Japan Reisebericht Teil I

Es ging alles etwas holprig los. Am Morgen des 5. Oktober sollte es nach Japan gehen. Es ging letztendlich auch nach Japan, allerdings nicht direkt. Schuld daran war der Sturm, der das Flugzeug in Amsterdam in Richtung Düsseldorf, mit dem ich wiederum nach Amsterdam fliegen sollte, gar nicht erst starten konnte, weil die Wetterbedingungen in Amsterdam so schlecht waren, dass am Vormittag massenweise Flüge gestrichen wurden.

Der Flieger kam dann doch noch mit 90 Minuten Verspätung in Düsseldorf an. Meinen Anschlussflug habe ich um ca. 30 Minuten verpasst. Ein Traumstart. Das ist mir noch nie passiert. Dann folgte vier Stunden lang Schlange stehen. Dabei lernte ich eine Japanerin, einen Italiener und einen Franzosen kennen. Wir haben uns über viele Dinge unterhalten und uns so gegenseitig die Wartezeit zwar nicht verkürzt, aber zumindest ein bisschen angenehmer gestaltet.

Innerlich habe ich mich bereits darauf eingestellt, dass ich erst am nächsten Tag fliegen werde, doch dann hieß es, dass ich über Seoul nach Osaka fliegen kann. Noch am selben Abend. Dadurch würde ich allerdings nicht wie geplant morgens in Japan ankommen, sondern erst abends.

Das hatte wiederum Auswirkungen auf meine Pläne vor Ort. Denn ich wollte nach Hagi fahren, was allerdings 6-7 Stunden entfernt vom Flughafen in Kansai liegt. Dahin konnte ich nun nicht mehr, da ich erst Freitag Abend am Flughafen ankommen würde. Daher musste ich die Hotels stornieren und habe zum Glück noch eines in Kyôto gefunden, das vom Flughafen in 90 Minuten zu erreichen ist.

Doch das Glück meinte es nicht gut mit mir. Obwohl ich das Hotel im Voraus bezahlt habe, hieß es dann plötzlich, dass die Unterkunft nur für einen Tag frei wäre. Also brauchte ich dann doch ein neues Hotel für den darauf folgenden Tag. Dieser war eh hinüber, da ich am Samstag nochmal zum Flughafen musste, um meinen WLAN-Adapter von der Post abzuholen, die am Abend des Vortags bereits geschlossen hatte. Den Rest des Tages habe ich mit Hotelwechsel zugebracht und bin dann noch ins Nijô-jô gefahren.

Obwohl ich schon häufig in Kyôto war, hatte ich es nie hierher geschafft. Vielleicht auch deswegen, weil sonst nichts Interessantes in direkter Nähe liegt. Die Anlage an sich ist weitläufig und mir gefielen die Gärten am besten, obwohl Nijô eigentlich für die bemalten Wände der zahlreichen Zimmer bekannt ist.

In einem der Gärten habe ich Matcha getrunken und die Aussicht genossen. In weiter Ferne konnte man eine japanische Hochzeit bestaunen, die in einem traditionellen Haus ausgerichtet wurde.

Am nächsten Tag ging es dann ins Kyôto Nationalmuseum. Auch hier war ich noch nie zuvor gewesen und werde auch nie wieder hingehen. Das Museum ist bekannt für seine große Sammlung an Nationalschätzen. Und natürlich war ich gespannt auf die keramischen Nationalschätze, vor allem Teeutensilien wollte ich sehen. Es gab ja schließlich einen dafür designierten Ausstellungsraum, die Vorfreude war also groß. Doch leider wurden in diesem Raum hauptsächlich Hängerollen ausgestellt und nur zwei (!!!) Keramiken. Dafür stand ich 90 Minuten bei Hitze in der Schlange…

Ich bin dann noch von Gojôzaka bis Gion durch die Nebenstraßen geschlendert und bei dieser Gelegenheit habe ich einige Einkäufe gemacht. Dabei musste ich feststellen, dass viele der Läden, die ich von früher kannte, Kimono-Verleih-Geschäften gewichen sind. Scheinbar verkaufen sich traditionelle Dinge immer schlechter, sehr schade, da Kyôto dadurch immer mehr zu einer Touristenstadt mutiert.

Dieser Bericht liest sich vielleicht ein bisschen negativ. Ich verspreche, dass es ab Teil II besser wird. Viel besser 🙂 Kurz noch in eigener Sache: die mitgebrachten Stücke aus Japan befinden sich bereits online im Shop.

So schmeckt mein selbstgemachter Tee von Tschanara

Im letzten Blog-Artikel ging es um Deutschlands ersten Teegarten Tschanara, den Du hier nachlesen kannst. Unser Besuch im Juli hat es uns ermöglicht, unter der Anleitung von Haeng ok unseren eigenen Tee herzustellen.

Jeder von uns hat sich einen eigenen Blattgrad ausgesucht. Gero zum Beispiel setzte dabei auf Quantität und pflückte auch etwas größere Blätter. Ich habe mich auf echte „two leaves and a bud“ beschränkt, habe daher auch nicht ganz so viel pflücken können. Zunächst wollte ich nur Blätter von einem Cultivar pflücken, doch das wäre nicht ergiebig genug gewesen. Daher habe ich dann irgendwann von allen Cultivaren Blätter gepflückt, Hauptsache der Blattgrad stimmte.

Anschließend mussten die Blätter angeröstet bzw. erhitzt werden, um die Oxidationsenzyme im Blatt zu deaktivieren. Sonst hätten wir im Laufe der Verarbeitung eine ungewollte Oxidation gehabt. Danach ging es ans Rollen, damit die Zellsäfte nach außen treten konnten. Und schließlich wurde dann der Tee immer wieder nachgeröstet, um a) den Wassergehalt zu reduzieren und b) dem Tee angenehme Röstnoten und mehr Intensität zu verleihen.

Dies ist nun schon fast drei Monate her. Den Tee habe ich bereits auf der Arbeit verkostet, als ich mit Gero beide Tees im Teataster-Geschirr zubereitet habe. Und wie schmeckt nun dieser Tee?

