der Ofen wird übrigens mit Lampenöl befeuert.

Oribe-yaki von Ryûji Hodaka
Oribe-yaki von Ryûji Hodaka

Künstlergruppe

Ryûji Hodaka engagiert sich in einer Künstlergruppe, die an dem Manga Hyôge Mono mitwirkt. Der Name geht auf einen Eintrag in einem Teeprotokoll zurück, in dem Furuta Oribe eine verkrümmte Teeschale als hyôge-mono (lustiges Ding) bezeichnete. Unter diesem Namen werden verschiedene Events abgehalten, bei denen auch Keramiken der Künstlergruppe ausgestellt werden.

Ryûji Hodaka
Ryûji Hodaka

Verfügbarkeit

Die Chawan von Ryûji Hodaka sind sehr kostbar und rar. Umso mehr freue ich mich, diese in begrenzten Stückzahlen im Shop anbieten zu können. Wenn du dich für die Chawan interessierst, freue ich mich auf deinen Besuch.

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Neues aus Japan!

Am Mittwoch bin ich aus Japan zurückgekommen. Im Gepäck war auch ein bisschen Zubehör und zum Glück ist alles heil geblieben. Drei Wochen war ich vor Ort unterwegs, davon zwei beruflich in der Präfektur Aichi und Kagoshima und eine weitere privat für Teekeramik.com.

Zusammenfassung der ersten zwei Wochen

Einer der Hauptgründe meiner Geschäftsreise war die Betreuung von Kunden vor Ort. Der Matcha-Boom in Europa löst auch mehr Wissbegierde aus und viele Menschen möchten den Anbau und die Verarbeitung live vor Ort erleben. Ganz nebenbei ist Japan (meiner Meinung nach) auch aus touristischer Sicht eines der attraktivsten Länder dieser Erde. Und dieser Umstand mag ebenfalls dazu beigetragen haben, dass der Ansturm seitens der Kunden sehr hoch ausfiel. Für mich ist dies immer eine gute Gelegenheit, die eigene Japan-Leidenschaft weiterzugeben.

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In Japan war es bereits sehr warm, manchmal sogar ziemlich heiß. In Nishio, der Heimat von Aiya, kann man an so ziemlich jeder Ecke irgendetwas mit Matcha verkosten. Was mich aber am meisten überzeugt hat, war letztlich Matcha mit kaltem Wasser aufgeschlagen. Gerade wenn man wegen der Hitze keine Lust auf etwas Heißes hat, dann kommt einem ein kühler Matcha doch schon sehr entgegen.

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Ein weiteres Highlight war ein Eis, welches wir in der Aiya-Zentrale probieren durften. Dieses Eis wurde mit  s e h r   v i e l  Bio Matcha Ten hergestellt, das ist die höchste Qualität, die es bei „Aiya – THE TEA“ zu kaufen gibt (sorry für die Schleichwerbung). Normalerweise empfehlen wir diese Qualität ja nur für den puren Genuss, aber ein Eis, das extrem hoch mit diesem Matcha versetzt ist, schmeckt einfach unglaublich gut. Ich bin kein Fan von Süßigkeiten, aber da dieses Eis nur eine dezente Süße hatte, war es (nicht nur) für mich einfach perfekt.

Ein weiteres Learning war, dass konventioneller Matcha dann doch anders schmeckt. Ich muss gestehen, dass mir dieser sogar lieber ist. Natürlich denke ich dabei auch ein bisschen an die Pestizide. Gegen dieses böse Kopfkino hilft es dann aber, wenn man sich bewusst macht, dass man Matcha generell in nur kleinen Mengen verzehrt. Dann kann man ja mal eine Ausnahme machen.

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In Kagoshima habe ich drei unserer Teebauern getroffen. Sehr nette und einfache Menschen, die viel Wert auf Familie legen. Mir als gebürtigem Polen ist das sehr sympathisch, denn ich sehe da viele Parallelen, die ich in der modernen Gesellschaft vermisse. An einem Abend war ich mit ihnen Karaoke singen und es war ein sehr langer und lustiger Abend. Am nächsten Morgen habe ich dann festgestellt, dass ich mir irgendwo in den Teefeldern Kagoshimas eine Zecke eingefangen habe. Ich war natürlich verunsichert, denn in Deutschland macht man ja immer so eine große Panik darum, dass sie auch schnell entfernt werden müssen – du kennst das ja. Mein Kollege war da tiefenentspannt. Seiner Meinung nach bringe es nichts zum Arzt zu gehen, die schickten einen damit wieder weg. Super, dachte ich mir. Letztlich habe ich die Zecke selbst entfernt (sie hatte sich noch nicht festgesaugt). In Japan scheinen Zecken nicht oder nur äußerst selten FSME und Borreliose zu übertragen.

Eine Woche quer durchs Land

Von Kagoshima ging es über Kobe nach Fukui. Dort traf ich zunächst das Ehepaar Kondo, von denen ich künftig Teekeramik beziehen werde. Sie leben in einem bescheidenen aber alten Haus, welches bereits seit der Meiji-Zeit am Fuße eines Berges steht. Dort haben sie sich niedergelassen und brennen in einem selbst gebauten Ofen ihre überaus reizvolle Keramik, die eine natürliche Ascheglasur trägt. Wir unterhielten uns über fünf Stunden über Gott und die Welt, es folgt noch ein Blog über diese Begegnung, denn es würde an dieser Stelle den Rahmen sprengen.

