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Japan Reisebericht Teil III

Dieser Beitrag knüpft an den ersten und zweiten Teil meines Japan-Reiseberichts vom letzten Jahr an. Wir waren dabei stehengeblieben, wie ich in Shigaraki doch noch die Töpfer fand, nach denen ich gesucht habe.

Entspannung in einer heißen Quelle

Noch am selben Abend ging ich, um mich von den Reisestrapazen zu erholen, in ein onsen. Das sind heiße Quellen, die es aufgrund der besonderen geografischen Lage Japans fast überall im Land gibt. Männer und Frauen haben getrennte Bereiche (das war aber im vormodernen Japan noch anders). Ins onsen geht man nicht, um sich im Bad sauberzumachen. Das Saubermachen geschieht sehr gründlich, bevor man in eines der Bäder steigt, in einem separaten Bereich. Am besten nimmt man sich ein Beispiel an den Japanern und hat ein Auge darauf, wie viel Zeit sie sich für die gründliche Reinigung nehmen. Ich wasche mich lieber doppelt und dreifach, bevor ich eher fertig bin als meine Nachbarn.

EIn onsen von außen

Die meisten Becken sind mit ca. 40°C relativ heiß. Es empfiehlt sich daher regelmäßig rauszugehen, damit der Kreislauf nicht versagt. Ich gehe daher immer in den Außenbereich, da man dort am einfachsten seinen Körper abkühlen kann, indem man einfach aus dem Bad aussteigt und sich auf eine der Sitzflächen niederlässt. Außerdem sind die Außenbereiche in der Regel sehr hübsch eingerichtet und erinnern manchmal an Elemente der japanischen Gartenkunst.

Fukui ‑ back to the roots

Am nächsten Tag ging es dann weiter nach Fukui, der Stadt, in der meine Keramikleidenschaft anfing. Dort gab es ein Wiedersehen mit alten Bekannten, dem Ehepaar Kondô und einem guten Freund. Mit dem Ehepaar Kondô habe ich ein sehr langes Gespräch geführt und es ist schön zu beobachten, wie sich eine zwischenmenschliche Beziehung mit jedem weiteren Besuch vertieft, wie man vertrauter wird und wie so etwas wie eine Freundschaft anfängt zu keimen.

Sanae (rechts) & Nobuyasu (links) Kondô

Wir haben darüber gesprochen, von wem sie sich inspirieren lassen. Überraschenderweise hat sich herausgestellt, dass sie sich unter anderem für österreichische Glaskunst interessieren und einige Vasen in Anlehnung an typische Formen bestimmter Künstler gestaltet werden.

Echizen-yaki meets Chôjirô

Bei den chawan sieht es hingegen anders aus. Das Vorbild heißt hier Chôjirô, der Töpfer, der Raku-yaki vor über 400 Jahren begründet hat. Auch ich bin ein großer Fan von Chôjirô, daher habe ich auch Raku in diesem Blog mehrere Artikel gewidmet (Teil 1, 2, 3, 4), habe mir selbst eine Replik gekauft und biete im Shop auch hin und wieder Repliken seiner Schalen an. Chôjirôs Schalen habe eine weiche Form und werden im Freihandaufbau gefertigt. Genau so gehen auch die Kondôs mit ihren Matchaschalen vor. Und wenn man genau hinsieht, dann sind die Parallelen zwischen Chôjirô und ihren Matchschalen zum Greifen nah.

Chawan von den Kondôs
Raku-Chawan: Replik von Chôjirô

Wir haben noch viel über Chôjirô gesprochen. Darüber, dass er und die ihm zugeschriebenen Schalen einen großen Teil meiner Magisterarbeit ausgemacht haben und darüber, dass sie selbst zwei Mal die Ehre hatten, bei einer Teezeremonie eine von seinen Schalen in den Händen halten zu dürfen. Ich sah ihnen förmlich an, wie glücklich sie über dieses Privileg waren, denn Chôjirôs Schalen sind in der Regel gut gehütete Kunstschätze, die man nur in Museen zu Gesicht bekommt.

Meine eigene chawan (Replik von Chôjirô)

Nostalgie-Besuche in Katamachi

Nach unserem Treffen ging es aus Nostalgiegründen Grillspieße (kushi-yaki) essen. Vor 9 Jahren war ich mit meinem guten Freund Felix häufiger in einem Spieße-Restaurant, in dem vor den Augen der Gäste Fleisch und Gemüse gegrillt und frisch serviert wird. Es hat eher etwas von einem Snack, ist aber sehr gesellig, weil jede Bestellung die Belegschaft anfeuert und dazu hinreißt, Bestellungen lautstark zu bestätigen, die dann von den Grillmeistern dankend quittiert werden. Es ist ein einzigartiges Schauspiel bei Akiyoshi, das sich dem Kunden hier bietet. Der Kunde ist in Japan nicht bloß König, er ist ein Gott.

Zum Schluß ging es in die schrägste und zugleich gemütlichste Kneipe in Fukui. Der “Pub Namie” könnte auch als Miniaturmuseum für Star Wars Merchandise durchgehen. Ich gehe immer wieder gerne zu meinem alten Freund, dem ich in Fukui so viel zu verdanken habe. Hier hat sich in all den Jahren kaum etwas verändert. Und bei jedem Besuch kramen wir die alten Fotos von früher aus, die irgendwo verstreut in seiner Bar liegen. Es kamen auch dieses Mal interessante Persönlichkeiten vorbei, um ein Bier zu trinken. An diesem Abend lernte ich einen pensionierten Piloten der Selbstverteidigungskräfte und einen Investor kennen, dessen Firma durch das Geschäft mit Bitcoins und digitalen Währungen zu einem kleinen Vermögen gekommen ist.

Und wo ich das gerade so schreibe, bekomme ich wieder diese bittersüße Sehnsucht nach Japan, nach den Menschen und Orten, die mir so ans Herz gewachsen sind in all den Jahren.

Japan Reisebericht Teil II

Heute folgt der zweite Teil meines Reiseberichts. Den ersten Teil findest du hier.

Von Kyôto ging es aufs Land in die Präfektur Shiga, da auch dort ein Töpferfest stattfand, das ich besuchen wollte. Obwohl die Ortschaft nicht weit weg von Kyôto liegt, musste ich ein paar Mal umsteigen, und als ich am Bahnhof ankam, wusste ich, dass es ländlicher kaum geht. Es gab nur ein kleines Bahnhofshäuschen und ich hatte keine Ahnung, wohin ich gehen sollte, denn von den Gleisen aus, war nicht zu erkennen, in welcher Richtung mein Hotel liegen könnte.

Zum Glück gibt es heutzutage mobiles Wlan günstig zu mieten. Ich kann mir eine Reise in Japan ohne mobiles Internet gar nicht mehr vorstellen. So war es ein Leichtes, den richtigen Weg zu finden, der mich über einen unbeleuchteten Weg führte, vorbei an Bambushainen, vor denen ich immer Respekt habe, da in Japan Wildschweine und Bären keine Seltenheit sind.

