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Jun Chiyabari hand-rolled Himalayan Tips Tasting Notes

Der Garten Jun Chiyabari ist vielleicht der experimentierfreudigste unter den Gärten Nepals. Neben den Klassikern First und Second Flush scheuen die Brüder keine Mühe und experimentieren mit vielen Kultivaren und Macharten. In der Vergangenheit habe ich bereits über den Imperial Black und den Teegarten geschrieben.

Als ich das letzte Mal mit nepalesischen Teebauern gesprochen habe, vernahm ich ebenfalls die Bestrebung, einen Tee für Nepal zu finden, der in der Teewelt ein Alleinstellungsmerkmal hat. Ich halte das für schwierig, denn es gibt in Nepal mehrere Teeproduzenten, die vielleicht unterschiedliche Vorstellungen darüber haben, wie dieser Tee aussehen soll. Dabei kann Nepal zur Zeit eines sehr gut: Tee im Stile Darjeelings zu machen, ohne dabei absurde Preise zu verlangen. In diesem Zusammenhang, habe ich bereits die Frage aufgeworfen, ob Nepaltee nicht der bessere „Darjeeling“ sei.

Der Garten Jun Chiyabari (Photo credit: Jun Chiyabari Tea Garden)

Der Teemarkt gibt auf diese Frage bereits Antworten, Nepal ist dabei, über den Status als Alternative zu Darjeeling hinauszuwachsen. Dazu trägt sicherlich bei, dass Darjeelings Pflanzenmaterial so alt geworden ist, dass es immer schwieriger wird, daraus guten Tee zu machen. Nepal hingegen hat viel jüngere Pflanzen und damit theoretisch sogar die besseren Voraussetzungen.

Genug zum Hintergrund, widmen wir uns nun endlich dem Tee. Als ich das Ankunftsmuster des Tees zum ersten mal probierte, war ich überwältigt von der Intensität des Bouquets. Mein Interesse war geweckt, deswegen kontaktierte ich Bachan Gyawali, einen der beiden Jun Chiyabari Brüder, und fragte nach weiteren Informationen.

Bei diesem Tee wurden tatsächlich alle möglichen Schritte per Hand ausgeführt. Vier Mal im Jahr stellt Jun Chiyabari einen handgerollten Tee her, in jeder Jahreszeit einen. Die Unterschiede sind entsprechend groß, der vorliegende Tee ist aus der Sommerernte.

Das Blatt

Das Blatt enthält viele Blattspitzen, die sich farblich abheben. Auffällig ist die intakte und voluminöse Blattstruktur. Der Tee ist eine Augenweide, Blattbruch sucht man vergebens.

Das Aroma

Der Duft der trockenen Blätter ist betörend. So intensiv süß und fruchtig ist das Aroma selten bei einem Second Flush. Ich rieche Akazienhonig, Fliederbeere und ein bisschen Kuchenkruste.

In der vorgewärmten Kyûsu ist die Honigsüße so dominant, dass ich daneben kaum noch etwas rieche. Ich muss an Oolong wie Oriental Beauty denken. Es findet sich aber auch die Nussigkeit eines typischen Second Flushs in Form von Hasel- und Erdnüssen.

Der Geschmack

Zubereitet wird der Schwarztee wie immer nach der Methode für gehobene Schwarztees. Was mich an diesem Tee von Anfang an fasziniert, sind die Süße und Blumigkeit, die mich wieder an Akazienhonig erinnern. Er ist hocharomatisch, im Abgang kommt die bereits in der Nase festgestellte Haselnuss. Es zeigen sich auch Anklänge von Kakao und Milchschokolade. Der Geschmack hallt ungewöhnlich lange nach, so dass ich mir mit dem zweiten Aufguss etwas Zeit lasse.

 

Der zweite Aufguss hat jetzt mehr Körper, ist würziger und kräftiger. Der Akazienhonig verwandelt sich daher in würzigen Waldhonig. Der Abgang wird trockener, ist aber noch immer sehr aromatisch. Es ist auch eine Holz-Nuance zu spüren, die in Richtung Eiche tendiert.

Beim dritten Aufguss wird dieser Jun Chiyabari nun süffig. Die Süße lässt jetzt deutlich nach, er ist aber immer noch sehr gefällig. Im Geschmack zeigen sich nun Traubenkernöl und Anklänge von Weintrauben. Die Parallelen zu Nepal- sowie Darjeeling-Oolong und Oriental Beauty werden jetzt deutlicher. In einer Blindverkostung würde er mit Sicherheit für Überraschungen sorgen.

Obwohl ich einen vierten Aufguss bei Schwarztees eigentlich nicht mache, entschließe ich mich nun doch dazu. Ich werde nicht enttäuscht. Er bleibt bis zum letzten Schluck sehr aromatisch. Der Geschmack geht zwar ein bisschen zurück, dafür zeigen sich in der Nase Noten von Blüten und Herbstlaub sowie Karamellgebäck.

Fazit

Wie du sicherlich bemerkt hast, bin ich von dem Tee sehr begeistert. Daher habe ich ihn bereits in der 56. Ausgabe der Teecetera empfohlen. Wer indische oder nepalesische Second Flushs und Oolong mag, dem kann ich diese Spezialität nur ans Herz legen. Zu finden ist der Tee im Edmon’s Sortiment von TeeGschwendner und ist daher nur so lange erhältlich, wie der Vorrat reicht. Wenn du dich für eine zweite Meinung interessierst, schau doch mal beim Tee-Tagebuch vorbei. Dort hat Stephan Kockmann diesen Tee ebenfalls verkostet und vorgestellt.

Purple Tea aus Kenia

Heute habe ich mir die Zeit für eine besondere Teesorte genommen. Wie der Titel es schon sagt, geht es heute um Purple Tea, was wortwörtlich zu verstehen ist. Vor langer Zeit habe ich bereits einen Purple Tea im Blog vorgestellt, jener kam aber aus China. Heute geht es um einen Purple Tea, der in Kenia hergestellt wird.

Was ist Purple Tea?

Purple Tea wird aus einer Strauchsorte hergestellt, die in den Blättern viel Anthocyane anreichert. Dieser Stoff sorgt für die ungewöhnliche Färbung und kommt beispielsweise auch in Blaubeeren und Brombeeren vor.

Welche Aufgabe hat der Farbstoff?

Der Farbstoff erfüllt mehrere Zwecke. Zum einen wandelt er die kurzwellige UV-Strahlung in Wärme um und schützt dadurch die Proteine und die DNA. Weiterhin werden Freie Radikale im Pflanzensaft gebunden und die Pflanze so vor oxidativem Stress geschützt. Daher verwundert es nicht, dass der Hersteller mit genau diesem Effekt seine Produkte bewirbt.

Woher kommt Purple Tea?

Sträucher, die Anthocyane bilden, kommen in China natürlich vor. In Kenia sind sie eine relativ junge Erscheinung und das Ergebnis einer fast 25jährigen Forschung. Der Hauptgrund für die Verbreitung des Purple Tea ist aber die abnehmende Nachfrage nach kenianischem Schwarztee, der die Teebauern dazu veranlasste, auf eine ganz eigene Teesorte zu setzen, die selbst in China eine Seltenheit ist.

Wir haben bei meinem Arbeitgeber drei Muster dieses Tees angeboten bekommen. Und einen davon möchte ich dir heute vorstellen.