Aroma

Im trockenen Zustand verströmen die Blätter einen leicht süßlichen Maracuja-Duft. Die feinen Röstnoten lassen mich aber vor allem an einen etwas kräftiger gerösteten Sencha denken.
In der warmen Shiboridashi wandeln sich die Aromen etwas in Richtung geröstete Algen (Nori), gebrannte Mandeln und japanischen Grüntee, den man bei der japanischen Duftzeremonie röstet.

Geschmack

Zubereitet wird der Tee nach der Methode für Grüntees gehobener Qualität. Der erste Aufguss bestätigt die Süße, allerdings zeigt sich im Geschmack nicht die Maracuja sondern Apfel. Die Parallele zu Sencha ist aber deutlich, was nicht irritiert, da der Tee ja nicht gedämpft wurde.
Der zweite Aufguss hat fast schon zu lang gezogen. Es zeigen sich Anklänge von Bitterkeit, die aber nicht unangenehm auffallen. Der Geschmack ist vielschichtig, der Röstcharakter ist jetzt deutlich wahrnehmbar, neben grasigen und algigen Noten kommt auch die Maracujafrucht wieder hervor.
Danach nimmt die Komplexität zwar ab, der Tee ist nun aber schön süffig und süß. Im danach folgenden Aufguss wird er sogar leicht sahnig.
 

Fazit

Dieser Tee hat mir wirklich sehr gut geschmeckt. Dabei ist noch viel Luft nach oben, denn während der Verarbeitung lief bei mir nicht alles glatt. Haeng ok musste mir ein bisschen helfen. Man sieht an einigen Stellen, dass die Blätter ein bisschen viel Hitze abbekommen haben. Dennoch bin ich nach all den Verwüstungen davon überzeugt, dass auch in Deutschland gute oder gar Spitzenqualität möglich ist.

In den nächsten Tagen werde ich viele Töpferorte aufsuchen, um neue Stücke für meinen Shop zu finden. Nun habe ich es tatsächlich einen Tag vor meinem Abflug nach Japan geschafft, noch einen Artikel online zu stellen. Ich werde vor Ort über Instagram und Facebook ein paar Fotos mit Teebezug teilen, vielleicht hast Du ja Lust den Accounts zu folgen. Bis dann!

Deutschlands erster Teegarten: Tschanara

Es ist schon erstaunlich, wo überall Camellia sinensis und die verschiedenen Varietäten, die sich daraus entwickelt haben, gedeihen können. Denn ursprünglich kommt die strauchartige Pflanze aus wärmeren Gefilden des Länderdreiecks Myanmar, Laos und Südchina (Yunnan). Von dort begann die Ausbreitung, begünstigt durch den Menschen.

Wo Tee überall wächst

Heutzutage wird Tee in über 60 Ländern angebaut, darunter sind neben bekannten Weltmarktgrößen wie China, Indien und Kenia auch Klassiker wie Japan vertreten. Doch wenn man sich die Liste, die von Tony Gebely in diesem Artikel zusammengefasst wurde, durchliest, dann findet man auch Exoten wie Zambia oder eben auch Deutschland.

Das Tor zum Garten

Deutschlands erster Teegarten Tschanara

Ja, richtig, auch in Deutschland wird Tee angebaut. Aber leider noch nicht in einem Stadium, der es den Betreibern erlaubt, relevante Mengen herzustellen. Es geht um den Garten Tschanara (koreanisch: Tee-Land), der von Wolfgang und Haeng ok aus Leidenschaft betrieben wird. Vor nicht allzu langer Zeit wurde ein Interview im Tee-Fokus veröffentlicht, den ich dir nicht vorenthalte möchte.

Viele verschiedene Cultivare, hier ein Vertreter aus Vietnam

Durch meinen Umzug ins Rheinland ist die Entfernung auf gerade mal eine Autostunde geschrumpft. Grund genug, den Garten mal zu besuchen. Zwei Arbeitskollegen, darunter auch Gero, haben mich im Juli begleitet und nun möchte ich dir einen kurzen Einblick in diesen Garten geben.

So unterschiedlich können die Blätter aussehen

Tschanara ist ein Garten, der aus einer Sammlung zahlreicher Cultivare besteht. Es würde zu lange dauern, alle zu benennen, aber wir bekamen Vertreter aus Laos, China, Japan, Korea, Türkei, Azoren, Indien und viele mehr zu Gesicht. Neben den beiden Klassikern Camellia sinensis und der var. assamica waren auch Cultivare dabei, die der Camellia taliensis zugeordnet werden können. Das ist deshalb interessant, weil diese Art nur in wilder Form größtenteils in Yunnan zu finden ist.

Und so groß können die Blätter einer „Assamica“ werden

Welche Teesorten werden hergestellt?

Seit einigen Jahren produzieren Wolfgang und Haeng ok Tee aus einigen ausgewählten Sträuchern bereits Tee. In erster Linie Grünen Tee, doch sie haben auch schon Erfahrung in der Herstellung von Schwarzem Tee und Oolong gesammelt.

 

Derzeit sind sie noch damit beschäftigt, Sträucher zu identifizieren, die sich gut für die Herstellung von Tee eignen. Dabei hat sich herausgestellt, dass Pflanzen vom selben Cultivar nicht zwangsläufig die gleichen Resultate hervorbringen. Das liegt daran, dass die meisten Pflanzen generativ vermehrt, also aus Samen gezogen werden. Genetisch sind die Pflanzen dann trotzdem unterschiedlich und können Unterschiede in Blattstruktur, Geschmack und Farbe aufweisen. Vermehrt man die Pflanzen hingegen vegetativ, d.h. mittels Stecklingen, haben alle Ableger die selben Eigenschaften, weil sie quasi „Klone“ der Mutterpflanze sind und einfach nur an einem anderen Ort weiterwachsen.

Mein eigener Tee

Wir hatten das Vergnügen unseren eigenen Tee machen zu dürfen. Dabei durfte jeder von uns selbst Tee pflücken. Ich wollte anfangs Tee von einer kurzen Reihe von Sträuchern pflücken, die einem holländischen Cultivar angehören. Konsequent hielt ich mich an zwei Blätter und eine Knospe – also two leaves and a bud. Dabei ist mir aufgefallen, wie langwierig allein das Pflücken der Blätter ist. Leider hatten die Sträucher, die ich mir ausgesucht hatte, nicht genug geeignete Blätter, daher bin ich dann dazu übergegangen, alle Blätter zu pflücken, die meinem Pflückstandard entsprachen. Am Ende hatte ich dann etwas über 80 g zusammengesammelt.

