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Handgerollter Wettbewerbstee

Wettbewerbstees sind vielleicht die „nerdigsten“ Teesorten, die man in Japan finden kann. Sie werden immer nur zu speziellen Anlässen, den sogenannten Wettbewerben hergestellt, bei denen es darum geht, in einer Kategorie die besten Tees auszuzeichnen. Dabei geben sich Teebauern und Hersteller natürlich besonders viel Mühe und diesen Unterschied schmeckt man.

Handgerollte Tees – in Japan eine Seltenheit

Es ist leider nicht leicht, an diese Tees zu kommen. In japanischen Onlineshops oder Verkaufsplattformen wie Rakuten tauchen immer wieder mal kleine und stark limitierte Mengen auf, die ein Vielfaches eines normalen Tees kosten. Es soll aber auch hierzulande Teehändler geben, die sich diese Liebhabertees leisten und ihren Stammkunden etwas davon zur Verfügung stellen.

Über das Teetalk-Forum habe ich vor langer Zeit von dem User Seika einige kleine Pröbchen erhalten. Eigentlich ist es eine Schande, dass ich sie noch nicht getrunken habe, da Grüntees innerhalb einer bestimmten Zeit genossen werden sollten und ich diese Tees bestimmt schon ein Jahr hier liegen habe.

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Der Tee des heutigen Tages ist ein handgerollter Sencha (手もみ煎茶 temomi-Sencha), der bei dem 22. Nationalen Wettbewerb den zweiten Platz erzielte. Es ist ein kleines Novum für mich, dass dieser Tee von Shimoda Mitsuko – einer Frau – hergestellt wurde. Da der Herstellungsprozess sehr mühsam ist und mehrere Stunden in Anspruch nimmt, sind handgerollte Tees sehr selten.

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Die Prozedur ist so aufwendig, dass es in Japan Vereine zur Bewahrung des Tee-Handrollens (茶手もみ保存会) gibt. Einen Vertreter durfte ich auf der letzten Coteca-Messe treffen, der dort die langwierige Herstellung demonstrierte. Dabei wird der Tee auf einem speziellen Tisch, der von unten beheizt wird, in mehreren Stufen gerollt. Diese Herstellungsmethode ist auch heute noch Vorbild der maschinellen Produktion. Die Rollprozesse werden dort mit verschiedenen Maschinen imitiert. Doch das Blatt übersteht diese Verarbeitung nicht unbeschadet. Die langen Nadeln bleiben nur erhalten, wenn Sie vorsichtig per Hand gerollt werden.

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Die Blätter

Die Farbe des trockenen Blattes ist schon fast olivgrün. Ich kann mir nicht vorstellen, dass diese Farbe die Ausgangsfarbe dieses Tees ist, vielmehr spiegelt sie mein sträfliches Versäumnis wider. Die Farbe hat sich wohl leider negativ verändert. Es ist nur sehr wenig Blattbruch dabei und der Tee besteht aus sehr langen Nadeln – das ist ein Erkennungsmerkmal eines guten handgerollten Tees.

Das Aroma

Der Duft der trockenen Blätter ist aber nach wie vor intensiv. Es ist ein schwerer Duft, der aus einer feinen Balance von frischen Maracujas, Seealgen und Röstnoten besteht. In der aufgewärmten Shiboridashi von Andrzej Bero wird das Aroma maritimer. Jod und Salz dominieren.

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Vielen Dank an dieser Stelle an Paul für die schönen Holzutensilien

Zubereitung

Zubereitet wird der Sencha nach Gefühl. Die Menge reicht gerade mal für einen Versuch aus. Daher lasse ich die geschätzten 4 g ca. eine Minute ziehen, beim zweiten Durchgang gieße ich sofort ab. Der dritte Aufguss darf wieder etwas länger ziehen.

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Die Geschmackspalette

Da ich das Wasser gut abgekühlt habe, zeigt sich zuerst ein lieblicher sowie schwerer Geschmack, mit Anklängen von Umami, aber nicht zu aufdringlich. Neben blanchierten Mandeln findet sich auch das Maritime in Form von Salz und gerösteter Alge wieder.

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Dann, beim zweiten Aufguss, wird der Sencha viel würziger und kräftiger. Anstelle der Mandel und Umami machen die Röstnoten auf sich aufmerksam. Es schießen sofort Assoziationen mit Nori-Algen und Röstkastanien in den Kopf.

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Der dritte und letzte Aufguss ist eigentlich wie der erste nur etwas schwächer. Die nassen Blätter riechen schön süßlich und erinnern an frisch produzierten Tee zur Shincha-Zeit.

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Fazit

Ich bin ein Fan von diesen Wettkampftees. Sie sind wegen ihrer Preisklasse ohnehin nichts für jeden Tag, aber von Zeit zu Zeit gönne ich mir diesen Geschmack sehr gerne. Es ist wie wenn man sich einen Cognac der Klasse XO gönnt. Nichts für jeden Tag, aber man versteht danach viel besser, was in dieser Geschmackswelt eigentlich möglich ist. Daher bedanke ich mich bei Seika für diesen schönen Sencha und verneige mich vor der Handwerkskunst Shimoda Mitsukos.

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Mein Treffen mit Andrzej Bero

Andrzej Bero (geb. 1969) ist ein polnischer Keramikkünstler aus Warschau, der sich auf Teekeramik spezialisiert hat. Diese erfreut sich wachsender internationaler Beliebtheit und ich hatte das Vergnügen, Andrzej dieses Jahr endlich begegnen zu dürfen.

Ein Urlaub in Polen

Es fing damit an, dass unser Urlaub im August in Polen stattfinden sollte. Frau P. und ich waren mit dem japanischen Teil der Familie in den Masuren. Ein Ferienhaus direkt am See, so erholt man sich vom Großstadtleben. Die traditionelle polnische Küche ließ nostalgische Gefühle aufkommen, aber ich schweife ab.

Als ich mit der Urlaubsplanung begonnen habe, kam mir natürlich gleich in den Sinn, dass sich ein Abstecher nach Warschau, gerade mal 200km von meinem Urlaubsort entfernt, anbieten würde. Das ist ja nur ein Tagesausflug, dachte sich ein Pole, der in Deutschland aufgewachsen ist.