Das Blatt

Der Purple Tea hat ein äußerst intaktes Blatt, das macht den Tee sehr voluminös. Die vielen langen, drahtigen Blätter sind ineinander verhakt und ich habe Mühe sie auseinander zu bekommen. Mir gefällt, was ich sehe. Ich mag es, wenn man beim Anblick eines Tees noch die Blätter erkennt. Was man aber auch sieht, ist, dass die Blätter teils ganz schön groß sind.

Der Duft

Auch wenn alle Sorten ihr jeweils eigenes Aromenprofil haben, haben sie eine Gemeinsamkeit, die schwer zu greifen ist. Der Duft des FOP (Flowery Orange Pekoe) ist etwas irritierend. Anfangs kann man zwar noch mit gutem Willen von Erdbeermarmelade sprechen, aber wenn man auf den Tee ausatmet, zeigen sich ganz andere und ungewohnte Aromen, die schwer einzuordnen sind. Und obwohl ich Andersartigem aufgeschlossen gegenüber stehe, wirkt dieser Duft eher abschreckend auf mich.

Nach dem ersten Aufguss zeigt sich eine leichte Blumigkeit. Und bereits jetzt erkennt man eine Parallele, die sich auch bei den folgenden Aufgüssen ziehen lässt. Der Tee hat Ähnlichkeit zu Maocha, dem Ausgangsmaterial von Pu Er.

Der Geschmack

Laut Herstellerangaben soll man den Tee 3-5 Minuten ziehen lassen und mit einem Schuss Zitrone verfeinern. Die Zugabe von Honig ist ebenfalls möglich. Daraus habe ich abgeleitet, dass man dem Tee grundsätzlich lange Ziehzeiten zutrauen kann. Falsch gedacht. Der Tee wurde ungenießbar. Ich brauchte einen zweiten Versuch mit kürzeren Ziehzeiten, den Tee sollte man eher wie einen Grüntee zubereiten.

Wie schmeckt er nun? Der erste Aufguss ist von der Farbe her schon fast spektakulär. So eine Farbe, die tatsächlich in Richtung Lila geht, habe ich bei einem Aufguss noch nicht gesehen. Doch leider ist das auch schon alles, was mich am ersten Aufguss begeistert.

Der Tee schmeckt komisch krautig, hat einen langen Nachgeschmack und erinnert Frau P. an Metall. Es gibt eine leichte Parallele zu Maocha, aber Maocha schmeckt mir in der Regel besser. Die weiteren Aufgüsse verlieren zwar die schöne Farbe, aber dafür schmecken sie milder und besser. Mit ein bisschen wohlwollender Fantasie erkennt man die Erdbeermarmelade vom Anfang, aber vielleicht ist da auch der Wunsch der Vater des Gedanken.

Fazit

Purple Tea finde ich noch immer sehr spannend, vor allem, weil er aus Marketing-Sicht großes Potenzial hat. Doch es wird seine Gründe haben, warum dieser Tee in Deutschland kaum verbreitet ist. In der Regel ist man im Teehandel dankbar für Sorten, die aus der Reihe fallen, doch hier muss geschmacklich noch nachgebessert werden, wenn der Tee nicht nur aus gesundheitlichen Gründen getrunken werden soll. Wer sich für den Tee interessiert, kann sich auf der Seite des Herstellers informieren und sich eventuell auch eine Packung kaufen.

Handgerollter Wettbewerbstee

Wettbewerbstees sind vielleicht die „nerdigsten“ Teesorten, die man in Japan finden kann. Sie werden immer nur zu speziellen Anlässen, den sogenannten Wettbewerben hergestellt, bei denen es darum geht, in einer Kategorie die besten Tees auszuzeichnen. Dabei geben sich Teebauern und Hersteller natürlich besonders viel Mühe und diesen Unterschied schmeckt man.

Handgerollte Tees – in Japan eine Seltenheit

Es ist leider nicht leicht, an diese Tees zu kommen. In japanischen Onlineshops oder Verkaufsplattformen wie Rakuten tauchen immer wieder mal kleine und stark limitierte Mengen auf, die ein Vielfaches eines normalen Tees kosten. Es soll aber auch hierzulande Teehändler geben, die sich diese Liebhabertees leisten und ihren Stammkunden etwas davon zur Verfügung stellen.

Über das Teetalk-Forum habe ich vor langer Zeit von dem User Seika einige kleine Pröbchen erhalten. Eigentlich ist es eine Schande, dass ich sie noch nicht getrunken habe, da Grüntees innerhalb einer bestimmten Zeit genossen werden sollten und ich diese Tees bestimmt schon ein Jahr hier liegen habe.

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Der Tee des heutigen Tages ist ein handgerollter Sencha (手もみ煎茶 temomi-Sencha), der bei dem 22. Nationalen Wettbewerb den zweiten Platz erzielte. Es ist ein kleines Novum für mich, dass dieser Tee von Shimoda Mitsuko – einer Frau – hergestellt wurde. Da der Herstellungsprozess sehr mühsam ist und mehrere Stunden in Anspruch nimmt, sind handgerollte Tees sehr selten.

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Die Prozedur ist so aufwendig, dass es in Japan Vereine zur Bewahrung des Tee-Handrollens (茶手もみ保存会) gibt. Einen Vertreter durfte ich auf der letzten Coteca-Messe treffen, der dort die langwierige Herstellung demonstrierte. Dabei wird der Tee auf einem speziellen Tisch, der von unten beheizt wird, in mehreren Stufen gerollt. Diese Herstellungsmethode ist auch heute noch Vorbild der maschinellen Produktion. Die Rollprozesse werden dort mit verschiedenen Maschinen imitiert. Doch das Blatt übersteht diese Verarbeitung nicht unbeschadet. Die langen Nadeln bleiben nur erhalten, wenn Sie vorsichtig per Hand gerollt werden.

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Die Blätter

Die Farbe des trockenen Blattes ist schon fast olivgrün. Ich kann mir nicht vorstellen, dass diese Farbe die Ausgangsfarbe dieses Tees ist, vielmehr spiegelt sie mein sträfliches Versäumnis wider. Die Farbe hat sich wohl leider negativ verändert. Es ist nur sehr wenig Blattbruch dabei und der Tee besteht aus sehr langen Nadeln – das ist ein Erkennungsmerkmal eines guten handgerollten Tees.

Das Aroma

Der Duft der trockenen Blätter ist aber nach wie vor intensiv. Es ist ein schwerer Duft, der aus einer feinen Balance von frischen Maracujas, Seealgen und Röstnoten besteht. In der aufgewärmten Shiboridashi von Andrzej Bero wird das Aroma maritimer. Jod und Salz dominieren.

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Vielen Dank an dieser Stelle an Paul für die schönen Holzutensilien

Zubereitung

Zubereitet wird der Sencha nach Gefühl. Die Menge reicht gerade mal für einen Versuch aus. Daher lasse ich die geschätzten 4 g ca. eine Minute ziehen, beim zweiten Durchgang gieße ich sofort ab. Der dritte Aufguss darf wieder etwas länger ziehen.

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Die Geschmackspalette

Da ich das Wasser gut abgekühlt habe, zeigt sich zuerst ein lieblicher sowie schwerer Geschmack, mit Anklängen von Umami, aber nicht zu aufdringlich. Neben blanchierten Mandeln findet sich auch das Maritime in Form von Salz und gerösteter Alge wieder.

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Dann, beim zweiten Aufguss, wird der Sencha viel würziger und kräftiger. Anstelle der Mandel und Umami machen die Röstnoten auf sich aufmerksam. Es schießen sofort Assoziationen mit Nori-Algen und Röstkastanien in den Kopf.