Fast eine Stunde habe ich für ca. 80 g frischen Tee gebraucht

Danach haben wir aus diesen Blättern den Tee unter der Anleitung von Haeng ok hergestellt. Zuerst mussten wir die Blätter in einem Wok anrösten, damit diese geschmeidiger für die weitere Verarbeitung wurden. Dabei mussten wir die Blätter sehr schnell wenden, damit sie nicht vom heißen Metall angesengt werden konnten. Das war für mich das Schwerste, denn auch mit Handschuhen, wurde es schnell sehr heiß an den Fingerkuppen. Ich konnte gar nicht so schnell agieren, wie es eigentlich erforderlich gewesen wäre.

Anschließend wurde der Tee dann geknetet und gerollt. Diese Phase ist wichtig, damit Zellsäfte nach außen treten. Dann kommen die Blätter zum Rösten und Trocknen immer mal wieder für kurze Zeit in den Wok. Dabei braucht es viel Erfahrung, um abschätzen zu können, wann man welchen Schritt tut.

Und so sah mein Tee dann nach der Verarbeitung aus

In der Zwischenzeit haben wir zwei Tastings gemacht. Dabei haben wir in der ersten Runde Grüntees probiert, die aus verschiedenen Cultivaren unter gleichen Bedingungen hergestellt wurden. In der zweiten Runde kamen dann Oolong und Schwarztees dazu.

Grüntee-Tasting

Tea grown in Europe Association

Noch gar nicht erwähnt habe ich die Ende 2016 gegründete „Tea grown in Europe Association“, deren Gründer, Herr und Frau Mazerolle, ebenfalls an diesem Tag zu Besuch kamen. Tschanara ist eines von vier Mitgliedern des Verbandes, der sich zum Ziel gesetzt hat, durch Zusammenarbeit und Austausch zwischen Anbauern, Tee in Europa anzubauen. So haben wir gelernt, dass es in Frankreich gleich drei Projekte gibt, die sich mit dem Teeanbau beschäftigen. Denis Mazerolle selbst engagiert sich mit seiner Frau in der Bretagne. Denis hat über den Besuch von Tschanara einen Newsletter geschrieben, den du hier einsehen kannst.

Das Ergebnis und der Austausch war für alle Beteiligten sehr lehrreich. Die „learnings“, die sich überhaupt an diesem Tag für uns ergaben, sind:

  • In Deutschland ist Teeanbau möglich
  • Es gibt große Unterschiede zwischen den Cultivaren, die sich auch auf den Geschmack auswirken
  • Cultivare, die aus Samen gezogen werden, schmecken unterschiedlich
  • Die Früchte des Teegartens Tschanara sind bereits jetzt vielversprechend

Nach dem Tasting haben wir unsere Tees final geröstet. Seitdem ist gut ein Monat vergangen und ich komme erst heute dazu, meinen Grüntee zu verkosten. Die Ergebnisse der Verkostung werde ich dir aber in einem anderen Artikel vorstellen, da dieser bereits lang genug geworden ist.

Ich möchte mich nochmals bei Haeng ok und Wolfgang für die zusammen verbrachte Zeit bedanken und freue mich schon auf den nächsten Besuch.

Drei Arten, Tee eiskalt zu genießen

Die Tage werden länger, die Temperaturen steigen, der Sommer kommt und damit auch das Bedürfnis, kalte Erfrischungsgetränke zu genießen. Tee ist dann nicht immer die erste Wahl. Schade eigentlich, denn in Japan beispielsweise ist kalter Tee so weit verbreitet, dass man ihn an jedem Getränkeautomaten ungesüßt bekommt.

Grundsätzlich gibt es drei Methoden. Zwei dauern maximal fünf Minuten, die andere ca. sechs bis 12 Stunden. Es reicht jedoch nicht, den Tee normal aufzubrühen und nach der Ziehzeit einfach stehen zu lassen, bis er kalt geworden ist. Dabei verändert sich der Geschmack zu sehr, manchmal wird der Tee regelrecht ungenießbar, weil er nachbittert.

Die schnelle Methode

Für die schnelle Methode reicht es, wenn man Eiswürfel im Gefrierfach hat. Viele Eiswürfel. Für einen Liter Eistee benötigt man die dafür empfohlene Menge Tee, in der Regel 12 g. Man brüht diese Menge allerdings mit 400 ml kochendem Wasser (bei Grüntee 80° C) auf, achtet auf die reguläre Ziehzeit und gießt den Tee durch ein Sieb in eine mit 600 g Eiswürfeln gefüllte Kanne.

Wenn du den Eistee süßen möchtest, dann kannst du die benötigte Menge Zucker mit ein wenig heißem Wasser vermengen und so lange rühren, bis der Zucker sich aufgelöst hat. So hast du eine Art Sirup, den du nur noch mit dem Eistee verrühren musst.

Die langsame Methode

Vorweg die schlechte Nachricht: Für diese Zubereitungsweise eignet sich nicht jeder Tee. Dadurch dass man die Blätter nur mit kaltem Wasser übergießt und sehr lange im Kühlschrank ziehen lässt, werden Keime und Bakterien nicht abgetötet. In der Regel ist Tee durch die finale Trocknung ein Produkt, das mikrobiologisch nicht besonders stark belastet ist. Der Umgang mit der fertigen Ware nach der Trocknung ist jedoch ausschlaggebend dafür, ob sich ein Tee für einen Kaltaufguss eignet oder nicht.

Tee wird immer noch als ein Lebensmittel verkauft und hergestellt, das erst durch die Zubereitung mit heißem Wasser zum fertigen Produkt wird. Daher muss Tee per se nicht dieselben Anforderungen erfüllen, wie verzehrfertige Lebensmittel. Er wird durch kochendes bzw. heißes Wasser zu einem sicheren Getränk.