Polen ist infrastrukturell noch immer ein Entwicklungsland

Als ich jedoch am Tag davor die möglichen Routen im Navi sondierte, wusste ich, dass ich an diesem Tag mehr Zeit im Auto verbringen würde als mit Andrzej. In Polen sind zweispurige Landstraßen die Regel und Autobahnen die Ausnahme. Im Vergleich zu den restlichen EU-Ländern ist mein Herkunftsland in dieser Hinsicht noch immer ein Entwicklungsland. Für 200km brauchte ich satte vier Stunden. Wie gut wir es doch in Deutschland haben, dachte ich mir auf der Fahrt immer wieder.

Das Treffen mit Andrzej Bero

Andrzej Bero wohnt mit seiner Familie in einem Einfamilienhaus im Speckgürtel von Warschau. Er ist wie die meisten Polen ein Familienmensch.

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Bevor Andrzej seinen Weg zur Keramik fand, musste er einen Umweg gehen. Er fing zunächst an, Kulturwissenschaft zu studieren, bevor er merkte, dass die bloße Theorie ihn nicht erfüllte und er sich vom schaffenden Handwerk, dem Praktischen, viel mehr angezogen fühlte. Er ging dann in Radom in Ausbildung und lernte schon damals verschiedene Brenntechniken (z.B. Raku) kennen. Zur Ausbildung gehörte natürlich auch das Töpfern mit Töpferscheibe.

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Danach trat er der Künstlergruppe Keramos bei, in der er 10 Jahre aktiv gewesen ist. Diese Gruppe existiert noch heute und bietet jungen Künstlern eine erste Plattform.

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Wie Andrzej zur Teekeramik kam

Zwar gehört Teekeramik zum Repertoire vieler Keramiker in Europa, aber die meisten konzentrieren sich dabei natürlich auf die hier gebräuchlichen Formen. Dabei kommen große Kannen und Tassen mit Henkel heraus. Mit dieser Teekeramik hat daher auch Andrzej seine Erfahrungen gemacht, denn in den 1990er Jahren gab es noch keine gute Teeauswahl in Polen. Man trank damals noch häufig Schwarztee, wobei zuerst ein Konzentrat aufgebrüht und dieses bei Bedarf verdünnt wurde. Das Konzept kennt man auch vom Samowar.

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Ôkakura Kakuzos Buch vom Tee

Ein Schlüsselerlebnis war „Das Buch vom Tee“ von Ôkakura Kakuzo, das zwar strittig ist, aber dennoch vielen Menschen in Europa eine Idee von der Japanischen Teekultur vermittelte und immer noch vermittelt. Für Andrzejs Ausrichtung war dieses Buch vor sieben Jahren entscheidend, denn heute kennt man ihn vor allem wegen seiner schönen, asiatisch geprägten Teekeramik.

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Aus der Perspektive eines europäischen Keramikers ist die asiatische Teekultur voll von Inspiration. Neue Techniken und Formen bieten so viele Möglichkeiten. Umso schöner ist es, zu sehen, dass seine Bemühungen auch vom „Fernen Osten“ honoriert werden. Zuletzt hat er bei einem taiwanesischen Ausstellungswettbewerb Gold mit einer seiner Kannen gewonnen.

Andrzej Beros Keramik

Andrzej brennt im Schnitt alle sechs Wochen in einem Elektroofen. Trotz einiger Überraschungsmomente macht es seine Keramiken für ihn einigermaßen vorhersehbar. Seiner Vorstellung von Teekeramik zufolge, sollen die Utensilien dem Tee nicht die Show stehlen. Daher sind seine Keramiken relativ schlicht. Ihm ist wichtig, dass sie funktional sind – damit ist gemeint, dass eine Kanne beispielsweise gut gießen soll. Die meisten seiner Keramiken sind innen glasiert, damit der Ton den Geschmack des Tees nicht verfälscht.

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Ich habe die Zeit bei ihm sehr genossen. Wir hatten leider nur ein paar Stunden Zeit, ehe ich wieder zurück in unseren Urlaubsort musste, aber es hat sich auf jeden Fall gelohnt. Ich hoffe, dass wir beim nächsten Mal etwas mehr Zeit haben, um Tee miteinander zu trinken. Sein 1970er Pu Er war jedenfalls ausgesprochen lecker. Das sage ich als Pu Er-Zweifler.

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Wenn du neugierig auf Andrzej Beros Keramiken geworden bist, freue ich mich, wenn du dich im Shop danach umsiehst.

Eine neue Heimat

Seit meinem achten Lebensjahr wohnte ich fast ununterbrochen in Hamburg. Hier ging ich in den Kindergarten, wurde eingeschult, machte meinen Führerschein, absolvierte ein Freiwilliges Soziales Jahr und studierte Japanologie. In Hamburg lernte ich meine Frau kennen und heiratete sie.

Doch obwohl Hamburg gemessen an der Wohnzeit die Stadt ist, in der ich am längsten gelebt habe, wurde ich hier nie richtig heimisch. Die Stadt ist super, keine Frage, aber für jemanden, der auf menschliche Vertrautheit und Ruhe großen Wert legt, ist Hamburg nicht zwingend die richtige Stadt.

In Hamburg arbeitete ich drei Jahre für Aiya Europe und bekam somit die Gelegenheit tief in das Thema Matcha und Japan-Tee einzutauchen.  Auch dies war eine schöne Zeit, an der ich dich an der einen oder anderen Stelle teilhaben ließ.

Ein neuer Teeweg

Diesen Monat habe ich einen neuen (Tee-)Weg eingeschlagen. Ich habe in Rheinbach ein neues und ruhiges Zuhause gefunden. Von hier aus fahre ich in nur zehn Minuten zu meinem neuen Arbeitgeber TeeGschwendner. Es ist das Unternehmen, welches mich schon bei meinem ersten Besuch vor drei Jahren begeistert hat.

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Und wenn ich mir den Verlauf meines Teewegs so anschaue, dann stelle ich fest: der liebe Gott meint es gut mit mir.  Es ist immer ein großes Privileg, die eigene Leidenschaft mit dem Beruf zu verbinden und ich freue mich, dass ich sie mit einem so großen Sortiment ausleben kann.