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Der dritte und letzte Aufguss ist eigentlich wie der erste nur etwas schwächer. Die nassen Blätter riechen schön süßlich und erinnern an frisch produzierten Tee zur Shincha-Zeit.

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Fazit

Ich bin ein Fan von diesen Wettkampftees. Sie sind wegen ihrer Preisklasse ohnehin nichts für jeden Tag, aber von Zeit zu Zeit gönne ich mir diesen Geschmack sehr gerne. Es ist wie wenn man sich einen Cognac der Klasse XO gönnt. Nichts für jeden Tag, aber man versteht danach viel besser, was in dieser Geschmackswelt eigentlich möglich ist. Daher bedanke ich mich bei Seika für diesen schönen Sencha und verneige mich vor der Handwerkskunst Shimoda Mitsukos.

Ito yori Gyokuro

Heute geht es um keinen echten Gyokuro, sondern um ein Mitbringsel aus Japan, welches auf den schmeichelhaften Namen „ito yori Gyokuro“ (jap.: 糸より玉露) hört. Gefunden habe ich den Tee in Kanazawa, als wir uns vor dem uns nicht wohlgesonnenen Wetter versteckten und unsere Zeit in Kaufhäusern verbrachten, um nach Mitbringseln für Freunde und Verwandte zu suchen. Bei dieser Suche stieß ich also auf einen kleinen Laden, der sich auf diese Art von Tee spezialisierte.

ito yori Gyokuro
ito yori Gyokuro

Was bedeutet der Name?

Der Name bedeutet frei übersetzt „Gyokuro aus Fasern“. Und wenn man sich den Tee ansieht, dann erkennt man sogleich die Namenherkunft, denn der Tee besteht nur aus Fasern, die zum größten Teil die Haut der Stengel und Blattadern bildeten.

Wie wird der Tee hergestellt?

Blatttee wird in Japan von vielen Bauern zu einem Rohtee verarbeitet, der als Vorstufe des richtigen Tees angesehen wird. Dieser enthält noch viele Stängel, Blattbruch und auch längere Blattnadeln. Der Rohtee wird dann von Teefirmen eingekauft und nochmals veredelt, indem man alle Stängel aussortiert, den Tee sortiert und den Blattbruch aussiebt. Danach kann der Tee nochmals nachgeröstet werden, um sein Aroma zu intensivieren. Fasern und Stängel sind im Endprodukt unerwünscht, denn in Japan legt man großen Wert auf die Optik. Allerdings haben auch diese Bestandteile (jap.: demono) noch Geschmack und so hat sich ein Unternehmer eine Geschäftsidee überlegt, wie man diese Reste noch verwerten kann.

"Gyokuro aus Fasern"
„Gyokuro aus Fasern“

Das Blatt

Der Tee ist sehr voluminös und besteht hauptsächlich aus den äußeren Schichten der Stengel. Hier und da finden sich zwar auch gröbere Blattstücke und Holz, aber der Anteil beträgt weniger als 10%.

Aroma

Der Geruch ist sehr leicht, eigentlich fängt man erst an, etwas zu riechen, wenn man den Tee in einen warmen Behälter oder eine vorgewärmte Teekanne füllt. Dann kann man eine dezente Frucht erahnen. Davor kommt allerdings ein sehr starker Duft, der mich vor allem an Tencha erinnert. In einer Tenchafabrik riecht es jedenfalls genauso. Neben nussigen Aromen finde ich auch leichte Algen.

Ziehzeit beträgt ca. 2Minuten bei 50°C
Ziehzeit beträgt ca. 2 Minuten bei 50°C

Geschmack

Ich gebe zunächst ca. 3-4g von diesem Tee in eine Kanne, die 150ml Fassungsvolumen hat. Der erste Aufguss bei ca. 50°C darf 2 Minuten ziehen – wie ein echter Gyokuro. Und so ähnlich fällt auch der Geschmack aus. Sehr intensiv und leicht algig dazu viel Umami. Der Nachgeschmack ist lang und nussig. Danach erinnert die Intensität entfernt an Parmesankäse. Wenn ein Getränk so intensiv ist, kann man nicht viel davon trinken. Man muss die wenigen Schlücke in kleinen Dosen genießen. Eine große Kanne wäre fehl am Platz.

Die Tassenfarbe ist gelber als erwartet
Die Tassenfarbe ist gelber als erwartet

Der zweite Aufguss, den ich sofort abgieße, ist viel leichter. Offenbar haben die Fasern fast ihren ganzen Geschmack bereits an den ersten Aufguss abgegeben und verfügen nur über wenige Reserven. Ich muss an Grüntees denken, die mit Matcha verfeinert werden. Außerdem ist deutlich Gemüse zu schmecken. Ich denke an Zucchini und Aubergine. Trotzdem fehlt es dem Tee an Körper, er wirkt ein bisschen flach.

Der zweite Aufguss ist viel dichter und grüner
Der zweite Aufguss ist viel dichter und grüner
Die Fasern aus der Nähe betrachtet
Die Fasern aus der Nähe betrachtet

Fazit

Der „ito yori  Gyokuro“ kann sich mit einem richtigen Gyokuro nicht messen. Dafür ist er nicht komplex und vielschichtig genug. Mir hat es vor allem an Süße und Körper gefehlt. Trotzdem ist es erstaunlich, wie viel Geschmack noch in den Fasern steckt. Vor diesem Hintergrund überrascht es auch nicht, dass Kukicha in Japan eine Daseinsberechtigung hat. In Deutschland gibt es noch Teataster, die diese anzweifeln, da in der Welt des Schwarztees jede Form von Stängeln im Tee negativ beurteilt wird. Dieser Tee kostete in Japan nur ein Drittel bis die Hälfte eines echten Gyokuros. Daher darf die Erwartungshaltung nicht allzu hoch ausfallen.

Wer demnächst etwas im Shop bestellt, bekommt von dem Tee eine Gratisprobe. Natürlich nur so lange der Vorrat reicht.

 

Uji-Sencha von Hôraidô

Die Vorfreude auf Japan ist so groß, dass ich an kaum etwas Anderes mehr denken kann. Noch sieben Tage, dann geht es auf nach Kyôto. Wir werden uns Tee- und Keramikläden ansehen, nach Uji fahren und dort natürlich Uji-Sencha trinken. Dann geht es außerdem nach Osaka, Tokyo, Kanazawa, Fukui und Takayama. Am Ende der dreiwöchigen Reise fahre ich noch zu meiner Mutterfirma, um vor Ort weitergebildet zu werden. Besser gehts nicht, oder?

Um die Vorfreude gebührend zu feiern, habe ich mir aus dem Eisfach einen Uji-Sencha geholt, den ich mir irgendwann mal in Kyôto gekauft haben muss. Es handelt sich dabei um ein sehr schönes traditionelles Geschäft, welches den Tee noch in Keramikkrüge füllt und erst in der Herbstzeit nach einer gewissen Reifezeit verkauft. Auf diese Weise bleibe noch ein bisschen Restsauerstoff zurück und der Tee verliere dadurch an Schärfe, während Körper und Umami erhalten blieben.

Eigenen Angaben zufolge besteht das Geschäft an derselben Stelle schon seit 1803. Die Betreiber konzentrieren sich seit der Gründung auf eigene Blends, die ihrer Meinung nach den Geschmack von Uji-Tee am besten zum Ausdruck bringen.