Der Kôga-Ninja-Clan

Am nächsten Tag ging es dann zum Töpferfest nach Shigaraki, um Töpfer der gleichnamigen Keramik kennenzulernen. Am nächstgrößeren Bahnhof habe ich dann festgestellt, dass Ninja in dieser Region recht populär sein mussten, denn zahlreiche Ninja-Motive ließen sich an den Wänden der Bahnstation finden und selbst die Bahn, die mich nach Shigaraki bringen sollte, war innen wie außen voll davon.

Dies liegt daran, dass die Kôga-ryû (der Ninjaclan) in diesem Gebiet ihre Wurzeln hatte und man kann auch heute noch in einem Erlebnispark einige Ninja-Techniken üben. Es gab in Japan mehrere Clans, der bekannteste kommt allerdings aus Iga. Doch auch die Kôga-Ninja haben in der Geschichte Japans als Spione und Attentäter Ihre Spuren hinterlassen. Mehr dazu findest du auf dieser Seite.

Das Töpferfest in Shigaraki

Auf dem Töpferfest angekommen, machte sich zunächst Ernüchterung breit. Es gab zwar zahlreiche Stände, doch es wurde fast ausschließlich Massenware und schlichte Gebrauchskeramik angeboten. Von anderen Töpferfesten weiß ich, dass diese gerne von Familien genutzt werden, um Gebrauchskeramik für den Haushalt zu kaufen, aber trotzdem waren auch immer Keramiker vor Ort, die feinere Stücke anboten. Diese konnte ich hier aber nicht finden und ich war schon ein bisschen niedergeschlagen, da ich es schon nicht nach Hagi geschafft hatte und mir von diesem Töpferfest viel versprochen habe. Ich ging dann noch in ein, zwei Keramikgeschäfte, die in der Nähe der Bahnstation lagen. Diese hatten neben der Gebrauchskeramik auch solche Stücke, die ich eigentlich von den Keramikern direkt erwerben wollte.

Also ging ich nochmal zum Töpferfest und suchte den Informationsstand. Ich erklärte der Dame, wonach ich suchte und fragte, ob es außer diesen Ständen noch weitere gäbe. Zum Glück gab es tatsächlich welche, die waren allerdings in einer anderen Ortschaft, wo auch der “Shigaraki Ceramic Cultural Park” liegt . Zum Glück sind die Töpferfeste gut organisiert und ich konnte mit einem Shuttlebus dorthin fahren. Vor Ort fand ich dann tatsächlich das, wonach ich suchte und konnte einige vielversprechende Kontakte knüpfen und interessante Gespräche führen.

In direkter Nähe des “Shigaraki Ceramic Cultural Park” liegen auch die Öfen, in denen die meisten Keramiker ihre Stücke brennen. Dazu gehört neben einem anagama auch ein noborigama. In der Anlage des Instituts ist aber auch ein Gasofen installiert, der für moderne Keramik und Porzellan verwendet wird.

Am Ende des Tages habe ich viele schöne Objekte mitnehmen können und war froh, dass der Tag eine so positive Wendung genommen hat. Mehr über Shigaraki-Keramik erfährst du hier. Wenn du dich für Shigaraki-Keramik interessierst, freue ich mich, wenn du dich im Shop danach umsiehst.

Kurzer Nachtrag zum Thema Tanuki (jap. Marderhund)

Wer in Japan unterwegs ist, begegnet immer wieder Figuren, die an Waschbären erinnern. Sie tragen Hüte sowie allerlei Sonderbares und werden vor Eingängen von Geschäften aber auch vor Privathaushalten platziert.

Die Rede ist vom Tanuki, den es sowohl als Kunstfigur als auch als echtes Lebewesen gibt. Die Kunstfigur wird traditionell in Shigaraki hergestellt und hat von dort aus halb Japan erobert. Es gibt sie in allen Größen und sie gelten als Glücksbringer. In der Regel hat solch ein Tanuki acht Merkmale, jedes davon spendet dem Besitzer Glück.

So schützt der Hut vor Funken und somit den Besitzer vor Unglück, vor allem vor Bränden. Die großen Augen stehen für die hohe Aufmerksamkeit, die vor allem den Kunden des Hauses zugute kommt. Das Sparbuch repräsentiert die Kreditwürdigkeit, so dass man sich auch mal beim Einkauf etwas anschreiben lassen kann. Die Sake-Flasche bedeutet, dass man immer genug zu Essen und zu Trinken hat. Der große Schwanz verleiht Stabilität und dem Geschäft Sicherheit auch in Zeiten der Regression. Der große Bauch entspricht einem coolen Charakter, der einem hilft, mit Schwierigkeiten umzugehen. Das süße Gesicht verleiht der Figur eine Liebenswürdigkeit, die sich auf den Besitzer überträgt und ihm bei seinen Geschäften hilft. Schließlich hat der Tanuki noch relativ große Hoden, die Wohlstand repräsentieren. Je größer sie sind, desto mehr Geld nimmt man ein.

Japan Reisebericht Teil I

Es ging alles etwas holprig los. Am Morgen des 5. Oktober sollte es nach Japan gehen. Es ging letztendlich auch nach Japan, allerdings nicht direkt. Schuld daran war der Sturm, der das Flugzeug in Amsterdam in Richtung Düsseldorf, mit dem ich wiederum nach Amsterdam fliegen sollte, gar nicht erst starten konnte, weil die Wetterbedingungen in Amsterdam so schlecht waren, dass am Vormittag massenweise Flüge gestrichen wurden.

Der Flieger kam dann doch noch mit 90 Minuten Verspätung in Düsseldorf an. Meinen Anschlussflug habe ich um ca. 30 Minuten verpasst. Ein Traumstart. Das ist mir noch nie passiert. Dann folgte vier Stunden lang Schlange stehen. Dabei lernte ich eine Japanerin, einen Italiener und einen Franzosen kennen. Wir haben uns über viele Dinge unterhalten und uns so gegenseitig die Wartezeit zwar nicht verkürzt, aber zumindest ein bisschen angenehmer gestaltet.

Innerlich habe ich mich bereits darauf eingestellt, dass ich erst am nächsten Tag fliegen werde, doch dann hieß es, dass ich über Seoul nach Osaka fliegen kann. Noch am selben Abend. Dadurch würde ich allerdings nicht wie geplant morgens in Japan ankommen, sondern erst abends.

Das hatte wiederum Auswirkungen auf meine Pläne vor Ort. Denn ich wollte nach Hagi fahren, was allerdings 6-7 Stunden entfernt vom Flughafen in Kansai liegt. Dahin konnte ich nun nicht mehr, da ich erst Freitag Abend am Flughafen ankommen würde. Daher musste ich die Hotels stornieren und habe zum Glück noch eines in Kyôto gefunden, das vom Flughafen in 90 Minuten zu erreichen ist.

