Pu Erh: Mehr Fragen als Antworten

Ich bin grundsätzlich ein Mensch, der gerne Neues probiert. Vielleicht ist das sogar eine große Schwäche, weil ich mich nie mit einem Tee zufrieden gebe. Bei einem wohlschmeckenden Tee stehenzubleiben, ist nicht mein Ding, stattdessen bin ich der Überzeugung, dass es noch so viel Unentdecktes gibt, dass der Tee von heute vom Tee von morgen übertroffen werden kann. Zwar gibt es einige Teesorten, auf die ich mich festgelegt habe, aber das sind ausschließlich Schwarztees. Bei Pu Erh hingegen bin ich noch fast ein unbeschriebenes Blatt. Es gibt einige Pu Erh, die mir geschmeckt haben. Dazu gehört z.B. ein ganz gewöhnlicher Jingmai aus dem Jahr 2010. Neben diesem Tee gab es allerdings eine ganze Reihe Pu Erh, die mir gezeigt haben, was ich nicht mag.

Dazu gehört ein zu intensives Tabakaroma gepaart mit Rauch. Mir als ehemaligem Raucher kommen dabei bereits beim ersten Spülen des Tees negative Assoziationen, wie z.B. das Abwaschen des Aschenbechers unter fließendem Wasser. Zum Glück soll zumindest der Rauch über die Jahre schwächer werden, doch ob der Tee je den Zustand erreicht, in dem er mir schmeckt, kann nur die Zeit bzw. meine Geduld beantworten.

Der Geschmack eines Pu Erh unterscheidet sich meiner Meinung nach eh komplett von dem seiner Verwandten wie z.B. Grün- oder Schwarztee. Der Geschmack und Duft der letztgenannten Sorten erinnern häufig an Aromen aus der Welt des Kulinarischen. Sicherlich gibt es dabei Ausnahmen, aber für mich ist es die Regel. Bei Pu Erh hingegen ist es genau andersherum. Es sind häufiger Aromen aus der Umwelt und das ist irritierend. So ertappe ich mich häufig dabei, wie ich auf der Suche nach der passenden Assoziation wie in einem Nebelfeld umherirre. Die Aromen, die ich für mich identifiziere, hören sich für unkundige Leser vielleicht noch irritierender an. Wer möchte schon auf einem Stück Leder herumkauen oder flüssiges Holz im Mund spüren. Waldboden, Moos oder der Geruch von alten Büchern – das alles mag abenteuerlich und zuweilen nostalgisch klingen, aber sind diese Aromen genießenswert? Zumal man für diesen Geschmack immer tiefer in die Tasche greifen muss, da Pu Erh auf dem chinesischen Markt immer stärker nachgefragt wird. Was macht den Genuss von Aromen aus, die eigentlich ungenießbar sind? Genießen wir, weil wir es können, weil es vielleicht sonst keiner tut und wir deswegen denken, wir würden etwas Besonderes tun? Zu dieser Frage hat Jinx eine gute Antwort für sich gefunden, die Neugier auf den Geschmack. Das kann ich bejahen, aber diese Fragen stehen für mich immer im Zusammenhang mit der Einsicht, dass Schwarztees oder Oolong solch exquisite Aromen exotischer Früchte enthalten können, dass der Genuss jener zumindest “authentisch” und für Außenstehende nachvollziehbar ist. Frau P. hat da ihre eigene Meinung. Wenn ich sie Pu Erh kosten lasse, dann sagt sie immer, dass es zwar nicht schlecht rieche bzw. schmecke, nur halt nicht nach etwas Ess- bzw. Trinkbarem, weswegen sie ihm nichts abgewinnen könne.