Die Eheleute Kondo
Die Eheleute Kondo

In Tokyo traf ich den Keramiker Hodaka Ryûji, der die unverwechselbaren Oribe-Matchaschalen herstellt. Zunächst trafen wir uns im Oribe Café im Szeneviertel Shimo-Kitazawa, wo auch einige seiner Werke ausgestellt sind. Bei dieser Gelegenheit erwarb ich zwei seiner Matchaschalen, von denen eine im Shop landet (siehe Foto). Um mir einen besseren Überblick zu verschaffen, was er noch alles anbietet, sind wir noch in ein Kaufhaus in Shinjuku gegangen.

Oribe-yaki von Hodaka Ryûji
Oribe-yaki von Hodaka Ryûji

Dort angekommen sah ich mir bei dieser Gelegenheit auch Stücke anderer Künstler an. Dann wurde ich plötzlich von einer Dame auf Englisch angesprochen. Ich mag das eigentlich nicht, wenn man mich unaufgefordert anspricht und mir etwas zu den Stücken erzählt. Ich fühle mich dann immer einem gewissen Kaufdruck ausgesetzt, also blieb ich reserviert zurückhaltend. Ich erfuhr von der Dame, dass auch sie selbst etwas ausstelle, was ich mir im Anschluss dann auch ansah. Ihre Werke wirkten ein bisschen wie eine Mischung aus Oribe-yaki, Geschirr aus der Toskana und England.

Als Hodaka Ryûji sich zu mir gesellte, erzählte ich ihm von der englischen Dame. Sie bekam mit, dass wir uns auf Japanisch unterhielten und klinkte sich zu meiner großen Überraschung auf Japanisch ein. Doch das wurde noch übertroffen. Es stellte sich nämlich heraus, dass es sich bei dieser Person um Penny Simpson handelt, der Autorin des „Japanese Potter Handbook“, welches ich in der Uni gelesen habe. Wir unterhielten uns dann noch etwas weiter und machten sogar noch ein Foto zusammen.

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Hodaka Ryûji, Penny Simpson, Lukas Parobij

Die letzte Station war dann Bizen, genauer gesagt die Stadt Kagato. Dort traf ich Herrn Buyô, der einen noborigama mit vier Kammern führt. Der Ofen wurde am Montag gerade beladen, sie sind erst heute damit fertig geworden. Ich wählte dort zahlreiche schöne Stücke für den Shop aus, die brauchen aber noch ein bisschen, bis sie in Deutschland ankommen.

Das Beladen des noborigama
Das Beladen des noborigama

Einige Matchaschalen und Tassen sind bereits im Shop zu finden. Wenn du dich dafür interessierst, freue ich mich, wenn du dich im Shop umsiehst.

Die Zeit ging natürlich viel zu schnell vorbei, aber ich freue mich schon auf den nächsten Besuch und die vielen netten Menschen und Freunde.

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Ab nach Japan!

Mir rast die Zeit davon. In etwa einer Woche geht es wieder nach Japan und es gibt noch so viel zu tun. Aber das sind Luxusprobleme, denn ich empfinde es immer noch als großes Privileg meines Berufs, regelmäßig nach Japan fliegen zu können. Wobei sich das nicht nur auf meinen Hauptberuf bezieht, auch für Teekeramik.com werde ich quer durchs Land fahren, um neue Stücke zu finden. Doch das ist nicht alles.

Die Saat geht auf

Den Samen habe ich bereits letztes Jahr gepflanzt. Ich war im November 2015 viel unterwegs und habe Kontakte zu einigen Keramikern hergestellt. Diese werde ich dieses Jahr besuchen und mit Ihnen eine Zusammenarbeit aufbauen. Die Früchte dieser Bemühungen wirst du hoffentlich Mitte Juni im Shop finden.

Traditionelles Bizen-yaki

Was wird es also Neues geben? Zum einen habe ich einen talentierten Keramiker aus Bizen kennengelernt, der neben Bechern auch Teeschalen und Kannen herstellt. Ihm werde ich einen Besuch abstatten und sogleich ein paar hübsche Utensilien mitbringen.
Bizen-yaki
Bizen-yaki

Modernes Oribe-yaki

In Tokyo geht es moderner zu. Dort treffe ich Ryuji Hodaka, der wunderschöne und aufwendige Chawan im modernen Oribe-Stil kreiert. Pro Tag schafft er nur eine Teeschale, wenn man die aufwendige Gestaltung beachtet, weiß man auch warum.
Modernes ao-Oribe von Ryuji Hodaka
Modernes ao-Oribe von Ryuji Hodaka

Back to the roots: Echizen-yaki

In Fukui, meiner studentischen Heimat hat meine Leidenschaft angefangen. Daher bin ich besonders froh ein Ehepaar zu treffen, von dem ich schon 2009 meine ersten Stücke überhaupt gekauft habe – damals noch in einem unabhängigen Keramikgeschäft. Zum Glück habe ich schon damals eine Karte zu den Stücken mitbekommen, so konnte ich letztes Jahr einen Kontakt herstellen. Dieses Jahr werde ich sie treffen und bei dieser Gelegenheit einen Töpfermarkt besuchen. Vielleicht ergeben sich noch weitere Kontakte und im Shop siehst du dann, was ich noch gefunden habe.
Echizen-yaki
Echizen-yaki
Meine liebe Frau wird sich übrigens um den Shop kümmern, während ich weg bin. Falls du also etwas bestellen möchtest, wirst du nicht darauf warten müssen, bis ich wieder zurück bin.
Wenn du nach einem bestimmten  Stück suchst und möchtest, dass ich mich in Japan danach umschaue, dann kannst du mich gerne kontaktieren. Die Kontaktdresse ist im Impressum.
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Warum eigentlich Teekeramik?