Doch das Glück meinte es nicht gut mit mir. Obwohl ich das Hotel im Voraus bezahlt habe, hieß es dann plötzlich, dass die Unterkunft nur für einen Tag frei wäre. Also brauchte ich dann doch ein neues Hotel für den darauf folgenden Tag. Dieser war eh hinüber, da ich am Samstag nochmal zum Flughafen musste, um meinen WLAN-Adapter von der Post abzuholen, die am Abend des Vortags bereits geschlossen hatte. Den Rest des Tages habe ich mit Hotelwechsel zugebracht und bin dann noch ins Nijô-jô gefahren.

Obwohl ich schon häufig in Kyôto war, hatte ich es nie hierher geschafft. Vielleicht auch deswegen, weil sonst nichts Interessantes in direkter Nähe liegt. Die Anlage an sich ist weitläufig und mir gefielen die Gärten am besten, obwohl Nijô eigentlich für die bemalten Wände der zahlreichen Zimmer bekannt ist.

In einem der Gärten habe ich Matcha getrunken und die Aussicht genossen. In weiter Ferne konnte man eine japanische Hochzeit bestaunen, die in einem traditionellen Haus ausgerichtet wurde.

Am nächsten Tag ging es dann ins Kyôto Nationalmuseum. Auch hier war ich noch nie zuvor gewesen und werde auch nie wieder hingehen. Das Museum ist bekannt für seine große Sammlung an Nationalschätzen. Und natürlich war ich gespannt auf die keramischen Nationalschätze, vor allem Teeutensilien wollte ich sehen. Es gab ja schließlich einen dafür designierten Ausstellungsraum, die Vorfreude war also groß. Doch leider wurden in diesem Raum hauptsächlich Hängerollen ausgestellt und nur zwei (!!!) Keramiken. Dafür stand ich 90 Minuten bei Hitze in der Schlange…

Ich bin dann noch von Gojôzaka bis Gion durch die Nebenstraßen geschlendert und bei dieser Gelegenheit habe ich einige Einkäufe gemacht. Dabei musste ich feststellen, dass viele der Läden, die ich von früher kannte, Kimono-Verleih-Geschäften gewichen sind. Scheinbar verkaufen sich traditionelle Dinge immer schlechter, sehr schade, da Kyôto dadurch immer mehr zu einer Touristenstadt mutiert.

Dieser Bericht liest sich vielleicht ein bisschen negativ. Ich verspreche, dass es ab Teil II besser wird. Viel besser 🙂 Kurz noch in eigener Sache: die mitgebrachten Stücke aus Japan befinden sich bereits online im Shop.

Deutschlands erster Teegarten: Tschanara

Es ist schon erstaunlich, wo überall Camellia sinensis und die verschiedenen Varietäten, die sich daraus entwickelt haben, gedeihen können. Denn ursprünglich kommt die strauchartige Pflanze aus wärmeren Gefilden des Länderdreiecks Myanmar, Laos und Südchina (Yunnan). Von dort begann die Ausbreitung, begünstigt durch den Menschen.

Wo Tee überall wächst

Heutzutage wird Tee in über 60 Ländern angebaut, darunter sind neben bekannten Weltmarktgrößen wie China, Indien und Kenia auch Klassiker wie Japan vertreten. Doch wenn man sich die Liste, die von Tony Gebely in diesem Artikel zusammengefasst wurde, durchliest, dann findet man auch Exoten wie Zambia oder eben auch Deutschland.

Das Tor zum Garten

Deutschlands erster Teegarten Tschanara

Ja, richtig, auch in Deutschland wird Tee angebaut. Aber leider noch nicht in einem Stadium, der es den Betreibern erlaubt, relevante Mengen herzustellen. Es geht um den Garten Tschanara (koreanisch: Tee-Land), der von Wolfgang und Haeng ok aus Leidenschaft betrieben wird. Vor nicht allzu langer Zeit wurde ein Interview im Tee-Fokus veröffentlicht, den ich dir nicht vorenthalte möchte.

Viele verschiedene Cultivare, hier ein Vertreter aus Vietnam

Durch meinen Umzug ins Rheinland ist die Entfernung auf gerade mal eine Autostunde geschrumpft. Grund genug, den Garten mal zu besuchen. Zwei Arbeitskollegen, darunter auch Gero, haben mich im Juli begleitet und nun möchte ich dir einen kurzen Einblick in diesen Garten geben.

So unterschiedlich können die Blätter aussehen

Tschanara ist ein Garten, der aus einer Sammlung zahlreicher Cultivare besteht. Es würde zu lange dauern, alle zu benennen, aber wir bekamen Vertreter aus Laos, China, Japan, Korea, Türkei, Azoren, Indien und viele mehr zu Gesicht. Neben den beiden Klassikern Camellia sinensis und der var. assamica waren auch Cultivare dabei, die der Camellia taliensis zugeordnet werden können. Das ist deshalb interessant, weil diese Art nur in wilder Form größtenteils in Yunnan zu finden ist.

Und so groß können die Blätter einer “Assamica” werden

Welche Teesorten werden hergestellt?

Seit einigen Jahren produzieren Wolfgang und Haeng ok Tee aus einigen ausgewählten Sträuchern bereits Tee. In erster Linie Grünen Tee, doch sie haben auch schon Erfahrung in der Herstellung von Schwarzem Tee und Oolong gesammelt.

 

Derzeit sind sie noch damit beschäftigt, Sträucher zu identifizieren, die sich gut für die Herstellung von Tee eignen. Dabei hat sich herausgestellt, dass Pflanzen vom selben Cultivar nicht zwangsläufig die gleichen Resultate hervorbringen. Das liegt daran, dass die meisten Pflanzen generativ vermehrt, also aus Samen gezogen werden. Genetisch sind die Pflanzen dann trotzdem unterschiedlich und können Unterschiede in Blattstruktur, Geschmack und Farbe aufweisen. Vermehrt man die Pflanzen hingegen vegetativ, d.h. mittels Stecklingen, haben alle Ableger die selben Eigenschaften, weil sie quasi “Klone” der Mutterpflanze sind und einfach nur an einem anderen Ort weiterwachsen.

Mein eigener Tee

Wir hatten das Vergnügen unseren eigenen Tee machen zu dürfen. Dabei durfte jeder von uns selbst Tee pflücken. Ich wollte anfangs Tee von einer kurzen Reihe von Sträuchern pflücken, die einem holländischen Cultivar angehören. Konsequent hielt ich mich an zwei Blätter und eine Knospe – also two leaves and a bud. Dabei ist mir aufgefallen, wie langwierig allein das Pflücken der Blätter ist. Leider hatten die Sträucher, die ich mir ausgesucht hatte, nicht genug geeignete Blätter, daher bin ich dann dazu übergegangen, alle Blätter zu pflücken, die meinem Pflückstandard entsprachen. Am Ende hatte ich dann etwas über 80 g zusammengesammelt.