Ich kenne nur zwei Herkünfte, die ich vorbehaltlos für einen Kaltaufguss empfehlen würde. Tee aus Japan ist eine davon. Dort arbeitet man traditionell bei der Herstellung von Lebensmitteln sehr sauber und gründlich. Daher ist japanischer Tee meiner Erfahrung nach mikrobiologisch kaum belastet. Ähnlich sauber wie die Japaner arbeitet auch der junge Teegarten Zealong, mit dem ich erst kürzlich gesprochen habe.

Ich habe zwar auch schon Kaltaufgüsse mit Tees aus Taiwan und China gemacht und diese „überlebt“, ausdrücklich empfehlen kann ich diese wegen des Restrisikos aber nicht. Im Zweifel würde ich immer die erste Methode vorziehen, um aus diesen Tees einen Eistee herzustellen.

Kleiner Tipp: du kannst auch 18 oder gar 24 g verwenden. Dadurch verkürzt sich die Ziehzeit oder der Tee wird einfach intensiver und hat noch mehr Umami.

Die dritte Methode

Dies ist die simpelste Methode von allen, aber sie lässt sich nur auf Matcha anwenden. Matcha lässt sich auch wunderbar mit kaltem Wasser zubereiten. Dazu reicht es, den Matcha zu sieben, kaltes Wasser dazuzugeben und mit dem Bambusbesen (chasen) wie gewohnt den Matcha aufzuschlagen. Wer möchte, kann danach noch Eiswürfel dazugeben.

Was trinkst du im Sommer und welche Eistee-Rezepte kannst du empfehlen?

Zealong Green Tasting Notes

Zealong steht für einen Teegarten vom anderen Ende der Welt. Das ist nicht einmal übertrieben, denn wir sprechen immerhin von Neuseeland. Weiter weg von Deutschland liegt vermutlich keine Plantage. Das Wort „Zealong“ verbindet einerseits das Herkunftsland (englisch: „New Zealand“) und andererseits den heimlichen Schwerpunkt des Gartens, den Oolong.

Aller Anfang ist schwer

Als der Teeliebhaber und Gründer Vincent Chen 1996 den Plan, Neuseelands erste Teeplantage zu gründen, in die Tat umsetzte, ging er ein großes Risiko ein. Er orderte aus verschiedenen Regionen Asiens insgesamt 1500 Setzlinge, die zunächst in Quarantäne mussten. Diese Zeit überlebten leider nur 150 Exemplare. Umso bemerkenswerter, dass aus diesen Setzlingen heute auf 40 ha 1 Million Pflanzen gezogen werden konnten.

Ökologischer Anbau aus Überzeugung

Von Anfang an wurde auf Nachhaltigkeit großen Wert gelegt. So verwundert es nicht, dass alle Tees Bio-zertifiziert sind und daher keine Pflanzenschutzmittel zum Einsatz kommen. Dies beinhaltet auch die Düngung mit Naturdünger, chemische Zusätze sind verboten. Zealong ist ein weiteres Beispiel dafür, dass biologisch hergestellter Tee keine Geschmackseinbußen hinnehmen muss.

Das Sortiment

Insgesamt werden bei Zealong fünf Sorten hergestellt, darunter ein Schwarztee, ein Grüntee und drei Oolong in verschiedenen Röststufen. Ich hatte schon im Laufe der Zeit Gelegenheit, alle Tees zu probieren, leider ist bisher noch kein Artikel im Blog daraus entstanden. Jeder Tee hat seine eigene Fangemeinde. Während die Oolong sich vor den Klassikern aus Taiwan und China (zum Beispiel Tie Guan Yin) nicht verstecken müssen, haben vor allem der Schwarztee und der Grüntee eine ganz eigene Charakteristik. Bei mir auf der Arbeit ergibt sich ein gemischtes Stimmungsbild, jeder hat seinen Favoriten unter den drei Sorten, die seit einigen Wochen exklusiv bei TeeGschwendner angeboten werden. Ich mag mich, wie immer, nicht auf eine Sorte festlegen. Doch der Grüntee hat mich wegen seiner Eigenheit am meisten überrascht.

Tasting Notes

Wenn ich mir das Blatt des Zealong Green angucke, fällt zunächst die Farbe auf. Wie bei einem Grüntee nicht unüblich (*augenzwinker*) ist die Farbe grün. Allerdings geht dieses Grün je nach Lichteinfall schon fast ein bisschen ins Bläuliche.

Der Duft

Das Aroma dieses Grüntees ist verblüffend. Ich kenne keinen gerösteten Grüntee anderer Herkunft, der einem japanischen Tee so nahe kommt. Zunächst dominiert die Fruchtigkeit, die man von einigen exquisiten Sencha her kennt. Diese Frucht geht in Richtung Maracuja und Mango. Röstnoten von Maronen und ein Hauch von Alge (Nori) sind ebenfalls zu vernehmen. Im aufgewärmten Gaiwan werden die Fruchtnoten noch intensiver.

 

Die Zubereitung

Da der Tee den japanischen Sorten so erstaunlich nahekommt, versuche ich, den Tee auch so zu brühen (siehe Zubereitungsempfehlung für japanische Grüntees gehobener Qualität).

Der Geschmack

Direkt nach dem ersten Aufguss rieche ich immer gerne zunächst an der Infusion, also an den nassen Blättern. Würde man mir in einer unvorbereiteten Situation diesen Geruch vor die Nase halten, würde ich sofort auf Sencha tippen. Daher interessiert mich umso mehr, wie sich der Neuseeländer in der Tasse zeigt.

Zunächst zeigt der Zealong Green seine zarte Seite, florale Aromen wie die von Tie Guan Yin steigen überraschend in die Nase. Aber auch die Fruchtnoten von vorhin sind präsent. Im Abgang kommt geschälte Mandel zur Geltung, das ist schon die zweite Assoziation, die ich mit einem Tie Guan Yin habe. Die Fruchtnoten lassen sich nicht unterkriegen und erinnern mich spontan an eine japanische Limonade (jap.: ramune ラムネ). Für diejenigen unter Euch, die diese Limonade nicht kennen, verweise ich auf die türkische Limonade Uludag. Für mich ist dieser Geschmack nostalgisch, denn in meiner Kindheit habe ich in Polen ebenfalls eine Limonade nach dieser Art getrunken. Leider sind die Marken von damals durch den Wandel in den 90ern vom Markt verschwunden und wurden von Billigmarken mit einem künstlichen Geschmack ersetzt.