Wenn ich mit Menschen aus meinem Umfeld über das spreche, was ich beruflich mache, dann werde ich nicht selten als Exot wahrgenommen. Japanischer Grüntee bzw. Matcha ist  und bleibt wohl bis auf Weiteres eine erklärungsbedürftige Randerscheinung, auch wenn die Zahl der Liebhaber zu steigen scheint. Dennoch ist Tee ein Produkt, mit dem jeder etwas anfangen kann, denn Anknüpfungspunkte gibt es für jeden Menschen. Daher bringt man mir ein gewisses Verständnis für meine Tätigkeit entgegen.

Wenn ich dann aber von meiner privaten Liebhaberei erzähle, dass ich Teekeramik sammle und verkaufe, dann muss ich sehr weit ausholen. Es scheint, in unserer Gesellschaft wenig Vergleichbares zu geben. Darüber hinaus fällt es vielen schwer, zu begreifen, wozu man diese Teekeramik überhaupt benötigt. Da ich immer wieder zu denselben Erklärungen greife, habe ich mich dazu entschlossen, diese hier mit dir zu teilen.

Sie sind von einem Menschen für uns gemacht

In der heutigen Zeit sind wir häufig umgeben von industrieller Massenware. Und das meine ich gar nicht so negativ, wie es klingen mag, denn die industrielle Herstellung hat nunmal den Vorteil, dass wir uns alle Dinge leisten können, die wir zum Leben benötigen. Gerade aus diesem Grund stechen die Dinge heraus, die noch von Menschen per Hand hergestellt werden. Sie sind keine „seelenlosen Objekte“, die man schon morgen bei Bedarf nachkaufen kann, wenn etwas zu Bruch geht. Jedes Stück wurde von den Händen eines Töpfers geformt, manchmal sogar sehr zeitaufwendig. Ich finde den Gedanken sehr schön, dass sich irgendwo irgendwann ein Mensch die Zeit genommen hat, für mich oder für dich ein Utensil herzustellen. Diese persönliche Bindung schätzt übrigens der Keramiker ebenso sehr wie wir. Ist es nicht schön, dass wir in dieser Zeit Menschen darin fördern können, sich einem Handwerk bzw. einer Handwerkskunst zu widmen?

Es sind Unikate

Der Ofenbrand mag unter sich ähnelnden Bedingungen durchgeführt werden, die Formen können auf den ersten Blick gleich aussehen und dennoch fällt jedes Objekt individuell aus. Einige bleiben während des Brandes sogar auf der Strecke und landen auf dem Keramikfriedhof des Töpfers. Was in unsere Hände fällt, hat die natürliche Auslese überstanden und ist einzigartig. Jedes Stück gibt es nur ein einziges Mal. Selbst wenn der Töpfer ein identisches schaffen wollte, es wird anders sein.

Teekeramik ist für den Gebrauch bestimmt

Obwohl einige Utensilien wie kleine Kunstwerke aussehen, sollten sie nicht wie solche in einer Glasvitrine versteckt werden. In Japan betont man, dass die Schönheit einer Teeschale erst durch ihren Gebrauch zum Vorschein kommt. So ist es auch zu erklären, dass einige Museen Japans an bestimmten Tagen Teezeremonien abhalten, bei denen historische Stücke zum Einsatz kommen. Jedes Stück verhält sich beim Gebrauch anders. Haptik, Trinkgefühl, Praktikabilität, Farbeffekte, die sich im Zusammenspiel mit dem Tee ergeben – alle diese Punkte kommen erst zur Geltung, wenn man ein Utensil auch wirklich benutzt.

Sie unterstreicht die Besonderheit eines Tees

Es liegt in der Natur der Sache, dass wir Menschen besondere Anlässe mit besonderen Gaben feiern. Sei es der Sekt zum Geburtstag, das Bier nach Feierabend oder die Gans zu Weihnachten – wir lieben es, Festlichkeiten angemessen zu würdigen. Dabei lassen wir es uns auch nicht nehmen, für das passende „Drumherum“ zu sorgen. Es dürfen dann auch das gute Geschirr oder die passenden Gläser sein, um die Besonderheit eines Moments zu unterstreichen. So ähnlich ist es doch auch mit Tee. Wenn ich mir einen guten Tee leiste, den ich mir für einen besonderen Moment oder eine Auszeit gönne, dann schaffe ich mir durch das passende „Drumherum“ das richtige Ambiente. Das mag Kerzenschein, schöne Musik, aber ebenso ein schönes Trinkgefäß oder eine Kanne sein. All diese Dinge helfen uns, uns auf einen Moment zu fokussieren und ihn in allen Facetten zu erleben (mehr dazu findest du hier).

Geschichte und Traditionen

Egal ob wir uns europäische oder ausländische Teekeramik angucken, fast alle heutigen Keramiken gehen auf bestimmte Stile zurück, die bereits Jahrhunderte alt sein können. Während einige Weiterentwicklungen sind und sozusagen als „entfernte Verwandte“ bezeichnet werden könnten, orientieren sich andere stärker an historischen Vorbildern. Dies macht Teekeramik zu einem breiten Feld, in dem man sich über fremde Kulturen und Bräuche weiterbilden kann. Dabei lässt sich nicht nur immer wieder Erstaunliches entdecken und lernen, man bekommt auch ein Gefühl dafür, dass sich schon Menschen vor hunderten von Jahren mit ähnlichen Dingen wie wir beschäftigt haben. Dadurch bekommen bestimmte Stile einen zeitlosen Charakter.