Meine vorläufigen Antworten klingen daher eher nach Ausreden. Und überhaupt bereiten mir Pu Erh ganz andere, viel existenziellere Sorgen wie die der richtigen Zubereitung. Denn manchmal schmeckt mir ein hochdosierter Pu Erh, den man über 20 mal aufgießen kann, gar nicht. Das ist mir letztens aufgefallen, als ich einen Dayi zubereitet habe. Das Seltsame daran ist, dass er mir vorher geschmeckt hat. Liegt es an meiner Tagesform oder habe ich falsch dosiert? Dann bin ich dazu übergegangen den Tee, wie einen Schwarztee zu brühen: ein paar Blätter in die Gaiwan, kochendes Wasser drüber und nach drei Minuten abgegossen. Das Ergebnis war verblüffend und kaum wiederzuerkennen, denn der Aufguss schmeckte richtig fruchtig, fast wie ein Grüntee. Sollte ich jetzt alle so zubereiten oder einfach noch mehr experimentieren? Auch ein Versuch mit einem Ming Feng von Bannacha bestätigt meine Präferenz dieser Zubereitungsmethode bei jungen Pu Erh. Ist es vielleicht deswegen, weil junge Pu Erh konventionellen Grüntees ähneln wie Marshaln in seinem Blog beschreibt?

Wie ihr seht, werte Leser, entpuppt sich Pu Erh als eine große Herausforderung an mich selbst, an meine Sinne, an meinen Verstand und an meine Urteilskraft. Die Beschäftigung damit ist andererseits sehr fruchtbar, denn sie regt zum Nachdenken an. Und schließlich scheint Pu Erh, wie kein anderer Tee die Kraft zu haben, jemanden in seine Kindheit zurückzuversetzen und ihn an längst vergessene Begebenheiten zu erinnern. Diese Eigenschaft hat Gero letztens sehr gut auf den Punkt gebracht.

So bleibt Pu Erh für mich ein spannendes und forderndes Thema. Gerade weil der Genuss nicht unmittelbar erfolgt, hat er das Potenzial, ein tiefgründigeres Erlebnis zu erzeugen. Oder ist das alles nur Einbildung?

20 Gedanken zu „Pu Erh: Mehr Fragen als Antworten

  1. pu ist ein sehr weites feld, das ich irgendwann genauer erkunden werde. im moment ist er mir häufig einfach zu sehr anders als die tees, die täglich trinke, also schwarz, grün und/oder oolong.

  2. Interessante Fragen, die du aufwirst. Ich glaube, dass viele Teetrinker, die ihre ersten Annäherungen an Pu Erh hinter sich haben das Ganze ähnlich beschreiben würden. Ich habe auch eine Zeit gebraucht, um mich mit dieser Teekategorie anzufreunden und vielen Pu Erhs kann ich nach wie vor nichts abgewinnen. Meine Empfehlung wäre es ein paar Sheng Pus aus der Frühlingsernte zu probieren. Deren Herstellungsart und Geschmacksprofil sind manchen Weißtees nicht unähnlich und weisen teilweise leicht fruchtige Noten auf.

    1. Hallo Raphael, ist ja leider selten ausgewiesen, aber jetzt wo du es sagst: Der Jingmai war solch ein Tee und der hat mir wirklich sehr gut geschmeckt. Ich werde auf das Merkmal in Zukunft achten.

  3. Moin Luke,

    da gebe ich Dir völlig Recht: Puer ist eine Herausforderung! Vielleicht mag ich ihn gerade deswegen so gern.
    Zugegeben – auch ich sage über schonmal über einen Tee etwas wie: “der schmeckt total nach Mango!”. Aber ich trinke den Tee doch nicht wegen des Mangogeschmacks – hätte ich bei einer Mango ja noch intensiver. Hoffentlich stehe ich jetzt nicht alleine mit der These da, dass man Beschreibungen wie “Tabak”, “Leder” oder “Nuss” nur als Anaolgien verwendet um zu beschreiben, welche Assoziationen man am ehesten mit dem Tee verknüpft, um ihn abgrenzend von anderen Tees zu charakterisieren. Was mir aber gerade bei jungen bis mittelalten Sheng immer wieder auffällt, ist dieser Geschmack nach “Tee” – ein Eindruck, der mich an nichts so stark erinnert wie an Camellia sinensis. Vielleicht kann ich deswegen auf das Abgrenzende verzichten und werde frei im Kopf, statt weitere Grenzen zu errichten. Und gerade diese Freiheit lässt die Gedanken dann so fließen, dass ganz unvermittelt Emotionserinnerungen an frühere Erlebnisse freigelegt werden.
    Wenn das von Dir genannte ‘triefgründigere Erlebnis’ nur eine Einbildung sein sollte, dann möchte ich eigentlich nicht so gerne dieser Einbildung beraubt werden. 😉
    Kanpai! (mit einem 2009er Bulang – schmeckt nach der Studi-Bar, wo ich eine Ramazotti-Phase hatte).