Hôraidô Uji-Sencha
Typisch japanisch – der Tee ist nochmals sorgfältig in ein hübsches Papier gewickelt
Hôraidô Uji-Sencha
Der Uji-Sencha von Hôraidô

Der vorliegende Grüntee ist ein Sencha gehobener Qualität, da er mit der Bezeichnung „Jô“ klassifiziert wird. Ich habe ihn daher nach der entsprechenden Methode gebrüht.

Blatt

Die Blätter sind tiefgrün, allein an dieser Farbe merkt man sofort, dass es sich hierbei um erste Ernte handelt. Die Blattstruktur ist weitestgehend in Ordnung, es ist nur sehr wenig Blattbruch enthalten, weswegen ich auf eine kurze Bekämpfungszeit (asamushi) schließe.

Uji-Sencha Hôridô
Uji-Sencha Hôridô
Uji-Sencha Hôridô
Das Aufwärmen der Kanne

Duft

Gleich nach dem Öffnen der vakuumierten Tüte bin ich etwas irritiert, denn vom Tee ist kaum etwas wahrzunehmen. Vielmehr habe ich das Gefühl, dass nur der Kunststoff der Innenbeschichtung zu vernehmen ist. Auch meine Frau stimmt mir hier zu.

Riecht man an den Blättern selbst, ist mehr zu erahnen. Einen Vorgeschmack auf das, was kommt, bekommt aber erst, wenn man die Blätter in die vorgewärmte Kanne tut und dann daran schnuppert. Denn dann zeigt sich ein Duft, den ich zuletzt beim Yamato-cha vernommen habe: Alge, Seetang, Jod – ein schweres maritimes Aroma, welches ich bisher nicht  mit Uji-Tees in Verbindung brachte.

Geschmack

Der erste Aufguss ist sehr lecker! Typisch für kurz gedämpfte Tees ist, dass sie einen mit Geschmacksfülle nicht gleich erschlagen. Sanftes Umami und eine ansprechende Süße machen Lust auf einen zweiten Schluck. Der Abgang ist mittellang, im Mund hat der Aufguss eine ölige Textur (genau mein Fall). Die maritime Note ist nicht wiederzukennen, dafür kommt mir der Tee angenehm salzig vor.  Leichte Parallelen zum Yamato-cha sind daher durchaus zu erkennen.

Uji-Sencha Hôraidô
Zuerst abgekühltes Wasser in die Kyûsu füllen…
Uji-Sencha Hôraidô
…dann abgießen…
Uji-Sencha Hôraidô
…und genießen…

Der zweite Aufguss ist zwar nicht mehr so ölig, dafür ist er noch süßer und süffiger. Der Geschmack ist erstaunlich konstant. Selbst der dritte und vierte Aufguss liefern zwar keine neuen Erkenntnisse, bringen aber die maritime Note vom Anfang zurück ins Spiel und werden immer süffiger.

Uji-Sencha Hôraidô Uji-Sencha Hôraidô

Fazit

Hôraidô macht Lust auf mehr und wie es der Zufall so will, wird mein Hotel ganz in der Nähe des Ladengeschäfts liegen, daher werde ich sicherlich kurz vorbeischauen und eine weitere Spezialität des Hauses probieren. Wer zufällig in Kyôto ist und diesem Teefachgeschäft einen Besuch abstatten möchte, dem sei diese Internetseite empfohlen. Gemessen am heutigen Stand der Technik ist die Internetpräsenz aus einer prähistorischen Zeit, aber sie liefert alle nötigen Informationen, um den Laden zu finden.

In eigener Sache: Da ich für drei Wochen in Japan sein werde, wird der Shop in der Zwischenzeit leider schließen müssen. Dafür wird es nach meiner Rückkehr viele neue Utensilien geben, über die du informiert wirst, wenn du dich für den Shop-News-Newsletter anmeldest.

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Tasting Notes: Ambootia Darlongjin

Heute möchte ich eine Rarität vorstellen, es ist ein Grüntee aus Ambootia, der auf den Namen Darlongjin hört. Einer der Tea-Taster von TeeGschwendner – Daniel Mack – hat mir freundlicherweise ein Sample davon zur Verfügung gestellt, vielen Dank dafür!

Der Teegarten Ambootia

Die Geschichte des Teegartens Ambootia, der zu Darjeeling gehört, geht auf das Jahr 1861 zurück. Die Plantagen liegen in einer Höhe von 450 bis 1350m, jährlich werden ca. 150 Tonnen Tee hergestellt. Der Teegarten ist Bio-, Fairtrade- und Demeter-zertifiziert.

Ambootia ist nicht nur ein Teegarten, es ist eigentlich eine Unternehmensgruppe, zu der auch andere Teegärten wie beispielsweise Happy Valley gehören. Eine vollständige Liste der zugehörigen Gärten findest du auf der offiziellen Seite.

Kreative Neuentwicklungen

Immer wieder hört man, dass Teegärten in Indien und Nepal sich darin versuchen, asiatische Konzepte auf ihre Tees zu übertragen. Auch die Grüntees aus Darjeeling gehören zu diesen Versuchen, ich gestehe, dass mich bis heute noch kein Grüntee aus Nepal oder Indien überzeugen konnte. Trotzdem finde ich es legitim und sogar wünschenswert, dass solche Versuche durchgeführt werden. Es ist (hoffentlich) nur eine Frage der Zeit, bis die Mühen auch Früchte tragen.

Der Darlongjin

Der kundige Leser hat natürlich schon längst am Namen erkannt, welcher Tee in Ambootia kreiert wurde. Es ist ein Long Jing, der in unseren Gefilden auch als „Drachenbrunnentee“ bekannt ist und zu den populärsten chinesischen Tees zählt. Die Blätter eines Long Jing werden in Pfannen geröstet und haben typischerweise eine platte Form. Charakteristisch für einen Long Jing ist der Geschmack von Esskastanien und grünem Spargel. Es stellt sich nun die Frage, ob der Darlongjin geschmacklich in die gleiche Kerbe schlägt oder doch nur die Optik mit seinem großen Bruder teilt.

Darlongjin – das Blattgut

Die Blätter

An den Blättern erkennt man die typische platte Form des Long Jing. Es zeigen sich aber auch Unterschiede, denn die Blätter haben weniger Flaum an sich haften und sie unterscheiden sich auch farblich von den Long Jing, die ich in Erinnerung habe.

Aroma

Der Geruch der trockenen Blätter ist sehr intensiv und fruchtig. Auf der einen Seite riecht man sehr deutlich die Röstaromen, auf der anderen Seite eine für Long Jing untypische Frucht, die aber bei Darjeeling-Grüntees häufiger zu finden ist und in Richtung Passionsfrucht (Frau P.) oder Maracuja geht.

In der warmen Shiboridashi verschwinden die deutlichen Fruchtaromen, die Röstaromen gewinnen die Oberhand. Ich denke neben Maronen auch an geröstete Algen (Nori).

Zubereitung

Ich habe für diesen Grüntee relativ hohe Temperaturen zwischen 80 und 90°C gewählt, wobei ich feststellen musste, dass letzteres zu heiß war. Die Ziehzeiten betragen in Sekunden: 60/45/60

Nicht zu heißes Wasser verwenden, dass mag der Darlongjin überhaupt nicht
Nicht zu heißes Wasser verwenden, dass mag der Darlongjin überhaupt nicht

Direkt nach dem Abgießen des ersten Aufgusses rieche ich nochmals die Blätter. Das Aroma ist nochmal anders, viel deftiger als vorher. Frau P. bringt Grünkohl ins Spiel, ich denke eher an gekochte Sellerie, wir einigen uns schließlich auf Gemüseeintopf.


