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Ist Nepal-Tee der bessere Darjeeling?

Wie bereits im letzten Blog angekündigt, werde ich mich in der kommenden Zeit verstärkt mit Nepal-Tees auseinandersetzen. Der Osten Nepals grenzt and Indien, genauer gesagt liegt Darjeeling nur einen Steinwurf von der nepalesischen Grenze entfernt. Und da Darjeeling das renommierteste Anbaugebiet Indiens ist, welches eine viel höhere Nachfrage hat als es überhaupt produzieren kann, werden gerne von den angrenzenden nepalesischen Bezirken Teeblätter nach Darjeeling geschmuggelt, um sie dort zu verarbeiten. Das ist nicht gut, denn auf der Reise leiden die Blätter und was dann als Darjeeling produziert wird, ist qualitativ nicht mehr das Gelbe vom Ei.

Nepal macht Darjeeling Konkurrenz
Besser und effizienter ist es, wenn der Tee direkt im Ursprung verarbeitet wird. Die Grenzgebiete auf nepalesischer Seite haben nahezu identische Anbaubedingungen wie Darjeeling und daher beste Voraussetzungen, guten Tee zu produzieren. Was sie auch machen. Nepal hat sich zu einer ernstzunehmenden Teenation gemausert, die es schafft, zu wirtschaftlich guten Preisen eine echte Alternative zu den Spitzentees aus dem Nachbarland anzubieten.

Ruht sich Darjeeling auf seinem guten Ruf aus?
Das ist deshalb so wünschenswert, weil Darjeeling qualitativ abbaut, die Preise für die wenigen verbliebenen Spitzenqualitäten hingegen weiter in die Höhe steigen. Teehändler haben es daher immer schwerer, gute Qualitäten zu vertretbaren Preisen einzukaufen, denn wir Konsumenten haben natürlich eine Schmerzgrenze und werden nicht jeden Preis für einen guten Tee bezahlen.

Zwei preiswerte Alternativen zu Darjeeling
Schauen wir uns daher zwei Nepal-Tees an, die eine sinnvolle Alternative zu Darjeeling-Tees sind. Bei meinem letzten Besuch beim Tee Kontor Kiel habe ich zwei Tees aus Nepal mitgenommen. Es handelt sich um einen First Flush Schwarztee und einen Oolong.

Wenn ein Schwarztee kein Schwarztee mehr ist
An dieser Stelle ist es sinnvoll auf die traditionelle Einordnung der indischen und nepalesischen Schwarztees einzugehen. Ein Schwarztee ist ein Schwarztee, wenn die Blätter voll fermentiert bzw. oxidiert sind. Wenn man sich nun einen First Flush aus Nepal oder Darjeeling anschaut, dann sieht man häufig, dass die Blätter überwiegend grün sind. Streng genommen handelt es sich daher auch beim First Flush um einen Oolong. Das schauen wir uns später beim direkten Vergleich der beiden Sorten noch genauer an.

Nepal Sandakphu First Flush Premium Tippy (SFTGFOP1) 11,90 EUR (100g)
Sandakphu liegt genau an der Grenze zu Indien und nur 2,5 Autostunden von Darjeeling entfernt. Der Tee eignet sich daher sehr gut für einen Vergleich. Gebrüht wird nach der Methode für Schwarztees gehobener Qualität.

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Blatt
Man hört ja immer wieder von dem „Verbrechen“, dass die Blätter von den Produzenten absichtlich zerkleinert werden, damit diese weniger Volumen für die Verladung einnehmen. Das ist bei diesen wunderschönen Blättern nicht der Fall gewesen. Die Blattstruktur ist überwiegend intakt und wirklich schön anzusehen. Die Blätter sind silbrig grün, wenn ich jetzt einen Grüntee mit diesen Fotos beschreiben würde, kämen dann wohl Einwände?

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Duft
Das trockene Blatt verströmt feine Röstaromen, die ich mit Kuchenkruste und heller Brotkruste verbinde. Dazu kommen florale Aromen, die man auch von Darjeeling-Tees kennt. Direkt nach dem ersten Aufguss denken wir an Pfirsich, Kräuterlimonade (Almdudler) und Heilpflanzenöl.

Geschmack
Gebrüht wurde nach der üblichen Zubereitungsmethode für Schwarztees. Mehr Blätter, dafür kürzere Ziehzeiten und mehrere Aufgüsse. Der erste Aufguss zeigt noch nicht das ganze Potenzial, er ist sehr mild, dabei leicht fruchtig und Frau P. verbindet diese Frucht mit der Passionsfrucht.