Fast eine Stunde habe ich für ca. 80 g frischen Tee gebraucht

Danach haben wir aus diesen Blättern den Tee unter der Anleitung von Haeng ok hergestellt. Zuerst mussten wir die Blätter in einem Wok anrösten, damit diese geschmeidiger für die weitere Verarbeitung wurden. Dabei mussten wir die Blätter sehr schnell wenden, damit sie nicht vom heißen Metall angesengt werden konnten. Das war für mich das Schwerste, denn auch mit Handschuhen, wurde es schnell sehr heiß an den Fingerkuppen. Ich konnte gar nicht so schnell agieren, wie es eigentlich erforderlich gewesen wäre.

Anschließend wurde der Tee dann geknetet und gerollt. Diese Phase ist wichtig, damit Zellsäfte nach außen treten. Dann kommen die Blätter zum Rösten und Trocknen immer mal wieder für kurze Zeit in den Wok. Dabei braucht es viel Erfahrung, um abschätzen zu können, wann man welchen Schritt tut.

Und so sah mein Tee dann nach der Verarbeitung aus

In der Zwischenzeit haben wir zwei Tastings gemacht. Dabei haben wir in der ersten Runde Grüntees probiert, die aus verschiedenen Cultivaren unter gleichen Bedingungen hergestellt wurden. In der zweiten Runde kamen dann Oolong und Schwarztees dazu.

Grüntee-Tasting

Tea grown in Europe Association

Noch gar nicht erwähnt habe ich die Ende 2016 gegründete “Tea grown in Europe Association”, deren Gründer, Herr und Frau Mazerolle, ebenfalls an diesem Tag zu Besuch kamen. Tschanara ist eines von vier Mitgliedern des Verbandes, der sich zum Ziel gesetzt hat, durch Zusammenarbeit und Austausch zwischen Anbauern, Tee in Europa anzubauen. So haben wir gelernt, dass es in Frankreich gleich drei Projekte gibt, die sich mit dem Teeanbau beschäftigen. Denis Mazerolle selbst engagiert sich mit seiner Frau in der Bretagne. Denis hat über den Besuch von Tschanara einen Newsletter geschrieben, den du hier einsehen kannst.

Das Ergebnis und der Austausch war für alle Beteiligten sehr lehrreich. Die “learnings”, die sich überhaupt an diesem Tag für uns ergaben, sind:

  • In Deutschland ist Teeanbau möglich
  • Es gibt große Unterschiede zwischen den Cultivaren, die sich auch auf den Geschmack auswirken
  • Cultivare, die aus Samen gezogen werden, schmecken unterschiedlich
  • Die Früchte des Teegartens Tschanara sind bereits jetzt vielversprechend

Nach dem Tasting haben wir unsere Tees final geröstet. Seitdem ist gut ein Monat vergangen und ich komme erst heute dazu, meinen Grüntee zu verkosten. Die Ergebnisse der Verkostung werde ich dir aber in einem anderen Artikel vorstellen, da dieser bereits lang genug geworden ist.

Ich möchte mich nochmals bei Haeng ok und Wolfgang für die zusammen verbrachte Zeit bedanken und freue mich schon auf den nächsten Besuch.

Drei Arten, Tee eiskalt zu genießen

Die Tage werden länger, die Temperaturen steigen, der Sommer kommt und damit auch das Bedürfnis, kalte Erfrischungsgetränke zu genießen. Tee ist dann nicht immer die erste Wahl. Schade eigentlich, denn in Japan beispielsweise ist kalter Tee so weit verbreitet, dass man ihn an jedem Getränkeautomaten ungesüßt bekommt.

Grundsätzlich gibt es drei Methoden. Zwei dauern maximal fünf Minuten, die andere ca. sechs bis 12 Stunden. Es reicht jedoch nicht, den Tee normal aufzubrühen und nach der Ziehzeit einfach stehen zu lassen, bis er kalt geworden ist. Dabei verändert sich der Geschmack zu sehr, manchmal wird der Tee regelrecht ungenießbar, weil er nachbittert.

Die schnelle Methode

Für die schnelle Methode reicht es, wenn man Eiswürfel im Gefrierfach hat. Viele Eiswürfel. Für einen Liter Eistee benötigt man die dafür empfohlene Menge Tee, in der Regel 12 g. Man brüht diese Menge allerdings mit 400 ml kochendem Wasser (bei Grüntee 80° C) auf, achtet auf die reguläre Ziehzeit und gießt den Tee durch ein Sieb in eine mit 600 g Eiswürfeln gefüllte Kanne.

Wenn du den Eistee süßen möchtest, dann kannst du die benötigte Menge Zucker mit ein wenig heißem Wasser vermengen und so lange rühren, bis der Zucker sich aufgelöst hat. So hast du eine Art Sirup, den du nur noch mit dem Eistee verrühren musst.

Die langsame Methode

Vorweg die schlechte Nachricht: Für diese Zubereitungsweise eignet sich nicht jeder Tee. Dadurch dass man die Blätter nur mit kaltem Wasser übergießt und sehr lange im Kühlschrank ziehen lässt, werden Keime und Bakterien nicht abgetötet. In der Regel ist Tee durch die finale Trocknung ein Produkt, das mikrobiologisch nicht besonders stark belastet ist. Der Umgang mit der fertigen Ware nach der Trocknung ist jedoch ausschlaggebend dafür, ob sich ein Tee für einen Kaltaufguss eignet oder nicht.

Tee wird immer noch als ein Lebensmittel verkauft und hergestellt, das erst durch die Zubereitung mit heißem Wasser zum fertigen Produkt wird. Daher muss Tee per se nicht dieselben Anforderungen erfüllen, wie verzehrfertige Lebensmittel. Er wird durch kochendes bzw. heißes Wasser zu einem sicheren Getränk.

Ich kenne nur zwei Herkünfte, die ich vorbehaltlos für einen Kaltaufguss empfehlen würde. Tee aus Japan ist eine davon. Dort arbeitet man traditionell bei der Herstellung von Lebensmitteln sehr sauber und gründlich. Daher ist japanischer Tee meiner Erfahrung nach mikrobiologisch kaum belastet. Ähnlich sauber wie die Japaner arbeitet auch der junge Teegarten Zealong, mit dem ich erst kürzlich gesprochen habe.

Ich habe zwar auch schon Kaltaufgüsse mit Tees aus Taiwan und China gemacht und diese “überlebt”, ausdrücklich empfehlen kann ich diese wegen des Restrisikos aber nicht. Im Zweifel würde ich immer die erste Methode vorziehen, um aus diesen Tees einen Eistee herzustellen.

Kleiner Tipp: du kannst auch 18 oder gar 24 g verwenden. Dadurch verkürzt sich die Ziehzeit oder der Tee wird einfach intensiver und hat noch mehr Umami.

Die dritte Methode

Dies ist die simpelste Methode von allen, aber sie lässt sich nur auf Matcha anwenden. Matcha lässt sich auch wunderbar mit kaltem Wasser zubereiten. Dazu reicht es, den Matcha zu sieben, kaltes Wasser dazuzugeben und mit dem Bambusbesen (chasen) wie gewohnt den Matcha aufzuschlagen. Wer möchte, kann danach noch Eiswürfel dazugeben.