Im Geschmack zeigt sich der Darlongjin über vier Aufgüsse erstaunlich vielseitig. Gießt man ihn zu heiß auf, dann kann er auch in Form von Herbe „zicken“. Zunächst zeigt er sich blumig und duftend, aber auch fruchtig und gemüsig. Dann kommt etwas grüner Spargel hinzu, für Frau P. entwickeln sich Aromen, die milchig, sahnig sind und an Matchakäsekuchen erinnern. Ich kann da nicht ganz folgen, aber so unterschiedlich kann die Wahrnehmung sein.

Die Ausgussfarbe ist mehr gelb als grün
Die Ausgussfarbe ist mehr gelb als grün

Am Ende setzt sich dann doch noch der typische Darjeeling-Grüntee-Geschmack durch, er bleibt aber spritzig und fruchtig, manchmal muss ich auch an einen Riesling denken.

Fazit

Der Darlongjin ist definitiv ein feiner Grüntee, der keine bloße Kopie des echten Long Jing ist und auch gar nicht sein möchte. Ich bin ein großer Skeptiker was Grüntees aus Indien und Nepal angeht, daher freut es mich umso mehr, dass mit diesem Tee etwas gelungen ist, was meiner bescheidenen Meinung nach Potenzial hat. Allerdings hat es der Tee dann doch nicht ins Sortiment von TeeGschwendner geschafft. Vielleicht war das Experiment dann doch zu gewagt, um es der breiten Masse zugänglich zu machen. Ich kann mir allerdings gut vorstellen, dass künftig kleine Partien dieses Darlongjin bei anderen Händlern auftauchen werden, die sich gerne auf solche Experimente einlassen. Vielen Dank, lieber Daniel, für diese Probe!

Jenseits der japanischen Prominenz: Yamato-cha

Die Anbauregion Yamato liegt in Zentraljapan in der Präfektur Nara und steht ein bisschen im Schatten der größeren Anbauregionen Japans wie Uji oder Shizuoka. Dabei hat Tee in Nara eine lange Geschichte vorzuweisen und gedeiht im kühlen Klima sehr gut, weswegen Nara an sechster Stelle der produktionsstärksten Präfekturen liegt.

Die Provinz Yamato

Vor langer langer Zeit (ca. 3. bis 8. Jahrhundert) wurde Japan von der Provinz Yamato regiert, in der die Herrscherfamilie lebte. Yamato heißt übersetzt „Großer Frieden“, es wird häufig als kulturelles Kernland bezeichnet, weil in dieser Region (Nara & Kyôto), viele alte Bauten und Tempelanlagen entstanden. Daher steht Yamato sinnbildlich für Japans Tradition, verkörpert die Idee eines ur-japanischen Reichs mit eigener Mentalität, die leider auch nationalistische Züge annehmen kann. Das bekannteste Beispiel dafür ist das Kriegsschiff Yamato, welches im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde.

Tempelbezirk in Nara
Tempelbezirk in Nara

Die Anbauregion

Yamato-Cha wird in einer Region angebaut, in der das Yamato-Plateau im Zentrum liegt. Es gibt jedoch auch andere Bezeichnungen, unter denen der Tee vertrieben wird. Dazu gehören Tsukigase-cha, Fukuzumi-cha, Yagyû-cha und Yamazoe-cha.

Als Cultivare finden neben Yabukita auch Meiryoku, Okumidori und die aus Samen gezogene Yamatomidori Verwendung. Aus diesem Grund gehört Yamatomidori zu den japanischen Zairai-Cultivaren.

Die Geschichte

Die Geschichte des Yamato-cha beginnt mit der Rückkehr japanischer Mönche, die im Jahre 806 aus China Samen mitbrachten. Im Butsuryû-ji soll sich sogar noch eine alte Handmühle aus dem China der Tang-Dynastie (618-907) befinden. Die mitgebrachten Samen wurden im Teegarten der Tempelanlage angepflanzt, die somit den Ursprung des Yamato-cha bilden.

Verkostung

Diesen Tee habe ich vor Jahren von einer guten Freundin aus Nara mitgebracht bekommen. Es handelt sich um eine Hausmischung eines ansässigen Teegeschäfts. Der Bezeichnung zufolge handelt es sich um einen Sencha gehobener Qualität (Jô).

Yamato-cha
Yamato-cha
Aussehen

Die Blätter sind dunkelgrün und stammen aus erster Ernte. Ich erkenne zwar viele Nadeln, es ist aber auch ein bisschen Blattbruch dabei. Ich tippe auf eine mittellange Bedämpfungszeit.

 

Aroma

Nach dem Öffnen der Tüte bin ich überrascht. Das ist ein ungewöhnlicher Duft. Zuerst denke ich an eine Fremdkontamination (Kunststoff?), merke aber dann, dass der Duft doch zum Blatt gehört, kann ihn aber nur schwer einordnen. Frau P. denkt an Zeltplane, ich finde, dass der Duft maritim ist. Nicht so algig wie die meisten anderen Sencha, es ist ein anderer Duft, der im erhitzten Zustand noch deutlicher wird.

An der Nordsee, wenn der Seetang von den Wellen an Land gespült wird, riecht es ähnlich. Es ist ein intensives Aroma, das nur unterschwellig an den Duft frischer Grünteeblätter erinnert. Dazu kommt ein Hauch von Jod.

Yamato-cha

Geschmack

Gebrüht wird nach der Methode für hochwertige Grüntees. Beim ersten Aufguss kommt eine deutliche Umami-Note zum Vorschein. Sie ist eng verwoben mit einer außergewöhnlichen Algigkeit. Häufig kommt im Sencha ein feiner Nori-Geschmack (geröstete Alge) vor. Hier ist das anders. Es ist viel maritimer. Die Viskosität ist ölig und der Saft hinterlässt einen feinen Film auf der Zunge, der nach kurzer Zeit eine frische Süße hervorbringt.

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Nach dem zweiten Abgießen ist der Geschmack deutlich einfacher. Umami ist deutlich reduziert und der Yamato-cha ist spritzig und feinherb, ein bisschen wie naturtrüber Apfelsaft vom Alten Land.

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Nun nimmt die Süße richtig Fahrt auf. Die Alge muss der Artischocke weichen. Zwei weitere Runden macht der Tee noch mit. Erfreulicherweise zeigt sich der von mir so begehrte fruchtige Teegeschmack, den ich bisher nur zwei Mal schmecken durfte, doch noch. Das ist ein toller und überraschender Ausklang.

Fazit

Dieser Yamato-cha war in vielfacher Hinsicht etwas Besonderes. Vor allem die Wandlungsfähigkeit und der maritime Charakter haben mich sehr überrascht. Es ist vermutlich ein Tee, der Einsteigern weniger schmecken wird, da er für den ungeübten Gaumen einen Tick zu ungewöhnlich ist. Japantee-Kennern möchte ich den Tee ans Herz legen, wenn sich eine Gelegenheit für sie ergibt. Vielen Dank, liebe Mito, dass du uns diesen Tee mitgebracht hast.

Übrigens: Wenn du demnächst etwas im Shop bestellst, bekommst du eine Probe dieses Tees gratis dazu. Natürlich nur solange der Vorrat reicht.