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Erst beim zweiten Aufguss kann ich ihr dabei zustimmen. Jetzt erkenne ich sie auch. Da ist aber noch viel mehr. Zunächst zeigt sich der typisch florale First Flush-Charakter, den man auch von Darjeeling kennt. Die Frucht ist vielschichtig, denn neben der Passionsfrucht finden wir Spuren von naturtrübem Apfelsaft aus Wildwuchs, aber etwas Apfelmus ist auch dabei. Insgesamt sehr aromatisch.

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Der dritte Aufguss bringt endlich die eingangs erschnupperte Kuchenkruste in die Tasse. Die Frucht wird frischer und erinnert deutlich an Zitrusfrüchte.

Nepal Oolong Pathivara
Dieser Tee kommt aus dem Panchthar-Distrikt Nepals, der zwar über 3 Autostunden von Darjeeling entfernt ist, was aber eher an der Straßenführung liegt, denn die Luftlinie beträgt maximal 100km.

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Blatt
Das Blatt des Pathivara Oolong ist nicht ganz so schön wie das des Vorgängers. Es ist mehr Blattbruch dabei, wobei das weniger als Kritik gemeint ist. Tees wie der Sandakphu sind einfach die Ausnahme. Es fällt auf, dass die Erscheinung viel dunkler ist, der Pathivara erinnert somit mehr an einen Schwarztee als der Sandakphu.

Duft
Der Duft des trockenen Blattes ist im ersten Moment vom First Flush kaum zu unterscheiden, aber er scheint im direkten Vergleich doch kräftiger, würziger und irgendwie schwerer zu sein. In der aufgewärmten Kanne kommen interessante Aromen zum Vorschein, der Duft von Pinienwäldern in einer kleinen Kanne.

Geschmack
Man sieht es schon an der Aufgussfarbe, im Mund folgt die Bestätigung. Dieser Tee ist würziger, vollmundiger und gehaltvoller. Ich gestehe ja, dass ich die oxidierteren Tees lieber mag. Es gibt eindeutige Parallelen zu Darjeeling Second Flush wie z.B. das oft angesprochene Muscatel-Aroma. Der erste Aufguss ist würzig und erfrischend im Abgang. Zuerst zeigt sich Haselnuss, doch im Nachklang erinnert der Tee vielmehr an Walnuss.

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Im zweiten Aufguss werden die nussigen Aromen noch viel deutlicher. Es gesellt sich eine dezente Süße dazu. Sehr lecker.

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Einen Aufguss machen wir noch und werden mit Anflügen von Orangenschalen verwöhnt. Im Gegensatz zum First Flush stellt sich ein vertrauter Schwarzteegeschmack ein. Gepaart mit den Zitrusnoten kommen Erinnerungen an Zitronentee auf. In Polen gibt man ja gerne eine Scheibe Zitrone in den Tee.

Vergleich vom Schwarztee (First Flush) und dem Oolong 9,90 EUR (100g)
Ein richtiger Schwarztee sollte eigentlich braune Blätter haben, ähnlich einem angebissenen Apfel, der einige Zeit an der Luft liegt und sich braun färbt. Links sehen wir den „Schwarztee“, der ein guter Repräsentant eines First Flush aus Darjeeling bzw. Nepal ist. Rechts sehen wir den Oolong, der deutlich dunkler ist.IMG_1759

Fazit
Ich behaupte, dass beide Tees in einer Blindverkostung von „echten“ Darjeeling nicht zu unterscheiden wären. Wenn überhaupt, dann ist es der Oolong, der im Vergleich zu einem volloxidierten Second Flush auffallen würde, weil die Oxidation nicht weit genug fortgeschritten ist. Trotzdem sind beide Tees hervorragende Exemplare dafür, was Nepal zu bieten hat. Und da Nepal noch immer mit den Folgen des Erdbebens zu kämpfen hat, erfreut es mich umso mehr, dass auch Tee Kontor Kiel eine Spendenaktion gestartet hat. 50% der WebShop-Umsätze, die durch Nepal-Tee zustandekommen, werden an ManMayaMed e.V. gespendet. Hier geht es zum First Flush und zum Oolong.