 

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Sechs Merkmale, die für mich einen erstklassigen Sencha ausmachen

Heute möchte ich sechs Merkmale nennen, die für mich einen guten Sencha ausmachen. Ich liebe Sencha. Das war aber nicht immer so. Als ich anfing, Tee zu trinken, habe ich mich im preiswerten Einstiegssortiment (<10 EUR/100g) durch die gängigen Sorten getrunken. Und gerade um Japan-Tee habe ich früh einen Bogen gemacht und hielt Genmaicha (Sencha mit geröstetem Reis) für die einzig trinkbare japanische Sorte. Es änderte sich alles in Japan, denn dort begann ich hochwertigen Sencha zu trinken. Und dieser spielt geschmacklich in einer anderen Liga. Wenn du günstigen Sencha magst – herzlichen Glückwunsch! Glücklich ist der, der zufrieden mit einfachen Qualitäten ist. Für alle anderen sind die folgenden Tipps hoffentlich eine Hilfe, denn zum Glück kriegt man guten Sencha auch in Europa.

Qualität hat ihren Preis

Ich kenne die „Schnäppchenjägermentalität“ nur zu gut. Du denkst, dass du einen erstklassigen Tee zum Schleuderpreis irgendwo finden kannst? Das dachte ich auch. Manchmal findet man wirklich akzeptable Tees für wenig Geld. Wobei „wenig“ natürlich relativ ist. Einen erstklassigen Sencha findet man in Europa in der Regel nicht unter 10 EUR. Warum? Weil diese Qualität bereits in Japan der 10 EUR-Marke sehr nahe kommt. Und dieser Tee hält noch nicht die europäischen Grenzwerte für Pflanzenmittelrückstände ein, wurde nicht importiert, auf Radioaktivität und Pestizide analysiert, verzollt und umverpackt. Die erste Ernte erzielt immer den höchsten Preis, jede weitere verliert an Wert und an Geschmack.

Grüner wird’s nicht?

Guten Sencha erkennt man bereits an der Farbe. Je grüner das Blatt ist, desto frischer die Pflückung. Im trockenen Zustand sind die Nadeln eher dunkelgrün, nach dem Aufguss sieht man die eigentliche Farbe deutlicher. Wenn die Farbe an das frische Grün von Gras erinnert, dann ist es eine gute Qualität. Wird das Grün blasser und weicht ins Gelbliche, dann handelt es sich bereits um eine spätere Ernte.

Erste Ernte gegen späte Sommerernte
Erste Ernte gegen späte Sommerernte

Die Erntezeit ist entscheidend

Je nach Anbauregion kann in Japan bis zu fünf mal geerntet werden. Die erste Ernte beginnt in südlichen Anbauregionen bereits im April, andere Regionen in kühlen Höhenlagen fangen mit erst Anfang Juni an. Die erste Pflückung ist für alle Teebauern die lukrativste, denn für diesen Tee lassen sich die besten Preise erzielen. Diese werden von den Einkäufern natürlich nur gezahlt, weil die Qualität der Blätter besonders hoch ist. Wer also einen echten Premium Sencha kaufen möchte, sollte daher darauf achten, dass dieser im April oder Mai geerntet wurde. Der Juni ist deshalb problematisch, da dann im Süden bereits die zweite Ernte beginnt.

Jede weitere Ernte bedeutet Einbußen in Farbe und Geschmack der Blätter. Einige Bauern verzichten sogar schon auf die Schlussernte, die zu Bancha verarbeitet wird, weil sie damit gerade mal die Herstellungskosten decken können.

Teeernte in Japan
Teeernte in Japan

Das Erntejahr ist gar nicht so wichtig

Immer wieder liest und hört man, dass japanischer Tee nicht lagerfähig ist. Das stimmt auch bis zu einem gewissen Grad. Wenn man einen Tee offen in einer Dose mit viel Sauerstoff bei Normaltemperatur lagert, dann wird man bereits nach einem Jahr einen deutlichen Aromenverlust feststellen.

Heutige Unternehmen lagern den Tee häufig vakuumverpackt bei kühlen Temperaturen. Dadurch kann die Qualität der Blätter sogar mehrere Jahre stabil gehalten werden. Auf der Arbeit habe ich sogar einmal ein verschlossenes Muster eines hochwertigen Grüntees gefunden, welches 5 Jahre auf dem Buckel hatte. Obwohl bei Normaltemperatur gelagert, schmeckte der Tee noch immer sehr gut. Im direkten Vergleich zu einem frischen Tee hätte man sicherlich einen Unterschied gemerkt, aber das bedeutet noch lange nicht, dass der 5 Jahre alte Grüntee per se schlecht ist. Er entwickelt und verändert sich, aber nicht so gravierend, dass er in kürzester Zeit ungenießbar ist. Grundsätzlich würde ich einen 5 Jahre alten Tee einem aus zweiter oder dritter Ernte vorziehen, wenn er zumindest ordentlich verpackt ist.