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Wie Darjeeling vor 15 Jahren: Guranse First Flush

Auch heute geht es wieder um Nepal-Tee, nur einen Steinwurf entfernt von Jun Chiyabari, um den es im letzten Artikel ging, liegt nämlich Guranse. Auch dieser Garten, dessen höchster Punkt fast 2200 Meter über dem Meeresspiegel liegt, ist zu 100% Bio-zertifiziert. Das sind beste Voraussetzungen für hocharomatische Tees, die auch das begehrte Muskatel-Aroma hervorbringen.

Lage und Produktionsvolumen
Dieser Garten ist nach Angaben von Henning Schmidt fast doppelt so groß wie Jun Chiyabari und produziert ca. 50t Tee im Jahr. Es wird überwiegend mit Darjeeling-Clonals gearbeitet. Weißer und Grüner Tee wird zwar angebaut, jedoch ist Schwarztee eindeutig das Hauptzugpferd dieses Gartens.

Wie Darjeeling vor 15 Jahren
Der hauptverantwortliche Tea Maker Andrew, der zuvor im benachbarten Jun Chiyabari und auch in Darjeeling reichlich Erfahrungen sammeln durfte, konzentriert sich auf qualitativ hochwertige Tees, die Darjeeling aus den Augen verloren hat. Über den „Grünen Trend“, der First Flush Darjeeling immer grüner werden lässt, habe ich zuvor berichtet. Dieser Tee soll noch so wie Darjeeling vor 15 Jahren schmecken.

Soziale Verantwortung
Auf der eigenen Internetseite wirbt Guranse außerdem mit der Unterstützung der älteren Menschen, die sich nicht mehr selbst versorgen können. Man kann nur hoffen, dass sie diese Hilfe auch in diesen schweren Zeiten der Erdbebenkatastrophe aufrechterhalten können.

Nepal Guranse Excellent Tips G24 Bio (2014) – 17,90 EUR / 100g
Der vorliegende Tee ist ein First Flush mit der Invoice-Nummer 24 (24. Pflückdurchgang, mehr dazu bei Tee-Fokus), es ist daher ein recht junger Tee des letzten Jahres und eine sehr begrenzte Charge. Solche kleinen Chargen kann man auch mit Single Barrel Whisky vergleichen, die immer ein bisschen anders ausfallen. Manche müssen mit anderen „geblendet“ werden, weil sie für sich alleine zu wenig Tiefe haben, andere sind außergewöhnlich gut und können zu einem entsprechenden Preis auf den Markt gebracht werden, wie eben dieser Guranse.

Zubereitung
Zubereitet wird dieser Tee nach der Methode für hochwertige Schwarztees.

Guranse First Flush 2014

Blatt
Die Blätter haben wirklich einen sehr hohen Tip-Anteil (junge Blattspitzen, die durch ihre Helligkeit und ihren Flaum auffallen). Das Blatt ist voluminös und nicht so dunkel wie ich es erwartet hätte. Verglichen mit einem richtigen Schwarztee ist der Guranse noch immer deutlich heller, auch wenn er nicht so hell ist wie ein First Flush aus Darjeeling oder Nepal.

Aroma
Dieser First Flush kommt sehr frisch daher, Spuren von Apfel drängen sich auf und werden begleitet von Brotkruste, Gewürzen und Süßholz. Die Brotkruste ist so süß, dass es auch Brioche sein könnte.

Guranse First Flush 2014
Guranse First Flush 2014

In der warmen kyûsu wandelt sich das Aroma. Es ist jetzt deutlich fruchtiger aber auch schwerer. Eine Mischung aus Orangen und Ingwer erfreut die Nase.

Guranse First Flush 2014

Geschmack
Den fortgeschrittenen Oxidationsgrad erkennt man nicht nur an der Farbe des Aufgusses, auch im Geschmack kommt er reifer und würziger als ein moderner First Flush daher. In der Nase hält sich die Brotkruste. Der Tee macht Spaß.

Guranse First Flush 2014

Der zweite Aufguss ist etwas leichter und frischer, die Aromen sind schwer zu entschlüsseln, am deutlichsten kommt Grüner Spargel durch. Die zweite Tasse ist immer noch sehr aromatisch voller ätherischer Öle.

Guranse First Flush 2014

Auch einen dritten Aufguss macht der Guranse mit und hat noch immer einen schönen Körper. Die pflanzliche Süße ist sehr deutlich. Ja, das könnte ebenfalls ein Darjeeling sein, keine Frage.

Guranse First Flush 2014

Oxidationsgrad
An den Blättern kann man die fortgeschrittene Oxidation deutlich erkennen. Nach meinem Verständnis wäre das noch immer ein Oolong, aber die Klassifizierung erfolgt wohl auch aus Traditionsgründen.

Fazit
Ich kann nicht beurteilen, wie Tee aus Darjeeling vor 15 Jahren ausgesehen hat, aber dieser ist deutlich dunkler als der heutige Trend, was mir wirklich gut gefällt. Obwohl ich auch einigen helleren Varianten etwas abgewinnen kann, freut es mich, dass es (wieder?) Alternativen dazu gibt, die schmecken. Wer sich für diesen Tee interessiert, findet ihn hier. Ich bedanke mich für die Bemusterung!

Der Shop zum Blog
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Auf der Suche nach dem eigenen Nepal-Charakter: Jun Chiyabari

Nepal kann nicht nur gute Darjeeling-Alternativen produzieren (siehe letzter Blog), einige Produzenten wie der Garten Jun Chiyabari bringen so viel Leidenschaft und Experimentierfreudigkeit mit, dass sie Tees kreieren möchten, die sich nicht nur von Darjeeling unterscheiden, sondern einen eigenen Nepal-Charakter aufweisen.

Leider muss ich mich heute im Voraus für die schlechte Bildqualität entschuldigen. iPhoto hat es tatsächlich geschafft, beim Importieren alle heute gemachten Fotos zu löschen und sie nicht in die Datenbank zu speichern. Somit musste ich auf die Handy-Fotos zurückgreifen, die qualitativ deutlich abweichen.

Leidenschaft schlägt Tradition
Henning Schmidt vom Hamburger Teespeicher war zuletzt in Nepal und Darjeeling. Daher habe ich ihn am Freitag besucht, um ein bisschen über Nepal zu plaudern. Dabei kamen wir auf einen von Nepals Vorzeigegärten zu sprechen: Jun Chiyabari. Dieser recht junge Garten wurde von zwei Brüdern im Jahre 2001 gegründet und hat eine vergleichsweise kurze Geschichte. Die beiden Brüder Lochan und Bachan sind zwei Unternehmer, die in Darjeeling im Internat aufwuchsen und in so ziemlich allen Geschäftsfeldern aktiv waren – bis auf Tee. Im Jahre 2000 schwelgten sie in nostalgischen Erinnerungen (das Internat war umgeben von Teefeldern) und beschlossen, dem Teeanbau, den sie in Darjeeling ganz nebenbei als Tee-Enthusiasten kennengelernt haben, in Nepal eine Chance zu geben. Ganz schön mutig, so ganz ohne Erfahrung im Teeanbau.