    1. Vielleicht bin ich gerade deswegen so irritiert, weil ich diese Analogien zwischen den Teesorten nicht schmecke. Daher fühle ich mich auch zuweilen überfordert und frage mich, was ich eigentlich mache. Angenommen der Aufguss von Schnitttabak wäre nicht giftig, wir würden doch beide nicht auf die Idee kommen, den Aufguss zu trinken. Und in dieser Situation befinde ich mich manchmal, weil ich die Camellia Sinensis dahinter nicht schmecke. Vielleicht fehlt mir da auch noch etwas Erfahrung, da hast Du mir ja etwas Voraus.

  4. Hallo,

    Ich bin hier in China auf den Geschmack von Puer Tee gekommen und kann deine Gedanken sehr gut nachvollziehen.
    Puer ist doch einfach ein unglaublich umfangreiches Thema. Erstmal ist es gar nicht so einfach an gute Puer Tees zu kommen, und damit meine ich nicht nur Europa sondern selbst hier in China ist der Puermarkt ein riesiges Chaos. Ich gehe hier fast wöchentlich in die Teemärkte und habe zwischen Mitte März bis Mai zwei Monate in Yunnan in den Anbaugebieten verbracht und habe an jeder Ecke falsch bezeichnete Tees gefunden.
    Es steht Bulang Shan drauf, ist aber keiner drin oder der Tee soll von alten Bäumen (Gushu) sein, ist es aber nicht (die wahrscheinlich verbreitetste Fälschung). Selbst vor Ort wurden uns immer wieder Gushu Tees angeboten und verkostet welche einfach keine waren. Ein bekannter Teeproduzent, der aus dem Laobanzhang Dorf kommt (einer der teursten Puer Tees in China) hat uns gesagt, dass selbst in Laobanzhang nur 80-90% des verkauften Tees wirklich aus dem Dorf kommt. In der Stadt Menghai (gute 40km entfernt), sind dann nur noch 40% der als Laobanzhang verkauften Tees echt und in Peking oder Shanghai sind es seiner Meinung nach nur noch weniger als 10%
    Es gibt verlässliche Produzenten und Händler, aber die sind schwer zu finden. Und wenn man gutes Rohmaterial hat, heisst es noch lange nicht, dass die Verarbeitung ordentlich ist.
    Dazu ist das Terroir bei Puer unglaublich entscheidend. Erstmal unterscheidet sich der Puer verschiedener Anbaugebiete und dann sind die lokalen Unterschiede teilweise auch noch extrem gross. Ein Bingdao und Xiaohuzai schmecken extrem unterschiedlich, auch wenn beide von alten Bäumen kommen und nur wenige Kilometer voneinander angebaut werden. Nicht zu vergessen noch die ganzen Mischungen, die ja von den ganzen großen Teefabriken angeboten werden (In China sind Puer-Kenner übrigens mittlerweile dazu übergegangen die Mischungen kaum noch zu trinken und nur noch Tees konsumieren die von einem Anbaugebiet stammen).
    Dazu spielt das Alter und die Lagerung natuerlich eine grosse Rolle. Junger Tee schmeckt ganz anders als er nach 3-4 Jahren schmeckt, nach 5-6 Jahren kommen wieder ganz neue Geschmacksnoten heraus (Xiaohuzai entwickelt zB eine Dattelnote).
    Auch die Zubereitung des Aufgusses ist enorm wichtig. Da kann es schonmal sein, dass man überhaupt nicht den richtigen Geschmack heraus bekommt. Dazu hat das Wetter noch Einfluss (bei schlechtem sehr feuchtem Wetter brauch man seinen teuersten Teesorten eigentlich gar nicht aus dem Schrank holen).
    Der Lagerungsort hat natürlich auch seinen Beitrag zu dem Geschmack. Der grosse Fehler der hier gemacht wird ist, dass man eine schnelle Alterung erzeugen will (z.B. durch Lagerung im feuchten Südchina). Wenn man aber mal die gleichen Tees getrunken hat, die an unterschiedlichen Orten gelagert wurden stellt man schnell fest, dass gerade die Tees die in Südchina gelagert wurden den Geschmack stark verändert haben und vor allem sehr viel Aroma verloren haben.