Die Blattform hat Aussagekraft

Auch anhand der Blattform kann man die Qualität eines Sencha einordnen. Allerdings geschieht das nach anderen Maßstäben als bei Schwarztee, wo Broken und Fannings massiv abgewertet werden. In Japan ist ein gewisser Anteil an Blattbruch sogar gewollt. Dies ist darin begründet, dass der Blattbruch eng mit der Dämpfungszeit zusammenhängt. Je länger der Tee gedämpft wird, desto brüchiger und weicher wird er.

Die Tasse wird trüber und der Geschmack wird dadurch vollmundiger, runder und „dicker“. Ein reiner Asamushi-Sencha (kurzgedämpfter Tee) hat natürlich auch seine Anhänger, ist aber längst nicht so populär wie länger gedämpfte Tees oder Blends, denen ein gewisser Anteil länger gedämpfter Tees hinzugefügt wurde.

Die in Deutschland offen verkauften Tees sind in den meisten Fällen Asamushi-Tees aus späteren Ernten. Während Sencha aus erster Ernte aus weichen Blättern und Trieben besteht, die sich zu filigranen Nadeln formen lassen, bestehen Sencha späterer Ernten bereits aus gröberen Blättern, die sich nicht mehr so fein rollen lassen und daher auch in der Optik entsprechend breiter und dicker ausfallen.

Kurz zusammengefasst kann man sagen, dass Tee aus erster Ernte sowohl brüchig als auch  in Nadelform daherkommen kann. Geschmacklich gibt es Unterschiede, es liegt aber am Konsumenten, welchen Typ er lieber mag. Wer Tee mit möglichst vielen unbeschadeten Blättern bevorzugt, sollte zu denen greifen, die feine und dünne Nadeln enthalten.

Luxuriöse Verpackung eines Premium Sencha
Luxuriöse Verpackung eines Premium Sencha

Verpackung ist mehr als Marketing

Ich habe nichts gegen den offenen Verkauf von losem Tee. Wenn ich in ein Teefachgeschäft gehe, dann schätze ich den Vorteil, dass ich mir den Tee zeigen lassen kann. Wenn ich den Tee aber kaufe, dann mag ich es lieber, wenn dieser Tee bestenfalls vorverpackt wurde. Bei den üblichen großen Dosen des Teefachgeschäfts habe ich die Sorge, dass der darin aufbewahrte Tee längere Zeit lagert, mit Sauerstoff in Kontakt kommt und anfängt zu oxidieren. Im schlimmsten Fall nimmt er dabei sogar die Aromen der aromatisierten Tees auf, die dann die natürlichen Aromen des Tees überdecken. Zum Glück gibt es auch in Deutschland den Trend, Tee in vorverpackten Einheiten zu verkaufen, um den Tee so vor Fremdaromen zu schützen. Und so ganz nebenbei sehen einige der japanischen Tüten auch sehr hübsch aus. Und der Teehändler kann ja ein Sample in der Schublade griffbereit halten, um dem Kunden den Sencha bei Bedarf zeigen zu können.

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Ito yori Gyokuro

Heute geht es um keinen echten Gyokuro, sondern um ein Mitbringsel aus Japan, welches auf den schmeichelhaften Namen „ito yori Gyokuro“ (jap.: 糸より玉露) hört. Gefunden habe ich den Tee in Kanazawa, als wir uns vor dem uns nicht wohlgesonnenen Wetter versteckten und unsere Zeit in Kaufhäusern verbrachten, um nach Mitbringseln für Freunde und Verwandte zu suchen. Bei dieser Suche stieß ich also auf einen kleinen Laden, der sich auf diese Art von Tee spezialisierte.

ito yori Gyokuro
ito yori Gyokuro

Was bedeutet der Name?

Der Name bedeutet frei übersetzt „Gyokuro aus Fasern“. Und wenn man sich den Tee ansieht, dann erkennt man sogleich die Namenherkunft, denn der Tee besteht nur aus Fasern, die zum größten Teil die Haut der Stengel und Blattadern bildeten.

Wie wird der Tee hergestellt?

Blatttee wird in Japan von vielen Bauern zu einem Rohtee verarbeitet, der als Vorstufe des richtigen Tees angesehen wird. Dieser enthält noch viele Stängel, Blattbruch und auch längere Blattnadeln. Der Rohtee wird dann von Teefirmen eingekauft und nochmals veredelt, indem man alle Stängel aussortiert, den Tee sortiert und den Blattbruch aussiebt. Danach kann der Tee nochmals nachgeröstet werden, um sein Aroma zu intensivieren. Fasern und Stängel sind im Endprodukt unerwünscht, denn in Japan legt man großen Wert auf die Optik. Allerdings haben auch diese Bestandteile (jap.: demono) noch Geschmack und so hat sich ein Unternehmer eine Geschäftsidee überlegt, wie man diese Reste noch verwerten kann.

"Gyokuro aus Fasern"
„Gyokuro aus Fasern“

Das Blatt

Der Tee ist sehr voluminös und besteht hauptsächlich aus den äußeren Schichten der Stengel. Hier und da finden sich zwar auch gröbere Blattstücke und Holz, aber der Anteil beträgt weniger als 10%.

Aroma

Der Geruch ist sehr leicht, eigentlich fängt man erst an, etwas zu riechen, wenn man den Tee in einen warmen Behälter oder eine vorgewärmte Teekanne füllt. Dann kann man eine dezente Frucht erahnen. Davor kommt allerdings ein sehr starker Duft, der mich vor allem an Tencha erinnert. In einer Tenchafabrik riecht es jedenfalls genauso. Neben nussigen Aromen finde ich auch leichte Algen.