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Lage und Größe
Der biozertifizierte Teegarten liegt 200km von Kathmandu entfernt im Dhankuta-Distrikt. Darjeeling ist mit 65km viel näher. Die Pflanzen werden in einer Höhe von 1600-2000m angebaut, es handelt sich also um einen richtigen Hochland-Tee. Die Jahresproduktion beträgt schätzungsweise 25t bei ca. 25-30ha, von den umliegenden Teebauern werden allerdings weitere Teeblätter nach eigenen Vorgaben hinzugekauft, der Anteil beträgt sogar 40%.

Der Weg ist das Ziel
Die beiden Brüder setzen auf erfahrene Tea-Maker, die zuvor jahrelang in Darjeelings Gärten Erfahrungen gesammelt haben und sich in Japan und Taiwan weiterbilden. Diese Vielfalt spiegelt sich auch in den verwendeten Cultivaren wider, man scheint in Zukunft auf sich voneinander stark unterscheidende Spitzentees setzen zu wollen, was ihnen schon jetzt gelingt. So werden beispielsweise neben japanischen Yabukita- und Zairai-Cultivaren auch taiwanesische (z.B. Si Ji Chun) und ältere nepalesische eingesetzt. Laut Henning Schmidt experimentiere man sogar mit Schattentees und möchte in Zukunft Matcha herstellen.

Die beiden Brüder sind mittlerweile 15 Jahre im Teegeschäft. In dieser kurzen Zeit haben sie gezeigt, was möglich ist, wenn man mit Ehrgeiz und Leidenschaft arbeitet. Ihre Tees sind überall zu finden, wo Qualität eine Rolle spielt und sie werden nicht müde, immer wieder Neues auszuprobieren. Dem Garten und seinen Mitarbeitern geht es übrigens den Umständen entsprechend gut.

Jun Chiyabari Imperial Black 19,95 EUR / 100g
Der Name leitet sich von einer etwas zweifelhaften Geschichte ab, wonach der chinesische Kaiser dem Königreich Nepal Teepflanzen nach einem verlorenen Krieg geschenkt habe. Von jenen Pflanzen soll dieser Tee stammen.

Zubereitung
Zubereitet wird dieser Tee nach der Methode für hochwertige Schwarztees.

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Blatt
Die Blätter sind sehr voluminös und tiefdunkel. Goldene Tips setzen einen schönen Akzentpunkt und sorgen für einen ansprechenden Kontrast. Natürlich muss man als Teetrinker gleich an Schwarztees aus Yunnan denken, die in zahlreichen Formen daherkommen. Die Macher haben bei dieser Kreation aber ausdrücklich nicht daran gedacht, einen Yunnan-Tee zu imitieren.

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Aroma
Die dunklen Blätter riechen im ersten Augenblick nach Waldmeister, ein Geruch, den ich aus meiner Kindheit kenne. Da gab es diesen einen Augenblick, als mein Onkel mich in eine polnische Eisdiele führte, in der noch das Eis frisch vor Ort zubereitet wurde. Nie wieder habe ich diesen intensiven Duft beim Betreten einer Eisdiele vernommen wie damals. Und immer wenn ich an Waldmeister-Eis rieche, überkommt mich diese Erinnerung.

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Was kommt da noch? Dunkle Brot- und Kuchenkruste, dazu ein leicht nussiger Duft und vielleicht auch ein bisschen Honig? Nach dem ersten Aufguss gewinnen Kakao und Fliederbeeren klar die Oberhand. Die Vorfreude nimmt zu.

Geschmack
Der erste Aufguss hat viele verschiedene Facetten zu bieten. Da wäre zunächst Kakao und Malz. Man könnte auch an Assam denken, aber es fehlt die Würze. Eine leichte Süße breitet sich im Mund aus und die Kuchenkruste macht sich bemerkbar.

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Beim zweiten Aufguss sind die Aromen etwas dezenter. Kakao ist jetzt nicht mehr so dominant, ich denke da eher an Kakaocreme, also eine abgeschwächte Form, die auch irgendwie zum Mundgefühl passt. Jetzt zeigt sich auch die Nussigkeit, ehe im Abgang der Imperial Black nochmals mit einer schönen Portion Feuchtigkeit erfrischt.

Einer geht noch. Der Schwarztee ist jetzt süffig, die Fliederbeeren sind jetzt das erste Mal richtig deutlich zu schmecken. Vielleicht wurden sie vorher auch nur von anderen Aromen überlagert? Der erfrischende Nachgeschmack erinnert mich wieder an Zitronentee – ein schöner Ausklang.

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Fazit
Das Rad neu erfinden tut Jun Chiyabari mit Sicherheit nicht. Und dennoch ist es ein Tee, der für hochwertige Assam-Liebhaber und Yunnan-Trinker gleichermaßen interessant sein könnte. Und wem Assam-Tee sonst einfach zu stark ist, die feine malzige Note aber sehr zusagt, der kann sich ebenfalls an diesem Tee versuchen. Es ist schön zu sehen, dass es einen Ort in Nepal gibt, der abseits vom Mainstream neue Wege einschlägt. Daher werde ich Jun Chiyabari mit Sicherheit aufmerksamer verfolgen, sie haben übrigens auch einen Twitter und Facebook-Auftritt! Vielen Dank, lieber Henning für diese feine Probe. Wenn auch du dich für diesen Tee interessierst,  findest du ihn im Online-Shop vom Hamburger Teespeicher.

Auch nächste Woche geht es weiter mit einem Nepalesen, nur einen Steinwurf entfernt von Jun Chiyabari.

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Ist Nepal-Tee der bessere Darjeeling?

Wie bereits im letzten Blog angekündigt, werde ich mich in der kommenden Zeit verstärkt mit Nepal-Tees auseinandersetzen. Der Osten Nepals grenzt and Indien, genauer gesagt liegt Darjeeling nur einen Steinwurf von der nepalesischen Grenze entfernt. Und da Darjeeling das renommierteste Anbaugebiet Indiens ist, welches eine viel höhere Nachfrage hat als es überhaupt produzieren kann, werden gerne von den angrenzenden nepalesischen Bezirken Teeblätter nach Darjeeling geschmuggelt, um sie dort zu verarbeiten. Das ist nicht gut, denn auf der Reise leiden die Blätter und was dann als Darjeeling produziert wird, ist qualitativ nicht mehr das Gelbe vom Ei.

Nepal macht Darjeeling Konkurrenz
Besser und effizienter ist es, wenn der Tee direkt im Ursprung verarbeitet wird. Die Grenzgebiete auf nepalesischer Seite haben nahezu identische Anbaubedingungen wie Darjeeling und daher beste Voraussetzungen, guten Tee zu produzieren. Was sie auch machen. Nepal hat sich zu einer ernstzunehmenden Teenation gemausert, die es schafft, zu wirtschaftlich guten Preisen eine echte Alternative zu den Spitzentees aus dem Nachbarland anzubieten.

Ruht sich Darjeeling auf seinem guten Ruf aus?
Das ist deshalb so wünschenswert, weil Darjeeling qualitativ abbaut, die Preise für die wenigen verbliebenen Spitzenqualitäten hingegen weiter in die Höhe steigen. Teehändler haben es daher immer schwerer, gute Qualitäten zu vertretbaren Preisen einzukaufen, denn wir Konsumenten haben natürlich eine Schmerzgrenze und werden nicht jeden Preis für einen guten Tee bezahlen.

Zwei preiswerte Alternativen zu Darjeeling
Schauen wir uns daher zwei Nepal-Tees an, die eine sinnvolle Alternative zu Darjeeling-Tees sind. Bei meinem letzten Besuch beim Tee Kontor Kiel habe ich zwei Tees aus Nepal mitgenommen. Es handelt sich um einen First Flush Schwarztee und einen Oolong.