Ist Nepal-Tee nun der bessere Darjeeling? Das kommt ganz darauf an, worauf man den Schwerpunkt legt. Darjeeling ist immer noch in der Lage, Spitzenqualitäten zu produzieren, die Nepal zur Zeit noch ausstechen. Aber diese haben dann auch ihren Preis. Geht man nur nach dem Preis-Leistung-Verhältnis, dann hat Nepal die Nase vorn.

Nepal ist nicht nur gut darin, preisgünstige Darjeeling-Alternativen hervorzubringen. Es gibt Produzenten, die es schaffen, einen ganz eigenen „Nepal-Charakter“ zu kreieren. Um diese Tees wird es nächste Woche gehen. Wenn du den nächsten Beitrag nicht verpassen möchtest, dann trage dich in den Newsletter ein.
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P.S.: Kurz in eigener Sache. Ein kleiner Traum, an dem ich seit mehreren Monaten arbeite, wird sich bald erfüllen. Allein deswegen könnte sich eine Newsletter-Anmeldung lohnen 😉

Hochland-Oolong aus Taiwan

„Worin liegt der Sinn von Verkostungsberichten?“, mag sich der ein oder andere fragen, wenn Blogger ihre subjektiven Eindrücke niederschreiben. Schließlich können sich Hobbytrinker nicht anmaßen, ein für alle gültiges Urteil über einen Tee zu fällen. Hinzu kommt noch, dass sich die sensorische Wahrnehmung von Mensch zu Mensch unterscheidet und somit nicht objektivierbar ist. Aus diesen Gründen habe ich das Bedürfnis mich kurz zu erklären.
Weder maße ich mir an, über die Güte eines Tees zu urteilen, noch möchte ich meine Erfahrungen als das Nonplusultra verkaufen. Verkostungsberichte sind für mich einerseits eine ganz pragmatische Lösung, um meine Erfahrungen festzuhalten und „Tee zu lernen“. Ich trinke zwar schon seit über 10 Jahren Tee, allerdings habe ich erst vor ca. 2 Jahren angefangen bewusst auf Unterschiede zu achten. Davor war Tee einfach Tee. Hier und da habe ich mal etwas Neues gekauft, mal hat es geschmeckt, mal nicht, mal habe ich mir den Namen und die Herkunft gemerkt, mal nicht, und auf diese Weise liegt der Erkenntnisgewinn natürlich bei nahezu Null. Ich möchte also zunächst meine Eindrücke sortieren und festhalten, denn meistens verinnerlicht man die Erfahrungen allein durch das Aufschreiben. Und dann kann es sein, dass es Menschen gibt, die gerne ihre Erfahrungen mit denen eines anderen abgleichen. Wenn man einen Menschen findet, der Tee ähnlich wahrnimmt wie man selbst, dann können seine Erfahrungen nützlich sein, wenn man auf der Suche nach neuen Teeerfahrungen ist. Ich lese zum Beispiel sehr gerne die Eindrücke von anderen und lasse mich von ihnen inspirieren.
Der Tee, um den es sich heute dreht, ist ein Oolong aus Taiwan, den mir eine Arbeitskollegin mitgebracht hat. Eines Tages erfuhr ich in einem Gespräch, dass ihr Freund und Lebensgefährte gerade in Taiwan war. Als er wiederkam, habe ich sie gefragt, wie es da so war, was er gemacht hat und ob er da auch Tee getrunken hat. Zum Tee meinte sie völlig entsetzt, dass er dort so viel eingekauft habe, dass sie nicht wisse, wann sie das je alles austrinken sollten. Aus diesem Grund hat sie mir eine Packung davon mitgebracht. Irgendwann danach war sie dann aber doch begeistert von dem Tee und schwärmte von den tollen Aromen und wie er ihr schmeckte. Ich habe ihr zwar angeboten, dass sie den Tee wiederhaben könne, aber sie lehnte ab.Ein kurzer Einschub, bevor es mit dem Tee weitergeht: Vor einiger Zeit ist ein Paket von Petr Novák angekommen und jetzt dürfen zwei kleine Becher aus dieser Bestellung ihr Debut feiern. Den Rest der Bestellung darf ich leider noch nicht aufmachen, da sie mein Geburtstagsgeschenk enthält. Frau S. ist da sehr streng, ich darf es erst nächste Woche auspacken.Der blaue Becher stammt aus einer Serie von mehreren Bechern, die Petr bei seinem letzten Brand hergestellt hat. Wie ich aus Gesprächen mit anderen Tee-Begeisterten entnehmen konnte, bin ich nicht der einzige, der von dieser blauen Glasur begeistert ist. Der Farbübergang der Glasur, der von oben nach unten immer heller wird, erinnert mich an die Strände Okinawas. Am Horizont ist das Wasser sehr dunkel, zur Mitte hin wird es sehr hell und mündet in ein fast türkises Blau. Der zweite Becher, aus einer anderen Serie, führt diese Metapher fort. Die leichte und hellblaue Glasur ist transparenter und lässt den sandigen, etwas rauen Tonkörper darunter gut erkennen und wirkt dadurch wie das Wasser am Strand in der Nähe des Betrachters. Der Nachteil farbiger, insbesondere dunkler Glasuren, ist, dass sie die Farbe des Tees verschleiern. Daher benutze ich solche Utensilien nur, wenn ich die Farbe des Tees schon kenne bzw. einschätzen kann. So wie dieses Mal.
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Das Blatt des Tees ist grün, vielleicht nicht so hell wie ein moderner Tie Guan Yin (TGY), andererseits wüsste ich auch nicht, ob ich den rein äußerlich auseinanderhalten könnte. Nur im Duft zeigt sich ein kleiner Unterschied. Der vorliegende Tee hat einen leichten Karamell- und Honig-Geruch, doch auch der Blüten-Duft ist vorhanden, der mich ein bisschen an Tie Guan Yin denken lässt.
Das änderte sich aber schlagartig. Im warmen Gaiwan gerät der Blüten-Duft schon in den Hintergrund und die karamellige Süße wurde dominanter. Doch nach dem ersten Spülgang habe ich nur noch eine Mischung aus Mandeln und Amaretto gerochen. Wow!

