Java OPSS Taman Sari

Es wundert mich immer wieder, aus welchen Ecken der Welt Tees nach Deutschland kommen. Indonesien ist zwar bezüglich des Teeanbaus kein ungewöhnliches Land, kann aber meiner Meinung nach als ein kleiner Exot bezeichnet werden, weil es nur wenige Tees gehobener Qualität auf dem deutschen Markt gibt. In Indonesien wird durch den holländischen Einfluss seit 1684 Tee angebaut, auf Java erst seit ca. 100 Jahren.

Semeru_Bromo_Temple
Java besteht aus mehreren zum Teil aktiven Vulkanen. Foto von UKPaolo

Dieser Schwarztee stammt von der Insel Java. Dort gibt es einen Ort namens Taman Sari, der für einen prächtigen Wasserpalast bekannt sein soll. Erbaut wurde der Palast 1757, ist aber inzwischen etwas heruntergekommen. Die Teegärten auf Java befinden sich größtenteils in höheren Lagen und verfügen über einen sehr nahrhaften Vulkanboden. Die guten Qualitäten sollen aus den Blättern der Assam-Hybride einen Geschmack herauskitzeln, der an Ceylon und chinesische Hong Cha erinnert. Meiner bescheidenen Meinung nach trifft das aber nicht auf den vorliegenden Tee zu, aber lest selbst.

OPSS steht für Orange Pekoe Special Superior

Der knappe Informationstext von TeeGschwendner verrät, dass die Produzenten sich an vergangene Spitzenproduktionen erinnerten und jetzt wieder Schwarztee herstellen, dessen Qualität sich von der gängigeren Massenproduktion abhebt. Das SS – steht für Special Superior – klingt jedenfalls sehr selbstbewusst und es verwundert nicht, dass der Tee in der limitierten Edmons-Kollektion angeboten wird.

Da der Tee einen hochwertigen Eindruck macht, entscheide ich mich für eine Zubereitungsweise, die eigentlich nur aromatische Sorten wie z.B. Darjeeling oder edle Hong Cha erhalten. Also pro 100ml 2g der trockenen Blätter bei einer Ziehzeit von 30 Sekunden.

DSC_0079

Aussehen
Der vorliegende Schwarztee hat ein schönes dunkles Blattgut und auffällig viele Golden Tips, ein Zeichen für eine sorgfältige Pflückung, weil auch viele junge Blätter und Knospen verwendet wurden.

DSC_0089

Geruch
Im warmen Gaiwan steigt ein schwerer Duft auf. Das ist Malz gepaart mit dunklem Honig, aber auch etwas Frucht in Form von süßen Mangos. Die Vorfreude ist groß! Ob sich dieser Duft im Geschmack bestätigt?

Geschmack
Ich hebe also die Tasse zum Mund, benetze die Zunge mit dem dunklen Gebräu und bin überrascht. Der Tee schmeckt nichtssagend, kommt vielleicht gegen die großen Erwartungen nicht an, die aufgrund des Duftes zu hoch gewachsen sind. Ich bemerke zwar die Malzigkeit, aber sie ist mir zu dezent, wie bei einem zu schwach geratenen Assam. Das Mundgefühl ist etwas holzig. Beim zweiten Aufguss spüre ich ein bisschen Mango, aber auch nur ganz leicht. So leicht, dass ich mich wieder frage, ob dieser Eindruck doch nur Einbildung war. Beim dritten Mal werden die Blätter extra lange gebrüht, wodurch die Malzigkeit nochmal hervorkommt. Insgesamt aber enttäuschend.

DSC_0093

Zwischenfazit
Würde ich jetzt mein Fazit schreiben, hätte der Tee eine schlechte Bewertung erhalten. Wobei ich Bewertungen eh für wenig aussagekräftig halte. Und dafür gibt es verschiedene Gründe. Meine Bewertungen möchte ich als subjektiv verstanden wissen, ich maße mir nicht an, urteilen zu können, ob ein Tee wirklich gut oder schlecht ist. Ich kann nur sagen, ob und wie mir ein Tee geschmeckt hat. Wichtiger als die Güte des Tees ist derjenige, der den Tee zubereitet. Liegen seine Geschmackspräferenzen anders? Ich erinnere mich spontan an einen Besuch im Berliner Teesalon, über den ich bereits berichtete. Ich war dort mit einem Freund, der eigentlich Earl Grey und einige ausgewählte Grüntees trinkt. Wir bekamen netterweise eine Tasse eines gerösteten Oolong angeboten und unsere Eindrücke waren ganz unterschiedlich. Ich war begeistert, wollte sofort ein Päckchen davon kaufen, er hingegen wollte überhaupt nichts aus dieser Richtung – “was für ein Frevel”, dachte ich.
Ein weiterer Grund, weswegen ich mit Urteilen anderer vorsichtig bin, ist die Zubereitungsart. Ich vertrete die Meinung, dass jeder Mensch ein eigenes Geschmacksprofil hat, welches individuell ausfällt. Jeder hat also eine eigene Vorstellung von leckerem Tee und das schließt die Zubereitung mit ein. Es ist möglich, dass uns ein Tee partout nicht schmecken will, egal was wir mit ihm anstellen. Liegt das nun am Tee oder an uns? Es kann aber auch umgekehrt so sein, dass verschiedene Zubereitungsarten verschiedene Ergebnisse hervorbringen und wir von der einen ganz begeistert, von der anderen total enttäuscht sein können. Ein bisschen Experimentierfreude könnte sich lohnen.