Zurück zum Tee, wir befinden uns jetzt beim zweiten Aufguss. Der Tee hat nun mehr Körper, ist immer noch sehr aromatisch und hat sogar eine Spur Umami. In Verkostungssituationen, bei denen wir den Tee mit kochendem Wasser aufgießen und fünf Minuten ziehen lassen, tritt Umami sogar noch deutlicher hervor. Nun zeigen sich auch die gerösteten Maronen, die von einer schönen Süße begleitet werden. Auch der dritte Aufguss enttäuscht nicht, obwohl er nicht mehr an den zweiten heranreicht.

Fazit

Man würde dem Zealong Green unrecht tun, wenn man ihn auf seine Parallelen zu japanischen Grüntees reduzieren würde. Die Verbindung aus Frucht- sowie Röstnoten und floralen Aromen verleihen ihm einen eigenständigen Charakter. Damit hat Zealong in kürzester Zeit das geschafft, was viele neue Anbauregionen zum Ziel haben: einen hochwertigen und eigenständigen Tee kreieren, der die Teewelt zu begeistern weiß.

An dieser Stelle möchte ich noch einen Artikel im Tee-Tagebuch empfehlen, wo alle drei Sorten verkostet und beschrieben wurden. Wer sich für die Tees interessiert, findet sie hier bei TeeGschwedner.

So reinigst du deine Teekeramik richtig

Wer sich japanische Teekeramik zulegt, wird sich früher oder später mit der Frage konfrontiert sehen, wie man diese richtig reinigt. Anders als Gebrauchsgeschirr und Porzellan, die man ruhigen Gewissens in den Geschirrspüler stellen kann, muss man mit Keramik, vor allem wenn diese nur teilweise glasiert ist, sehr vorsichtig umgehen.

Traditionelles Teegeschirr aus Asien, besonders aus Japan und China, ist häufig aus unglasierter Keramik. Die Sorten entsprechen unseren Keramikgattungen Steingut und Steinzeug. Aus China kommen die populären Yixing-Kännchen, aus Japan kennt man beispielsweise die rustikalen und überwiegend unglasierten Töpferwaren der Sechs Alten Öfen Bizen, Tamba, Echizen, Tokoname, Shigaraki und Seto.

Shigaraki-Chawan

Bei unglasierten Keramiken kommt der Tee in direkten Kontakt mit dem offenen Scherben.  Die Oberfläche des Scherbens ist porenartig, darin können sich leicht Ablagerungen wie etwa Patina bilden. Bei Kannen und Tassen wird diese Patina in der Regel nicht entfernt.

Reinigungsmittel sind tabu

Aus diesem Grund reicht es aus, wenn man die Utensilien nach Gebrauch unter warmem Wasser ausspült, eventuelle Teeränder mit einem weichen Schwamm entfernt und danach abtrocknet, da sich bei hartem Wasser sonst Kalkflecken bilden können (wie bei Gläsern auch). Auf keinen Fall sollten Utensilien in die Spülmaschine getan oder mit Spülmittel behandelt werden. Die Reinigungsmittel können sich im Scherben zeitweise festsetzen und den Geschmack des Tees negativ beeinflussen.

Vorsicht bei Matchaschalen!

Auch bei Matchaschalen, egal ob glasiert oder unglasiert, solltest du auf Spülmittel verzichten. Denn auch glasierte Matchaschalen können je nach Gattung unerwünschte Reinigungsmittel aufnehmen, wenn sie nicht wasserdicht sind. Dies betrifft vor allem Raku– und Hagi-Keramik, die entweder kurz oder nur bei niedrigen Temperaturen gebrannt werden, wodurch der Scherben nicht vollständig versintern kann. Das bedeutet, dass der Scherben immer ein bisschen Wasser aufnimmt, aber in der Regel nicht tropft. Daher sollte man wie bei normaler Teekeramik auch die Chawan nach Gebrauch einfach unter warmem Wasser spülen und trocknen.

Raku-Chawan

Diese Sorten solltest du einige Tage trocknen lassen

Bei Hagi- und Raku-Keramik ist es außerdem wichtig, dass die Utensilien nach dem Abtrocknen nicht zurück in die Holzschachtel getan werden. Da noch Feuchtigkeit im Scherben steckt, würde sich ein muffiger Geruch bilden. Daher solltest du zwei bis drei Tage Zeit verstreichen lassen, bevor du dein Utensil wieder in einer Schachtel verstaust.

Hagi-Chawan

Keramik aus Europa

Heutzutage gibt es viele Keramiker in Amerika und Europa, die Teekeramik im asiatischen Stil herstellen. Da diese Keramiken nach den gleichen Prinzipien gefertigt werden, solltest du bei deren Pflege auch genauso verfahren. Ich wünsche dir, dass du mit diesen Tipps noch lange Freude an deinen Utensilien haben wirst!

Jun Chiyabari hand-rolled Himalayan Tips Tasting Notes

Der Garten Jun Chiyabari ist vielleicht der experimentierfreudigste unter den Gärten Nepals. Neben den Klassikern First und Second Flush scheuen die Brüder keine Mühe und experimentieren mit vielen Kultivaren und Macharten. In der Vergangenheit habe ich bereits über den Imperial Black und den Teegarten geschrieben.

Als ich das letzte Mal mit nepalesischen Teebauern gesprochen habe, vernahm ich ebenfalls die Bestrebung, einen Tee für Nepal zu finden, der in der Teewelt ein Alleinstellungsmerkmal hat. Ich halte das für schwierig, denn es gibt in Nepal mehrere Teeproduzenten, die vielleicht unterschiedliche Vorstellungen darüber haben, wie dieser Tee aussehen soll. Dabei kann Nepal zur Zeit eines sehr gut: Tee im Stile Darjeelings zu machen, ohne dabei absurde Preise zu verlangen. In diesem Zusammenhang, habe ich bereits die Frage aufgeworfen, ob Nepaltee nicht der bessere „Darjeeling“ sei.