Wenn ein Schwarztee kein Schwarztee mehr ist
An dieser Stelle ist es sinnvoll auf die traditionelle Einordnung der indischen und nepalesischen Schwarztees einzugehen. Ein Schwarztee ist ein Schwarztee, wenn die Blätter voll fermentiert bzw. oxidiert sind. Wenn man sich nun einen First Flush aus Nepal oder Darjeeling anschaut, dann sieht man häufig, dass die Blätter überwiegend grün sind. Streng genommen handelt es sich daher auch beim First Flush um einen Oolong. Das schauen wir uns später beim direkten Vergleich der beiden Sorten noch genauer an.

Nepal Sandakphu First Flush Premium Tippy (SFTGFOP1) 11,90 EUR (100g)
Sandakphu liegt genau an der Grenze zu Indien und nur 2,5 Autostunden von Darjeeling entfernt. Der Tee eignet sich daher sehr gut für einen Vergleich. Gebrüht wird nach der Methode für Schwarztees gehobener Qualität.

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Blatt
Man hört ja immer wieder von dem „Verbrechen“, dass die Blätter von den Produzenten absichtlich zerkleinert werden, damit diese weniger Volumen für die Verladung einnehmen. Das ist bei diesen wunderschönen Blättern nicht der Fall gewesen. Die Blattstruktur ist überwiegend intakt und wirklich schön anzusehen. Die Blätter sind silbrig grün, wenn ich jetzt einen Grüntee mit diesen Fotos beschreiben würde, kämen dann wohl Einwände?

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Duft
Das trockene Blatt verströmt feine Röstaromen, die ich mit Kuchenkruste und heller Brotkruste verbinde. Dazu kommen florale Aromen, die man auch von Darjeeling-Tees kennt. Direkt nach dem ersten Aufguss denken wir an Pfirsich, Kräuterlimonade (Almdudler) und Heilpflanzenöl.

Geschmack
Gebrüht wurde nach der üblichen Zubereitungsmethode für Schwarztees. Mehr Blätter, dafür kürzere Ziehzeiten und mehrere Aufgüsse. Der erste Aufguss zeigt noch nicht das ganze Potenzial, er ist sehr mild, dabei leicht fruchtig und Frau P. verbindet diese Frucht mit der Passionsfrucht.

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Erst beim zweiten Aufguss kann ich ihr dabei zustimmen. Jetzt erkenne ich sie auch. Da ist aber noch viel mehr. Zunächst zeigt sich der typisch florale First Flush-Charakter, den man auch von Darjeeling kennt. Die Frucht ist vielschichtig, denn neben der Passionsfrucht finden wir Spuren von naturtrübem Apfelsaft aus Wildwuchs, aber etwas Apfelmus ist auch dabei. Insgesamt sehr aromatisch.

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Der dritte Aufguss bringt endlich die eingangs erschnupperte Kuchenkruste in die Tasse. Die Frucht wird frischer und erinnert deutlich an Zitrusfrüchte.

Nepal Oolong Pathivara
Dieser Tee kommt aus dem Panchthar-Distrikt Nepals, der zwar über 3 Autostunden von Darjeeling entfernt ist, was aber eher an der Straßenführung liegt, denn die Luftlinie beträgt maximal 100km.

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Blatt
Das Blatt des Pathivara Oolong ist nicht ganz so schön wie das des Vorgängers. Es ist mehr Blattbruch dabei, wobei das weniger als Kritik gemeint ist. Tees wie der Sandakphu sind einfach die Ausnahme. Es fällt auf, dass die Erscheinung viel dunkler ist, der Pathivara erinnert somit mehr an einen Schwarztee als der Sandakphu.

Duft
Der Duft des trockenen Blattes ist im ersten Moment vom First Flush kaum zu unterscheiden, aber er scheint im direkten Vergleich doch kräftiger, würziger und irgendwie schwerer zu sein. In der aufgewärmten Kanne kommen interessante Aromen zum Vorschein, der Duft von Pinienwäldern in einer kleinen Kanne.

Geschmack
Man sieht es schon an der Aufgussfarbe, im Mund folgt die Bestätigung. Dieser Tee ist würziger, vollmundiger und gehaltvoller. Ich gestehe ja, dass ich die oxidierteren Tees lieber mag. Es gibt eindeutige Parallelen zu Darjeeling Second Flush wie z.B. das oft angesprochene Muscatel-Aroma. Der erste Aufguss ist würzig und erfrischend im Abgang. Zuerst zeigt sich Haselnuss, doch im Nachklang erinnert der Tee vielmehr an Walnuss.

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Im zweiten Aufguss werden die nussigen Aromen noch viel deutlicher. Es gesellt sich eine dezente Süße dazu. Sehr lecker.

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Einen Aufguss machen wir noch und werden mit Anflügen von Orangenschalen verwöhnt. Im Gegensatz zum First Flush stellt sich ein vertrauter Schwarzteegeschmack ein. Gepaart mit den Zitrusnoten kommen Erinnerungen an Zitronentee auf. In Polen gibt man ja gerne eine Scheibe Zitrone in den Tee.

Vergleich vom Schwarztee (First Flush) und dem Oolong 9,90 EUR (100g)
Ein richtiger Schwarztee sollte eigentlich braune Blätter haben, ähnlich einem angebissenen Apfel, der einige Zeit an der Luft liegt und sich braun färbt. Links sehen wir den „Schwarztee“, der ein guter Repräsentant eines First Flush aus Darjeeling bzw. Nepal ist. Rechts sehen wir den Oolong, der deutlich dunkler ist.IMG_1759

Fazit
Ich behaupte, dass beide Tees in einer Blindverkostung von „echten“ Darjeeling nicht zu unterscheiden wären. Wenn überhaupt, dann ist es der Oolong, der im Vergleich zu einem volloxidierten Second Flush auffallen würde, weil die Oxidation nicht weit genug fortgeschritten ist. Trotzdem sind beide Tees hervorragende Exemplare dafür, was Nepal zu bieten hat. Und da Nepal noch immer mit den Folgen des Erdbebens zu kämpfen hat, erfreut es mich umso mehr, dass auch Tee Kontor Kiel eine Spendenaktion gestartet hat. 50% der WebShop-Umsätze, die durch Nepal-Tee zustandekommen, werden an ManMayaMed e.V. gespendet. Hier geht es zum First Flush und zum Oolong.

Ist Nepal-Tee nun der bessere Darjeeling? Das kommt ganz darauf an, worauf man den Schwerpunkt legt. Darjeeling ist immer noch in der Lage, Spitzenqualitäten zu produzieren, die Nepal zur Zeit noch ausstechen. Aber diese haben dann auch ihren Preis. Geht man nur nach dem Preis-Leistung-Verhältnis, dann hat Nepal die Nase vorn.

Nepal ist nicht nur gut darin, preisgünstige Darjeeling-Alternativen hervorzubringen. Es gibt Produzenten, die es schaffen, einen ganz eigenen „Nepal-Charakter“ zu kreieren. Um diese Tees wird es nächste Woche gehen. Wenn du den nächsten Beitrag nicht verpassen möchtest, dann trage dich in den Newsletter ein.
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P.S.: Kurz in eigener Sache. Ein kleiner Traum, an dem ich seit mehreren Monaten arbeite, wird sich bald erfüllen. Allein deswegen könnte sich eine Newsletter-Anmeldung lohnen 😉