Aus diesem Grund gebe ich dem Java OPSS eine zweite Chance. Da er mich etwas an Assam erinnert, bereite ich ihn wie einen zu, also 1,2g auf 100ml kochendes Wasser bei drei Minuten Ziehzeit.

Das Ergebnis ist jetzt viel besser! Der Geschmack ist dichter und der Tee hat mehr Körper. Die Säure ist gut ausbalanciert, erinnert zwar nicht direkt an Mangos, aber dafür etwas entfernt an Früchte. Die Malzigkeit kenne ich sonst nur von Assam-Tees, dazu gesellt sich das Aroma eines leichten Waldhonigs.

DSC_0100
Die nassen Blätter wirken röter als die gewöhnlicher Schwarztees

Fazit:
Nach einem Fehlversuch, hat der Tee mit der Standard-Methode doch noch geschmeckt. Dies ist mein zweiter Schwarztee aus Indonesien und es ist schön zu sehen, dass man sich wieder Mühe gibt, guten Tee herzustellen. Schaut man nach Sri Lanka oder Afrika, so muss man leider feststellen, dass gute Qualitäten den kostengünstigeren einfachen gewichen sind. Lässt sich der Trend wieder umkehren? Statt an Ceylon und China, erinnert mich dieser Tee viel mehr an Assam. Ist das eine Ausnahme oder schmecken andere Java-Tees ähnlich? Meinen ersten Java-Tee empfand ich nicht ganz so gut, weswegen ich auch nicht darüber berichtet habe. Wie auch immer, es ist spannend zu sehen, was Länder mit anderen geografischen Bedingungen imstande sind zu produzieren.

11 Gedanken zu „Java OPSS Taman Sari

  1. Toller Beitrag! Erinnert mich sehr an meine ersten Versuche mit Second Flush Darjeeling. Es ist wirklich bemerkenswert, was es geschmacklich ausmacht, den Tee auf unterschiedliche Art und Weise zuzubereiten.

  2. java kenn ich nur aus einem blend, ich glaube es war eine ostfriesenmischung, und die war in etwa so, wie du deinen ersten versuch beschrieben hast.

    aber schön, dass es so viele tees gibt, und zudem so viele zubereitungsmöglichkeiten.

  3. Danke für diesen wunderbaren Bericht eines mir unbekannten Teeanbaugebietes. Ich hatte Indonesien / Java bisher nicht bei meinen Teekäufen berücksichtigt. Ich werde dieses aber gerne einmal nachholen, auch wenn ich momentan eher auf die profane ägyptische Teezubereitung zurück greife. Interessant auch deine Gedanken über Geschmack und die dazugehörige Individualität.

    1. Nun, die ägyptische Teezubereitung ist wirklich profan. Der Ägypter trinkt schwarzen Tee mit Zucker. Man findet den Tee im Supermarkt unter dem Namen “El Arosa Tea” ‘El Arosa’ = ‘Die Braut’. Die Beschreibung “Dust Black Kenyan Tea” sagt wohl schon alles, es ist wirklich eher Staub, denn ein Teeblatt. 1 – 1,5 TL werden in ein Glas mit der Größe von 15cl bis 20 cl gegeben, heißes Wasser drauf und je nach Geschmack 2 – 4 Löffel Zucker. Dann wird schnell umgerührt, es hat sich in der Mitte ein wenig Schaum auf der Oberfläche gebildet. Dieser wird mit dem Löffel abgenommen und dann wird getrunken. Der Tee bleibt dabei die ganze Zeit im Glas. Ohne Zucker kann man den Tee nicht genießen, mir reichen aber meist 1 bis 1.5 TL Zucker. Es ist dabei erstaunlich, dass der Tee mit deutschem Zucker nicht so gut schmeckt wie mit Zucker aus Ägypten. Liegt es daran, dass es sich um Zuckerrohr handelt, oder dass er vermutlich nicht raffiniert ist? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht.
      Irgendwie wirklich sehr einfach, oder? Dabei wird der Tee zu allen Tages- und Nachtzeiten getrunken, selbst 3 jährige Kinder habe ich schon Tee trinken sehen.
      Hier ein Beitrag auf meinem Blog, die ersten beiden Bilder zeigen den ägyptischen Tee

    2. Vielen Dank für diesen Beitrag und den Hinweis auf deinen Blog! Nach der Lektüre habe ich mal wieder etwas dazugelernt. Da mir die türkische Schwarztee-Zubereitung sehr gut schmeckt, kann ich mir vorstellen, dass mir auch dieser Tee, wie du ihn beschrieben, schmecken würde. Die Zubereitung hört sich tatsächlich nicht schwer an. Aber unsere Schwarztee-Zubereitung ist auch nicht so schwer, oder?

    3. Ich freue mich, dass dir mein Beitrag gefallen hat. Gegenüber dem ägyptischen Tee ist die türkische Variante schon fast aufwendig. Der Tee schmeckt auch ganz anders. Aber ich mag den ägyptischen Tee. Und ja, unsere Schwarzteezubereitung ist auch nicht schwierig.

  4. Schön, dasss Du doch noch einen Weg gefunden hast, wie dieser Tee Dir schmeckt. Als ich von den Mango-Aromen las, war ich total verblüfft. Denn ich habe diesen Tee bisher nur typisch assamig zubereitet, noch nie als Gongfu Hongcha. Morgen experimentier ich mal damit … habe heute in unserer Büroküche noch etwas von diesem Tee gefunden.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.