Der Garten Jun Chiyabari (Photo credit: Jun Chiyabari Tea Garden)

Der Teemarkt gibt auf diese Frage bereits Antworten, Nepal ist dabei, über den Status als Alternative zu Darjeeling hinauszuwachsen. Dazu trägt sicherlich bei, dass Darjeelings Pflanzenmaterial so alt geworden ist, dass es immer schwieriger wird, daraus guten Tee zu machen. Nepal hingegen hat viel jüngere Pflanzen und damit theoretisch sogar die besseren Voraussetzungen.

Genug zum Hintergrund, widmen wir uns nun endlich dem Tee. Als ich das Ankunftsmuster des Tees zum ersten mal probierte, war ich überwältigt von der Intensität des Bouquets. Mein Interesse war geweckt, deswegen kontaktierte ich Bachan Gyawali, einen der beiden Jun Chiyabari Brüder, und fragte nach weiteren Informationen.

Bei diesem Tee wurden tatsächlich alle möglichen Schritte per Hand ausgeführt. Vier Mal im Jahr stellt Jun Chiyabari einen handgerollten Tee her, in jeder Jahreszeit einen. Die Unterschiede sind entsprechend groß, der vorliegende Tee ist aus der Sommerernte.

Das Blatt

Das Blatt enthält viele Blattspitzen, die sich farblich abheben. Auffällig ist die intakte und voluminöse Blattstruktur. Der Tee ist eine Augenweide, Blattbruch sucht man vergebens.

Das Aroma

Der Duft der trockenen Blätter ist betörend. So intensiv süß und fruchtig ist das Aroma selten bei einem Second Flush. Ich rieche Akazienhonig, Fliederbeere und ein bisschen Kuchenkruste.

In der vorgewärmten Kyûsu ist die Honigsüße so dominant, dass ich daneben kaum noch etwas rieche. Ich muss an Oolong wie Oriental Beauty denken. Es findet sich aber auch die Nussigkeit eines typischen Second Flushs in Form von Hasel- und Erdnüssen.

Der Geschmack

Zubereitet wird der Schwarztee wie immer nach der Methode für gehobene Schwarztees. Was mich an diesem Tee von Anfang an fasziniert, sind die Süße und Blumigkeit, die mich wieder an Akazienhonig erinnern. Er ist hocharomatisch, im Abgang kommt die bereits in der Nase festgestellte Haselnuss. Es zeigen sich auch Anklänge von Kakao und Milchschokolade. Der Geschmack hallt ungewöhnlich lange nach, so dass ich mir mit dem zweiten Aufguss etwas Zeit lasse.

 

Der zweite Aufguss hat jetzt mehr Körper, ist würziger und kräftiger. Der Akazienhonig verwandelt sich daher in würzigen Waldhonig. Der Abgang wird trockener, ist aber noch immer sehr aromatisch. Es ist auch eine Holz-Nuance zu spüren, die in Richtung Eiche tendiert.

Beim dritten Aufguss wird dieser Jun Chiyabari nun süffig. Die Süße lässt jetzt deutlich nach, er ist aber immer noch sehr gefällig. Im Geschmack zeigen sich nun Traubenkernöl und Anklänge von Weintrauben. Die Parallelen zu Nepal- sowie Darjeeling-Oolong und Oriental Beauty werden jetzt deutlicher. In einer Blindverkostung würde er mit Sicherheit für Überraschungen sorgen.

Obwohl ich einen vierten Aufguss bei Schwarztees eigentlich nicht mache, entschließe ich mich nun doch dazu. Ich werde nicht enttäuscht. Er bleibt bis zum letzten Schluck sehr aromatisch. Der Geschmack geht zwar ein bisschen zurück, dafür zeigen sich in der Nase Noten von Blüten und Herbstlaub sowie Karamellgebäck.

Fazit

Wie du sicherlich bemerkt hast, bin ich von dem Tee sehr begeistert. Daher habe ich ihn bereits in der 56. Ausgabe der Teecetera empfohlen. Wer indische oder nepalesische Second Flushs und Oolong mag, dem kann ich diese Spezialität nur ans Herz legen. Zu finden ist der Tee im Edmon’s Sortiment von TeeGschwendner und ist daher nur so lange erhältlich, wie der Vorrat reicht. Wenn du dich für eine zweite Meinung interessierst, schau doch mal beim Tee-Tagebuch vorbei. Dort hat Stephan Kockmann diesen Tee ebenfalls verkostet und vorgestellt.

Warum ich nur noch kleine Kannen benutze

Kleine Kannen wirken auf uns häufig befremdlich und unnütz. Man kann damit nur wenige Schlücke Tee zubereiten, viel Aufwand und wenig Ertrag, könnte man meinen. Tatsächlich habe ich früher auch so gedacht. Das lag daran, dass meine Trinkgewohnheit eine andere war. Ich bereitete mir immer 400 ml direkt in einem großen Becher zu, den ich dann vor mich hin trank, während ich mich wieder anderen Dingen widmete.

Wozu also diese kleinen Kannen?

Kleine Kannen sind der Ausdruck einer komplett anderen Herangehensweise an Tee. Wer kleine Kannen (oder vergleichbare Utensilien mit ähnlichem Volumen) benutzt, der kann nur eine kleine Menge Tee zubereiten, dafür aber in mehreren Aufgüssen. Ja, das hört sich nicht nur nach Mehraufwand an, es ist auch mehr Aufwand und das ist auch gut so.

Denn es gibt zahlreiche Teesorten, die wir mit der Mehrfachaufgussmethode brühen können. Dabei geht es nicht mehr darum, den Tee nebenbei wie beispielsweise eine Apfelschorle zu trinken. Tee ist dann ein Genussmittel wie ein hochwertiger Cognac oder Whisky, dem man dann seine volle Aufmerksamkeit schenkt.

Welche Vorteile bringt mir die Mehrfachaufgussmethode?

Wenn ich mit einer kleinen Kanne Tee zubereite, dann versuche ich die Vielseitigkeit der ausgewählten Sorte zu ergründen. Jeder Aufguss schmeckt ein bisschen anders und das mach den Tee viel interessanter. Ich kann dabei den Geschmack meinen Vorlieben anpassen, in dem ich den Tee entsprechend dosiere und die Ziehzeit anpasse. Auch die Wassertemperatur hat einen Einfluss, den ich geltend machen kann. Es geht mir also um Genuss.