Ziehzeit beträgt ca. 2Minuten bei 50°C
Ziehzeit beträgt ca. 2 Minuten bei 50°C

Geschmack

Ich gebe zunächst ca. 3-4g von diesem Tee in eine Kanne, die 150ml Fassungsvolumen hat. Der erste Aufguss bei ca. 50°C darf 2 Minuten ziehen – wie ein echter Gyokuro. Und so ähnlich fällt auch der Geschmack aus. Sehr intensiv und leicht algig dazu viel Umami. Der Nachgeschmack ist lang und nussig. Danach erinnert die Intensität entfernt an Parmesankäse. Wenn ein Getränk so intensiv ist, kann man nicht viel davon trinken. Man muss die wenigen Schlücke in kleinen Dosen genießen. Eine große Kanne wäre fehl am Platz.

Die Tassenfarbe ist gelber als erwartet
Die Tassenfarbe ist gelber als erwartet

Der zweite Aufguss, den ich sofort abgieße, ist viel leichter. Offenbar haben die Fasern fast ihren ganzen Geschmack bereits an den ersten Aufguss abgegeben und verfügen nur über wenige Reserven. Ich muss an Grüntees denken, die mit Matcha verfeinert werden. Außerdem ist deutlich Gemüse zu schmecken. Ich denke an Zucchini und Aubergine. Trotzdem fehlt es dem Tee an Körper, er wirkt ein bisschen flach.

Der zweite Aufguss ist viel dichter und grüner
Der zweite Aufguss ist viel dichter und grüner
Die Fasern aus der Nähe betrachtet
Die Fasern aus der Nähe betrachtet

Fazit

Der „ito yori  Gyokuro“ kann sich mit einem richtigen Gyokuro nicht messen. Dafür ist er nicht komplex und vielschichtig genug. Mir hat es vor allem an Süße und Körper gefehlt. Trotzdem ist es erstaunlich, wie viel Geschmack noch in den Fasern steckt. Vor diesem Hintergrund überrascht es auch nicht, dass Kukicha in Japan eine Daseinsberechtigung hat. In Deutschland gibt es noch Teataster, die diese anzweifeln, da in der Welt des Schwarztees jede Form von Stängeln im Tee negativ beurteilt wird. Dieser Tee kostete in Japan nur ein Drittel bis die Hälfte eines echten Gyokuros. Daher darf die Erwartungshaltung nicht allzu hoch ausfallen.

Wer demnächst etwas im Shop bestellt, bekommt von dem Tee eine Gratisprobe. Natürlich nur so lange der Vorrat reicht.

 

Gyokuro – der vielseitige Schattentee

Lange Zeit habe ich um Gyokuro einen weiten Bogen gemacht. Das lag an einer Erfahrung, die ich 2009 zusammen mit einer Teefreundin gemacht habe. In einem Kyôtoer Restaurant haben wir nach dem Essen einen kurzen Schnack mit der Wirtin gehalten. Wir outeten uns als Teetrinker und die Wirtin war so darüber erfreut, dass sie uns etwas Besonderes zum Probieren geben wollte.

Ein unheimlich intensiver Geschmack

Nach einer Weile kam sie mit zwei kleinen gefüllten Tässchen wieder. Wir nahmen jeweils die uns dargereichte Tasse und die Wirtin war so neugierig auf unsere Reaktion, dass sie am Tisch blieb, um diese abzuwarten. Wir ahnten nichts Böses und tranken fast gleichzeitig daraus. Dann folgte ein fast unendlich langer Augenblick, der mich dermaßen verwirrte, dass ich ob des gleichermaßen intensiven und völlig fremden Geschmacks sprachlos geworden bin. Gleichzeitig versuchte ich Fassung zu bewahren, der Blick in die Augen meiner Teefreundin verriet, dass es ihr ebenso erging. Wir heuchelten so gut es ging eine unglaublich positive Geschmackserfahrung und waren froh, als sie ging, um dann über das, was gerade geschehen war, endlich sprechen zu können.

Kyôto 2009
Kyôto 2009

Was war geschehen?

Wir hatten beide zum ersten Mal völlig unerwartet den fünften Geschmack Umami (jap. Wohlgeschmack) probiert. Isoliert kommt Umami kaum vor, aber es gibt eine Reihe von Lebensmitteln, die natürliches Umami in Form von Glutaminsäure aufweisen, dazu gehören Garnelen, Parmesan, Fleisch und Tomaten. Gyokuro ist reich an Aminosäuren, wozu auch die Glutaminsäure gehört.

Warum enthält Gyokuro Glutaminäure?

Gyokuro gehört neben Kabusecha und Matcha zu Japans Schattentees. Diese Tees werden vor der Ernte mit Netzen abgedeckt, damit weniger Sonnenlicht die Blätter erreicht. Gyokuro wird dabei besonders intensiv beschattet. Es werden so wie bei Tencha ganze Zelte um das Teefeld gebaut. Die Netze sind so dicht, dass nur noch 10% des Sonnenlichts die Pflanze erreicht. Diese reagiert darauf mit einer vermehrten Chlorophyll-Produktion, dabei werden auch mehr Aminosäuren produziert.

Wie schmeckt Gyokuro?