    Was ich mit dem ganzen (etwas ausuferndem) Beitrag sagen will ist:
    Puer ist unglaublich vielfältig und man kann nur durch viel Trinken und ausprobieren das ganze Thema erfassen. Es gibt diese rauchigen herben Puers, aber genauso lieblich duftende, suesse Sorten (Bingdao z.B.)
    Gerade in Europa scheint mir die Meinung über Puer zu sehr von Qualitativ nicht hochwertigen Tees gepraegt (Dayi Tee z.B.) zu sein, die tatsaechlich in eine ganz andere Richtung gehen als das was ich hier Trinken konnte.

    Im Endeffekt heisst es beim Thema Puer sich auf eine lange Entdeckungsreise zu begeben und sich immer wieder neu begeistern zu lassen.

    1. Hallo Henning, das sind ja sehr interessante Einsichten, die du schreibst. Ich komme gerade von der Teezui und bin mal wieder ernüchtert. Mir schmecken die jüngeren Sheng einfach nicht. Von den zahlreichen Proben, die ich probieren durfte haben mich gerade mal zwei überzeugt. Falls du Lust auf einen Probentausch hast, sag mir bitte Bescheid. Es würde mich freuen, ein Sample zu probieren, welches Du empfehlen kannst 🙂

      1. Hi Lukas,

        sag mir doch einfach mal, was die beiden jungen Puer ausgemacht hat, die du gerne getrunken hast und warum du die anderen nicht mochtest. Dann kann ich dir auch eher einen Tee empfehlen der zu dir passt.
        Außerdem muss ich natürlich schon sagen, dass ganz junger Puer teilweise recht gewöhnungsbedürftig sein kann und wenn es kein hochwertiger Tee ist, noch sehr bitter ist.

        Ich trinke eigentlich am liebsten Puer der ein-zwei Jahre alt ist und dann wieder von 5 aufwärts. Zwischen 3-4 Jahren haben manche Puer die Eigenschaft, dass sie ihren ursprünglichen Geruch verlieren, aber noch nicht genug fermentiert sind um einen neuen Geschmack zu entwickeln.

        Mit dem Probentausch könnte es etwas schwierig sein, da ich in Shanghai wohne und mir letztens erst ein wieder ein Paket im Zoll hängen geblieben ist.

        1. Hallo Henning,

          die beiden Pu Erh, die mir geschmeckt haben hatten die Eigenschaft, dass sie scheinbar dunkler verarbeitet waren. Trotz ihres jungen Alters waren die Blätter sehr dunkel, ich denke eher, dass die Blätter etwas oxidierter waren. Der eine schmeckte fast schon wie Schwarztee, der andere hatte einen Geschmack, den ich nie wieder so wahrgenommen hatte (Wuliangshan). Eine positive Erfahrung habe ich noch mit Jungmai gemacht, der war schön floral und erinnerte mich mehr an Grüntee. Ich suche aber etwas, was in die Richtung der ersten beiden geht.