Was sich ändert

Doch natürlich bringt so eine Veränderung auch Folgen für den Blog mit sich. Wie du vielleicht bemerkt hast, sind Tasting Notes ohnehin rarer geworden. Ich denke, es ist verständlich, dass ich fortan auf Artikel verzichte, die Tees von Mitbewerbern behandeln. Aber ich möchte gerne weiterhin Skurilitäten der Teewelt und die ein oder andere Perle aus dem TeeGschwendner-Sortiment vorstellen, ganz einfach, weil es mir Freude bereitet, meiner Leidenschaft Ausdruck zu verleihen.

Was sich nicht ändert

Teekeramik wird weiterhin einen großen Teil dieses Blogs einnehmen. Es sind für die Zukunft auch viele weitere Besuche geplant, die neuen Stoff für Artikel ergeben werden. Natürlich wird in diesem Zusammenhang auch der Shop weitergeführt, dessen Schwerpunkt japanische Teekeramik bleibt. Ich hoffe, du bleibst mir auch in Zukunft wohlgesonnen.

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Bizen-Keramik des Ofens Gorobê

Bizen-Keramik (Bizen-yaki) gehört zu den Alten Öfen Japans und zeichnet sich durch seine unglasierten Keramiken aus (yakishime). Die Tonkörper werden durch Feuer und Asche im Inneren des Holzbrandofens gestaltet. Über das traditionelle Bizen-yaki, welches seit dem 11. Jahrhundert gebrannt wird, habe ich hier einen Artikel verfasst. Nun geht es weiter mit dem Ofen Gorobê, der sich auf das traditionelle Bizen konzentriert.

Der Ofen Gorobê

Dieser Ofen ist ein vergleichsweise junger Ofen, der in dritter Generation von Buyô Tsutomu geführt wird und sechs Mitarbeiter beschäftigt. Das Familienunternehmen arbeitete zuvor ebenfalls unter dem Namen Gorobê und stellte in der Meiji-Zeit noch Reiswein her, bevor es sich der Keramikproduktion widmete. Sein Großvater gab die Philosophie vor, in dem er anordnete, dass die hergestellten Gebrauchsgegenstände durabel sein sollen.

Buyô Tsutomu wollte ursprünglich Zimmermann werden, weil er gerne mit seinen Händen arbeitet und Dinge herstellt. Was er am meisten an seiner Arbeit mag, ist der Tag, an dem der Brand vollendet ist und die Begutachtung beginnt.

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In Japan wird zwischen freien Künstlern und den offiziellen Ofenverbänden unterschieden. Der Ofen Gorobê gehört zu den offiziellen Verbänden und verschreibt sich der Tradition Bizens.

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Gefeuert wird in einem noborigama, der schon 230 Brände hinter sich hat. Pro Jahr wird drei bis vier mal gefeuert, von den Früchten müssen alle Beteiligten leben.

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Jeder Ofen hat seine spezielle Tonmischung, so auch dieser. Wie für Bizen üblich, werden regionale Tonsorten miteinander vermischt, um den eigenen Anforderungen zu genügen. Bei Gorobê enthält der Ton 3% Eisen, was sich auch positiv auf den Geschmack des Tees ausüben soll.

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Der Brand

Als Brennmaterial dient die Japanische Rotkiefer (akamatsu). Ihre Asche ist für die gelbliche Glasur verantwortlich, die sich als Ascheanflugglasur während des zweiundzwanzigtägigen Brandes auf einige Objekte legt. Durch die Luken kann die Temperatur im Inneren homogenisiert werden. Die Höchsttemperatur beträgt 1250°C.

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Die Gefäße schrumpfen während des Brennvorgangs um 18,5%, normalerweise üblich seien wohl 20%.  Der Ofen verfügt über vier Kammern, die Ascheanflugglasur kommt aber vor allem in der ersten Kammer vor.

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Über die seitlichen Luken wird während des Brandes Kohle in die Zwischenräume der Gefäße platziert. Dadurch entsteht das begehrte „sangiri„-Dekor.

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Die Utensilien

Die Bandbreite des Ofens ist sehr groß, denn Bizen-yaki fand seinen Weg in viele Haushalte Japans. Das liegt vor allem daran, dass in ärmeren Zeiten Bizen-Keramik für seine Beständigkeit bekannt war. Früher kaufte man Stücke, um sie noch der nächsten Generation zu vererben. So ist es auch zu erklären, dass neben vielen praktischen Geräten für den Haushalt und die Japanische Küche auch Teeutensilien gefertigt werden.

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Für Teekeramik.com konzentriere ich mich auf Gebrauchsutensilien wie kleine und große Teebecher (yunomi) mit sangiri-Dekor. Doch auch Teezubereitungsutensilien wie Kyûsu und Hôhin sind ab und an zu finden. Ein paar Beispiele folgen weiter unten.

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Echizen-Keramik der Eheleute Kondô

Echizen-Keramik gehört zu den „Sechs Alten Öfen“ Japans. Das Zentrum liegt in der heutigen Präfektur Fukui, nördlich von Kyôto. Nachweislich wurde bereits ab dem 5. Jahrhundert Sueki-Keramik gebrannt. Ab dem 12. Jahrhunderts begann man mittels anagama hochgebranntes Steinzeug zu fertigen, das eine natürliche Ascheanflugglasur trug. Bis heute sind Holzbrandöfen für Echizen-yaki üblich, entsprechend natürlich fallen die Keramiken aus.

Traditionell wurden Töpfe und Fallen für Kraken hergestellt. Heute ist man dank der zahlreichen Betriebe viel breiter aufgestellt. Von einigen Keramikern werden auch Essgeschirr und Teeutensilien gefertigt. Zu diesen gehört das Ehepaar Kondô.

Ihr Weg zur Keramik

Nobuyasu Kondô  (46) fing bereits im Alter von 18 Jahren an, sich der japanischen Teekeramik zu widmen. Dies hat er seinem Freund und erstem Meister zu verdanken, der in Nagano Keramik nach dem Vorbild von Echizen-Keramik feuerte.