Das private Teeritual entspannt

Häufig nehme ich mir je nach Teesorte eine halbe bis eine Stunde Zeit. Während ich mich dem Tee hingebe, versuche ich, alles Andere auszublenden. Selbstverständlich läuft der Fernseher nicht im Hintergrund. Nicht einmal Musik höre ich nebenbei. Das lenkt nur ab von der Akustik des Kochens, des ganzheitlichen Erfahrens. Tee ist eine gute Achtsamkeitsübung und wenn man sich auf den Tee konzentriert, dann kehrt im Inneren Ruhe und Entspannung ein. Darüber habe ich hier bereits einen Artikel geschrieben.

Man spart auch Geld

Jedes anständige Teefachgeschäft hat im Sortiment einige besonders hochwertige Sorten. Diese kosten natürlich etwas mehr. Ich kaufe mir von den Tees, die mich interessieren, immer nur die kleinstmögliche Menge, das ist in der Regel 50 g. Je kleiner die Kanne, desto geringer ist mein Verbrauch. Da es beim Teegenuss ohnehin mehr auf die Geschmackserfahrung als auf die getrunkene Menge ankommt, spart man mit einem kleinen Utensil Geld. Und wenn man mehrere Aufgüsse macht, dann steigt die Trinkmenge ohnehin an.

Das Auge trinkt mit

Kleine Teekannen werden häufig von Keramikern noch handgemacht. Indem man sich eine hübsche Kanne für sich aussucht, kann man sich an dieser bei jeder Zubereitung erfreuen. Es steigert den Genussmoment, wenn man neben dem Tee auch die liebgewonnenen Utensilien während der kleinen Einkehr zum Tee auf sich wirken lässt. Dazu gehört neben dem Vorbereiten, dem Ausspülen auch die Handhabung. Dies ist auch der Grund, warum viele Teeliebhaber eine große Sammlung an Utensilien besitzen.

Purple Tea aus Kenia

Heute habe ich mir die Zeit für eine besondere Teesorte genommen. Wie der Titel es schon sagt, geht es heute um Purple Tea, was wortwörtlich zu verstehen ist. Vor langer Zeit habe ich bereits einen Purple Tea im Blog vorgestellt, jener kam aber aus China. Heute geht es um einen Purple Tea, der in Kenia hergestellt wird.

Was ist Purple Tea?

Purple Tea wird aus einer Strauchsorte hergestellt, die in den Blättern viel Anthocyane anreichert. Dieser Stoff sorgt für die ungewöhnliche Färbung und kommt beispielsweise auch in Blaubeeren und Brombeeren vor.

Welche Aufgabe hat der Farbstoff?

Der Farbstoff erfüllt mehrere Zwecke. Zum einen wandelt er die kurzwellige UV-Strahlung in Wärme um und schützt dadurch die Proteine und die DNA. Weiterhin werden Freie Radikale im Pflanzensaft gebunden und die Pflanze so vor oxidativem Stress geschützt. Daher verwundert es nicht, dass der Hersteller mit genau diesem Effekt seine Produkte bewirbt.

Woher kommt Purple Tea?

Sträucher, die Anthocyane bilden, kommen in China natürlich vor. In Kenia sind sie eine relativ junge Erscheinung und das Ergebnis einer fast 25jährigen Forschung. Der Hauptgrund für die Verbreitung des Purple Tea ist aber die abnehmende Nachfrage nach kenianischem Schwarztee, der die Teebauern dazu veranlasste, auf eine ganz eigene Teesorte zu setzen, die selbst in China eine Seltenheit ist.

Wir haben bei meinem Arbeitgeber drei Muster dieses Tees angeboten bekommen. Und einen davon möchte ich dir heute vorstellen.

Das Blatt

Der Purple Tea hat ein äußerst intaktes Blatt, das macht den Tee sehr voluminös. Die vielen langen, drahtigen Blätter sind ineinander verhakt und ich habe Mühe sie auseinander zu bekommen. Mir gefällt, was ich sehe. Ich mag es, wenn man beim Anblick eines Tees noch die Blätter erkennt. Was man aber auch sieht, ist, dass die Blätter teils ganz schön groß sind.

Der Duft

Auch wenn alle Sorten ihr jeweils eigenes Aromenprofil haben, haben sie eine Gemeinsamkeit, die schwer zu greifen ist. Der Duft des FOP (Flowery Orange Pekoe) ist etwas irritierend. Anfangs kann man zwar noch mit gutem Willen von Erdbeermarmelade sprechen, aber wenn man auf den Tee ausatmet, zeigen sich ganz andere und ungewohnte Aromen, die schwer einzuordnen sind. Und obwohl ich Andersartigem aufgeschlossen gegenüber stehe, wirkt dieser Duft eher abschreckend auf mich.

Nach dem ersten Aufguss zeigt sich eine leichte Blumigkeit. Und bereits jetzt erkennt man eine Parallele, die sich auch bei den folgenden Aufgüssen ziehen lässt. Der Tee hat Ähnlichkeit zu Maocha, dem Ausgangsmaterial von Pu Er.

Der Geschmack

Laut Herstellerangaben soll man den Tee 3-5 Minuten ziehen lassen und mit einem Schuss Zitrone verfeinern. Die Zugabe von Honig ist ebenfalls möglich. Daraus habe ich abgeleitet, dass man dem Tee grundsätzlich lange Ziehzeiten zutrauen kann. Falsch gedacht. Der Tee wurde ungenießbar. Ich brauchte einen zweiten Versuch mit kürzeren Ziehzeiten, den Tee sollte man eher wie einen Grüntee zubereiten.

Wie schmeckt er nun? Der erste Aufguss ist von der Farbe her schon fast spektakulär. So eine Farbe, die tatsächlich in Richtung Lila geht, habe ich bei einem Aufguss noch nicht gesehen. Doch leider ist das auch schon alles, was mich am ersten Aufguss begeistert.