Was trinkst du im Sommer und welche Eistee-Rezepte kannst du empfehlen?

Zealong Green Tasting Notes

Zealong steht für einen Teegarten vom anderen Ende der Welt. Das ist nicht einmal übertrieben, denn wir sprechen immerhin von Neuseeland. Weiter weg von Deutschland liegt vermutlich keine Plantage. Das Wort “Zealong” verbindet einerseits das Herkunftsland (englisch: “New Zealand”) und andererseits den heimlichen Schwerpunkt des Gartens, den Oolong.

Aller Anfang ist schwer

Als der Teeliebhaber und Gründer Vincent Chen 1996 den Plan, Neuseelands erste Teeplantage zu gründen, in die Tat umsetzte, ging er ein großes Risiko ein. Er orderte aus verschiedenen Regionen Asiens insgesamt 1500 Setzlinge, die zunächst in Quarantäne mussten. Diese Zeit überlebten leider nur 150 Exemplare. Umso bemerkenswerter, dass aus diesen Setzlingen heute auf 40 ha 1 Million Pflanzen gezogen werden konnten.

Ökologischer Anbau aus Überzeugung

Von Anfang an wurde auf Nachhaltigkeit großen Wert gelegt. So verwundert es nicht, dass alle Tees Bio-zertifiziert sind und daher keine Pflanzenschutzmittel zum Einsatz kommen. Dies beinhaltet auch die Düngung mit Naturdünger, chemische Zusätze sind verboten. Zealong ist ein weiteres Beispiel dafür, dass biologisch hergestellter Tee keine Geschmackseinbußen hinnehmen muss.

Das Sortiment

Insgesamt werden bei Zealong fünf Sorten hergestellt, darunter ein Schwarztee, ein Grüntee und drei Oolong in verschiedenen Röststufen. Ich hatte schon im Laufe der Zeit Gelegenheit, alle Tees zu probieren, leider ist bisher noch kein Artikel im Blog daraus entstanden. Jeder Tee hat seine eigene Fangemeinde. Während die Oolong sich vor den Klassikern aus Taiwan und China (zum Beispiel Tie Guan Yin) nicht verstecken müssen, haben vor allem der Schwarztee und der Grüntee eine ganz eigene Charakteristik. Bei mir auf der Arbeit ergibt sich ein gemischtes Stimmungsbild, jeder hat seinen Favoriten unter den drei Sorten, die seit einigen Wochen exklusiv bei TeeGschwendner angeboten werden. Ich mag mich, wie immer, nicht auf eine Sorte festlegen. Doch der Grüntee hat mich wegen seiner Eigenheit am meisten überrascht.

Tasting Notes

Wenn ich mir das Blatt des Zealong Green angucke, fällt zunächst die Farbe auf. Wie bei einem Grüntee nicht unüblich (*augenzwinker*) ist die Farbe grün. Allerdings geht dieses Grün je nach Lichteinfall schon fast ein bisschen ins Bläuliche.

Der Duft

Das Aroma dieses Grüntees ist verblüffend. Ich kenne keinen gerösteten Grüntee anderer Herkunft, der einem japanischen Tee so nahe kommt. Zunächst dominiert die Fruchtigkeit, die man von einigen exquisiten Sencha her kennt. Diese Frucht geht in Richtung Maracuja und Mango. Röstnoten von Maronen und ein Hauch von Alge (Nori) sind ebenfalls zu vernehmen. Im aufgewärmten Gaiwan werden die Fruchtnoten noch intensiver.

 

Die Zubereitung

Da der Tee den japanischen Sorten so erstaunlich nahekommt, versuche ich, den Tee auch so zu brühen (siehe Zubereitungsempfehlung für japanische Grüntees gehobener Qualität).

Der Geschmack

Direkt nach dem ersten Aufguss rieche ich immer gerne zunächst an der Infusion, also an den nassen Blättern. Würde man mir in einer unvorbereiteten Situation diesen Geruch vor die Nase halten, würde ich sofort auf Sencha tippen. Daher interessiert mich umso mehr, wie sich der Neuseeländer in der Tasse zeigt.

Zunächst zeigt der Zealong Green seine zarte Seite, florale Aromen wie die von Tie Guan Yin steigen überraschend in die Nase. Aber auch die Fruchtnoten von vorhin sind präsent. Im Abgang kommt geschälte Mandel zur Geltung, das ist schon die zweite Assoziation, die ich mit einem Tie Guan Yin habe. Die Fruchtnoten lassen sich nicht unterkriegen und erinnern mich spontan an eine japanische Limonade (jap.: ramune ラムネ). Für diejenigen unter Euch, die diese Limonade nicht kennen, verweise ich auf die türkische Limonade Uludag. Für mich ist dieser Geschmack nostalgisch, denn in meiner Kindheit habe ich in Polen ebenfalls eine Limonade nach dieser Art getrunken. Leider sind die Marken von damals durch den Wandel in den 90ern vom Markt verschwunden und wurden von Billigmarken mit einem künstlichen Geschmack ersetzt.

Zurück zum Tee, wir befinden uns jetzt beim zweiten Aufguss. Der Tee hat nun mehr Körper, ist immer noch sehr aromatisch und hat sogar eine Spur Umami. In Verkostungssituationen, bei denen wir den Tee mit kochendem Wasser aufgießen und fünf Minuten ziehen lassen, tritt Umami sogar noch deutlicher hervor. Nun zeigen sich auch die gerösteten Maronen, die von einer schönen Süße begleitet werden. Auch der dritte Aufguss enttäuscht nicht, obwohl er nicht mehr an den zweiten heranreicht.

Fazit

Man würde dem Zealong Green unrecht tun, wenn man ihn auf seine Parallelen zu japanischen Grüntees reduzieren würde. Die Verbindung aus Frucht- sowie Röstnoten und floralen Aromen verleihen ihm einen eigenständigen Charakter. Damit hat Zealong in kürzester Zeit das geschafft, was viele neue Anbauregionen zum Ziel haben: einen hochwertigen und eigenständigen Tee kreieren, der die Teewelt zu begeistern weiß.

An dieser Stelle möchte ich noch einen Artikel im Tee-Tagebuch empfehlen, wo alle drei Sorten verkostet und beschrieben wurden. Wer sich für die Tees interessiert, findet sie hier bei TeeGschwedner.

Warum ich nur noch kleine Kannen benutze

Kleine Kannen wirken auf uns häufig befremdlich und unnütz. Man kann damit nur wenige Schlücke Tee zubereiten, viel Aufwand und wenig Ertrag, könnte man meinen. Tatsächlich habe ich früher auch so gedacht. Das lag daran, dass meine Trinkgewohnheit eine andere war. Ich bereitete mir immer 400 ml direkt in einem großen Becher zu, den ich dann vor mich hin trank, während ich mich wieder anderen Dingen widmete.

Wozu also diese kleinen Kannen?