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Dies hat ihm dann so gut gefallen, dass er unter ihm lernte und sich eines Tages dazu entschloss, einen eigenen Ofen zu gründen. Um aber möglichst authentische Echizen-Keramik zu brennen, zog er zu diesem Zweck in die Präfektur Fukui, dem Herkunftsort, in dem seit dem 12. Jahrhundert ununterbrochen die Flammen der Echizen-Öfen lodern.

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Seine Frau Sanae Kondô geht diesen Weg entschlossen mit. Für beide war dies eine Art Neuanfang, diese Symbolik ist in der Bedeutung des Hôgetsu-Ofens (萌蘖窯) versteckt, denn das erste Schriftzeichen bedeutet „Knospe“, getsu beutet hingegen „junger Trieb“.

Der Ofen

Gebrannt wird in einem Holzbrandofen. Ein Brand dauert ganze 4 Tage und muss für einzelne Stücke wiederholt werden, wenn die Glasuren nicht wie gewollt ausfallen.

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Als Brennmaterial wird typischerweise Japanische Eiche und Kastanien-Eiche verwendet. Diese kommen häufig in der Region vor und verleihen Echizen-yaki die typische Ascheanflugglasur.

Die Produktpalette

Sanae Kondô stellt neben Vasen für Ikebana auch Teebecher her. Ihr Mann konzentriert sich auf Töpfe und filigrane Arbeiten wie beispielsweise Teekannen.

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Beide bilden die Objekte im Freihandaufbau. Das kostet Zeit, verleiht aber jedem Stück einen besonderen und rustikalen Charme.

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Die Glasur

Typisch für die Werke der Kondôs ist ein dunkler und rötlicher Scherben. Darauf legt sich eine helle Ascheschicht, die sich mit dem Tonkörper verbindet.

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Dabei entstehen auch fließende Übergänge, die eine individuelle Landschaft (keshiki) hinterlassen. Diesen ganz eigenen Glasureffekt nennen die Kondôs wegen der Ähnlichkeit auch Akebi (jap. für Fingerblättrige Akebie).

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Ihre Lebensweise

Die Kondôs sind sehr bescheidene Menschen, die zurückgezogen am Rande der Stadt Sabae leben. Dort am Fuße des Waldes haben sie ein altes Holzhaus bezogen, das zurück in die Meiji-Zeit reicht. Ein kleiner Bach läuft am Haus vorbei, in dem kleine Krebse leben.

Der tägliche Arbeitsplatz
Der tägliche Arbeitsplatz

Es ist eine einfache, aber glückliche Lebensweise. Es hat mich jedenfalls inspiriert, sie kennengelernt zu haben und ich freue mich schon auf den nächsten Besuch!

Sanae (rechts) & Nobuyasu (links) Kondô
Sanae & Nobuyasu Kondô

Wenn du dich für die Keramik der Kondôs interessierst, dann freue ich mich, wenn du dich im Shop danach umsiehst. Ich werde in den nächsten Tagen einige Utensilien online stellen.

Oribe-yaki von Ryûji Hodaka

Oribe-Keramik von Ryûji Hodaka

Ryûji Hodaka ist ein japanischer Keramiker, der sich auf Oribe-Keramik spezialisiert. Oribe-Keramik ist benannt nach dem Teemeister Furuta Oribe, der in der Momoyama-Zeit (1573-1615) aktiv und für seinen ausgefallenen Geschmack bekannt war. Mehr über Oribe-Keramik erfährst du hier.

Der Keramiker

Ryûji Hodaka kam als Kaiseki-Koch mit japanischer Keramik in Berührung. Kaiseki ist ursprünglich ein leichtes Gericht, welches seit dem 16. Jahrhundert während einer ausgiebigen Teezeremonie gereicht wird. Heutzutage versteht man darunter in erster Linie ein Menu aus vielen kleinen Speisen, die alle in mehreren Gängen in kleinen Schälchen oder Tellerchen aus Keramik oder Porzellan gereicht werden. In der Regel handelt es sich um saisonale Spezialitäten. Der Bezug zur Jahreszeit wird auch durch die Auswahl der Keramiken unterstrichen, daher gibt es eine große Artenvielfalt.

Ryûji Hodaka, Penny Simpson, Lukas Parobij
Ryûji Hodaka, Penny Simpson, Lukas Parobij

Ryûji Hodaka hat 16 Jahre als Kaiseki-Koch gearbeitet, entsprechend groß ist seine Kenntnis über japanische Keramik. Der Höhepunkt seiner Kochkarriere war seine zweijährige Arbeit im japanischen Konsulat in Spanien, wo er unter anderem für den spanischen Prinzen gekocht hat. Seiner neuen Leidenschaft widmet er sich seit fünf Jahren.

Wie Ryûji Hodaka zu Oribe-Keramik kam

Als Kaiseki-Koch muss man sich mit japanischer Keramik auskennen, um eventuelle Fragen der Kunden beantworten zu können. Dadurch hat er sich viel mit der Tradition und Geschichte auseinandergesetzt. Von allen Stilen gefiel ihm Oribe-Keramik am meisten, da sie am kreativsten und abwechslungsreichsten ausfällt. Dadurch genießt man als freier Künstler eine große Freiheit in der Gestaltung und muss sich nicht so eng an Traditionen klammern. Ryûjis individuelle Interpretation ist unverkennbar. Man erkennt zwar die Wurzeln und den Bezug zur Oribe-Keramik, dennoch überwiegt seine persönliche Handschrift.

Oribe-yaki von Hodaka Ryûji
Oribe-yaki von Hodaka Ryûji

Die Entstehung seiner Matchaschalen

Ryûji hat sich zum Ziel gemacht, jeden Tag eine Matchaschale zu fertigen. Dies geschieht so wie bei Raku per Freihandaufbau. Doch an einem Tag schafft er nur den Rohschliff, seine aufwendigen Chawan benötigen insgesamt vier Tage, bis sie gebrannt werden können. Dazu gehört das Aushobeln (innen) und Abschlagen (außen), wobei verschiedene Hilfsmittel zum Einsatz kommen. Dadurch bekommen seine Matchaschalen ihren kantigen und unverwechselbaren Charakter.