Gyokuro ist sehr vielseitig, der Geschmack hängt maßgeblich von der Zubereitungsmethode bzw. Dosierung ab. Mein zuvor geschildertes Erlebnis ist nicht repräsentativ und zwangsläufig auf dich übertragbar, weil die nette Frau eine für Japan übliche hohe Dosierung verwendet hat, um mir dadurch die Hochwertigkeit des Tees vor Augen zu führen. Meinen Erfahrungen zufolge mögen Japaner diese Umami-Essenz häufiger als Europäer, da wir den Geschmack nicht kennen. Wenn man den Tee wie unten vorgeschlagen zubereitet, dann schmeckt der Gyokuro vor allem süß, ein bisschen gemüsig und hat einen sehr langen Nachgeschmack, der entfernt an gute Sojasoße und geröstete Algen (das ist Umami) erinnert.

Seit wann gibt es Gyokuro?

Gyokuro gibt es bereits seit dem 19. Jahrhundert. Als Entdecker des Gyokuro gilt der damalige Geschäftsführer der Teehandelsgesellschaft Yamamotoyama, Yamamoto Kahei VI. (山本嘉兵衛). Er soll 1835 von Edo nach Uji gereist sein, um dort den Schattenanbau zu studieren und nachzuahmen. Seine Versuche Tencha zu produzieren mündeten allerdings in einem anderen Tee, den er fortan tama no tsuyu (玉の露, Jadetropfen) nannte. Dieser Tee war von der Form her leicht kugelig und er bereitete ihn wie einen Sencha zu. Der Geschmacksunterschied war so gewaltig, dass er Interessenten für diesen Tee fand.

Gyokuro Anbau
Gyokuro Anbau

Basierend auf dem tama no tsuyu hat Eguchi Shigejûrô (江口茂十郎) im Jahre 1841 die Sencha-Herstellungsmethode auf den Tee angewendet und somit die Herstellungsweise des Gyokuro begründet, die bis heute existiert. Gleichzeitig verwendete er fortan die sino-japanische Lesung der Schriftzeichen, der Sinn blieb dadurch zwar erhalten, aber die Aussprache änderte sich.

Schattentees sind weniger bitter

Im Blatt sind zwei Bestandteile, die den späteren Aufguss bitter machen. Koffein und Catechine. Da Catechine zum Schutz vor Sonnenlicht angereichert werden, benötigt Schattentee verständlicherweise weniger. Aus diesem Grund schmeckt lang beschatteter Tee wie Matcha und Gyokuro besonders mild.

Schattentees lassen sich höher dosieren

Weil weniger Bitterstoffe in den Blättern von Schattentees enthalten sind, können diese höher als üblich dosiert werden. Dadurch erhalten sie eine ausgeprägtere Intensität und das sonst dezent schmeckende Umami kann dabei voll zu Geltung kommen.

Eine Frage des persönlichen Geschmacks

Nun gibt es verschiedene Zubereitungsmethoden, die für Gyokuro empfohlen werden. Seit meiner ersten Erfahrung im Jahr 2009 habe ich Gyokuro schätzen gelernt. Dabei kam mir zugute, dass ich berufsbedingt mehrere Anläufe wagen konnte und dadurch eine Zubereitungsweise gefunden habe, die auch Einsteigern schmeckt.

Zubereitung für Einsteiger

Die hier vorgestellte Zubereitungsweise ist eine Empfehlung für Gyokuro aus erster Ernte. Minderwertige Gyokuro werden herb oder ungenießbar, daher sollte auf gute Qualität geachtet werden.
3g auf 100ml, 120 Sekunden Ziehzeit bei 50°C.
Beim zweiten Aufguss 60°C heißes Wasser benutzen und sofort abgießen.
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Zubereitung für Fortgeschrittene

Grundsätzlich kann die oben erwähnte Zubereitungsweise beibehalten werden. Wenn du einen intensiveren Umami-Geschmack wünscht, dann kannst du die Dosierung schrittweise erhöhen.

Nützliche Teeutensilien

Da Gyokuro aufgrund der höheren Intensität nur in kleinen Mengen zubereitet wird, empfiehlt sich ein Utensil mit einem Fassungsvermögen zwischen 50 und 150ml. Traditionelle Zubereitungsgefäße sind Hôhin und Shiboridashi. Man kann den Tee allerdings ebenfalls gut in einer japanischen Seitengriffkanne brühen.

Eine Frage der Qualität

Auf dem Markt gibt es heutzutage viele Gyokuro-Qualitäten, die nicht dem japanischen Standard entsprechen. Dazu gehören Gyokuro-Imitate aus China sowie Schattentees aus zweiter Ernte. Diese Qualitäten sind zwar deutlich günstiger, haben aber geschmacklich mit dem Original nicht mehr viel gemein. Japanischer Gyokuro sollte aus erster Ernte sein, nur dann wird er volle 3 Wochen beschattet. Eine gewisse Reifezeit wird einem Gyokuro gerne zugesprochen, damit er das frische Shincha-Aroma abwirft. Erfahrungsgemäß kosten diese Qualitäten zwischen 25 und 40 EUR pro 50g.

Wenn du dich für einen authentischen Gyokuro interessierst, dann freue ich mich, wenn du dich im Shop umsiehst.

Tee in Japan: eine subjektive Einschätzung

Als ich vor gut einem Monat (November 2015) wieder in Japan war, habe ich mich vor allem darauf gefreut, viele schöne Keramiken für den Shop einzukaufen. Ein anderer Grund für meine Vorfreude war natürlich Japans Grüner Tee und Matcha. Mit diesem Blog möchte ich dir einen kleinen Einblick in meine Erfahrungen geben, die ich vor Ort gemacht habe.