Kleine Kannen sind der Ausdruck einer komplett anderen Herangehensweise an Tee. Wer kleine Kannen (oder vergleichbare Utensilien mit ähnlichem Volumen) benutzt, der kann nur eine kleine Menge Tee zubereiten, dafür aber in mehreren Aufgüssen. Ja, das hört sich nicht nur nach Mehraufwand an, es ist auch mehr Aufwand und das ist auch gut so.

Denn es gibt zahlreiche Teesorten, die wir mit der Mehrfachaufgussmethode brühen können. Dabei geht es nicht mehr darum, den Tee nebenbei wie beispielsweise eine Apfelschorle zu trinken. Tee ist dann ein Genussmittel wie ein hochwertiger Cognac oder Whisky, dem man dann seine volle Aufmerksamkeit schenkt.

Welche Vorteile bringt mir die Mehrfachaufgussmethode?

Wenn ich mit einer kleinen Kanne Tee zubereite, dann versuche ich die Vielseitigkeit der ausgewählten Sorte zu ergründen. Jeder Aufguss schmeckt ein bisschen anders und das mach den Tee viel interessanter. Ich kann dabei den Geschmack meinen Vorlieben anpassen, in dem ich den Tee entsprechend dosiere und die Ziehzeit anpasse. Auch die Wassertemperatur hat einen Einfluss, den ich geltend machen kann. Es geht mir also um Genuss.

Das private Teeritual entspannt

Häufig nehme ich mir je nach Teesorte eine halbe bis eine Stunde Zeit. Während ich mich dem Tee hingebe, versuche ich, alles Andere auszublenden. Selbstverständlich läuft der Fernseher nicht im Hintergrund. Nicht einmal Musik höre ich nebenbei. Das lenkt nur ab von der Akustik des Kochens, des ganzheitlichen Erfahrens. Tee ist eine gute Achtsamkeitsübung und wenn man sich auf den Tee konzentriert, dann kehrt im Inneren Ruhe und Entspannung ein. Darüber habe ich hier bereits einen Artikel geschrieben.

Man spart auch Geld

Jedes anständige Teefachgeschäft hat im Sortiment einige besonders hochwertige Sorten. Diese kosten natürlich etwas mehr. Ich kaufe mir von den Tees, die mich interessieren, immer nur die kleinstmögliche Menge, das ist in der Regel 50 g. Je kleiner die Kanne, desto geringer ist mein Verbrauch. Da es beim Teegenuss ohnehin mehr auf die Geschmackserfahrung als auf die getrunkene Menge ankommt, spart man mit einem kleinen Utensil Geld. Und wenn man mehrere Aufgüsse macht, dann steigt die Trinkmenge ohnehin an.

Das Auge trinkt mit

Kleine Teekannen werden häufig von Keramikern noch handgemacht. Indem man sich eine hübsche Kanne für sich aussucht, kann man sich an dieser bei jeder Zubereitung erfreuen. Es steigert den Genussmoment, wenn man neben dem Tee auch die liebgewonnenen Utensilien während der kleinen Einkehr zum Tee auf sich wirken lässt. Dazu gehört neben dem Vorbereiten, dem Ausspülen auch die Handhabung. Dies ist auch der Grund, warum viele Teeliebhaber eine große Sammlung an Utensilien besitzen.

Eine neue Heimat

Seit meinem achten Lebensjahr wohnte ich fast ununterbrochen in Hamburg. Hier ging ich in den Kindergarten, wurde eingeschult, machte meinen Führerschein, absolvierte ein Freiwilliges Soziales Jahr und studierte Japanologie. In Hamburg lernte ich meine Frau kennen und heiratete sie.

Doch obwohl Hamburg gemessen an der Wohnzeit die Stadt ist, in der ich am längsten gelebt habe, wurde ich hier nie richtig heimisch. Die Stadt ist super, keine Frage, aber für jemanden, der auf menschliche Vertrautheit und Ruhe großen Wert legt, ist Hamburg nicht zwingend die richtige Stadt.

In Hamburg arbeitete ich drei Jahre für Aiya Europe und bekam somit die Gelegenheit tief in das Thema Matcha und Japan-Tee einzutauchen.  Auch dies war eine schöne Zeit, an der ich dich an der einen oder anderen Stelle teilhaben ließ.

Ein neuer Teeweg

Diesen Monat habe ich einen neuen (Tee-)Weg eingeschlagen. Ich habe in Rheinbach ein neues und ruhiges Zuhause gefunden. Von hier aus fahre ich in nur zehn Minuten zu meinem neuen Arbeitgeber TeeGschwendner. Es ist das Unternehmen, welches mich schon bei meinem ersten Besuch vor drei Jahren begeistert hat.

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Und wenn ich mir den Verlauf meines Teewegs so anschaue, dann stelle ich fest: der liebe Gott meint es gut mit mir.  Es ist immer ein großes Privileg, die eigene Leidenschaft mit dem Beruf zu verbinden und ich freue mich, dass ich sie mit einem so großen Sortiment ausleben kann.

Was sich ändert

Doch natürlich bringt so eine Veränderung auch Folgen für den Blog mit sich. Wie du vielleicht bemerkt hast, sind Tasting Notes ohnehin rarer geworden. Ich denke, es ist verständlich, dass ich fortan auf Artikel verzichte, die Tees von Mitbewerbern behandeln. Aber ich möchte gerne weiterhin Skurilitäten der Teewelt und die ein oder andere Perle aus dem TeeGschwendner-Sortiment vorstellen, ganz einfach, weil es mir Freude bereitet, meiner Leidenschaft Ausdruck zu verleihen.

Was sich nicht ändert

Teekeramik wird weiterhin einen großen Teil dieses Blogs einnehmen. Es sind für die Zukunft auch viele weitere Besuche geplant, die neuen Stoff für Artikel ergeben werden. Natürlich wird in diesem Zusammenhang auch der Shop weitergeführt, dessen Schwerpunkt japanische Teekeramik bleibt. Ich hoffe, du bleibst mir auch in Zukunft wohlgesonnen.

Neues aus Japan!

Am Mittwoch bin ich aus Japan zurückgekommen. Im Gepäck war auch ein bisschen Zubehör und zum Glück ist alles heil geblieben. Drei Wochen war ich vor Ort unterwegs, davon zwei beruflich in der Präfektur Aichi und Kagoshima und eine weitere privat für Teekeramik.com.

Zusammenfassung der ersten zwei Wochen

Einer der Hauptgründe meiner Geschäftsreise war die Betreuung von Kunden vor Ort. Der Matcha-Boom in Europa löst auch mehr Wissbegierde aus und viele Menschen möchten den Anbau und die Verarbeitung live vor Ort erleben. Ganz nebenbei ist Japan (meiner Meinung nach) auch aus touristischer Sicht eines der attraktivsten Länder dieser Erde. Und dieser Umstand mag ebenfalls dazu beigetragen haben, dass der Ansturm seitens der Kunden sehr hoch ausfiel. Für mich ist dies immer eine gute Gelegenheit, die eigene Japan-Leidenschaft weiterzugeben.