Modernes ao-Oribe von Ryuji Hodaka
Modernes ao-Oribe von Ryûji Hodaka

Der Brand

Der Rohbrand findet im selbstentwickelten Ofen bei 800°C statt. Erst nach dem Rohbrand wird die Glasur aufgetragen und bei 1250°C werden dann alle Keramiken 16 Stunden gebrannt. Der Ofen wird übrigens mit Lampenöl befeuert.

Oribe-yaki von Ryûji Hodaka
Oribe-yaki von Ryûji Hodaka

Künstlergruppe

Ryûji Hodaka engagiert sich in einer Künstlergruppe, die an dem Manga Hyôge Mono mitwirkt. Der Name geht auf einen Eintrag in einem Teeprotokoll zurück, in dem Furuta Oribe eine verkrümmte Teeschale als hyôge-mono (lustiges Ding) bezeichnete. Unter diesem Namen werden verschiedene Events abgehalten, bei denen auch Keramiken der Künstlergruppe ausgestellt werden.

Ryûji Hodaka
Ryûji Hodaka

Verfügbarkeit

Die Chawan von Ryûji Hodaka sind sehr kostbar und rar. Umso mehr freue ich mich, diese in begrenzten Stückzahlen im Shop anbieten zu können. Wenn du dich für die Chawan interessierst, freue ich mich auf deinen Besuch.

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Neues aus Japan!

Am Mittwoch bin ich aus Japan zurückgekommen. Im Gepäck war auch ein bisschen Zubehör und zum Glück ist alles heil geblieben. Drei Wochen war ich vor Ort unterwegs, davon zwei beruflich in der Präfektur Aichi und Kagoshima und eine weitere privat für Teekeramik.com.

Zusammenfassung der ersten zwei Wochen

Einer der Hauptgründe meiner Geschäftsreise war die Betreuung von Kunden vor Ort. Der Matcha-Boom in Europa löst auch mehr Wissbegierde aus und viele Menschen möchten den Anbau und die Verarbeitung live vor Ort erleben. Ganz nebenbei ist Japan (meiner Meinung nach) auch aus touristischer Sicht eines der attraktivsten Länder dieser Erde. Und dieser Umstand mag ebenfalls dazu beigetragen haben, dass der Ansturm seitens der Kunden sehr hoch ausfiel. Für mich ist dies immer eine gute Gelegenheit, die eigene Japan-Leidenschaft weiterzugeben.

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In Japan war es bereits sehr warm, manchmal sogar ziemlich heiß. In Nishio, der Heimat von Aiya, kann man an so ziemlich jeder Ecke irgendetwas mit Matcha verkosten. Was mich aber am meisten überzeugt hat, war letztlich Matcha mit kaltem Wasser aufgeschlagen. Gerade wenn man wegen der Hitze keine Lust auf etwas Heißes hat, dann kommt einem ein kühler Matcha doch schon sehr entgegen.

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Ein weiteres Highlight war ein Eis, welches wir in der Aiya-Zentrale probieren durften. Dieses Eis wurde mit  s e h r   v i e l  Bio Matcha Ten hergestellt, das ist die höchste Qualität, die es bei „Aiya – THE TEA“ zu kaufen gibt (sorry für die Schleichwerbung). Normalerweise empfehlen wir diese Qualität ja nur für den puren Genuss, aber ein Eis, das extrem hoch mit diesem Matcha versetzt ist, schmeckt einfach unglaublich gut. Ich bin kein Fan von Süßigkeiten, aber da dieses Eis nur eine dezente Süße hatte, war es (nicht nur) für mich einfach perfekt.

Ein weiteres Learning war, dass konventioneller Matcha dann doch anders schmeckt. Ich muss gestehen, dass mir dieser sogar lieber ist. Natürlich denke ich dabei auch ein bisschen an die Pestizide. Gegen dieses böse Kopfkino hilft es dann aber, wenn man sich bewusst macht, dass man Matcha generell in nur kleinen Mengen verzehrt. Dann kann man ja mal eine Ausnahme machen.

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In Kagoshima habe ich drei unserer Teebauern getroffen. Sehr nette und einfache Menschen, die viel Wert auf Familie legen. Mir als gebürtigem Polen ist das sehr sympathisch, denn ich sehe da viele Parallelen, die ich in der modernen Gesellschaft vermisse. An einem Abend war ich mit ihnen Karaoke singen und es war ein sehr langer und lustiger Abend. Am nächsten Morgen habe ich dann festgestellt, dass ich mir irgendwo in den Teefeldern Kagoshimas eine Zecke eingefangen habe. Ich war natürlich verunsichert, denn in Deutschland macht man ja immer so eine große Panik darum, dass sie auch schnell entfernt werden müssen – du kennst das ja. Mein Kollege war da tiefenentspannt. Seiner Meinung nach bringe es nichts zum Arzt zu gehen, die schickten einen damit wieder weg. Super, dachte ich mir. Letztlich habe ich die Zecke selbst entfernt (sie hatte sich noch nicht festgesaugt). In Japan scheinen Zecken nicht oder nur äußerst selten FSME und Borreliose zu übertragen.

Eine Woche quer durchs Land

Von Kagoshima ging es über Kobe nach Fukui. Dort traf ich zunächst das Ehepaar Kondo, von denen ich künftig Teekeramik beziehen werde. Sie leben in einem bescheidenen aber alten Haus, welches bereits seit der Meiji-Zeit am Fuße eines Berges steht. Dort haben sie sich niedergelassen und brennen in einem selbst gebauten Ofen ihre überaus reizvolle Keramik, die eine natürliche Ascheglasur trägt. Wir unterhielten uns über fünf Stunden über Gott und die Welt, es folgt noch ein Blog über diese Begegnung, denn es würde an dieser Stelle den Rahmen sprengen.

Die Eheleute Kondo
Die Eheleute Kondo

In Tokyo traf ich den Keramiker Hodaka Ryûji, der die unverwechselbaren Oribe-Matchaschalen herstellt. Zunächst trafen wir uns im Oribe Café im Szeneviertel Shimo-Kitazawa, wo auch einige seiner Werke ausgestellt sind. Bei dieser Gelegenheit erwarb ich zwei seiner Matchaschalen, von denen eine im Shop landet (siehe Foto). Um mir einen besseren Überblick zu verschaffen, was er noch alles anbietet, sind wir noch in ein Kaufhaus in Shinjuku gegangen.