Tee in der Gesellschaft

Es gibt sehr viel Literatur über Japans Gesellschaft, welche versucht, dieses Land zu exotisieren. Darin wird ein Bild von naturliebenden Japanern gezeichnet, die sich dem Zen und Shintô hingeben, die Teezeremonie praktizieren und sich trotzdem dem technischen Fortschritt nicht verschließen. In meinem japanischen Umfeld beschränkt sich die Religiosität auf Talismane, die eher einen Mitbringsel-Charakter haben (jeder Schrein stellt Talismane zum Schutz vor irgendetwas her) und Teezeremonie lernen, wenn überhaupt, eher Frauen und Mädchen in der Schule oder in der Uni, um sich die richtige Etikette anzueignen (natürlich bestätigen die Ausnahmen die Regel).

Dōtonbori in Ôsaka
Dōtonbori in Ôsaka

Tee als Teil der traditionellen Kultur

Doch es gibt sie noch immer, die kleinen Ruheinseln Japans. Die Teekultur hat sich im Laufe der Jahrhunderte mit vielen anderen „Wegen“ verbunden und so verwundert es nicht, dass man beim Besuch eines Gartens sehr häufig die Möglichkeit bekommt, eine Schale Matcha zu trinken oder gar an einer Teezeremonie teilzunehmen. Auch buddhistische Tempel bieten ab und an so eine Gelegenheit in andächtiger Atmosphäre. Darüber hinaus haben auch einige Museen einen Teeraum, in dem man an bestimmten Tagen aus historischen Chawan einen Matcha trinken kann. Die Schönheit einer Teeschale erschließt sich nicht allein durchs Betrachten, daher ist es ein sehr verlockendes Angebot.

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Japan – ein Land der Teetrinker?

Ja, man kann durchaus behaupten, dass in Japan Tee omnipräsent ist. Japanischen Grüntee findet man an jeder Ecke. Jeder Getränkeautomat bietet mehrere Sorten Grüntee von verschiedenen Herstellern an. Neben Cafés gibt es Teehäuser, in denen man leckeren Grüntee oder auch Matcha trinken kann. Caféketten haben immer einen Matcha Latte im Programm. Abgerundet wird die Auswahl durch „Royal Milk Tea“, einem Schwarztee mit Milch und Zucker, einem Lemon Tea (Schwarztee mit Zitrone) und Oolong, den man extra aus Taiwan importiert. Besonders beliebt sind in letzter Zeit die Catechin-reichen Grüntees, die beim Abnehmen helfen und vor Krebs schützen sollen.

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Doch für die eben erwähnten Tees kommt häufig nur Massenware zum Einsatz. Hochqualitative Grüntees kann man in der Nähe von Japans Teehochburgen oder in den Feinschmeckerläden überall kaufen. Und dennoch frage ich mich, wer die Käufer bzw. Verbraucher sind. Denn in meinem erweiterten Umfeld gibt es niemanden, für den Tee mehr ist als ein PET-Flaschen-Getränk oder eine Zutat, die in Verbindung mit Süßspeisen sehr gut schmeckt.

Earl Grey Eiscreme
Earl Grey Eiscreme
Dango (süße Reisspeise mit und ohne Matcha)
Dango (süße Reisspeise mit und ohne Matcha)

Eine Frage des Geschlechts?

Um japanische Spitzenqualitäten richtig zuzubereiten, benötigt man vor allem Zeit und Muße. Wer mal etwas über den japanischen Arbeitsalltag gelesen hat, wird wissen, dass die arbeitende Bevölkerung eben jene überhaupt nicht hat. In einer patriarchalisch organisierten Gesellschaft arbeiten die Männer für Frau und Kinder. Doch auch immer mehr Frauen gehen zur Arbeit, um ein selbstbestimmtes Leben führen zu können. Die verbliebene Zielgruppe wird also auch in Zukunft schmaler.

Japans „Silver Generation“

Eine große und zahlungskräftige Zielgruppe ist Japans „Silver Generation“, also Männer und Frauen im Ruhestand. Sie verfügen über die nötige Zeit und Muße, um sich mit zeitintensiven Hobbys zu beschäftigen. Während diese Generation noch recht groß ist, wird der demographische Trend eines Tages dafür sorgen, dass auch diese Zielgruppe schrumpft.

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Hoffnung im Ausland?

Tee ist in Japan längst kein Wachstumsmarkt mehr. Die Zahlen des Verbrauchs sind von Jahr zu Jahr sogar leicht rückläufig. Aus diesem Grund hat Japans Ministerium für Land- und Forstwirtschaft und Fischerei einen Aktionsplan erstellt, um den Export in die USA, nach Singapur und in die EU bis 2020 zu verdreifachen. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen neue Märkte wie Russland erschlossen werden. Doch auch der Ausbau bestehender Märkte, wie beispielsweise der EU ist eine Herausforderung, der sich Japans Teebauern stellen müssen, da Bioanbau in Japan nicht weit verbreitet ist. Während die Grenzwerte für Radioaktivität keine Hürde mehr darstellen, ist die Einhaltung der Grenzwerte für Pflanzenschutzmittelrückstände das größte Problem. Die EU-Grenzwerte sind so strikt, dass oft nur Bio-Qualität infrage kommt. Japans Tee ist im Vergleich zu den Tees anderer Anbauländer deutlich teurer, daher sind sie den günstigeren Tees gegenüber auf den ersten Blick im Nachteil. Dieser kann bei entsprechender Beratung allerdings wieder wettgemacht werden.