          Ich komme gerade von einem Teetreffen, wo viele Pu Erh-Liebhaber anwesend waren. Wir haben zusammen einen jungen Sheng getrunken, der genau die Eigenschaften wie die meisten anderen auch aufwies. Den Liebhabern schien er zu schmecken. Mir natürlich mal wieder nicht. Ich denke mittlerweile, dass der typische junge Sheng vielleicht einfach nichts für mich ist…

  5. Hallo Lukas,

    entschuldige bitte die späte Antwort. Ich hatte irgendwie gar nicht mehr an die Diskussion hier gedacht.

    Also was du meinst kann eigentlich nur Zicha (Purple Puer Tea) sein oder eventuell noch ein wilder Puer. In Fengqing habe ich auch sehr dunklen Puer gesehen, der als wilder Puer bezeichnet wurde. Allerdings ist der Geschmack von wildem Puer normalerweise nicht zu vergleichen mit Schwarztee, das würde eher auf Zicha hindeuten.
    Oder war das ein älterer Tee den du getrunken hast (älter als 5 Jahre)? Die können sich ja in alle möglichen Richtungen verändern. Tees aus der Yiwu Gegend sind ja als junge Tees sehr mild und werden dann im laufe der Jahre immer süßer und entwickeln einen duftenden Geruch (mixiang). Auch die Tees aus Lincang gehen stark in die duftende, süße Richtung.

    Ansonsten sind junge hochwertige Puers eher wie der aus Jingmai. Sie haben einen Geschmack der sehr in Richtung Grüntee geht, welcher sich dann im laufe der Jahre langsam ändert. Tee aus Lincang ist dabei stark duftend und intensiv im Geschmack, aber nicht sehr bitter. Je weiter man dann nach Süden geht, desto bitterer wird der Geschmack. Besonders Menghai Tee ist da schon sehr stark. Die Tees aus Yiwu hingegen kommen einem an Anfang sehr mild vor, ändern sich aber wunderbar über die Jahre.

    Meine Lieblingstees kommen übrigens alles aus der Lincang/Mengku Ecke.

    1. Kleiner Zusatz:

      ich habe gerade in deinen Archiven gesehen, dass du schon mal einen Zicha verkostet hast und es daher unwahrscheinlich ist, dass du den meintest.

      Was gut sein kann, dass es sich bei dem Tee tatsächlich im Schwarztee handelt, der aus dem gleichen Material wie Puer hergestellt wird.

      Ich habe schon ein paar mal gesehen, dass diese als Puer oder Maocha bezeichnet wurden, allerdings produktionstechnsch eindeutig Schwarztees sind.

      Ich muss ehrlich gestehen, dass mich die Beschreibung mit dem Schwarztee sehr verwirrt. Denn wie oben schon erwähnt geht ein junger Puer eigentlich immer in die Richtung wie der Jingmai, den du beschrieben hast.

      Ich habe mich dieses Jahr quer durch Yunnans Teeberge getrunken und habe da keine Ausnahmen gesehen. Klar gibt es unterschiedliche Geschmacksnoten, Bitterkeit etc. aber es geht schon alles in eine ähnliche Richtung.

      1. Hallo Henning, schön wieder von Dir zu hören. Den floralen Jingmai mochte ich zwar, aber ich stelle dann doch sehr häufig fest, dass die jungen aus anderen Regionen mir nicht liegen.
        Die angesprochenen Ausnahmen waren allerdings keine typischen Schwarztees. Irgendwas muss anders gewesen sein, aber 100%-Schwarztees waren sie nicht. Vielleicht ist es drüben ja anders, aber für mich stellt sich Pu Erh als ein sehr differenziertes und häufig nicht leicht zugängliches Feld dar. Möglicherweise mag ich auch nur die älteren, denn unter den über 10-jährigen waren überwiegend positive Erfahrungen dabei.