Oribe-yaki von Hodaka Ryûji
Oribe-yaki von Hodaka Ryûji

Dort angekommen sah ich mir bei dieser Gelegenheit auch Stücke anderer Künstler an. Dann wurde ich plötzlich von einer Dame auf Englisch angesprochen. Ich mag das eigentlich nicht, wenn man mich unaufgefordert anspricht und mir etwas zu den Stücken erzählt. Ich fühle mich dann immer einem gewissen Kaufdruck ausgesetzt, also blieb ich reserviert zurückhaltend. Ich erfuhr von der Dame, dass auch sie selbst etwas ausstelle, was ich mir im Anschluss dann auch ansah. Ihre Werke wirkten ein bisschen wie eine Mischung aus Oribe-yaki, Geschirr aus der Toskana und England.

Als Hodaka Ryûji sich zu mir gesellte, erzählte ich ihm von der englischen Dame. Sie bekam mit, dass wir uns auf Japanisch unterhielten und klinkte sich zu meiner großen Überraschung auf Japanisch ein. Doch das wurde noch übertroffen. Es stellte sich nämlich heraus, dass es sich bei dieser Person um Penny Simpson handelt, der Autorin des „Japanese Potter Handbook“, welches ich in der Uni gelesen habe. Wir unterhielten uns dann noch etwas weiter und machten sogar noch ein Foto zusammen.

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Hodaka Ryûji, Penny Simpson, Lukas Parobij

Die letzte Station war dann Bizen, genauer gesagt die Stadt Kagato. Dort traf ich Herrn Buyô, der einen noborigama mit vier Kammern führt. Der Ofen wurde am Montag gerade beladen, sie sind erst heute damit fertig geworden. Ich wählte dort zahlreiche schöne Stücke für den Shop aus, die brauchen aber noch ein bisschen, bis sie in Deutschland ankommen.

Das Beladen des noborigama
Das Beladen des noborigama

Einige Matchaschalen und Tassen sind bereits im Shop zu finden. Wenn du dich dafür interessierst, freue ich mich, wenn du dich im Shop umsiehst.

Die Zeit ging natürlich viel zu schnell vorbei, aber ich freue mich schon auf den nächsten Besuch und die vielen netten Menschen und Freunde.

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Ab nach Japan!

Mir rast die Zeit davon. In etwa einer Woche geht es wieder nach Japan und es gibt noch so viel zu tun. Aber das sind Luxusprobleme, denn ich empfinde es immer noch als großes Privileg meines Berufs, regelmäßig nach Japan fliegen zu können. Wobei sich das nicht nur auf meinen Hauptberuf bezieht, auch für Teekeramik.com werde ich quer durchs Land fahren, um neue Stücke zu finden. Doch das ist nicht alles.

Die Saat geht auf

Den Samen habe ich bereits letztes Jahr gepflanzt. Ich war im November 2015 viel unterwegs und habe Kontakte zu einigen Keramikern hergestellt. Diese werde ich dieses Jahr besuchen und mit Ihnen eine Zusammenarbeit aufbauen. Die Früchte dieser Bemühungen wirst du hoffentlich Mitte Juni im Shop finden.

Traditionelles Bizen-yaki

Was wird es also Neues geben? Zum einen habe ich einen talentierten Keramiker aus Bizen kennengelernt, der neben Bechern auch Teeschalen und Kannen herstellt. Ihm werde ich einen Besuch abstatten und sogleich ein paar hübsche Utensilien mitbringen.
Bizen-yaki
Bizen-yaki

Modernes Oribe-yaki

In Tokyo geht es moderner zu. Dort treffe ich Ryuji Hodaka, der wunderschöne und aufwendige Chawan im modernen Oribe-Stil kreiert. Pro Tag schafft er nur eine Teeschale, wenn man die aufwendige Gestaltung beachtet, weiß man auch warum.
Modernes ao-Oribe von Ryuji Hodaka
Modernes ao-Oribe von Ryuji Hodaka

Back to the roots: Echizen-yaki

In Fukui, meiner studentischen Heimat hat meine Leidenschaft angefangen. Daher bin ich besonders froh ein Ehepaar zu treffen, von dem ich schon 2009 meine ersten Stücke überhaupt gekauft habe – damals noch in einem unabhängigen Keramikgeschäft. Zum Glück habe ich schon damals eine Karte zu den Stücken mitbekommen, so konnte ich letztes Jahr einen Kontakt herstellen. Dieses Jahr werde ich sie treffen und bei dieser Gelegenheit einen Töpfermarkt besuchen. Vielleicht ergeben sich noch weitere Kontakte und im Shop siehst du dann, was ich noch gefunden habe.
Echizen-yaki
Echizen-yaki
Meine liebe Frau wird sich übrigens um den Shop kümmern, während ich weg bin. Falls du also etwas bestellen möchtest, wirst du nicht darauf warten müssen, bis ich wieder zurück bin.
Wenn du nach einem bestimmten  Stück suchst und möchtest, dass ich mich in Japan danach umschaue, dann kannst du mich gerne kontaktieren. Die Kontaktdresse ist im Impressum.
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Warum eigentlich Teekeramik?

Wenn ich mit Menschen aus meinem Umfeld über das spreche, was ich beruflich mache, dann werde ich nicht selten als Exot wahrgenommen. Japanischer Grüntee bzw. Matcha ist  und bleibt wohl bis auf Weiteres eine erklärungsbedürftige Randerscheinung, auch wenn die Zahl der Liebhaber zu steigen scheint. Dennoch ist Tee ein Produkt, mit dem jeder etwas anfangen kann, denn Anknüpfungspunkte gibt es für jeden Menschen. Daher bringt man mir ein gewisses Verständnis für meine Tätigkeit entgegen.

Wenn ich dann aber von meiner privaten Liebhaberei erzähle, dass ich Teekeramik sammle und verkaufe, dann muss ich sehr weit ausholen. Es scheint, in unserer Gesellschaft wenig Vergleichbares zu geben. Darüber hinaus fällt es vielen schwer, zu begreifen, wozu man diese Teekeramik überhaupt benötigt. Da ich immer wieder zu denselben Erklärungen greife, habe ich mich dazu entschlossen, diese hier mit dir zu teilen.

