Wie Japan mein Leben veränderte

10 Jahre ist es nun etwa her, als ich im Rahmen meines Studiums das erste Mal nach Japan flog, um dort ein Jahr lang zu studieren. Ich weiß noch genau, wie aufgeregt ich damals war, all die Dinge, von denen ich gehört und gelesen hatte, selbst zu erleben. Gleichzeitig hatte ich aber auch großen Respekt, denn ich kannte auch Kommilitonen, die sich Japan ganz anders vorgestellt hatten und sogar das Auslandsjahr abbrachen.

Warum eigentlich Japan?

Angefangen hat es mit der Faszination für diese Andersartigkeit der japanischen Kultur, die für mich schwer zu erfassen war. Für jemanden, der zwischen zwei Kulturen groß geworden ist und dadurch keine Probleme hatte, interkulturelle Unterschiede zumindest zu verstehen, war Japan dennoch ein Buch mit sieben Siegeln, das geradezu deswegen umso reizvoller erschien.

In den letzten 10 Jahren ist viel passiert, zahlreiche Japan-Besuche folgten aus verschiedenen Anlässen. Mal war es zum Zweck der Recherche für die Magisterarbeit, mal aus beruflichen Gründen und schließlich auch aus privaten. 

Wie Japan mein Leben veränderte
Ein Blick über die Innenstadt von Nagoya

Hätte mir jemand vor 10 Jahren gesagt, dass ich eines Tages japanische Keramik direkt von den Öfen importieren würde – ich hätte es nicht für möglich gehalten. Zu groß erschienen mir die sprachliche Hürde und die interkulturelle Barriere. Kein Wunder, denn viele Japanologie-Absolventen sprechen nur rudimentär Japanisch, wieso sollte es bei mir dann anders sein?

Aber wo ein Wille ist, ist auch ein Weg, sagt man. Und wenn ich etwas von der deutschen sowie der japanischen Kultur gelernt habe, dann ist es, dass sich harte Arbeit auszahlt. Doch es gehörte noch etwas anderes dazu: Leidenschaft. Ohne Leidenschaft hätte ich die ersten zwei Jahre des Studiums nicht überstanden, in denen man die Basis der Sprache neben all den anderen Seminaren lernen musste. Es machte mir sogar Spaß bis abends Vokabeln zu pauken und Schriftzeichen schreiben zu üben. Das ist der große Unterschied zur Schulzeit, in der man gezwungen wird, Dinge zu lernen, für die man sich nicht interessiert.

Doch was habe ich nun von den Japanern gelernt? Es ist unmöglich alle Erfahrungen hier aufzuschreiben, daher möchte ich mich auf drei wesentliche beschränken.

1. Genussmomente schaffen

Vor einigen Jahren lernte ich eine Französin kennen, die in der deutschen Lebensmittelbranche arbeitete. Wir unterhielten uns über die deutsche Esskultur und sie sagte einen bemerkenswerten Satz: „Vor 10 Jahren hatte ich noch den Eindruck, dass man in Deutschland nur isst, weil man essen muss“.

Die französische Küche ist weltweit anerkannt. Man muss sie nicht mögen, aber zweifellos haben Genussmittel in Frankreich eine so hohe Bedeutung, dass es unzählig viele davon gibt. Das ist in Japan genauso, vielleicht sogar noch stärker ausgeprägt.

Wie Japan mein Leben veränderte

Da in Japan die Wohnungen klein sind, ist es eher unüblich Gäste zu sich nach Hause einzuladen. Viel häufiger geht man stattdessen nach der Arbeit oder am Wochenende essen. Die regionale Küche wird im ganzen Land geschätzt. Es gibt Gourmetführer, um die Besonderheiten einer Stadt zu entdecken und kleine Köstlichkeiten, die man vom Reiseziel mitnimmt und Freunden oder Arbeitskollegen überreicht.

Ein Blick über die Innenstadt von Nagoya

Hinter dieser Kultur verbirgt sich etwas, dass ich lange Zeit hierzulande vermisst habe: die Wertschätzung gegenüber sich selbst und dem Handwerk des Kochs. Aus der Not heraus hat sich eine Kultur der Sparsamkeit breit gemacht. Regionale Esskultur existiert zwar, wird aber nur in den eigenen vier Esswänden praktiziert. Regionale Küche findet man nur schwer in Restaurants und wenn, dann nur ein paar Gerichte für eine ganze Region. Zum Glück ändert sich langsam etwas.

Heute freue ich mich über jede Möglichkeit, regionale Küche zu probieren. Wenn ich unterwegs bin, plane ich immer ein bisschen Budget für Restaurantbesuche ein, dafür spare ich an unnötigen Andenken und Staubfängern. Von einem japanischen Koch habe ich mal gehört, dass ihn ein glücklicher Kunde mehr als genug für die harte Arbeit entschädigt. Ich denke, dass insgeheim doch jeder Koch oder auch Handwerker so denkt, der sich Mühe mit dem macht, was er tut. Daher bin ich gerne bei ihnen Kunde.

Im nächsten Artikel geht um Respekt. Ich freue mich, wenn Du wieder vorbeischaust!