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In Japan war es bereits sehr warm, manchmal sogar ziemlich heiß. In Nishio, der Heimat von Aiya, kann man an so ziemlich jeder Ecke irgendetwas mit Matcha verkosten. Was mich aber am meisten überzeugt hat, war letztlich Matcha mit kaltem Wasser aufgeschlagen. Gerade wenn man wegen der Hitze keine Lust auf etwas Heißes hat, dann kommt einem ein kühler Matcha doch schon sehr entgegen.

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Ein weiteres Highlight war ein Eis, welches wir in der Aiya-Zentrale probieren durften. Dieses Eis wurde mit  s e h r   v i e l  Bio Matcha Ten hergestellt, das ist die höchste Qualität, die es bei “Aiya – THE TEA” zu kaufen gibt (sorry für die Schleichwerbung). Normalerweise empfehlen wir diese Qualität ja nur für den puren Genuss, aber ein Eis, das extrem hoch mit diesem Matcha versetzt ist, schmeckt einfach unglaublich gut. Ich bin kein Fan von Süßigkeiten, aber da dieses Eis nur eine dezente Süße hatte, war es (nicht nur) für mich einfach perfekt.

Ein weiteres Learning war, dass konventioneller Matcha dann doch anders schmeckt. Ich muss gestehen, dass mir dieser sogar lieber ist. Natürlich denke ich dabei auch ein bisschen an die Pestizide. Gegen dieses böse Kopfkino hilft es dann aber, wenn man sich bewusst macht, dass man Matcha generell in nur kleinen Mengen verzehrt. Dann kann man ja mal eine Ausnahme machen.

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In Kagoshima habe ich drei unserer Teebauern getroffen. Sehr nette und einfache Menschen, die viel Wert auf Familie legen. Mir als gebürtigem Polen ist das sehr sympathisch, denn ich sehe da viele Parallelen, die ich in der modernen Gesellschaft vermisse. An einem Abend war ich mit ihnen Karaoke singen und es war ein sehr langer und lustiger Abend. Am nächsten Morgen habe ich dann festgestellt, dass ich mir irgendwo in den Teefeldern Kagoshimas eine Zecke eingefangen habe. Ich war natürlich verunsichert, denn in Deutschland macht man ja immer so eine große Panik darum, dass sie auch schnell entfernt werden müssen – du kennst das ja. Mein Kollege war da tiefenentspannt. Seiner Meinung nach bringe es nichts zum Arzt zu gehen, die schickten einen damit wieder weg. Super, dachte ich mir. Letztlich habe ich die Zecke selbst entfernt (sie hatte sich noch nicht festgesaugt). In Japan scheinen Zecken nicht oder nur äußerst selten FSME und Borreliose zu übertragen.

Eine Woche quer durchs Land

Von Kagoshima ging es über Kobe nach Fukui. Dort traf ich zunächst das Ehepaar Kondo, von denen ich künftig Teekeramik beziehen werde. Sie leben in einem bescheidenen aber alten Haus, welches bereits seit der Meiji-Zeit am Fuße eines Berges steht. Dort haben sie sich niedergelassen und brennen in einem selbst gebauten Ofen ihre überaus reizvolle Keramik, die eine natürliche Ascheglasur trägt. Wir unterhielten uns über fünf Stunden über Gott und die Welt, es folgt noch ein Blog über diese Begegnung, denn es würde an dieser Stelle den Rahmen sprengen.

Die Eheleute Kondo
Die Eheleute Kondo

In Tokyo traf ich den Keramiker Hodaka Ryûji, der die unverwechselbaren Oribe-Matchaschalen herstellt. Zunächst trafen wir uns im Oribe Café im Szeneviertel Shimo-Kitazawa, wo auch einige seiner Werke ausgestellt sind. Bei dieser Gelegenheit erwarb ich zwei seiner Matchaschalen, von denen eine im Shop landet (siehe Foto). Um mir einen besseren Überblick zu verschaffen, was er noch alles anbietet, sind wir noch in ein Kaufhaus in Shinjuku gegangen.

Oribe-yaki von Hodaka Ryûji
Oribe-yaki von Hodaka Ryûji

Dort angekommen sah ich mir bei dieser Gelegenheit auch Stücke anderer Künstler an. Dann wurde ich plötzlich von einer Dame auf Englisch angesprochen. Ich mag das eigentlich nicht, wenn man mich unaufgefordert anspricht und mir etwas zu den Stücken erzählt. Ich fühle mich dann immer einem gewissen Kaufdruck ausgesetzt, also blieb ich reserviert zurückhaltend. Ich erfuhr von der Dame, dass auch sie selbst etwas ausstelle, was ich mir im Anschluss dann auch ansah. Ihre Werke wirkten ein bisschen wie eine Mischung aus Oribe-yaki, Geschirr aus der Toskana und England.

Als Hodaka Ryûji sich zu mir gesellte, erzählte ich ihm von der englischen Dame. Sie bekam mit, dass wir uns auf Japanisch unterhielten und klinkte sich zu meiner großen Überraschung auf Japanisch ein. Doch das wurde noch übertroffen. Es stellte sich nämlich heraus, dass es sich bei dieser Person um Penny Simpson handelt, der Autorin des “Japanese Potter Handbook”, welches ich in der Uni gelesen habe. Wir unterhielten uns dann noch etwas weiter und machten sogar noch ein Foto zusammen.

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Hodaka Ryûji, Penny Simpson, Lukas Parobij

Die letzte Station war dann Bizen, genauer gesagt die Stadt Kagato. Dort traf ich Herrn Buyô, der einen noborigama mit vier Kammern führt. Der Ofen wurde am Montag gerade beladen, sie sind erst heute damit fertig geworden. Ich wählte dort zahlreiche schöne Stücke für den Shop aus, die brauchen aber noch ein bisschen, bis sie in Deutschland ankommen.

Das Beladen des noborigama
Das Beladen des noborigama

Einige Matchaschalen und Tassen sind bereits im Shop zu finden. Wenn du dich dafür interessierst, freue ich mich, wenn du dich im Shop umsiehst.

Die Zeit ging natürlich viel zu schnell vorbei, aber ich freue mich schon auf den nächsten Besuch und die vielen netten Menschen und Freunde.

Sechs Merkmale, die für mich einen erstklassigen Sencha ausmachen

Heute möchte ich sechs Merkmale nennen, die für mich einen guten Sencha ausmachen. Ich liebe Sencha. Das war aber nicht immer so. Als ich anfing, Tee zu trinken, habe ich mich im preiswerten Einstiegssortiment (<10 EUR/100g) durch die gängigen Sorten getrunken. Und gerade um Japan-Tee habe ich früh einen Bogen gemacht und hielt Genmaicha (Sencha mit geröstetem Reis) für die einzig trinkbare japanische Sorte. Es änderte sich alles in Japan, denn dort begann ich hochwertigen Sencha zu trinken. Und dieser spielt geschmacklich in einer anderen Liga. Wenn du günstigen Sencha magst – herzlichen Glückwunsch! Glücklich ist der, der zufrieden mit einfachen Qualitäten ist. Für alle anderen sind die folgenden Tipps hoffentlich eine Hilfe, denn zum Glück kriegt man guten Sencha auch in Europa.