Der Tee schmeckt komisch krautig, hat einen langen Nachgeschmack und erinnert Frau P. an Metall. Es gibt eine leichte Parallele zu Maocha, aber Maocha schmeckt mir in der Regel besser. Die weiteren Aufgüsse verlieren zwar die schöne Farbe, aber dafür schmecken sie milder und besser. Mit ein bisschen wohlwollender Fantasie erkennt man die Erdbeermarmelade vom Anfang, aber vielleicht ist da auch der Wunsch der Vater des Gedanken.

Fazit

Purple Tea finde ich noch immer sehr spannend, vor allem, weil er aus Marketing-Sicht großes Potenzial hat. Doch es wird seine Gründe haben, warum dieser Tee in Deutschland kaum verbreitet ist. In der Regel ist man im Teehandel dankbar für Sorten, die aus der Reihe fallen, doch hier muss geschmacklich noch nachgebessert werden, wenn der Tee nicht nur aus gesundheitlichen Gründen getrunken werden soll. Wer sich für den Tee interessiert, kann sich auf der Seite des Herstellers informieren und sich eventuell auch eine Packung kaufen.

Handgerollter Wettbewerbstee

Wettbewerbstees sind vielleicht die „nerdigsten“ Teesorten, die man in Japan finden kann. Sie werden immer nur zu speziellen Anlässen, den sogenannten Wettbewerben hergestellt, bei denen es darum geht, in einer Kategorie die besten Tees auszuzeichnen. Dabei geben sich Teebauern und Hersteller natürlich besonders viel Mühe und diesen Unterschied schmeckt man.

Handgerollte Tees – in Japan eine Seltenheit

Es ist leider nicht leicht, an diese Tees zu kommen. In japanischen Onlineshops oder Verkaufsplattformen wie Rakuten tauchen immer wieder mal kleine und stark limitierte Mengen auf, die ein Vielfaches eines normalen Tees kosten. Es soll aber auch hierzulande Teehändler geben, die sich diese Liebhabertees leisten und ihren Stammkunden etwas davon zur Verfügung stellen.

Über das Teetalk-Forum habe ich vor langer Zeit von dem User Seika einige kleine Pröbchen erhalten. Eigentlich ist es eine Schande, dass ich sie noch nicht getrunken habe, da Grüntees innerhalb einer bestimmten Zeit genossen werden sollten und ich diese Tees bestimmt schon ein Jahr hier liegen habe.

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Der Tee des heutigen Tages ist ein handgerollter Sencha (手もみ煎茶 temomi-Sencha), der bei dem 22. Nationalen Wettbewerb den zweiten Platz erzielte. Es ist ein kleines Novum für mich, dass dieser Tee von Shimoda Mitsuko – einer Frau – hergestellt wurde. Da der Herstellungsprozess sehr mühsam ist und mehrere Stunden in Anspruch nimmt, sind handgerollte Tees sehr selten.

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Die Prozedur ist so aufwendig, dass es in Japan Vereine zur Bewahrung des Tee-Handrollens (茶手もみ保存会) gibt. Einen Vertreter durfte ich auf der letzten Coteca-Messe treffen, der dort die langwierige Herstellung demonstrierte. Dabei wird der Tee auf einem speziellen Tisch, der von unten beheizt wird, in mehreren Stufen gerollt. Diese Herstellungsmethode ist auch heute noch Vorbild der maschinellen Produktion. Die Rollprozesse werden dort mit verschiedenen Maschinen imitiert. Doch das Blatt übersteht diese Verarbeitung nicht unbeschadet. Die langen Nadeln bleiben nur erhalten, wenn Sie vorsichtig per Hand gerollt werden.

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Die Blätter

Die Farbe des trockenen Blattes ist schon fast olivgrün. Ich kann mir nicht vorstellen, dass diese Farbe die Ausgangsfarbe dieses Tees ist, vielmehr spiegelt sie mein sträfliches Versäumnis wider. Die Farbe hat sich wohl leider negativ verändert. Es ist nur sehr wenig Blattbruch dabei und der Tee besteht aus sehr langen Nadeln – das ist ein Erkennungsmerkmal eines guten handgerollten Tees.

Das Aroma

Der Duft der trockenen Blätter ist aber nach wie vor intensiv. Es ist ein schwerer Duft, der aus einer feinen Balance von frischen Maracujas, Seealgen und Röstnoten besteht. In der aufgewärmten Shiboridashi von Andrzej Bero wird das Aroma maritimer. Jod und Salz dominieren.

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Vielen Dank an dieser Stelle an Paul für die schönen Holzutensilien

Zubereitung

Zubereitet wird der Sencha nach Gefühl. Die Menge reicht gerade mal für einen Versuch aus. Daher lasse ich die geschätzten 4 g ca. eine Minute ziehen, beim zweiten Durchgang gieße ich sofort ab. Der dritte Aufguss darf wieder etwas länger ziehen.

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Die Geschmackspalette

Da ich das Wasser gut abgekühlt habe, zeigt sich zuerst ein lieblicher sowie schwerer Geschmack, mit Anklängen von Umami, aber nicht zu aufdringlich. Neben blanchierten Mandeln findet sich auch das Maritime in Form von Salz und gerösteter Alge wieder.

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Dann, beim zweiten Aufguss, wird der Sencha viel würziger und kräftiger. Anstelle der Mandel und Umami machen die Röstnoten auf sich aufmerksam. Es schießen sofort Assoziationen mit Nori-Algen und Röstkastanien in den Kopf.

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Der dritte und letzte Aufguss ist eigentlich wie der erste nur etwas schwächer. Die nassen Blätter riechen schön süßlich und erinnern an frisch produzierten Tee zur Shincha-Zeit.

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Fazit

Ich bin ein Fan von diesen Wettkampftees. Sie sind wegen ihrer Preisklasse ohnehin nichts für jeden Tag, aber von Zeit zu Zeit gönne ich mir diesen Geschmack sehr gerne. Es ist wie wenn man sich einen Cognac der Klasse XO gönnt. Nichts für jeden Tag, aber man versteht danach viel besser, was in dieser Geschmackswelt eigentlich möglich ist. Daher bedanke ich mich bei Seika für diesen schönen Sencha und verneige mich vor der Handwerkskunst Shimoda Mitsukos.