        1. Ich hab es mir eigentlich schon gedacht, dass es kein Schwarztee sein kann. Du kennst dich dann doch zu gut dafür aus.
          Da mich das Thema aber weiterhin beschäftigt hat, habe ich mich mal durch ein paar Bücher gearbeitet und einen Teeproduzenten angerufen. Ich denke, dass es zwei Möglichkeiten gibt:

          1. Wie schon oben genannt kann es eine andere Baumsorte sein,

          2. Ein Fehler im Produktionsprozess kann dazu führen, dass der Tee schon anfängt zu oxidieren, bevor er verarbeitet wird. In dem Fall ist der Tee nach dem Pflücken nicht ordnungsgemäß behandelt worden und die Blätter wurden beschädigt, so dass sie anfangen zu oxidieren. In den meisten Fällen passiert das wenn die Blätter zu spät zum welken ausgelegt wurden.

          Zum Thema junger Puer Tees
          Es kann natürlich auch eine Geschmackssache sein, aber eigentlich ist es relativ normal, dass dir im Gegensatz zu den älteren Tees nur relativ wenige junge Tees schmecken werden. Der Geschmack von jungen Puers ist extrem von der Qualität und der Verarbeitung abhängig. Tee von jungen Bäumen oder bestimmten Gegenden wird extrem bitter sein und ist teilweise ungeniessbar. Im laufe der Jahre geht diese Bitterkeit aber mit fortgeschrittener Fermentierung zurueck und der Tee wird immer trinkbarer.
          Junger Tee aus Jingmai ist zwar auch ein wenig bitter, allerdings hat er einen angenehmen floralen duft. Das alter der Teebäume hat dann übrigens einen großen Einfluss auf die Bitterkeit und das Aroma. Je älter der Baum, desto weniger Bitter ist der Tee und desto intensiver sind die Aromen.

          Ich kann dich gut verstehen, dass Puer sehr schwer zugänglich ist. Es ist einfach sehr sehr komplex, schlecht erforscht und dazu noch ein unheimlich diffuser Markt. Aber das macht es ja auch irgendwie spannend 😉

          Ich bin übrigens gerade dabei meine eigene Puer Marke aufzubauen und nach Europa zu exportieren. Ich trinke hier so guten Puer Tee und will einfach, dass die Leute in Europa auch die Chance haben sollen so guten Tee zu genießen.

          1. Hallo Henning, das sind ja spannende Neuigkeiten. Eine eigene Puer-Marke hört sich sehr spannend an. Was genau (Region, Alter) möchtest Du anbieten? Ich finde neue Projekte immer spannend und drücke Dir die Daumen.
            Ich werde mich durch meine Samples trinken und sehen, wohin es mich führt. Den Jungen werde ich wohl den Rücken kehren. Wenn die Älteren doch nur nicht so teuer wären ^^;

  6. Ich werde dieses Jahr mit drei-fünf Sorten anfangen und schauen wie sich das dann verkauft. Da ich mein eigenes Produkt herstellen lassen werde, sind es alles Tees von diesem Jahr. Die Idee ist dann, jedes Jahr eine neue Serie herauszubringen.

    Es sind alles hochwertige Puer Tees aus der Lincang Ecke (Daxueshan, Bingdao und ein blended Puer). Daxueshan und Bingdao sind jeweils von sehr alten Teebäumen, der andere wird etwas günstiger sein und ist von kleineren Teebäumen. Alles erste Pflückung und ausgezeichnete Verarbeitung. Man kann die Tees als kleine Kugeln (um die 6g pro Kugel) oder als kleinen 200g cake (134g bei Bingdao) bekommen, da das meiner Meinung nach besser zum europäischen Markt passt.

    Ansonsten werde ich wahrscheinlich noch 2 Schwarztees aus Yunnan anbieten, aus Fengqing, wo der beste Schwarztee her kommt. Ein wilder Tee von sehr alten Teebäumen und ein Golden Tips.

    Beim Puer sind die Planungen schon wesentlich konkreter und ich hab ihn schon auf Pestitzid-Rückstände testen lassen. Ich warte noch auf ein paar Rückmeldungen aus Deutschland und dann wird bald die Produktion angeschmissen.

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