Sie sind von einem Menschen für uns gemacht

In der heutigen Zeit sind wir häufig umgeben von industrieller Massenware. Und das meine ich gar nicht so negativ, wie es klingen mag, denn die industrielle Herstellung hat nunmal den Vorteil, dass wir uns alle Dinge leisten können, die wir zum Leben benötigen. Gerade aus diesem Grund stechen die Dinge heraus, die noch von Menschen per Hand hergestellt werden. Sie sind keine „seelenlosen Objekte“, die man schon morgen bei Bedarf nachkaufen kann, wenn etwas zu Bruch geht. Jedes Stück wurde von den Händen eines Töpfers geformt, manchmal sogar sehr zeitaufwendig. Ich finde den Gedanken sehr schön, dass sich irgendwo irgendwann ein Mensch die Zeit genommen hat, für mich oder für dich ein Utensil herzustellen. Diese persönliche Bindung schätzt übrigens der Keramiker ebenso sehr wie wir. Ist es nicht schön, dass wir in dieser Zeit Menschen darin fördern können, sich einem Handwerk bzw. einer Handwerkskunst zu widmen?

Es sind Unikate

Der Ofenbrand mag unter sich ähnelnden Bedingungen durchgeführt werden, die Formen können auf den ersten Blick gleich aussehen und dennoch fällt jedes Objekt individuell aus. Einige bleiben während des Brandes sogar auf der Strecke und landen auf dem Keramikfriedhof des Töpfers. Was in unsere Hände fällt, hat die natürliche Auslese überstanden und ist einzigartig. Jedes Stück gibt es nur ein einziges Mal. Selbst wenn der Töpfer ein identisches schaffen wollte, es wird anders sein.

Teekeramik ist für den Gebrauch bestimmt

Obwohl einige Utensilien wie kleine Kunstwerke aussehen, sollten sie nicht wie solche in einer Glasvitrine versteckt werden. In Japan betont man, dass die Schönheit einer Teeschale erst durch ihren Gebrauch zum Vorschein kommt. So ist es auch zu erklären, dass einige Museen Japans an bestimmten Tagen Teezeremonien abhalten, bei denen historische Stücke zum Einsatz kommen. Jedes Stück verhält sich beim Gebrauch anders. Haptik, Trinkgefühl, Praktikabilität, Farbeffekte, die sich im Zusammenspiel mit dem Tee ergeben – alle diese Punkte kommen erst zur Geltung, wenn man ein Utensil auch wirklich benutzt.

Sie unterstreicht die Besonderheit eines Tees

Es liegt in der Natur der Sache, dass wir Menschen besondere Anlässe mit besonderen Gaben feiern. Sei es der Sekt zum Geburtstag, das Bier nach Feierabend oder die Gans zu Weihnachten – wir lieben es, Festlichkeiten angemessen zu würdigen. Dabei lassen wir es uns auch nicht nehmen, für das passende „Drumherum“ zu sorgen. Es dürfen dann auch das gute Geschirr oder die passenden Gläser sein, um die Besonderheit eines Moments zu unterstreichen. So ähnlich ist es doch auch mit Tee. Wenn ich mir einen guten Tee leiste, den ich mir für einen besonderen Moment oder eine Auszeit gönne, dann schaffe ich mir durch das passende „Drumherum“ das richtige Ambiente. Das mag Kerzenschein, schöne Musik, aber ebenso ein schönes Trinkgefäß oder eine Kanne sein. All diese Dinge helfen uns, uns auf einen Moment zu fokussieren und ihn in allen Facetten zu erleben (mehr dazu findest du hier).

Geschichte und Traditionen

Egal ob wir uns europäische oder ausländische Teekeramik angucken, fast alle heutigen Keramiken gehen auf bestimmte Stile zurück, die bereits Jahrhunderte alt sein können. Während einige Weiterentwicklungen sind und sozusagen als „entfernte Verwandte“ bezeichnet werden könnten, orientieren sich andere stärker an historischen Vorbildern. Dies macht Teekeramik zu einem breiten Feld, in dem man sich über fremde Kulturen und Bräuche weiterbilden kann. Dabei lässt sich nicht nur immer wieder Erstaunliches entdecken und lernen, man bekommt auch ein Gefühl dafür, dass sich schon Menschen vor hunderten von Jahren mit ähnlichen Dingen wie wir beschäftigt haben. Dadurch bekommen bestimmte Stile einen zeitlosen Charakter.

 

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Sechs Merkmale, die für mich einen erstklassigen Sencha ausmachen

Heute möchte ich sechs Merkmale nennen, die für mich einen guten Sencha ausmachen. Ich liebe Sencha. Das war aber nicht immer so. Als ich anfing, Tee zu trinken, habe ich mich im preiswerten Einstiegssortiment (<10 EUR/100g) durch die gängigen Sorten getrunken. Und gerade um Japan-Tee habe ich früh einen Bogen gemacht und hielt Genmaicha (Sencha mit geröstetem Reis) für die einzig trinkbare japanische Sorte. Es änderte sich alles in Japan, denn dort begann ich hochwertigen Sencha zu trinken. Und dieser spielt geschmacklich in einer anderen Liga. Wenn du günstigen Sencha magst – herzlichen Glückwunsch! Glücklich ist der, der zufrieden mit einfachen Qualitäten ist. Für alle anderen sind die folgenden Tipps hoffentlich eine Hilfe, denn zum Glück kriegt man guten Sencha auch in Europa.

Qualität hat ihren Preis

Ich kenne die „Schnäppchenjägermentalität“ nur zu gut. Du denkst, dass du einen erstklassigen Tee zum Schleuderpreis irgendwo finden kannst? Das dachte ich auch. Manchmal findet man wirklich akzeptable Tees für wenig Geld. Wobei „wenig“ natürlich relativ ist. Einen erstklassigen Sencha findet man in Europa in der Regel nicht unter 10 EUR. Warum? Weil diese Qualität bereits in Japan der 10 EUR-Marke sehr nahe kommt. Und dieser Tee hält noch nicht die europäischen Grenzwerte für Pflanzenmittelrückstände ein, wurde nicht importiert, auf Radioaktivität und Pestizide analysiert, verzollt und umverpackt. Die erste Ernte erzielt immer den höchsten Preis, jede weitere verliert an Wert und an Geschmack.