Qualität hat ihren Preis

Ich kenne die “Schnäppchenjägermentalität” nur zu gut. Du denkst, dass du einen erstklassigen Tee zum Schleuderpreis irgendwo finden kannst? Das dachte ich auch. Manchmal findet man wirklich akzeptable Tees für wenig Geld. Wobei “wenig” natürlich relativ ist. Einen erstklassigen Sencha findet man in Europa in der Regel nicht unter 10 EUR. Warum? Weil diese Qualität bereits in Japan der 10 EUR-Marke sehr nahe kommt. Und dieser Tee hält noch nicht die europäischen Grenzwerte für Pflanzenmittelrückstände ein, wurde nicht importiert, auf Radioaktivität und Pestizide analysiert, verzollt und umverpackt. Die erste Ernte erzielt immer den höchsten Preis, jede weitere verliert an Wert und an Geschmack.

Grüner wird’s nicht?

Guten Sencha erkennt man bereits an der Farbe. Je grüner das Blatt ist, desto frischer die Pflückung. Im trockenen Zustand sind die Nadeln eher dunkelgrün, nach dem Aufguss sieht man die eigentliche Farbe deutlicher. Wenn die Farbe an das frische Grün von Gras erinnert, dann ist es eine gute Qualität. Wird das Grün blasser und weicht ins Gelbliche, dann handelt es sich bereits um eine spätere Ernte.

Erste Ernte gegen späte Sommerernte
Erste Ernte gegen späte Sommerernte

Die Erntezeit ist entscheidend

Je nach Anbauregion kann in Japan bis zu fünf mal geerntet werden. Die erste Ernte beginnt in südlichen Anbauregionen bereits im April, andere Regionen in kühlen Höhenlagen fangen mit erst Anfang Juni an. Die erste Pflückung ist für alle Teebauern die lukrativste, denn für diesen Tee lassen sich die besten Preise erzielen. Diese werden von den Einkäufern natürlich nur gezahlt, weil die Qualität der Blätter besonders hoch ist. Wer also einen echten Premium Sencha kaufen möchte, sollte daher darauf achten, dass dieser im April oder Mai geerntet wurde. Der Juni ist deshalb problematisch, da dann im Süden bereits die zweite Ernte beginnt.

Jede weitere Ernte bedeutet Einbußen in Farbe und Geschmack der Blätter. Einige Bauern verzichten sogar schon auf die Schlussernte, die zu Bancha verarbeitet wird, weil sie damit gerade mal die Herstellungskosten decken können.

Teeernte in Japan
Teeernte in Japan

Das Erntejahr ist gar nicht so wichtig

Immer wieder liest und hört man, dass japanischer Tee nicht lagerfähig ist. Das stimmt auch bis zu einem gewissen Grad. Wenn man einen Tee offen in einer Dose mit viel Sauerstoff bei Normaltemperatur lagert, dann wird man bereits nach einem Jahr einen deutlichen Aromenverlust feststellen.

Heutige Unternehmen lagern den Tee häufig vakuumverpackt bei kühlen Temperaturen. Dadurch kann die Qualität der Blätter sogar mehrere Jahre stabil gehalten werden. Auf der Arbeit habe ich sogar einmal ein verschlossenes Muster eines hochwertigen Grüntees gefunden, welches 5 Jahre auf dem Buckel hatte. Obwohl bei Normaltemperatur gelagert, schmeckte der Tee noch immer sehr gut. Im direkten Vergleich zu einem frischen Tee hätte man sicherlich einen Unterschied gemerkt, aber das bedeutet noch lange nicht, dass der 5 Jahre alte Grüntee per se schlecht ist. Er entwickelt und verändert sich, aber nicht so gravierend, dass er in kürzester Zeit ungenießbar ist. Grundsätzlich würde ich einen 5 Jahre alten Tee einem aus zweiter oder dritter Ernte vorziehen, wenn er zumindest ordentlich verpackt ist.

Die Blattform hat Aussagekraft

Auch anhand der Blattform kann man die Qualität eines Sencha einordnen. Allerdings geschieht das nach anderen Maßstäben als bei Schwarztee, wo Broken und Fannings massiv abgewertet werden. In Japan ist ein gewisser Anteil an Blattbruch sogar gewollt. Dies ist darin begründet, dass der Blattbruch eng mit der Dämpfungszeit zusammenhängt. Je länger der Tee gedämpft wird, desto brüchiger und weicher wird er.

Die Tasse wird trüber und der Geschmack wird dadurch vollmundiger, runder und “dicker”. Ein reiner Asamushi-Sencha (kurzgedämpfter Tee) hat natürlich auch seine Anhänger, ist aber längst nicht so populär wie länger gedämpfte Tees oder Blends, denen ein gewisser Anteil länger gedämpfter Tees hinzugefügt wurde.

Die in Deutschland offen verkauften Tees sind in den meisten Fällen Asamushi-Tees aus späteren Ernten. Während Sencha aus erster Ernte aus weichen Blättern und Trieben besteht, die sich zu filigranen Nadeln formen lassen, bestehen Sencha späterer Ernten bereits aus gröberen Blättern, die sich nicht mehr so fein rollen lassen und daher auch in der Optik entsprechend breiter und dicker ausfallen.

Kurz zusammengefasst kann man sagen, dass Tee aus erster Ernte sowohl brüchig als auch  in Nadelform daherkommen kann. Geschmacklich gibt es Unterschiede, es liegt aber am Konsumenten, welchen Typ er lieber mag. Wer Tee mit möglichst vielen unbeschadeten Blättern bevorzugt, sollte zu denen greifen, die feine und dünne Nadeln enthalten.

Luxuriöse Verpackung eines Premium Sencha
Luxuriöse Verpackung eines Premium Sencha

Verpackung ist mehr als Marketing

Ich habe nichts gegen den offenen Verkauf von losem Tee. Wenn ich in ein Teefachgeschäft gehe, dann schätze ich den Vorteil, dass ich mir den Tee zeigen lassen kann. Wenn ich den Tee aber kaufe, dann mag ich es lieber, wenn dieser Tee bestenfalls vorverpackt wurde. Bei den üblichen großen Dosen des Teefachgeschäfts habe ich die Sorge, dass der darin aufbewahrte Tee längere Zeit lagert, mit Sauerstoff in Kontakt kommt und anfängt zu oxidieren. Im schlimmsten Fall nimmt er dabei sogar die Aromen der aromatisierten Tees auf, die dann die natürlichen Aromen des Tees überdecken. Zum Glück gibt es auch in Deutschland den Trend, Tee in vorverpackten Einheiten zu verkaufen, um den Tee so vor Fremdaromen zu schützen. Und so ganz nebenbei sehen einige der japanischen Tüten auch sehr hübsch aus. Und der Teehändler kann ja ein Sample in der Schublade griffbereit halten, um dem Kunden den Sencha bei Bedarf zeigen zu können.