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Da an diesem Tag nicht so viel Zeit ist, eine lange Tee-Session zu veranstalten, die über 10 Aufgüsse geht, versuche ich die Ziehzeiten etwas zu verlängern, damit die einzelnen Aufgüsse etwas konzentrierter ausfallen. Im ersten Aufguss findet sich der Geruch komischerweise nicht wieder. Im Geschmack notiere ich leichte Mandel, im Abgang die Blüte des TGY, etwas Süße und in der Nase Amaretto. Insgesamt ein lebhafter, frischer Tee. Bei einem weiteren Schnuppern an den nassen Blättern rieche ich Maiglöckchen. Frau S. riecht vor allem mein Aftershave… Wie lange das Zeug doch an den Händen bleibt und sich auf andere Dinge überträgt…

Im zweiten Aufguss bekommt der Tee mehr Körper, schmeckt würziger und vollmundiger. Die Mandel schmecke ich deutlicher und auch die Süße hat zugenommen. Der zuvor beschriebene Duft des Blatts findet sich nun auch in der Tasse wieder.

Im dritten Aufguss bricht der Tee etwas ein. Die Süße nimmt ab und er ist nicht mehr so lieblich. Dafür zeigt sich ein typischer Geschmack, den wohl alle grünen Oolong gemein haben.

Nun erwarte ich ja, dass der Tee ab dem vierten Aufguss immer weiter nachlässt, aber der fünfte wird richtig fruchtig und süß. Leider kratzt der Tee auch im Hals, was ich nicht zum ersten Mal bei einem Tee bemerke. Ich wüsste ja gerne, woran das liegt. Vielleicht weiß jemand von Euch mehr dazu?

Beim sechsten Aufguss hinterlässt der Tee ein cremiges Mundgefühl und schmeckt auch etwas milchiger. Leider müssen wir nach diesem Aufguss los, obwohl der Tee noch nicht am Ende ist. Aber da ich eine 150g-Packung bekommen habe, kann ich mit diesem Tee noch viel experimentieren

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Die Blätter sind in einem sehr guten Zustand und es bereitet mir Freude sie anzusehen. Kann man daraus ableiten, dass der Tee besonders sorgsam verarbeitet wurde? Ich habe jedenfalls schon TGY gesehen, die ein deutlich strapazierteres Blatt gehabt haben.

Zwischenfazit:
Dieser Tee vereint die Eigenschaften der duftigen blumigen Oolong, wie TGY und die der etwas gerösteten Sorten. Zumindest ist das mein Eindruck und ich frage mich, ob dieser Tee eine leichte Röstung verliehen bekam. Karamell und Amaretto kenne ich sonst nur von solchen Oolong.