Grüner wird’s nicht?

Guten Sencha erkennt man bereits an der Farbe. Je grüner das Blatt ist, desto frischer die Pflückung. Im trockenen Zustand sind die Nadeln eher dunkelgrün, nach dem Aufguss sieht man die eigentliche Farbe deutlicher. Wenn die Farbe an das frische Grün von Gras erinnert, dann ist es eine gute Qualität. Wird das Grün blasser und weicht ins Gelbliche, dann handelt es sich bereits um eine spätere Ernte.

Erste Ernte gegen späte Sommerernte
Erste Ernte gegen späte Sommerernte

Die Erntezeit ist entscheidend

Je nach Anbauregion kann in Japan bis zu fünf mal geerntet werden. Die erste Ernte beginnt in südlichen Anbauregionen bereits im April, andere Regionen in kühlen Höhenlagen fangen mit erst Anfang Juni an. Die erste Pflückung ist für alle Teebauern die lukrativste, denn für diesen Tee lassen sich die besten Preise erzielen. Diese werden von den Einkäufern natürlich nur gezahlt, weil die Qualität der Blätter besonders hoch ist. Wer also einen echten Premium Sencha kaufen möchte, sollte daher darauf achten, dass dieser im April oder Mai geerntet wurde. Der Juni ist deshalb problematisch, da dann im Süden bereits die zweite Ernte beginnt.

Jede weitere Ernte bedeutet Einbußen in Farbe und Geschmack der Blätter. Einige Bauern verzichten sogar schon auf die Schlussernte, die zu Bancha verarbeitet wird, weil sie damit gerade mal die Herstellungskosten decken können.

Teeernte in Japan
Teeernte in Japan

Das Erntejahr ist gar nicht so wichtig

Immer wieder liest und hört man, dass japanischer Tee nicht lagerfähig ist. Das stimmt auch bis zu einem gewissen Grad. Wenn man einen Tee offen in einer Dose mit viel Sauerstoff bei Normaltemperatur lagert, dann wird man bereits nach einem Jahr einen deutlichen Aromenverlust feststellen.

Heutige Unternehmen lagern den Tee häufig vakuumverpackt bei kühlen Temperaturen. Dadurch kann die Qualität der Blätter sogar mehrere Jahre stabil gehalten werden. Auf der Arbeit habe ich sogar einmal ein verschlossenes Muster eines hochwertigen Grüntees gefunden, welches 5 Jahre auf dem Buckel hatte. Obwohl bei Normaltemperatur gelagert, schmeckte der Tee noch immer sehr gut. Im direkten Vergleich zu einem frischen Tee hätte man sicherlich einen Unterschied gemerkt, aber das bedeutet noch lange nicht, dass der 5 Jahre alte Grüntee per se schlecht ist. Er entwickelt und verändert sich, aber nicht so gravierend, dass er in kürzester Zeit ungenießbar ist. Grundsätzlich würde ich einen 5 Jahre alten Tee einem aus zweiter oder dritter Ernte vorziehen, wenn er zumindest ordentlich verpackt ist.

Die Blattform hat Aussagekraft

Auch anhand der Blattform kann man die Qualität eines Sencha einordnen. Allerdings geschieht das nach anderen Maßstäben als bei Schwarztee, wo Broken und Fannings massiv abgewertet werden. In Japan ist ein gewisser Anteil an Blattbruch sogar gewollt. Dies ist darin begründet, dass der Blattbruch eng mit der Dämpfungszeit zusammenhängt. Je länger der Tee gedämpft wird, desto brüchiger und weicher wird er.

Die Tasse wird trüber und der Geschmack wird dadurch vollmundiger, runder und „dicker“. Ein reiner Asamushi-Sencha (kurzgedämpfter Tee) hat natürlich auch seine Anhänger, ist aber längst nicht so populär wie länger gedämpfte Tees oder Blends, denen ein gewisser Anteil länger gedämpfter Tees hinzugefügt wurde.

Die in Deutschland offen verkauften Tees sind in den meisten Fällen Asamushi-Tees aus späteren Ernten. Während Sencha aus erster Ernte aus weichen Blättern und Trieben besteht, die sich zu filigranen Nadeln formen lassen, bestehen Sencha späterer Ernten bereits aus gröberen Blättern, die sich nicht mehr so fein rollen lassen und daher auch in der Optik entsprechend breiter und dicker ausfallen.

Kurz zusammengefasst kann man sagen, dass Tee aus erster Ernte sowohl brüchig als auch  in Nadelform daherkommen kann. Geschmacklich gibt es Unterschiede, es liegt aber am Konsumenten, welchen Typ er lieber mag. Wer Tee mit möglichst vielen unbeschadeten Blättern bevorzugt, sollte zu denen greifen, die feine und dünne Nadeln enthalten.

Luxuriöse Verpackung eines Premium Sencha
Luxuriöse Verpackung eines Premium Sencha

Verpackung ist mehr als Marketing

Ich habe nichts gegen den offenen Verkauf von losem Tee. Wenn ich in ein Teefachgeschäft gehe, dann schätze ich den Vorteil, dass ich mir den Tee zeigen lassen kann. Wenn ich den Tee aber kaufe, dann mag ich es lieber, wenn dieser Tee bestenfalls vorverpackt wurde. Bei den üblichen großen Dosen des Teefachgeschäfts habe ich die Sorge, dass der darin aufbewahrte Tee längere Zeit lagert, mit Sauerstoff in Kontakt kommt und anfängt zu oxidieren. Im schlimmsten Fall nimmt er dabei sogar die Aromen der aromatisierten Tees auf, die dann die natürlichen Aromen des Tees überdecken. Zum Glück gibt es auch in Deutschland den Trend, Tee in vorverpackten Einheiten zu verkaufen, um den Tee so vor Fremdaromen zu schützen. Und so ganz nebenbei sehen einige der japanischen Tüten auch sehr hübsch aus. Und der Teehändler kann ja ein Sample in der Schublade griffbereit halten, um dem Kunden den Sencha bei Bedarf zeigen zu können.